Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 7 (17.2.1922)
- Date
- 1922-02-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Um wieviel ärmer wären wir ohne all« diese Männer. ZAre Namen sind trotz allen völkischen Geschreies mit unvergänglichen Lettern in die Taseln der deutschen GeisteS- und Kulturgeschichte eingetragen. Wer hat die» deutsche Volksseele bald wieder so ergriffen wie Heine in seinem Loreleilied, wer als Dichter'von Kriegsgesängen die Soldaten mehr begeistert als Zuckermann mit seinem Reiterlick) „Drüben am Wiesenrand" und Robert Linderer mit seinem „Stolz weht die flagge schwarz-weiss-rol"? Auch sie waren Juden. Hier hat das Volk, das sehr aut suhlt, wo deutscher Geist spricht, längst entschieden. Deutscher Geist macht zum Deutschen. Er hat nichts mit der Abstammung, der Zusammensetzung des Blutes, d«r Länge des Schädels, der Farbe der Haare zu tun. Er ist vorhanden, wo man deutsch denkt und fühlt. Und das vermag ein Jude ebenso wie ieder andere Volksgenosse! Literatur: Felix Goldmann. „Das Wesen der Antisemitismus*. Philo-Verlag. Berlin 1920. Julius G o l d st e i n . .Rasse und Politik". Reuwett- Verlag Schlüchtern" 1921. Konstantin Brunner, »Der Judenhass und die Juden*. Oefterheld-Berlag. Berlin 1918. Eugen FuchS. »Um Deutschtum und Judentum". F«mkstrrt a. M. 1919. von Oppeln-BronikowSki, .Antisemitismus?*. Deutsche Verlags-Gesellschaft, Charlottenburg 1920. Paul Riege,, „Ein Vierteljachrhimdert im Kampfe um Recht und Zukunft der deutschen Juden*. Berlin 1918. Heinrich Graf Coudenhove, „DaS Wesen des AMisemitiSmuS*. Berlin. Perlag Calvary 1901. Friedrich Herttz, „Rasse und Kultur*. Verlag KrSner, Leipzig 1918. Fritz Kahn, „Die Juden als Rasse- und Kulturvolk". Weltverlag,. Berlin 1920. Elb ogen, „Geschichte der Juden feit dem Untergang des jüdischen Staates*. Aus Natur und GeisteSwrlt, Band 748, Teubner 1919. Caro, „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden*. Band I und II, Leipzig 1908. 1920. M. Hosfmann , „Der Geldhandel der deutschen Juden während des Mittelalters*. Staat-wirtschaftliche Forschungen, Heft 152. Leipzig 1910. GoSlar ..Jüdische Weltherrschaft*. Berlin 1920. F. W. Förster, „Politische Ethik und politische Pädagogik*. Reinhardt, München 1918. »Nüischer Antisemitismus' onö Mbeiterjchast. Bon Dr. Felix Heimann, Stettin. . In einem vor einigen Wochen in dieser Zeitung erschienenen Artikel bezeichnet« ich in Anspielung auf einen im November veröffentlichten Aussatz Dr. Max Naumanns im roten „Tag" das Judentum dieses „Auchjuden" und seiner Anhänger als „nullprozentig". — Was für eine zahme Bezeichnung doch gegenüber dem furchtbaren Wort, daS dem „Verbände nationaldeuffcher Juden" in einer kürzlich erschienenen Schrift ein n i ch t j ü d i s ch « r. im politischen Leben stehender Sozialist entgegenschleudert, Carl Eisfeld, der in einer 80 Seiten fassenden Broschüre*) Herrn Naumann und seine Anhänger mit dem ansprechenden Titel „Jüdische Antisemiten" versieht. t Kurz und knapp gehalten ist das Heft und bringt doch das, worauf es ankommt. In wenigen aber trefflichen Worten stellt es überzeugend dar. warum hier die Bezeichnung „Jüdischer Antisemitismus" gerechtfertigt ist urch — noch mehr, gibt eine von nichtjüdischer Seit« ausgehende Kritik der Naumannbewegung, wie sie vernichtender kaum gedacht werden kann. Die drei -Kapitel des Heftchens tragen Ueberschristen, die treffend und trefflich .Herrn Naumanns Amateurgründung beleuchten. Hier sind sie: Würdelos, zwecklos, gefährlich! Würdelos ist das Programm dieser „jüdischen Antisemiten", das grundsätzlich mit dem ihrer christlichen Gesinnugsgenossen übereinstimmt. Würdelos ist es, Gegnern. deren Hauptwaffe meistens der veraiftete Pfeil ist, Recht zu geben, mit der Absicht, seine und seiner Freunde *) „Jüdischer Antisemitismus und Arbeiterschaft", Verlag Buchhandlung „Neue Freie Presse". Hagen i. Wests. Preis 2 Mark. Qcdentkei der JüdiBchen JiindetMlfc f werte Persönlichkeit möglichst herauszustreichen. — Würdelos ist eS Einzelpersonen und Parteien, die den Antisemitismus lediglich ihrer dunklen Ziele und Zwecke wegen betreiben, klar zu machen, dass es auch einige anständige — nämlich.„nationaldrutsch" empfindende Juden gäbe, obwohl es richtiger wäre, ihnen entgegenzuhalten, dass es gewiss auch unanständige Glaubensgenossen gäbe, die allerdings mit der Unanständigkeit mancher Pogwmhelden nicht konkurrieren können. Würdelos ist es, Menschen nachzulausen, die schon ein über daS andere Mal deutlich genug erklärt haben» dass sie sich diese „Nachsteigerei" verbäten. Würdelos ist ein solches Verhalten •— und nicht mit Unrecht setzt es Eisfelin Parallele**) mit dem deS Herrn Tlias Horwitz, der in den achtziger Jahren sein Unwesen trieb. Dieser „Auchjude" zog damals als lebendes Beweisstück für die Schlechtigkeit der Juden mit Herrn Hof- und Domprediger Stöcker, dem damaligen Apostel der deutschen Antisemiten, herum. Als in einer Diskussion einmal die Rede von dem anqeblichen besonderen Iudengeruche war***) da stand jener würdevolle Glaubensgenosse auf und sagte wörtlich: „Ja, eS ist wahr, dass alle Juden stinken . Glauben Sie es nicht? Gut, dann riechen Sie doch, wie i ch st i n k e." Das „Israelitische Familienblatt" hat seinerzeit zu diesem kleinen Geschichtchen witzig bemerkt, dass Herr Elias doch immerhin von sich selber sage, dass er stinke, während Herr Dr. Naumann und seine Genossen diese Eigenschaft von den anderen Juden behaupten. Würdelos, das ist die treffend st e Bezeichnung für das Wesen der Naumann- Bewegung Zwecklos! Wie verhält es sich damit? Eisfeld fragt wörtlich: „Ist Herr Dr. Naumann vielleicht ein Märtyrer, der seine Gründung mit dem Makel der Würdelosigkeit belasten lässt, weil ihm die Erreichung eines grossen Zieles vorschwebt, das erdgeborene Menschen nicht so leicht austauchen sehen? — Soll der Zweck die Mittel heiligen?" Tine berechtigte Frage, berechtigt immerhin, wenn ich persönlich auch gestehen muss, dass ich selbst bei Zweckmässigkeit das Mittel der Würdelosigkeit nicht gutheissen würde. Zugegeben jedoch — in diesem Falle wäre das Vorgehen Herrn Dr. Naumanns nicht zu entschuldigen, aber zu verstehen wäre es. Wie verhält es sich also damit? Zweifellos kann Herr Dr. Naumann erreichen, dass bei gowissen, auf den Geldbeutel jüdischer Kreise speku- : litzrenden antisemitischen Parteien Aeine Konzessionen.hm?. ' sichtlich der Iudenftage gemacht werden, vielleicht auch'gär hier und da ein Jude an aussichtsloser Stelle auf die Kandidatenliste gesetzt wird, vielleicht sogar irgend ein führender „nationaldeutscher" Jude ein „Mandat" erhält. Höher geht's nimmer. Das wäre günstigenfalls das, was durch Würdelosigkeit erkauft werden könnte. — Wenig genug im Vergleich zu den ungeheuren Nachteilen, die bald in den Kreis dieser Betrachtung gezogen werden sollen. — Herr Dr. Naumann sieht, wie sich „vom anderen Ufer" ihm Hände entgegenstrecken. O, er ist bescheiden, abnorm bescheiden. — Hohn und Spott aus fast der gesamten rechtsstehenden nationaldenIschen oder deutschnationalen Presse — s o sieht das „Entgegenstrecken der Hände" aus. Dr. Naumanns Anhänger — soweit sie gutgläubig sind — leben in einem folgenschweren Irrtum. Sie sehen und hören täglich, wie sich der Judenhass in rechts¬ **) Ebenso wie seinerzeit das „Israelitische Fam'lienblatt". ***) Man vergleiche hiermit das von französischer Seite aus verbreitete Märchen von dem Gerüche, der von den Deutschen ausströme. gerichteten Kreisen -—und nur in solchen — auStvbt, während die Maffe der Arbeiterschaft — nicht aus Iudenfreundschaft oder — Führerschaft, sondern aus allgemeinen, mit Demokratie und Sozialismus zusammenhängenden Gründen, sich immer noch, gottlob, — der Schmach und Schande deS Jahrhunderts verschliesst. Ohne Rücksicht auf )ie unausbleibliche Gegenwirkung argumentieren sie also: „Da wir nur von rechts her antisemitische Fanfarentöne hören, ist eS doch gar nicht so schwierig, die Bewegung niederzuhalten. Wir werfen uns eben den Leuten, die uns an die Gurgel wollen, mit aller Kraft an den H a l s! Gefährlich und unsinnig zugleich ist eine solche Taktik, wie sie würdelos und zwecklos ist.- Und mit dem Worte „G e f ä h r l i ch" übeischreibt auch Carl Eisfeld das 3. und Schlusskapitel seiner Broschü«e. Er führt ein Zitat aus dem „Handbuch zur Juden» frage" von Theodor Fritsch an: „Die Arbeiterbewegung ist nicht immer frei von antisemitischen Regungen gewesen. Unter vier Augen gesteht dies mancher „Genosse" zu. Hätte der Antisemitismus auf die Arbeiterschaft übergegriffen, so wäre er unwiderstehlich angewachsen." O, die Herren Pogrom- und Boykottantisemiten sind' sich ihrer Schwäche durchaus bewusst. Die Massen fehlen ihnen. Mit allen Künsten und Schlichen suchen sie auf diese einzuwirken. Flugblätter übelster Art, herauSgegeben von dem noch übleren „Schutz- und Trutzbund" und anderen antisemitischen Unternehmungen ähnlichen Kalibers suchen sich den Anschein zu geben, als stammten sie aus Arbeiter- oder gar Sozialistenkreisen. Hier ruft ein „Bergarbeiter" seinen „Arbeitsgenossen" zu. das „Judenjoch"*) abzuschütteln; dort wimmert in beweglichen Tönen eine „sozialistische Arbeiterin" ihre „Arbeitskolleginnen und. Genossinnen" an. aus den „verjudeten sozialistischen Parteien und Gewerkschaften auszutreten. Man kennt auch in den Arbeiterkreisen — und besonders dort — die Schichten sehr gut, aus denen diese Art „arbeitender" Bevölkerung stammt und „benutzt" die betreffenden Flugblätter auch auf entsprechende Weise. Und nun kommen Juden, leibhaftige Juden, wenigstens Menschen, die sich so nennen, und strecken den Antisemiten zu dieser Minierarbeit gegen ihre eigenen Glaubensgenossen die Hände entgegen. Und diese — in den Kram der Antisemiten so recht passende Arbeit wird vom „anderen Ufer" lebhaft begrüßt und mit dem Entgegenstrecken der Hände beantwortet. O. der Antisemit kann auch herablassend sein, er reicht dem ihn so kräftig unterstützenden „nationaldeutschen Juden" übers Wasser hinweg die Hand. So und nicht anders sieht das „Entgegenstrecken der Häüde" aus. Um den Schmähungen einiger zum Teil fürs Narrenhaus, zum Teil fürs Zuchthaus reifer Politiker zu entgehen, und um antisemitischen Parteien „schöne Augen" zu machen, gebärden, sich Herr , HuzrWM ixnd sein. FäMejtt .PqtzWchA. M -er. Pgtzstz deutschnationaler im Parteisinne als die Deutschnationale Partei selbst. Gewiss sollen wir, unbeirrt, nach links so wenig wie nach rechts schielen, aber wir haben es immerhin nicht notwendig, die Masse des Volkes vor den Kopf zu stossen, di« deutsche Arbeiterschaft, die unseren Kampf ums Recht bisher zu dem ihrigen machte, weil sie fühlt, was es heisst, unterdrückt zu sein und weil sie weiß, dass Judentum bisher das Mittel war zum Zwecke politischer Reaktion. Nun, da ein kleiner, aber lauter Teil „nationaldeutscher Juden" ins reaktionäre Lager abschwenkt und am liebsten Arm in Arm mit reaktionären Politikern die Arbeiterschaft in die Schranken fordern möchte, bestebt die Gefahr, dass diese sich zu vergessen bemüht, dass Reaktion und Antisemitismus tatsächlich demselben Boden entstammen. Gefährlich ist alsodie Naumann-Bew e g u n g nach dieser Richtung — und noch nach einer anderen. Liefert sie doch das beste Rüstzeug für jeden Judengegner. *) Man deute an Henckel-Donnersmarck, an Thiele-Winkler, an die anderen „arischen" Grnbenmagnaten. llüötsche Musik. Von Erhard Wechselmann - Breslau. Die Frage, ob es jemals jüdische Musik als Volkskunst gegeben hat, ist bis zum heutigen Tage endgültig noch nicht entschieden. Die bedeutendsten Musiltheoretiker, soweit sie das Vorhandensein rein nationaler Muftk überhaupt anerkennen und „deutsche", „russische" usw. Musik unterscheiden. Riemann und Storek behaupten übereinstimmend, eine »jüdische Muftk* gebe es nicht. Anders Prof. Naumann, der der Musik der Kinder Israels ein besonderes Kapitel seiner Musikgeschichte weiht und der in Uebereinstimmung mit Dr. Ludwig Pohl sagt, dass dir Bedeutung 'der alten jüdischen KultuSmustk darin zu suchen ist, daß das Christentum von ihr die Heiligung gewann, die seine Weisen zeigen. Dass er «ine ausgesprochene, spezifisch jüdisch« Kultusmustk gab. lässt sich an vielen Stellen der Bibel beweisen. So oft der bös« Geist d«S Herrn über Saul fiel, ergriff David die Harfe und Saul ward erauickt. Elisa, als «r vor König Josaphat prophezeien soll, sagt: „Nun aber führt mir einen Harfenspieler her." Als Pharaos Heer im Schtlftneer untevgegaugerr ist, nimmt Mirjam, die Schwester der Aaron, «in« Pank« und nutz wird der gewaltige SiegeSgesana amgestimmt: Lasset uns fingen dem Herrn, Venn glorreich wird er verherrlicht usw. Debora und Bareck stimmen nach SisseraS Fall ein Klagelied an und unter dem donnemven Schall der Posaunen stürzten die Mauern Jericho'-. Aus alledem geht zunächst nur hervor, dass die jüdische Musik rein« Kultusmustk, d. h. M«h^ Religion als Kunst war. Nun aber weiter: Ihr eigentlicher Begründer jedoch war David der Hirtenknabe, dem in der Einsamkeit der Felder di« Poest« und Musik als GefeMn erschienen war. Und diese ganz« Dichtung — infolKdeffen auch die dazu gehörig« Musik — ist angefüllt von lebhaft erschauten Bildern aus der Natur. Ein weiterer V«w«i» dafür, dass die Musik der biblischen Zeitalters nicht Ml Religion, sondern auch Anfang der Kunst war, beweist StrackS Wort: „Hüte dich vor der Sängerin, daß sie dich nicht mit ihren Reizen fange!* Und Jesaia eifett: „Wehe euch, die ihr früh aufsteht, ench der Trunkenheit zu ergeben und spät bis in die Nacht trinkt, daß ihr vom Weine glüht. Harfen, Leiern, Pauken, Flöten und Wein sind aus euren Gelagen!* — ES sind also auch rein weltliche Motive musikalisch dargestellt worden. Natürlich darf man von der damaligen jüdischen Musik nicht solch übertriebene Vorstellungen haben, wie etwa das theologische Zeitalter deS 16.—18. Jahr, hundetts. Für die Vibeleifrigen dieser Epoche war die jüdische Musik geradezu der Urquell aller späteren Kunst! — Fraglich erscheint ferner, ob man di« Juden alS Srsinder einiger Instrumente gelten lasten kann. Zweifellos sind Schosar und Kerem ausgesprochen« Nationalinstrnmente. von denen wir bet andern Kulturvölkern de- Altertums keine Spur finden. Alle anderen Instrument«, die die Inden ge> spielt haben, sind zweifellos von den Aegyptern übernommen. Auch die Harmonie, die Mehrstimmigkeit in unserem Sinne haben die Juden' nicht gekannt, so zahlreich auch die Spielerscharen bei den Tempelsesten sein mochten. Jedenfalls ist aber bisher festgeftellt, daß eS geistliche und weltliche Musik hervorgebracht auf teils selbst erfundenen, teils von den Aeghptern übernommenen Instrumenten gab! Die viel wichtigere Voraussetzung zum Beweis sÜr dar Bestehen einer typisch jüdischen Musik ist daS Vorhandensein des Volksliedes. Denn nur allein das Volkslied bietet die Grundlage zur Entwickelung deS Kunstliedes, zur schaffensfreudigen persönlichen Betätigung deS nationalen Komponisten. Diese Grundlage ist eS, die nach dem Urteil vieler Musiktheorettke, dem Miscken Volle fehlen soll. Sehen wir uns einmal daraufhin unsere gesungenen Gebete an. SS ist bei einem Volke wie dem jüdischen, bei dem die Religion vorbenschend war. natürlich, daß stck dar musikalisch« Empfinden und der Drang, sich musikalisch.zu äußern» auf daS Raheliegendste erstreckt: auf die Gebete. — Bevor ich jedoch auf di« Gesänge im einzelnen eingeh«, ist eS nötig, etwas über die Tonleiter zu sagen. Ieder musikalischen Aeussewng muß eine Tonleiter zugmnd« liegen, d. h. eine gesetzmäßig« I Reihenfolge von Tönen, Intervallen, die die Entfernung eines Tones vom anderen sesthält. Ebenso wie unsere Musik auf 2 Ganz-, 1 Halb-, 3 Ganz- und wieder einem Halbton, d. h. also auf 7 Tönen ausgebaut ist, hat sich die jüdische, wie Naumann annimmt, und wie eS am wahrscheinlichsten ist, von der 4- bis zur 5- und endlich bis zur 7stufigen Tonleiter entwickelt. Letzteres beweist die 7saittge Lvra, für damalige Zeit ein Novum, die bei den Juden mt Gebrauch war. In den Melodien, di« sich auf 4- und östusigeir Tonleitern aufbauen, werden Laute, welch« Halbtöne geben, ansgelassen. Noch heute finden sich solche Melodien oei de« Wilden, bei Indianern, auch in schottischen, irischen und allrussischen Liebem und bei den Chinesen. Bei den letztere» basiert auch die modern« Musik aus der 5- bis Kstuftgen Tonlettcr. Die europäische Musik ist ihnen vollkommen unzugänglich und erklingt dem Ohre deS Chinesen überaus misslautend. — Die sünsstustge Tonleiter hat sich auch bei den Juden in vielen Melodien erhalten. Deutlich ist sie in den Rezitativen zu erkennen, in denen die „Hawdolo", „Haftoro*. „Kidusch", „Jemoro" und Tchilim" gelesen werden. DieS Leivetst deutlich das hohe Aller jüdische, Musik und im Lasonderen dieser Melodien. Die meisten Mettmale deS altjüdischen Liedes hat der geistliche Gesang anszuweisen. Bon den synagogalen Melodien mit ihrer rührenden Einfachheit und charakteristischen, musikalischen Originalität, weht ein Hauch grauen Alters. Die Wucht der Melodie, die Tiefe der Musik und ibre Fonnschönheit zeichnen Gesänge wie .Kol nidre*, „Kadisch*. „Olenn" und „Mehakohanim* auS. FeitS, der bekannte Gelehrte und Autor des klassischen Wette- „Allgemeine Musikgeschichte", sagt, daß in dem traditionellen Svuagogalgesange und in den Rezitativen Spuren althebräischen Gesanges geblieben sind. (Fetts, Hisioire generale de la musigne, I p. 468, 474 bis 475.) Diese Gesänge ftafe von Kantoren und Komponisten gesammelt und zum Teil elbständig bearbeitet worden. Ich nenne hier: Salzer, LewandowSky, Waintraub, Nomberg, NowakowSky, RofodowSky u. a. m. (Schluß folgt.)! i