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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-02-10 · 6 (10.2.1922) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
6 (10.2.1922)
Date
1922-02-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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tn orwctt Fällen um so schwEger, als \a unser gegenwärtiges Wirtschaftsleben überhaupt so schwer erschüttert ist, bah dessen Neugestaltung nur mutmaßlich und auf keinem Gebiete auch nur mit einiger Wahrscheinlichkeit sich voraussehen und beurteilen läßt. In Erkenntnis dieser Tatsache hat schon wAhrend deS Krieges in Deutschland eine Bewegung um sich gegriffen, die in indischen Kreisen bedauerlicherweise nur wenig Beachtung gefunden hat. Ich meine die S i e d e l u n g s- Lewegungzu gunstendek ehemaligen Kriegsteilnehmer. Ueber diese selbst braucht hier nicht ausführlich gesvrochen zu werden, da deren Zweck und Ziel, nämlich allen Kriegsteilnehmern, deren wirtschaftliche Verhältnisse gesichert werden fottcn, eine Heimstätte zu bieten, auf der sie U nach Maßgabe ihrer^Eignung ihren Lebensunterhalt gewinnen können. Der „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden". — kurzweg „Bodenkulturverein" genannt — hat dieser Sicdluiigsbewegung von Anbeginn an seine vollste Aufmerksamkeit zugewandt, um gegebenen Falles nach nachahmenswerten Vorbildern auch für jüdische Krieger eine Diedelung zu schaffen. Indessen fanden die mehrfachen Anregungen weder beim jüdischen Publikum, noch bei den ehemaligen Krieaern so viel Beachtung, um eventuell eine jüdische ländliche Siedelung ins Leben zu -rufen. wozu ja auch so bedeutende Mittel erforderlich wären, wie sic nur durch große Beteiligung der Juden aufgebracht werden können. Wohl wendete sich eine Anzahl jüdischer Krieger an den Bodenkulturverein mit dem Punsche, durch dessen Hilfe eine landwirtschaftliche oder gärtnerische Vorbildung zu erlangen.. Da der Bodenkutturverein aber keine eigene Lehranstalt besah, vielmehr seine Zöglinge an das von ihm reichlich subventionierte Land- und Lchrgut Steinborst in Hannover verweisen mußte, überdies auch seine Hauptaufgabe, nur junge Leute für den Landtvirtschaftsberuf auszubilden, voranstellen mußte, so konnte der Gedanke, eine ländliche Siedelung für ehemalige jüdische Kriegsteilnehmer m gründen, nicht verwirklicht werden. Da nun gher in absehbarer Zeit der Bodenkultur- Verein ganz nahe bei Berlin eine Landwirtschafts-und Gärtneveischule zu eröffnen gedenkt, so könnte einer vorläufig kleinen Zahl von Personen, die sich dem einen der beiden Berufe widmen wollen, hierzu Gelegenheit geboten werden. Dies sei hier heute nur mitgeteilt, für den Fall durchaus geeignete Erwachsene Lehraeleaenheit dafür suchen. Der Gedanke, als Bauer oder Gärtner dereinst sein Leben zu gestalten und sein Brot zu finden, mag für manchen neu und überraschend sein. In icbcnt Falle aber muß dieser Gedanke sehr wohl, sehr gründlich und schr ernstlich erwogen werden, ehe er zum Entschluß wird. Die Freude und Liebe zur Natur allein tut's nicht. Zwischen Saat und Ernte lieaen schwere Arbeit, Schweiß und Mühe, Hingebung und Ausdauer — und, nicht zuletzt, reale Mittel. Wer nun glaubt, diese Eignung zu besitzen, und wer als Städter und gar als Großstädter überzeugt ist. auf die mannigfachen Reize des Stadtlebens verzichten zu können, um am Busen der Natur ein einfaches, friedvolles, aber arbeitschweres Dasein zu führen, der, aber auch nur der, möge diesen Berns ergreifen. Zue Geschichte -er posener Ju-en uuö ihres Schulwesens von 1793—1848. Bon Professor Dr. ®. Peiser. „Die Geschichte", sagt Friedrich der Große, „ist das Brevier der Fürsten". Heute, wo jeder Erwachsene berechtigt und verpflichtet ist, an der Entwickelung seines Staates mitzuarbeitcn, ist ihre Kenntnis für jedermann, der es mit seiner politischen Aufgabe ernst nimmt, eine gebieterische Notwendigkeit. Ein Rückblick auf die Geschichte der Posener Juden, insbesondere ihres Schulwesens in den ersten 50 Jahren seit der zweiten Teilung Polens, dürfte daher in einer Zeit, wo die Frage nach der künftigen Ge- Qedenitet 4er JAdluAen KinderMlfef staltung der Schulen der Juden wieder im Vordergründe des Interesses steht, die Beachtung weiter Kreise verdienen. Nachdem Professor Bloch diesen Gegenstand in einem lichtvollen Abschnitte des Sammelwerkes: Das Jahr 1793, teilweise behandelt, Geheimrat Warschauer ihm eine alle Vorzüge seiner Forschungsmethode vereinigende Abhandlung (Erziehung der Juden in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen) gewidmet und Moritz Iaffe in seiner vortrefflichen Darstellung der Geschichte der Stadt Posen unter preußischer Herrschaft, diese Frage wiederholt gestreift hat. habe ich die Akten des Posener Staatsarchivs nochmals eingesehen und gebe in folgendem die Resultate dieser Untersuchungen wieder: Durch die zweite und dritte Teilung Polens war eine sehr große Anzahl Juden an den preußischen Staat gekommen. Sie wurde von der Regierung — freilich wohl zu hoch — auf ein Achtel der Gesamkbevölkemng der neuen Provinzen. Südpreußen und Neu-Ostprenßen, geschätzt. Ihre Lage war eine überaus trostlose. In engen Iudenvierteln zusammengepfercht, waren sie auch durch die Unsitte zu früher Eheschließung oft körperlich verkümmert. Eine gewaltige Schuldenlast, die besonders während der Unruhen der letzten Jahrzehnte ausgenommen war, bedrückte die jüdischen Gemeinden, und jedes einzelne Gemeindemitglied haftete aus Grund eines unseligen Gesetzes für die Schuld der Gesamtheit. Bon allen Aemtern und vielen bürgerlichen Gewerben ausgeschlossen, fristete eine überaus große Anzahl ihr kümmerliches Dasein durch Schacher und Hausierhandel. Die Rabbiner übten vielfach einen unerträglichen Gewissenszwang aus, indem sie diejenigen, welche rituelle oder religiöse Vorschriften verletzten, durch Verhängung des aroßen oder kleinen Bannes, durch Versagen des Ostermehles oder des geschachteten Fleisches bestraften. Da allein die talmudische Gelehrsamkeit in Ehren stand, wurde nur sie in den Schulen gepflegt. Selbst in den Elementarschulen war der Talmud das Lehrziel. Die neue Regierung ließ sich durch den jammervollen Zustand, in dem sich die große Masse der Juden vorfand, nicht entmutigen. Getreu ihrer Verheißung, ..die Glückseligkeit der neuen Untertanen fördern zu wollen", trat sie auch an die jüdische Bevölkerung mit dem Bestreben, ihre Lage zu bessern und mit unverkennbarem Wohlwollen heran. Als der Berliner Synagogenvorstand sich an den Grafen Hoym, der nach dem Minister von Boß das Organisationswerk in den neuen Provinzen leitete und sich bereits in Schlesien die dankbare Zuneigung der Juden erworben hatte, mit der Bitte wandtedahin wirken zu wollen^ daß das Schicksal der Juden unter dem neuen Regiment ein Segen für sie werde, antwortete er, es werde ihm ein „wahres Vergnügen sein", zum Wohlstand der Juden beitragen zu können. Die neue Verwaltung ging dabei von der wohlwollenden Annahme aus. daß der Jude, wie der Minister von Boß am 21. Januar 1794 dem Oberpräsidenten von Südpreußen, von Buagenhagen, schrieb, „im ganzen genonimen der Jude in Südpreußen ein kultivierterer Mensch als der Bürger in kleinen Stödten und der Bauer auf dem platten Lande" sei. Graf Hohm kam infolgedessen in seiner Eingabe an den König vom 23. Mai 1795 zu folgendem Ergebnis: „Südpveußen ist noch nicht in der Verfassung, daß es der arbeitenden jüdischen Hände entbehren kann, sondern es werden noch viele Jahre hingehen. ehe die christlichen Einwohner an Arbeitsamkeit und spleiß aewöhnt. sich den Geschäften widmen werden, indem bekanntermaßen die Juden nickt nur alldort den Handel ä la grofsa und ä la rninuta fast einzig und allein auf die alleruneingeschränkteste Art treiben, sondern an den mchresten Orten oft die einzigen Handwerker sind, Ackerbau und Viehzucht treiben und sich als Lagelichner, Handarbeiter unfc Fährleute gebrauchen lassen." .Er schloß seinen Bericht mit einer Forderung, die zeigt, wie weil er in seiner menschenfreundlichen Gesinnung den meisten seiner Zeitgenossen vorausgeeilt war: „Ich glaube, daß, um diese Leute zu glücklichen und besseren Gliedern der bürgerlichen Gesellschaft zu machen, sie vollkommen gleiche Rechte-mit allen übrigen Untertanen erhalten müßten." Ehe die neue Regierung jedoch daran ging, die Verhältnisse der Juden auf eine neue Grundlage zu stellen, begann sie. sich durch eingehende Berichte, die sie einforderte, über alle einschlägigen Fragen zu orientieren. Die Akten des Warschauer Archivs logen davon ein sehr beredtes Zeugnis ab. Nur in einigen Punkten begann sie sofort eine reformatorische Tätigkeit. Sie schränkte die frühe Eheschließung ein und öffnete die Tore der Iudenviertel — natürlich nicht, ohne mannigfache Opposition zu finden. Der Posener Magistrat zum Beispiel setzte den Reskripten der Regierung passiven Widerstand entgegen: er mußte sich von der Kriegs- und Domänenkammer belehren lassen: „Eine vernünftige und gesetzesmäßige Toleranz gegen die Einwohner dieser Religion zu beobachten, ist Menschenpslicht." Die gleiche Gesinnung zeigte die Kammer den vielfachen Bemühungen der Posener christlichen Kaufmannschaft gegenüber, die lästige Konkurrenz der Juden zu beschränken und ihnen den Warentransport auf der Warthe zu untersagen. Graf Hoym entschied, daß „die Ausschließung eines Teiles der Einwohner deS Staates von der öffentlichen Benutzung eines Flusses" unstatthaft sei. Erst 1797 waren die Vorarbeiten für die Neuregelung der Verhältnisse der Juden beendet; am 17. April dieses Jahres wurde „das General-Iudenreglement für Süd- und Neu-Ostvreußen" in deutscher und polnischer Sprache publiziert. Das umfangreiche Gesetz — es umfaßt in dem Regierungsblatt nicht weniger als 60 Seiten — geht freilich nicht so weit, wie Graf Hoym in seinem Bericht vom Mai 1795 gewünscht hatte, aber es atmet durchaus den Geist des durch — nicht irmner sanfte — Gewalt erziehenden. aufaeklärten Despotismus der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Die Erlaubnis der Eheschließung wurde an die Zurücklegung des 25. Lebensiah res und den Nachweis eines gewissen Vermögens geknüpft, die Bestimmung. daß alle Gemeindemitglioder solidarisch für die Schulden der Gemeinde bastbar seien, aufgehoben und der Weg zur Ablösung der Gemeindeschulden gewiesen. Vom Hausiechandel und Schacher wurden sie, soviel nur möglich, abgedrängt und auf kaufmännischen Handel, auf Künste und Handioerke, Ackerbau und Viehzucht, Fuhrwerk und Handarbeit im Lohn verwiesen. Die freie Ansübuna ihrer Religion wurde den Juden feierlich garantiert und die Stellung der Rabbiner und der übrigen jüdischen Kultusbeamten von Grund aus rändert. Das General-Iudenreglement verkündete, daß sich fortan .als landesherrliche Beamte gelten, von der Kammer ein- - gesetzt und aus einer öffentlichen KaffeZbesoldet Mrden sollten. Wurde dadurch auch die völlig freie Rabbinerwahl ccheblich eingeschränkt, so mußte die Ausführung dieser Anordnung zunächst unzweifelhaft eine wesentliche Hebung dieses Standes herbeisühren. Zugleich aber nahm sich die Regierung auch der Gemeindenntglieder gegen jeden geistlichen Zwang an.. Ei wurde den Rabbinern bei hoher Geldstraie, im Wiederholungsfälle sogar unter Androhung der Ausweisung aus den: Lande, verboten, gegen ihre Glaubensgenossen irgendwelche Gerichtsbarkeit auszuüben und geistliche Zensuren zu verhängen. „In Ritual- und Kirchendisziplinsachen", hieß es in dem Reglement, „soll kein Jude, der für sich und in feiner Wohnung gegen Glaubens- und Zeremonialsatzungen etwas tut oder unterläßt, darüber angefochten und mit Kirchenzensnr oder Strafen belegt werden, sondern sein Tun und Lassen hierin muß eines jeden eignen Einsichten und Gewissen anheimgestellt bleiben." Bor altem aber wurde in der Erkenntnis, daß hker besonders der Hebel für die oeistiae und sittliche Hebung Lüge -es Frühlings. Novelle von Ludwig Davidfohn. Wollahn, den ... April 19 ... Mein lieber, gitter Junge! Es tut mir sehr leid, daß Du im Staatsexamen durchgefallen bist. Aber ich habe das vovausgeahut. Wer fo. wie Du, immer versonnen und an irgend eine Dichtung denkend durch das Leben geht, wird es nie zu etwas bringen. Damals, als ich mit Dir zusammen wohnte und studierte, habe ich Dir oft genuggeraten, Dich mehr mit der Medizin, als mit der Poesie und Philosophie zu beschäftigen. — Nun, als Du bei mir warst, bist Du schließlich zuletzt ganz fleißig oewesen, und Dein erstes Examen hast Du ja ganz gut bestanden. Das ist aber nun Jahre her, und seitdem wir nicht mehr beisammen sind, scheinst Du ein vollkommener Träumer geworden zu sein. — Ich möchte Dir jedoch kein« Vorwürfe machen, denn ich habe ein« etwas seltsame Welt, anschauung: ich glaube nämlich, es kommt alles so, wie «8 kommen muß, und Meniand ist an seinem Schicksal schuld. Vergiß nicht, Walter, daß Du ein Jude bist. Wir Juden haben die doppelte Verpflichtung, tüchtig zu sein und mit beiden Füßen im wirklichen Leben zu stehen. Wir haben zu viel Feinde! Jeder Fehler eines einzelnen von uns wird immer gleich der Gesamtheit zur Last ae. legt, und deshalb hat;eder einzelne die heilige Pflicht, sein Leben fo zu führen, daß niemand ihn verspotten oder belächeln kann. Run will ich Dir aber auch ratest, was Du machen sollst: komm wieder zu mir. in unsere Heimat! — Sag mal, hast Du denn in den ganzen Jahren, in denen Du nicht hier warst, keine Sehnsucht nach Wollahn gehabt? Bei jedem Baum, jedem HauS, jedem Weg am Strande, grüßt Dich hier eine Jugenderinnernng. Und Wollahn wird sich bald wieder in ein Paradies verwandeln. Die Weiden unten an der Dünenpromenade haben längst silberne Kätzchen, und der alte Lotse Brink» mann, der allerdings feil Jahren pensioniett ist, sängt schon an, mit der Pfeife im Munde aus der Hasenmauer an der Mole aus und ab zu spazieren, und das ist ein untrügliches Zeichen, daß es bald Frühling wird. — Neulich waren hier schon säst warme Tage, die See war korn'blmnen'blau, und als ich durch dm Strandpark ging, sah ich, wie lmchtend schon der hellorüne Schimmer war, der aus dm Bäumen und Sträuckem lag. — Tr. Meerwart'h lud mich sogar vorgestern schon zu einer „Frühlingsfa!hrt" nach Rendemünde mit seinem Motorboot ein. Nun, dazu hatte ich kein« Zeit, denn seitdem ich dirigierende Arzt des neuen Wollahner Hospitals bin, habe ich viel zu tun. Das Krankenhaus ist aN der Stelle gebaut, wo ftüber das alte, baufällige Lotsenhaus und die RettungSfiatton standen, im Park, nicht weit vom Strande, nur wenige Minuten von der Mole entfernt. Es steht etwas hoch, fodaß man von allen Fenstern der Front das Meer sehen kann. Hier ist so manches anders geworden: «in schmuckes Lotsenhaus, ein neuer Leuchtturm, ein großes S-urmwarnungszetchen sind neben dem Hafen errichtet worden. Eine ganz neu« Vtllenkolonie bat sich im Osten Wollabns gebildet. Der Seesteg wird renoviert und tag. täglich hämmern die Arbeiter an ihm herum. Wollahn vevgrößk-tt sich zusehends.- Walter. Walter, hast Du gar keine Sehnsucht nach unsrer Heimat? — Wieviel Jabre sind es her, daß Du zum le^en Male das Meer gesehen hast, das herrliche, weite Mer? — Komm zu mir! Bleib «in Jahr hier, oder länger; Du kannst mir hier oft helfen, und ich will mit Dir lernen und schon dafür soraeN, daß Du nicht zum zweiten Male im Examen durchfällst. — Ich habe eine schöne, große Dienstwohnung im Hospital; im Erkerzimmer — von dort stehst Du di« See — sollst Du wohnen! Wann kann ich Dich erwarten? ES grüßt Dich Dein alter Freund Hans H o l tz. * Walter saß frühmorgens in seinem Zimmer ln Berlin und starrte zum Fenster aus das schmutzige, mßiae Dach eines Schuppenhinaus. Draußen war eS trüb und regnerisch. Sine dumpfe Schwer« lag ihm im Kopf. Eben war er von einem weiten Wege zurückgekommen; er hatte die Nacht nicht schlafen können und war, bevor der Morgen dämmette, ausgestanden und. planlos in den Straßen der Großstadt herumgelausen. Sein Gesicht war blaß und überarbeitet, seine Bewegungen müde und langsam.- Und es war ein seltsames Zusammentreffen: sein Blick fiel auf ein Bild vom Wvllabrier Strande, daS im Zimmer hing, und er darbte an die kleine Stadt an der Ostsee, in der er geboren und ausgewachsen war, er dachte an das Meer und seine ewige Schönheit, und er dachte an Hans, seinen einzigen Freund, der in der Heimat als Arzt bereits eine geachtete Stellung einnahm. — Er sann und sann. — Da beachte ihm der Briefträger das Schreiben von Hans, und Walter packte seine Sachen, verhandelte wegen Aufgabe seines Zimmers und reiste ab. — Grübelnd jaß er im rüttelnden Eisenbahnwagen, der ihn nach Norden fübtte. — Er sah hinaus aus die draußen aus und nieder gleitewden Telegraphendrähte, auf die grünenden Felder und Wiesen, auf di« spiegelnden Scen und Teiche, an denen er rrüberslog. ,. Der Himmel war blaßblan und die Sonne töten schon mz wann. In dem rhythmischen Stampfen des Zuge? aubte «r den sich immer wiederholenden Schlußsatz einer ielodi« zu hören, und er dachte nach, wo er diese einmal rbött batte: aber soviel er auch sann und suchte, — er nd es nicht. „ „ Er versuchte zu lesen, — die Buchstaben tanzten vor inen Auren. — Er blickte z'»m Fenster hinaus: der Zug sauste gerade n einer E hausier vorüber, hinter der heruntergelasienen »chranke standen zwei kleine, weißaekleidete Mädchen, die lstig winkten. Das Sonnenlicht svielte in ihren blonden aaren, — vorüber war das liebliche Bild und dunkle Tan- Walter verhütte Schmerzen im Kopse, das Dröhnen und Rütteln deS Zuges taten ihm weh. — Er versuchte wieder zu le^en. aber vergebens. — Ein« seltsame Sehnsucht hatte ihn seit Tagen ergriffen. Je näher der Zug ihn seiner Heimat entgegentrug, desto intensiver dachte er an sie. Wie wird es dott aussehen? Ob sich dort viel ver« änldett haben wird? ... Sind die Gräber der Eltem gut erhalten?... Wer von den vielen Menschen, die er dort kennt, sind noch am Leben, wen wird er nicht mehr Wiedersehen?

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