Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 21 (26.5.1922)
- Date
- 1922-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere Bewegung. Nachrichten der Vereinigung für daS liberal, Judentum, fttl Fndelfep de, Hvchfchnle für die «isfeufchLft de» Jndentnm». Der Festakt zum fünfzigjährigen Bestehen der Hochschule am ti. Mai vereinte einen groben und angesehenen ftreil in der Aula der Anstalt. Nach einleitendem Gesänge begrüßte im Namen des Kuratoriums Justizrat Dr. Arnold Seligsohn alle Erschienenen und besonderdie Behörden, darunter die Vertreter des Kultusministers und des Polizei-Präsidenten, den Oberbürgermeister der Stadt Berlin und die Abgesandten der theologischen Fakultät der Universität Berlin, der jüdischen Gemeinde, de- Breslauer theologischen Seminar-, der Grohloge sür Deutschland sowie die zahlreichen auganz Deutschland, aber auch aus dem Auslande herbeigeeilten früheren Hörer. Hierauf gab der Vertreter de» Kuratoriumbekannt, daß aus Anlaß debedeutsamen Lagedie Hochschule die Herren Professor Dr. August von Wassermann, den Präsidenten der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, den hebräischen Dichter Bialik, Professor Liebermann von der Universität Berlin, den gelehrten vberrabbiner Dr. Jmanuel Lvw in Szegebin, den ältesten Schüler der Hochschule, sowie Frau Brünn und Herrn Garbaty-Rosenthal zu Ehrenmitalievern ernannt habe. E» folgte die Festrede de- Historiker- Professor Elbogen, der die Geschichte und Schicksale, die Leistungen und Zukunstshoffnungen der Hochschule zu einem lebendigen und fesselnden Gemälde zu vereinigen wußte. Danach statteten die erwähnten Deputationen und auch ein Vertreter der Studierenden ihre Glückwünsche, Dank und Anerkennung in bemerkenswerten Ansprachen ab, von denen nur ein Hinweis des Abteilungsleiterder obersten Preußischen Schulverwaltung hier wiedergegeben sei. Als im Jahre 1874, also kurz nach der Gründung der Hochschule eine fremde Regierung bei dem damaligen Reichskanzler Bismarck über die Bedeutung deS Institutes anfragte, antwortete das berichtende Ministerium mit den Namen der Dozenten Gteinthal, Lazarus und Geiger als die besten Bürgen und Beweise seiner wissenschaftlichen Leistungen. AuS Anlaß des Jubiläums sind der Hochschule ansehnliche Zuwendungen zugeslossen; aber erst ihre reiche Vermehrung kann die Sicherstellung und den dringend zu fordernden Ausbau der Anstalt gewährleisten. ^Darum Haben sich auch die früheren Schüler in besonderer Beratung'zu einer Bereinigung zuiammengeschlossen, die die Förderung der Interessen der Anstalt, den festen Zusammenhalt untereinander und mit den Dozenten und Hörern sich zur Aufgabe gesetzt hat. Durch einen wohlgelungenen Kommers, der in echt studentischer Art alle Glieder und Freunde der Hochschule vereinte, wurde der denkwürdige Tag fröhlich beschlossen. — Dem Lehrer-Kollegium der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und den früheren Hörern ist von der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner folgendes Schreiben zugegangen: Geehrte Kollegen! Die Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner begrüßt freudig den Jubeltag der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Die Mitglieder der Konferenz sind sich der hohen Bedeutung des Werkes bewußt, das die Hochschule für da» Judentum in seiner Gesamtheit geleistet hat. und besonders empfinden wir, baß das liberale Judentum ln Amerika viel, sogar sehr viel der Wirksamkeit und dem Einfluß der Hochschule verdankt. Schüler der Hochschule sind unter unseren hervorragendsten Mitgliedern. Ihr Ansehen strahlt zurück auf die Quelle ihrer Bildung und sie sind selbst auch eine Quelle deS Stolzes für bas Judentum. ..^^Daü..ist.-vohI.LL'grLiflrch,. wenn man auf. Ursprung uyd Entwicklungsgang der Hochschule zurückblickt^ Jm'Sinne'-so tüchtiger Persönlichkeiten wie Geiger und Philipson, die bei ihrer Geburt Pate standen, verfolgten sie den Kurs, tiefe Gelehrsamkeit mit akademischer Freiheit und Duldung jedes schöpferischen und ernsten Gedankens zu vereinen. Alle ihre Lehrer, von Geiger bis heute, zählen zu den Leuchten am Himmel jüdischer Wissenschaft. In ihren Hörern, die ihr aus Europa und Amerika zuströmen, verkörpern sich weite Gegensätze^ nicht nur in geographischer Beziehung, sondern fast nicht weniger auch in Gedanken und Glauben. Der Einfluß der Hochschule aus diese weithin zerstreute und den verschiedensten Ricktungen angehörende Schülerschar ist durch die vielen Jahre hindurch von höchster Bedeutung gewesen und gerade darin ist ihr Dienst für das Judentum unschätzbar groß. Nicht nur das gesprochene Wort, das begierig ausgenommen wurde von strebenden Geister», sondern auch die gelehrten Werke, die als reife Frucht auf dem Boden der Hochschule erwachsen sind, haben die Schönheit und Größe jüdischer Ethik, jüdischen Glaubens, jüdischer Wissenschaft und jüdischer Philosophie offenkundig gemacht. ES ist vielleicht nicht angebracht, Namen einzelner Männer und Werke zu erwähnen, aber von ihnen allen kann mit Recht gesagt werden, da sie daS Studium der Lehre allen Dingen vorgezogen haben, daß sie die Weisen sind, die leuchten werden wie der Glanz der Firmament- und sie, die viele zur Gerechtigleit führen, wie die Sterne in alle Ewigkeit. Die Mitglieder der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner freuen sich mit Ihnen diese- Jahre-tageS und senden herzliche, tiefempfundene und brüderliche Glückwünsche. Sie werden später einen Gruß in greifbarer Form senden. Es ist ihr heißer Wunsch, die Hochschule möge weiterhin an Kraft und Stärke zunehmen, ihr Einfluß und ihre segensreiche Tätigkeit möge wachsen mit dem Laufe der Jahre; ihrem Lehrerkollegium Und der Studentenschaft gewähre Gottes Gnade langes Leben, innere Freudigkeit und Kraft zu wertvoller Tätigkeit! Ich habe die Ehre für die C. C. A. R. zu zeichnen und bin aufrichtig und brüderlich Ihr Edward N. Talifch, Präsident. Gründung eine» jüdisch-liberale« Vereins in RamSla«. Am Sonntag, den 21. Mai, fand auf Veranlassung des Herrn Kehrer U n i k o w e r eine Besprechung statt, an der von Breslau aus die Herren Erich Bayer, Turt B r i e n i tz e r und Alfred Berger teilnühmen. Nach eingehender Aussprache, die Herr Unikower erbffnete und in der Herr Brienitzer Zweck und Ziel unserer Bewegung in scharf umriffener Form darlegte, erfolgte die Konstituierung der Ortsgruppe, deren Borfitz Herr Hechterund deren Schriftleitung Herr Unikower übernahm. Di« erste Versammlung unserer jüngsten Ortsgruppe findet am Montag, den 29. Mai 1922 statt. Herr Gemeinberabbiner Dr. B o g e l st e i n hat sich dankenswerter Weise für einen Vortrag zur Verfügung gestellt, auf den an anderer Stelle noch besonder» hingewiesen ist. ES bsteht gute Aussicht, baß dieser Verein auch Mitglieder in OelS und Bernstadt in sich vereint. In Schlesien ist nun von Breslau auin kurzer Zeit die 9. Gruppe begründet worden. Jngendverfammlu«« de» Leutralvereins. Nicht ungehört verklang der Mahnruf in der T. B. Zeitung, der Einladung zu einer Jugendversammlung Folge zu leisten. Jugend itnb Alter fand sich Montag, den 8. Mai im Sitzungssaal der Füdischen Gemeinde zu Berlin, in der Rosenstraße zusammen. Der Saal konnte kaum die herbe,strömenden Mädels und Jungen fassen. Nicht nur die bereits organisierte deutschjüdische Jugend, bewegung war durch ihre sämtlichen Organisationen vertreten, sondern auch zahlreiche Neulinge, Kinder deutschjüdlfcher Eltern konnte man interessiert lauschen sehen» Auch Zionisten und ^aumannianor hatten sich eingefunden. Durch eine kurze Begrüßungsansprache trWnete Pen Ubi ft Versammlung. Bo» de» jugendlichen Referenten führte zunächst 7 iebrlck G. Lennhvff au-, wadie Jugendbewegung eigentlich will. Während er hefonderhervorhob, daß edarauf ankäme, den neuen deutfchjüdifchen Menschen durch Arbeit an sich selbst zu schaffen und darauf hinwieß, daß die Parole lauten müsse „durch Freiheit zur Selbsterziehung», betonte Referendar Arthur Lillenthal in seinem Referat „Jugend und jüdische Wissenschaft", daß die Jugend sich immer mehr in jüdische» Wissen und jüdisch« Religion vertiefen müsse, und daß dieses auch bei den freier denkenden, nicht streng gesetze-treuen Juden die Grundlage aller jüdischen Erziehung sein müsse. Wie die heutige Jugend lebt und zusammenkommt, schilderte Bruno Lenk in seinen Ausführungen „Unsere Geselligkeit", in welchen er besonders auf die Heimabende, Wanderungen, Spiel- und Singnachmittage, an denen die Fugend ohne den Genuß von Alkohol und Nikotin vollauf ihr Vergnügen findet, hinwiet. DaS Referat „Jüdische Jugend und körperliche Betätigung", welches Adolf Kristeller hielt, zeigte uns, wie notwendig es ist, daß die jüdische Jugend durch Sport, Spiel und Wandern ihren Körper stählt. Eine körpersich ertüchtigte Jugend sei auch am besten antisemitischen Angriffen gewachsen, da sie diese durch ihr eigenes Leben widerlege. Das Wandern an sich habe seine Bedeutung dicht als Sport, der aber während einer Wanderung in al»n Formen getrieben werden könne, sondern zur Erziehung deyingen Menschen, der wandernd sehen lerne. Eine Zusammenfassung aller d,eser Ausführungen gab Friedrich Brobnitz m dem Referat „der Kampf um unser Deutschtum", in welchem er die Stellung der beutschjüdischen Jugend zum Deutschtum und zu ihren deutschen Mitbürgern klarlegte und insbesondere auf die Notwendigkeit der Bekämpfung de- Antisemitismus auch durch die Jugend hinwies. Er betonte, daß zwar die Wege, die die Jugend gehe, um den Antisemitismus zu bekämpfen, grundverschieden von denen der Erwachsenen seien, daß aber daS Zie! dasselbe bleiben müsse. Die Jugend bekämpfe den Antisemitismus durch ihre LebenSreform und durch ihre deutsche und jüdische Arbeit, nicht durch Abwehr. An die Referate schloß sich eine sehr angeregte Aussprache an. ES stießen jedoch nicht nur die verschiedensten jugendlichen Meinungen aufeinander, sondern bedauerlicherweise mischten sich ältere Herrschaften ln die Diskussion, die als Gegner des Centralverein-, dessen Politik und auch die gestrige Veranstaltung kritisierten. Insbesondere durch die unjugendlichen B olkSversammlungSre den von Anhängern des Verbändenati o nald e utscher Juden wurde die Debatte in daß übliche Parteigezänk hineingesteuert. Wo war die Jugend dieses Verbandes, die doch allein da- Recht gehabt näite, in dieser Versammlung da» Wort zu ergreifen? Die Jugend ließ sich durch jene Debatten, die nur Verwirrung und Empörung in die Versammlung hineinbrachten, nicht beirren. Bemerkenswert waren noch die Ausführungen einiger Mädels, wie die Edith Peritz, die besonders hervorhob, wie untrennbar Deutschtum und Judentum in unS seien und die beides erlebt und gelebt wissen will, wie eS bei den Kameraden der Fall ist, sowie Ellen Littmann, die von neuem den Hauptwert auf jüdische Arbeit und jüdisches Erleben gelegt wissen will und von GreSe Kowatsch, die bervorhob, daß wir nach unserer Geburt und nachdem, waS wir in uns tragen, unser Judentum nicht ausschalten könnten. Scharf inS Gericht mit den Naumannianern ging Divlom-Jngenieur Bruno Woyda vom jüdisch-liberalen Jugendverein, der auf den Widersinn HinwieS, Deutschtum und Judentum nach Prozenten berechnen zu lassen. Lehrer Rosenblatt trat ein für Sammlung der jüdischen Fugend unter der Parole „für Deutschtum und Judentum zum Menschentum". Dr. Lehmann wünschte, daß eine Spitzenorganisation oller deutschjübischen Jugendvereine geschaffen würbe und unterstützte einen dementsprechenden Antrag, der jedoch abgelehnt wurde. Obwohl eine sachliche Aussprache durch Zwischenrufe uyd ständig, wachsenden Tumult immer schwieriger. wurde, v^gte^ie^JMMMM^Mder xiM syfch^ Der vorgerückten Zeit wegen mußte diese jedoch »iS zu einem späteren Zeitpunkt verschoben werden. Alles in allem genommen war die Veranstaltung ohne Frage ein Erfolg für den Zentralverein, zeigte sie doch eine begeisterte, ideale deutschjüdische Jugend, die Zchren Weg zu deutschjüdischen Menschen, wie ihn der C. B. sich für seine Arbeit nur wünschen kann, unbeirrt aller Hindernisse finden wird. Kus üem Reich. vreSla«. Am Sonntag, den 7. ü. Mts. fand die Generalversammlung der Unterstützung-- kasse de» Vereins Israelitischer Lehrer in Schlesienund Posen statt. Rach Erledigung der Tagesordnung wurde eine Finanzkommission gewählt, um das yer- ' mögen der Kaffs sicherzustellen. Alsdann hielt Lehrer i. R. Seuger ein Referat über den Wiederaufbau der Kasse. Der praktische Erfolg der Sengerschen Ausführungen war die Wahl einer Werbe-Kommifsion, der außer dem Borstande Gemeinberabbiner Dr. Hoffmann angehört und die das Recht der Zuwahl hat. Die gesammelten Beträge sollen dazu bestimmt sein, allen im Dienste stehenden ungenügend besoldeten Kultusbeamten zu helfen und die Leistungen der Unterstützungskasse für im Ruhestande lebende Mitglieder wesentlich zu erhöhen. Der Schriftführer oer Kasse, Rechtsanwalt S. Nothmann, konnte sofort 137 009 Mark von einem ungenannten Spender für baldigen Verbrauch übergeben. Der Vorstand (Lehrer Moops, Vorsitzender; Kaufmann A. Bial, Kassenführer; Rechtsanwalt Nothmann, Schriftführer) wurde wiedergewählt. In der sich anschließenden BorstandS^itzung konnte sofort die Verteilung der inzwischen übermittelten Spenden bestimmungsgemäß vorgenommen werden. Frankfurt a. Mai«. Tagung de- Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutsch, l a n d r. Unter großer Teilnahme aus allen Gauen des Reiches hielt am letzten Sonntag der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands in Frankfurt a. Main seine fünfte Tagung. Zu Beginn der feierlichen Eröffnungssitzung, die gleichzeitig der Ehrung der für daS Vaterland gefallenen jüdischen Handwerker gewidmet und von weihevollen Gesängen der Liedertafel 1827 umrahmt war, begrüßte Schneidermeister Weißhauvt-Frankfurt die Vertreter aus oem Reiche wie oie zahlreichen Ehrengäste. Der Berbandsvorfitzende, Glasermeister MarcuS-Neukvlln, konnte in seiner Eröffnungsansprache die erfreulichen Fortschritte der jüdischen Handwerkerbewegung feststellen. Schon gehörten eine große Zahl der jüdischen Handwerker des Vaterlandes dem verbände an, aber um alle etwa 18 000 zählenden jüdischen Handwerker Deutschlands zu ge- Winnen, bedürfe eS noch eifriger Arbeit. Tapezierermeister Wolff-Berlin zeigte in einer hochgesiimmten Festrede die Zwecke und Ziele des Verbandes auf. Keine Trennung von den christlichen Kollegen wolle man. Auf ein Zusammengehen in allen beruflichen Fragen werde der größte Wert gelegt. Rabbiner Dr. Salzberger-Frankfurt, früher Feldrabbmer, feierte die gefallenen Handwerker. Besser als jede steinerne Tafel ehre diese, wenn ihr Geist bet letzten Opfermute», der persönlichen Hingabe für eine gelvMge Idee im deutschen Judentum wach gehalten werde. Stadtverordneter Bouvert-Frankfurt spreche es namen» der Handwerkskammer des Regierungsbezirks Wiesbaden mit Freuden aut, daß die jüdischen Handwerker in ihren Leistungen und auch in Vertretung der gemeinsamen Stanvetinteressen den christlichen Kollegen in nicht» nachgeben. Do» Zusammenarbeiten im Bereiche der Handwerkskammer iei 1 ftdl AtckttMs jtüifen. Herr Simou-Arankstttt begrüßt für bi« jüdische Gemeinde in Franksirrt, Merzbacher für die Großloge für Deutschland, Syndikus Dr. Wiener-Bervn für den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben» die Tagung. Da» Vorhandensein von weit mehr als 10 000 jüdischer Arbeiter im Ruhrrevier, so führt er aus, und von 15 000 Handwerkern und Gesellen müsse jedem Judengegner den Vorwurf der jüdischen gewerblichen „Unproduktivität" au» der Hand schlagen. Zahlreiche andere Organisationen brachten dem verbandstage ihre gutxn Wünsche dar. Die übrigen SitzungeM der Li» zum 16. Mai währenden Tagung sind ernster Berufsarbeit gewidmet. Berlin. von der Apologetischen Kom - missiondet Verbandes derdeutfchen Juden. Der geschäftsführende Ausschuß de» Verbandes der deutsche» Juden, dessen Auflösung bekanntlich mit Rücksicht.auf die Schaffung einer Aesamtoraanisation der deutschen Juden in Aussicht genommen ist, hat beschlossen, zur Fortführung seiner apologetischen Arbeiten ein eigene» Kuratorium einzusetzen, daohne Abhängigkeit von einem anderen Gremium die apologetischen Arbeiten selbständig weiterführen wird. Gleichzeitig wurde beschlossen, die folgenden Herren in da» Kuratorium zu wählen; Rabbiner Dr. Baeck, Justizrat Makower, Rechtsanwalt Dr. Klee, Rabbiner Dr. Ldwenthal, Direktor Dr. Holzmann, Professor Dr. Ellbogen (sämtlich in Berlin) und die Herren A. I. Marburg (Hamburg) und Dr. Hirschland (Essen). DaS Kuratorium hat u. a. die periodische Herausgabe jüdisch-apologetischer Schriften zu organisieren und ourchzuführen. Berlin. Die jüdische Studentenhilfe in Deutschland. Die Leitung der jüdischen Studentenhilfe in Deutschland hatte bekanntlich den Entschluß gefaßt, der Frage der Unterstützung der jüdischen Studenten ohne Unterschied des Geburtslandes näher zu treten. Auf eine Anfrage erklärte der KommiFar der Gemeindevorstandes Berlin, daß nach gemeinschaftlich mit den Vertretern der Stubentenorganisationen abgehaltenen Sitzungen die Angelegenheit auf aNseitigen Beschluß der Beteiligten der jüdischen ZentralwsblfahrtSstelle überwiesen sei, die als Mittelpunkt der geplanten Aktion gelten solle. Bei der Zentralwohlfahrtsstelle sei nun zunächst ein jüdisch« akademisches Arbeitsamt errichtet worden, ebenfalls unter Anziehung aller beteiligten studentischen Kreise ohne Unterschied ihrer Richtung. Der Gemeinbevorstand sei nach wie vor bereit, aNe Aktionen diese» Arbeitsamtes ober der ZentralwohlfahrtSstelle auf dem Gebiete der Studentenhilfe in jeder Beziehung zu unterstützen. Berlin. In der letzten Repräfentantenvers a m m l u n g wurde der Antrag eingebrocht, daß in Zukunft Leistungen an die Gemeinden nicht mehr zu festen Sätzen erfolgen, sondern daß sie nach der Steuerkraft der Gemeindemitglieder berechnet werden sollen. Der Anfang soll mit den Kosten der Beerdigung armer Gemeinbemitglieder gemacht werden. Bretla». Dte'Jsraelitische AlterS-BersorgungS-Anstalt (Julius uns Anna Schottlaender« Stiftung) beging am Sonntag da- Fest ihres 2öjährigen Bestehens im Beisein von Vertretern des Synagogen-BorstandeS, de» Repräsentanten-KollegiumS, des jüdischen Krankenhauses, der jüdischen Eiechenanstalt usw. In gehaltvoller Rede gedachte der Inspektor der Anstalt, Herr Boß, deS edlen Menschenfreunde», der vor einem Bireteljahrhunoert die Anstalt inS Leben gerufen. Der Vorsitzende deS Kuratorium», Rentier Eduard Sach», erinnerte daran, daß er vor 25 Jahren dem Hause selbst im Beisein de» inzwischen verstorbenen Dtifterpaare» die Weihe haben geben dürfen. Mit 36 Insassen sei die Anstalt int.,üebe«.^rufen. worden» heute.zähle sie.86; nahezu 180 Infaffetf fgndeu bereit» in ihr Ausnahme. Der älteste zählt heute 02^Jahr'Ünd'befinde sich in böuer Rüstigkeit. Me ungünstige« Zeitläufte machten sich jetzt bei dem Büdget bet Anstalt schwer fühlbar. Heute koste der Unterhalt pro Person 12 000 Mark jährlich. Da der Jahreshaushalt der Anstatt seit Jahren mit Fehlbeträgen abschließt (das letzte Mal allein mit 180 000 Mark), habe sich ein Komitee gebildet zur Sammlung von Geldmitteln für die Anstatt. Nach Bekanntgabe mehrerer Stiftungen zch gunsten der Anstalt wurde eine Sammlung unter den Festgenossen für den gleichen Zweck veranstaltet, die die Summe von 65 000 Mark ergab. Berlin. Vom jüdischen Handwerk in Deutschland. Die Klagen der jüdischen Handwerker wegen mangelnder Berücksichtigung seitens der offiziellen jüdischen Kreise mehren sich. Nachdem schon, wie wir berichtet haben, in Leipzig hierüber Klagen laut geworden find, hat sich nunmehr auch der verein selbständiger jüdischer Handwerker in Hamburg beschwerdeführend an die Hamburger jüdische Repräsentantenversammlung gewandt, weil bei den Jnstallationsarbeiten der Synagoge Kohlhöfen das jüdische Handwerk völlig übergangen worden sei. Ebenso hat der Verein selbständiger jüdischer Handwerker der Provinz Hannover darüber Klage geführt, daß die jüdische Gemeinde Hannover Lei der Vergebung ver Arbeiten der Ehrenhalle in Hannover'die jüdische« Handwerker nicht berücksichtigt hat. VreSla«. Unter dem Vorsitze deS Herrn Emil walbstein- BreSlau tagte am Sonntag, den 14. d. Mts., in Breslau im Sitzungssaals der Repräsentanten die Hauptversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz. Der Vorsitzende eröffnete sie mit BegrüßungSworten namens des Breslauer Gemeindevorstandes und des D. I. G. B., erinnerte an das 25jährige Jubiläum de» Verbandes und gedachte der seit der letzten Sitzung verstorbenen Mitglieder Dr. Rosenthal, Geheimrat Reich, Mugvan und Professor Wohlauer in üblicher Weise. In den Ausschuß deS Verbandes sind Rabbiner Dr. Hoffmann und Erich Bay« berufen worden, Dr. Vogelstein ist stellvertretender Vorsitzender geworden. Der Vorsitzende spricht über die Bestrebungen des Verbandes zur Besserung der Lage der Kultusbeamten. Wert und Notwendigkeit von Schiedsgerichten müsse anerkannt werden, wenn sie auch nicht hätten eingerichtet werden können noch. Herr Bürodirektor Glaser erstattet Hen Berwaltungsbericht für 1921. Die Aufgabe deSIBerbandes, dem 39 Gemeinden, 308 BreSlauer und 123 auswärtige Mitglieder anaehörten, war di« religiöse Versorgung der Kleingemeinden mit Unterricht, Predigern, Borvetern, Lesestoff usw., die jüdische Arbeiterunv Wanderarmenfürsorge. In der ausführlichen Besprechung deS Berichtes wird allseitig der Notstand der Beamten und die ernste Pflicht ihrer Erhaltung und Kräftigung anerkannt. Dem Kassenberichte und dem Bericht der Rechnungsprüfer folgte die Erteilung der Entlastung, die Erhöhung der BerbanvSbeitrüge auf daS Doppelte de» Vorjahre« itnb die der Zahl der AuSschußmitglieder auf 14. Nach einer kurzen Frühstückspause hielten Rabbiner Dr. Bogelstein und Bähr-Woldenburg Referate über die Bildung von Bezirksgemeinden, bezw. Zweckverhänden zur Versorgung der Kleingemeinden mit Unterricht, Gottesdienst und Schechitah und legten einen Plan für die. Provinz Schlesien nach dieser Richtung vor, der nach und nach zur Durchführung unter Zuziehung der »Beteiligten gebracht werden soll. Der Tagung wohnte al» Delegierter de» oSerschleflschpn GemeindeverbandeS Justizrat Beraer-Königshütte bei, desien Antrag auf Arbeittgemeinfchaft mit dem Ziele völliger Verschmelzung einstimmige Annahme fand.