Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 25 (23.6.1922)
- Date
- 1922-06-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613657-2613681--0387-2617618- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PolMsche übertragen würde er sich ja den Ast absägen, auf dem er jetzt sitzt, und nach der Seite des Selbstbewußtseins Lin, die bei den nationalen Juden eine große Rolle spielt, urteilt er auch recht schroff. Die Bekundung der Rabbiner ist keine Verbeugung nach außen und gewiß nicht darauf abgestimmt, Nichtjuden Komplimente zu' machen. In den Tagen des Killinger Prozesses, der so bedeutsame Einblicke in das Treiben und Trachten der Uebervölkischen erbracht hat, dürfen wir deutschen Juden uns auch nicht diesen Luxus der Desavouierung bewährter Führer gestatten. Und selbst in der fernen Zeit, wo „Juden und anderen Fremdrassigen" Gntritt und Aufnahme in Vereine, Gaststätten und Badeorte nicht verboten sein werden, sollen wir uns noch auf die Würdigung unserer Berufenen verstehen. Kleine Ursachen große Wirkungen! Ein einziges Komma war es, das Herrn von Wrisberg Juden- Statistik scheinbar Recht gab. Ms Offizier und Edelmann hätte er diesen nachgewiesenen Rechen- oder Druckfehler berichtigen müssen. Cr verschmäht es, obwohl dieses kleine Schreibzeichen zu einem vergiftenden Bazillus geworden ist, der mit krankheitserregender Wucht immer mehr harmlose Gemüter überfällt und sie hindert, die normalen Seelenfunktionen des Gesunden zu leisten. Der Rassen- und Massenhaß, der hierdurch erzeugt wird gilt Hochgebildeten für Recht und Pflicht und schließlich steht man mit Schauder inmitten einer Seuche. Sie stammt aber nicht aus Sumpf und Niederung, sie ist in Laboratorien und Seminaren exakt gezüchtet und regelrecht demonstriert worden. Es sind allen Ernstes die Professoren, die im bestechenden Gewände „wissenschaftlicher Wahrheit" ihre Auswürfe gegen das Judentum erheben. Der ordentlich ‘ Theologieprofessor Procksch aus Greifswald, der schon im vergangenen Jahre auf dem sogenannten Kösliner Universitätstag die Behandlung der Juden nach mittelalterlichem Rezept gefordert hat, spricht sich schon wieder über altes Testament und Judentum in häßlicher Art aus. Er führt seine Leser vom seligen Olim bis zum Weg der Juden in die Internationale und äußert sich, daß wir als Vampyre des Volkes empfunden würden. Mt dem lieben Gott ist er nicht ganz zufrieden, weil er uns nicht energischer den Garaus macht und das Christentum hält er für berufen, die Macht des Judentums — vermutlich pogromatisch" — zu brechen. In ähnlich liebevoller Weise erfaßt noch mancher, der bei den Deutschnationalen als großes Kirchenlicht gilt, die wichtigen Aufgaben des Wiederausvauens: „Es gibt eine Strenge, die Güte ist, so sagt man, um diese müssen wir ringen". In der Reichsverfassung ist glücklicherweise dieser Paragraph nicht vorgesehen, und darum wird es die Aufgabe aller Recht- und Ordnungsliebenden sein, den Herrschaften energisch auf die Finger zu sehen. TTTTTTTtT! Bus -em Reich. NerN«. Der Derrtsch-Jsrckelitische Gessneindebund über, mittdlt «ns eine wichtige Aufklärung: Das Deutsche Judentum, das sich mit einer noch nie »^gewesenen Begeisterung und Einmütigikett am 23. Januar 1921 im D I. G. B. zu einer Gesamtorganisation zusammengeschlossm hat, hat ein Recht zu erfahren, wie es gekommen ist, daß es von der Einberufung preußischer jüdischer 'Ge. rneiNdeN zum Zwecke einer Organisierung durch den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde überrascht worden ist. Die am 23. Januar 1921 vom Gemeindelag angenommene Verfassung ist am 19. Februar 1921 der Staatscegterung mit der Bitte um Genehmigung eingereicht worden. DaS Mitglied des Ausschusses des D. I. G. B., Herr Dr. Jsmar Freund, ist mit den Verhandlungen bei den Behörden zur Herbeiführung der Genehmigung betraut worben. An seine oem Ausschuß hierüber in jeder der vielen Sitzungen erstattete Berichte krrüpfte er den Ausdruck der Überzeugung, daß die Genehmigung in Kurzem zu erwarten sei. Richgrö vehmel, an seine Stau. Entnommen ans seinen „Ausgewählten Briefen", erschienen 1922 in S. Fischers Verlag, Brief Nr. 317. ZUm Verständnis sei bemerkt, daß Dchmels Frau, Paula, geborene Oppenheimer — von Leo der Dichter zur Zeit des Briefes sich getrennt hatte — aus jüdischer Familie stammte, daß aber die Kinder allem Anschein nach nicht etwa jüdisch, sonvem konfessionslos waren. Trotzdem dürfte der Brief für unsere Leser von Interesse sein, da er die in tausjüdischen Kreisen gmigbaren Argumente in erfreulicher Weise, beleuchtet. Heidelberg, 7. August, 01. „Liebe Paula!" Nun wirst du wohl wieder zuhause sein und kannst mich in Ruhe anbören. Ihr wißt, ich habe nichts dagegen, wenn meine Kinder sich taufen lassen, wenn jie selber eimal Verlangen danach spüren sollten. Ich meinesteils sehe aber keine Notwendigkeit, geschweige eine Berechtigung, ihnen ein Mäntelchen nmzuhängen, daß — ich als zu schlecht für mich — weggeworfen habe. Ich erblicke in den kirchlichen Bekenntnissen nicht „bloß äußerliche Hilfsmittel des besseren Lebens", sondern sehr gewaltige Machtmittel zur Verschlechterung des inneren Lebens. Bei meinen Ueberzeugungen und bei dem Respekt, den ich jeder wirllichen Geistesmacht, auch wenn sie gemeingefährlich erscheint, entgegenbringe, wäre es geradezu eine Frivolität, wollte ich meinen Kindern den Weg ins feindliche Lager weisen. Du nennst das „sentimentalen Posa-Jdealismus"; ich nenne es die Praxis GötzenS von Berlichingens, und halte dich für mindestens ebenso sentimental, nur allerdings nicht im idealen Sinne, wenn Du lediglich mit Rücksicht auf die Altersschwäche der Eltern Deine Kinder zu Allerweltschristen stempeln willst. Lies mal nach, was Jesus darüber sagt, den meines Wissens noch Niemand für einen Marquis Posa gehalten hat. (Ev. Matthäi 10, V. 19—38)"— Ich kann Dir umso weniger die Hand dazu bieten, als ich irgendwelche „Klötze im Weae", zu deren llrnqekiuna das staatlich vatentierte Am 9. ftctatttf 1928 richtete btt «UÄchuß Um 6t» gave an das Ministerium für Ätssenfchast, Kunst Mb Volksbildung um Beschleunigung ta Genehmigung der vesschsMig. De-r vom 10. April 1922 datierte, am 17. April 1929 ei«' gegangene Bescheid lautet: «Ans dt« Vorstellung vom 9. Februar 1928 — O. VI. — erwidere ich ergebenst, baß die gutachtliche«! Aeußerungen der von mir um eine Aeußerung ersuchten Ministerien zu dem in Rodestehenden Gesetzentwurf mir noch nicht sämtlich voMegen. Angesichts der mir soeben zu. gegangenen Ausführungen des Herm Finanzministers muß, ich damit rechnen, daß noch weitere Verhandlungen mit dm 'beteiligten Zentralstellen über den Gesetzentwurf selbst nötig werben." In der Sitzung des Ausschusses vom 14. Mai 1922, in der dieses ministttielle Schreiben bekannt gegeben wurde, äußerte Herr Dr. Jsmar Freund: „In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse für uns durchaus günstig." Der Ausschuß konnte jedoch diese Auffassung nicht teilen und war der Meinung, daß die Gesamtorganisatton endlich, ohne die Genehmigung der Verfassung adWw arten, auf Grund des Artikels 137 der Reichsverfaffung tnS Leben treten müsse. Es wurde daher beschlossen, dem in kürzester Frist abermals einzuberusenden Ausschuß folgenden Antrag zur Annahme zu empfehlen: „Der Ausschuß wolle beschließen, narb der Satzung des Gemeindetages vom 23. Januar 1921 den Bundestag «inzuberufen und ihm alz Tagesordnung die Stellung, nähme zum Inkrafttreten der Gesamtorganisation vorzu. schlage«." Diese Sitzung sollte am 11. Juni statifinden. Zwei Tage nach der Sitzung vom 14. Mai 1922 hat nun Herr Dr. Jsmar Freund ohne dm Ausschuß zu befragen, über seinen Kopf hinweg den Antrag beim Vorstand der der Berliner Jüdischen Gemeinde gestellt, die preußischen jüdischen Gemeinden zmn Zwecke einer Organisierung ein>zula!den. rrnd der Vorfüand hat diesen Antrag alsbald angenommen. Ob dieser sich hierbei bewußt war, daß die Gesamtorgvnisation damit in' Frage gestellt wird, mag hier uneröriert bleiben. Berlin. Die Frage, ob bei den zu zahlenden allgemeinen Steuern die für Kirchen und Synagogengemeinden erhobenen in Abzug gebracht werden dürfen, ist in der Literatur überwiegend bejahend beantwortet worden. In letzter Zeit hat jedoch der deutsche Reichsfinanzhof mehrfach hierzu Stellung genommen und die Abzugsfähigkeit der Kirchensteuern verneint. Nach dieser höchstrichterlichen Stellungnahme ist deshalb diese Frage als ein für alle mal entschieden anzusehen. Danach können also Kirchen- und Synagogensteuern bei den Einkommensteuern nicht in Abzug gebracht werden. In der Nummer 15 unserer Zeitung hatte bereits Herr Rechtsanwalt Dr. I. L. Scligsohn ausführlich diese wichtige Entscheidung beleuchtet. vreSla«. Es sind in BreSlau Bestrebungen zur Gründung eines jüdischen Radfahrervereins im Gange, da in den hier bestehenden Sportvereinen zum Teil antisemitische Tendenzen vorhanden sind. Jüdische Radfahrer, die für einen empfehlenswert erscheinenden Zusammenschluß Interesse haben, werden aus den Inseratenteil verwiesen. BreSlau. Am 8. Juni hatten die zahlreichen jüdischen Besucher des Konzerthauses Zoo Klage darüber zu führen, daß bei dem Feuerwerk ein Hakenkreuz abgebrannt wurde. Dem Besitzer des Etablissements ging von berufener Seite eine energisch gehaltene Beschwerde zu, die, wie die sofort eingegangene Antwort belegt, Eindruck und Erfolg nicht verfehlt hat. Der Inhaber bedauert, die Vorführung, die als Rosette geplant war und teilweise als Hakenkreuz aufgefaßt worden fei, nicht ungeschehen machen zu können. Konfessionelle oder politische.Tendenzen.begünstige er in seinem.. Betriebe .nichts ■ sondern'.sLI' .bestrebt^, .ülle. Gäste gleichmäßig: gutHÜ bewirten. * Er bedauert das Vorkommnis sehr und betont schließlich, daß auch die das Feuerwerk liefernde Firma nicht daran gedacht habe, ein Hakenkreuz darzustellen. Es bleibt abzuwarten, ob die protestierenden Kreise sich mit diesem Bescheid, der allerdings in höflicher Form erfolgt ist, beruhigen werden. Danzig. Schon seit zwei Jahren besteht in Danzig eine Abteilung der Hamburger Missionsloge. Diese betreibt ihre Proselytenmacherei besonders intensiv unter den jüdischen Emigranten, die über Danzig nach Amerika auswandern. ^Jn den Straßen und in den Emigrant.enquartieren werden Broschüren in jüdischer Sprache in Massen verteilt. Aber auch durch verschiedene andere Mittel versuchen die Missionare die Emigranten zum Christentum zu bekehren. Die jüdischen gesellschaftlichen Institutionen in Danzig veröffentlichen eine Warnung an die jüdischen Emigranten, gegenüber den Verlockungen der Missionäre standhaft zu bleiben. Düsseldorf. D^r langjährige Vorsitzende des Vorstands der Synagogengemeinde, Herr Sanitätsrat Dr. Mayer, wurde am 25. Mai d. I. bei seinem Scheiden aus dem Amte in einer feteMchs» Sitzung der Repräsentant«« mw de» Vorstandes, z» der auch die Beamten der Gemeinde geladen «ad erschienen waren, verabschiedet. Herr Mcmes al« Repräsentantenvorsitzender und He« Felsenthal als Vorsitzender de» Borstandestierten in Worte« de» höchsten Lobe» die Verdienste, die sich Herr SanUätSral Dr. Mayer in mehr al» dreißigjähriger Wirksamkeit al» Repräsentant, al» Vorstand und seit mehr al» 10 Jahren al» Vorsitzender de» Vorstände» um die Gemeinde erworben hat. Sie dankten ihm für seine unermüdliche Arbeit im Dienste und zum Wohle der SynagoHengemeinde unter besonderer Hervorhebung seiner vorbildlichen persönlichen Eigenschaften, seine» schlichten geraden Charakter» und seiner Versöhnlichkeit, durch die «ulezett eine ungetrübte Harmonie in der Zusammenarbeit und eine reibungslose Geschäftsführung gewährleistet war. In Würdigung dieser Verdienste wurde Herr Sanitüttrat Dr. Mayer zum Ehrenmitglied der Gemeinde ernannt und ihm der erste Platz in der Synagoge al» Ehrenplatz auf Lebensdauer überlassen. Hierauf Übergaben die beiden Redner oem Gestierten die g old« gerahmte Ehrenurkunde, ein von dem Kunstmaler M. Westfeld, hier, geschaffene» auf Leder gemalte» farbenfrohe» Kunstwerk, da» die Bewunderung aller Anwesenden erweckte. Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher sprach Dankeswvrte für da» Wohlwollen und jegliche Förderung, die Herr SanitätSrat Dr. Mayer al» Vorstand den Beamten jederzeit erwiesen hat. Der Gefeierte dankte in bewegten Worten für die Ehrungen, die ihm bezeugt wurden, von allem Lobnur das eine anerkennend, allezeit von dem Streben und dem Bewußtsein erfüllt gewesen zu sein, seine Pflicht zu tun, die ihm sein Amt auferlegt habe. Görlitz. Ganz plötzlich starb hier im 48. Lebensjahre der weit über den Kreis der Gemeinde bekannte Kaufmann Max Kupferberg. Sr zeichnete sich besonders auf dem Gebiete der Jugendpflege aus, und ist der Mitbegründer des hiesigen Jugendvereins, den er in den ersten Jahren seines-Bestehens leitete. Sein Hinscheiden bedeutet für die hiesige Jugend einen sehr schweren Verlust. München. Der „Hochschulring Deutscher Art", die Zusammenfassung aller jener nationalistisch-reaktionären Elemente, die in der Studentenschaft den Ton angeben, hat in der allerletzten Zeit eine Wandlung erlitten, die wegen ihrer typischen Bedeutung Beachtung verdient. Bisher mußte jeder Neueintretende schriftlich versichern, daß unter seinen Eltern, Großeltern usw. sich keine Person jüdischen Geblüts befand. Nun hat man diese Bestimmung fallen gelassen! Unmittelbaren Anstoß dazu gab vielleicht die Entdeckung, daß manche angesehene Würdenträger mit Jüdinnen verheiratet sind, ein Verbrechen, für das der Wortschatz der Hakenkreuzler von echtem Schrot und Korn manche christliche Bezeichnung besitzt. Kinder aus solchen Mischehen wurden bisher trotz teutschester Gesinnung nicht in den Orden vom Hakenkreuz ausgenommen. Das soll nun anders werden. Jene Kapitalistensöhnchen, die sich bisher unterfingen, einerseits den Klassenkampf zu „bekämpfen," andererseits das jüdische Großkapital zu verketzern, machen heute plötzlich mit der jüdischen Bourgeoisie ihren Frieden. Feitungsschau unü verschieöeoes. Der Protest des Vatikans gegen das Palästina-Mandat. Die „Morning-Post" druckt den ganzen Wortlaut der jüngst vom Vatikan an den Völkerbund geschickten Protestnote in der Frage des englischen Mandates über Palästina. Der Protest lautet in seinen wesentlichsten Teilen: „Der Heilige Stuhl hat nichts dagegen, daß den Juden in Palästina bürgerliches Recht gleich den der anderen Nationalitäten und Religionsgemeinschäften gewährt' werden. Er kann aber nicht damit übereinstimmen, daß 1. die Juden eine bevorzugte und überragende Position im Verhältnis zu den anderen Teilen der Bevölkerung einnehmen; 2. daß die Rechte der Christen nicht genügend geschützt seien." Die Protestnote beruft sich auf den 8 4 des Mandatsentwurfs, welcher eine jüdische Kommission vorfieht, die „nicht weniger mächtig als die mächtige zionistische Organisation" sein würde und meint, daß dies eine Verletzung des § 22 des Versailler Vertrages bedeutet, der sich in bestimmter Form gegen ein Mandat wendet, welches ein Instrument werben könnte, die autochtene Bevölkerung einer fremden Nationalität unterzuordnen. „Es ist klar," heißt es in der Note weiter, „daß der Heilige Stuhl nicht damit übereinstimmen kann, daß die Verteidigung der Interessen der Katholiken Vertretern überlassen werden soll, die nicht von den kompetenten Autoritäten gewählt worden sind." Die Note bespricht darauf den Paragraphen über die Bildung von Kontrollkommissionen für die „Heiligen Stätten" und weist darauf hin, daß der Rahmen der Wirksamkeit dieser Kommission im.Mandatsentwnrf nicht genau fixiert ist. Der Protest erklärt den § 14 des Mandatsentwurfes, der sich mit der Frage der Kontrolle der „Heiligen Stätte" beschäftigt, als IMWBHUia Christentum behilflich ist, gerade in diesem Falle nicht zu sehen vermag. Für die Mädels, da sie sich bei Deiner Vermögenslage ihr Brot mal nicht zu verdienen brauchen, tritt die konfessionelle Frage überhaupt erst auf, wenn sie sich verheiraten wollen; und ich glaube, sie werden dann doppelt dankbar sein, daß ihre Eltern ihnen freie Hand gelassen haben, mit dem Manne ihrer Wahl darüber zu entscheiden. Peter-Heinz aber macht mir nicht den Eindruck, daß er sich einem Beruf zuwenden wird, für den die Getauftheit „conditiosine quanon“ ist. Sollte er es dennoch tun, so wird es mehr als alles Andere zur Festigung seines Charakters beitragen, wenn er aus eigenem Ermessen zu dieser Gewissensfrage Stellung nehmen muß; wir wollen einander das Leben doch nicht gar zu bequem machen, dabei kommt nur Schlappheit heraus. Genau dasselbe gilt für die sogenannte Confirmandenzeit; es wird den Kindern garnichts schaden, wenn sie merken, daß sie nicht mit zur großen Heerde gehören. Zur Unterdrückung des Selbstgefühls wird sowieso schon genug in der Schule getan; im Confirmandenunterrichl aber wird geradezu die Heuchelei gezüchtet. Nun brauchst du dich freilich an meinen Widerspruch nicht zu kehren, denn in Wahrheit habe ich keine „Rechte" an meine Kinder, wenn Du mir keine einräumst. Ms Freund muß ich Dir sogar raten, in einem ganz bestimmten Falle gegen meinen Wunsch zu handeln, nämlich wenn Du Dich nicht stark oder umsichtig genug fühlst, um die Kinder dauernd gegen Einflüsterungen, die sie neugierig auf die Taufe machen, zu schützen. In diesem Falle würdest du ihnen womöglich im 14. oder 15. Lebensjahr die Ceremonie gewähren müssen, und sie dadurch in ihren Entwicklungsjahren zu einer intensiven Befassung mit religiösen Skrupeln bringen, die unter Umständen höchst gefährlich werden könnte. Wenn Du das befürchtest, dann laß sie lieber gleich taufen, solange sie noch dumm sind d. h. sobald wie irgend möglich! Dann aber — ich bitte dick von Herzen — laß sie? atb olis ck taufen, damit sie wenigstens einer Kirche angehören, die 7tolz ans sich sich sein darf; der Protestantismus von heute ist eine jämmerliche Kriecherei. Im Stillen natürlich hoffe ich, daß du noch stolzer auf Dich sein wirst, als sämtliche Kirchen von der Welt, und deine Kinder ihrem eigenen Gott zuführen wirst!." Angegangene Bücher. Wir bringen an dieser Stelle ein Verzeichnis aller un» gesandten Erscheinungen interessierender Literatur und behalten uns die Besprechung vor. Erzählnngen z« den jüdischen Festen: Nach dem Englischen der Elma Ehrlich-Levinger frei bearbeitet von K. Treitel-Brann. Verlag Gustav Engel-Leipzig. Ein ergötzliches Bändchen, gut ausgestattet, das jedermann Freude machen muß, der nach Lektüre für unsere jüdische Jugend sich sehnt. Es ist ein großer Mangel in unserer jüdischen Erziehung, daß wir sowenig gute, die Jugend fesselnde Bücher aus jüdischer Feder und mit jüdischem Inhalt haben, die ohne parteipolitisch gefärbt zu sein (zionistische Büchereien) dem jüdischen Kinde etwas geben. Neben Rotschilds Bausteinen und Guts Bücher sind es ganz wenige noch, die die Schüler öfters verlangen, auch die jüdischen Sagen von Kuttner und Gottschalk haben nicht die Liebe der Kinder errungen. Bon'dem Büchlein, da» mir vorliegt, erwarte ich große Freude, die es bei den Kindern auslösen wird. Das Buch hat seine Heimat in Amerika, eine Rabbinersgattin hat die Erzählungen gebildet und eine Rabbiners, gattin, die Frau des Kollegen Treitel in Laupheim, Schwester des f Prof. Dr. Braun, hat sie frei bearbeitet. Es waren in beiden Fällen fein fühlende Mütter, die vielleicht selbst bei der Erziehung ihrer Kinder den Mangel an guter Lektüre empfunden haben, die daran gearbeitet uno Idylle gezeichnet haben, die Groß und Klein ergötzen und uns ins Leben und Empfinden unserer Ahnen zurückversetzen. Zu jedem Feste (Jom k i p p n r soll „das geborgte Gewand dienen") ist eine entsprechende Erzählung zu finden, die in den verschiedensten Teilen der jüdischen Geschichte ihren Hintergrund haben. Matt ist nur die Einleitung und die Uebersetzung der Namen der einzelnen Feste, die zunächst doch in der Uebersetzung (Pessach-UeberschreitungSfep) wiedergegeben werden sotten. Wir freuen uns von diesem Büchlein Kunde geben zu können und würden uns noch mehr freuen, wenn weiter solche „Gaben" aus Amerika kämen und hier nutzbringend und legenspendend Verwendung finden könnten Gtratzburgrr-Mm.