Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 13 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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! Goethe War ei» — AM! Lar neueste Er-eLnlS beutschvölkischcr Rassenforschung. Wenn in unseren traurigen Zeiten in dem garstigen politischen Lied auch einmal ein heiterer Ton erklingt, dann horchen wir gern auf und freuen mrS. Eine solche Freude ungetrübter Heiterkeit gewährt uns die neueste deutschvölk'sche Leistung; die tüchtigen Rassenpolitiker haben nämlich herausgefunden, daß Goethe ein — Jude war. In der „Wiener Illustrierten Zeitung" steht m lesen: „Sieht man Goethe an. d'ese vorguellenden, dunkelbraunen Augen, diese an der Spitze gekrümmte Nase, diesen langen Oberleib mit den kurzen Beinen, dann haben wir ganz das Urbild enes Nachkommen- Abrahams vor uns. . . . Seine glühende Sinnlichkeit und ewige Verliebtheit, seine unsittliche Lebensweise und fragwürd'qe Ehe, seine Feigheit den kriegerischen Ereignissen seiner Zeit gegenüber und noch manche andere Züge reden eine zu deutliche Sprache, als daß ein Mensch von unbefangenem Urteil sich der Ueberzeugung verschließen könnte, daß Goethe weit mehr ein Semite, als Deutscher war." NaO>em die jüdische Abstammung GoecheS an seinem körperlichen Aussehen festgestellt wurde, blecht für die vielen nationalgesinnten Literaturprofessoren, die in Deutschland hemmlaufen, noch die Aufgabe, aus Goethes Werken die jüdische Denkweise, aus seiner Farbenlehre und anderen wissenschaftlichen Leistungen den talmudistischen Geist nachzuweisen. Hoffentlich finden wir aber nun nicht etwa in den Unterhaltungsbeilagen nationaler Blätter Beiträge von dem kurzbeinigen Juden Goethe! AS kleines Gegenstück veröffentlichen wir die nachstehende Notiz, ohne aber zu den Berichten der englischen Zeitungen Stellung zu nehmen: War ColmubuS Jude? Neuentdeckte Zeugnisse. Die Frage, ob Columbus jüdischer Abstammung war. beschäftigt seit Jahren die Forscher. Wie englische Zeitungen Mitteilen, hat die spanische Regiemnna kürzlich eine besondere Kommission eingesetzt, der es obliegt, die neuentdeckten Dokumente zu untersuchen. Wie die englischen Zeitungen behaupten, lasten die erwähnten Dokumente keinen Zweifel mehr daran daß Columbus nicht nur von Juden abstammte. sondern selbst noch Jude war und sein Judentum bewahrte. Laut diesen Dokumenten hieß der Vater von Columbus Jacob, seine Mutter Schoschana. Aus Angst vor der Inquisition übte Columbus, wie die Marannen, sein Judentum nur im geheimen aus. Auch der Umstand, daß an der Entdeckung Amerikas mehrere Juden teil* genommen haben, macht es wahrscheinlich, daß der Führer der Welthistorischen Seefahrt Jude gewesen ist. So fuhren mit Columbus zusammen Luis de Torres ein jüdischer Dolmetscher. Marco, ein jüdischer Ch'rurg, und Bernam ein jüdischer Arzt. Ferner waren die Juden Alfonso de la Calle. Rodrigo belle Sanchez und Rodrigo de Triana auf dem Schiffe. Dieser Triana war es. der als erster das neue Land entdeckte und d e Aufmerksamkeit der anderen darauf lenkte. Der jüdische Dolmetscher betrat als erster weißer Mann die Küste der Insel Guanahani. da er von Columbus entsandt worden war, den Großmogul von Indien zu begrüßen, dessen Land Columbus, wie man weiß, erreicht zu haben glaubte. Auch sonst haben sich die spanischen Juden. entsprechet» ihrem damaligen hohen Kulturstand, um die Entdeckung Amerikas verdient gemacht. Die Juden Luis Santangel. Gabriel Sanchez und Juan Gabrero ermöglichten es durch sine Beisteuer von 17 000 Dukaten dem Columbus iiberhaupt erst, Sedenüet der Jüdischen JftnderMlfe 1 seine Reise zu unternehmen. Um die Verbesserung der wissenschaftlichen Grundlagen für eine Weltumseglung haben sich gleichfalls spanische Juden verd'ent gemacht, so Joseph Decinho, der den nautischen Kompaß verbesserte. Levin ben Gerson, der den Seequadranten erfunden, und Abraham ibn Esra. der das beste astronomische Werk der damaligen Zeit verfaßt hat. ohne das sich Columbus auf hoher See überhaupt nicht richtig hätte orientieren können. Breslau. Deutsch-jüdischer Wanderbund „Kameraden". Am 22. März fand ein Elternabend der Kameraden in der Lefsingloge statt. Biele Ellern folgten dem Ruf der Jugend und fanden sich zur freien Aussprache über wichtige Fragen der Kamnaden-bewegung ein. Die frische Jugewd in ihren Wanderkleidern erfreute die Eltern zunächst durch Gesang, Spiel und Tanz; dann hielt Erich Hirsch berg ein Referat über »Zweck und Ziele der Kameradenbewegung", in dem er ausführte, daß politische Umstände die Menschen in Mich« und religiöse Nöte gebracht hätten, demznsolge könnte die heutige Jugend nicht mehr blinden Respekt vor dem Alter haben, sondern müßte mit sehenden Augen alles kritisieren. Der Körper der Juden wäre im Ghetto vollkommen vernachlässigt worden; das jüdische Familienleben, und das Bibelftttdium bildeten das geistige Gegengewicht zu dieser Schwäche, doch begännen diese wichtigen Faktoren nach und nach zu versagen. Aus diesem Niedergang erstand ein neues, religiöses Streben. Ein kleiner Teil der Jugend schloß sich zusammen, um dem Alltag zu entfliehen, und sich ein menschenwürdiges Dasein zu schassen. Die Kameraden nun verfolgten keine religiösen Tendenzen, aber sie kämen an Abenden zusammen, um, durch gemeinsames Lesen die Bibel zu erleben, indem sie Parallelen zur Gegenwart zögen. Sie wollten ins Judentum eindringen, um bewußte Juden zu werden, die das Recht hätten, stolz auf ihr Judentum zu sein. Vor allen Dingen wollten die Kameraden aus körperlichem und geistigem Gebiet erzieherisch auf einander einwirken auf ihren Wanderungen und an ihren Herrenabenden. Dann ging Erich Hirscbbcrg noch aus die Frage der Berufswahl ein, und bat die Eltern um ihre Hilfe, der jüdischen Jugend hie Bahnen zur Landwirtschaft und zum Handwerk zu ebnen. Dann erariss Herr Rechtsanwalt Spitz als Barer und Kamerad das Wort und verglich die heutige Jrraeud« mit jener von 1870. die Deutschlandwirtschaftlichen Auf. schivung erlebte; unsere Jugend hätte eS schwer, der Anti, semitismus wollte sie um die Liebe zum Deutschtum bringen; durch das versagende Elternhaus verblaßte dt« Siebe zum Judentum, und die Natur werde dem Juden durch den Berus fremd. Die M'äwe tat Abzeichen der Kameraden über sollte als Symbol den Willen verkörpern, „durch Nacht zu« Sonne". Der zweite Diskussionsredner machte daraus aufmerksam, 'daß bereits vor dem Krieg der Wandervogel bestanden hätte, der aber keine Juden aufnahm. Er warnt» die Kameraden vor Nachahmung der deutschvölkischen Jugend, in deren Spielen und Kleidern, und vor der Absicht andersein zu wollen, wie die andern. Er schlug einen Kompromiß, vor, zwischen Eltern und Jugend, zum Wähle der Jugend. Mit einem schlesischen Volkslied schloß der Abend. Die Eltern werden sicherlich wertvolle Gedanken der Jugend mit nach Haus genommen haben. D. GeschäftSiubiläum! Am 1. April d. I. begeht Spaniers Teppich-Haus. Reuschestraße 88 und Schmiedebrücke 5 6, das SOlährige Geschäfts» jubiläum. Der vor 3% Iobren leider verstorbene Begründe« der Firma, Herr Adolf Spanier, hat er verstanden, das Geschäft aus kleinen Anfängen heraus zu einem überaus beachtenswerten Spezialbaus der Teppich- und Gardinen, brauche zu gestalten. Spanier- Teppich. Hauist durch seine strenge Neellität in weitesten Kreisen geachiet und deshalb ist zu erwarten, daß dieser Firma auch fernerhin die Gunst -es Publikums erhalten bleibt. Jnbaber de- G«. schästes Reuschestraße 58 ist Frau Witwe Paula Spanier. Inhaber des Geschäftes Schmiedebrücke N r. 5 6 ist seit 1913 Herr Berthold Rothol). Dem Ernst der Zeit entsprechend wird von jeder Feier Abstzüw genommen. 1922 Kalender 5682 Wochentag Monat März!lllrsan 31 T. j 30 T. Sabbath- Ausgang Wochenabschnitt Prophetenabschnitt Freitag Sabbath 8L I.Apr. 1. 2. Breslau?os »N2 z. SuÄ Kap. 1^—5« «. 21—N 44, 1-23 1877 I I 1922 Optiker GARAI :: Albrechtstr. 4 Gottesdienst In den Gemeinde - Synogooen za Breslan: HismiMim. Freitag 3173. Beginn abends 6.30 ü. 6^0 ü. Bbd. 1./4. Frttgattadiint morgs. taMtap OTq. e.ooo. fl it Iptoottaflast Predigt norm. 8.45 ü. 9.45 U. VI vorm. — w «t Jimd&iltai nachm 4000. 3*150-* « äokloA abends 7030. 7.080. An den Wooh.- 274. bis Beginn morgs. 6L00. 7.000. tagen 7. 14. abends 6.800. 6SOO. * Im Krankenhaus. Konfirmation ln der Alten Synagoge (1. April): Rudolf Korn (Vater Simon) Briglttenthil 1. Am 22. d. M. ist unsere liebe Matter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwester, Tante, Nichte und Itousine Emma Bildhauer geb. Marcus gestorben. Pie Beerdigung bat bereits stattgefunden. Breslan, den 24. M&rz 1922. Erich Bildhauer Else Lux geb. Bildhauer Dr. Walter Lux. r 7\ Isf Bedarf an Uchf und Kraft, Dann nicht lange nachgedachf. Ruff nur Ring 7003» Schon die Hilfe eilt herbei Repariert wird schnell und guf Isf Eure Leitung mal kepul. Ütehtr. Xicfkfr mm. JitcMftcmtcMüen üfcidkard Seifert y üSresfou, SrüAstfkcn« Str. 30^ f^niilllin—..•M|||||IP«,^||inin"*-«m|gj||||i.»mii|jjpiiM«'>iisj||||pi««| I Arnhold Rosenthal i Nene Scfaweidnitzer Straße 5 J =■ empfiehlt H [ Ulurexi und Juwelen j £ ««immiaimiiiuttiitiiiiiiiiiMtnniMiiiimiutimwiimimMtMiMmmitHiiMaiwuenMu g F Großes Lager k Echter OlaihURer Uferen fp Lange Söhne, Asrauuuu Tafelsilber!!1 Billige Preise!! Julius Lemor;iemeii-fiik s" Breslau 6, Fischersasse 11 LMr- Geschäftszeit (8—5 Uhr) Einkauf alten Silbers zum Schmelzen. Damen• und Herren- Hüte Hut-Rosenthal U w Bi« Ich habe meine Einkäufe vor der Preissteigerung gemacht Meine LBger sind gut sortiert. Sie kaufen günstig, wenn Sie Ihren Bedarf sofort decken. CKtartJucfts Breslau, Schweldnitzer Str. 49 Kaiserkrone Kabarett und Tanzpalast Das neue Märzpro^ramm Tfiglich ab 4 Uhr: T anz-Tee mit Tanzvorführu gen. 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