Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 2 (13.1.1922)
- Date
- 1922-01-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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r™ .*y11 «forderte vor allem die nicht zu entbehrende l.i-tttardeir der Rabbiner und Lehrer, an der es sicherlich Nicht fehlen wird. In der Aussprache, an welcher außer den schon genannten Delegierten besonderen Anteil' die Rabbiner Dr. Steinthal, Münster, Dr. Norden, Elberfeld, und Dr. W o l i f. Dresden, nahmen, tvarkn auch die Ansichten unserer Iügendsührer recht bcmerkenswert. Außer Herrn W o y d a, Berlin, trat .Herr Berger, Breslau, der durch sein Führer- und Organisationstalent sich die größten Verdienste um den Erfolg der liberalen Idee beim jungen Geschlecht erworben hat, lster aus den Plan: Ober- und Unterschicht nmtz unbedingt verschmolzen werden! Was an Ernst und Ausdauer in der Jugend lebt, das muß sich verbinden und gemeinsam durchsetzen, dann können wir Hoffnung für die Entfaltung und das Gedeihen des Liberalismus auch in den kommenden Geschlechtern hegen. Hieraus erstattet Dr. Breslauer j u n. ein großzügiges Referat über „Gemeindepolitik", an das sich wie an das vorausgegangene wichtige Thesen reihten. Auch er erntete für die Warme und Wahrheit seiner Ausführungen großen Beifall. Die weitere Bearbeitung dieser beiden letzten Programmpunkte wurde in die Hand von Kommissionen gelegt, nachdem bis gegen 8 Uhr abends die wertvollsten Anregungen hierfür aus der Mitte der Versammlung gegeben worden waren. Mit herzlichen Worten des Dankes für alle Erschienenen und nrit Vertrauen auf den nicht ausbleibenden Erfolg, den diese Hauptversammlung dem liberalen nnd Gesamtsudentum erbringen möge, schloß der Vorsitzende di« Tagung. An sie reihte sich am 5. Januar eine von vierzig Theologen und einigen geladenen Laien — darunter der Vorsitzende der Vereinigung — besuchte Versammlung der liberalen Rabbiner, die schon am?>. und 4. zahlreich erschienen waren. Mt Recht nahm man davon Abstand, die wirtschaftlichen Sorgen der Gegenwart vor diesem Kreise zum Gegenstand von Erörterungen zu machen. Die Vorträge der Herren Rabbiner Dr. Wiener, Stettin, nnd G old - mann, Leipzig: „Was heißt religiöse Erneuerung?" und „Ueder objektiven und subjektiven Liberalisums" brachten infolge der Gediegenheit eine so hochstehende Erörterung, daß wohl alle Ausführungen in der Diskussion als Referate von bleibendem Wert angesprochen werden können. Die Absicht des den Vorsitz führenden Herrn Rabbiners Dr. S e l i g m a n n, durch Veröffentlichung in seiner Zeitschrift alle diese Darlegungen-der Allgemeinheit nützbar zu machen, ist daher sehr zu begrüßen.' An dre Versammlung, die erst gegen 5 Uhr nachmittags ihr Ende fand, schloß sich noch eine kurze Stunde des kollegialen Beisammenseins, zu dem die Gattinnen der Berliner Rabbiner die auswärtigen Herren gastlich geladen hatten. Begriffsverwirrung. Von Dr. M. Spanier, Magdeburg. Erschütternd wirkte damals und wirkt heute noch das folgerte Ereignis: Ein mit Glücksgütern gesegneter jüdischer Greis befand sich mit seiner Iran auf der „Lttanrc". Eine gewaltige Katastrophe brach über das Schiff herein. Krampfhaft suchte jeder sich zu retten. Der Greis sprach zu seiner Lebensgefährtin: „Wir haben lange genug gelebt, zuerst kommen jetzt die Jungen!" Sie verrichteten die Totengebete und mit dem Glaubensbekenntnis Sch'ma Iisroel auf den Lippen fanken sie in die Tiefe. Das war ch r i st l i ch gedacht und gehandelt — so las man in verschiedenen Tagesbläitern. Nur dies eine Beispiel von Verwechselung der Begriffe. ES ist die Wiederholung der Rede des einfältigen Klosterbruders zu Nathan: „Ihr seid ein Christ! Bei Gott! Ihr seid ein Christ, ein besserer Christ war nie!" Worauf Nathan schlagfertig erwiderte: „Wohl uns! .Denn was mich ench zum Christen macht, das macht euch mir zum Juden!" Lessings Nathan spiegelt den uralten Kampf um die Priorität der fuiwamentalsten Begriffe der Moral und Sittlichkeit ab, ob die sittlichen Grund-begrife. die dem Menschenwesen eigen, dem Judentum oder dem Christentum ihre E n t st e h n n g verdanken oder welche Religion, besser Konfession, sie am nachdrücklichsten den Bekennern zu Gemüt« geführt bat. Eitles Beginnend Die subjektive Sittlichkeit — sic kommt bei der Religion zumeist in Frage — ist wesent lich zu allen Zeilen — unabhängig von Volk und Konfession — dieselbe geblieben. Die Apostrophe des Klosterbruders ist auch insofern widerspruchsvoll, als unsere Gegner nicht müde werden, zu betonen, daß wir Juden nicht imstande wären, ch r i st l i ch zu empfinden.. Oder soll christlich empsinden, denken nnd handeln soviel bedeuten wie: allgemeinmenschlich? Dann ist die Ausdrucksweise irreführend und engherzig. Zur Vermeidung von Mißverständnissen trifft doch H o u st o n S1 c w a r t C h a m b e r l a i n, der die jüdissche Psyche genau zu kennen meint, die Scheidung zwischen „jüdischem" und „arischem" Gewissen. Daß dieser Auffassung, die lediglich subjektiv zu belverten ist, eine das Individuum zwingende Vernünftigkeit innewohnt, wird jeder Denkende verneinen müsien. Die Verabsolutierung der christlichen Religion könnte ein Widerspiel zu der oft verlästerten und mißverstandenen Auserwähltheit Israels (Behirah 5. B. M. 7, 6) bedeuten. Nur ist die Auserwähltheit eine geschichtliche Tatsache, die nicht den Hochmutsdünkel fördern, sondern eine sittliche Aufgabe — tiefe Demut — in sich schließen soll. Wie ganz anders der Grundsatz: Nulla salus extra ecclesiam, d. h.: Kein Heil außerhalb der christlichen Kirche! gegen die Lehre des Judentums: Die Frommen aller Völker haben Anteil am ewigen Leben. Es ist tief bedauerlich, daß unsere Religion seitens nichtjüdischer Schriftsteller und Gelehrter selten in ihrem innersten Kenie erfaßt und Professor G u n k e l s Wort:*) „wir wollen sie (nämlich die Träger der Religion des Alten Testaments) so durchdringen, daß wir das, was sie erlebt haben, nachfühlend in uns selber wiederholen und ihr Dolmetsch für unsere Zeit werden" nicht eingeprägt wird. Die Religion, die versöhnend wirken sollte, dient dem Gegenteil angesichts des zur Schau getragenen Gefühls christlicher Oberhoheit, die sich in stillschweigender Geltend- ■ machung dem "Judentum —^ der Mutterreligron — Metz-. über zeigt, wie das treffend Dr. Dienemann in seinen Gedanken bei der Lektüre von „Kevserling, Reifetagebuch eines Philosophen"**) gekennzeichnet hat. Bei Behandlung religiöser Probleme kann und darf das Judentum nicht fehlen. Eigenartig berührt es, wenn Professor Volkelt***) schreibt, daß der Religionsunterricht in das Gerüste einer geschichtlich gegebenen Religion hinein- *) Die Religirmsgeschichte und die alllestamentliche Wissenschaft in dem Protokoll 'der Verhandlungen über den. **) Ter Orden Ben Britz. Mitteilungen der Grotzloge für Deutschland U O B B, Nummer 7/8, Juli-August 1021. jujijien xacuicmgiCB mies VMUijicmiun. 27-enm--«>moneverg 1910. ***) Religion und Schule. Leipzig 1919. Haftara Vaj'chi. Josua 24. Die übliche Haftara zur Sidra vom Tode Jakobs und Josefs ist das Testameut Davids I. Aön. % Da «§ nach der Meinung der meisten modernen Forscher erdichtet ist und zudem unseren moralischen Begriffen stark widerspricht, so lesen wir statt dessen Josua 24. die Erzählung vom Abschied Josuas von seinem Volke. Sie enthält manches schöne Wort und erinnert am Schluß noch besonders an die Sidra durch die Erzählung von der Bestattung der Gebetn« Josefs. Uebrigens ist das Stück in der Petzach-Haggada benutzt. Den Anfang er. ganzen wir aus dem 23. Kapitel. AIS Josua aU imfc betagt geworden war, berief er ganz Israel nach Sichem; seine Aeltesten. Richter und Verwalter mutzten vor Gott htntreten. und ei sprach zu ihnen: ,So spricht der Herr, der Gott Israels: Jenseits des Stroms- Euphrat wohnten einst eure Väter, Terack, der Vater des Abraham und Rabor. Sie dienten noch andem Göttern. Ich aber nahm euren Vater Abraham von jenseits des Stromes fort und ließ ihn in das Land Kanaan ziehen. Ich gab ihm den Isaak und gerb dem Isaak den Jakob und Esau: dem Esau gab ich das Gebirge Seir zum Besitz, Jakob aber zog mit seinen Söhnen nach Aegypten hinab. Dort mehrte ich seine Nachkommen' und sandle ihnen Mose und Aron, schlug Aeghpten mit Plagen, und führte euch nachher von dort hinaus. Die Mgvpter verfolgten eure Väter mit Reitern und Wagen bis ans Schilfmeer; da riefen st« zu Gott, er brachte eine Wolkenwand zwischen sie und dte Aegyptcr nnd brachte das Meer über sie, datz es ste brgrüü — ihr habt's mit eigenen Augen gesehen. Dann wohntet ihre lange Zeit in der Wüste, bis ich euch in das Land der Emoriter brachte, die jenseits deö Jordan wohnen. Sie kämpften mit euch, ich aber gab ste in eure Hand, ihr erobertet ihr Land und vernichtetet sie. Auch Balak den Zip» p«r, der König von Moab, stand wider euch auf und wollte Israel bekämpfen: er ließ den Bileam den B'or rufen, damtt er euch verfluche. Ich aber wollte ihn pickt erhören; « mutzte euch segnen, und ich rettete euch auS seine« Hand. D«m überschrittet ihr den Jordan nnd kamt vor die Stadt Jericho: auch ihre Bewohner wollten euch bekämpfen, — ich aber gab auch sie in eure Hand. Ick sandte die Hornisse vor euch her, und du schlugst zwölf Könige der Emoriter, Nicht dein Schwert und dein Bogen hätte cs vollbracht! So Mb ich. euch dieses Land, um das ihr euch nicht gemüht habt, die Städte die ihr nicht gebaut habt, ihr wobnt darin genießt die Wein- und Oelbaum-Plantagen, d»< ihr doch nicht gepflanzt habt'. So verehret nun den Herrn und j dient ihm m voller Treue und schafft die Götter ab. denen mre Väter jenseits des Stromes und in Aegvvteu dienten, ' und dienet allein dem Herrn! Gefällt euch das aber nickt, so entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt, — vielleicht den Göttern, die eure Väter jenseits des Stromes verehrten, ober den Göttern der Emoriter, in deren Lande ihr letzt wohnet —, jedrusaUs ick und mein Hans, wir werden dienen dem Herrn!" Doch das Volk Hub an und sprach: „Das sei fern von uns, daß wir den Herrn verlassen' und andere Götter vrrehren! Er hat unS aus dem Sklavenhause AeavpenS befreit und vor nuferen Augen so große Wunder getan, er hat unS ans unserem ganzen Wege behütet und die Emoriter in diesem Laude vor uns verjagt — auch wir werden dienen dem Herrn, denn er ist unser Gott!" Da sprach Josua: „Bedenkt es wohl: Er ist ein heiliger Gott» ein eifervoller Gott ist er: Msall und Sünde vergibt er euch nickt: Wenn ihr den Herrn verlaßt und fremden Göttern dient, so wird er euch Schlimmes antun. wie er euch früher Gutes tat, ja er wird euch vernichten!" Das Volk aber antworicie: „Rein, wir Wollen dienen dem Herrn!" Da sprach Josua: „Zeugen seid ihr selbst wider euck. daß ihr euch heute für den Herrn entschieden habt! So schasst denn di« fremde,, Götter fori, die uock in eurer Mitte stub und wendet euer Herz dem Herrn, dem Gotte Israels zu?- Nnd das Volk sprach noch einmal: „Dem Herrn, unserem Gotte wollen wir dienen und aus seine Stimme hören!" Da schloß an selbigem Tage Josua in Sickem einen Bund für das Volk mit Gott und machte ihn zum ReckiS- und Reltgionsgesetz. Dann schrieb er eS in das Buch der Gotte-lehre. nahm «inen großen Stein, stellte ihn unter der Eiche beim Heligtume Gottes dort auf und sprach zum Volke: „Dieser Stein sei Zeuge!" Dann eniließ er das Volk, jeden nach seinem Erbgut. Rach dteseu Begebenheiten aber starb Josua bin Run. der Diener GottrS, 110 Jahre ali. Man bearnb ihn auf seinem Erbgut in Timnath-Serach im Gebirge Efraim. Israel aber verehrte den Herrn alle Tag« JosuaS und alle Tage der Aeltesten, die nach Josua noch länger lebten und alle Taten GotteS kannten, di« er für Israel geschafft hatte. Auch dte Gebeine Josefs, die sie mit aus Aegvpteu gebracht hatten, begruben die Kinder Israels, und zwar in Sichem auf dem Feldstück, da§ Jakob den Söhnen Cyamors. dr- BaterS von Sichem, abgekauft batte, nnd das die Söhne Joseserhalten hatten als Erbgut. Juch?. gebaut werden muß und daß hierfür „m der abendländischen Kultur, abgesehen vom Judentum, nur das Christentum in Betracht kommt. Dann stellt er fünf Punkte zusammen, die den hohen religiösen Rang des Christentums bekunden sollen: 1. Das Christentum ist die Religion des absoluten Geistes (Gott ist das vollkonimene Gute), Der Philosoph darf den Gedanken wagen, daß alle großen Werte, vaS Gute, Schone nnd Wahre, iit die Liebe munden. Das wird auch im Christentum mit ergreifender Schlichtheit ausgesprochen. 8. Das Christentum ist keine Mystik. In den Sprüche»: Jesu bildet nach Harnack die Ueberzeugung von dem unendlichen, übcrweltlichen Wert der Mestschensccle einen der bedeutsamsten Züge. 1. Zu dem bleibenden Grundstock des Christentums gehört vor allem auch der Gedanke des Reiches Gottes, das ist: der idealen Gemeinschaft der dem OZmuicit zu gewandten und an der Verwirklichung des Göttlichen arbeitenden Meufcheugeistcr. 5. Das Große an der Ethik des Evangeliums scheint vor allem darin zu liegen, daß sie die Liebe zur herrschenden sittlichen Triebfeder macht und zugleich die Ehrfurcht zu einem sittlichen Grundgefühl erhebt. — Sicherlich trüben wir nicht die Reinheit der Moral und des Intellekts innerhalb des jüdischen Resiaionsbewußtseins, wenn ^wir die Ansicht aussprechen, daß die fünf Punkie bei Streichung von „Christentum" und „Evangelium" und bei Substituierung „Judentum" vollauf für unsere Religion in Ausbruch genommen werden können. Auch bei Volkelt keine klare Durchdringung und Sichtung. Mit vollem Recht bemerkt Dr. Baeck*) „Allenthalben zeigt so ein Blick auf die Wandlungen im modernen Protestantismus, daß sic die Tendenz haben, aus dem Gedankenkreise der Kirche hinaus- und zu dem Ideengebiet des Judentums hinzusichren." Nur sehr allmählich wivd in den Reihen christlicher Forscher mit den alten Vorurteilen aufgeräumt. Wenn wir die verschiedenen Auflagen von Wellhausens „Geschichte" Revue kassieren lassen, so können wir die Beobachtung machen, daß die Charakterisierung des Judentums unter immer uns günstigeren Gesichtspunkten sich vollzieht. Es wird auch immer mehr und mehr die universalistisch gerichtete Wesensart des Judentums von nichtjüdischen Gelehrten anerkannt. So hat der Alttestamentler an der Berliner Universität, Professor D. Wolf Wilhelm Graf Baudissin, zwei akademische Roden veröffentlicht. die den Titel: „Zur Geschichte der alttestamentlicheu Religion in ihrer universalen Bedeutung"**) führen. U. o. bemerkt dieser Gelehrte im Anschluß an die Verse 25 und 26 des 73. Psalms: „Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist Du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Heil." Dies Wort bringt zum Ausdruck das Bewußtsein unzerstörbaren Friedens durch den alles andere Gut auftvieqenden Besitz der Gottesgemeinschaft. Es stellt eben damit eine Höhe der religiösen Auffassung dar, die alle anderen Höhenlagen in sich faßt und sich nicht mehr überschreiten läßt. Dies Psalmwort zeigt das religiöse. Gefühl, auf seinem.. Gipfelpunkte. Daneben hat das Aste Testamenten dem Gebot: „Du sollst deinen Nächsten liehen wie dich selbst" die Bruderliebe als den sich betätigenden Gottesdienst dargestellt. Es hat damit für das Verhalten der Mitwelt gegenüber einen ethischen Grundsatz ausgesprochen, der in seinem vollen Sinn verstanden, eine Steigerung nicht erfahren kann." Soweit Graf Baudissin. Nur mit ängstlichem Bedacht oder bedächtiger Aengstlichkeit wissen gar oft nichtjüdische Gelehrte das Judentum zu würdigen, und wenn dies geschieht, folgt meistens der Pferdefuß. Sonst herrscht arge Verwirrung der Gemüter. Das Schema ist bekannt: Alles Hohe, Edle ist germanisch, alles Niedrige *) «Die Umkehr -um Judentum" im Korrespondenzblatt des Verbandes der deutschen Juden. Nr. 5, Juli 190!). i **) Berlin 1914. BW»WHWIHIILUiyiBJ | Legenöen. Von Ludwig Davidsohn. Der Abschied. . . . „Mose aber war hundertzwanzig Jahre alt, als er starb..." „ES stand aber kein Prophet mehr auf in Israel, wie Moje, den der Ewige erkannte von Angestckt zu Angesicht ..." Als der Morgenwind den seinen Nebel, der über der Wüste lag, ein wenig zerteilte, brach plötzlich wie ein brausender, immer lauter anfchwellender Orkan unter dem ^olfe Israel ein unermeßlicher Jubel aus. Jaro. der achtzehnjährige Sohn des Prieste-'s Zohär vom Stamm« Levi, hatte zuerst dazu Anlaß ^^eüen. Jaro stand nämlich auf einenr niedrigen -öügel. ver daS Lager um etliche Fuß überragte, schlank und sthnig. von d«r Sonne gebräunt, und seine dunklen, traurigen, aber schärfer blickenden Augen hingen wie gebannt am ^oriwnt: — mit der rechten Hand wies er stumm nach Norden. — Dort erhob sich wie eine grüne, glänzende Oase eine von Bäumen gesrcckste Bergkette, dalnuler mehrere, noch höhere dunlle Linien, und durch ein schmales, gespaltenes Tal fab der sernengew»bute Blicke in einen '"«ppigbcwacksoncn Land^ strich, der in der Morgrnsottne wie ein ungeheurer Smaragd glänzte. — Sanft strick der von dort kommende Wind über den trockenen Sand und führte einen Dust wie von rci-.n Früchten und blühenden Blumen mit sich. Alle wußten mit einem Schlaae: Die Vierzig?iahre larrge Wanderung durch dte Wüste, auf dcr Generationen gestorben und geboren waren, auf der man so viel Elend und Kümmemissc drirchlcidm nmßte. hatte ein Ende! Dort gab ei wieder Aeckw und Felder, dort wurde man endlich, endlich zur Ruhe kommen, den Pflug in d-'e Erde stoßen und wieder beginnen, Mensch zn lein, während man bisher schlechter gelebt batte, als die Sckakale, die den Spuren der irrenden Wandcrzüge gefolgt waren. Jnuncr lebhafter tobte sich die Freude aus. Die mrister tarrzten in ihren zerlumpten Gewändern mnher. Pauken. Tvmbeln und Schalmeien erschollen, dazrvisckcn eriönie froh, lockend ver lante Ton dez SchofarhoruS. Man lief aus dem Lager ihcmus, umarmt,' sich, ries sich verzückte Freudenrufe zu, fang Lieder und s-.hwan'g fick tm Aeiaen. Nur wenige von den Aelteren blieben in der Stille mw Einsamkeit ihre- Zeltes, sanken dort nieder und blickten betend mit ernstem, versunkene«» Gesicht empor. Einige cstreise knieten draußen überwältigt bin nnd blickten zu V'v.: