Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 2 (13.1.1922)
- Date
- 1922-01-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Es gilt dann zu entscheiden, ob die Berliner jüdische Gemeinde, welche unter der bewährteil Führung des Liberalismus groß geworden ist und sich zu einer der bedeutendsten Gemeinden der Welt entwickelt hat, in bisheriger Weise weiter verwaltet hat, oder ob die Zionisten und die mit ihnen vereinigten Neu-Orthodoxen die Herrschaft all sich reißen und in nationalistischer Schwärmerei aus der jüdischen Gemeinde eine Volksgemeinde lnachen. Wir liberalen Mitglieder der Berliner Gemeinde sind treue Juden lmd gute Deutsche und wollen es für immer bleiben. Darulll ergeht, bevor es zll spät ist, an alle liberal denkenden Glaubensgenossen und an all die Tausende, die dem Gemeiildelebell bisher gleichgültig gegenüber gestanden haben, der Mahnrrlf, sich denr Liberalen Verein für die Allgelegenheiten der ji'ldischen Gemeinde anzuschließen und für die Erhaltung derselben mitzuwirken. Männer lmd Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, die ihr jüdisch und deutsch fühlt, schließt euch uns an, damit man euch später nicht den Borwurf machen kann, ihr battet den Ernst der Zeit nicht begriffen. Nur lvenn ihr alle mitint, kann das liberale Judenlum erstarken und in den', schweren Kampfe Sieger bleiben. Es geht um Sein oder Nichtsein der Berliner jüdischen Gemeinde, ja des gesamten deutschen Judentums! ~ Der Verein veranstaltet am Montag, den 18. d. M., abcubv pünktlich 8 Uhr, im Logenhaus, Joachimsthal- Straße 13, einen öffentlichen Vortragsabend, an dem Rabbiner Dr. >t ekle r m a u n über „Moderne Kultur lllid liberales Judentum" und Dr. Arthur Mayer über „Die .zukünftigen Ausgaben der Gemeindevolitik" sprechen wird. iSiehe Inserat.') München. Tie antisemitische Hetze des „Völkischen Beobachters" sührte wieder einmal zu einem Beleidiguugsprozeß, der dieser Tage vor denl Auer Schöffengericht spielte. Jur Oktober 1920 war im „Völkischen Beobachter" ctu Artikel „Jüdische Niedertracht" erschienen, in denl gegen den Direktor der Münchener Lichtspielkunft I. Jett schwere Anschuldigungen erhoben waren. Es handelte sich dabei besonders um AnwÜrse, daß Fett bei Belegung des Hotels Reichshof durch die Barterische Filmgesellschaft in unerhörter Weise gegen Mieter von Räumen in: Reichshof vorgegangen fei. Der verantwortliche Schriftleiter Maurer wurde vor den Richter zitiert. Bei den üblen Erfahrungen, die der Herr bei seinen zahlreichen Beleidigungsprozessen in der Äu schon gemacht hat, hielt er cs für klug, de- und wehmütig Abbitte zu leisten. Er erklärte in einem Vergleich, daß er die Unhaltbarkeit seiner Behauptungen einsehe, alle Borwürfe zurücknehme, die sämtlichen erwachsenen Kosten trage und den Vergleich im Hakenkrerrzlerorgan veröffentliche. Der Dentschnativnale Handlungögehilfenberband im antisemitischen Fahrwasser. Der Teutschnationale Sandlnngsgehilferwerband, der es mit feinem völkischen Gewissen in Einklang bringen Jomitc, zuweilen aus taktischen Gründen bei Betriebe wählen LrstsrwerWndungen emzugehe», durch die auch jüdische Kandidaten seine Stimmen erhalten mußten, ist nunmehr in die Schar der Verbände geraten, die' die Judenhetze als Hauptzweck betreiben. Der D. H. V. gibt ein Blatt heraus, die„Deutsche Handelswacht", in denr man. abgesehen von gelegentlichen Anrempelungen jüdischer Prinzipale, antisemitische Ergüsse bisher nicht antraf. Der „Deutschen Handelswacht" scheint aber vor ihrer eigenen Lauterkeit bange geworden zu sein, denn in ihrer Ausgabe vom 21. Dezember 1021 finden wir unter der Ucberfchrift „Stefan Großmmnt und die Handlungsgehilfen" eine scharfe Verunglimpfung des deutschen Judentums. Herr Stefan Großmann hatte bei einer Besprechung des Schmhler'schen ..Reigen" in einer Form, über deren Geschmack sich streiten ließe, die Befürchtung geäußert, den „Reigen" bald als Sonntaqslektürc der Berliner Handlungsgehilfen zu finden. Wenn die „Handelswacht" hier gegen Stellung nimmt, so ist das ihr gutes Recht, das ihr niemand, am wenigsten nur. absprechen wird. Aber Herr Großmann ist Jude, und so erschein: die Gelegenheit günstig, gleich einige Gehässigkeiten los;u werden. Mil Bezeichnungen, wie L i t e r a t u r j u b c n, östliche Größen, f chw a r z gc l o ck te Literaten, wird ein bunter Reigen aufgeführt, und tum, wird sogar witzig und spricht vom „Juden m ü t ch e n". da mau von Inden m n t seltener höre. Wenn der D. H. V. glaubt, sich solche Beschimpfungen erlauben zu können, so wird es vor allem Ausgabe der jüdischen Angestelltenschaft sein, ihn die Folge seines Verhaltens fühlen zu lassen. Breslau. Geh. Regiernngsrat Prof. emer. Dr. Jakob Rofanes gestorben. Jur Alter von 80 Jahren starb Prof, eurer. Dr. R o - 1 a n e s , der ordentlicher Professor der Mathematik an der Universität Breslau gewesen ist urrd auch während seiner Lehrtätigkeit einmal das Rektorat der Universität bekleidet hat. Mn ihnr ist nicht ituv ein großer Gelehrter seines Faches dahingegangen; er hat sich auch durch verschiedene jüdisch-lvifsenschaftliche Arbeiten eirren Namen gemacht. Indisch-liberaler Jrrgendverein zu Breslau. Neben den ständig stattfirrdendeu wöchentlickien Versamrnlungen veranstaltet der Verein religionÄvisseuschaft liche Kurse, die bei beschränkter Teilnehmer.',ahl dazu dienert sollen, bei: Einzelnen mit den religiösen Fragen mehr vertraut zrr machen, als in größereru Kreise möglich ist. Diese Einrichtung hat sich seither vorzüglich bewährt. Es ist darum \n wünschen, daß die Teilnehmer Ml feen Kursen möglichst regelmäßig und pünktlich erscheinen, nur im Znsgrnmerchang mit dem ein einheitliches Ganzes darstellenden Thema des Kursus zn bleiben. Ableben des Herrn Max Freund. Der Seillorchef der Huifabnk Freund n. Krebs, Herr M a r Freund, ist vor einigen Tagen seinem schweren Leiden erlegen. Dir Firma wird von seinen bisherigen Mtz-ickaberu der Herren Ludwig Freund mvd Hugo Lewin unverändert iorigembri. Mir dent Verstrichenen ist ein treuer Anhänger der libe laten Sache dahinge<lang«n, dessen Arbeit im Dienste dec Förderung unserer Idee, insbesondere als Mitglied der liberalen Fraktion der Reprälemantenversammlung" nie veraeNen werden wird. Freie jnd. Volkshochschule. Sonntag vorm. H Uln vunMich spricht in« großen Saal der Lessingloge, Agnesmaße 5. Schriststeller Julius Bad- Berlin über das Thema: ..Der Anteil der I n d e n an der deutschen Dichtung der G r g e n w a r t". Theater-Nachrichten. Lobelheater. Erstaufsühnmg von ArtziiDschew's „E i f « r s u ch t-. Der Inhalt und die Eharakterc des Stückes sind so uralt, daß man gleich beim ersten Akte genau wumc. mit die Tragvsie enden wird, ^brcn Unmut über das von allen begehrte, allen unentbehrliche, katzenälmliche Aeib. dem aktive Koketterie Lebensnotwendigkeit ist, und die ihren Oiaiicit tutb alle andern nach ihr girrenden Maskulini zur Verzweigung treibt, haben die Dichter s-üntlikhrr Iahrhunvertc nnt tvechsclndem Temperament und mit. verschiedenem Gmd von Vergrämtbeit der Welt bereits geklagt. Ewiges, immer tvieder neues Thema'. Von der biblischen Dalila über Cleoparra bi§ zu Strindbcrgc. Wetzekinds und seht Artzibaschcw's mit ticsgefühltem Haß gezeichneten Franenai-stalten geht eine direkte Linie. Tie Ganz. Weisen aller Jetten und Völker haben ans dieser gegebenen Raturta'sachc ja auch ihre praktische Konsequenz gezogen und -- blieben unbeweibt. Buddha. Mohammed, Eartesiu-s. -Spinoza, Kant, Schopenhauer. Nietzsche re. haben bekanntlich unverheiratet gelebt nnv schufen sich damit die Vorbedingung zu ihren ungeheuren Dascinsleistungen. — Gewöhnliche SErbliche werden aber ihrem Verhängnis mitunter nicht entgehen können, und dieses wenigstens bat der russische Dichter in seinem Stück vis zum dramatischen Scklußeffckt bin ansge» zeichnet enllvickelt und geschildert. Wenn man aber neulich bis miss innerste erschüttert aus dem Theater gina, so ist dies schließlich doch nickt dem Stück, dieser „allen Geschichte,", zu verdanken, sondern der« hervorragenden Ausführung, denn Leontine Saaan'S tveibliche Hauvtgcstalt tvar eine unvergeßliche, hinreißende schauspielerische Lcistupg. Der gegenüber wirkte Falken, bausen's unglücklicher Ehemann, der zuletzt zum otbelloähnllckcu Verbrecher wird, ein wenig nüchtern und trocken.. Die übrigen Tvpen fanden fast alle ihre adäquate Verkörverung: Gerda Meller's blonde Ehebrecherin. Lichenberqs mild-gütig-verseibender Philosoph in devkazierter MaSkc. Meiueckc's rasend-libidöser Kaukasiersürst, Bensch-Ruver's zotkörperung. Gerda Mcllcr's blonde Ehebrecherin. Lichtenberg? Rudolf Reufer's „reiner Tor" verriet zwar hervorragendes Talent, hat ober die Eierschalen der TheaterschUlc noch nickt ganz abgostrejst. Herr Arnüld, der einen russischen Literaten gut spielte, hatte sich die Maske eines Dilnvialmenscken zurechwm'achi! - Ach! So schlimm ist es wirklich nicht! — Rnsiische Schrifrsielle': und Prämie fetzen im allgemeinen gan?, manierlich ans! — Der Abend tvar alles in allem ein Ruhmesblair in der Geschickte des Lobetbeaters unter Baruab's Aeoide! — Dr. L. D. Jüdisches Theater. Wie lvir erfahren, wird das Jüdische Theater Berlin im Monat Februar in Breslau ein Gastspiel veranstalten. Zeirei-Zion, Ortsgruppe Breslau. Die Vereinigung veronstatze'e am 5. d. Mts. in der Hemtannloqe einen jüdisch-lilerarischen und musikalischen Abend, dessen Programm non allen Beteiligten erfolgreich bestritten wurde urrd daher bei den Erschienenen lebhaften und wohlvervienien Beiiall auslcsie. t — — Für Me mit Namen gezeichneten Ansätze, welche! die persönliche Meinung des Verfasserzum Ausdruck brii^en, übernimmt die Schrtftkeitnng' n»r dit Pfstz» gesetzliche Verantwortung. || v- 1922 Kalender 5682 Wochentag Monat Jan.liebet 3l T. \ 29 T. Sabbats)- Ausgang! Wocheni Prophetenabschmtt! abschnitt Freitag Sabbath 1‘5. 14. 13. 14. B reslaupd Könige?. I —1? Tranerfeier für Professor Dr. Hossmanu. J'ie Agudas Iisroel, Ortsgrnppr Breslau, veranstaltete am Soniliag, den 8. Januar, eine Tronerstier sör Prosesior Dr. H o s s m a n n , bei der die Rabbiner. Dr. E o b'u - Breslau und L e w i n--Kattowitz sprachen. 45 Jahre Fachmann 1922 OptiKer GARAI :: AlbrecHtstr. 4 m Gottesdienst in den Gemeinde - Simsaogen xu Breslou;_Ikuy», Freifcag 18./1. Beginn abends 4.30 ü. 4.30TJ. Sbi 14./1. FrBhpttndisDsi morgs. Wointifsj*|Wf G.4otr. n Hptgoltesdienst vorm. 8.45 ü. 9.00 ü. Predigt vorm. _ 9.45 ü. Janendgoftni DCnluß nachm. — — abends 4.58 ü. 4.58 ü. An den;15./l. Beginn morga. 7.00 ü. 7.15 ü. Woch.- tagen bis 20,'1. abends 4.30 U. 4.30 U. Koutirmation in der Alten Synagoge, Sonnabend, den U. Januar; Hell mut Junentnn (Vater Wilhelm), aus Wansen. Martin Ahrend (VaterLeo),KaiserWilhelmstr. 29. Konfirmationen i:i der Neuen Synagoge, Sonnabend, den 14. Januar: Hans Rosen (Mutter Else), Neue Gtaopenatr. 14 Wolfe ane Wohl (Vater Fritz), H. henzollernstrafie 70. Rudolf WoIf f (Vater Max),Reuschestraße 46, Rudi Fried . lünder (Vater Adolf», Louisenstraße 23. Wiederum bat der Tod uns einen treuen Mit« «beiter entrissen. Am 7. d. Mts, starb der Fabrikbesitzer Max Freund Mitglied unserer Eepräsentanten-Vereannnlnng. Seine pflichttreue BetätSgunsrim Dienste unserer Gemeinde und Glaubensgemeinsehalt, seine nie aassetzende Liebenswürdigkeit und Güte, sein opferfreudiges Eintreten für die Bedrän gen erwarben ihm allgemeine Hochsehätzung and Verehrung. Wir werden dem teueren Heimgegangenen ein dankbares Andenken bewahren. Breslau, den 8. Januar 1922. h Mil srf de ~ ftmaalm 1« iUlMs. Julius Lemor Silberwaren-Fabrlk Breslau 6 :: Fischergasse 11 Abteilung I: echte Silberwaren Abteilung II: versilberte Waren (Geschäftszeit 8 bis 5 Uhr). Liberaler verein für bie TingelegenHeiten »er Mischen Gemein»» ÄS',) Gefsentlicher vortragsabenö Montag, de« 16. Januar 1922 abenvk pünktlich 8 Uhr im LogenhauS, goachimSthalerstrahe IS 1. Herr «adbiner vr. NeNermann: »Modern« Nvüur und VideraleS Judentum'. S. Herr Dr. Arthur Mayer: »SM« zukünstiaen Aufgaben der Semetndepolitrk". 8. MufikaNsch« «ortrSge. Art. Senta Mnette. Violinvtrtuostn, Art. veitUed, vom Deutschen Opernhaus, Lharlottendurg. 4. Freie Aussprache. Um zahlrÄcheS Erschtinen bittet »er Vorstand. Herren- Hüte »lagant creiswert PAUL Schorsch &. ca dunktrnstnSa 22/24 Kabarett Kaiserkrone Harry Hcinr Kcsmann Fritz FiöhHcii / Barone 5 Isis von itr PhRbc Herta I.ebndori MJml Carln Kity & Haid Re^gle? Rohii;? In unierem Verlage '.st erschienen: Oaa Brcalauec wohliMWeA d e für Stadt v«d Land geltend. Bestimmungen. Zusammengestellt und erläutert von den Rechts» an walten vr. Gittis und vr. Uuger in BreSlau. 80 Seiten. Gr.»8. Preis 10 Atark. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder den Verlag Th. Schalzky, Breslau Z, N. Graupenstr. 5 Fernsprech. Ring 4SI. 4S0S Wir bitten bei Einkäufen auf die IHidildi - Überall Zeitung Bezug zu nehmen. Freie jüdische Volkshochschule. Sonntag, den 15. Januar, vorm. 11 Uhr vräz. im graste» Saale der Lesitng-Loge, SlgnrSstr. ». Bortrag Aulius Bad, Berlin: Der Anteil üer ftuöen an der deutschen Dichtung öer Gegenwart. Kartkuücrkaus zu 3 und 2 Mk. rcn 1t—1 u. 4—6, Äjueeitr. 3, hochptr., links; daielbst cuich die Karlen?ür dic ^ortiagrzyktcn der LcNLhochschukc. Braucht Ihr Licht, so ruft mich! Richard Geliert Eelektrlsche Licht' und Kraftanlagen Gräbschenerstr. 39, Frefburgerstr. 17 Telefon Ring 7901 gch ««pfeh»« meine erstklassige« Equipagen za Hochzeiten tmb Beerdigungen. Bug. PeiraK Hach!. sasrÄisafr®: Netzt: BreSta», Fischergass« 1». — Tel. «. 1278 Herausgeber; .Liberaler Verein de, Synaaogen^emeinde Bre-lau. — Verantwortlich wr den Inhalt: vr. Julius Loeb; für das Feuilleton: vr. Ludwig Davidsohn; beide in Breslau. Druck und KvmmtsfionSverlag; Th. Schatztn. Buchdruckerei und BerlagSanstalt. G. m. b. H.. Breslau lll, Neue Graupenstraße b. 343117