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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-06-02 · 22 (2.6.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
22 (2.6.1922)
Date
1922-06-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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/ Mbc SMOtti tMU m< t$ m toi totosrifei Unglück de- Weltkrieges mit allen seinen furchtbaren Vealeiterscheinunaen und stzolaeerschekmrnaen kommen können. Gelen wir doch endlich aufrichtig und aestchen wir mit tiefer Beschü-muna. daß nicht Kultur die Welt beherrscht, sondern Unkultur, nicht Gesittung, sondern Sittenlosi^keit, nicht Berfeineruna, sondern Verrohung. Unsere ganze hochaepriesene Kultur, auf die wh: unS so viel zugute taten, stand doch nur auf tönernen ftiiftttt." Aus Grund der Tatsachen müssen wir die Berechtigung dieser vernichtenden Kritik zugeben. Nun gehen aber manche Kritiker der menschlichen Zustände noch weiter und behaupten: „Me Religionen haben immer den Anspruch erhoben, die Vertreterinnen, die Lehrerinnen, die Förderinnen der Kultur zu sein. Sie haben diesen Ruhmestitel jedoch zu Unrecht für sich beansprucht, denn sie haben elendiglich versagt." Hier begehen die Kritiker einen schweren Irrtum. Haben die Religionen wirklich versagt? Sind die zehn Gebote der sinaitischen Offenbarung keine geeignete Grundlage sür die menschliche Kultur gewesen? Haben die zehn Gebote die Menschen auf Abwege geführt? Und hat denmach das föft der Offenbarung keinen Sinn, keinen Wert für uns? Me Sache liegt wesentlich anders. Die zehn Gebote waren immer, sind noch heute und werden stets bleiben eine geeignete Grundlage für die Gesittung der Menschen. Wenn trotzdem statt der Gesittung Siltenlosigkeit die Welt beherrscht und statt der Kultur Unkultur, dann sind, weist Gott, nicht die zehn Gebote daran schuld, sondern die Menschen sind es. die sich an die Gebote nicht gekchrt haben. Länger als drei Jahrtausend« stehen die Burwesworte da als leuchtende Richtlinien für Kultur und Gesittung, zeigen sie der Menschheit den Weg zu allem Guten und Edlen. Me Menschen aber haben den Weg verschmäht, den die göttliche Offenbarung ihnen gewiesen, und haben die göttlichen Gebote mit Lüsten getreten. „Ich bin der Ewige, dein Gott", fordert das erste Gebot. Absichtlich sage ich „fordert". Denn wenn das erste Gebot auch äusterlich in die Form einer Aussage gekleidet ist. dem Sinne nach enthält es eine Forderung, so gut wie die andern neun Gebote. „Ich bin der Ewige, dein Gott", das bedeutet: „Glaube an mich, den Ewigen, deinen Gott. Glaube daran, dast es eine höhere Macht gibt, der du, der Mensch, in Ehrerbietung und Vertrauen dich unterordnen sollst in allen Lugen deines Lebens." Haben die Menschen dieses religiöse Grundgebot befolgt? Stehen sie vor der göttlichen Größe da in staunender Bewunderung? Nein, sie wollen keine Macht über sich erkennen. „Wer ist Herr über uns? Wer hat uns Vorschriften zu machen? Wir sind unsere eigenen Herren, unsere eigenen Gesetzgeber, und erlaubt ist. was uns gefällt." Mit heiligem Ernst verkündet das z w e i t e G e b o t: „Denn ich. der Ewige, dein Gott, bin ein eifervoller Gott, welcher heimsucht die Sünde der Eltern an den Kindern, Enkeln und Urenkeln derer, die mich hassen." Mese so hayssgerwähnte und fast ebenso häufig mistverstandene göttliche Mahnung will das Verantwortlichkeitsgefühl der Menschen schärfen. „Euer Tun und Lassen", sagt das zweite Gebot, „ist keineswegs nur eure eigene Angelegenheit. Ihr seid verantwortlich nicht nur für euch selbst, sondern auch für die kommenden Geschlechter." Wie aber handeln die Menschen? Sind sie sich der schweren Verantwortung bewußt, die in Hinsicht auf ihre Nachkommen auf ihnen lastet? „Man lebt nur einmal in der Welt", sagen sie. „Was kümmern uns die kommenden Geschlechter? Wir wollen unser Leben geniesten, und nach uns mag die Sintflut kommen." „Du sollst den Namen des Ewigen, deines Gottes, nicht zum falschen auSsPrechen". so warnt das dritte Gehör. Es ist ein schweres Vergehen, die Unwahrheit zu sprechen unter Anrufung des göttlichen Namens. Aber man frage nur die Rechtskundigen nach den Erfahrungen, die sie bei den gerichtlichen Verhandlungen gesammelt haben, und sie werden antworten, dast der Name Gottes der Mehrheit der Menschen keine Scheu, keine Ehrfurcht einflöstt, dast sie beim Namen Gottes falsche Schwüre leisten. (Fortsetzung folgt.) Unsere Bewegung. Nachrichten der Vereinigung sür das liberale Judentum. Doppel-GotteSdienste am Wochenfest«. Aus dem Gemeindebureau wird UNS geschrieben: Zur Totenfeier am Pessachseste herrschte in beiden Synagogen, insbesondere in der Storchsynagoge, ein gefährliches Gedränge. Der Vorstand hat es sich angelegen sein lassen, diesem Uebelstande zum bevorstehenden Wochenfeste albzuhelfen, und hat auf Anregung der beiden Synagogentommtssionsn folgende Anordnungen gelrossen: Für den alten Ritus findet am er st en und zweiten Tage des WochensesteS vormittags ein Zweiggottesdienst im Freuudafaale statt. DaSNäher» besagen die Inserate. Am ersten Tage wird voraussichtlich Gemetndeaabbiner Dr. Hofftnann, am zweiten Tage (Totenfeier) Rabbiner Dr. Simonsohn predigen. Für den neuen Ritus finden am zweiten Tage des Wochenfestes in der Neuen Synagoge vormittags zwei Gottesdienste hintereinander mit halbstündiger Paus» statt. Der erste Gottesdienst soll um % 8 vormittags, bet zweite um % 11 vormittags beginnen. Bei beiden Gottesdiensten findet Totenfeier flmt, st» sind auch sonst durchaus gleichwertig. Beim ersten Gottesdienste wird voraussichtlich Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein und Kantor Wartenberger, 'beim zweiten Gottesdienste Rabbiner Dr. Sänger und 1. Kantor Cerent amtieren. Dev Vorstand rechnet damit, datz sich der Andrang der Besucher gleichmäßig aus beide Gottesdienste verteilen wird. Dm Platzinhabern steht natürlich frei, welchen Gottesdienst sie besuchen wollen. Besondere Kart« für die ZwetagotteSdienst» wttden nicht cmsgegeben. Sollte fich der Bettuch bewähren, so dürste er bei andere« Gelegenheiten wiedechplt werden. Ortsgruppe RamSlau. Nachdem am 21. Mai uvsue neue Grupp» gegründet worden ist, hat für ben 28. Qm Semkinderabbin« Dr. BogelsteimBreSlau einen Vortrag zu. gqon. JK XK HX MWKX üWwX mp 1XMOM l aus Delft und B-ernstadt «scheinen wollen, Wir werden Über den Verlauf der Vevanftattimg in der nächsten Nummer »nserer Zeitung vettchten. Der 4. Delegierteutaa unserer Mjch.lib«r<Sen Jugendvereine wird im Dezember d. IS. in BreSlau stattfindm und mit dem 10. Stiftungsfest des dottigen Jli verbunden sein. BreSlau. Jüdisch.theologischeß Seminar. Am 2. SchowuavStage wird Seminar-Rabbiner Dr. Gattmann in der Seminar-Synagoge predigen'. Am bevorstehenden Wochenfest, Freitag, de« 2., und Sonnabend, den 3. Juni d. J„ findet an den Vormittagen tm Saale der Gesellschaft der Freunde, Reue Graupensioaß», ein Festgotteftdterttt nach konservativem Ritus statt, um den zu erwartenden Andrang won der Men Svnagoge abzuleiten und den Besuchern beft Gottesdienstes, die hier leinen Platz finden, die Teilnahme an einem Gemeindegottesdienst zu ermöglichen. Die Predigt hat für Freitag der Gemeinderabbiner Dr. Hofftnann, für Sonnabend Rabbiner Dr. Simonsohn übernommen. Für die Besucher des liberalen Gottesdienstes sind an beiden Festtagen zwei VormittagSgottesdienste Nacheinander eingerichtet: an dem ersten (beginnend um 8 Uhr) werden die Herren Rabbiner Dr. Sänger und Oberkanior Cerint, an dem zweiten (beginnend geaen 10% Uhr) die Herren Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein und Kantor Wartenberger fungiere«. Am 81. Mai 1922 fand in Berlin die Mitglieder-Bersamml««g de» HilfSvereiu» der Deutsche» Jude« statt. Der Vorsitzende, Dr. James Simon, gab ein Bild von der grenzenlosen Notlage der Juden de- Ostens, namentlich der Ukraine, wo ein hroßer Teil der jüdischen Bevölkerung durch Pogrome und Hungersnot den Untergang gefunden hat. Er berichtete alsdann-über das Werk de) Hilfsvereinin Ost- Europa und innerhalb Deutschlands. Die Auswanderung über Deutschland bat im Jahre 1921 wieder zugenommen, wenn sie auch nicht ven Umfang wie vor dem Kriege erreicht bat. DaS Fürsorgewerk des Hilfsvereins für Emigranten wird ausgeübt durch die Zentrale in Berlin, die Zweigstellen kn den Hafenstädten Hamburg und Bremen, sowie durch Komitee- und Vertrauensleute ot£ der Ost- und Westgrenze in Stentsch, Bentheim und Osnabrück. Dem BermittlungSdienst, den der Hilfsverein ausübt, fällt eine außerordentliche Bedeutung zu. Die jüdische Auswanderung über Hamburg betrug Im Jahre 1921 rund 7000 Personen, über Bremen 1725. Vom Jüdischen Bahnhofsdienst in Berlin, dessen Leitung der Hilfsverein übernommen hat, wurden 1921 43 760 Personen nach Bedarf versorgt, vom Komitee de» HilfSvereins in Osnabrück 13 163 Personen. Für eine Reihe von osteuropäischen Ländern ist die Zulassungsquote nach den Bereiniaten Staaten bereits seit langem erschöpft. Mit dem 1. Juli 1922, wo diese Pforten sich von neuem öffnen, wird der gewaltsam gehemmte Strom mit erneuter Macht dorthin fluten. Für das HilfSwerklm Osten, insbesondere in der Ukraine, hat der Hilfsverein aus seinen noch nicht abgeschlossenen, gemeinsam mit befreundeten Organisationen vorgenommenen Sammlungen, die bisber ein Resultat von nahezu 3 Millionen ergeben haben, Mittel überwiesen und bereit gestellt. Für die durch Pogrome und Mißernten aufs schwerste heimgesuchten südrussischen jüdischen Kolonisten werden Sämereien im Betrage von 100 000 Mark gesandt; für die bunaerleidende Bevölkerung in Odessa und Umgegend % Million Mark. Für die während de» Krieges nach dem Innern Rußlands verschleppten jüdischen Familien, die in wachsender Anzahl nach Litauen, Lettland und Polen zurückkehren und sich dort zum großen Teile ohne Heim und Mittel sehen, ist — zur Einrichinng von Werkstätten, Beschaffung von Maschinen, Werkzeugen etc. — eine halbe Million Mark berei'tgestellt. Eine weitere halbe Million Mark ist zunächst für die ukrainischen Waisenkinder bestimmt, denen da- UnterstühungSwerk des Hilfs Vereins ganz besonders gilt. In aller Kürze werden 60 ukrainische Waisenkinder vom Hilfsverein nach Deutschland übernommen. Bon seiner umfangreichen kulturellen Arbeitlm O r i e n t hat sich der Hilssverein zurückziehen müssen, nachdem am 31. Mai 1918 die enalische Okkupationsbehörde die Schulen des Hilfsvereingeschlossen hat. Kus öem Reich. Berlin. Am 5.. 6. und 7. Juni hält der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich in Berlin seine 7. Verbandstagungab. Me ist die erste seit dem Ausbruch des Krieges und vielleicht die wichtigste seit dem Bestehen des Verbandes. Auf ihr werden — neben den Forderungen, kür di wissenschaftliche Vor- und Fortbildung — in erster Linie Fragei behandelt werden, von deren Lösung nicht allein da» weitere Bestehen des jüdischen Lehrerstandes abhängt, sondern die auch für da» religiöse Leben in den Gemeinden von entscheidender Bedeutung sind. Denn wenn nicht bald Mittel und Wege gefunden werden, um der unerträg. lichen Berelendima eines sehr großen Teils der ftwischen Lehrer unb Kultusbeamten ein Ziel zu setzen, wird, da die Lehrerbildungsanstalten sich leeren oder eingeben und die Abwanderung au» dem Lehrerbemf dauernd wächst, in kurzer Zeit der Nachwuchs völlig aufhören. werden unsere Schulen keine Lehrer, unsere Synagogen keine Kantoren mehr finden und wird in raboinerlosen Gemeinden der Träger des religiösen Lebens gänzlich verschwinden. Die Lehrerschaft ist sich wohl bewußt, daß diese Lebensfragen durch sie allein nicht gelöst werden können. Sie rechnet vielmehr auf die Mitwirkung und Unterstützung aller derjenigen 5 Behörden, Organisationen und Personen, denen gleich ihr die Sorge für da» religiöse Leben unserer Glaubensgemeinschaft anvertraut ist. Bei den öffentlichen Beratungen in der Aula der Knabenschule, Große Hamburger Straße 27. werden folgende Botträge gehalten: Am 6. Juni, vormittags 11 Uhr: Der Religionsunterricht im Lichte der modernen Psychologie: S t e r n - Kattowitz. Nachmittags 8 Uhr: Die Notwendigkeit der gewerkschaftliche« Organisation der jüdischen Lehrer und KultuSbeamien: Freudenthal-Luckenwalde und Ehrenreich -Forchheim. Rechtsschutz der jüdischen Beamten im Deutschen Reich: Dr. Höxter» Frankfurt a. M. Die Gesamwrganisation de» deutschen Judentnm» und die jüdische Lehrerschaft: Steinhardl-Magdeburg. Am 7. Juni, morgens 9 Uhr: Da» Reichsschulgesetz und die jüdische Volksschule: G old sch midi» Dortmund. Die Neuordnung de» Lehrerbildungswesens und ihr Einfluß auf die Ausbildung unseres Nachwuchses: Direktor Dr. Gutmann-Berlin. BreSlau. Eine nachahmenswerte Feier begingen die Nachkommen der feit Anfang des 18. Jahrhundert» in ProSkau mW« gewesenen Familie ProSkauer. Ueber 80 Ungehörige waren von Nay und Fern erschienen. um in den Räumen der Hermann-Loge den ersten Famllieuiag zu feiern. Um da» Zusammengehörigkeitsgefühl zu statten, wurde befchlosien. alljährlich im Mai einen Familientoq abzuhalten. Zur Stiftung eine» Familienfonds, der wohltätige Zwecke verfolgt, sind namhafte Beträge gezeichnet worden. - Berlin. Die Stadt Berlin hat zur Forderung der Gesundheitspflege die Anlage neuer Sport- und Spielplätze für Jung mW Alt ins Augx gefaßt. Mit Rücksicht auf die mangelnden Mittel wird Kt Mbft «9 ßMttik Ärrtiett ArszüMWß. Der —. bürgermeister hat sich nunmehr auch an den Aroß-Prästdenten de» deutschen Distriktes der Ordens Vne-Brith mit der Bitte um Unterstützung de» Planes gewandt. Die Zentralstelle der Berliner Loge« bat darauf den Brüdern des Orden» die tatkräftigste Unterstützung diese» sozialen Werkes in einer dringenden Aufforderung vorm empföhle«. Berlin. Der Nelvyorler „Vorwärts" veröffentlicht einer Bericht Schalom Asch's über seine in Berlin stattgefundene Unterredung mit Maxim Gorki über die Lage der Juden in Rußland. Gorki bemettte gleich m Anfang, daß sich nach seinen Beobachtungen der Judenhaß in Rußland in einer gefährlichen Weift auSbreyet. Um dieser Bewegung entgegenwitten zu können, wäre zu, wünschen, daß die iüdischen Bolschewisten sich an Maßnahmen gegen die Heilistümer des russischen Vollenicht beteiligen. Wenn sglche Aufträge seiten» der Sowjetbehörden an sie ergehen, mösiey. sie diese aAehnen und ihre Ausführung allein den russischen Bolschewisten überlassvt. Maxim Gorki kam dann auf die kulturelle Lage der russischen Juden zu sprechen und nannte den Kampf der jüdischen Bolschewisten gkae« die hebräische Sprache, den Cheder und gegen da» Moskauer hebräische Theater „Habimah" eine „Idiotie" und eine ^.Barbarei*. Er sagte, die jungen jüdischen Bolschewisten tstten gut. ihre Arbeit besseren Zwecken zu widmen. Bei dem hoffentlich doch einmal kommenden wirtschaftlichen Wiederaufbau Rußlands wird mau die Juden nicht entbehren können. Ohne die energischen und aktiven jüdischen Kräfte ist der Wiederaufbau Rußlands gamicht möglich. Verlt». Bei der Besprechung de» Justtzetai» im preußischen Landtag kamen unter anderem auch antisemmsche Urteile preußischer Richter zur Sprache. Der Justtzminister gab die Fehlsprüche zu und sagte, wenn die Richter sich dem Geist der neuen Zeit noch nicht anpassen könnten, dürfe man nicht vergessen. welche Rolle Erziehung und Tradition hier spielen. Für die Zukunft sei eine Besserung zu erwarten. Der sozialdemokratische Abgeordnete Kuttzrer führte wieder eine Reihe von Fällen an. in denen sich eine reaktionäre, zum Teil direkt antisemitische Rechtsprechung geltend machte. Er sagte, die Aufforderung ..Judenblut muß stießen" blieb vor dem Gericht unbestraft, aber die Aufforderung eines iüdischen Kaufmanns an einen Hakenkreuzjüngling. fein Heckenkreuz abzulegen, wurde von der Breslauer Strafkammer als ..gemeingefährliche Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit" bestraft. ^eitungsfchau unö verschiedenes. Au» d«r Ukraine. Wiederauftauchen von Morbbanden. In verschiedenen Otten der Ukraine, besonder» in Bielo-Zerkow, Uman und Winice haben sich geheimnisvolle, offenbar durch eine weitverzweigte Pogromorganisation ausgeführte Mordtaten gegen ortsansässige Juden ereignet. Die Banden gehen in der Weise ans Werk, daß sie überraschend in jüdische Häuser einfrllen und die ganze Familie mitsamt den Kindern ermorden. Bemerkenswert ist, vaß hierbei Gegenstände von Wert nicht angerührt werden. In jübisch-n Kreisen wird da- Bestehen einer geheimen Organisation nach dem Muster der einstigen „Schwarze Hundert-Organisation" vermutet, die mit jenen Banden in Verbindung sieht, die seit einigen Monaten in den Gegenden von Tschernigow, Kiew und Podolien ihr Unwesen treiben. Alle Ovfer dieser Organisation werden durch ein bestimmtes Zeichen gevrandmarkt. Die jüdische Bevölkerung hat sich an die Sowjetregierung um Schutz gewandt, da die Gefahr besteht, daß die vereinzelten MordanfSlie in allgemeine Pogrome auSarten. GtatistikberProgrome. Die offiziellen Sowjetzeitungen veröffentlichen jetzt auf Grund amtlicher Quellen statistische Tatsachen und andere Einzelheiten über die Pogrome in der Ukraine in der Periode der Bürgerkriege und der Bewegungeu der konterrevolutionären Armeen. Es liegen genaue Ziffern über die Ereignisse in 80 Städten vor, wo allein dii Pogrome 78 570 Todesopfer forderten. Mehr als 3800 Hüuftr wurden eingeäschert oder demoliert. Die Gesamtzahl der jüdischen Pogromopfer in dieser Periode be-trägt nach allgemeinen Schätzungen 280 000. Die Sterblichkeit. Die Pariser Abteilung de» Völkerbünde» berichtet: In Odessa wurden im Monat Januar 2020 Todesfälle infolge Hungers verzeichnet. Im allgemeinen beträgt die Sterblichkeitsziffer in Odessa 60 von Tausend. In der Stadt Cherson forderte die Hungersnot im Februar d. I. 1189 Todesopfer. In einigen Südgouvernements der Mraine ist die Sterblichkeit unter den Erwachsenen auf 28 Prozent, unter Kindern auf 60 Prozent gestiegen. Ka» typische Bild einer russischen Hungerstadt. Di» Moskauer ,,Prawda" bringt eine Beschreibung der Safte in der Stadt Borviansk, der wir die folgenden charakteristischen Stelle« entnehmen: BordianSk ist ein lebender Friedhof. ES bedeutet schon ein große» Glück für die Familie, wenn einer ihrer Verstorbenen nicht mehr al» eine Woche im Hause liegen muß.' Oft fallen Hungrige auf der Straße tot um, ohne datz eauf die Passanten einen besonderen Eindruck macht. „Heute Du tnotflen ich", ist das allgemeine Gefühl. Wer kann, flüchtet au» der unglücklichen Stadt, die durch Tob und Abwanderung domiziett ist. In einer schrecklichen Lage befindet sich da» jüdische Kinderheim, bi» jetzt die einzige RettungSinse! sür die dem Tode prei»gegebene jüdische Jugend der Stabt. Nun müssen auch in diesem Heim die Kinder oft ganze Tage hungern. Die meisten dieser Kinder wurden, geschwollen vor Hunger, in den Straßen aufgelesen. Wenn nicht bald Hilfe kommt, werben 90 Prozent aller 5Ander dem Tobe verfallen. Prag. Bei seiner letzten Sitzung beschloß der Rat der jüdischen Gemeinde Prag», eine Subvention von einigen tausend tschechischen Kronen für die in Not befindliche Wiener jüdrsche Gemeinde zu bewilligen. In der hiesigen Gemeinde wird jetzt der Plan erbrtert, ein Krematorium sür diejenige« Juden zu errichten, die ln ihrem letzten Wille« den Wunsch nach Verbrennung ihrer sterbliche« Neste niederlegten. Die Renovierung der berühmten „Alt-Neu-Schul" i« »macht gute Fottschritte. Der Architekt bemüht sich, keinerlei erunaen tm Stil ve» Gebäudes vorzunehmen. Alle» wirb nach üderliefetten Originalen wieder hergestellt. So werden mehrere gemalte Fenster im gotischen Stil «ach dem Muster eine» alle« Fensterft eingesetzt, daß sich noch in der Synagoge befindet. Der Handel in Palästina. Nach den Berichten der Handelsabteilung der palävinenmchen Regierung bat fich der «pfelsinen-Trport im' Verlaufe diese» Jahre» in steigender Höhe entwickelt. Bi» Ende März wurden -00 000 Kisten expottiert. Der Gewinn de» gesamten «Pfelstnengefchäfte» wird für'diese» Jahr auf 80 000 Pfund gefchS^. Eine neue bemerhen-wette Kiste« «ach Amsterdam abgegangen ist. Die besten Preise wurden wie immer in Liverpool gezahlt. Di« Nachfrage nach Palästinamandeln hat sich tngbesonbere in Amettka «nd^Aegypten dem r eine Fn ‘ größert Firma in Jaffa hat allein 600 Säcke expottiert- Der Jüdische Verlag zu der Herausgabe der Tage« Theodor Herzlft Tagebücher. Berlin beginnt in kurzer Zeit mit bücher Theodor Herz!»-. Da» Werk enthält 18 Bücher, die "IN ~ ©noejpfttnt dre^ Bänden erscheinen, von denen der erste bereits ege« " ' als Theodor Heezl d zu setmm Todesstchr über all«! ie umfassen den Zeitraum vom Iah« 1895» den „Judenstsat'' zu schreiben begann, bi» k lOMjntb bringer; auch vielfach Berichte mm Dell allgemeine politische Vorgänge dieser Jahre, die zum

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