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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-06-09 · 23 (9.6.1922) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
23 (9.6.1922)
Date
1922-06-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Konzessionen an national-jüdische, dem religWm 'ftitSen? tum fremde Gedankengänge und Ziele führen. Die Aufgaben der Gemeinden sind in den Leitsätzen als religiöser und sozialer Natur bezeichnet. Man bat bemängelt. bafc diese Definition nicht umfasserck genug sei. nicht voll genug klinge. Die Begriffe religiös und sozial sinderartig umfassend, das; man jeden Zusatz, der vielleicht Unklarheit schasst, vermieden sehen möchte. Aus sozialem Gtzbiet liegt nicht etwa nur die Armenpflege, liegt vielmehr jfbe Fürsorge für die Gemeinschaft und ihre Glieder. - Die Leitsätze über die Verfassung und Verwaltung der Gemeinde fordern vor allem Wahl der Gemeindevertretung durch alle volljährigen Gemeindemitglieder beiderlei Geschlechts nach dem freien Wahlrecht, das wir im Politischen Leben jetzt errungen haben. Hier ist vor allem das Frauenwahlrecht inbegriffen. Wir wollen beachten, daß dies ein Punkt ist. der uns entscheidend von der Auffassung der Orthodoxie trennt, und wir müssen die Entwickelung seit 1914 uns ins Gedächtnis rufen, denn danrals. bei den Beratungen der Kommission, war es noch keineswegs so zweifellos, wie es uns heute ist, datz man den Frauen das aktive und gar das passive Wahlrecht gewähren muh. Der nächste Satz, der eine Karenzzeit für zugewanderte Gemeindemitglieder für zulässig erklärt, betrifft eine gerade innerhalb der liberalen Kreise lehr streitige Frage, die des Ausländer-Wahlrechts. Zwei Richtungen stehen einander gegenüber, deren Auffassungen sich aus je eine kurze Formel bringen lassen. Die einen sagen, in einer deutschen Gemeinde dürfe nur der Deutsche wahlberechtigt sein, die anderen entgegnen, daß gerade wir. die wir die Genreinden als Religionsgemeinden erhalten wollen, im Grundsatz keinem Bekenner der jüdischen Religion die Mitbestimmung im Gemeindeleben vevtveigern dürfen. Ich glaube, daß letztere Auffassung die vorherrschende ist, und ich bekenne frei, daß ich mich zu ihren Anhängern rechne. Wir können aber die Rücksicht aus die Gegenmeinung nicht ganz «über Acht lassen. Praktisch liegt ihr ein in gewissen Grenzen berechtigter Gesichtspunkt zugrunde, der bei den Beratungen des Gemeindebundes zur Schaffung einer Gesamtorganisation selbst von den Zionisten als nötin anerkannt worden ist. Es ist der Gesichtspunkt, daß in den Angelegenheiten einer Gemeinde ein bestimmender Einfluß nicht von Personen ausgeübt werden kann, die dem Gemeindeleben und den: ganzen Kulturmilieu. in dem dieses sich abspielt, fremd gegenüber stehen, weil sie von auswärts zugewandert ltnb an ihrem fetzigen Wohnsitz noch nicht heimisch geworden sind. Man hat beim Gemeindebuud deshalb eine Karenzzeit von einem Jahr festgesetzt. W i r haben die Frage, ob eine Karenzzeit bestimmt werden und von welcher Dauer diese etwa sein soll, offen gelassen.*) Die Entscheidung ist billigerweise abhängig zu machen von den Verhältnissen in den einzelnen Gemeinden. Es gibt Gemeinden, in denen sich die Einführung einer Karenzzeit nicht verlohnt, in denen sie eine überflüssige Ausschließung weniger Personen darstellen würde. Es gibt andere Gemeinden, vor allem in Sachsen und auch in-den Rhemlaiwen, die von einer Einwanderung ihrem Kulturmilien fremder Glaubensgenosse!: überflutet sind. Gemeinden, denen wir die Möglichkeit geben müssen, eine längere Karenzzeit zu bestimmen, um den Bestand des Gemeindelebens zu wahren und die zu gewanderten Elemente allmählich sich einzugliedern. Die Fassung der vorgeschlagenen Bestimmung schließt die Möglichkeit nicht aus. hierbei Ausnahmen zu. Gunsten solcher Glaubensgenossen sestzusetzen. die etwa aus Posen und Westpreußen auswandern mußten oder die aus der Nachbarschaft zugowandcrt sind. (Schluß folgt.) *) Die Bersaminlunq hat sich für b;c einjährige Karenzzeit entschieden. D. Red. Zum §est -er Offenbarung. Von Rabbiner Dr. Norden, Elberfeld. (Schlug.) Das vierte Gebot, das Gebot des Sabbats, ist das Gebot der sozialen Gerechtstckeit. „Du sollst (am Sabbat) keine Arbeit tun. du. dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd." Und noch deutlicher bei der Wiederholung der Bundesworte im fünften Buch Mose: „auf daß dein Knecht und deine Magd ruhen können wie du selbst." „Du Haft nicht nur für dich und deine Familie zu sorgen". spricht die Thora zu dem Arbeitgeber. ..sondern auch für deine Angestellten, für alle, die in einem AbhängigkeitSvechältnis zu dir stehen. Sie sind Menschen wie du und haben Anspruch aus Menschenrechte; es ist deine heilige Pflicht, sie ihnen zu gewähren." Wann sind die Menschen dieser ihrer Pflicht nachgekommen, wann hccken sie e8 jemals ernst genommen mit der sozialen Gerechtigkeit? Noch heute muß jeder kleinste Fortschritt auf sozialem Gebiet den herrschenden Klaffen unter schweren Kämpfen abgerungen werden. Noch heute gilt das Wort deS Koheleth. des Predigers SalomonS, mit dem er die sozialen Zustände seiner Zeit geißelt: ..Und wiederum sah ich alle die Bedrückungen, die unter der Sonne geschehen: Da fließen die Tränen der BÄncückten. aber es gibt keinen Tröster für sie. und von der Hand ihrer Bedrücker geschieht ihnen Gewalt, aber es gibt keinen Tröster für sie." (Koheleth 4. 1.) „Ehre deinen Vater und deine Mutter", verlangt das fünfte Gebot. Die Kinder sollen ihre Eltern obren, die Jugend soll dem Alter Ehrerbietung erweisen. Statt dessen vernimmt man aus den Reihen der Jugend vielfach eine überhebliche Sprache: Dankbarkeit, Anerkennung, Ehrerbietung gelten als ein überwundener Standpunkt. Das alte Geschlecht, meint die Jugend, kann gar nicht schnell genug von der Bildfläche verschwinden: denn es hat alles, aber auch alles verkehrt gemacht. Darum soll es seinen Platz möglichst schnell der Jugend einräumen, auf daß die Iugerw alle Brücken zu der Vergangenheit abbrechen und die Menschheit einer goldenen Zukunft entgegensühren kann. „Du sollst nicht töten", lautet das s e ch st e Gebot. Auch cm dieses Gebot haben sich die Menschen nicht gekehrt. Freilich, den Einzelnen zu töten, haben sie alsein schweres Verbrechen anerkannt und sogar die Todesstrafe darauf gesetzt. Mcht ober galt es ihnen als ein religiöses Verbot, gegen Menschenmengen auf einander und gegen einander zu hetzen. Nicht galt es ihnen als ein Verbot. Kriege zu entfesseln. Mordwerkzeuge herzustellen I und Millionen von Familien in Unglück und Verzweiflung zu stürzen. Und wie steht es nrit dem s i e b e n t c n Gebot: „Dil sollst nicht ehebrechen"? Mit welch bodenloser Leichtfertigkeit . sich die Menschen zu allen Zeiten über dieses Gebot hinweggesetzt, wie gering sie gedacht haben von Familirnehre und Familienglück, das sei mir erlassen, des näheren zu schildern. Das eine nur sei gessKt: Gegenüber: dem Vergehen des Ehebruchs hat man stets eine Nachgiebigkeit. eine Duldsamkeit an den Tag gelegt, die wahrhastig einer guten Sache gegenüber am Platze wäre. ..Du sollst nicht stehle::", fordert das achte Gebot. Aber Tag für Tag wird das Gebot mit Füßen getreten. Die Menschen sind gegen dieses Gebot förmlich abgestumpft. sie brüsten sich womöglich noch damit, wie gut sie es verstehen, den Nächsten zu berauben, zu benachteiligen und zu Übeworteilen. Sie machen sich kein Gwriffsen daraus, sich auf Kosten anderer zu bereichern. Das neunte Gebot verlangt: „Du sollst gegen deinen Nächsten nicht als falscher Zeuge aussagen." Nur die Wahrheit sollte einer über den andern sprechen. Statt deffen ist die ganze Welt voll Lug und Trug. Der Name, der Ruf. das Ansehen des einen werden in den Auaen des andern für nichts geachtet. E i n Mensch verleumdet den tfMtieät Wwfönt. €l«t Volk setzt das andere Bovk Vor vetz Welt in falsches Acht. Wenn eMich das zehnte Gebot die Forderung erhebt: ..Du sollst nicht begehren", so sehen wir tagtäglich^ wie die Begehrlichkeit keine Grenzen kennt, »nid zwar am ivenigsten die Begehrlichkeit der Besitzenden: ie mehr sie besitzen, un: so mehr begehren sie. Und wie die einzelnes Menschen, so auch hier wieder die Volker: je größer ihv Besitz an Land und Gütern, um so unersättlicher tft ihre Gier, noch mehr zu erlangen auf Kosten anderer Völker. * * * Nachdem wir so einen kurzen Mick auf die zehn Bundesworte geworfen haben, nachdem wir gesehen ijdben,; mit welch sträflicher Leichffertigkeit sich die Menschen übep ihre Forderungen hinwegsetzen, wiederhole ich die Frage Ist cs wahr, daß die Religionen, die sich aus der Grund-, lag« der fmaffischen Offenbarung aufbauen, versagt haben? tzäben die Religionen versagt, oder haben nicht viel-, mehr die Menschen versagt, die sich um die Forde-, # rungen der zehn Bundesworie einfach nicht kümmern?^ Nicht die Religionen haben die Unkultur verschuldet, sondern die Menschen, die sich weigern, den Weg zur Kultur zu beschreiten, wie er ihnen durch die zehn Gebote vorgkzeichnet worden tft. Und hier nun hat unser Judentum noch eine gwße und dankbare Aufgabe. Hier hat es sich zu erweisen als den Sendboten Gottes an die Menschheit. W e m ist denn die Offenbarung am Sinai zu teil geworden? Unsere Ahne:: sind es doch gewesen, die am Fuße des Sinai gestanden haben, und die anderen Bekenntnisse haben die Worte der Offenbarung erst von uns übernommen. Die zehn Bnndesworte sind in erster Reihe unser Eigentum: darum müssen auch wir die ersten sein, die mit ihrer Befolgung Ernst machen. Wie sollten auch die andern sie befolgen. wenn wir sie vernachlässigen und mit Füßen treten?, Unsere hohe Aufgabe ist es. der ganzen Welt die zehn Gebote vorzuleben, durch unser Borbild der ganzen Welt zu zeigen: „Es gibt für euch nur einen Weg. aus der Unkultur heraus zur Kultur zu gelangen, aus der Zügellosigkeit zur Gesittung, aus der Verrohung zur Veredelung, indem ihr euch willigt freudig, ehrlich und bedingungslos auf den Boden der smaitischen Offenbarung stellet, auf den Boden der zehn Bundesworte. „Wir aber, das Volk der Offenbarung, haben den Anfang zu mache::. W i r müssen die zehn Gebote zu Ehren bringen und durch unser Vorbild die Menschheit emporführen zu tvahrer Kultur. zu edler Gesittung. zu toitfltdjent Menschentum. lln aller Kürze. Ter bekannte Nationalökouom Professor Franz Oppenheimer hat eine Berufung an die Universität von Tokio angenommen. # % # _ Dem großen, jüdischen Maler- IM-IsvaM4vutde in seiner Vaterstadt Groningen ein Denkmal enthüllt. Der Feier wohnten zahlreiche hervorragende Künstler und öffentliche Persönlichkeiten Hollands bei. * * * Das polnische Kriegsrninisterium hat eine Verordnung erlassen, daß die jüdischen Soldaten während des Schowuothfestcs vom Dienste befreit sind. Irr: Städtchen Glubokie bei Wilna brach vor einigen Tagen aus bisher itnbekrnnten Ursachen ein Riesenbrand aus. dem hauptsächlich von Inder: bewohnte Straßenzüge mit 300 Häusern zum Opfer sielen. Drei kleine jüdische Kinder rrnd ein alter Jude fandcrr den Tod in den Flammen. Der Schaden ist groß. Ae geborene Vigenüreich. Ein g-roßstodtroman von Oskar Ions Miltman. (v. Fortsetzung.) -- Neuen Beziehern wird der bisher veröffentlichte Teil des RornanS gern nachgeliefert. V. Eirr unwirklich schöner April hatte Berlirr irr fast sommerliches Grün gelleidet. Jene Lüfte oder Düfte, denen man so willig das Attribut balsamisch zuerteilt, sandten ihre Ferngrüße bis in die Stadt, die sonst in: stickigen Feuermcer der Arbeit und der Enge loht. In solcher: dein Jahre nur karg zugemessenen Tagen bekommen die Menschen etwas romcmtisch-traumseliges. Die einer: sehnen sich nach ihrer begrabenen Jugend, die andern suchen ihrer: noch im Dunkel liegender: Morgen. Doch alle wollen der Natur nacheifem und dem schnell welkenden Leibe euren Schmuck oder etwas innerlich Gutes gönnen. Das nennt der Kaufmann Saison, und die Mode-Geschäfte und Süßigkeitsläder: haben gute Zeit. Regina und Minni mußten auch fleißig sein und, wtzil doch der „Verdiener" fehlte, die Hände tüchtig regen. Die Mutter garnierte und nwdernisierte schon in früher Bor- Mittagsstunde und das Töchterlein half mit zarten, aber flinken und geschickten Fingen:. Wenn Regina so inmitten der Arbeit, nach der Weise vieler Frauen mit langem, mütterlichen Blick auf Minni sah, dann fehlte ihr mehr noch als Witt irgend wer, der ihrem Gefühl für das „gebenschte" Kind bewußt freudige Zustimmung hätte geben können. Mer da Segnungen, österreichisch gesprochen, keiner Verlautbarung bedürfen, so war ihr schon diese stumme Empfindung und das eine im Gemüte schwingende Wort ein rechter Trost. Auch Minni hatte bei der Arbeit einige Nebengedanken. Sie sah immer statt der Hutfaeon oder einer verblaßten Tapete der: Schulhof vor sich und auf ihm einen jungen Herrn, der heute vergeblich nach ihr ausschauen würde; aber diesen Ausflug des Herzens hatte sie keinem je zu bekennen gewagt! Doch die Vorsehung war wie oft am Dienstag, dem darum die Men das doppelt Glückhafte zugeschrieben haben, bereits unterwegs. Auf vier Beinen näherte sie sich der Pallisadenstraße, und währerw die alte Witt vor der Haustür, umgeben von den kundigsten Damen des Viertels, in Erwartung des Bolleschen Milchwagens Cercle hielt, rollte der Einspänner des Herm Theodor Sachs heran. Scharfsichtige Frauenaugen erkannten sofott das vornehme Coupee wieder, dem diesmal der Chef selbst entstieg. Bon neugierigen Blicken verfolgt, verschwand Theodor im Hause und stand, vor: muffiger Treppenluft angeblaseu vor dem Schildchen still, das des verstorbenen Ottos Wohnung zu erkenuer: gab. Die Ahr:e auf der Straße, durch die malerische Tracht des Umschlagetuches zurr: Inkognito verdammt ur:d behindert ar: der: Berharrdlungen teilzunehmen, sah sich sofort in eilten Strudel von Interpellationen gerissen, beiten sie unerschüttert mit hochgezogenen Schultern standhielt. Nur als eine der Frauen besonders zudringlich fragte: „Was will':: der so früh hier?" antwortete sie spitz: „Otto'n seine is immer usfllaviert". Mach diesem Ausspruch, den der ganze Kreis als persönliche Beleidigung anffaßte, während jede rechte Hand instinktiv nach den Haarnadeln griff, nahm die alte Witt mit Würde ihrer: inzwischen halbgefüllter: Milchtopf und schlürrte nach oben. Minni erschrak heftig, als sie beim Oeffnen der Tür ganz unvermutet den „Chef" vor sich sah und wußte nichts Einladendes zu sagen. Aber da für solche Fälle die Natur jungen Damen liebliche HilfSlosigkeit verliehen hat. war die Wirkung ihrer Verlegenheit auf Herrn Sachs die denkbar mrgenehmste. Der unangemeldete Besucher war zwar den Jahren des Ueberschwangcs schon lange entrückt und lckbte in einer realen Welt, die für viele Wesen, Dinge und Begriffe eine besondere EinstellungSgabc erzeugt hatte. Aber der erfreuliche Anblick deS anmutigen MädchenderwarÄelte fein Gemüt und. wie der .Königssohn im Märchen, sah er in Minni eine Prinzessin, wenn auch aus dem Hinterhause, und bereitete sich auf weitere lieberraschungen vor. „Darf ich die Mutter sprechen", fragte er höflich. Minm knirte mit feinem Erröten r:nd öffnete die Tür zur sogenanrrtcn GeduNsstnbe. wo sortst die Kundinnen vor dem großen Spiegel probierten, was meistens sehr lange dauerte. Theodor Sachs trat ziemlich ernüchtert ein. weil das jirnge Fräulein nach geflüsterten: „Bitte einer: Augenblick" verschwunden war, und dachte grärrrlich: „Jetzt dauert der Augenblick bestimmt zehn Minuten, bis diese Frau bereit ist und wir zur Sache komme::. Woher hat der Otto nur diese schöne Tochter?" Mit solcher: Reflexionen rrtusterte er das peinlich saubere Zirnmer und sah mit Erstaunen im Glasschränkchen das silberne Dreigestirn de8 Bechers und der ihn flankierenden Leuchter. Diese Reguisiter: machen ihn r:och sttrtziger als die liebliche Wittsche Pförtnerin, aber als sich nun schnell, nach knapp einer Minute die Tür auftat und eine schöne Frau, mit Gang und Miene einer Dame eintrat, geriet Sachsens Selbstsicherheit, die doch das Produkt von Jahrzehnten darstellte, ins Wanken. In sichtbarer Verlegenheit und dadurch hervorgerusener Verkennung der Situation begrüßte er Regina als eine grädige Frau, welche Formel in der Palisadenstraße. wie er sich seM im stillen eingestand, nicht recht am Platze war. „Ich bin keine gnädige Frau", antwortete die so benannte und neigte anmutig das Haupt. ..Ich danke Ihnen sehr. Herr Sachs", fuhr sie etwas gespreizt fort, „daß Sie uns auffuchen und dieses bescheidene HauS betreten." „Ich habe Ihren lieben Mann sehr aern gehabt und seine Treue verpflichtet mich zur Lenkbarkeit gegen die Familie. Darum bin ich gekommen. Lassen Sic uns in Ruhe besprechen, wie alles werden soll." „Wir haben doch nichts zu beanspruchen". meinte Regina nach den Worten des Chefs, die diesem seine alte Ruhe wiedergsgeben hatten. „Aber nicht doch, liebe Frau Witt", sprach Sachs weiter. „Cs versieht sich, daß Sie und Ihre Kinder von uns eine Beihilfe erhalten werden; doch sagen Sie mir lieber, wie Sie sich Ihre Existenz gedacht haben, dann tvill ich mit meiner Ansicht kommen." (Fortsetzung folgt.)

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