Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 19 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Liberaler Gemetndewähler! Denke beiden DaKen j an die dringend notwendrae Schaffung selbständiger ' KultuSkommissionen und wähle keinesfalls schwankende Gestalten irgend welcher ^.vermittelnder" Richtung, ob sie Dir auch unter den schönsten Bezeichnungen von „Centralvereinen für die Interessen -er jüdischen Gemeinde" -—nicht zu verwechseln mit dem richtigen C. B. — oder dergleichen empfohlen werden. _ Criticaster. 0n aller Kürze. I» Lemberg eingetrosfene russische Flüchtlingeberichten. datz der Antisemitismus in Rußland im Anwachsen begriffen ist. Dies sei eine Begleiterscheinung der Hungersnot, die die Bauern für die anii jüdische Agitation «inpsänglicher gemacht hat. Die am 1. Mai in Warschau slattgesurrdene Arbeite» oemonstration, an der sich auch Juden beteiligten, hat mit einer Judenmißhandluny ihren Abschluß gefunden. Die beinah« pogromartigen Exzesse dauerten ungefähr zwei Stunden. Hunderte von Juden, darunter ein amerikanischer Bürger, trugen erhebliche Verwundungen davon. * * * Die Warschauer jüdische Gemeinde hat dm Professor an der Lemberger Universität MoseS Shor zum Nachfolger des rmlängft vefttorbenen Rabbiner Tr. S. A. Posmanskh ernannt. In Anbetracht der bevorstehendes Wahlen in den Sejm haben die nichtzionistischen Juden in Polen eine intensive Wahlpropaganda zu entfalten begonnen. Dem Vertreter Polens im Völkerbund, Professor Simon Aschlenasi, soll der höchst«, polnische Orden «Polonia restituta" vorlichen worden sein, und zwar in Anerkennung seiner Verdienste um den polnischen Staat in den Verhandlungen über Oberschlesien und Wilna. Die rechtsstehenden Parteien und die reaktionären Presseorgane zeigen sich über diese Ehrung sehr aufgebracht. Die jüdische Fraktion im litauischen Sejm hat mit Rücksicht auf die Ablehnung des Minochtüteinrechies seitens des litauischen Sejm beschlossen, sich dm weiiercn Sitzungen des Sejm fernzuhalten. Die aufgeregte Stimmung unter dev jüdischen Bevölkerung Litauens infolge deS Sejmbeschlutz, die Minoritätenrechte abzulehnen, herrscht immer noch vor. Eine Mitteilung deS mexikanischen Auswärtigen Amtes bestätigt die letzten Mitteilungen, laut denen die mexikanische R giemng die Absicht hat, Jminigrairtep, die sich in der Landwirtschaft betätigen wollen, zur Ansiedlung im Lande einzuladw. In der betreffenden Nachricht sagt die Regierung, sie werde den Immigranten keine technischen Schwierigkeiten in den Mg legen, sondern sogar einen Teil der Reise- und Frachtspesen für Gepäck, Werkzeug und Vieh tragen. ' 'Die kanadische Regierung,. acht bekannt, pH..,jetzt ab von den Immigranten der Nachweis des Besitzes von 250 Dollar nicht mehr verlangt wich. Die Gesellschaft zur Förderung von Landivirtschaft und Industrie unter den Juden der Vereinigten Staaten ver öffentlicht ihren Jahresbericht. Vor 22 Jahren, als ihr: Tätigkeit begann, waren 216 jüdische Familien in der Landwirtschaft tätig. Jetzt beträgt die Zahl der jüdischen Farmer Über 60 000. Der amerikanische Senat beschloß, die Geltungsdauer oes Gesetzes, welches die Zahl der Einwanderer aus jedem Lande auf jährlich 3 Prozent der schon in Amerika wohnenden, aus diesem Lande stammenden Personen beschränkt, bis zum Juni 1924 zu verlängern. Auch ist ein Zusatz angenommen worden, laut welchem die aus Kanada, Kuba, Meriko und Irland Enrwanderndm den Nachweis erbringen müssen, daß sie mindestens fünf Jahre in dem betreffenden Emigrationslande gewohnt haben. * # Infolge neuer Einwanderungs-Beschränkungen ist die Immigration in Palästina fast untetbuÄden. Sogar Immigranten mit Visum des englischen Konsulats werden von den palästinensischen Hasenbeamten zurückgewicsen. * . * ' Am 1. Blai ist Sir Herbert Samuel in London eingetrossen. E-t Weigerte sich, für di- Presse irgendwelche Erklärungen abziigebm. Ob er viel Angencbmes zu verschweigen hat? * Nach einer „Times"°Melduntz ist eS Mitte April zwischen zwei arabischen Dörfern in der Nähe von Hebron zu schweren Kämpfen gekommen, die aus den inneren Parteihader der arabischen Bgvölkerrmg zurnckgeführt werden. Der Polizeibericht enthält die Name» von siebzehn getöteten Dorfbewohnern. Gcneral Gouroud, der soeben in Syrien eingetrosfen ist, erklärt als Hauptursache für das Wiederaufflammen der panarabischen Agitation, daß Mörder in Trcmsjordanien die Freiheit genießen. Ich kann versichern, fügte er hinzu, daß wenn heute eine Attentätev-Bande aus Syrien aus Sir Herbert Samuel in Tvansjvrdanien geschossen hätte, man hier nicht zehn Monate mit d<r Verhaftung warten würde. — So arbeitet Frankreich gegen England und umgekehrt, weil beide Palästina lwben wollen, und das ganze nennt man Entente. Unsere Bewegung. R ' ch r i ch te n der Vereinigung für da8 liberale Judentum. Ortsgruppe BreSla«. Nach vorausgegangener Dorstandssitzuna hielt der Liberale Verein der Synagogengemeinde im Saale d«r Gesellschaft Eintracht gemeinsam mit dem Jli-Breslau seine Generalversammlung ab. EinaanaS erstattete der Boirsitzeitde, Herr A. BtelfchowSki, den Bericht über die verflossen» Gefchäftsperiode. Rückblickend gedachte er der beiden im letzten Jahr«, verstorbenen hervooragerchen Mitglieder, G»h«imrat Reich und Professor Wohlauer, denen der Verein schon eine besondere Trauerfei« gewidmet hatte und die der Vorstand zu immerwährenden Mitgliedern zu ernenne« beantragt. Er belichtete dann von den im Vorstand einn.ir?*enen Veränderung-:». Sa-nitätsrat Dr. Jttmann und f^tz «M tüm M «m! b« »Ms«. rerS halb« Max Gins, das des Schriftführers Ähre« Freundlich übernommen. Die ZeitungSfvag», in der sich Rechtsanwalt Erich Spitz und Erich Bayer außerordentlich betätigt hätten, habe in dm acht stattgehabten Vorstandr« sttzungen einen breiten Raum eingmommen. An Kämpfen mit den anderen Parteien hätte er Nicht gttehlt. Zu Pefstz mismuS in unseren Reihen wäre keine Veranlassung vorhanden. Herr Gins erstattete den Kassenbericht. Entsprechend dem Antrag» des Kassenprüfers, Herm Albert Hamburger, wird dem Rendantm Entlaftwm «teilt. Die Statuten werden dalhtn geändert, daß in Zrckunst drei Vorsitzende mit gleichen Rechten, die auch Mchzeitia amtieren, gewählt werden sollen. Aus dev Walhl gehen dt» Herren Alfred Bielfchowski, Ignatz Walsch und Rechtsanwalt Dr. Georg TarnowSki hervor, die übrigen Vorstandsmitglieder werden wiedergewählt. neu hinzu treten die Herren Smofchewer, Rokh und Bankdirettor Steuer. Justizrat Joel wird zpun Ehrenmitglied ernannt. Der Jahresbeitrag wird auf 25 Mark bemessen: eine außerordentlich- Umlage von je 25 Mark soll eingezogan Warden, und an ZeitungSgebühven für den Btzzug dar Liberalen Zeitung wird ebenfalls ein Betrag von 25 Matt erhoben. Eine allgemein» Aussprache entspann sich dann über die Feier des 5vjährtgeN Bestehen? der Reuen Synagoge im Herbste dieses Jahres, des lOfährigen Bestehens des Jli um» deS 25jährigen BestchcnS des Liberalgu Vere'nS im Januar nächsten Jahres. Zur Vorbereitung dieser Feierlichkeiten wird eine Kommission vonfünf Mitgliedern eingesetzt. Die Besprechung einer Anzahl für den religiösen Liberalismus wichtiger Fragen hielt die Versammlung noch lange zusammen. Bus üem Reich. Berlin. Der HilfSverein für Jüdische Studierende zu Berlin hielt am 1. Mai 1922 seine Generalversammlung ab. Er verteilte im Jahre 1921 an nahezu hundert Studierende 69 425 Mark. Don diesmr Betrage erhielt etwa die Hälfte der Unterstützten nur eine einmalige Beihilfe zu Prüfungskosten. Das lassend«, Stipendium, jetzt auf 2400 Matt erhöht, deckt n«r ein Zehntel des hier mindestens für Kost, Wohnung, Kleidung und Studium Notwendigen, und selbst dies» Bewilligung, die an Kaufkraft weit hinter den bescheidenen Frirdenssätzen zurückbleivt, wäre umuöglich ohne die Rückzahlungen früher gewährter Darlehen in Höh« von 35 749 Matt. Dias« Teil der Einkünfte liefert den erfreulichen Beweis, daß die Mehrzahl der Stipendiaten aus harten Anfängen sich tüchtig miporringt. Vorsitzender ist Justizrat Dr. A. Seligsohn, Schriftführer ProMor Dr. F. Liebermann, W. 10. Dendlerhielt unlängst tn der Kleiststraße 10 eine gut be- Versammlung ab. Nachdenr Herr Rechtsanwalt Donig d!s Erschienenen im Namen der Vorstandes begrüßt hatte, ^rerRobert Hirschseld einen von zahlreichen Lichtbildern veGesteten Vortrag über die Ausgrabungen in Vordersten, irrch di» Bibel. Der Vortragende wies in überzeugender Weise durch Wort und Bild nach, datz die Beichte der Bibel in ihren geschichtlichen Teilen durch die '/u^rMmgen völlig, bestätigt und vielfach erklärt worden sstw. Eine kurz: Ausiprache schloß sich an den Vortrag an. In dem darauf folgenden musikalischen Teil erfreuten Frau ffrna Darriel und Herr Oberkantor Asch di» Erschienenen ^Eetungen. Es ist zn erwarten, daß durch Luiammeichang. zwischen den «ltgiöse. Leben. rü der Berlin. Am 11. April fand in Berlin die VertreterversEmwng deS „Arbsit»rfürsorg»ar»t«S der d Organisationen Deutschlands" statt. Dre Tagung nahm einen sehr interessanten Verlaus. 'lmfangreichen Bericht seien hier die Zahlen cr»vahnt, die von dem Umfang d«§ Hilfswetts des ArbeiterfttrsorgeanUes eine Vorstellung geben? Im Flüchtlingsheim {}\ , Wre eustraße zu Berlin wurden im Jahr» 1921 lO§00E Betten ausgeMben. Irr Berlin allein wurden 17o0«0 Ei:PorttoneN verteilt. Die Zahl der durcki das Ar- 'behandelten Paß-Angelegenheiten i'.n Ich« )0?1 beträgt 17 200. Insgesamt wurden durch das Ar veitersmsorgeamt im vergangenen Jahre zirka G% Millionen Man für Fursorgezweckv vcreinnalunt und verausgabt. , Diese außerordentlich hohen Smmnen sind zu einem k.cr Hilf» ausländischer Freunde zn verdanken. JnLarsander» der I o ut, dessen Direktor Dr. Bemhatt K ahn dmr Arberlersürsorgeamt immer besondere Aufmettlamken und Fürsorge widmete, bat sich mit außerordentlrchen .mummen beteiligt. Aber auch andere Institutionen^ wre z. B. dre I c a, haben sich mit größeren einmaligen spenden am Hrlfswett in Deutschland beteiligt. Doch auch die deutsche Judenheit hat zu diesem Htlfswett erheblich« Summen bergetragerr. Nur durch die opferwillige Zusammenarbeit aller Kreise war es möglich, das Erreichte^ zu leisten. Mit besonderer Genugtuung wurde di» Mitteilung Über dte a-uSgezerchnet» Zusammenarbeit zwischen jüdischen und deutschen Atbertern ausgenommen. Ebenso sanderr die Zeug, nissr v»r Arbeitgeber über die Leistungen der jüdischerr Arbeiter Interesse. Die deutsch)» Judenheit kann mit Stolz daraus Hinweisen, daß sie sich von Anfang an bemüht hat, dr» Einwanderer, soweit sie in Deutschland verbleiben müssen, nach Möglichkeit dem deutschen Wirtschaftsleben prodnktiv und schaffend einzugliedern. Die Zahl von 40 000 in Deutschland produktiv arbeitenden Ostzuden, — das sind fast zwei Drittel dev von den neu eingewandettm. tn Deutschland verbliebenen — beweist am besten, in welch außerordentlichem Maße diese Arbeit dem Arbeiterfürsova». amt gelungen ist. Zum Schluß wurde ein besonders wichtiger Beschluß für dte Zrckunst de? Hilfswetts in Deutschland gefaßt: de, Arbeitsgemeinschaft mit der Zentral, st eile für jüdische Wandevsürsorge wtlkd« z u g e st i m m t. Breslau. Verunstaltung des Straßenb i l d » s! Vor einigen Woche» wurden in der Stadtverord. netenversmnmlung Borwürse übe« die Unsaubetteit Ser Straßen erhoben. Bei dieser Gelegenheit sei noch auf einen viel größeren Uebelstcmd, der sich in den letzten Jahren zeigt, mlfinittsam gemacht. ES gibt wohl kein Haus oder eine leere Fläch», die nicht durch Reklarneplakat» oder VersammlungSaufruf» verunziert wird. Nicht nur Privathäuser, sondern sogar Denkmäler und Gotteshäuser werden von diesem Unfug betroffen. I« den letzte« Wochen wurden viele Gebänd» durch antisemitische Inschriften in jeder Nacht von Bubenhänden besudelt. Immer wurden di» Schmähungen gegen ein« hiesige bekannte Teftilwvrmfirma, welche Hundette von Angestellten und Arbeitem beschäftigt und sich eines guten Rufes erfteut, ausgesprochen. Es ist di«, Sache der Schutzpolizei, ihre Nächtlichen Patrouillen anzuweisen, in der schärfsten Weise gegen diesen Unfug vvrzugehen. In anderen Stadien ist schon längst eine Pölizeivevordnung mit empfindlichen Strafe« erlassen Warden. BreSlau. Di» Repräsentantenverfamm. lung vom 30. April ' ~ das durch den Tod deS Professor W o b l a u e r Präsidium besetzt. SNtet MmÄM wuvde der bisherig» Gtellvertteter, > tat tp 11 f e t, zum stellvertretenden Bochhenden dev bis siellvertvetend» SchttMhrer, Juftizrat K«lisch, und «* oeffen Rachfolaer Kausmcum Gins gewählt. ^stimmig beschlossen, die Teuemn-Szukag» für sämtliche Beziig» der Beamten vom 1. April d/J. ab von 10« Prozent auf 150 PrSzent und di«, Teuerung», »ulag» für dt« Gehälter der Angestellten und der ans Stundenlohn Bdschäftigten vom gleichen Zeitpunkte von 100 Prozent aus ISO Prozent zu erhöhen. Dem Zusammenschluß der WohlfahrtSeinrichtungen detz Gemrind» wuro« zugesttmmt und der Vorstand ermächtigt, diesen in möglichster Aulchnung an den vorgelegten Richtlinienentwurf zu vollziehe». Im Verlause der Vechandlunaen gab der Vorstand durch sein« Dezernenten der Versammlung von ein«» Schreiben des ällgemcinm Rabbinerverbandes und seiner Stellungnahme dazu und von den bisher unternommmen Schritten zur Vettvirkltchung der GeMNtorganisatton d«ö deutsche« Inden Kenntnis. Zeitungsschau unö verfchie-enes. Leopold Kompert, -er Verfasser vieler einst gern gelesener Idylle» mit lüdischenr Einschlag, wurde am 15. Mai 1822 in Münchvngrätz aeboren. Wie Auerbach in den Schwarzwälder Dorfgeschichten, deren echten Stil der ösievreichtsche Dichter nicht «rvrichl hat, versuchte Komvert mit großem Geschick, das böhmisch» und wienerische Minen, mit dem er innig verwachsen war, wiederzugeben. Sein literarische- Schassen ehrte die Universität Jena durch die Verleihung der philosophischen Doktorwürde. Heut gehört Kompett zu den Halvvevgessenen, aber vielleicht schenkt ihm eine friedlicher» Zeit erneute Würdigung, Und auch den Go« drucken der MenschheitSauSföhnung, di» er verfochten hat. Zürich. Die weitere M rfchSrfuna der Lcküchtbestimvnmgen U wie wir erfahren, abgewandt. Dieses Ergebnis ist dem foforttften. energischen Eingreifen des Israelitischen Geineindebundes bei den Bundesbehörden in Bern zu verdanken. Polnische Hetze gegen die Jude«. Aus Anlaß einer stidischen Denkschrift über die Verfolgung der Jrrden in Bolen betzt „Dsienntk PoZnanski" gegen die Inden in schärfster Weise. Nut die Juden seien Schuld, daß Polm nicht zu einer starkm und gesicherte» Großmacht geworden sei. Wenn Polgn Danzig vettoren habe, wenn dt» Weichsel iniernationcklifiert worden sei, wenn Polen in Schlesien bedroht set^ ferner dt» Lostrenmmg froher polnischer Gebiete in Westpreußen, den tschechische;: Kamps um die Bvrislimer Petrolemngmben, den Polen aufgedrüngten Vertrag zum Schutz» der Minderheiten und -alt« anderen Beschränkungen und Schäden verdanke Polen den jüdischen Elementen. Der Barichiterstatter des „Ost-Expreß" hat in einer Unterredung mit dem Vertreter dev Moskauer Geistlichkeit erfahren, daß die von der Sowjetregierung Getriebene Aktion zur Wlieferimg der Kirchenschätze die bereits früher fühlbaren Spaltungssynipionle innerhalb der russischen Kirche noch verschärft hat. Di» Ausbreitung de- Sektierertums hat in letzter Zeit bedeutende Fortschvitte gemacht, wobei sich der Einfluß ««angelisch gesinnter Elemente zeigt. Der Katholizismus dageg'n. breitet sich nur schwach aus. Die orthodoxe Kirche scheini ernstlich erschüttert zu sein. Die Lehren Tolstois und der eine gemäßigt» Kirche anMbsnden „Temperenzler^ finde« zahlreich» Anhang«. In vielen Gegenden und Städten, hauptsächlich jedoch in dm DLrfem, wird dm neuen Sekten große ' Begeisterung entgegeitgebracht. Der Sowretprrsse zu- 'folge machen sich, nach den gemeldeten anttsemitischen Ausfchrsitnngm in Smolensk und Moskau, uni« der Bevölkerung in der Provinz, im ZusmrmnNhaNg^ mit der Enteigmmg der Kirchenschötze, weitere Anzeichen judenfeiNdlichsr Stimmungen bemerkbar. Bezeichnend! Zur letzten Versmnmlung des R e i ch 8bundes jüdischer Frontsoldaten im früheren HerveNhäus erschien auch ein Migcr Oberstleutnant des Retchswehrministertums in Zivil. Von dm DeuischvölktsÄen, di» die Veranstaltung zu stören suchten, wurde er mit den höhnischen Worten begrüßt: „Da kommt auch so ein dickbäuchig« jüdischer Frontsoldat". m MW NWnle auf MM der VMW uud des WchsfAisefehMlvurfs. (Schluß.) chDer allgemein kulturelle Gesichtspunkt. Der preußische Kicktnsminister hat eine Teulschrist über die deutsche Oberschule veröffentlicht, in der es heißt: „Wir erfassen die «igene Kultur nur dann in der Ties», wenn wir ihr« Abhängigkeit von fremden Einflüssen und dte Formkräfte werdender KulturM in unserer Gerstesgeschichte klar zur Anschauung bringen." Was hier von der deutschen Kultur gesagt wird, gilt uatüttich auch von jeder anderen, also amh von dev jüdischen, zn deren Pfleg» nack> der Behauptung der jüdischen Volksschule eben diese Volksschule unbedingt notwendig ist. Ich habe bereits an anderer Stelle nachgewiesen, daß man ebensowenig, wie es hier auch der Verfasser der Denkschrift tut — von einer refttdeutschen, wie von einer Änjüdischen Kultur sprechen kamt, weil es eben eine solche nicht gibt. Denn bei de»l regen Handels- und Weltverkehr der Völker, der seit de» Kreuzzügen, ja schon seit der Zeit der Völkettvanderung, besteht, war und ist es unvermeidlich, datz die verschiedenen Msprüngliche» Bolkseigenheiten, nicht nur di« körperlichen, sondern auch die geistigen, ja sogar die sitiltckm und religiösen sich gegenseitig befruchtete«. Allein dte Fremrde dev indischen Volksschule, sind ja im Grunde derselben Ansicht, sie befürchten von einer Gemeinschastsfchule euch Nicht eine Schädigung der jüdischen Kultur, sondem nur des religiösen B'ttenntnisses, der jüdischreligiösen Kultur. Sie wollen nur als moderne Menschen. die auch von allaemeiner Kultur beleckt worden sind, einerseits ihr Gewissen salvieren, wenn sie von einer Pflege jüdischer Kultur spreche», andererseits aber auch die Zustimmung der Liberalen für di» jiidische Volksschule gewinnen, wenn sie — Wider VossereS Wissen — i» der Gemeinschaftsschule eine Schädigung oder gar den Untergang unserer besonderen jüdischen Kultur seben. Sic sagen: .Sebi'. Wir wollen in unseren jüdischen Volksschulen ja auch die deutsche Kuliurpfleg». Wir sind nicht so rückständig, daß wir unsere Kinder ins Ghetto zurückführen roollen. Wir wollen nur dste jüdisch» Kultur durch vermehrten Religions- und hebräischen UnierriM in ihr» Seelen psivnzen und erhalten." Daß aber gerade nur in der Volksschule alö Gemeinschaftsschule die jüdische Kultur Schaden leiden sdll, «icht aber in den höheren Schulm, die doch durchweg Gemeinschaftsschulen sind (und deren Mische Schicker besonderen ReliqionSuntevrtcht und hebräischen Unterricht in dm höheren Schulen selbst oder in besonderen Reliaions'chulen erhalten), dasür sind twtf die Anhänger der jüdischen Volksschule bis heute den Beweis schuldig geblieben! — Da sind die christlichen Anhänger der Bekenntnisschule doch viel ehrlicher. Sie ettlären klipp und klar! Wir befurchen durch den gemeinsamen Unterricht der Schüler aller Bttenniniss» einen Abfall von unserem eigenen, dem katholischen b»;w. dem evangelischen Bekenntnis, von