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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-03-31 · 13 (31.3.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
13 (31.3.1922)
Date
1922-03-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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lWtl>V^l>l.*'lt|lr.'‘l^^liyyyii|Wi’»»M^'.>u».,'Wff'.1^^. II, m iijii yr. I schefttliche Fall einträte, daß die Rostkrmtzst Ke Verfassung nicht genehmigt«, würde nicht ungeschehen gemacht wecken, was am 23. Januar 1921 geschehen ist. vielmehr würde eS für uns nur der Ansporn zu größerer Krafteirtfaltung sein, um die Ziele der Gesamtorganrsation auf dem Wege voller Freiwilligkeit zu erreichen. Aber dieser Fall kann nicht eintrelen. Denn die Regierung hat wiederholt ihre Mte Absicht bekundet. Staatszuschüfse, die für die leistungsschwachen Gemeinden zu verwenden wären, zu bewilligen, aber die Absicht nicht verwirklicht, weil kein Organ in der Iudenheit vorhanden sei. mit dem über die Angelegenheit verhandelt werden könnte, und sie hat selbst den Wunsch ausgesprochen, das; ein solches Organ geschaffen wecke. Das hat eben der Gemeindetag an dem vorjährigen 23. Januar vollbracht, und die Nichtanerkennung dieser imposanten Willenskundgebung des ganz überwiegenden Teiles der deutschen Juden muh daher als ausgeschlossen gelten. So bleiben wir voller Zuversicht, daß bald der Schlußstein an das große Werk gelegt werden wick und hegen zugleich die Hoffnung, daß auch die kleine Gruppe, die noch abseits steht, unseres guten Willens gewiß, sich dem Ganzen anschließen wick, und in dieser Zuversicht begrüßt der Deutsch-Israelitische Gemeindebund seine Mitglieder zur Wiederkehr des Tages seiner Umgestaltung in die Gesamlorganisation und möchte das Feuer der Begeisterung, wo es etwa abgeschwächt sein sollte, von neuem ansachen, eingedenk des Spruches, daß nur Einigkeit uns stark machen kann zur Erfüllung der hohen Aufgaben, von der unsere Zukunft abhängt. Mit Bundesgruß Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Prof. Dr. S. K a l i s ch e r, Geschäftsführender Vorsitzender.?um 80. Geburtstage S. Viumenfelüs. (5. April 1922) von Tr. Siegfried Behrens - Güttingen. Am 5. April 1922 vollendet Lehrer erner. S. Blumen selb in Göttinnen sein 80. Lebensjahr. Man darf sagen: „Dieses otium eum dignitate ist ausgezeichnet durch neidenswert« Frische und Rüstigkeit des Köchers, der noch immer in bewunderungswürdiger Elastizität dem Gebot seines Willens gehorcht.* Mit unverminderter Anteilnahme folgt der Senior der Mischen Lehrerschaft der Provinz Hannover den Ereignissen der großen Wut und nicht minder den Vorgängen des jüdischen Lebens. Einst hat er selbst dazu beigetragen, ihm Richtung zu geben und ihm seinen Geist auszupckM. So widerspruchsvoll «S klingen mag, in unserer engeren Heimat gibt es kaum eine Persönlichkeit, die so sehr in die Weite gewirkt hat, wie BlunuWseld. In dem Nachbarstädtcheu Adelebsen hat er durch fast 50 Jahre das Amt des Lehrers und des jüdischen Gemeindebeamtcn bekleidet. Vorbildlich in ' YMsiichsy tzBett und in seiner anmutig schlichten Häns- - lichM verehtt von der großen Zcöhl seiner altm Ächüler und 'Freunde in der Nähe und in der Ferne hat er Generationen trefflicher Männer und Frauen herangebildet. Heinrisch wie wenige in der Fülle allgemeinen Wissens und mit besonderer Liebr dem jüdischen Schrifttum zugetan, das «r mit scharfem Verstände durchforschte, gehört cr zu jener Gruppe von Männern, die als Kulturträger zur Ehre des jüdischen Namens selbst in kleinerem Kreise gewirkt haben. Als Vorsitzender des heimischen Provinzialvereins indischer Lehrer bat er all jene Kämpfe geführt, die die jüdische Lehrerschaft durch den Zusammenschluß zum deutschen Lehrerverbano unter seiner Leitung, um die Anerkennung ihrer StaudeZrechte und ihresozialen Ansehens, mit großem Erfolg geführt hat. Sein Lebenswcrk wird seinen Namen für alle Zeit mit der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands verknüpfen. Als Jünger Ahrons hat er einst inmitten seiner Gemeinde und seiner engeren Berufsgenossen sich in den Dienst des Friedens gestellt. Das ist ihm in hohem Maße durcl» die Geradheit seines Denkens gelungen. Weit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus ist ihm in seinem früheren Amtsbezirke hohe Achtung und Wertschätzung von allen Kreisen der Bevölkerung entgegeugp^ckcht, ttttott Rat sckevzell^äogÄA und befolgt worden. AuS seiner kleinen Gemeinde steck seinie einstigen Schüler hinausgezogen in die weite Welt und haben durch ihre Lebenswege den Namen ihrer Heimat zu hohen Ehren Öcht, und st« haben nicht aufgchört, zu bezeuge«, welchen uß Blumenfeld auf ihre Entwicklung genommen hat. Sie wecken sich gewiß heute mit der großen Zahl führender Persönlichkeit der deutschen Iudenheit vereinigen in dem dankbaren Bekenntnis, daß der Zauber der abgeklärten Weisheit BtuSnenfelds sie bis auf den heutigen Tag in ihren Bann zieht. Als dem Zug der Zeit folgend, seine Schule sich leerte, da trieb eS ihn, seinen Wohnsitz nach einem grö. ßeren Zentrum zu verlegen. Er iiberfiedelte nach nahezu 50jährtg«r Amtszeit, die in einer erhebenden Abschickssrier inmitten sein« alten Schüler ihren Abschluß fand, nach Göttingen. An unserem Gemeinde- und BereinSleben hat er bis heute lebhaften Anteil genommen. Vielen ist er etn treuer Freund geworden, mit den Rabbinern und Lehrern unserer Gemeinde hat ihn alle Zeit eilt« innige geistige Gemeinschaft verbunden. Möge es dem trefflichen Manne noch lange vergönnt sein, sich seiner Hände Werke zu freuen. Möge ihn die Lehre Israels wie einst in den Kämpfen und Sorgen deS Lebens über die Tage der Gegenwart hinweytragen ' zu weiterer Höhe der Jahre, mögen feine Kinder und seine Familienmitglieder sich sonnen in dem Gedanken: „Roch im Greisenalter blühen sie, sind frisch und belaubt, tim zu verkünden, daß gerecht ist der Ewige mein Hort, au dem kein Falsch!" Das ist unser Gruß und Glückwunsch an scinem Ehrentage, dem sich weiteste Kreise unserer Gemeinschaft um so bereitwilliger anschließen werden, je ansrickitiger Dlumenfeld in den Dienst unserer Ideen sich immer gestellt hat. Zue öem Reich. Berlin. Die Zentral-Wohlfahrtsstelle der Deutschen Juden, in der die gesamten jüdischen Wohlfahrtseimnchjungen Deutschlands zentralisiert sind, hat die Einrichtung eines großen Fachausschusses für jüdische Auslandshilse eingerichtet. Hauptaufgabe dieses Fachausschusses wickes sein, einerseits die Verbindung mit den großen interterritorialen jiidischen Institutionen, so insbesondere mit der jüdischen Welthilfskonferenz, aufrecht zu erhalten, andererseits dafür zu sorgen, daß innerhalb Deutschlands das Auslandshilfswerk nicht durch Zersplitterung geschädigt wick, sondern in jedem einzelnen Fall eine einheitliche Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte erreicht wick. Berlin. Sanierung der Wohlfahrts-Institutionen der Berliner jüdischen Gemeinde. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß eine Reihe von Wohlfahrts-Institutionen der Berliner jüdischen Gemeinde durch den Kurssturz der Mark notleidend geworden sind, ist beschlossen worden, eine Vereinigung der Freunde der Wohlfahrtseinrichtungen der \ Berliner jüdischen Gemeinde zu schaffen. Die einleitenden Schritte zur Begründung einer solchen Vereinigung hat Herr Oscar Dietz übernommen. Die Tätigkeit soll sich zunächst auf Berlin beschränken, herangezogen wecken aber au^j aus dem übrigen Deutschland und dem Ausland Personlichkeiien. die aus' BerMi' stäWnen oder zu Berlin besondere Beziehungen unterhalten. Berlin. Ukrainische Waisenkinder in Berlin. In den nächsten Tagen wick der erste Trupp ukrainischer Waisenkinder hier erwartet. Es werden im ganzen 150 Waisenkinder in Einzelpflegschaften über Deutschland verteilt wecken. Die Kinder kommen in Einzelgruppen von je 25 bis 30 in Berlin an und sollen zunächst hier in einem besonderen Gebäude untergebracht werden, bis die Verteilung auf die einzelnen Pflegestellen erfolgt ist. Frankfurt a. M. Millionenstifttmg eines Deutsch- Amerikaners. Die Hinterbliebenen des amerikanischen Pbilautropcu Jacob Schiff, der ans Frankfurt stammt, haben der Stadt die Summe von zwei Millionen zur Ver-! fügung gestellt, zum Dank dafür, daß die Stadtverwaltung Daran denke Jakob: Israel, du bist mein Knecht! Ich schuf dich mir zum Diener: Vergiß auch du mich nicht'. Me Wolken verwischt' ich dein Unrecht, wie Dunst seine Schuld: Nun komm du zu mir: Ich macke sich frei! Jubelt, Himmel, daß so der Herr tut, jauchzt midi, ihr Tiefen der Erde, Brecht aus in Jubel, Berge und Wälder und Bäume darin: Der Herr hat Jakob erlöst und verbcrckicht an Israel sich. Fuchs. der große Vettelmann. Eine Erzählung für Jung und Alt &>« Gerson F «ldma nn- Dreslav. In einer kleinen Provinzstadt von etwa 25 000 Einwohnern Ickten einst meine Eltern. Nur eine ganz geringe Zagl von den Einwohnern war so begütert, daß man sie reich nennen konnte. Der größte Teil bestand aus Kleinbürgern und der übrige, eine verhältnismäßig bohe Zahl, war sehr arm. Diese Armen bildeten dort eine eigenartige Gilde für sich, di« der bekannte Romancier Carl Emil Franzos in seinem Roman »Der Pojaz* so meisterhaft zu schildern oerstand. Auf einer entlegenen häßlichen Straße war für sie ein primitives Gebäude lHekdcsch genannt) errichtet, und dort fanden diese Armen, alte arbeitsunfähig« und erwerbslose Männer, Frauen und Kinder, ja, ganze Familien ihre Zuflucht. Ihren Lebensunterhalt mußten sie sich zum großen Teil erbetteln. Teilweise wucke ihnen auch von den Bürgern Speise und Trank zugesührt. Außerdem galt es als eine Ehrenpflicht eines jeden Bürgers, der in geordneten Per« hältnissen lebte, wenigstens einmal in der Woche einen von dieser Gilde, einen „Bettelmann oder Betielweib" (so nannte man die Unglücklichen.) mit Mittagessen zu bewirten. Nicht aber so, wie es in den meisten Ländern üblich ist, daß man solch« Leute in Iraend einem Vorraum oder Küche speist, sondern man betrachtete sie als ein« Art Ehrengäste, die am Familientisch teilnehmen mußten. Fand eine Familienfestlichkeit, Hochzeit oder «in Jubi. lämn statt, so lick man diese Bettelleute ein und bewitteto sic an einem eigenen Tische ebenso gut wie die anderen gelad<iten Gäste. Oft nahmen sic Nach dem Speisen an der weiteren Festlichkeit te-il. Es mußte bei einem Landfremden eine eigenartige Stimmung anslösen, wenn er Zeuge eines solchen Festes war. Wie das Bettelvolk eine Zeitlang seiner elenden Lage vergessend und in geschenkten Feiertagstteidern, die meistens gar nicht dem Körpermaß entsprachen, sich lustig machte, weil es sich wieder einmal recht satt gegessen halte. So entstand wobl auch das Sprichwort: Wann freut sich der Anne? — Wenn n sich satt gegessen hat. Auch wir zählten zn den Kleinbürgern und hatten jeden Mittwoch einen Bettelmann als Gast. „Heute kommt der große Bettelmann", hieß es bei uns Kindern reden Mittwoch. Es war «in großer stattlicher Mann, deshalb nannten wir ihn so. Das war kein bedeutungsloses Ereignis, denn er verstand sich, namentlich bei uns Kindern, durch seine Erzählungen so beliebt zu machen, daß der Tag. an dem er kam, einer der schönsten der Woche war. Sr Wichte so viel und so schön zu erzählen, daß wir uns den Tag olme seinen Besuch gar nicht denken konnten. Unter einem Bettelmann dachten wir nikS etwas stzhr Bedeutendes. Ich hatte deshalb keinen anderen Wunsch, als den, wenn ich groß geworden wäre, ein Bettelmann zn sein. Wenn ich abends zu Bett ging, schloß ich in mein Nacht? gebet diesen Wunsch ein. Ich kam mir a!ber viel zu klein vor, um so ein großer Bettelmann zu sein, deswegen bemühte ich mich, in meinem Bttte mich recht lang zu strecken, um mit deL Zeit die erforderliche Größe zu erreichen. Ich kcknnie an solchen Tagen sehr schwer einschlasen, well ich fortwährend über di« Geschichten, die er uns erzählte, Nachdenken mußte. Ich flo» mir die größte Mühe, das Erzählte im Gedächtnis zu behalten, um später, wenn ich auch ein Bettelmann sein würde, den Kindern ähnlich er» zählen z« können. Unter anderem erzählte er uns auch von den Königen, von ibrem Stolz, ihrer Stärke, ihrer Milde und von ihrem Mut. Ich hatte noch nie «inert König gesehen, und des. halb stellte ich mir ihn so vor. wie der große Bettelmann aussah. Ich besonders hatte einen feierlichen Respekt vor unserem Bettelmann. Wenn er erzählte, sah ich die Gestalten und Begebenheiten aus seinen Augen hervockommen. Ueberaus interessierte mich die Geschichte vom Riesen Goliath und dem Hirtenknaben David. Ria und nimmer konnte ich es mir denken, daß ich es hätte vollbringen könne«, den Riesen Goliath zu töten, denn ich dachte mir, der Riese Goliath hatte, seine übergroßen Kräfte nicht, um uns Böses zuzufügen, sondern um «ns vor Bösem zu schützen. «frtd Straße Iaeob'-Schisf-Straße genannt Hat. Die Hälst^ Vieser. Summe erhält das Wohlfahrtsamt, die andere Hälfte der „Israelitische Almosenkasten" zur Verwendung für Alters- und Invalidenfürsorge. Danzig. Sonntag, den 26. d. Mts., finden hier die Wahlen in die jüdische Gemeinde statt. Satzungsgemäß kommt jetzt nur die Hälfte der Mandate zur neuen Besetzung. Die Wahlen erhalten dadurch ein besonderes Gepräge. daß sich seit den letzten Gemeindswahlen dank dem Zustrom auS dem Osten die Zahl der jüdischen Steuerzahler verdoppelt hat. Dem Ausgang wird deshalb auch mit starkem Interesse entgegengesehen. Aus einer Wahlversamrrckimg, die am 20. d. Mts. abgehalten wucke, kam ein Kompromiß zwischen den ortseingesesienen deutschen und den zugewanderten östlichen Juden zustande, wonach die acht neuen Mandate so verteilt wecken, daß vier den Nichtnationalen, Vier den Zionisten und 1 den Jung- Liberalen zufallen. Men. Wiener Antisemitismus. Seit einigen Tagen kleben in den Straßen Wiens und ic-E an Regiewngsgebäuben zahlreiche Plakate, die einen von einer Anzahl Parlamentsabgeockneten und Richtern Unterzeichneten judcnhetzerischen Aufruf enthalten. In den: Aufruf wird die christliche Bevölkerung Wiens auf» gefockert, die Stadt von den osteuropäischen jüdischen Elementen zu säubern Feitungsschau unü verfchie-enes. Die „Tögliiche Rundschau" meldet aus Lille: „Französisch« Offiziere gründeten einen Hakenkreuzbund, dem mehrere Generäle und Offiziere aus Mainz angehören. Der Bund wandte sich an eine Reihe deutscher antisemitischer militärischer Organisationen im besetzten Gebiet, um mtt diesen dauernde Beziehungen anzuknüpfen. Auch der Redner des Schutz- und Trutzbundes, Roth, hat in seinen jüngsten Reden ähnliches besonders erwähnt und nicht getadelt. Dtt Personalbogen der Republik. Ein höherer Berwaltungsbeamter schreibt der „Welt am Montag": Bei der Regierung in Breslau werden nach wie vor die alten Personalbogen aus der königlichen Zeit für die höheren Beamten benutzt. Gleich bei der Frage 3 heißt es: „Religion: evangelisch, evangelisch-lutherisch, katholisch". Das nicht Zutreffende ist zu durchstreichen. Der Dissident oder Jude, für den keine der drei im alten Preußen bekannten „Religionen" zutrifft, fällt mithin gleich durch eine handschriftliche Einwägung an dieser Stelle auf. Die Bestimmungen her Reich-Verfassung, nach denen nur zu statistischen und steuerlichen Zwecken nach der Konfession gefragt werden darf, scheinen dem Herrn Personaldezernenten noch nicht bekannt zu sein. Manche höhere Beamte scheinen ja die Reichsderfassung überhaupt noch nicht gelesen zu Habens De Frage 4 lautet: erheiratet mit der Tochter des . .Wer. hier etwa einen bürgerlichen Namen oder gar ^de8 Arbeiters" eintragen muß. Mt zum zweiten Male auf. Die Frage 7 erkundigt sich nach dem Militärverhältnis, insbesondere dem Einjährig-Freiwilligen-Dienst und dent Truppenteil. Wer nicht bei der Garde oder sogar übechaupt nicht Einjährig gedient hat. fällt schon wieder auf. In weiteren Fragen ist die Merhöchste Bestallung, auf Grund deren die Ernennnung zum Landrat usw. erfolgte, anzugeben. Die wichtigste Frage ist aber die Frage 27: Ordensverleihungen. Hier ist der Zeitpunkt der Verleihung, getrennt nach preußischen und anßerpreußischeu Orden, anzugeben, insbesondere wird der Kgl. Kronen-, der Rote Adlerorden und die Äandwehrdienst-Auszeichnung erwähnt. Der -Herr Personaldezernent bet j)er Breslauer Regierung hat nun neuerdings eingesehen, daß diese ' Bogen im republikanischen Preußen nicht mehr ganz ausreichen, und so hat er denn eine Neuerimg eingeführt, die den veränderten Verhältnissen Rechnung trägt. Oben in der rechten Ecke der ersten Seite wick an der sichtbarsten Stelle eine Eintragung in „rot" gemacht: ..Nicht Jurist". Auf diese Weise kann man leicht die neuen itandräte erkennen, und es ist nicht erforderlich, besondere schwarze Listen oder geheime Personalpapiere anzulegen. Ob Herr Minister S e v e r! n g diese neue Einrichtung schon kennt? Nicht mn bei uns Kindern hatte der Bettelmann -eine so große Bedeutung, auch meine Eltern schätzten ihn hoch. Namentlich meine Mutter, die besonderreligiös war, wett sie es als eine fromm« .Handlung anfab, ihn zu bewirten, begegnete ihm mit besonderer Hochachtung. An seinem Besuchstage räumte sie das Zimmer, in dem er bewirtet wucke, besonders sorgfältig auf. Da wucke die gute Decke mit den bunten Kästchen auf den Tisch gelegt. Die Mchlzeit, di« besonder- - g«t bemerichtet war. wucke auf den guten bunten Tellern und Lchlisseln gereicht. Wir Kinder bekamen jedes einen eigemn Teller, während, wir sonst zwei oder drei auS einem essen mußten. E8 ging richttg wie an einem Feiertage zu. Er liebte die PüNkmchkett. Punkt 12 Uhr erschien die große Gastalt des Bettelmannes an der Tür. Wir wetteiferte«, jeder wollte ihn zuerst begrüßen. Er reichte beim Eintreten erst nteinee Mutter und dann jedem Kinde die Hand, sprach aber anher dem üblichen Gruß nichts. Er legte den langen Umhang, unter dem wir die Märchengeftalten, von denen er uns zu erzählen psiegte, verborgen zu sehen glaubten, und den Stock, den wir für einen ZaUberstaL hielten, ab «Nd setzte sich m Tisch, ttm die für ibn bereits steheftde Mahlzeit einznnehmen. Nachdem er sich gesättigt und das Tischgebet verrichtet batte, setzte er sich auf einen rotbraunen Sessel, der am Fenster stand. Wir setzten im? um ihn hemm und nun begann er zu erzählen. Draußen vor dem Fenster stand ein Kirschbaum. nach dem sah er oft während des Erzählens. Ich glaubt«, er lese die MSrchen und Erzählungen von diesem Baum« ab. Im FrüWng, wenn der Baum blühte, erzählte er nur freu, dige und. im Herbsi oder Winter wußte er nur traurige Geschichten. Wir hörten aber allen Erzählungen, wenn sie auch noch so traurig waren, g-rn lrnd andächtig zu. Keiner wagte es, ihn durch ein Wort zu unterbrechen. Wir lebten uns in die Erzählungen so ei«, daß wir nicht umhin konnten, ihn bei den frmdigen durch Lachen und bei den tramigen durch Seufzen zu unterbrechen. Manchmal erzählte er auch bet Tisch Geschichten, die nur für Erwachsene waren; trotzdem wir davon wenig oder gair «ßbtS vrrstatcken, hörten wir idm doch andächtig zu. Am schönsten waren die, die er unS vom lieben Gott erzählte. Was der liebe Gott alles für Wunder vollführen konnte! Wenn er so etwas erzählte, fach er immet nach dem Simmel. Auch wm seiner Jugend erzählte er viel. Seifte Eltern hatten eine Schenke im Walde. Dorthin käme« viele Menschen von verschiedenen Gegenden, die btt ibne« übernachtete«. »Bon diesen habe ich die Geschichte« abge^ lernt-, erzählte btr große Bettelmann. (Fottsechamg folgt.) /

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