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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-05-05 · 18 (5.5.1922) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
18 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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fMtti 'Zentrums für urffer Uchrmte- ^Mkv&tStn «nk durch Erstarkung des Judentumselbst, dawir sa letzten Endes doch alle lieben und blühen sehen möchten! — Dieses jGememschastSgofüHl mutz aber auch in Vereinen, Iamüien und Geweinten gepflegt werden! An Logen, Lesezirkeln und Kegelvereinen, — wo immer Juden Zusammenkommen. sollte von jüdischem Leben, von jüdischen Büchern und Künsten — nicht durch Reden geredet. sondern von den Laien selbst gesprochen werden, ebenso wie von Valuta und Eamilienklatsch! Jüdische Iugendvereme sollten jeden auSschkießen. der nicht für die jüdische Gemeinschaft m arbeiten bereit ist, sie sollten den Eintritt in den Verein oder Mindestens in den Vorstand von einem Examen in jiddischem Mssen abhängig machen, und sich angelegen sein lassen, datz m ihren Kreisen jeder unerlaubte Verkehr mit Nichtjuden unterbleibt! Die Iamflien sollten jungen Menschen helfen zu ssamilienenverkehr und Vätersitte, und die sungen Menschen sollten selber, statt Talmi-Erfolgen nachßujagen, bei denen, die mehr oder weniger uns doch alle verachten, ihre Ehre bei denen suchen, die durch Blut und Gesinnung ihnen verwandt sind! Die Gemeinden aber sollten endlich mit der Selbstbeschränkung brechen, um ihre religiösen Instituttonen zu erhalten; sie sollten — um der Neligion willen! — die Initiative ergreifen und überall jüdisches Gefühl zu Wecken und zu stärken suchen» durch Bibliotheken und jüdische Schulen, durch Gründung und Snterstützung von Gemeindevereinen und tausendfältige Deckung des Interessefür Audenheit und Judentum! Das Ware mir eine lebendige Befreiung für unsere Lage aus der ägyptischen Frömmigkeit, die nur das Tote und die Toten ehrt, eine Befreiung aus der öden Sklaverei debloßen Vorratshäuserbauens. das uns zermürbt. eine Befreiung aus dem Strom der Indolenz, der unsere Kinder verschlingt! Und die Vorbereitung eines neuen religiösen Aufschwungs. eines lebendigen Schowuoth, an dem die ganze Audenheit mit ihren Alten und Jungen wieder den Sinai umsteht und spricht: Wir werden tun, was unser Gott und der Gott unserer Väter von ims verlangt! Umschau. Im preußischen Landtag ist dieser Tage der Iuittzetat tevaten worden und hat berechtigten Anlatz zu scharfen 'Kritiken an der Rechtspflege gegeben. Besonders wurde über die Staatsanwaltschaften gellagt, die wiedecholentlich daS Einschreiten gegen verhetzende und zum IuderÄhatz aufreizend« Elemente abgelehnt haben. Der Vertreter des Ministers befolgte das Rezept, allezuzugeben und zu mißbilligen. Ob er die Kraft in sich fühlt, diesen Mrßständen Wirksam zu steuern, mutz sich endlich einmal Herausstellen! Nicht minder erbaulich sind die Entdeckungen über das vertrauliche Verhältnis zwischen Hugo Stinnes und der Hello* Gruppe, die den Stahl- und Allgewaltigen um Unterstützung von Kunzes Wochenblatt gebeten hätte. Die Hellolleute. deren Firma schon alles sagt, sind nicht etwa brüsk vbgewiesen, sondern, wie das „B. T." milteilt, ermuntert Worden, neue, wirksame Kampfmittel zu beschaffen und für Werteste Verbreitung zu sorgen, um die deutsche Arbeiterschaft für den AntifermttSmus einzufangen. Datz GesimrungSstärke in jenen Kreisen, die die Staatsautorität in Erbpacht genommen haben wollen und vor Palriottsmus triefen, nicht immer erfunden wird, beweist auch die Veröffentlichung der Henry Iord'fchen Schmähschrift „Der Internationale Jude", durch den deutschen Antisemiten Maul Lohmen. Die Quintessenz des Buches, das von unverhüllter Feindschaft gegen Deutschland erfüllt ist. erscheint also dem Hcrmmer-Berlag empfehlenswert. Theodor Irrisch fördert hier die Ideen eines nattonal-polnischen Ianattkers, — denn dafür kann man den wirklichen Verfasser halten —, der in zwei Kapiteln immer wieder darauf hinweist, datz Polen durch den Bersailer Vertrag und feinen Schutz der nationalen Minderheiten ausschwerstt geschädigt worden ist. Nur der Hatz gegen die Juden läßt die für die Herausgabe der Schmähschrift Verantwortlichen vergessen, datz Hunderttausende von Deutschen im uns ge* nommenen Posen, Westpreutzen und Oberschlesien durch die Propagierung solcher Tendenzen schwer geschädigt und entwurzelt werden. Ob in Litauen, wo die Juden wegen ihrer gefährdeten Errungenschaften in begreiflicher Betrübnis sind, auch ähnliche Machinationen wirksam waren, kann hier nicht beurteilt werden. Der Erfolg aller Proteste beim eigenen Parlament oder selbst dem Völkerbünde dürste ein magerer sein und im allgemeinen, auch da wo größeres erhofft wird, vor verfrühtem Jubel warnen. Nur Realpolitik gibt die Gewähr, datz gleiches Recht sich durchsetzt, und behütet vor dem „zu Tode betrübt". Diese Stimmung hat sich sehr schnell nach der flüchtigen Wonne utopischer Hoffnungen in Ungarn eingestellt. Von dort dringen immer neue Meldungen über Minderung des Rechtes der Juden nach Deutschland. Man fälscht die Wählerlisten zu ihren Un» gunsten und ist um Scheingründe nicht in Verlegenheit. Am sonderbarsten klingt wohl die Angabe, datz den in Betracht kommenden Frauen die vom Gesetze erfordette SchulbiDung mangeln soll. Hier dürsten die gleichen Instanzen das Urteil gefällt haben, die die Untersuchung gegen die Budapester Bombenattentäter so meisterlich zu verzögern wiffen und dieses nicht mehr rätselhafte Unglück, wie man lesen kann, nur deshalb beklagen, well zu wenig Juden dabei umgekommen sind. In einem Punkte allein mögen die Schützer der Mörder Erchergers und unserer unschuldigen Glaubensbrüder Recht behalten. Sie haben die Vorführung der Filmaufnahme vom Leichenbegängnis der Opfer und die Ausfuhr der Aufnahme untersagt. Zwar war eS nicht Zartgefühl, sondern heiliger Egoismus, in dom die edlen Magyaren nun auch Rumänien den Rang abgelaufen haben. Aber es ist uns lieb, wenn solche Schveckensbllder nicht auf der Leinwand erscheinen, da ja gewißlich diese Greueltat vor einem anderen Richter ihre Sühne finden wird. „Nichts zugelernt und nichts vergessen" scheint der Wahlspruch deS südöstlichen Europas zu bleiben, und darum fchikaniett das an Umfang und Macht verdoppelte Reich der Moldau und Wallachei seine „Fremden" — damit sind die rumänischen Archen gemeint — munter weiter. Auch in Bukarest wird dafür gesoßt werden, datz kein Israelit ins Parlament kommt. Ein wahres Paradies scheint im Vergleich zu diesen bechen Staaten die Tschechoslowakei zu sein. Zeigt doch sogar der mächtige Klerus dort in der Beurteilung der Iudenfvage ganz moderne Auffassungen, wenngleich ein Keiner Beigeschmack von wirtschaftlichem Antisemitismus in dem jüngst erschienenen Aufsatz des Prager Erzbischofs Dr. Kordatsch über „Christentum und Iudenfvage" gefunden werden kann. Ein hervorragender Diplomat ist der Staatssekretär der römischen Kurie. Kardinal GaLpärri. der den zionistischen Präsidenten Weizmann zuerst hat arg abfallen lassen, gewährte ihm noch eine zweite Audienz Sie war erbeten worden, weil das offizielle Organ des Vatikans, der „Ofservatore Romano", den Zionismus stark angriff, wozu er noch das „Imprimatur" eingeholt oder richtiger zu erbitten nicht nötig hatte. Jetzt wird Weizmann nach einer anderen Methode behandelt. Nachdem man sich päpstlichersetts gegen den Politischen Zionismus feftgelegt hat und wie immer konsequent bleiben wird, gewährt man ihm die Wegzehrung der Höflichkeit. Und gerade darum bleibt diese politisch gewertet bedeutungslos. Das werden auch die Zionisten erfahren, die fetzt in Genua sich sammeln, aber über daS Antichambrieren nicht hinauskommen. Alle Empfänge, auch schöne Worte Lord Mllners, können an dem immer klarer werdenden englischen Standpunkt nichts andern, den die „Times" im Sinne der englischen Steuerzahler formuliett hat: „Auflösung der zionistischen KommWonl" DaS erkennt vertttS PvoM« Otto Warburg und darum hat er Amerika „ein Land tat Plötzlichkeiten und explosiven Stimmungen" genannt unq den Abbau der zwei Hauptpunkte des zionistischen Budget- „Erziehung" und „Sanitätswesen" gefordert. dtaftfe. 0n aller Kürze. Die nächste Tagung des Völkerbunds wird am 11. Mat «öffnet werden. -!*j >*, ■*. Die Alliance Israelit« Universelle hat soeben «Ü Odessa ein Schreiben erhalten, in welchem ihr für den Betrag von 25.000 Fr., dkn sie im Monat März im Wege dus amerikanischen Hibssadminisiratton zur Linderung der Lagt der Inden Odessas beigesteuert hat, der Dank ausgesprochen wird. £•' In Odessa ist während der Requisition von Schmuch gegenständen für die Hungernden in einer Synagoge ein Streit ausgebrochen, in dessen Verlauf der Rabbiner Fetus berg getötet wurde. * :m!*! Das englische Wochenblatt „Fewish (BtttabUm* empfiehtt den Juden Englands, die antisemitische ,Moming-Postt tarn gen ihrer unfairen Hetzpropaganda zu boykottieren. Durch einen solchen Protest wird die öffentliche Meinung aus di« Hetztaktik der „Monüng-Post" gelentt werden. ES wird immer mehr offenbar, daß die Frage der «lp lischen Politik in Palästina bet den voraussichtlich bald ftasn findenden Wahlen für das englische Parlament eine «ich» urtbedcntende Rolle spielen wird. Die Erörterung dürftstarke Gegensätze ergeben. Im südafrikanische« Unterhaus« fragte der AbgeotdneA Barlow im Auftrag» seiner Mischen Wähler, ob der Par« graiph bezüglich EmigriationSbeschränkungen nur Asiaten (lieSr Juden) betreffe. Darauf antwortete der Minister deS JnnerU .Herr Donecm, davon kann gar keine Rüde sein. Die Be-c schränkungm richten sich gegen Europäer, Asiaten, wie auch gegen Einwanderer aus Men anderen Weltteilen. Im Einvernehmen mit dem in Jerusalem anweftvteU Genevalsekretär des jüdischen RattonalfondS wurde beschlösse^ die Übersiedlung deS HauptbureauS des Mischen Ratio««« foudS aus dem Haag nach Jerusalem im Juli dieses Jahredurchzuführen. Di« unruhig« Stimmung unter den Arabern in Syrien, di« nicht ohne Rückwirkung auf die Lage in Transjordavtett geblieben ist. hat sich nunmehr auch auf die Hauran-Gegend (im nordöstliche« Palästina) ausgedehnt.; , Die Untersuchungen in Palästina nehmen kein fette, Nach einer Meldung der „Eghptian Gazette* ist der gewesen« Vorsitzende der amerikanischen Maudatskommiffion Dr. Eya» les Crano nach Palästina abgereist, um die gegenwärtige politische Lage im Land« im Vergleich zu der vom Iah« 1919 zu prüfen. - ■■ rmy "• 4*; .r Die Unruhen in Syrien, die in der letzte« Zett «tat solche Ausdehnung angenommen halben, datz fie den Dhairvktel einer Revolution tragen, sind auf die Lage in Traust jordanien nicht ohne Rückwirkung! geblieben. Me aus Jerux salern berichtet wird, dringen vier Beduinenstämm« avä Transjordanten zur transjordanisch-syrischen Grenze vor. In Detroit wurde beschlossen, eine Kommission nM Europa zu senden, um die Lage der Juden in OsteUvopch! besonders in Rußland und der Ukraine, zu studieren. 4M Konferenz befaßte sich mit der Frage der Bereitstellung von 5 Millionen Dollar für di« russische Hilssarbeit- In Cincinnati veranstaltete« Kind« ein« Dheatervov stellung, wo jeder Besucher statt eines EintriitgeldeS eist Stück Seife, ein Handtuch und einen Seiflappen entrichte» mußte. Auf diese Weise wurden 500 Garnituren gesammelt^ die der Sanitätsabteilung der Hadassah-Organisation zu« Verteilung in Palästina übermittelt wurden, wo an Hygiene^ Artikeln MangÄ herrscht. — Kinder sagen die Wahrheit. Die geborene Tugenöreich. An Großstadtroman von Oskar JonS Miltm an. (I Fortsetzung.) -- Bisheriger Inh alllr Im posenschm 5kleinbahnzug begegnet Propst Skladny btt vor Jahren aus d«r Heimat verschwundenen Regina, mit bet ihn «tust innige Neigung verbunden hatt«; er wagt aber keim Aussprache. Im Kwlltscher Gvafenschloß, dem heut« sein Besuch gilt, bleibt der Grund seiner Verstimmung so pnbekannt, wie ihnk der alljährlich« Besuch der Jugend, «eundin am Elterngrab«. Rur Gastwirt Schrater und di« «NedhosShütarin ZeÄler wisse« die-, und datz ungerecht, «vttgt« Klatsch Regina in di« Fremde getrieben hat. In Berlin ist eS Fräulein Tugendreich bald schlecht ergangen, Nb« Mutte« Witt und chr Sohn haben sich der Vnllassenen ANd ihm- TvchterchenS liebreich angenommen. Dann kam ein heißer Julitag, den der Abreißkalender Margarete benannte und auf der Rückseite mit einem, reich, halttgen Küchenzettel und dem wohlmundenden Spruch vom guten Gewissen belieferte. Da marschierten der stämmige Otto und die wieder schön und fein gewordene Regina ein. trächttg in das Amt-lokal am FriedttchShain. Selten hat wohl ein Bräutigam eine fteiwMige und vorzeittge Laterwürde so fteudig bekundet wie er, und man sieht daraus, daß wirklich die Eule und die Nachttgall keine absoluten Vorzüge besitzen, sondem sich gefallen lassen müssen, nach unserem Geschmack belobt zu werden. Regina ihrerseits wollte anfang- »Herm Otto* gamicht nehmen, und Mutter Witt mußte erst lange und viel zureden, .daß fie sich das nicht halb so reichlich bedacht hätte und die Judschen immer noch 'neu falschen Stolz hätten und ihr Junge sogar Pattien machen könnte/ So wurde denn aus beiden ein Paar, und wenn auch keine festliche Trauung, kein Hochzettsmahl ihren Bund weihte und nur da- Minnilein für etwa- Musik sorgte, so leisteten sich die jungen Leute doch aus Eigenem zwei wettvolle und praktische Anschaffungen für den Hausgebrauch. Otto- Eingebrachtes hieß „aus Liebe", und man findet diesen Zierat jetzt noch auf alten, inhalt. reichen Kaffeetassen in schöner Goldschnft aufgemalt. Reginas HeiratSgut aber war, wenn man von den ihr zugefallenen Silberleuchtem samt Becher absieht, auch eine Ratttät: das Wunderührletn Dankbarkeit. Mit feinem Klange und immer aufgezogen begleitet eS unsere Zeit, sein zatteS Lied klingt rein und süß, und eS soll jetzt kaum mehr ähnliches zu haben sein. m. Nun ist der Zug schon längst auS Reppen heraus, er hat die große Oderbrücke vor Frankfutt langsam pasfiett. Regina, die beim Umsteigen eine Fahrkatte dtttter gelöst hat, weil sie hier sicher keiner mehr kennt und man sparen soll, wird von Gefühlen ftoher Bangigkeit ergttffen. Auch die alte Meßstadt mtt ihrem mßigen Bahnhof verschwindet. Der Zug fähtt jetzt forsch an, denn von hinten drückt noch eine Maschine, um die Rosengattener Steigung leichter zu nehmen. Der Bahnsteig und sein Inventar flitzen vorbei: ein wachthabender Schutzmann, Facon „Batt, an dem ein Mann hängt", ein halbwüchfiger Kellner mit den unvettauften Würstchen wd daS, auch wenn's Sommer wäre, halberfrorene Fräulein mtt den Berliner Zeitungen. Daß es diese in Franksutt a. O. wirklich so zeittg gibt wie in Berlin, gehvtt u den Merkwürdigkeiten der Stadt und sei bei dieser Ge. egenhett registriett. Die Reisenden beginnen schon zu packen und glauben, bald am Ziele zu sein, obwohl noch 80 Kilometer geschluckt werden müssen. Ein kugelförmiges Männlein erzählt mit schreiender Trompetenstimme, daß es im Sommer wieder nach Kvl-erg reise. Regina hört immer nur: „Kolbärch, Kolbärch" und erwacht aus sanftem Schläfchen erst, als mit erlöschender Kraft und einem Ruck nach links die Wagen aus sonniger NachmittägShelle in häßliche Finsternis gleiten, an die daS Auge sich erst gewöhnen muß, und vom Schlesischen Bahnbof verschluckt werden. Da stehen auch schon die Kinder, Minni schlank unll schön, eben erst dreizehn und doch schon ein halber Backsisch und neben ihr der lleine blonde Bruder Ottchen, wie ihn Regina ihrem Manne zu Willen, nicht gem und darum erst unterschiedlich und dann züttlich benannt hatte. Ottchen ist nur zwei Jahre jünger, muß aber auf Reginas ausdrückliches Wunsch auf öffentlichen Plätzen und daher auch in dieser Halle, die ein stilloser Ingenieur verbrochen hat, als wollte er vor Berlin abschrecken, durch eine feste Hand gebändigt werden. Ottchen ist ein kleiner TechnikuS und Eisenbahnliebhaber. Er hat Minni gezwungen, schon dreiviettel Stunde« vorher mit ihm zur Stelle zu sein, denn er benutzt jede Ge^ legenheit, um neue Wagen und Maschinentypen zu studiere» und alle Veränderungen auf und vor den Bahnhöfen in sich aufzunehmen. „Paß mal auf, Minni, ich werde Dir erklären^ warum die Wagen der Lienie Treptow niedriger gebaut sind"- so hatte Ottchen begonnen, und dann kam allerlei vom eiml gleisigen Spree tunnel und einem Stab und Zenner und Stralaus Minni hört sanft und geduldig zu und hat eS doch wieder vergessen, als Ottchen sie abends vor Vater examiniett. Sie mag nichts wissen von dieser dumpfbrausenden Welt, wo allean einander vorbeidrängt, stößt und hastet und wilde Menschen sich feindlich messen. „Der König im Schillertheater gestern hatte ein goldenes Szepter und ihr besser gefallen, als diä verzerrten Gesichter auf der Straße Und ihr mehr imponiett, als Ottchens hölzerner Wunderstab, der Zusammenstöße vei> hüten soll". Also weiß Minni getteulich der Mutter zu berichten, nachdem man sich zärtlich geküßt und auch der Junge diesem Komment gehuldigt hat, nicht ohne sich vorher ver^ stöhlen umzusehen. Zum Rappott aufgefordett meldet er nuy. daß Großmutter ganz gut gekocht habe und weiter nichtpassiert sei," worauf Minni mit einem „aber Ottchen!" hinzusügt: „Der Vater kommt heute erst um halb sieben <m> dem Geschäft". (Fortsetzung folgt) 4

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