Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 29 (21.7.1922)
- Date
- 1922-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdischen Arbeitgeber von Jaffa haben sich zu einer Organisation zusammengetan, um der Arbeiterorganisation ein Gegengewicht zu bieten. Die MrtschastNSmpfe dringen auch ins gelobte Land. Unsere Bewegung. Berlin. Der Vorstand des Liberalen Dereins^ür die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat sich in mehrfachen KommisfionSsitzungen mit der Frage der Entlastung der Gemeind ekörperschaften beschäftigt. DaS Ergebnis seiner Beratungen bilden die nachstehenden Richtlinien, die die Schaffung von Bezirlsgemeinden als notwendig und dringlich ansehen und dem Gemeindevorstande mit dem Ersuchen um schnelle Beratung und Vorlage an die Repräsentanz zu« gegangen sind. Entwurf zu Richtlinien zur Bildung von Bezirlsgemeinden in der jüdischen Gemeinde. Die Zahl der Berliner jüdischen Gemeindemitglieder ist insbesondere in den letzten Jahren derart erheblich gestiegen, daß die Verwaltung von einer Zentralstelle aus nicht mehr geleitet werden kann. Damit das religiöse Leben und die Verwaltung nicht Schaden leiden, die Wünsche einzelner Teile der jüdischen Bevölkerung eine größere Berücksichtigung finden, ist die Bildung von Bezirksgemeinden, die in organischem Zusammenhang mit der Verwaltung stehen, eine unbedingte Notwendigkeit. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, schlägt „der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" den Gemeindekörperschaften folgende Leitsätze für die Bildung von Bezirksgemeinden vor: § 1. Die Bezirksgemeinden schließen sich in der Regel der örtlichen Abrenzung der politischen Gemeinden Groß-Berlins an, insbesondere aber sollen die bestehenden und die noch zu errichtenden Sn'/agogen, wo eS angeht, den Mittelpunkt der BezirkSgemeinde bilden. § 2. Die Bezirksgemeinde setzt sich zusammen aus: a) allen im Bezirk wohnenden volljährigen Gemeindemitgliedern beiderlei Geschlechts, b) den Gemeindemitgliedern, die sich der BezirkSgemeinde anschließen wollen; jedes Gemeindemitglied kann nur einer Bezirksgemeinde angehören. 8 3. Der Vorstand der Bezirksgemeinde ist Organ der Gemeindeverwaltung. Er besteht aus: 1. einem im Bezirk amtierenden Gemeinderabbiner, 2. zehn von der Bezirksgemeinde gewählten Vertretern. Wenn mehrere Gemeinderabbiner im Bezirk amtieren, so wählen sie einen von ihnen in den Vorstand. 8 4. .Zu >deu. Sitzungen des Bezirksvorstandes kann der Vorstand der Gemeinde ein Mitglied, die Repräsentantenversammlung zwei Mitglieder entsenden; 'den drei Mitgliedem der Gemeindekörperschaften steht das Stimmrecht zu. 8 5. Die Wahl der durch die Bezirksgemeinde zu wählenden 10 Mitglieder des Vorstandes erfolgt durch alle Mitglieder der BezirkSgemeinde' beiderlei Geschlechts, nach dem allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrecht und nach dem Verhältnis-Wahlsystem. 8 6. Es können außerdem in besonderen Fällen mit Zustimmung der Gemeindekörperschaften und auf Antrag von 1000 Gemeindemitgliedem besondere Synagogengemeinden gebildet werden. Die Mitglieder solcher Gemeinden scheiden aus ihrem Bezirk au». 8 7. Die Aufgaben des Vorstandes bestehen in: 1. Ordnung des Gottesdienstes in der Synagoge, 2. Wahl der Rabbiner und Kultusbeamten, 3. Ausstellung deS Bezirkshaushaltes, 4. Wahl der Chrenbeamten, die im Bezirk ihr Amt auSüben, 5. Mitwirkung bei der Wohlfahrtspflege im Bezirk, 6. Mitwirkung bei der Einrichtung deS Religionsunterrichts, 7. Erfüllung der Aufgaben, die ihm von den Gemeinde' körperschaften übertragen werden. Zu den Fällen 2 und 3 ist die Zustimmung der Geineindekörperschaften erforderlich; jedoch darf die Bestätigung wegen der religiösen Richtung des Rabbiners oder KultuSbeamten nicht versagt werden. 8 8. Aenderungen des in den Synagogen bestehenden Kultus können nur mit Zustimmung einer ^-Mehrheit deS Bezirksvorstandes stattfindcn. Dieser Beschluß bedarf der Zustimmung deS Vorstandes der jüdischen Gemeinde. btt WVttMftt »ftetaui mit den polnischen eitMt wütenden Hetzoettül. Da» Bsfltt drückt seine Genug, tmmg über die aMiiÜdtschen Exzesse in Kattowitz <m mb metnt, wenn diese Amon einige Lage andauern sollten, wür' den sich all« Juden nach Sotznowitz und Owiencz begeben und nicht mehr zurückzukehren wagen. Allenfalls", heißt <$ wörtlich in dem Artikel, „war die hiesige Affäre ein Msriedvnstellender Fortschritt in dem Prozeß der Säuberung von Kattotvttz. Wenn die Bevölkerung mit dersekbm Energie scrt. schreitet, besteht kein Zweifel an unserem Erfolg." t Königsberg i. Pr. Der Verband der Jugenldgruppen des Zenttawereins, Bezirk Rondo,st, bittet «ns um Aufnahme folgender Notiz: In dem Berichte der jüdischen Blätter" über di« fünfte ordentliche Delegiertentagmeg des Verbandes ber Mischen Jugenbvereine Deutschlands am 8. und 6. Juni 1922 zu Bonn a>. Rh. wurde eine Erklärung des Herrn Alfred Schaul, Mnienwerder (Wpr.) wiedecgegeben, die namen» oft. und westpreutzifcher Jugend dem Wunsche Ausdruck gab, daß der neutrale Verband eine neu« Werbetätigkeit im Osten aufnehme. Wir haben darauf folgendes zu erwidern: Unser Bewand umfaßt die bei weitem überwiegende Mehrheit der Mischen Jugendgruppen unserer Heimatprovinzen: in ihm befindet sich die Jugend, die überhaupt für eine ernst, haste und durchgreifende Arbeit geeignet ist. In keiner Weise ist tm Osten auch nur das geringste Bedürfnis für Neu. aründungen von Ortsgruppen des neutralen Verbandes vor. Händen, noch geeigneter Boden für eine erfolgreiche Werbetätigkeit. 8 9, Die Geschäftsordnung des Vorstandes der Bezirksgemeinden ist durch Gemeindebeschluß festzusetzen. Ms bem Reich. Berlin. Im „Vorwärts" veröffentlicht der sozialdemokratische Führer und frühere Reichskanzler Philipp Scheidemann einen Artikel Wer den deutschen Antisemitismus, den er als die abscheulichste Bewegung, die es überhaupt gibt, bezeichnet und in 'dem er die deutsche Regierung zu einer intensiven Aufklärungsarbeit unter den Massen aufs ordert, um dem gefährlichen antisemitischen Gift entgagenzuwirken. Scheidemann weist mit klaren Worten nach, welche schwere Schuld die Rechtsparteien trifft: „Die Deutschnationalen können die Wulle-Jünglinge garnicht abfchütteln, weil sie sonst den Ast absägen, auf dem sir sitzen. Womit sollen denn die Edelmäntter v. Gräfe und v. Westarp ihre Wahlpropaganda betreiben lassen, wenn nicht mit der Judenbeschimpfung und -Verleumdung! Sollen ste etwa! predigen lassen: Kommt zu uns, denn wir haben Euch durch unsere blöde Politik ins Unglück gestürzt! Kommt zu uns, denn wir wollen wieder zurück ins Mittelalter. Wir wollen das Dreiklassenwahlrecht und die öffrntlicbc- Stimmabgabe wieided einführen! Weil sie das natürlich nicht können und weil sie andererseits nur an gedächtnisschwache und an unbegabte Menschen appellieren können, deshalb benutzen sie das verächtliche Mittel der Judenhetze! Eine abschertlichere Agitation als dir Judenhetze ist überhaupt Nicht emszudenken-, deshalb gibt es wahrscbeinliw zwischen dieser Art der politischen Tätigkeit und der Anwendung des Revolvers, des Totschlägers und der Blausäure keine Zwischenstufe mehr. Rathenau war ein Mann so hoher Kultur daß man wohl sagen kann, er hatte im kleinen Finger mehr Verstand, als hundert Jude Wh eher in ihren Spatzenhirnen zusammen. Gegen ihn aber und gegen Erzberger ist die persönlick^e 5-etze so lange betrieben worben, bis sich die Mordbuben. fanden, die sie aus dem Wege räumten. Jetzt muß der schamlosen Hetze, richte sie sich gegen einzelne Personen oder eine Rasse, unter allen Umständen ein Ende bereitet werden. Das antisemitische Gift, das seit Jahren von gewissenlosen Burschen verspritzt worden ist, kann nur Unschädlich gemacht rverden durch eine energische Aufklärungsarbeit. Schr viel könnte von der demokratischen Negtermrg der Republik geschehen zur Aufklärung des Volkes über den Zusammenbruch und die Aufbauversuche sowohl, wie über dir maßlose Schuld der Deutschnationalen und ihrer Tochter gcsellschafteN. Der Feind steht rechts und seine Waffen sind der Antisemitismus, die Verleumdung, der Revolver und die Blausäure. Wie lange will man ihn noch gewähret: lassen?" Kattowitz. Anti jüdische Agitation in Oberschlesien als polnisches Präludiinm. Die in Kattowitz in deutscher Sprach« erscheinende, aber polnisch orientierte! ..Oberschlesische Grenzzeitung" veröffentlicht München. Die bäherische Regierung und die jüdischen Gemeinden. Während der Beratung deS Kultusetats im Landtag entwickelte sich eine längere Debatte bei den Positionen für die israelitische Religionsgemeinschaft, wo vom demokratischen Abgeordneten Eisenbeis ein Antrag auf Erhöhung der Leistungen des Staates an die israelitische Religionsgemeinschaft befürwortet wurde. Kultusminister Dr. Matt sprach sich gegen eine gleiche Behandlung der israelitischen mit den christlichen Religionsgemeinschaften aus, weil elftere bas Wesen einer Privatkirche Me, aus welche der Staat keinen Einfluß ausübe. Er sei darunr für eine, Staatsleistung von 300 000 Mark. Die israelitischen Religionsgemeinschaften seien sehr wohl in der Lage, für ihre religiösen Bedürfnisse zu sorgen. Hierauf wurde ein Antrag angenommen, dem Zweckverband israeliltischer Kultusgemeinden einen Betrag bis zu 30V 000 Mark zur Verfügung zu stellen. Stuttgart. Anläßlich der Sitzung des „Weiteren Rates dev Israelitischen Oberkirchenbehörde" nahm der Präsident, Ministerialrat Bätt, das Wort zu einer Verurteilung der Schandtat, die an dem Außenminister Rathenau verübt worden ist und die er als eine Folge der abscheulichen anttsemitischen Hetze in unserem Baierlande geißelte. Zu allererst aalt diese Tat dem Juden Rathenau und aus diesem-Grunde schon fühlte sich der Präsident veranlaßt, bei dieser Gelegenheit der Verdienste Rathenaus zu gedenken, die er als Deutscher seinem Vaterlande geleistet hat. — In Württemberg ist nach vieler Mühe von seiten der Israelitischen Oberkirchenb ehörde die Gehallsfrage der Rabbiner und Lehrer geregelt. Die Rabbiner in größeren Gemeinden Und die Lehrer an Orten, wo kein Rabbiner ist und die eine Seelenzahl über 300 haben, erhalten das Gehalt in der Stufe X bezw. XL mit Abzug von 10 Prozent für die Kasualien, die anderen Rabbiner und Lehrer mit Abzug von 5 Prozent. Die Konfessionsschullehrer sind ihrem Alter ent- . sprechend in die VJff. Stufe eingerecht, Rabbinat Stuttgatt I in die XI. Wenn auch diese Regelung noch keineswegs eine gerechte genannt werden darf, so hat sie doch gar vieles voraus gegenüber der bisherigen Methode, die zu sehr persönlichen Charakter getragen hatte. Die israelitische Religions-- gemeirischaft in Württemberg mit ihren 12 000 Seelen hat zurzeit noch für 8 Beamten der OberttrHeNbehörbe, für 11 Rabbiner, 24 ständige Vorsänger, Religionslehrer und Schullehrer zu somen. Hierfür müßten von Gemeinden und der LaNdMentralkirchenkasse 3 655 000 Mark aufgebracht werden. Während die größeren Gemeinden Ortsumlagen von 1 bis 5 Prozent von der Reichsetnkommensteuev haben, beträgt di« Lantzesumlage für 1921 2 Prozent und auf dem Steuersoll von 1920 basierenfür 1922 3% Prozent. Ob durch Zusammenleaung Und Aufhebung von Rabbinaten und Lehrerstellen gespart werden könnte und ob ein solches Sparen ein Glück unserer Gemeinschaft wäre, kann sehr bezweifelt werden. Tübingen. Ilniversitätsprofessor Dr. v. Blume-Tübingen verurteilte bei einer Ratbenau-Twuerfeier der Demolrvtischen Partei Hohenzollerns die Mörder des „Gedankens". Er führte aus: „Wohin soll es mit Deutschland kommen, wenn die Gesinnung, aus der diese unselige Tat geboren wurde, weiter und weiter mit sich greift! Ich klage an: Neben diesen Mördern der Tat stehen die Mörder des Ge« Neue werke in ihren Beziehungen zum Judentum*). 1. Arthur Dre ws: Das MarkuS-Evangelium. 2. Deutsches Dante-Jahrbuch 6. Band. Herausgegeben von D a f f n e r. 3. Karl Justus Obenaue r: Goethe in seinem Verhältnis zur Religion. Zn I. Ist den Evangelien des N. T. historische Glaubwürdigkeit beizumessen oder insbesondere: Ist Jesus eine historische Persönlichkeit? sind Streitfragen jüngsten Datums. Bereits David Friedrich Strauß hat 1835 in seinem Leben Jesu und später in seinem alten und neuen Glauben die evangelischen ^Geschichten in Mythen und fromme Dichtungen aufgelöst. Im letzten Jahrzehnt war es besonders Professor Arthur DrewSin Karlsruhe (Nichttheologe), der mit wahrem Bienenfleiße und staunenswerter Belesenheit kritische Untersuchungen über das Leben Jesu und die Evangelien anstellt. Von diesem Gelehrten erschien schon 1909 die Christusmythe I, 1911 II. Cs ist Har, daß D. durch seine Auffassung — er ist auch Monist — sich eine Welt von Gegnern geschaffen hat — sowohl im orthodoxen, als auch teilweise im liberalen Lager. Die Altprotestantische Orthodoxie hält an der Gottheit Christi und seiner leiblichen Auferstehung, an seiner Präexistenz und seiner Wunderkraft fest und auch die Liberalen befürworten den Gedanken, daß das Christentum ohne die Voraussetzung eines geschichtlichen Stifters nicht zu erklären sei. Auch Professor Leipol dt in Kiel meint (Vom JesuSbild der Gegenwart, Leipzig 1913):J,ES wäre nützlich, wenn man, statt flugs abzusprechen, zunächst einmal die Mischna oder di« LebenSbeschreibung eines Pachom von Tabennese ober Franz von Assisi vornähme: da kann man ja lernen, in der Ueberlieferung Tatsacken zu suchen." — Allgemein wird betont, daß die Evangelien keine Geschichtsquellen, sondern religiöse oder kirchliche Tendenzschriften sind. Der tendenziöse Gipfelpunkt ist sicherlich Ev. Mathäi 5,' 43: Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst Deinen Nächsten lieben und Deinen Feind hassen. Ich aber sage Euch: Liebet Eure Feinde usw. Dieser ominöse Zusatz ,,und Deinen Feind hassen" findet fick natürlich nirgends im jüdischen Schrifttum. (Gibt es nun christliche Diener am Wort, dre auf der Kanzel, oder Lehrer in der. Schule, die diese Richtigstellung, der Wahrheit gemäß, berücksichtigen?) Weiter ist zu bemerken, daß der Text deS N. T. im Laufe der Jahrhunderte erst 42 mal umaeändert worden ist. Habent sua fata libelli. — Wenn nun die liberale Theologie der historischen Entwicklung das Wor^ *1 Aus dem Berlage von Eugen Diederichs in Jena. redet, so sollte auch von einer Absolutheit des Christentums - gegenüber dem Judentum — nicht die Rede sein. Und zu unserer Freude hat auch Troe lisch den Satz aufgestellt, daß das Christentum nickt eine absolute, sondern eine relative Größe ist, und daß jeder Glaubeund jede Religion Kräfte zur Erfüllung der sittlichen Gebote geben. Und nun zurück zu den Evangelien! Die drei Evangelien Matthäus, Markus und Lukas kennt man unter dem Namen Synoptiker (Synopsis — Zusammenschau), sie weisen erhebliche Abweichungen von einander auf. Allgemein wird von den Gelehrten das Markus-Evangelium als das älteste, als ursPrüngliche^Quelle angesehen. Nach DrewS eingehender Untersuchung unter Berücksichtigung deS gesamten jüdischen Schrifttums ist das MarkuS-Evangelium von aller biographischen und geschichtlichen Wirklichkeit überhaupt verlassen, das Leben Jesu ist ihm „eine reine Dichtung", entworfen im engsten Anschluß an das Alte Testament, an die Borbilder eines Abraham, Moses, Elias, Elisa, Jona und die sogenannten messianischen Weissagungen der Propheten, ausgeführt im Hinblick ans den Gang der Sonne durch die Tierkreiszeichen und die zu diesen gehörigen Begleitsternbilder, bestimmt .... durch die dogmatische Absicht, den Mythus des menschgewordenen und durch die Sünde ver Menschen sich opfernden „Gottesknechtes" .... dem Herzen der Gläubigen näherzubringen. „Wir müssen bekennen, daß wir Drews nicht folgen können, wenn er das Leben Jesu „nach den Gesichtspunkten des Sternenhimmels" ausdeutet — trotz der 12 Abbildungen und der 12 Sterntafeln, die dem Merle des Markus-Evangelium beigefügt sind. Auf dieses bedeutsame Buch nachdrücklich hinzuweisen, möchten wir nicht verfehlen. Beim Niederschreiben dieser Besprechung erinnerten wir uns des Briefwechsels zwischen Professor Franz Delitzsch — Vater des Affyriologen — und Abraham Geiger:, veröffentlicht in Geigers Zeitschrift für Wissenschaft und Leben, Breslau 1872 — also vor 50 Jahren. D. fühlte sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt, daß ein Mitarbeiter der Zeitschrift gesagt habe, man mache auS Jesus einen Gott, da er am Ende doch gar nichts getan, und auch Geiger selbst das »bittere Wort" geprägt: „Emen neuen Gedanken sprach er keineswegs aus"; D. ermahnt G. väterlich, künftighin daS zu unterlassen. Geiger erwiderte, der jüdische Gelehrte würde nur zu oft gezwungen, in der Pflicht der Abwehr hämische« Angriffe, in denen geringschätzige Gehässigkeit mit oberflächlicher Unwissenheit um die Palme ringt, polemische Streifzüge in das jenseitige Gebiet zu tun.. Daß dagegen die christliche Gelehrsamkeit so ungemein empfindlich ist, ist mir wahrhast unbegreiflich und erklärt sich etwa bloß durch die maßlose Ueberhebung, mit der sie ein jedes Aufbäumen gekränkten Selbstgefühls durch Kolbenschläge Niederdrücken möchte. Wätzrend die christliche Literatur jahraus jahrein das Judentum und seine Bekenner in den mannigfachste, Wendunaen bis zur Ekelhaftigkeit schmäht .... ist sie, die Stärke, so reizbar, wenn die Schwächere ein Wort der Entgegnung wagt, und wägl und mißt es, ob es auch verständig genug ist, ihr Ohr titcfy zu verletzen. Ich ehre ein jedes religiöses Gefühl. um so verhaßter ist mir ein jedes zudringliche Anstürmen dagegen, mag es ausgehen, von jeder Seite es wolle, eine jede leichtfertige, dünkelhaft auftretende Ignoranz, die Andere, Heiligtum besudelt, weil sie sie nicht kennt" usw. Das sind kernige Worte, die auch heute nicht veraltet sind. Zu 2. Das Jahrbuch wird im Aufträge der Neuen Deut, scheu Dante-Gesellschaft, die die Erforschung des Lebens dieser großen florenttnischen Dichters und Denker-, seiner Werke und seiner Zeit bezweckt, herausgegeben. Es bietet einen reichhal. tigen Inhalt. Die Aufmerksamkeit der Leser dieser Zeitung lenken wir besonders auf die erste Abhandlung hin: Dantes Beziehungen zur Gnofi» und Kabbala von Geheimrat Dr. Franz K a m p e r ». Der Verfasser weist nach, daß die Kabbala den Aufriß des Weltbildes Dantes vornehmlich durch den in dessen Mittelpunkt gestellten siebenstufigen Berg, sodann die Grundzüge der ergreifenden Handlung im irdischen Paradiese wesentlich beeinflußt habe. Zu 3. Ein köstliches Buch, eine Fundgrube für jeden Religionslehrer, für jeden denkenden Menschen. Es ist den Suchenden gewidmet und zerfällt in folgende Abschnitte: Einleitung, der junge Goethe, Gott und Natur, Unsterblichkeit, Christus und das Christentum, Urreligion, der Mensch. Auf Seite 190 finden wir Goethes Wort: „Die israelitische Religion ist der reinste Typus der Religion der Völker (die aus der Ehrfurcht vor dem, was über uns ist, beruht), sie dient des^ halb zu einem Muster und Beispiel für alle übrigen. Der Mensch ist hier vollständig in das BolkSganze hineingestellt. Nur durch feine Religion hat sich das Judentum in seiner Eigenart so zäh durchgehallen.ES ist daS beharrlichste Volk der Erde, es ist, es war, es wird sein, um den Namen Jhw durch alle Zeiten zu verherrlichen." . (Kiddusch haschem!) Dieses schöne Werl verdient dir weiteste Verbreitung. Dr. R. Spanier, Magdeburgr Eingegangeae Bücher. Wir bringen an dieser Stelle ein Verzeichnt» aller uns gesandten Erscheinungen interessierender Literatur und behaltest un» die Besprechung vor. Wroiljflli llt WwH)HRt' IKHy 5. u. 6. Heft. . .