Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 2 (13.1.1922)
- Date
- 1922-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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und Verkrüppelte femNE? Mer Jesus, der doch' als Ber-" rörperung der höchsten sittlichen Ideale gilt, war doch Jude! (Es hat mich oft geärgert, heHt es in LeffingS „Nathan", hat mir Tränen genug gekostet, wenn Christen gar so oft vergessen konnten, daß unser Herr ja selbst ein Jude war.) Nein, zetern unsere Gegner, ein Jude ist nicht fähig. edel zu denken und zu handeln, Jesus muß ».rischen Ursprungs gewesen sein, denn seine Charakterzüqe sind nur bei der höheren arischen Rasse vertreten — so selbst Hacke! in der ersten Auflage seiner Welträtsel. Wie ist es nun mit dein Iesuswort: „Alles Heil kommt von den Juden!" Chamberlain weist sich als gewandter Jongleur zu helfen. Dieses Wort — meint dieser Patriarch — ist als ironische Redewendung aufzufassen. — Durch wortwörtliche Auslegung von Gesetzesparagraphen wird das Recht meist in Unrecht verkehrt (summum jus summa injuria), der Geist des Gesetzes mutz maßgebend sein und nicht der strenge B u ch st a b e. — Bis zum Ueberdruß ist schon betont worden, daß das sogenannte jus talionis: Auge u m Auge, Z a hit n m Zahn usw. nie in praxi geübt, sondern Schadenersatz als Strafe auferlegt worden ist; nein, unsere Gegner, weil selbst*grausam denkend, beharren auf einer buchstäblichen Auslegung. Voreingenommenheit. Vorurteile entspringen aus krasser Unwissenheit. So hat der bekannte Schulmann Lirdwig Gurlitt einst gefragt: „Wer liest wohl die Bibel noch im gnechisclien Text oder in der lateinischen (!!!) Septuaginta?" Diese Frage spricht Bände. Freudig stimmen wir zu, wenn Pastor E. Scha-effer*) seiner Ansicht dahin Ausdruck gibt, daß der Christ Gerechtigkeit walten lassen muß. „Gerechtigkeit aber erfordert vor allem eine gründliche Kenntnis des Objekts, zu dem man Stellung nehmen will." Wenn dieses Wort beherzigt mürdc. dann würden manche Vorurteile schwinden. *) Christentum und Judentum. Gütcrsloh 1921, S. 16. Zur Krage -er Mischen Volksschule. In Nr. 49 der freien Lehrerzeitunq vom 9. 12. 21, geleitet von Haitptlehrer Rvsenwald in Winnweiler (Pfalz), wird unter dem Titel: „Die K x i s i s im Lehrerverband" eine Abhandlung veröffentlicht, der wir folgendes entnehmen: „Für die Entscheidung der jüdischen Bolksschullchrer irr dieser Frage (Gemeinschaftsschrrle und Bekenntnisschule) müssen nachstehende Erwägungen maßgebend sein: 1. Die Gemeinschaftsschule ist eine Errungenschaft der Republik, zu der wir uns alle bekennen. Nur dieses Schulsystem kann uns die einmütig vom deutschen und preußischen Lehrerverein geforderte Einheitsschule verbürgen. 2. Nur die reaktionären Parteien und das Zentrum treten für die Bekenntnisschule ein, das Zentrum aus religiösen Gründen, die reaktionären Parteien, weil sie keine innere Ein- Hort des deutschen Balles wollen. t , - 3. An Gemeinschaftsschulen finden' jüdische. LHrer Anstellung. niemals aber an Bekenntnisschulen. (Warum „niemals"? Man sieht hier wieder, wie „der gesunde Menschenverstand" mit den Begriffen umspringt. Als ob das undenkbar wäre! Ein solch ungesunder Pessimismus kann mir lähmend wirken. In der Tat finden wir im jüdischen Lager eine gewisse Lethargie in bezug auf Festlegung des Begriffes Parität. Cs muß bei der Staatsbehörde mit der größten Energie betont werden, daß die Einheitsschule, die die Verfassung fordert, keinen spezifisch religiösen Charakter trägt. Von einer christlichen Einheitsschule zu sprechet:, ist Nonsens. Unter Parität begreifen wir die Gleichberechtigung aller Staatsbürger, mögen sie katholisch, evangelisch oder jüdisch sein. Dieses Ziel ist zu erkämpfet: und wird trotz aller Gegenströmungen erreicht werden.) I. JMfM^WKWW Küchen auf Sfcw Aussterbeetat. Me haben infolge der Abtrennung der Provinzen Posen, West- - Preußen. Elsaß-Lothringen an Zahl um die Hälfte abgenommen, sie werden durch die Abtrennung weiter Gebiete Oberschlesiens noch weiter an Zahl sinken. In den wenigen Großstädten mit nennenswerter jüdischer Bevölkerung wird die Gemeinschaftsschule begünstigt, nicht die Bekenntnisschule. In Berl'n sind neuerdings etwa 15 jüdische Lehrkräfte, durchwegs FlüchllingSlehrer bezw. -Lehrerinnen, zur Anstellung gelangt. Ist eS da nicht lediglich Doktrinarismus, für die jüdisch? Volksschule einzutreten? Müssen wir nicht zur Zeit Realpolitik treiben, das heißt, für die Versorgung der jüdischen Volksschullehrer e'ntreten? 5. Die einzige Rechtfertigung der Vorkämpfer für die jüdische Volksschule wäre die Befürchtung eines mangelhaften Relig-onsunterrichtes in der Gemeinschaftsschule. Zugegeben, daß zwei bis vier Rcligionsstunden wöchentlich für alle Disziplinen des Religionsunterrichts einschließlich .Hebräisch, nicht ausreichend sind, obwohl die katholischen und evangelischen Schüler sich mit derselben Stundenzahl begnügen müssen. Aber ist es nicht möglich —w'e dies bisher geschehen ist — außerhalb der Schulzeit neben den vier Religionsstündon, in der öffentlichen Schule noch einige Stunden in sogenannten Religionsschulen an schulfreien Tagen bezw. Nachmittagen zu erteilen? Die Kosten dieser Religionsschulen sind so unbedeutend, daß sie gegenüber den Unter, haltungskosten einer jüdischen Volksschule gar nicht ins Gewicht fallen. Denn bekanntlich ist der Staat verfassungsmäßig nicht verpflichtet, die Unterhaltungskosten für Bekenntnisschulen zu tragen, er kann höchstens Zuschüsse für die Unterhaltung gewähren, falls die Staatsfinanzen cs gestatten. 6. Zunächst ist h'er noch kurz die Frage ttzr antisemitischen Verhetzung in den Schulen zu erörtern. Die Tatsache selbst ist weiter nicht zu leugnen und sie erfüllt uns alle, ohne Unterschied der religiösen Parteirichtung, mit tiefem Schmerze. Allein glaubt irgend ein logisch denkender Lehrer, daß Bekenntnisschulen dieser Seuche ein Ende machen werden, sie. die die Trennung sanktionieren. während Gemeinschaftsschulen zum Ziele haben, die konfessionellen Untersch-ede zu überbrücken? Gelangen an diesen Gemeinschaftsschulen nach dem Wortlaute des Reichsschulgesetzentwurfes Lehrer aller Bekenntnisse zur Anstellung, dann haben die jüdischen Schüler den besten Schutz und Anwalt bei etwaigen antisemitischen Verhetzungen. Sehr wahr! _ —r. der firbeitsschulgeüanke lm Mischen Religionsunterricht. Von Lehrer H. U n i k o w e r, Rarnslau. (Schluß.) Der Religionsunterricht soll eine Arbeitsgemeinschaft bilden. Sie wird erreicht durch A r - beitsteilung. Z. P. das Chanukka-hfest auf der Oberstufe: Der eine Schüler übernimmt die Ausgabe, über den allgemeinen geschichtlichen Hintergrund sich zu informieren und darüber zu berichten; ein anderer trägt zusammen, was die Kämpfe um die Erhaltung des Judentu ms zu jener Zeit betrifft; ein dritter beschäftigt sich mit der Liturgie des Chanukkahfestes; ein vierter zieht Parallelen mit Religionskämpfen anderer Zeiten und anderer Gemeinschaften, ein fünfter schließt aus den Begebenheiten Folgerungen für das weitere Schicksal des Judentums. Ist die-SchAerzahl groß yxnug,dann tun sich mehrere zur Bearbeitung eines TÄgebietes zusammen. Die nachfolgende „Arbeitsvereinigung" faßt die Teilarbeiten zu einem einheitlichen Gesamtbilde zusammen. Die Befriedigung des Schülers über feine selbständige Anteilnahme am Erarbeiteten fft die Vorbedingung dafür, daß er einmal eine selbständige Persönlichkeit sei. Religionsunterricht als Arbeitsunterricht mutz ferner Erlebnis unterricht fein. Das Wachsen und Werden der biblischen Heldengestalten, ihre Entwickelung von der Naivität des Glaubens zur reifen Gottesschau (Abraham, Jakob. Elia) muß nacherlebt werden können. Mit Spiegelbildern der Gegenwart und mit Gegenwartserlebwissen könnet: die Geschehnisse und Gestalten der Vergangenheit am besten begriffen werden. Das Miterleben des Vergangenen muß zum Nacherleben werden durch anschauliche. breit und liebevoll gehaltene Schilderung und Erzählung, welche aus den kindlichen Zuhörern Zuschauer macht, die auch beim Bortrag des Lehrers nicht untätig bleiben, wenn er sie zum Nachqestalten und damit zum eigenen Aufbau der ihm greifbar gebotenen Bausteine veranlaßt. Abgesehen davon soll der Lehrer seinen Vortrag — besonders in den Höhepunkten der Erzählung — zuweilen plötzlich abbrechen und ihn durch die Schüler weiterspinnen lassen. Die Wiedergabe der Erzählttnq soll nach Möglichkeit schriftlich erfolgen, denn nur so bekommt jedcr Schüler Gelegenheit zum individuellen Nachgestalten. Das auf dem angedeuteten Wege im Religionsunterricht Erreichte darf nicht zunichte gemacht werden durch eine falsche Behandlung des erarbeiteten religiösen Gutes. „Der Religionsunterricht hat das brennende Interesse, daß sich der Schüler in der Religionsstunde frei ausspncht." (Gaudig: Die Schule im Dienste der werdenden Persönlichkeit.) Der Lehrer darf dem Schüler nicht seine Meinung aufoktroyieren. (Kein Autoritätsunterricht!) Ein Vertrauensverhältnis zwischen Schüler und Lehrer muß jede Straft tmd jeden Zwang aus denr Religionsunterricht bannen. Die geringste Verkehrtheit in der Behandlung des Kindergemüts ist ebenso geeignet, das Interesse für Religion für immer zu ersticken, wie etwa eine. Ueberbürdung mit stofflichem Wissen. Von einer „An- Wendung" im Sinne der Ziller'schen Forrnalstufen dürfe, soll der Religionsunterricht kein Autoritätsunterricht sein, garnicht die Rede fein. Was fange das Kind auch mit eimr Phrase an wie: ..Wir wollen auch so friedliebend wie Abraham sein." Das Kind hat seine eigene Art, den Willen in die Tat umzusetzen, als etwa der Erwachsene, dem matt obige „Nutzanwendung" in einer Predigt zumuten darf. So wie das Kind den Vorgang der Erzählung nur innerlich erlebt, so ist auch sein Handeln zunächst nttr »in gedachtes. Darum kann der Lehrer allenfalls phaniasiemäßiq einen Fall aus dem Leben der Gegenwart anfichren oder von den Kindern erzählet! und ausspinnen lassen, und an Hand dieser Vorgänge dem Kinde Gelegenheit geben, sich dazu zu äußern, wie e8 sich verhalten würd*. wenn es die handelnde Person selber wäre. Auch der schriftliche Aufsatz kann hier zur Geltung kommen, in dem das Kind sich in eine Situation versetzt, di», seine eigene Willenskundgebung für den Abschluß eines Vorgangs verlangt. Die beste Anwendtrng bleibt jedoch die Tat, und zwar nicht die des Erwachsenen, sonderlt die des Schülers, der seinen Mitschülern gegenüber oft genug Gelegenheit dazu hat. (.Hilfeleistung beim Ankleiden. Besuch kranker Schulkameraden. Sammlung von Kleidern und Nahrunqs- Mitteln für Bedürftige, Grabgeleit, Verträglichkeit, Wahrheitsliebe.) Möchte eine deutsche Jugend hexangebildet werden, die Träger eines lebensfähigen Itldentums fft, die das Judentum nicht als Ballast im Kampf umS Dasein empfindet und sich des jüdffchen Religionsunterrichts nicht als der langweiligsten Unterrichtsstunden erinnert, die vielmehr aus dem Judentum, als dem unversiegbaren Quell wahren Menschentums, ihre sittliche Kraft schöpft, die trotzig den Kampf mit den Verfechtern der Lüge kämpft und in erhabenem Stolz den gesellschaftlichen, nationalen und religiösen Vorurteilen gegenüber sich behauptet. Soweit der Inhalt meines Referats auf der Lehrer* verein stagnng am 11. Dezember. In einem weiteren Aufsatz will ich davon sprechen, welche Mißstände aus dem Gebiete des jüdffchen Relft»ionÄrnterrick»ts beseitigt tverden müssen, damit nicht das deutsche Judentum gefährdet werde. - -- ■■ .. ..... . .6.^,,== lag im Westen dasarMeer. und vor den aufaetanenen Blicke» der beiden dehnte sich im Norden wie ein mosaikartig an, gelegter Garten das Land Kanaan, Gilead und Dan. Naphtali und das Gebiet Ephraim in dent unermeßlichen Glanze — „Das ist die verheißene Zusluebt. die Jehova dem Volke versprochen hat", sagte.der Alt« leise mit eintönig« Stimme, als spräche er zu sich selbst. „Aber ich darf daß Land nur schauen und es nie betreten: bald wird Israel von Kanaan Besitz nebmen, aber es wird sein« neue Heimat betreten, wie es Aegupten verlassen hat, gierig nach irdischem Tand und Genuß, und nur wenige werden fein, die dem GoUeswort in ihrer Seele lauschen werdsn: ein Voll von Heiligen und Großen sollt? eS werden, frei und gütig, gerecht und geachtet, — ich habe zu Gott gefleht, — aber er hat mein Gebet nicht erhört, alle Hoffnung ist dahin, und ich füble mich wie eine weggeworfenc druckt ohne Saft und ohne Süße; immer nur im Geiste sehen sollen sie alle in seltener Gnadenstunde iftr göttliches Ziel, — aber nie «5 erreichen!" Und unvermittelt besckaitetc der Greis die Augen mit der Hand und stieß einen Schmerzensruf aus. so weh und durchdringend, wie ihn Jaro noch nie gehört hatte. — Ter Prophet schrie plötzlich auf: „Und auch dieses Land wird ihnen keine dauernde Ruhestätte lein, sie werden vertrieben und über di« ganze Erde zerstreut werden, Jahotaufend« nie zm Rüde kommen, von allen gehaßt nnd gehetzt, verfolgt und verflucht, beschimpft und auSgestotzen!* ~~ Mole fiel aui die Knie, bob seine Arme empor und begann laut zu beten. Tönender wurde das Rauschen in der Luft, der Nebel senkte sich wieder hernieder. — Langsam erhob sich der Greis und gebot Jaro, ihr» nicht mehr zu folgen, ftuftto stieg er mit erhobenen, betenden Armen weiter in« Gebirge empor, während eine Lichtäule vom .Himmel berniedersank und die Erde, von unterrdischem Donner geschüttelt zu beben begann. .Leb wohl", rief cr aus weiter Entfernung Jaro zu. „keim menschliches Auge wird mich je wieder erblicken!" Der Jüngling brach zusammen und barg sein tränenüberftrömteS Antlitz in l'«tden Armen. „flehte dereinst wieder und wieder, wenn auch in verschiedenerlei Gestatt". r.«r er flehend und beschwörend auS. .und führe uns weiter!" Die Gestalt Most» war nicht mehr sichtbar. — Wolken zogen hevauf und verhüllten den Mond. MS gegen Morgengrauen lag Jaro schluchzend am Boden, dann stieg er wieder berab. da» Gesicht von Trauer verwüstet, um bald im Kampfe für Kanaän den Tod zu suche«, denn daS Dasein ohne den Führer dünkte Gm und nicht mehr lebenswett. — seidigen, südlichen Himmel hinauf, der sich über dem mattgelben Dünensand wölbte. Als gm nächsten Abend die vorauSgeeilten Kundschafter zurückkamen und ganze Lasten von reifen Trauben, gefüllten Weinschläuchen und wundersamen, noch nie aeschauten Früchten mitbrachten u)td von dem Reichtum des verheißenen Landes lockende Mären erzählten, wollte der Jubel gar kein Ende nehmen. Man zündete Freudenfeuer an. sprang um sie herum, tlnd das Jauchzen der trunkenen Menge klang grell durch die Nacht. — Jaro stand.abseits von der Masse und blickte schweigend und ernst auf di« lännenden Menschengruppen. Jahrelang hatte er seine Volksgenossen nur ernst und würdevoll gesehen, Gott hingvgeben, selten hadernd; — sie hatten ihre Leiden getragen wie ein festliches Gewand. Immer war in ihnen eilt Streben gewesen, dem Göttlichen «nt* gegenzurcisen nnd würdig zu werden des Großen, der sie führte. Und jetzt, — gleich bei der ersten Gelegenheit, warfen sie fast alle ihren Stolz von sich und glichen übermütigen Kindern, die sich lachend eine Schellenkappe aufgesetzt hatten. Waren die heiligen', stillen, einsamen Jahre in der schimmernde,! Unendlichkeit der Wüste nun für immer zu Ende? — Sollte jetzt, ein leeres Leben, anaefüllt mit Schmausen nnd schalen Vergnügungen, mit Raffgier und irdischer Freude am Besitz beginnen? Wo war Mole, der Führer? Ihm wollte er fein Sehnen und Sorgen klagen! — Jaro wandte sich nnd ging zur Mitte des Lagers, wo der Prophet in einem Überhöhten Zelte wohnte. Jaro schling den Vorhang, der den Eingang schützte, zurück. — Der Raum ivar leer! — Er ging vor das Lager, da sah er in weiter Entfernung, fast schon tlnter den« letzten flackernden Abendrot, das noch am Himmel glühte, die mächtige Greifengestalt, die in der Richtung zum Bergzuge des BiSga hinwandcrte. der mit seinenl flachen, langestreckten Rücken, von der hohen Kuppe des Rcbo überragt, einem geduckten, höckrtgen Tiere glich, das am Rande der Wüste kauette. Es war, als ob -in Leuchten von der Gestalt derasch ausschreitenden Mannes, der in der Hand den Wanderstab trug, ausging. — Jaro eilte hiitter ihm her, er lief und lief immer dem wandelnden Lichte nach, fein Atem keuchte, er holte ihn nicht ün! Jetzt stand er am Fuß«, der Felsen; ein unwegsamer, von wildwachsendem Gestrüpp fast ungangbarer Pfad wand sich empor, — jetzt schien es Jaro, als ob der flackernde Schein schon hoch oben erglänzte, mühsam klomm er empor, höyer, immer höher, stundenlang, — der Schweiß brach chm aus allen Poren, und nach einigen Stunden mühseligen lllttierns stürzte er kraftlos nieder. lieber ihm unendliches Sternengefunkel. Um ihn unaebcnre Stille. Nur aus weiter Ferne klang ganz leise, wenn der Wind aus der Richtung kam. das Gejanchzr des Voltes herauf. Eine Weile lag Jaro auf der Erde; da war es ihm. als ob vom Himmel Licht herniedeisickerte; er blickte auf, der Schein kam nicht von dem eben aufgehenden V?ond, er ging von der riesenhaften Gestalt des geliebten Führers aus, der da unweit von ihm aus einem Felsenvorsprung stand und die zitternden Arme ausgestreckt zu dem Volke unten hielt, deren Lagerfeuer ans der Ebene wie klein« Glühwürmchen aufbltnktcn. , Jaro lauschte. ' Er hörte die bekannt«, kraftvolle Stimme, wie sie laut, fast zornigdie alten' Segensworte über Israel sprach, die beinahe wie grollender Donner durch die Rächt klangen. Der Jüngling sprang aus. stürzte zu dem verehrten Meister, sank vor ihm nieder und umschlang, von plötzlichem Schluchzen geschüttell. die Knie des Greises. Und' Jaro weinte und weinte, und sein vor Gram schier brechendes Herz sandte ihm immer Tränen und neue Tränen. — „Wenn Du uns verläßt", schrie er. „ist alles verloren. Du war'! ttnS Führer und Prophet, Halt und Gewissen; ein Haufen von Sckiw itzern und Krämem wird Israel werden, nur dem Augenblick und dem Genuß ergeben, wenn Du nicht mehr bist! Wenn Du von uns fl#, zerbrickt die Brücke, die un5 mit Gott verbindet, unser Bestes wird von uns getan sein, und das Gebot, dawir ein Volk von Königen und Priestern werden sollen, wird nie erfüllt werden! Unsre Rot und unsre Demut waren ein Weg, der un» Jehova näher gebracht hat. jetzt soll der enden; — mehr denn je brauchen wir Dick! — Wenn Du entschwindest, ist da» Ziel für ewig unerreichbar! Was nützt uns ohne Dich dar gelobte Land, da» unsere Heimat werden soll? Was ist «in Körver ohne Haupt, ein? Harfe obne Sailen, eine Seele ohne Gott?" — — Mose winkt« dem Jüngling zu schweigen: — der saß noch immer zu den Füßen des Greises, den Kopf an defien Knieen geborgen und blickte zu dem matesiättschen Antlitz «mpor. das vom Atter nicht gezeichnet war: falkenscharf blitzten noch immer die strahlenden Augen au? dem herrlichen Gesicht, das von webendem. ftkbrig«n Haar umochmt. aber nicht von Runzeln oder Furcken entstellt war. Eine ganze Weile saßen die beiden lautlos da. Mose hatte aütig seine Hand auf de» Knaben Kopf gelegt. Bom Himmel stelen plötzlich Steknfchmlpprn b«. nieder ... das ganz« Land war in überirdisch belle- Mondlicht getaucht, es war. als ob ein Klingen ungeheurer Harfen, ein Rauschm mächtiger EntzelSflügel durch die Lust webe. — Mose wies plötzlich mit der Hand Noch Norde«. Der Nebel, der wie «in silbemer Dust, ein« stligrcmfeim Decke, über der Erde lag. begann sich mit einem Male zu zerteilen, und das verzückte Auge konnte in unermesiene Weiten staunen. — Einer sprudelnden Quell« von flüssigem Golde vergleichbar.