Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 24 (16.6.1922)
- Date
- 1922-06-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2613366-2613657-2613680--0382-2617612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
tesurw a&wet&vvt N es%z •«irs.s na sts ltchen Reih, von juaeNdlichen Velden <m» dem Misch« Lehrerstand», eit«, aqchüttemde Widerlegung d« schandbare« Verleumdung unserer Ge-gNer von der .Drückchergerni der gude«-. — Semincalehvee FalkeNberg-vemn hielt di, GedachtutSrrde für Dr. Mlek, den lemgjährigen Führer der Mischen Lehrerschaft in Deutschland. In schlicht«, Treue erstand vsr uns da» BEld düse» unveegechjlichen von Lieb, «ch Begeifterung für seine StandeSgenoflen, für tat Judentum, für die jüdische Jugend und für sein Vaterland «. füllten deutschen, anfvähten Manne», der in nie «astender HllfSbevettschaft für seine Mitmenschen gelebt und gewirkt hat. — Den Gchttch de, Gedächtnisfeier bildet« et« zweite», weihevolle» Duo. — Der Vorsitzende eröffnet« hierauf di« eigentlichen Verhandlungen mit einem Rückblick auf die Tättgttgkett de» Verbandes der letzten Verbandstagung. Im wei« teven Verlauf schildert, er die tiefe materielle und geistige Rot der Mischen Lehrer und SultuSdeamien in Deutschland. Diese Erörterung war eine erschütternde Ai,Nage an die aroßen Mischen Organisationen, welche bisher statt der von den Beamten geforderten Gerechtigkeit »Zeder* und „Z'doko* Mildtätigkeit, Hilfsaktionen, Sammlungen, Stattstiken und Versicherungen ihre» Wohlwollen» zur Abstellung de» Be. amtenelend» für ausreichend gehalten hätten. — E» folgten die Begrüßungen de» VeckxawStage» durch die Vertteter der eingelad«nm Ovaanisattoven. E» sprachen AmtSgeckchtSrat Wolfs für den Vorstand der Mischen Gemeinde, Gewerverat Platte für die ReprÜseMmten.Bersammlung, Mitteljchullehrer Herschfeüd für den Ortsausschuß der Wissenschaftlichen Ber- »inigüng, Rabbiner Dr. Baeck für den deutsche« Rabbinerverband, daS Berliner Rvbbinat und die Hochschule für die Wissenschaft de» Judentums, Dr. Paul Nathan für den Centralverein deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens, Professor Dr. Kalischer für den D. I. G. äL Obekkantor Davtdsohn für den Kcmtorenverband Groß-Berlin, Oberkantor Fadtsch für den deutschen Kantorenvukband, Wollstetner-Berlin für die Ziontsttsche Vereinigung, Rabbiner Dr. SalomonStt für di« Vereinigung für da» liberale Judentum «. B., der in humoristischer Weise auf da» Liebeswerben der verschiedenen Organisationen bei dem Lehrerverband hi-nwie», aber von dieser Methode Abstand nehmen will, weil di« Wertschätzung der Vereinigung für den Lehrer» stand feststehe, Dr. Jaeobsoyn für das Gesamtarchiv der deutscheu Juden. Am 6. Jum wurde di« Tagung fortgesetzt. E» folgten Mandat-Prüfungen. Die «»geschlossenen Lehrerveveine waren durch 40 Delegiert« vertreten. — Der gednlckt vorliegende Verband-bericht fand im allgemeinen Zustimmung, nur wurde von dem Verbandsorgan ein kräftigeres Eintreten für bi« rrultusbeamten und eine größere finanzielle Unabhängigkeit gefordert. — Preßbuvger-Ereglingen (Württemberg), welcher mit dieser Tagung sein Amt niederlegt und eine Mederwahl nicht annimmi, «stattet den Kassenbericht. Der Kassenbestand beträgt am 1. Juni 14 828 Mark. Dem Rendanten wird auf Antrag der Prüfungskommission Entlastung «teilt. — Rosenwald-Winnweil« (Pfalz) berichtet an Stelle des verhinderte» Woldloff-Speier Nb« die VerbandSuntrrstutzungSkäst«. ES wurden Maßnahmen zur Stärkung der Kassenmittel beschlossen. — Der Vorsitzende teilt mit. daß das Reichsministerium de» Inneren durch Ministerialrat Hellner vertvetien ist. In der ersten öffentlichen Hauptversammlung spricht Mtttelschullehrer Stern-Berlin, früher Kattowitz, über »Der okeligionSimterricht tm Liechte der modernen Psychologie". Da auf Wunsch des VerbandStages sein Vortrag im Druck« erscheint, beschränken wir unS hier auf ein« kurze Mederaa.be .M..WMttMten Inhaltes: »Ziele de» Religionsunterrichtes stnd:^ Apologetik, Entzündung religiösen LebenS, Religiössittliche Erziehung. Religion und Sittlichkeit sind in ihrem Ursprung grundverschieden, durch die Gottvsbvrftellung ist die Verschmelzung geschehen. ES gibt drei Stufen des KinderglaubeNs, daraus ergeben sich a) bte pädagogischen Folgen Ar Unterricht und Methodik, d) di« Folgen fiir die sittliche Bildung." — Der Berichterstatter «niete für seinen gründnchen, von allfeittgen Studien zeugende» und tiesdiirckdachten Vortrag lebhaften Beifall. Von ein« Aussprache wurde ab. gesehen. — Professor Schäfer teilt einen Erlaß des pr«. ßischen Kultusministers mit, der die Beantwortung eines Fragebogens bezüglich den Mischen Religionsunterricht und di« jüdischen Religionslehrer betrifft. Aus der Versammlung wird mitgeteilt, daß dieser Erlaß bereits ins Land öinaus. gegangen ist. — Dingfelder-München berichtet im Anschlüsse hieran über di« Vorschriften für den jüdische,t Religionsunterricht in Bauern und Wolfs-Detmold über diejenigen im ehemaligen Fürstentum Lippe. (Schluß folgt.) Etymologische Plauderei. Bon Dr. M. Spanier, Magdeburg. Wie der Volksmund ein Wort entstellt, sieht man an dem „n'toeto". Awero heißt: Gebot Übertretung, Sünde. Aus „eine Awero" entwickelt sich ’tt Awero, dann folgt die Kontraktion: n'wero. (Eine Awero zieht die andere nach sich.) Die Unkenntnis im Hebräischen ist schon oft Gegenstand' allgemeiner Klage geworden. Nach der Auffassung unserer alten Weisen kann ein Unwissender (Amhoorez) nicht fromm sein, d. h. in dem altüblichen Sinne. Man kann auch Fichte zitieren: „Wie kann man doch gut handeln, ohne das Gute zu kennen?" Früher wurde die große Volksmasse AmmL-hoorez genannt, daraus bildete sich merkwürdigerweise die lAnzahl (Am-Hoorez) für einzelne Individuen; der Plural müßte lauten: AmmLhoarozaus statt dessen die männliche Mehrzahlendung: Amrazzim und das Abstraktum: Amrazzus--- Unwissenheit. Selbst in Gelehrlenkreisen sind die entstellten Ausdrücke gebräuchlich. Me gesagt, die Unkenntnis im Hebräischen ist sehr bedauerlich. Jedermann weiß, daß der Ausdruck des Bedauerns „ nebich " ist, slavisch: „nebach". Die Herkunft dieses Wortes liegt noch immer im Dunkeln, obwohl schon oft und viö darüber geschrieben ist. Man hat auf das „lau alechem" (Klagelieder 1, 12) d. h. „nicht über euch" oder „nicht bei euch" oder „neben euch" hingewiesen. Wenn es von „neben" abstammen sollte, so muß man „eben" sagen: daß „neben" von „nicht eben" abzuleiten ist, und wenn „eben" in gleicher Linie bedeutet, so „neben" ---nebenbei, nebenher, nebenhin. Also: Du kannst mir leid tun! Wie die richtige Mehrzahlendung falsch angewandt wird. Thorarotte --- Sefer ha-tauro (gekürzt sefer tauro), der Vvlksmund bildet die Mehrzahl jcfcr tauraus, richtig: Gifte ha-tauro, gekürzt: Sifre muro. Sprachfehler, LurH Unwissenheit entstanden, können durch ernstlichen Willen beseitigt werden. Unsere Bewegung. Nachricht«« de, ««reinignng für da» ltb«ral» Indent««. Aeanttz. Bericht »d«, dt« Tr«sfahrt der schleffisch«» Jlt». Di« am 4. «* 6. Im» statt, gefunden« Tvckfahrt der schlesisch« Mi» war «in Bckoet» d«r Treu« und Anhänglichkeit, di« unser« Mitglied«, d«r liberalen Bewegung entgegenbringen. Sonntag früh tmt 6 Uhr fuhren die vw-lan, nach Wüstewaltersdorf. Von dort aus begann der Aufstieg auf bi« hohe Eule, wa st« bei strömendem Reg« anramen. Nachdem der größte Guß vorbei war. setzte man sich wieder in Bewegung. Um 6 Uh, wurde m der »Forelle* nochmal» Halt. gemocht, wo : Terpstcho« «n» betörte: dmn twtzdrm sich bei allen die Müdigkeit bemerk» bar machte, wurde dennoch dem Tanz eifrig zugesprochen. Inzwischen waren auch wir Liognitzer «ingetrvffen. und tnit G-Mgttmng konnten wir feststellen, daß sich sogar Vertreter au» Berlin, Oeilr und Kreuzburg «ingefunden hatten. Sine Stund« spater b«zogen wir in Oberpeterswaldau unzev« Quartiere, die de, tüchtig« Ausflugsletter. Her, JonaS- BreSlau, schon vorher besorgt hatte. Nachdem wir unS noch etwas gestückt hall«, lagt« wir tm» zur wohlverdienten Nmhtruhe nieder. Am nächsten Morgan brachen wir zeitig aus, und der Weg führte zunächst nach der Zimmermann-- baüde. Dort Überrascht« unS einige BreSlauer VeeeinSschwestam mit einem Emmen, der allgemeinen Beifall fand. Durch die plötzliche Sckrmkung einer Teilnehmerin sah« wir unS genötigt, den Marsch aibzubrechen und den Rest de» Tages in Zentnevbrunn zu verlebe». Bei Spiel und Sang verging leider viel zu rasch die schöne Zeit, und g« bald mutzten wir uns auf den Bahnhof begeben, von wo an» uns überfüllte Lüge in die Heimat befördert«. Erwähnt fei noch, daß eins.mmig ein Antrag ausgenommen wurde, d« zur Errichtung! eines JlihetmeS im Gebirge auffordert. Dieser Antrag wird der PrbettSgemetnschast vorgelegt werden, und hoffentlich kommt auch sie zu der EckenntniS, daß ein folche» Heim dem Mi nur zum Gewinn gereichen würde. Barlhold Meti», Liegnitz. fliw öem Reich. Berlin. Dar deutsch. polnisch« Vertrag betreffend Ober sch lesien enthält gemäß dem Artikck 93 de» Versailler Vertrages folgende Paragraphen über die jüdische Minderheit: 1. Juden dürf« nicht gezwungen Warden, irgendwelche Handlungen voyrmehm«. die eine Verletzung ihres SabbatbS in sich schließen, und sie diirf« keine Entrechtung erleiden, wenn sie sich weigern, am Sabbath vor den Gerichten zu erscheinen oder Rechtshandlungen vorzunehmen. Diese Besttmmung« hefteten die Jud« nicht von den Pfltckften, die allen polnischen Staatsangehörigen im Httrblick aus die Notwendigkett des Heeresdienstes, ihrer nationale» Verteidigung oder der Ausvechterhaltung der öffentlichen Ordnung Miezen. 2. Jeder der Vertragschlietzvnden erklärt daß er nicht beabsichtige, allgemeine oder örtliche Wahl« an einem Sonnabend vorzuschlagen oder zu gestatten; e» dürfen keine Migato rischen Entscheidung« betreffend Wählerlisten und dergleichen an einem Sonnabend stattsinden. Berlin. Die jüdisch« Bvamteuverbände teilen ihren Berufsgenossen mtt, daß der Deutsch-Israelitische Gemeindebund durch Beiträge, die er von ihm angeschloffen« Gemeind« erhalt« hat bezw. noch erhalten wird, in der Lage ist, die Gehälter einer Anzahl sehr schlecht besoldeter Gemeinde. ..beamten durch . Zuschüsse anszubessmi. .Rabbiner'. Lehrer und Kantoren, welche auf «ine Zu- Wendung aus dies« Mitteln Anspruch erheben, wollen sofort, spätest«s bis zum 1. Juli an die Vorsitzenden ihrer Vereine bezw. Verbände ein begründetes Gesuch einreichen. Gesuche, die nach dem 1. Juli eingehen, können imter keinen Umstand« mehr berücksichtigt werd«. Räbbimr-Verband in Deutschland. Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutsch« Reiche. Allgemeiner Deutscher Kantorenverband. Berlin. Die dritte Vorkonferenz z»r der für den Herbst in Aussicht g«ommen« großen jüdischen' ErziehunzSkonferenz begann am Mittwoch, den 7. Juni. Zur Erövlevung stände» in erster Reihe die Frage der Entwickelung d?r jüdisch« Erziehungsanstalten nach ihrer Zweckbestimmung und nach Gestaltung der äußeren Form, da.»» aber auch nach Art der Erziehungsmethoden. Ferner wurde über die Benssswaihl der männlichen Jugend gesprochen. Berlin. Der» Vorsitzende des Verbander Nationaldeutscher Jud«, Dr. Mar Naumann, hat gegen d« Nedakteur des Hamburger Israelitischen Familienblattes wegen schwerer sind Sprechfehler z. B. das Lispeln zu überwinden. Die Energie eines Demosthenes besitzt nicht jeder. So konnten die Ephraimiten das Wort Schibboleth nicht aussprechen, sondern sprachen es lispelnd S i b b o l e t h aus, woran ihre Gegner, die Gileaditer, sie erkannten und ihnen den Uebergang über die Furt wehrten und sie töteten. (Siehe das Buch Richter c. 12.) Dieses hebräische Wort Schibboleth ist in die neuhochdeutsche Büchersprache übergegangen und bedeutet soviel wie: Wahrzeichen. Die Ilebersetzung ist eigentlich: Aehre, nach anderen: Strom, Flut. (Ephraimiten nannte man auch zur Zeit des Siebenjährigen Krieges minderwerttge Silbermünzen, geprägt von Beitel Ephraim.) Bei dieser Gelegenheit sei des lispelnden polnischen Rebbe gedacht, der wegen des Sprachfehlers seinen Schülern eine Zielscheibe des Spottes wurde, sodaß er schließlich erregt ausrief: Ich kann nicht Mauße (Mausche -- MoseS) sagen und sage Mauße, ihr könnt aber ja Mauße sagen und sagt doch Mauße. Verweilen wir noch bei dem Sibilanten „s". Mr denken an das „Schacher", ein aus der antisemitischen Rüstkammer ost hervorgeholtes Mort, daS als Waffe gegen die Juden geschleudert wird. Schachergeist bedeutet den Gegnem eine Personifikation der JÜdenheit, Jude und Schacherer gilt ihnen gleichbedeutend. Schreibt doch Heyse in seinem Fremdwörterbuch „schachern": handeln, jüdeln(U). Für die Schuld der Christen werden die Juden verantwortlich gemacht; es gab eine Zeit, in der fsir dre Juden nur diese eine Erwerbsmöglichkeit vorhanden war, jeder andere Berufszweig war ihnen verschlossen. Wir können hier nicht weiter auf diese» traurige Kapital eingehen. „Schachern" stammt von shochar -- verkaufen, daher shaucher --- Kaufmann und shechauro --- Ware. Heyse irrt sich übrigens verschiedentlich. So erllärt er das sehr häßliche Wort „Schikze" (von schekez-Gräuel) mu „em noch nicht mannbares Judenmädchen". ito*«!BCflö« «MleckM «MM ». -Wall«' tmfc gegen d« verfass« d« BwschL« »&»» scher Antisemitismus und. Arbeiterschaft", ferner gegen pm Herr« vom Zenttalverein deutscher StcuttSbüva« jMscheN «laarbenS wegen Verbreitung dieser Beoschüre oi« Pavatck dskketdmrg»trage ein««reicht. Berlt». Der tztlfSverein der deutsche« Juden tritt mit, daß er bereit ist, Geldspende» für di» uotleldellden Gl<mv«sgeness« in der Ukraine in Empfcmg zu uchmen und sein« Sammlung beizufüge», welche viSbetz di« Höhe von ungefähr S Millionen Mark erreicht hat. Zahtt stelle: Commerz- und Privatbank, Depofttenkasse E., B«t( [in ©. 8, Charlottenstraße 47 (Postscheckkonto 1308) für Rechnung des Hilfsverein» der deutsch« Jud«, Ukraine Fond». vre»la«. Di« Reldaktton der von ZchchaÄaS^Meätchü begründeten Monatsschrift für Geschichte uNd Wissenschaft des Judentums, di« bi» zu diesem Tage der bekannte tMschß Historiker Pros. Dr. Braun führte, ist nunmehr ach eine» Beschlüsse» de» Vorstände» der Gesellschaft zur Föch«. rung der Wissenschaft des Judenttnns von dem Seminav« Dozenten Dr. I. Heinemann übernomm« Word«. Die utzt tm 66. Jahrgang erscheinende Monatsschrift, das repräsew tattv« Organ der jüdischen Wissenschaft in Deutschland, wird in unveränderter Form weiter erschein«. Leipzig. Am 2. Juni beging die hiesige israelische ReligionSgemetnde die Feier ihres 7 S jährigen Besteh«-. Wohl gab eS bereits in alter Zeit vorübergehend kleine jüdische Ganeinschaften in Leipzig, es hatte sich auch im Lause der erst« Hälfte des IS. Jahrhunderts, besonders durch die Mess«, ein kleine» Häuflein Juden in Leipzig eingesunden. Erst 1887 wurde ihnen aber gesiattet, eine Religionsgemrinde zu grüßen und ein Gebäud« mr den Gottesdienst zu erwerben. Noch bauerte eS ein Jahrzehnt, bis geregeltel V«. bältnUe eintraten. Im Jahre 1846 wurde «in provisorische» Statut von der damaligen Regierung genehmigt und am 2.- Juni 1847 konstituierte sich die Gemeind«. ES gcw damals in Leipzig etwa 270 Mische Seelen, und das eck» vorhandene Verzeicknis der wählbar« Mitglieder der Ge« 'meinde weist 82 Namen aus. Die lletne Gemeinde stellte d« später al» Oberralbbiner von Wien berühmt gewordme» Dr. Adolf Jellinek als Prediger und ReligionSlehrer an. öffnete bereits 1848 eine ReligionSschNl« und Übernahm im Jahre darauf eine» bis dahin von prwater Seite unttr« halten« Betswal im Hsilbrunne«. Im Jahre1849 wurde auch der im JohomniStal liegende ifraelittsÄe Frrcdho.f. de« bereit» 1814 von d« die Messe besuchenden auswärtigen Juden angckegt Word« war, in die Verwalttwg der Ge«! meinde übernommen, und als erster Gemeindeverein sttuierte sich im Jahre 1850 die bereits gegründete GeseNschast der Freunde. _ Die junge Gemeinde wuchs in den eckwn Iahten nur langsam. Freilich könnt« sie bereits tm Jcchre 1858 «n 10. September die Svnagoge in der GottschMtraße ein« weihen, die nach d« damaligen Verhältniss« al» ein ansehnlicher Bau galt. Nack der Aufhebung d« letzte» gesetztick« Schrank« für die Niederlassung der Juden durch da» Gesetz de- Norddeutsch« Bunde» von 1869 nahm die Gemeinde an Zahl schnell zu. Währ«d im Jahre 1867 1148 Jud«' in Leipzig lebten, waren «S nach dem 70«r Kriege bereits 1739. Die sächsisch« ReGerung. die früher dm Juden wenig woblwollend gesinnt war. begünstigte jetzt im Interesse des Rauchwaren- und Borstenhandels. sowie der Messe besonders den Zuzug von russischen und ösierveichischen Jirden in imgew Ähnlichem Maß«, sodaß die Gemeinde zu einem «roßen Teil auS Jrtd« nichidsuttcher StaatSangshLrigkett bestand. Sie wuchs in ununterbrochener Steigerung, und beim Ansbruch des Krieges umfaßte sie etwa 11 0L0 Seelen. IM Laufe des Krieges und während der Revolution bwt st« sich Wetter verstärkt, allerdings keiNeSwegl"i^d«t N?aße. wie zuweilen angenommen wird. Nach d« Beerdigungszablen. di« manaels einer Volkszählung die zuperlässigste statistische Grundlage abaeben, mag die Zahl der in Leipzig lebend« Jiwen etwa 15 000 betrag«. Görlitz. Di« »Arbeitsgemeinschaft Mischer Korpor» tionen" bot uns einen literarischen Abend unter dem Zeichen: »Der Jud« im Lichte nichtMischer Dichter". Shakespeare, Gutzkow. Lefftng und von h«ttgen Ulitz' Überwältigender Roman »Ararat" gewährten ein« Fülle von Anoegungen; und als Gegenstück kam die Darstellung tine» jüdisch« Dichters: Die Jtzigszene aus Beer-HoffmannS »Graf« von ChwoolaiS". Ein Programm von solcher Schwere ist mit kühler Routine nicht zu bewältigen. Es eckordert eiMN echt« Vortragskünstler. Olschkt ist es schon heute: Gestaltungs« kraft, Temperament, iMeres Erfasse» und Miterleben der Dichtung heben ihn weil über den Durchschnitt. Är schenkte durchweg- Gutes, dt« Höhepunkte in dem verinnerlicht nachgeschaffenen »Ararat"-Fragm«t und in der mtt lebensvollster Gestaltungskraft und himrißendem Temperament gebrachten (72. 4 am . lUrt H fX iFl AWrtfAi ringegangene Vücher. Wir bringen an dieser Stelle ein Verzeichnt» aller un» gesandten Eckcheinungen interessierender Ltteratur und behalt« un» die Besprechung vor. Die moderne Yabhlonisiernng der Bibel t« ihrer neueste« Erscheinungsform (Delitzschs .Babel und Bibel- 1921). Krittsch betrachtet von Eduard König, Dr. litt. Semit., phil., theoU. ordentl. Professor und Geheimem Konsistockalrat in Bonn. — Cyr. Belsersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. Die neuerdings weithin herrschende Neigung, Babylo» zum Ausgangspunkt fast aller Momente der MenschheitSkultuz z« machen, ist nirgendeklatanter zu Tage getteten, als in Delitzsch» einst (1902) gehaltenem Vortrag über »Babel und Bibel". Nun hat er es vor kurzem für angezeigt gehalten, diese» sein Plädoyer mit der Behauptung wieder drucken zu lassen, daß er eS ohne durchgreifende Aenderungen abermals dem Publikum vorlegen dürfe, und außerdem hat er die extremsten Angriffe gegen die kulturgeschichtliche Bedeutung de» Bibelbuchhinzugefügt. Da wäre eS doch eine Schande ftlr die Wissenschaft gewesen, wenn sie sich der Aufgabe entzogen hätte, durch eine unparteiische Untersuchung festzustellen, ob Delitzsch erstens das Recht hatte, seine alten Behauptunaen über die Bibel als eine bloße Anleihe bei Babylon noch einmal z« wiederholen, und ob er zweiten» eine neue Reihe fulminanter Angriffe auf die geistesgeschichtliche Stellung de» ersten Teilevom Bibelbuche machen durfte. Aber auch der weitere Kreis von Freunden einer objektiven Geschichtsbettachtung wttd ein Interesse fttt die Entscheidung der Frage besitzen, ob und wie weit die biblische Kultur einen bloß sekundären Lharakter besitzt. Um -«gleich jene Pflicht der Wissenschaft zu erfüllen und zugleich der Zettgenossenschaft die Materialien barzubieten, die ihr «in selbstständige» Urteil über die erwähnte große Frage ermöalichen, tritt die oben, genannte Schrift an da» Licht der Oeffentlichkett. Die jildifche Literatur. von Simo» Berufelb, Erster Teil: Bibel, Apokryphen und jüdisch-hellenistische» Schrifv tum. Berlin, Jüdischer Verlag. 196 S. Der bekannte Forscher gibt hier in konziser und populärer Form eine gute Charakteristik de» klassischen hebräischest Schrifttum», I