Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 11 (17.3.1922)
- Date
- 1922-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mt den Schluß zu, daß' das Gericht hier nW Ktr eWas „Notorisches" feststellen, sondern sich auch selbst daM bekennen will. Es ist fiir jeden Menschen von wahrer Bildung beschämend, wie ein deutscher Gerichtshof diese These ohne weiteres zu der seiniqen macht, die von unwissenschaftlichen Elementen (Gobineau, Chamberlain) in die Welt gesetzt, von fanatischen und in Gerichtsgutachten als pathologisch erklärten Hetzern (pritsch, Dinier) in der unsittlichsten Weise verfochten und verbreitet wird. Ein deutlicheres Zeichen dafür, wie tief die Vergiftung in das deutsche Volk bereits einqedmngen ist, kann es kaum geben. Es würde natürlich zu weit führen, hier die Unwissenschaftlichkeit des Rassen Prinzips und die geistige Beschränktheit auseinanderzusetzen, die sich gerade i-n. seiner Anwendung auf die moralische Bewertung von Menschen zeigt. Von einem Richter aber, der sich hierauf einläsit, muß man wenigstens verlangen, daß er nicht bloß die politischen Schlagworte rechtsstehender Zeitungen oder die minderwertigen Erzeugnisse deutschvAUcher Skribenten, sondern auch die Schriften von Luschan. Birchow. Goldstein, Hertz. Kahn, Brunner gelesen hat; dann dürfte seine Stellungnahme anders ausfallen. Fast noch bedenklicher als die bedenkenlose Annahme der Rassentheovie ist aber die Behauptung. daß der Judenhaß sich nur gegen die Rasse, nicht auch gegen, die Religion richtet. Hier'zeigt sich eine betrübliche Weltfremdheit. Der Ursprung und die ganze geschichtliche Entwickelung des Antisemitismus zeigen, daß der Haß sich mindestens in gleichem Maße gegen das Judentum als Religion kehrt, daß seine Lehren verunglimpft werden, daß seine Ethik geleugnet oder als minderwertig gegenüber der anderer Religionen hmgestellt wird. So ist es auch bis heute geblieben. Die gewerbsmäßigen Wanderprerdiger des Judenhasses verkünden es ihrer Gemeinde in Wort und Schrift, daß die Inden auf Grund der Bibel, des Talmud und des Schulchan aruch ihre andersgläubigen Mitbürger. die „Akum", von Religio n s wegen auszubeuten und zu «betrügen. daß sie gegen sie falsches Zeugnis crbzulegen hätten usw. Gerade in letzter Zeit gefallen sich hinterhältige Elemente darin, durch überall, sogar bei Behörden, auftauchende Flugblätter die Juden der aus religiösen Gründen plangemäß begangenen Schändung christlicher Frauen, besonders der Dienstmädchen. zu bezichtigen: „Ihre sogenannte Religion, die eigentlich nur eine Lehre des Betruges und Menschenhasses ist, leitet sie. an, jedes nichtjüdische Weib nur als ein Tier zu betrachten, demgegenüber es keine sittlichen Pflichten gibt und das sie schonungslos ihren Lüsten unterwerfen dürfen. (Aufllärungsblatt Nr. 64 der deutschen Ernenerungsgemvinde in Leipzig. Königstraße 17.) Auch das Diutersche Schmutzbuch „De Sünde wider das Blut" stellt eine Hauptperson, den Kommerzienrat Burghammer, in die gleiche Beleuchtung. Man sieht also, aus wie schwachen Füßen das Gerichtsurteil steht, wenn sich Ms dem Satze aufbaut, daß der Antisemitismus sich, nicht gegen die jMsche Religion wende. Ein deutscher Gerichtshof mußte aber dem Rassenprinzip als Grundlage fiir eine Entscheidung auch vom rein juristischen Standpunkt aus umsomehr Zweifel entgegenbringen, als das Strafgesetz den Rassenbegriff nicht kennt. Es unterscheidet die ihm unterworfenen Staatsbürger zwar der Religion, nicht aber der Rasse nach. Im Judentum jedenfalls ftnfo diese Begriffe kraft historischer Entwickelung nicht voneinander zu trennen, sosern man den Rassenbegriff überhaupt als gegeben hinnehmen will (auch dann könnte man höchstens von semitischer, aber nicht von jüdischer Rasse sprechen). Wer zumal das Iltdentzum schlechtweg beschimpft, wie es der Angeklagte hier getan hat. der kann sich hinterher nicht damit hevausroden, er habe nur die Rasse gemeint: sonst ist das deutsche .Judentum vogelfrei, und das „von Rechts tvegen". Indem das Reichsgericht einer ähnlichen Konsequenz Rechnung trägt, hat es die dem Wortlaut des Strafgesetzes unbekannte Beschimpfung der christlichen Lehre, z. B. die Bezeichnung des Apostolikums als Lügenwerk, stets als indirekte Beschimpfung der Religionsgesellschast oder ihrer Einrichtungen aufgesaßt tzwV MchnWL~ SekVfl WcÄWttckk VÄ Staffelt» theoretiker aus wäre hier ein Wog gewesen, um den Angeklagten einer Bestrafung zw-uführen. Denn wo ein Wille ist. da ist auch ein Wog. Das Urteil des Glogcmer Landgerichts muß Von sedem, dem die Entwickelung der deutschen Rechtsprechung am Herzen liegt, als eine dem einfachsten Rechtsgefühl zuwiderlaufende Entscheidung bedauert werden. Hoffentlich macht es nicht Schule. _ __ Purim-Nachklang. Don Dr. Martin Salomonskl. '4/ Purim war nie ein Fest und ist doch immer lebendig gelblieben und gefeiert worden. Jetzt besonders ist dieser Tag sehr beliebt und wird von Alt und Jung in Fröhbichkoit begangen. Die ernste und religiöse Seite freilich kommt dabei so für*, daß die Frage berechtigt erscheint, ob Purim mit dem Judentum überhaupt etwas Wesentliches zu tun habe. Darum ist es vielleicht angebracht, hierüber in Kürze nachzudenken. Was uns heute anregt, die ferne und vielfach märchenhafte Begebenheit aus dem biblischen Verborgen sein in unsere Zeit zu stellen, es ist das scheinbar unveränderliche Schicksal unserer oft und immer methodisch verfolgten Gemeinschaft. Wenn jemand einen Preis darauf gesetzt hätte, den Typ des Judenfeindes im Rahmen eines hohen Kunstwerkes zu gestalten, kein genialer Ächter hätte eine lebensvollere Gestalt schaffen können, als diesen Haman. Und damit ist eigentlich schon bewiesen, daß dieser Mephisto ein Geschöpf von Saft und Kraft darstellt und ein wirklicher Verfolger, kein Produkt der Phantasie. Aehnlich steht es mit der Auffassung der antisemitischen Gefahr, die auch eine abweichende Beurteilung rnt eigenen Lager erfährt. Auch hier sind es nicht nur vereinzelte Stimmen, die als Ausfluß unserer Fehler und als Gefühl unserer Nerven die Tatsache der Feindschaft abschwächen wollen. Dem gegenüber entscheidet die Geschichte, die uns in Haman, seinen Vorläufern und Nachfolgern beweist, daß immer ganz bestimmte historische Personen die Hetze inszeniert haben und daß nicht unsere Einbildung sie schuf. Noch etwas anderes aber eriveckt Purim in uns, wenn ivir die anmutige Sprache des Esther-Büchleins auf unS wirken lassen. Es ist die Tendenz vom Berbundensein der kleinen und großen israelitischen Familie. Wir können sehr klar erkennen, daß der Aufzeichner jener verklungenen Episode ein berufener Schilderer von unserer Ahnen Art war und daß er in sein ganzes vielgegltedertes Gebilde die eine edle Mahnung verflochten hat: Ihr Juden seid besonders -auf euch angewiesen, darum bleibt mit einander verbunden, so sehr auch sonst Schichten und Kasten, Bildung und Besitz, Auffassung und Partei euch auseinandertreiben! Es wäre Mt und heilsam, wenn diese bleibende Wahrheit von recht vielen Kindern unserer Zeit erkaüntj würde; denn es hat doch etwas Peinliches und nicht Ungefährliches. auf das Wohlwollen von Machthabern angewiesen zu sein, die je nach dem Geschick der Bearbeitung gegen oder für uns entscheiden und damit in jedem Falle Gleichgültigkeit oder sogar Charakterlosigkeit verraten. Diese Tendenz der jüdischen Eintracht macht Purim erst zu einem Tage religiöser Weihe. Er verkündet ohne Ruhmredigkeit, aber klar und deutlich, die Lehre, daß die Liebe und Treue und Aufopferung für die Gesamtheit, die Mordechai und sein holdes Pflegekind unsterblich 'gemacht haben, nur erblühen können im Garten gottgefälligen Lebens. Nur wer im Kleinen seine Pflicht erfüllt, findet die Starke, den Zusammenbruch zu meistern, urck er wird auch als Sieger seine Hand nicht nach der Beute ausstreckeir, sondern je eher uw so lieber zurückkehren zu des guten Menschen Alltagsarbeit. Gaben auszustreuen und die Armen zu bedenken. Möge religiöse und jüdische Gesinnung, stolzes Bekennen und mutiges Wehren stets Jakobs Erbe bleiben! AagesaE Da ich es für völlig aussichtslos halte, bc3 ThemA „Nelilcheralismits" in einer Zeitungspolemi! zu erschöpfe«^ so verzichte ich vorläufig darauf, dt« wirklich nicht schwer m wtderlägendm Ausführungen des Kollegen Sänger zu branti! Worten. Es soll an anderer Stelle und im anderen Am sammenhang« geschehen. Nur darüber möchte ich schon heut meine Verwunderung aursprechen: daß ein Rabbiner einen anderen Rabbinw durch Hinweis auf einen — christlichen Gelehrten in AuK.' eiitanbersetzungen über jüdische Religion glaubt überzeugen zu können. Rabbiner Dr. G 0 t t f ch a l k, Posen. ftus öem Reich. Berlin. Trauerftkr fiir Hermann Waller. Vor einigen Tatzen fand im Hause des verstorbenen Geschäftsinhabers der Disconto« Gesellschaft. Hermann Waller, in der Hildebrandtslraße 10, eine' Tranerfeier statt, an der die Spitzen der Finanz- und Jndustriewelt teilnahmen. Die Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft hatten sich dem Sarge gegenüber aufgestellt, während die Gattin mit den Kindern und dem greisen Vater die Bahre umgaben. Die Sängerin Böhm van Endert eröffncte die Feier unter Orgelbegleitung mit einer ergreifenden Musik von Händel, während eine Freundin des Hauses Bach sang. Prediger Dr. Lehmann von der Jüdischen Reformgemeinde zeichnete in knappen Umrissen ein lebensvolles Bild der kraftstrotzenden und sympathischen Persönlichkeit des Entschlafenen. Im Namen der DiSconto-Gesellschaft widmete deren leitender Geschäftsinhaber Dr. Salomvnson dem in der Blüte der Kraft dal'inqerchften Ki'lleqen, mit welchem er achtzehn Jahre Schulter an Bdnutec geschasst hatte, innige Worte der Anerkennung. Mit besonderer Betonung wurde das herzliche Vechältnis zu den Angestellten hervorgehoben, denen er stets beraterü) zur Seite stand. Mit dem Liede: „lieber allen Gipfeln ist Ruh" schloß die würdige fteter. Berlin. Herr Arrrnanrr Abraham beging in voller Geistcsftische und Arbeitsfreudigkeit am 11. d. Mts. den 75. Geburtstag. Als Begründer der Kmdewollsküchen und Volkskinderhorte wirkte er dreißig Jahre in der Ernährungsfürsorge für bedürftige Kinder. Bis zur llebernahme der Schulspeisung durch die Stadt Berlin wurde die Speisung der bedürftigen Schulkinder in den Bereinsküchen durchgeführt. Während der Kriegszeit wurden durch den von Abraham geleiteten Verein in allen Stadtteilen Berlins Mittelstands- und Beamtenkächen geschaffen, die der arbeitenden Bevölkerung die Ernährungsschwierigkeiten erleichtern halfen. Nach Kriegsbeendigung errichtete Herr Abraham die Kindererholungsheime, in die allein im Jahre 1921 rund 8000 Großstadikinder ausgenommen werden konnten. ' Mathilde von Rothschild. Am 28. M§rz dieses Jahves jährt sich Goethes Todestag züm neunzigsten Male. Siebzehn Tage ftüher. am 5. März 1832. wurde eine Frau geboren, deren Stammhaus auch in Frankfurt steht Md die einen Namen trägt, der in der Welt der Diesseitswerte Frankfurts Name mit ähnlicher Flügelkraft hinausgetragen hat wie Goethe den Namen Frankfurts in der Ewigkeitswelt des Geistes. Mathilde von Rothschild ist die Tochter des Freiherrn Salomon von Rothschild aus Wien und war vermählt mit dem Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild. Sie, die kürzlich in aller Stille im Kreise ihrer weitver< zweigten Familie ihren 90. Geburtstag beging, ragt mit ihrer Jugend« zett noch in die Epoche hinein, die vom lebendigen Atem des schon zü seinen Lebzeiten mythischen Goethe überhaucht war. Daß ein einzelner Mensch eine solche Spanne Zeit überblickt, wirkt schon an sich , düe ein Geschenk der Natur. Wenn aber dieser Mensch nichj in borsrscher Einsamkeit ein anonymes Dasein geführt hat und nur. das Ereignis der großen Zahl der Jahre ihn aus der Dunkelheit seines Lebens für Tage in die große Welt führte, sondern wenn es. wie diese Frau, fcefiibt mit einer ungewöhnlichen Regsamkeit des Geistes den tveitgespannten Bogen der Zeit in den Zentren der europäischen Welt verbrachte und mit allen geistigen Größen auf dem Gebiete der Politik, der Kunst, der Wissenschaft in Berührung kam. so stehen wir vor einem Lebenskomplex von einem Umfang und einer Fülle des Inhalts, der wie eine Sage der Zeit wirkt. Die Grüneburg, der Wohnsitz der stammältesten Rothschild, ist ein Ort der Stille. ' Einsamkeit ist das Recht und das Schicksal de« Alters. Durch den äußeren Kreis des Geländes, das früher Wiesen, jetzt der Zeit entsprechend. Ackergnmd ist. betritt man den inneren Parkkreis, der da« schlichte alte Haus umschließt. Früher lag es weit vor den Toren der Stadt, war Sommersitz, jetzt ist die Stadt nach —' und über den Grund hinausgewachsen. Doch ist der Blick nach Norden noch frei und die weiche schöne Linie des Taunus rst wie das Stlb' sanfter Musik, die dieses Leben begleitet hat. Musik ist immer Lebensbegleitung der alten Frau gewesen. Chopin war ihr Meister, Rossini mit ihr besteuert. Clara Schumann gehörte ihre Neigung. Sie hat sich selbst, vor allem im Liede, künstlerisch, betätigt, und die Bescheiden- Heft, mit der sie ihre Kompositionen betrachtet, lassen einen Maßstao zu der sie über vielgepriesene Schöpfungen anspruchsvollerer Arbeit,- aber geringeren Geschmacks stellen läßt. Ein bei dem hohen Mer' geradezu rätselhafter Gedächtnis bewahrt in ihrer Erinnerung noch heute die Art und Weise, wie etwa Chopin selbst ein Stück gespielt hat. Als sie seinen Blicken entschwunden waren, schloß er das Bodenfenster und sah sich um. — Hier oben trat’« ganz still. Der Geruch von trocknendem Holze, der von den Dachträgern ausging, lag in der Luft. — An den Wänden standen Truhen, in denen zeug, Wäsche und derlei Sachen lagen. — Walter setzt« sich aus eine Kiste und träumte wieder vor sich hin. — Leise summten die Fliegen am Glase und das Rauschen der See klang hier nur gedämpft, kaum hörbar. — — Fast mechanisch, ohne recht zu wissen, was er tat, öffnete er den Deckel einer Truhe. Da lag ein seines, dunkel, blauer Klqw, sauber zusammengelegt. — Und er wußte so« fort, schon bevor er den angesteckten Zettel gelesen hatte, daß diese Sachen jener Fremden gehörten. — Er nahm sie heraus und betrachtete sie. — Es war ein kostbarer Stoff. — Auf dem Bioden der Truhe lagen ihre Schuh«, sie waren schmal, gelb undelegant. Wie Walter das Kleid betrachtete, bemerkte er in besten Tasche einen kleinen, festen Gegenstand; er nahm ihn heraus upd sah, daß <s ein goldenes Medaillon war. Er öffnete eS und gewahrte darin das Bildchen einer Pacht, die mit vollen Segeln die Wellen dnrchschnitt. Vorsichtig packte er alles wieder «in. dann ging er Himmler. Aus der Trepp« traf er seinen Freund. „Du", sagte dies«« zu ihm, „ich war eben bei unserer Unibckanuten. Es geht ihr nicht gut. Sie ist bei Besinnung und hat heftige Schmerzen. Di« Kugel muß herausgenommen weiden. Heute Nachmittag will ich die Operation vornehmen, willst Du dabei sein? Du könntet mir die Instrumente dabei zureichen und auch sonst mancherlei helfen. Weib heuie Nachmittag hier!" — „Nein, nein", sagte Walter hastig, „ich kann Dir nicht helfen!" „WeShalb denn nicht?" fragte Hans erstaunt. „Meine Hände würde« zu sehr dabei zitternl* gab Walter zur Antwort. Der AM blickte ibn von der Seite forschend an und schüttelte verwundert den Kopf. Nun, dann Ub wohl; ich werde Dir heute Nachmittag sagen, wie alles abgelaufen ist."-Walter ging -um Strand hinunter, nahm ein Buch zur Hand und versuchte zu lesen. Aber es war i'hm unmöglich. (*inr seltsame, nie gekannte Unruhe war in ihm. „ e£ Himmel war bewölkt. Die S« lag ruhig da, eine stille, schwach glänzende, bleigraue Fläche. Walter stand auf und ging in den Wald. Allüberall herrschte der Frühling. Die Kastanien hatten zwischen dm Wätterfächern ihre Kerzen herausgestreckt und dies« mußten in den nächsteil Tagen blühen. — Die alien Eichen selbst, die sich erst zuletzt zu schmücken pflegtet,, zeigten schon fttudestrahlend -arte, gelbgrüne, zusammmgerollie Mättcheu. Eine wivde Angst quälte Walter. — Jetzt operierte Hans. — Jetzt entschied es sich, ob das, waS Walter aus der Welt am meisten liebte, dem Sein erhalten bleiben solle oder nicht. — Planlos irrte « stundenlang im Walde mnchee, und von einem plötzlichen Schrecken geschüttelt, eilte er plötzlich zum Krankenhaus zurück. Aus der Treppe traf er di« Wärterin. „Wo ist Dr. Holtz?" ^Jm Opsvattonszttnmer: er ist noch tätig und wünscht von niemandem gestört zu werden." Walter wartet« unten. Endlich, endlich — die Zeit dünkte ihm «ine Ewigkeit — kam Hans... Er sah ungewöhnlich ernst aus. Aufgeregt fragte ihn Waller. — „Es ist alles gut gegangen. Dt« Kugel ist entfernt. Di« Verletzte Hai aber einen großen Blutverlust gehabt. Nun kommt es m»r daraus an, ob ihre Kräfte Widerstand leisten können." — — Walter ging nach oben'. Behutsam klinkte er die Türe attf. — Die Jalousien waren heruntergelassen. Ein mattes Nachmittagslicht herrschte i« Zimmer. Bewußtlos, den Kopf dick verbunden, lag st« da, das Gesicht totenblaß, einen tiefen Schmerzenszug um den Mund. Walter stand an ihrem Lager und betrachtete sie lange und ernst. — Vom Strande her klang gedämpft das Spielen lärmender Kinder. — Er faßte ihren Putt; der gina nur ganz schwach. ^Zch werde heuie Abend bei ihr wachen", sagte er zur ZLvterin, als diese bald darauf mit der Lampe heretnkam.! Und nun saß er an ihrem Bette, ängstlich aus irden nee ihrer schwachen Atemzüge horchend. Die Lampe war r>o1 verhängt und verbreitete nur einen hwachen Dämmerschein, aber an der Wand lagen wie fttfle,; uchtende Rosenbänder die Lichtsireisen, die di« unteryehend« tarne durch di« Jalousien warf. Draußen war es ruhig ««worden, — so Ml, daß Salt« jetzt daS Ticken feiner Taschenuhr hörte. Die Nacht war schon angebrochen, als Hans kam, um och eimnal nach der Kranken zu sehen und sie zu unter- Ä. Fragend blickte ibn Walter an, er aber zuckte nur chsem. — — — — Es war nun ganz fiNsier draußen. — —1 Milos verstrich die Nachi. — Südlich fiel der erste Schimmer des Tages durch die Scheiben. Da erwachte sie, richtete »re glän-enden Augen auf Walter und sah ihn irr <m; sie ckannie ihn nicht. Er gab ihr zu trinken und sie begann ise zu stöhnen. Dann verfiel sie wieder in einen unmhigen kfjlaf. Er saß reglos da und betrachtete immer wieder nd wieder ihr sanftes, liebliches, vom Leiden nicht wtw nstalteteS Antlitz, und di« brennende Sehnsucht, daß stt em Leben erhalten bleiben möge, wuchs in ihm. Müde und Übemächtig ging Walter am Morgen M nms. Der war gerade im Begriff, in di« Stadt zu gehen. - Walter begleitete ihn. — „Wird sie es überstehnf" fragte Walter. ^Jch glaub« ja, — heute morgen hatte sie wenige* steh«, alS gestern, und ihre Kräfte scheinen cmszuhalten." — Die beiden gingen weiter, die Dünen entlang. De* Fimmel war etwas bewölkt, aber sem am Horizont war er Hans sprach lebhaft auf Walter ein, während sie durch den Park gingen, der vor der Stadl lag. Der Frühling hatte sein Höchstes und Bestes gegebens überall blühte eS nun. Die Kastanien streckten ihre weiß» leuchtenden Kerzen zwischen da» Blätterfächern hervor. Dtt Bäum« und.Swaucher hatten ihr hellstes und festlichstes Gewand angelegt. (Fortsetzung folgt)