Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 12 (24.3.1922)
- Date
- 1922-03-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Hetzmanns. der de! einem Sturmangriff vor SotsionS den Heldentod starb. Wir erwähnen nur noch des deutsche Flaasienlied des Juden Robert Linderer: „Stolz wetzt die fchwarz-weiß-rot". das dadurch zur Berützmttzeit aelanate. Äs es deutsche Seeleute an Bord der „Iltis", den Wellentod vor Annen, anstimmten. (Vevgl.: „Die deutschen Juden im Weltkriege", von Karl Hilmar. Berlin, Flottwellstraße 7). Es bleibt uns nichts Weiler übrig, als in dem Kampf gegen Lug und Trug weiter auSzuharren. und in edlem Schaffen Freude und Befriedigung zu finden. Wir rechnen uns nicht zu den Propheten, aber wir möchten wohl behaupten: So lange wir Juden bestehen, werden immer wieder unsere Gegner und Hasser aus ihren Schlupfwinkeln hervorkchren, um geschäftig an der Zersetzung deutscher Kultur durch ihr unkulturelles Treiben zu arbeiten. Vertiefung -es Judentums. F" Bon Rabbiner Dr. Gottschalk, Posen. * Nicht ich bin eS, der die obigen Worte in Anführung-- striche fetzt, sondern Herr Naumann, der die volle Schale seines Zorns und seines Spottes und seiner nicht gevade rücksichtsvoll gewählten Worte auf diese Bestrebungen aus» gießt. Und weshalb? Weil sie „die Kluft vertiefen, die stoischen Deutschen von indischem und anderem Stamme klafft". Und das ist für Herrn Naumann unter anderem auch deshalb „zum Weinen", weil dadurch den „anderSfühlenden Stammesgenoffen ... der Weg zum Aufgehn im deutschen Volkstum erschwert wird". Wie kommt — so könnte man zunächst fragen — Herr Naumann dazu, jedem, dem die Vertiefung des Judentums, d. h. seiner Religion, Herzenssache ist und Lebensaufgabe — wie kommt Herr Naumann dazu, ihnen ein geringeres deutsches Gefühl zuzusprechen als sich selbst? Gerade Herr Naumann, der den Wert des Gefühlt so betont, der in ihm den Beweis für sein nationaldmtsches Wesen zu sehen verlangt —, gerade er sollte sich hüten, einem andern die Waffe aus der Hand zu schlagen, mit der er sich verteidigt. Ich behaupte von mir, nicht um ein Atom weniger deutsch zu fühlen, als .Herr Naumann. Ich fordere ihn auf, das Gegenteil zu beweisen. Vielleicht ist für ihn der Beweis schon in meinem Beruf gegeben und erst recht vielleicht, wenn ich wiederhole, daß mir Vertiefung des Judentums Herzens-, ja Lebenssache ist. Aber davon ist eben vor allem zu reden: davon, daß Herr Naumann jene beiden Dinge — deutsch fühlen und das Judentum vertiefen — für unvereinbar miteinander hält. Das ist nur deshalb möglich, weil sich Herr Naumann das Wesen einer jolchenBertiefung wohl doch noch nicht klar gemacht hat. Dieses Wesentliche liegt doch gerade in dem Aufspüren alles Ueberzeitttchen, in dem Aufdecken jener letzten Quellen, die chen nicht bloß in Palästina, nicht bloß in Deutschland, sondern überall sprudeln — weil sie überall in der Seele sprudeln und die Seele etwas Uebervölkifches ist. Dieses Seelenleben ins Licht zu stellen und dadurch eine Brücke zu schlagen von Kultur zu Kultur, Jahrhundert zu Jahrhundert, Religion zu Religion — daS ist der Smn dieser Vertiefung. Gott wird dar Göttliche.'Religion das Religiöse, der Ewige wird das Ewige. Und wenn Herr Naumann mm sagt: „Ganz recht — aber wozu dann noch ein Judentum?" — dann freilich trennen sich unsere Wege. Wir wollen diese Vertiefung gerade deshalb, um das Judentum zu etwas Beharrendem zu machen — das Judentum in seiner Religion, das Judentum in seiner Seele. Geralde weil dieses Göttliche. Ewige auch aus anderen Quellen — und nicht bloß deutschen — strömt, so wollen w i r zeigen, daß unsere Religion ebenbürtig neben allen anderen Seelenmächten dastehen kann. Wie? Auf christlicher Seite bemühen sich die besten Geister, daS Christentum zur Kulturmacht zu gestalten; ein Eucken wird nicht müde, seinen Ruhm zu verkünden; ein Tagore Qedenßet der JflditcAen MinderMlfe1 zieht durch die ganze Welt und verbreitet Kultur im Namen der indischen Religion sogar — und nur wir dürfen um Gotteswillen kein Wort von Berttefung des Judentums sprechen, weil diese Religion im Orient erwachsen? Weil wir uns damit den Weg zum Deutschtum versperren? Dem christgewordenen Juden gestattet Herr Naumann, sich nationaldeutscher Jude zu nennen, dem judegebliebenen oder dem nach Vertiefung ringenden Juden verwehrt er es! Ja. Herr Naumann, wissen Sie denn nicht, was — hundertmal schon wurde os betont — der Stifter dieser christlichen Religion — ein Jude! — auf die Frage nach dem „wichtigsten Gebot" erwidert hat? Drei Sätze aus unserer, der jüdischen Religion, der Religion, mit der man nicht deutsch sein kann! Nicht deutsch sein? Also alle bekannten Namen — ein Riester, ein Lazarus, Steinthal. Cohen — alle, die deutsch und jüdisch gefühlt, die Vertiefung des Judentums angestrebt, sie finden vor Herrn Naumann keine Anerkennung. Sie wollten vertiefen, also betrogen sie sich um ihr Deutschtum! Nicht deutsch sein? Ich darf mich nicht zu Goethe bekennen, ich darf die deutsche Heimat nicht lieben, ich darf di« deutsche Sprache nicht wollen, ich darf nicht vom deutschen Vaterland reden, ich darf sein Geschick nicht als Schmach empfinden, ich darf seinen Glanz nicht wieder ersehnen. ich darf nicht alles, was nationaljüdisch. als Fremdkörper von mir abwehren wollen, nur weil ich das Judentum verttefe? Nur weil ich aus dieser Tiefe heraus, aus dieser Seele, aus seinem Quell den Sinn dieser ganzen Bewegung verstehe, die Kvaft, die es seinen Bekennern einflößte. die Treue, mit der es uns heut noch erfüllt, die Anteilnahme an dem Geschick auch unserer nichtdeutschen jüdischen Brüder? In Herrn Naumann zuckt nichts auf, wenn er sie sieht, in uns aber zuckt jene jüdische Seele, — von der Herr Naumann freilich nichts weist. Denn wer nur in seinem GesichtSauSdvuck, im Temperament, in dem „Mouffeux" den Zusammenhang mit dem Jüdischen findet; wer selbst Familiengefühl und Wohltätigkeitssinn nicht seelisch, sondern rassemästig bewertet, nur damit der „nationaldentsche Jude" um Gotteswillen keine jüdische Seele erhalte —, wer das tut, der sollte eigentlich gar nicht über ein Judentum sprechen, das Seele und nichts als Seele sein will, daS bewustt — bewusst, Herr Naumann — alleabstreift, was zeitlich gefärbt und völkisch bringt ist. Zwei Seelen wohnen in unserer Brust — aber wir fügen kein Ach des Bedauerns hinzu: wir lieben sie beide und. freuen uns ihrer und ringen ständig um ihre Vertiefung: die deutsche und die jüdische Seele, ttnb sie Le-; stehen nicht blost nebeneinander; es gibt einen Punkt, in dem sie sich schneiden: im Uebernationalen, im Ueberreligiösen, im Ewigen, Göttlichen. Heiligen. Denn „was ist das Heiligste? Das, was heute und ewig die Geister, tiefer und tiefer gefühlt, immer Mlr einiger macht." Herr Naumann aber sollte aufhören, zu uns zu reden, denn e r hat nur eines — die deutsche Seele. Doch wo das Jüdische an ihn herantritt, da wird er „kühl bis ans Herz hinan". Wir werden unsere Jugend vor ihm #t schützen wissen. KWllfleiM jlnö NW \ Bekanntlich herrschte bisher darüber Streit, ob die Steuern zur jüdischen Gemeinde gemäst § 13 Abs. 1 Ziff. 7 des Reichseinkommensteuergesetzes vom Gesamtbetrag der Einkünfte in Abzug gebracht werden dürften. Diese Streitfrage ist nunmehr durch das Gutachten des Reichsfinanzhofs vom 80. November 1981 entschieden worden. Nälj diesem sind unter den in ff 13 Abs. 1 Ziff. 7 genannter abzugsfähigen „Beiträgen" nur freiwillige Beiträge und nicht solche steuerlichen Charakters zu verstehen; deshalb unterliegen Kirchensteuern in der Regel der Kürzung nicht. — Die Finanzämter sind bei dem Einkommensteuerbeschcid für das Rechnungsjahr 1920, der meist erst jetzt zugestellr worden ist, bereits entsprechend verfahren und haben die Steuern für die jüdische Gemeinde, sofern sie der Steuers pflichtige abgesetzt hatte, zu dem erklärten steuerbaren Einkommen hinzugerechnet. Vielfach haben es dabei die Finanzämter allerdings versehentlich unterlassen, am Schluffe des Steuerbescheides diese Abweichung von der Steuererklärung ausdrücklich anzugeben und zu begründen. Die Einlegung des Einspruchs hat gleichwohl im Hinblick auf das jetzt veröffentlichte Gutachten des Reichsfinanzhofs keinen Zweck. Dr. I. L. S e l i g s o h n, Berlin. Jim dem Reich. Eugen Landaus 70. Geburtstag Generalkonsul Eugen Landau vezmg vor einigen Tagen seinen 70. Geburtstag in voller Lebens- und Schassensfrische, mitten in der geschäftlichen und geselligen Regsamteil, die diesem gewandten, miternehmungssrohen und üwn«Ö hilfsbereiten Mann immer das Levenselement gewesen ist. Eugen Landau gehört zu denjenigen Berliner Persönlich, ketten, die ganz und gar in dem historischen Boden de< Reichshauptstadl wurzeln und mit ihr gewachsen sind. Als im Jahre 187 t sein Vater das ursprünglich in Breslau betriebene Bankgeschäft Jakob Landau nach Berlin verlegte, gelangte dieses Bankhaus sehr schnell in den Mittelpunkt der damals noch vor ihrer großen Entwicklung stehenden deutschen Finanzwelt. Jakob Landau und seine beiden Sohns Eugen sowie der vor kurzem verstorbene Hugo, entwickelten eine starke Aktivität und zeigten, insbesondere was dis wechselseitige Befruchtung von Finanz und Industrie aulangt, eine glückliche Hand... Trotzdem gelang es ihnen, sich den Gefahren dcr Gründerperiode fernzuhalten. Bei ber Konstruktion der Vereinigten König- und Laurahülle, hei der Gründung der Deutschen Edison-Gesellschaft, der Vorläuscr.n der späteren A. E. G., und der Berliner Elektrizitätswerre durch Emil Rattenau spielten die Landaus eine führende Rolle, und zwar in Verbindung mit der Nationalbank für Deutschland, an deren Errichtung das Bankhaus Jakob Landau selbst mitgewirkt hatte und in die es später ausging. Gerade die Unterstützung des damals noch sehr wenig anerkannten Gründers der A. E. Gist ein Zeugnis von dem Weitblick der Inhaber der Firma Landau gewesen. Spater, hin knüpfte Eugen Landau Beziehungen zu der Commerz, und Diskonto-Bank, aber seine vielseitige Tätigkeit beschränkte sich nicht aus das Wirken innerhalb eines einzelnen Konzerns, sondern griff aus viele Gebiete des wirtschaftlichen und geschäftlicken Lebens über. Jahrelang war er Ausstchtsrats- Vorsitzender der großen Oberschlesischen Eisenbahnbedarss-Aki.. Gesellschaft und vieler anderer industrieller Unternehmungen, wie denn überhaupt Eugen Landau zu denjenigen Finanziers gebörte, die am reichsten mit Aussichtsratsmandatm gesegnet waren. Besonders am Herzen lag ihm aber die Arbeit für typisch: Berliner Unternehmungen. Die groß« Patzendofer-Braucret und die' Berliner Hotel-GesMchast ..Kaiserhof" sind in ihrer Entwicklung o'fme ihn gar nicht zu denken. Auch für die Finanzgebarung und besonders die, Anleihen der Stadt Berlin hat Eugen Landau im Anschluß an die traditionelle Stellung des väterlichen BaickhauseS stets ein reges Interest« behalten. Sucht man nach einer besonderen Eigenart seines finanzpolitischen Charakters, so kann man sagen, daß er dank seiner treffenden Kombinationsgabe, seiner geschickten Art, Dinge und Menschen zu behandeln, sowie seiner vielsältiaen Beziehungen der geborene Mittler für aroße und geschickte Jndustriekombinationen ist. Manche Fusion hat er zustande gebracht, manche Schwierigkeilen in der finanziellen Entwicklung der ihm nahestehenden Unternehmungen beseitigt. Aber die Tätigkeit Landaus war nicht auf den Kreis der industriellen und finanziellen Prolttems beschränkt. Dem literarischen und geselligen Leben der Stadt Berlin widmete er ein stets lebendiges Interesse. Er gehörte zu den Mitaründern des „Literarischen Klubs", ist auch setzt noch Vorstand der „Ressource von 1794" und der Zentralstelle für den Fremdenverkehr Groß-Berlins. Seit einer Reihe von Jabren versiebt er das Amt eines spanischen Generalkonsuls. Während des Krieaes stellte sich der damals Dreiundsechzigsährige als Rittmeister der Reserve der Heeresverwaltung zur Verfügung und hat Mein Judentum. Von Arthur Darrziger, Berlin. Das Ziel der jüdischen Religion ist die ethische Vervollkommnung eines jeden Einzelnen. Die West«, die gegenwärtig beschritten werden, sind verschiedenartig. Hierzu Stellung zu nehmen, ist nicht die Aufgabe dieser Zeilen. Biele denken: „Fromm sein ist billiger als gut fern". DaS sind die Frömmler. Ein wahrhaft Frommer sagt: „Jude sein, heißt Mensch sein." Er sagt es und handelt danach. Wenn unsere alten Schriften von dem Lichte der Gegenwart erhellt sverden, werden sie jung. Sie können dann mit verständlicher, belehrender Sprache zu uns reden, uns sittlich beeinflussen. Dann sind sie nicht vom toten Formalismus erstarrt, sondern ewig fließendes Wasser für den Baum des Lebens. Sie tragen dann zmn Gedeihen bei und tragen Früchte. „Jude fein, heißt Wlensch sein." Unser Menschentum legt uns Verpflichtungen aus gegen unseren Mitmenschen, den Bruder. Handeln wir danach? Sagen wir nicht oftmals: Es gibt kein „Muß". Stimmt das? Die göttliche Gerechtigkeit fordert von unS: „Und du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst". Also ist das „Muß" doch vorhanden. — Göttliche Gerechtigkeit ist etwas Ueberirdisches. Mr fühlen sie. sehen sie aber nicht immer. Wir denken real und wollen uns von unseren Gefühlen allein nicht leiten lassen. Wir wollen Gott sehen, um dann viel- 'leicht zu gehorchen. „Ich will euern Gott sehen", jagte auch der römische Kaffer zu Rabbi Iehojchua. „Herr!" antwortete der Weise, „Euer sterblicher Blick kann den großen Glanz nicht ertragen." „Nicht ertragen? Ich will es versuchen, Wj' will itzn sÄhen? „Ihr wollt?" versetzte der Weise. „Wohlan, folget mir." ES war die wärmste Zeit des Jahves und die Sonne brannte am heißesten. Der Weise führte den Fürsten auf das freie Feld, zeigte auf die Sonne hin und sprach zu ihm: „Großer Fürst! Euern Blick dorthin!" „Zur Sonne?" fragte der Kaiser verwundert. „Wer kann den Blick ans die Sonne gerichtet halten?" „Ihr könnt nicht? Aber die Sonne ist nichts anderes als einer der unzähligen Diener Gottes. Ihr könnt das Auge nicht auf diesen seinen Diener richten und wollt Gott sehen?" Dieses Gleichnis unserer alten Weisen lehrt uns, daß wir Gott nicht sehen können. Seine Allmacht aber hat er uns kundgetan. Er ist überall. Wir haben also für jede Handlung sofort Rechenschaft abzulegen. Wenn unser Gewissen pocht, mahnt Gott. Handeln wir danach, ohne uns von dem „Muß" dabei leiten zu lassen. Das „Muß" darf kein Zwang sein. Cs soll vielmehr unser eigenes „Ich" mit Befriedigung erfüllen, diese aber zeige sich nicht in Selbstüberhebung. Selbstüberhebung zeugt von Egoismus und ist zu verachten. Die wahre Befriedigung dagegen muß zu neuen Taten anspornen, sie muß vor Ermattung schützen. Mr wollen vergleichen, daß jtzdes kleine Steinchen im Mosaik für das Ganze erforderlich ist. Dieses Ganze ist unser Leben. DaS Leben muffen wir auszufüllen verstehen und schön und gut zusammensetzen, erst dann ist es „Leben". Gott fft der Inbegriff der allerhöchsten ethischen Vervollkommnung. Gott fft ethisch. — Mr aber sind als Ebenbild Gottes geschaffen. Das Recht auf dieses Geschenk der Gottähnlichkeit muffen wir uns erwerben durch gute Taten, durch das ständige Äreben, der ethischen Vervollkommnung näher zu kommen. Erst dann hat auch unser Loben Inhalt. sind wir Mensch geworden. Wm-lkrillMWell eitler allen fraii. 14. Fortsetzung. - Meine Dankbarkeit für meine Verwandten war glühend'. In jenem Frühlingmachtcn wir oft gröbere Spaziergänge über bi« Linden hinaus nach dem herrlichen Tiergarten; zuweilen waren wir während des Winters in ein Nachmiltagskouzert der Liebig'schen Kapelle, mit der besseren Jahreszeit nach Krug's Garten gegangen, ich hörte leidenschaftlich gern Musik und einen Höhepunlt aller Freude für meinen historischen Sinn bildete ein Ausflug nach Charlottettburg. In Rührung und Andacht stand ich im Mausoleum vor dem Sarkophage der vielgeprüften Dulderin Königin Luise und die Erinnerung an die philosophische Königin Sophie Charlotte wurde aus Weg und Steg, in Schloß und Park lebendig in mir. Es war wundervoll! Aber auch andere ANsflüg« gab es in jenem Frühlinge. Tegel mit dem Hurnboldtschen stimmungsvollen Friedhofe, auf dem die „Spes" von Dhorwcüdsen tröstend und beseligend die Grabstätten zu umfangen scheint, ist mir nicht weniger in lebendiger Erinnerung als Potsdam mit seinen historischen Stätten, dem Andenken an den großen König eng verknüpft, Sanssouci, mit dem herrlichen Raphaelsaal, der Orangerie, das Nette Palais und das Marmorpalais usw. Der Geist Friedrich des Einzigen schien mich damals zu umschweben! Aber auch des vielgeprüften Königspaares Friedrich Wilhelm IV. und Elisabeth gedachte ich wehmutsvoll. Auch Treptow war eine reizende Partie! Nach jedem dieser Ausflüge, die jür Geist und Gemüt gleichermaßen anregend waren, nahm ich mit erhöhtem freudigen Feue-reifer meine Stuvirn und die Tagesbeschästigungen aus. Am 2. Mai 1864 war Giaeomo Meyerbeer in Paris gestorben. Die Leiche wurde >rack Berlin gebracht und ich sah den imposanten Trauerzug mit den glanzenden Equipagen vom Hose, den Gesandten u. a. m. von einem Fenster der Schönhauser Allee. Wiederum war Dr. Manuel Joel von Breslau nach Berlin berufen worden, wiederum wurden ihm die glänzendsten und schmeichelhaftesten Anerbietungen gemacht, er blieb fest und lehnte auch dieSnwt ab. — In Mem Frühlinge las ich die sehr schönen „Jung, »natzchenbücher" von Clara Cron neben allen Romanen in© klassischen Dramen und so manches historische Geschehnis beschäftigte mich. Die Tragödie von Mexiko, die 1866 mit dem Wahnsinn der Kaiserin Charlotte und 1867 mit der Er- ^72914