Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 8 (24.2.1922)
- Date
- 1922-02-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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bessert tvertien Mische Mädchen, besonders die aukleinen StLdten und vom Lande, häuft« veranlaßt, einen anderen Beruf zu ergreifen. » BiS jetzt sind alle diejenigen Gründe erwähnt, die auf Seiten des Mädchens .liegen und die einem Nachwuchs für di« Anstalten hinderlich sind, ihn beziehungsweise erschweren. Doch auch bei den schon in: Beruf stehenden Mädchen ergeben sich Schwierigkeiten in der Arbeit, durch welche sie sich nicht befriedigt fühlen und sehr leicht geneigt sind, ihre Tätigkeit aufzugeben. Diese Schwierigkeiten liegen in der Stellung des Angestellten, einerseits zur Leitung, andererseits zum Vorstand. Es ist dies ein Fehler der Organisation, es fehlt in der Anstalt das Bewußtsein der Gemeinschaft. die selbstverständliche Erkenntnis, daß eine Anstatt ein einheitlicher Körper sein muß, dessen lebendige Glieder Leitung und Erzieher — Vorstand und Angestellte sind, die der Seele, den Kindern zu dienen haben. Die Leistung der Erzieher wird nicht genügend bewertet, es wird vergessen, daß Anstaltsarbeit eine fortgesetzte Bereitschaft voraussetzt und infolgedessen eine besondere Bezahlung verlangt. Es wird fernerhin vergessen, daß die erhöhte körperliche und geistige Anspannung regelmäßige Freizeiten und ausreichende Ferien unbedingt erfordert. Lassen sich die erwähnten Mängel beheben? Wohl ist an der eigentlichen Anlage des Mischen Mädchens wenig zu ändern, aber sowohl die häusliche Erziehung als auch vor allem die Selbsterziehung der jüdischen Mädchen können diese stark beeinflussen. Wie sehr damöglich ist, sehen wkr an einem Teile der zionistischen weiblichen Jugend, die im.HiMick auf die praktische Arbeit in Palästina sich aus die hauswirtschaftliche Arbeit eingestellt haben und sie ganz anders werten als vordem. Die Ausbildung der Kindergärtnerin, die wir als mangelhaft empfunden.haben, kann dadurch ergänzt werden, daß ihr nach Absolvierung des Examens ein praktisches Jahr an jüdischen Anstalten angeschlossen wird. Er müßte so sein, wie bei den staatlich anerkannten Fürsorgerinnen, die zwar das Examen oblegen können, ihre 'Qualifikation aber erst nach Ablauf ihrer praktischen. Tätigkeit erhalten können. Dem Mangel an hauswrrtschaftlichen Ausbildungsanstalten wird augenblicklich schwer abzuhelfen sein, da sich unter heutigen Verhältnissen die Unterhaltungskosten für ein solches Institut zu hoch belaufen würden. Indessen ist es dringend erfockerlich, jüdischen Haushaltungsschülerinnen wenigstens die Möglichkeit zu schaffen, an nichtjüdischen Seminaren als Externe ein Examen abzulegen. Indern wir oben auf die Mängel der Organisation hingewiesen haben, haben wir auch schon die Möglichkeiten der Abhilfe angedeutet. Eine Anstalt steht und fällt mit der Einheitlichkeit des Gemeinschaftsgefühls, das ihr wesentlichster Träger ist. Gemeinschaftsgefühl Hvdinsit Verantwortung. Diese Verantwortung jedes Einzelnen für das Ganze führt zu einer Arbeitsgemeinschaft, in der der verkannte Begriff der Selbständigkeit nicht mehr in Frage kommt, weil alle Fragen gemeinsam besprochen werden, und jedem die selbständige Ausgestaltung feines Arbeitsgebietes überlassen bleibt. Aus diesem engen Zusammenwirken entspringt dann jenes persönliche Verhältnis unter den Mitarbeitern, aus dem heraus Rücksicht und Eintreten für einarwer zur Selbstverständlichkeit werden. Und damit findet auch schon die Frage der Freizeit ihre Lösung, ein unendlich wichtiger Faktor für das Personal einer Anstalt. Um mit vollen Händen geben zu können, muß man die Möglichkeit haben, von außen neue Eindrücke und Anregung auf sich wirken zu lassen, man muß seinen Neigungen nachgehen und sich in seinem Beruf weiter bilden können. Dazu genügt natürlich nicht der eine übliche freie Nachmittag in der Woche; aber der eben erwähnte Gemeinschaftsgeist bringt nach meinen Erfahrungen die MöF-ichkeit, auch in dieser Hinsicht jedem gerecht zu werden. Ebenso wichtig wie JMcfken Jfiinäewtküfei geistige Anregung ist für jeden Anstattserzieher die körperliche AuSspanung, darum muß ihm jeden Monat ein freier Tag zustehen, der schon am Vorabend beginnt, um den Morgen des Urlaubstages nach eigenem Willen zu gestalten. Wer einmal erlebt hat, mit welcher Frische. 2e* bendigkeit, Schaffensfreude, mit welch neuem Arbeitsmut die jungen Menschen nach einem einzigen freien Tage wieder an die Arbeit zurückkehren, der ist überzeugt von seiner Notwendigkeit. — Wie schon erwähnt, gehört auch der Vorstand zur Anstalt-gemeinschaft. Solange dieser aber einerseits der Anstaltsarbeit innerlich gleichgültig gegenübersteht, andererseits die Leiter resp. Leiterinnen zu seinen Sitzungen — in denen sie als Sachverständige in erster Linie gehört werden müßten nicht hinzuzieht, kann von einer ganz umfassenden Gemeinschaft nicht mehr die Rede sein. Und sicher würden sich starke Persönlichkeiten eher zu der schwierigen Leitung eines Internates verstehen, wenn ihr der Vorstand nicht durch Ausschluß von seinen Sitzungen den Stempel der „Angestellten" aufdrücken würde. Will man nun im Interesse der Allgemeinheit den Fortbestand der Anstalten ermöglichen, so müssen wir den Willen nach diesen umfassenden Arbeitsgemeinschaften in allen beteiligten Kreisen wecken und fördern. Dieser neue Geist der verantwortlichen Gemeinschaft oder der gemeinschaftlichen Verantwortlichkeit wird die Kraft haben, junge Menschen an sich zu ziehen, die als dienende Glieder und schaffende Menschen den Kindern und sich selbst die Anstalt zum Heim gestatten werden. llrr-entum unü Tierschutz. Von Dr. Walter Brinitzer, Chemnitz. (Schluß.) Das Judentum fordert, auch auf seelische Gefühle der Tiere Rücksicht zu nehmen. ^2 JW VW? Ein Lamm, Rind oder Zicklein soll sieben Tage bei seiner Mutter bleiben und darf in der ersten Woche weder geopfert noch geschlachtet werden. Ein Rind oder Schaf darf nicht zusammen mit seinem Jungen an einem Tage geschlachtet werden. Beim Verkauf ist der Verkäufer sogar verpflichtet, den Käufer darauf aufmerksam zu machen, wenn er beide verkauft oder wenn eins von beiden am selben Tage geschlachtet ist (Levit. 32, 27, 28, Sch. A. Iore Deoh 16 § 6), . ... . Die Vorschriften Levit. 22, 28: 22 IlKl 'im* und- Deut. 22, 6: jjsn fnStt? haben gleichzeitig zum Grunde die Gattungserhaltung. Der Unterhaltung dienen die Bastardverbote Levit. 19,19 und Deut. 22, 9: Von deinem Vieh sollst du nicht zweierlei Arten sich begatten lassen. Es ist auch verboten, Nichtjuden zum Bastardieren von Tieren oder Pflanzen zu veranlassen: dagegen sind Bastarde zur Benutzung erlaubt; wenn beide Eltern erlaubte Tiere sind, ist der Bastard sogar zum Essen erlaubt (z. B. Ziege und Schaf, Gans und Ente; vgl. Iore Deoh 394—297). Auch die Vorschrift Deut. 82,10: Ochs urw Esel nicht zusammen zum Pflügen zu verwenden, beruht vielleicht aus dem Bastardverbot, vielleicht aber auch auf Rücksichtnahme auf ihre verschiedene Eigenart überhaupt. Der Mensch darf zwar über die Tiere herrschen: was sich regt und lebendig ist, soll euer sein zum Essen (Gen. 1, 26 flg., S, 21, 8, 3); aber Gott ist gütig gegen alle, all seiner Geschöpfe erbarmt er sich (Ps. 147, 9,145, 9, 15, Deut. 11, 15. Ps. 104, 24, Ijob. 38, 39—89, 30. 40, 15 bis 41, 36). Gott Hilst Menschen urch' Tlettn (Ps. M, 7)', Deik Tieren ist darum dieselbe Ehrfurcht entgegenzubringen wie allem Lebendigen. Du sollst ein Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen (Exodus 28, 19, 34, 26: Deut. 14, 21): es ist wider sie Ehrfurcht, die Milch, die zur Ernährung des Lammes dient, zum Schmackhaftmachen des Lammes zu benutzen. Es ist auch verboten. Blut zu essen, weil in ihm die Seele ist (wobei Fischblut, weil kalt, nicht als Sitz der Seele gilt) (vgl. Levit. 17,10, 14; Deut. 12,16, 23. Levit. 8,17, 7, 26. 19, 26; 1. Sam. 14, 82; Gen. 9, 4). Die Sabbatruhe gilt auch dem Vieh (Exodus 23, 12, 20, 10; Deut. 5, 14;.vgl. auch Sch. A. Orach. chajim 324 88 12, 14: Bestimmungen über das Borbereiten der Tiernahrung für den Sabbat). Ein mahnendes Beispiel von der Bedeutung des Mitleids gegen Tiere führt uns Baba mezia 85a. vor Augen: Ein Kalb wurde zur Schlachtbank geführt und schmiegte seinen Kopf wie hilfesuchend an Rabbi (Juda Hanaßi); er aber sprach: geh, dazu bist du geschaffen. Da kam eine schwere Krankheit über ihn (eine siebenjährige Mundfäule, die so schmerzlich war, daß sein Schreien drei Meilen weit gehört wurde). Nachher sah er, wie seine Magd beim Fegen Mäuse aufstöberte und wegbringen wollte. Er aber sagte: „Laß sie; Gott erbarmt sich über alle seine Geschöpfe: wie er sich erbarmt, müssen auch wir barmherzig sein. Darauf ward er von seiner Krankheit befreit. Cr wird also für Mitleid belohnt, das er selbst nutzlosen Tieren gewährt. II. Der Tierschutz in der Gegenwart. Nach 8 360 Ziffer 18 des Deutschen Reichsstrafgesetzbuches wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark (!) oder mit Hast bestraft, wer öffentlich oder in Aergernis erregender Weise Tiere boshaft quält oder roh mißhandelt. Oeffentlich heißt von einem größeren (nach Art und Zahl nicht bestimmten) Personenkreis wahrnehmbar. Wer also in Gegenwart einiger ihm bekannter Personen, etwa in Gesellschaft von Freunden, Tiere quält, bleibt straffrei! In Aergernis erregender Weise bedeutet, daß auch wirklich mindestens eine Person Aergernis genommen haben muß. Wer also zwar öffentlich, aber vor gefühlsrohen Menschen Tiere quält, bleibt ebenfalls straffrei. Boshaft heißt: Quälen um des Quälens willen, mit der Lust an dem Schmerze des gequälten Opfers. Der Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch von 1920 stellt unter Strafe: wer ein Tier boshaft quält oder roh mißhandelt oder wer die Verordnungen zur Verhütung von Tierquälereien Übertritt. Auch diese Fassung scheint uns noch zu eng. Die Tierquälerei wird doch bestraft, weil dasjenige menschliche Empfinden in uns verletzt wird, das sich im Mitgefühl für die Tiere äußert, die deshalb, eines^ erhöhten Schutzes bedürfen, weil sie menschlichen Angriffen sind. Dieser Eingriff in unser sittliches Empfinden liegt aber nicht nur bei „boshafter" Tierquälerei vor. Wir empfinden es auch als Tierquälerei, wenn z. B. jemand einer: Hund tage- oder gar wochenlang ohne Nahrung einsperrt. Das Motiv, auf dem diese Handlung berrrht, ist uns dabei völlig gleichgültig. Nach geltendem Rechte könnte gleichwohl eine Bestrafung nicht eintreten, wenn das Einsperren nicht aus Bosheit, sondern etwa aus Geiz erfolgte! Wir sehen leicht ein, daß solche Gesetzesbestimmungen den Tierschutz illusorisch macherr. Hirrter ihnen schimmert die römische Auffassung, daß die Tiere Sachen feien. Sachen wie etwa Steine, nur zu deutlich hervor. Das Judentum gebietet dagegen, die Sorge um das, Vieh dem eigenen voranzustellen: Setze dich erst zur Mahl-, zeit nieder, wenn du deinem Vieh Futter gegeben hast (Talmud, Gittim 62a; denn in Deut. 11, 15 heißt es, daß auch Gott erst den Tieren und dann dem Menschen Nahrung gibt); es wird also schon als Unrecht betrachtet, das Tier auf sein Futter nur warten zu lassen. Während das Judentum von jeher zum Kampfe gegen die Tierquälerei aufgerufen hat, ist die Tierschutzbewegung Lüge -es Zrühlings. Novelle von Ludwig Davidsohn. (S. Fortsetzung.) „ü, ja", erwiderte der Gestalte, „<8 sind ziemlich viel mit inneren Krankheiten hier. In der letzten Woche habe ich mehrere Operationen vorgenommen. Er geht oft« fast allen nicht gar so schlecht. Auch mrserev Unbekannten scheint t# letzt etwas besser zu gehen." Mer ist Eure Unbekanntes" fragte Walter. »Ja, das muß ich Dir erzählen", entgegnete Han»; »vor sechs Tagen, als der von Söndbolg kommende, schwedische Dampfer hier eintraf, fand man in einer Kaistte erster Klasse eine Dame.... ein junger Mdchen, das sich eine Kugel in die Schläfe geschossen hatte. — Der Revolver lag auf dem Boden. Niemand kennt sie. niemand weiß, wer und woher sie ist, niemand hat den Schuß gehört. — In Söndbovg, hatte sie den Dampfer bestiegen und der Kapitän sagte nur, daß ihm die Dam, bald ausgefallen sei. weil st» so traurig auSsah. — Als man sie fand, lag sie blutüberströmt da, und man glaubt» zuerst, sie wäre tot. — Sie mutz den besten Ständen angehören, denn sie war überaus vornehm gekleidet. Man brachte sie auf einer Vahr« hierher und fie hat bisher nur auf kurz« Zeit das Bewitßtfein wieder, erlangt. Meistens spricht sie fiebernd verwirtte» und unzusammerchängender Zeug. Eine Schwedin ist sie wohl nicht. eher eine Südländerin, denn sie ist dunkel; dabei ist sie jung und mädchenhaft zart, wenn sie auch groß und schlank ist. Sie kann höchstens 28 bis 24 Jahre alt sein. - ES muß ihr wohl etwas daran gelegen haben, unerkannt zu bleiben, denn die Zeichen aus der Wäsche waren heraus- 8schnitten. Die Polizei hat viel Nachforschungen anaestellt, >tt alle vergeblich. In dem Futter ihresehr kostbaren Mantels war an einer Stell« klein die Firma einegroßen Stockholmer Geschäftes «ingewirkt. Man hat den Mantel an Mtfe Leute geschickt, mit der Anfrage, wer in der letzte« Zeit ein derartige- Kleidungsstück gekauft hat. «Nein soviel ich Weist, führte di» Antwort, dt» man uns gab. zu keiner Ent» deckmg. — Auch alle übrigen Recherchen waren fruchtlos, r-, Neulich schien sie Set Besinnung zu sein. — Ich wagte ste, — sie sah mich nur mit ihren fiBenglünzenden Augen groß an und gab keine Antwort. ~~ Di« Kugel sitzt noch in der Schläfe. — ich habe bis jetzt nicht gewagt, sie operativ zu entfernen, da ich fürchtete, daß die Verletzte den Eingriff noch nicht ertragen könne. Aber über kurz oder lang muß diegeschehen, wenn die Folgen nicht verhängnisvoll werden sollen." E» wurde so sttll, daß man wieder das Meer laut rauischen hörte. Walter hatte staunend zugehöri. »Seltsam, seltsam!" murmelte er. »Jetzt aber schlaf!" bat Han». „Du mutzt von der Ress« müde fein. — Ich geh auch zu Bett." Schlaflos lag Walter auf feinem Lager. — Wie anders war fein Zimmer in Berlin. Bon seinem Fenster aus glitt sein Blick dort nur auf schmutzige Dächer und auf kahle Mauern: nichts stört« ihn beim Einschlafen, höchstens das tiefe Dröhnen der elektrischen Bahn und dafein» Surren der Großstadt drang an sein Ohr. Vom Himmel konnte er nur ein kleines Stück sehen. Hier klang dar gewaltige Brausen der See laut durch die Rächt. Der Sturm bog die Aeste der Bäume, daß sie laut aufrauschten: die Fensterscheiben klirrten. Und am Himmel, den «r durch dt» großen Fenster seines Zimmers fast ganz Überblicken konnte, trieben jetzt mächtige, weiße Wolken vorüber. zwischen denen in unregelmäßig«,, Wechsel die Sterne verschwanden und wieder aufblitzten. — Die Geschichte von jener unhekannten Selbstmörderin ging tihm im Kopfe herum. Draußen fing «s an. seltsam laut zu werden. Dumvf -rillend fuhr der Sturm um da» Ha«-. — Plötzlich war e» ihm, als. vernähme er einen lauten Schrei. Er horchte auf. Aber nur das Sausen des Windes und das Rauschen der See war h-char. Da zuckte am Horizont mit einem Male ein Blitz auf, und laut rollend folgt» das tief» Tosen de- Donner-. Lauter und unheimlicher drang da- Bränden der See duvch den Sturm. Jetzt wurde e» lebendig! Fortwährend zuckten die Blitz«, das Ztmmrr taghell erleuchtend und auf das Dvöhnen dez Donners antwortete daS Echo vom Lande her. Der Wind ritz und rüttelt« an den Fensterläden, die klatschend an die Wände schlugen. — Dann fing es an, zu regnen. Der Sturm peitschte dt« Tropfen an dr« Scheiben und fuhr laut pfeifend durch das Geäst der Bäume. — Walter stand auf und ging ans Fenster, um es zu öffnen. — Hui, fuhr ihm der Sturm ins Gesicht, ritz die Decke vom Tisch und warf schmetternd das Fenster zu, daß das Glas beinahe zersprang. — Allmählich schlief Walt«r ein. Im Traum hörte er nur tiefes Rauschen. Dann sah er eine weiße Gestalt, die sich langsam näherte. ihr Gesicht konnte er nicht erkennen. Als sie aber vor ihm stand, h«. merkte er, daß von ihrer Schläfe ein Blutstrom herunterrieselte, und daß sie in der Hand Zeinen Revolver trug. Er fühlte «inen schweren Druck auf der Brust, und «ine entsetzliche Angst befiel ihn. Er wollt» schreien, aber er konnte keinen Laut hervorbringen, er wollte wegeilen, allein die Füße versagten ihm ihren Dienst. — Eine lähmend« Furcht überkam ihn und auf seiner Stirn standen die Schweißtropfen, als er plötzlich auffuhr und merkte, daß er geträumt hatte. —. — Stöhnend lag er im Bett und warf sich unruhig von einer Seite auf die andere. Endlich. — rdämmertbereits, — verfiel .er in «inen ruhigen, traumlosen Schlaf. - Spät am Morgen erwachte er. — Das erste, was er hätte, war dar gewaltige Branden der See und Anschlägen der Wellen. Er rleidete sich an und 'öffnete die Fenster. Draußen war alles naß. Die Nacht üb« mußt« estack geregnet haben. Ein scharfer Wind wehte von Norden her. Di« Lust war wunderbar rein; alles war so fttsch, so morgentlich... Der Himmel war bewölkt, aber am Horizont war er tiefblau. Waller ging auf den Balkon und sah auf das weite, umndlich« Meer- Am Strand« war es dunkelgrün, am Horizont schwarz. Jtt einer scharfen Linie hob eß sich vom Himmel ab. So« weit man sehen konnte, war die See mit weißen Schaumkämmen bedeckt, und mächtige Wellenberg wälzten