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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-01-20 · 3 (20.1.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
3 (20.1.1922)
Date
1922-01-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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von Natm geseMchaWKen Gefühlen vvkÄlem zug-ngüch sei. Diese sozimen Gefühle, auf denen die Vötterrechttlehre seit GrotiuS sich aufbaute, haben die BelastungSprobe des Weltkrieges sehr schlecht bestanden: die Papiermoral ist an Stelle der Goldmoral äußerst rasch und fast überall eingezogen. Auch Lockes Vernunfttheorie, die bei Leibniz zur prostäbilierten Harmonie wurde und in der liberalen Theorie durch freies Spiel der Kräfte die Selbstdurchsetzung des Rechts erstrebte, zerbricht an der Erfahrungstatsache, daß die Böller nicht durch Logik, nur durch Mystik ihre Triebe bändigen lassen. Nur die Entwicklungslehre, wie sie von Comte und Spencer begründet ist, die an den Anfang das Raubtier und an- Ende den durch trübe Erfahrungen gereiften zivilisierten Menschen setzt, vom Egoismus zur Solidarität fortschreitet, wird dem geschichtlichen Werden gerecht. Wenn jetzt die Angst des im Golde erstickenden König Midas, da- Arveitslosigkeitsgespenst, die Siegerländer zum Durchdenken der Bölkerbundidee führt, so ist einige Hoffnung, daß in Washington doch noch etwas Besseres, als bas Genfer Zerrbild, zustande kommt. Die Lösung der jahrhundertealten Jrlandfrage, das Pazifikabkommen sind einigermaßen günstige Vorzeichen dafür. In diesem Lichte des Ausgleichs habe, wie Kant, auch das Judentum die Dinge immer gesehen, und es sei deshalb kein Zufall, daß prophetische und warnende Worte in schicksalsvollen Augenblicken gerade von jüdischer Seite — Redner erinnerte an Johann Jaeoby. Ballm, Rathenau — gesprochen worden sind oder daß die klugen Herrscher Englands zurzeit einem Juden (Lord Reading) ÄS Vizekönig die schwierige Aufgabe der Versöhnung Indiens anvertraut haben. Hilfe für Waise« und verwahrloste Kinder. In Wolhynien, Polen und Mittel-Lftauen befinden sich mehr als 30 000 jüdische Waisenkinder, die ihre Eltern im Kriege oder während der Pogrome verloren haben, und eine ungefähr gleiche Anzahl von verwahrlosten Kindern, die j^er Aufsicht entbehren. Besonders ernst ist die Lage der Kinder nn Alter von 12—-16 Jahren, die dank der demoralisierenden Wirkung ihrer Umgebung sich mit verschiedenen ungesunden und ihre weitere Entwickelung gefährdeichen Beschäftigungen abgäben, wie j. B. Straßenhandel. Spekulationen. Kontrebandc und manchmal auch Prostitution. Die Zahl dieser Kinderkategorie erreicht 10—12 Tausend. Die Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden des frühe«« Russischen Reiches. „ORT", hat in einer Reihe von Städten Handwerkerschulen und Lehrwerkstätten für diese Kinderkategorie eröffnet: die besonders Noibcdürftigen unter ihnen werden dort auch verpflegt mch mft allem Notwendigen versorgt. 4Exekutivkonütee der jüdischen BKlthilfskonftreNz Gesellschaft ,,'OÄT" zlvecks Unierstutzüng' ihrer Lehrwerkstätten, ^hauptsächlich für die Pogromwaisen in Wolhynien, vorläufig 20 000 Frank zugewiesen. Breslau. Die Teichmannbaude. Ter Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens teilt mit: Das Berghotel Teichlmannlbaude macht bei der Aufnahme seiner Gäste merkwürdige Unterschiede. Nach einem uns vorliegenden Schristlvechsel hat der Besitzer auf die Anfrage eines Herrn Lewinson, ob er für Mitte Februar ein Zimmer erhalten könne, keinen Bescheid erteilt. Auf die Bitte, ihm doch wenigstens Antwort zukomuren zu lassen, erhielt er eine in wenig freundlichem Tone gehaltene Karte nüt einer Absage und dem Bemerk-.'u. das,, wenn jedem, der auf Quartier nicht rechnen mm, «W ift «M kks ds kch iö m 25 Mark Unkosten verursachen würde. Darauf veranlagte Herr L. einen chm befreundeten, ebenfalls jüdischen Herrn William Seeler. für dieselbe Zeit sein Glück bei der Teichmannbaude zu versuchen. Prompt traf folgende Antwort ein: „Bezugnehmend auf Ihre geschätzte Anfrage teilen wir Ihnen ergebenst mit. daß wir Lei rechtzeitiger Bestellung noch in der Lage sind, von Mitte Februar an, etwa 16. oder 17., Zimmer frei zu halten. Bis zu dieser Zeit ist unser Haus fest vermietet." Als der Zentralverein vor einiger Zeit den Besitzer der Teichmannbaude onfragte, ob sein Hotel antisemitisch sei. verwahrte sich der Besitzer dagegen und bemerkte, daß in seinem Hause sehr viel jüdische Gäste, wie Kommerzienrat Mamroth-Berlin, Kommerzienrat Schlesinger-Berlin, Kommerzienrat Dr. Gottstein-Berlin, Bankier Rothschild- Berlin und viele andere wohnten, deren Besuch er sich wahrscheinlich ebenso wie den vieler christlicher Gäste verscherzen würde, wenn er nicht in der Wahl seiner Gaste sehr vorsichtig sei. DaS Ergebnis ist also: daß der Besitzer der Teichmannbaude von Juden nur Kommerzien- und vielleicht auch sonstige Räte aufnimmt, dagegen andersgläubige Gaste (oder solche, deren Namen nicht jüdisch klingen), ohne besondere Anforderungen an diese zu stellen. Das Weitere dürfte sich jür jeden Juden von Ehrgefühl von selbst ergeben. Der Anteil der Jude» an der deutschen Dichtung der Gegenwart. »Zur Eröffnung des muen Halbsemesterr an der jüdischen Volkshochschule.) Vortrag von Julius Bab. Das Thema, das am 15. d.Mts. ein« leider nur kleine Gemeinde in der Lessingloge beschäftigte, gebürt — wie der Redner ausführte — mit zu den brennendsten Tagesinieressen. Merkwürdigerweise wird es ausschließlich von Leuten diskutiert, für die es eigentlich nicht «Mieren dürste. Wenn man rrämlich aus rafsmihecretischem Standpunkt steht — wie die Zionisten und Antisemiten — dann kann es keinen jüdischen Anteil an deutscher Literatur geben. Huldigt man umgekehrt dem ertremen liberalen Dogma, daß der menschliche Geist unabhängig von isdem äußeren Einfluß arbeitet, dann ist es unmöglich nackzuweisen. ob ein Werk von jüdischer oder irgend welcher andern Seile stammt. Tatsächlich findet aber keine Theorie im wirklichen Leben ihr« einwands-- sreie Bestätigung. IleberaN arbeiten tm Geistesleben entgegenresetzts Kräfte ineinander uud durckdriNgen einander. Rur für den. der an dieses Dmchdringen glaubt, kann es eine Frage geben von der An, wie sie das Thema enthält. Die populärste Stellung au ihr wird durch die Anschauung charakterisiert: die ganze deutsche Literatur ist verjndet. Wie steht es um dir Wahrheit dieser Behauptung? Um ft« nachzuprüfen, ist es zunächst nötig, zwei Begriffe sestzulegen: Was ist Literatur? Was ist Diung? Beide unterscheiden sich durch ganz verschiedene Tiefendimension. Die Literatur ist jenes weite Reich, in dem menschliches Arbeiten und Denken irgendwie durch Schriftzeichen zum Ausdruck kommt. (55 würde also alles Schaffen in belletristischer oder wissenschaftlicher Form upifaffen, letzten Endes mich dt- Zeitütztzm. Dem gegemOer Led?Nt«t die Hich- Eg' btti'ie irgstemAretS 'fchtiftliiAr, gelsNM MsäMiZ. Hier dienen die Worte nicht dazu, um ein praktisches Ziel zu erreichen', sondern st« stnd die Zaubermittel für den Dichter, wie es die Farben für den Maler, wie «8 die Töne für den Musiker sind. Sie sollen in unS die Gefühle erwecken, die im Dichter leben. Sie sollen unsere Erfahrung, unsere Erinnerung, unsere Phantasie in Bewegung versetzen. Damit ist dem Dichter ein Pertrautftin mit der Sprache seines Landes, ein in ihr und mit ihr Verschmol-ensein zur Bedingung gestellt, wie es vom rassentheoretiscken Standpunkt dem Juden in Bezug auf di« deutsche Sprache unerreichbar ist. (Es sei im voraus vertaten, daß auch der Redner im Verlaufe seiner Ausführungen sich zum Vertreter dieser Anschauung bekennt mit der Einschränkung daß «8 wenigstens bisber noch keinem Dichter von jüdischer Abstammung gelungen ist, diesen Grad von Vertrautheit mit der deutschen Sprache zu erreichen.) Jür uns handelt es sich um keine der eben definierten Begriffe, sondern um ein Mittelding: mn die Dichtung und die Sphäre, die sie umgibt, die von ihr kommt, die zu ibr fiihrt, wie der Hof eines Mondes. Hier spielen die Juden unleirabar «in« große Rolle in den verschiedensten Termen des Venntttlers, und «8 fragt sich nun: 1. Welche Wette fördern sie dabei, 2. In welcher Art Wicken sie hier? Die eiste Form des literarischen Vermittlerist der U e b e ks e tz e r. Bon welcher Bedeutung für die Literatur feine Beschäftigung ist. mögen Beispiel« beweisen wie: Voß (Horner), Schlegel (.Shakespeare). Gerade Juden haben in letzter Zeit aus diesem Gebiete Bedeutendes geleistet und durch ihr« Arbeit z. B. die gesamte russische Literatur (Tolstoi) dem Deutschen zugänglich gemacht. Engländer (Shaw, Wilde) sind von Juden übersetzt worden, französische Lvriker von Stephan Zweig, Julius Elias hat die Dramen Ibsens bearbeitet. Hierzu würden auch Wecke gehören wie: Gundols, „Shakespeare und der deutsch« Geist", Fulda „Moliere" (Gundolf und Fulda sind Juden). Die Arbeit des Ueberse^erS besieht darin, sich in fremde Phantasie hineinzuleben, und sie in deutsche zu übertragen. Der Kritiker, eine zweite literattsche Vermittlersorm. arbeitet in anderer Weise. Seine Aufgabe besteht nicht darin zu urteilen, ob ein Weck gut oder schlecht ist, sondern er analvsiert sein Erlebnis wissenschaftlich und nähert es auf diesem Weg« den andern. Als bedeutender jüdischer Kritiker ist zu nennen: Fritz Mavthner (Alfred Kerr wurde merkwürdigerweise nicht erwähnt). Der Verleger ist die dttti« Vermittlersorm. Er ist nickt bloß Geschäftsmann, sondern hat «ine Stellung von hoher Verantwottltchkeit. Die Behauptung, daß der Verlagsbuckhandel zum großen Teil in jüdischen Händen lieg«, ist falsch. Es Sibt nur einen großen Mischen Verlag: Fischer in Berlin, lettenendlich gehört zum literarischen Verntttilungswesen das Theater. Auch hier herrscht die Anschauung, es sei verjudet. Tatsächlich aber hat bis vor kurzer Zeit die Leitung der Thetter in den .Händen des Staaies oder der Städte gelegen, die sie selbstverständlich prinziviell nicht an Juden gab. Daneben bestanden Privattheater, von Juden geleitet, und wenn diese der Pdvsiognomie des Theaters ihr Gevräge gegeben haben, so kann es sich nur wn berufene Begabung bandeln, die eben hier dem Juden zweil geworden war. Daß sie diese Begabung nickt mißbraucht Kaden, beweisen die bereits erwähnten Beispiele. Goeibcs Einfluß auf die Romantik ist von Radel Varnbagen und i drein Kreis zuerst erkannt. gewürdigt und verbreitet worden. — Hebbel wurde zu srinm Lebzeiten hauvtsäcklick von Juden unterstützt. Richard Wagner v-rdankt seine Durchsetzung — leider Gottes und Gott fei Dans'. — auck Juden. — Liliencron wurde von jüdischen Literaten gefördert. Alle diese Beispiele beweisen, daß die Juden überall deutsche Wert« g-rsördert. deutschen Werten zum Durchbruch verholten haben. Gleichzeitig aber zeigen sie die Hinfälligkeit der Behauptung, daß die deutsche Literatur verirrdet sei, besonders, wenn man noch die Namen ansübtt: Debmel. George, Hauptmann, di« Prüder Mann. Wedettnd. Eubenberg nsw. Sie alle sind und waren keine Juden, ü« sind es aber, di« entscheidende. Generationen kennzeichnende aüerte in der Dick tu na geschaffen baden. Der Jude in der deutschen Dichtung ist eine seltene Erscheinung, va? beweisen gerade die Ausnahmen: die Weck« Hofmannsthal'S, Wassermann's. Scknitzler's sind nickt ursprünglich, sondern nachemvfnndm. wenn auck wunderbar fein, sind - Plagiate als Kunstwerk. Die Werk- Wersel's. El'e Las'c'--Schüler's sind entstanden im Zusammenhang mit den Sängern des alten Testaments. — Der Jude ist wenig stack in der Produktion, ftbr statt in der Vermittlung der dickteckscken Werte. So war es bisher, so muß es nicht bleib« u. Es kann sich in literarischen Dingen nicht um Pravbezttungen bandeln. Hier sind Kräfte am Wecke, die wir nickt zu er, kennen vermögen. Ernennen aber müssen wir. daß diese Kräst» lo wunderbar miteinander vecknüvft ünd, Saft wir uns hüten müsien. sie durch einen tbeoretisierenden Macktspruch unseres Verstandes vereinfachen ui wollen. — Mit dieser Warnung entließ der Redner seine Zuhörer.-— Gs gibt also kein« deutschen Dichter jüdischer Abstammung? Und bloß damit die deutsche Dichtung nur ja nicht „verjudet" sei?! Arme deutsche Dichtung! Md. Ml. B. Fvorder.... Vereine and Versammlungen. Kurt Blnmenfeld: ..Die Juden als Schöpfer einer «enen Wirtschaft in Palästina". Mozartsaal. Der bekannte äionistenführer Kurt Blumeufeld widmet« kürzlich einen Vortrag den AnSwandercr-Juden und deren De-töhims zur palästinensischen Wittschastslag«. Er ging von der schon pielbesprockenen Tatsache aus. daß insbesonderdrr Ostjude überall Just zu fassen versiebt. Natürlich dort, wo Meusckemngsien sind: also in Städten. Der Jude bedient sich hierbei keiner crußerordenilick stark ausgeprägten Kom'binationSfähigkeit. Er spürt den Platz aus, auf dem er fehlt. Er bat, wie Blnmenseld sagt, „den rechten Rircker". Am meisten leistet er als Leiier. Ein Jude, der als HandlungStzchilfe unsätzig ist, wäre vielleicht ein Chef mit ben'orrageuden kaufmännischen Ideen, deren ein« allein mehr wert ist. als die qelamte Lebensarbeit des Handlrmgsgebtlsen. Er verstoßt es auch, sich znm Ebel zu macken. Er rechnet mit der bisher getanen grundlegenden Arbeit und teilt nur ein. Aber in der Art des Einteilens liegt sein Wett. Er ist Organisator. Rur aus dieser Tatsache bauen wolle, unv sie begehrte, dast die Hochzeit gerichtet wurde, so schritten sie unter den Baldachin, der Bauer und di« Tochter des Rabbi. Als aber vergebens daraus der Rabbi sich bemühte, seinem Schwager die Thara zu erklären, meinte «r zu seiner Schwester, ein so ungebildeter Mann könne nicht in seinen Hause bleiben, so werde er beiden einen Wagen und ein Pferd schenken und ste müstten das Haus vrrlasien. So. zog das Paar von dannen. Während Baalsckem nun in die Berg« zog und Lehm grub, mietet« sich sein Weib im DorfH ein und holte dreimal in der Woche den Lehm vom Gatten ab. den sie veckaufte. So nährten ste sich küm mettich vom Ettrage dieses Lvhmhandels. Gab diese erst» Geschichte ein Knlturbild aus dem chasstdischen Leben, so fübtten di« folgenden mehr in die Ethik und die Glaubenslehre der chasstdischen Sekte ein. Drei Geschichten geben kurze Predigten wieder, welche Rabbiner am Vorabend d«S Versühnungstages vor dem EvössnungSgebet „Kol nidre" halten, welche gleichsam die suggestive Kraft dieser Predigten zeigten. Die anderen Geschichten bestanden mehr oder weniger aus Aussprüchen gelehrter Rabbiner, Aussprüche anekdotischer Att. So zum Beispiel zeigten diese Geschichten, ivie der Chasiide vor allem daraus ersieht, wie ein Mensch zu Gott steht, wie er mit den Kreaturen k«bt, mtt Mitmensch^, Tieren und Dingen. Die Frömmigßett als solche, als völlig von diesem Leben losaelösie Eigenschaft, bedeuttt iknn nichts: ^Jch will lieber als fromm und klug g u t sein." Die Frömmigkeit ist nur eine Art Kl«id, deren Oberstvss Ueberhe-bung, deren Unteckleid Groll ist. Der Storch heistt Chasfida, die Fromme, weil dieser Vogel den Seinen Gutes erweist. „Aber", so fragt man, „warum gilt dieser Vogel uns als unrein?- — „Weil er nur den Seinen Gutes tut." — Als des Rabbi Wolf Gattin mit ihrer Magd, «eil dies« etwas zerbrochen hatte, in Streit oeraten war und sich fertig machte, um Klage gegen sie zu führen, rüstete sich auch Rabbi Wolf selbst, nm mitzugehen. „Weshalb willst du mitkommen", meinte die Frau, „ich weiß meine Sack« allein zu führen." — „Deine Sache gewiß", war die Antwott. „wer aber soll die Waise, dein« Magd, vetteidigen? Und «m sonst als ich sollte sich ihrer Sache annehmen." Diejenige Menschenliebe ist nicht di« rechte, die sich den Gegenstand dieser Liebe answählt: ein Mann hatte lang« im Tempel Almosen ausacteilt und sah von dieser Stunde an, daß es mit ibm langsam vorwärts ginge. Er glaubte nun sein« Verhältnisse mn so schnelle» verbesiern zu können. weM er '>ö>- frommen nnd weisen Rabbi ein großes Geschenk machte. Aber von dem Augenblicke an ging es mit seinem Wohlstand zurück. Er befragte den Weisen nach der Ursache und der meinte: „Da du dir edlere und awSettesenerr Empfänger deiner Wohltaten auSsuchst, tat Gott das Gleiche." De» wirklich Fromme hat Vorliebe für die Ungelehtten, Unwissenden, Einfältigen, Betseitestehenden: er befleißigt sich einer besonderen Att des Entgegenkommens, das die Ein« fälttaen vergessen lassen soll, daß sie geringer seien. . Am Tische eines Rabbi versammelt«» sich am Sabbat stets Anne, welche am Essen teilnahmen. Unter ihnen befand sich nun einst ein Mann, der ungeniett einen Rettich auS der Tasche zog und zerstückelte, um ihn stückweise zu «sien. Die Frntischler um tbn berum tadelten ihn wegen dieses tafttofen Benehmens. Der Rabbi aber, der sich vvn alledem nichts meckeN ließ, als ob er nichts wabrgmommen, was geschehen, sagte plötzlich: „Ich gäbe etwas darum, wenn ick jetzt «in Stückchen Retttch haben könnte!" So kam der Einfältige zu besonderer Ehre, als er von seinem Rettich etwas dem Rabbi anbietm konnte. Die Sünde betrachttt der Chasside Nicht als Beschaffenheit, sondern älS einen Zustand. Der vvn der Sünde Umkchrende steht höher als de, Gerechte. Als «iner sah. wie andere die Nächte beim Kattenspiel zu Tagen wachten, meinte er, wenn sie nur die Vollendung erhalt«», brauchten sie nur umzukehren, um alle zu Lbrrtreffeu. Menscheuliebe zu üben, ist ihr höchstes. Aber war gehört M dieser Uebung. Einem Bauern, der in einer Schenke traurig saß und trank, wollte jemand Lieber erweisen und fragte idn, was ihm fehle, damit er ihm seine Liebe zeigen köane. „Lieblest du mich wirklich", sagte der Bauer, so wüßtest du 1«, was mir fehlt." Denn das ist die Liebe?u den Menschen: ihre Bedürffrisse zu spüren und ihr Leide« ru trage». Dies nrw eine kleine AuswM der Chassiden-Geschickte». ans denen der Vortragende ein interessantes Bild d'r«. Lebens uno Glaubens ttcr:r Sekte zu gelten wußte. Vücherbesprechvngen. Dr. O-wald Jloeck zeigt in seinem Wecker „Skizzen und Studienköpf«". Beitrüge zur Geschichte des deutsche» Romans seit Goethe, daß er in den Pftlden Adolf Büttels' wandelt. Dieselbe Judenschnüsselei.' derselbe I engherzige Geist, der alles Deutschvölkische vom Schutzuud Tmtzbund durchweht, derselbe Hatz gegen jede andersgeattete Individualität, zumal wenn sie jüdischen UrsPnmgS ist, diesckben seürdseligrn Redewendungen wie bet Meister Büttels. I Hören wir! Bei der Kennzeichnung des jungen Deutschland werden auck „die Juden Börne und Heine" erwähnt, wobei zugegeben wird, daß das junge Deutschland „eigenilich nur »inen einzigen wirklichen Dichter, Heiuttck Heine" batte. Lediglich durch die anttsemittscke ^arteibrille beurteilt der Verfasser Berthold Auerbach, der „seine durch das Talmudsü^ium noch vettiefte jüdisch« Denkart weder im Leben »rock in seinen Schriften verleugnet" und eine rassenechts Gejckästigkett" besaß; ..daebenfalls in seiner jüdischen Abstammung wurzelnde Talent, ein großer Hasser jeder anders gearteten Individualität zu sein, t'ck auch dieser scheinbar so tolerante Mann und Humanitätsapostel nicht verleugnen törnten, wie aus feiner entschiedenen Stellungnahme, ,nn nicht nt sagen Feindschaft gegen die 5'«bbel. Grillparzer, Richard Wagn'er erhellt". Lag eS auch in der jüdischen Ab» stammung. wenn Nietzsche, Gottfried Keller z. B. geaen Richard Wagner Front machten?! Mau siebt deutlick, wie der Haß blind mackt. Schließlich stimmt er «in Loblied aus de» AniisemitiSmus an, der eine „gerechtere (!!) Würdigung feiner (Auerbach-) literattschen Bedeutung in die Wege geleitet bckbe. S. 129 wird daraus bingewiesen. daß „der Jude Motttz Hartmann" ein« böhmische Dorfgeschichte in seinem Roma« „Der Ktteg tnn den Wald" behandeli und „sein Rassengenosse, Landsmann und Jngendsteund Leopold Kvmperi" „stimmungsvoll« Bilder" in seinen böhmisch-siidisch«n Gbettogeschickten' ltefett. Hier wird als Gewährsmann der Literarbistottker R. M. Meyer — wie an vielen anderen Stellen — zitiett. Diese- Gelehrten jüdische Abkunft ist dem Herrn Doktor bedauerlicherweise nickt bekannt geworden: ebenso «blickt er auch in Bettelheim eine« Nvaermanen. Interessant ist das Urteil über Paul Hevse, dessen Mutter „aus angesehener jüdischer Familie" stammte. Trotz alledem gehört er zu „den glücklichen Rassekremunaen eckten Grades — hier wird Büttels zitiett —. denen die äfibetischen Talente in Fülle Zuwachsen, mag es aus kosten der elementattschen Kraft, di« an das reine Blut gebamtt scheint, geschehen*. Dicker seine Kenner der Rassenpsvckologie verleugnet sick «te. Das afthettsch auswickende Talent entstammt naiücklch dem arischen Blute des Vaters, sonst belächeln doch dt« Antisemiten die ästhetisch berichteten ^'iisinnen. Wenn «S von Dr. FloeckS Buch „versunken und veraeffen" heißen wird, werden i» den fernsten Zeiten noch DichtergeslLtten wie Heinrich Seine nnd Beribold Auerbach in der Deutschen Literattlvgeschichte eine bleibende Stätte finden. Dr. M. Spanier (Magdeburg).

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