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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-01-13 · 2 (13.1.1922) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
2 (13.1.1922)
Date
1922-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die „Jüdisch-liberale Leitung" erscheint jeden Freitag und kostet durch die post ober durch die SeschästSsteNe bezogen, vierteljährlich Ml. 6.— Einzelnummer 60 Vf. . Zahlungen aufVoMcheSkonio Breslau 453S7,3flMf$~ liberale Zelwng, Kafsenverwaltuag. «.Bauer, Breslau i RedaNlon und Geschäftsstelle: Breslau 3 Neue Graupenstraße 7,1. Annodmrschlutz für Berichte: Montag mittao Sprechstunden der Schrlftleltung: Montag dls Freitag 12—1 vorm, ln der Geschäftsstelle. Annahmeschluß für Anzeigen: Dienstag früh Dle 3',, em breite Mllllmeterzelle kostet 1 Mk., Familienanzelgen 70 Vf. BeiWteberholung Ermäßigung lt.Lartt Nr. 2 Breslau, den 13. Januar 1922 2. Jahrgang MM«» Ihre Anwesenheit wurde daher besonders wohltuend Kn unsere Leser! : Um die hohen Nachnahmespesen zu verj : meiden, bitten wir hösl. um Aberweisung!! -er Vezugsgebühr von Nk. 6.— sür -as j \ t.tzuartal tyLL auf Postscheckkonto Ar.45 387 -! Breslau, Lncd kayer, Kaffenverwaltung -er : Jüdisch-liberalen Zeitung. | | 20. cr. werden die Monnementsgebühren 2 durch Nachnahme erhoben. | WMsMlnlling Ser vereiliiWiig für Sss liberale HSekstim. a m 3. und 4. Januar in B erli n. Die große öffentliche Kundgebung am Abend des 6. Januar im Saale der Gesellschaft der Freunde gestaltete sich sehr eiudrucksvoll und stellte, allein schon durch die Auswahl der bereits im Borbericht der Nr. 1 unseres Blattes genannten Redner einen Gewinn für unsere Bewegung dar. Aach Eröffnung der Sitzung durch Herrn Junizrat P l 0 n s r e r, der namens des Berliner Liberalen Pereins die sehr zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste sowie die anwesenden Delegierten aus ganz Deutschland hegrüßte, nahm .als erster Herr Rabdmer,Dr..I.?l^g - mann. Frankfurt a. M., zu seinem Bortrage „Lebendiges Judentum" das Wort. Die Ehrfurcht, welche vierzig Jahrhunderte kraftvollen und heiligen indischen Lebens jedem Israeliten geben sollen, das Wunder, welches das Dasein jedes Juden in sich schließt, beit lebendigen, immer neu sich gestaltenden Organismus, den unsere Gemein schüft darstellt, wußte der Vortragende unter tiefster Ergriffenheit jedem seiner Zuhörer nahe zil bringen. Sein Aufruf zur Opfertvilligkeit. zur Treue und zur Erfüllung des prophetischen Mottos. „Recht zu tun. Liebe zu üben und demütig zu lein", welches Micha aller Welt verkündet bat. fand begeisterten Beifall. Frau Iusttzrat Ollend 0 rff bot uns willkommene Gelegenheit, die hingehende Auffassung der nwdernen Jüdin. kennen zit lernen. Frei von jeder Beschönigung fand die als geistvolle Rednerin bekannte Dame kluge tlnd gute Worte, die Frauenpflichten int liberalen Judentum darzustellen und als für jede Israelitin verbindlich zu fordern. Sie sprach ihre Mitschwestern nicht frei von Schuld und beklagte sehr die Lockerung der Familienbande und die Mischehe als Momente eines bedrohlichen Verfalles. Zufallsjudentrrm müsse aufhören, Wille zum Glauben einkehren! Der tötende Materialismus sei der Feind und nicht weniger das eitle sich selbst Unterstreichen. Der Ehrgeiz müsse sich in Ehre verwandeln, der Reichtum bedenke mit schärferem Gewissen seine sozialen Pflichten! Mit dem Appell, daß die Kultur des Fortschrittes ein Gut in den Herzen der jetzt auch zur öffentlichen Arbeit berufenen Frauen fein müsse, schloß auch diese programmatische und überaus svmpathiscbe. mitfreudigem Dank begrüßte Ansprache. WW-llbllsler WeMmlnzu Mu. Montag, den 16. Fanuar 1922, abends 81/4 Uhr, im Saale der Gesellschaft »Eintracht", Tauentzienstraße 12 (Eingang nur Anger) Bortrag des Herrn Dr. Manuel Joel j Seelenglaube und Monotheismus | im biblischen Judentum. Montag, den 30. Januar 1922 General-Versammlung. Anträge find schriftlich bis spätestens 22. Januar an die Adresse Alfred Berger, Breslau 7, Höfchenstraße 61 einzureichen. Der dritte Redner des Abends, Herr Dr. M. Sal 0 - m 0 n s k i, Berlin, streifte in seinem Thema: „Wohin steuern wir?" in der Hauptsache Angelegenheiten der Berliner (Gcmeindepolitik. Er stellte die Aufgaben der Mitglieder und gewählten Vertreter, unsere Anschauung in Leben und Bewegung der größten Gemeinde Deutschlands währzunehmen, mit Frische und Klarheit fest, und wußte sich mit einigen Gegnern, die durch Zwischenrufe ihre Ansichten zum Ansdmck bringen wollten, geschickt auseinander zu setzen. Bevor der Vorsitzende die Versammlung, welche sich bis 11 Uhr mrsdehnte, mit Worten des Dankes schloß, erteilte er noch in der Diskussion einem Ostsuden das Wort, der seine Sympathie mit den liberalen Ideen bekundete und — das war die allgemeine lieber,zeugung — im Namen vieler anderer sprach, die wie er denken und die Arbeit der deutschen Juden zu würdigen wissen. Daß die Sondernummer der „Jüdisch-liberalen Zeitung" in vielen hundert Eremplaren nach Schluß der Versammlung verteilt wurde, fei zur Vollständigkeit hier berichtet. Die. Arbeiten des zweiten Tages der Hauptversammlung brachten zunächst'ein kurzes Referat über Organisation und Propaganda, das Herr Rabbiner Dr. S a l 0 - m 0 n s k i, Frankfurt a. O., erstattete. An der Diskussion hierüber, die das formale Gebiet verließ, und erfreulicher weise das Kapitel der Arbeit für die Ideen der Vereinigung behandelte, beteiligten sich die Delegierten: Frau Sanitätsrat Dr. Laser, Königsberg, und die Herren Zahnarzt L i v s ch i tz, Berlin, Rabbiner Dr. G 0 l d m a n n, Leipzig, RechtsaMvalt Dr. T e n t l e r, Hamburg, Rabbiner Dr. Wiener. Stettin, und Lehrer Robert Hirschfeld, Berlin. Danach konnte dieser Gegenstand der Tagesordnung verlassen werden, und hier sei nur der Wunsch der Versammlung wiedergegeben, die Zahl der 8 großen Ortsvereine 43 Gruppen und 10 Iugendvereine durch intensive Arbeit zu verdoppeln. Freudig begrüßt erschien inzwischen der Ehrenvorsitzende der Bereinigung. Herr. Instizrat Breslauer. 'In jugendlicher Frische sprach er nach den Tankesworten des Vorsitzenden über die Arbeitslust und den Geist der Freundschaft, die stets den Weg der liberalen Juden erhellt und begleitet hätten. Er brachte den Wunsch zum Ausdruck, daß die gleiche Gesinnung immerdar die Tätig seit der Vereinigung fördern tlnd sie zum Ziel führen möge. Darauf hielt Herr Rabbiner Dr. B a eck, Berlin, eine Ansprache über das Psalmwort: „Ein reines Herz erschaffe mir. 0 Gott, und einen festen Geist erneuere in meinem Innern." Für das lange in der Enge lebende Judentum hat durch das Eintreten in die Gemeinschaft aller Menschen eine Revolution begonnen. Trotzdem muß es eine Gemeinde der Andersfoienden bleiben. Es darf nicht nur von der Welt sein, es darf den Zug der Religiosität nie verlieren. Das Itldentum muß sich ernst nehmen, und der liberale Jude muß in der Ueberzeugung leben: Wir werden so viele liberale Juden haben, wie es Juden gibt. Wir sollen nicht immer nur abwehren, denn das demoralisiert; lüir sollen die Religion der Väter ansgestalien zur Religion der Kinder. An die überragenden Ausführungen reihte sich keine Besprechung, so daß ihnen gleich das Referat des Herrn Rabbiner Dr. S a l z b e r g e r, Frankfurt a. M>: „Unser Gottesdietrst" angeschlvssen werden konnte. Zuvor aber verlegte die Versammlung ihren Sitz aus dem zu eng geworderten Bibliothekssaal der Loge in den sehr geräumigen Wintergarten des Hauses. Diese Aeußerlichkeit sei als rticht unbedeutertd hiermit gebucht und bleibe uns ein Symptom dafür, daß das rege Interesie an unserer Arbeit, roelck>e bis zur letzten Stunde durch den Eisenbahnerstreik mehr als gefährdet erschien, durch nichts gelähmt werden kann und in Zukunft weiter wachsen und zur Herzenssache der deutschen Juden und aller, die wie sic fühlen, werden wird. Hier ist (Gelegenheit ztl erwähnen, daß zwei treue Anhänger unserer Bestrebungen, die Herren Rabbiner Dr. K a e l t e r, Danzig, und Rabbiner Dr. L i t t m a n n, Zürich, alles daran gesetzt batten, um bei uns zu sein. empfunden. Das Salzbergersche Referat zeigle. daß die Gesichtspunkte der Verschönung, Verdeutlichung und der notwendigen Kürzung unserer Andacht Motive jeder Reform waren und ihre Wirkung bis über dem Ozean entfaltet haben. Der Fortschrittswillen und die Einsicht, daß immer mehr getan Iverden muß. um die Zeit des Gebets fruchtbar zu machen, mögen zu besondcrcul Bedachtnchmen für den Gottesdieitst anleiten. Alls der einen Seite sei die Schrift« crklärung sür alle Andachten eiuzuführen und demgemäß zu kiirzen. Kein biblisches Gut dürfe benachteiligt werden. Neben der Thorg- und Propbetenvorlesung fei auch in der Synagoge der Vortrag und die deutsche Wiedergabe der Hagiographeu, insbesondere bar Psalmen, zu fordern, die in ihrer unvergleichlichen Bedeutung als Gesangbuch der Gemeinde bisher nicht zu gebührender Würdigung gelangt seien. Der Redner vermißt auch die Poesie unserer großen Dichter, besonders der spanischen Epoche. Biel zu wenig ziere hiervon unser Gebetbuch. Nachdem er noch darauf hingewicsen halte, daß auch das Hebräische leinen unersetzlichen Charakter int öffentlichen Gebet behalten soll und daß die Nebersetzung durch die Mitarbeit der Besten zu würdiger Wiedergabe und der gleichen Empsindnna führen möge, wie sie dem Tertkundigen vermittelt wird, seine er sich für den alten Wunsch der Liberalen, die Schaffung des Einheitsgebetbuchcs, mit gewohnter Wärme ein. Eine sehr lebhafte Besprechung -bewies die Teilnahme der Versammelten an diesem wichtigen Programmpunkt. Aus der Zahl der Diskussionsredner seien die Herren Lehrer Hirschfeld. Rabbiner Dr. Selig mann und Rabbiner Dr. K e l l e r m a n n hervorqehoben, der besondere eingehend und interessant seine Ansicht znm Ausdruck brachte, so wie Herr I 0 h n L e v i, Breslau, der bewährte Freund und Förderer unserer Ideen. Hierauf sprachen die Herren Rabbiner Dr. G oldm ann . Leipzig, Dr. L e w k 0 w i tz , Berlin, und Dr. V 0 g e l st e i n , Breslau, um darzulegcn, daß das (Gebet nach unserer Auffassung mehr geinorden üi als ein Hilstmittel vor Gott. Die Freude am Gebet und das Verlangen nach ihnt, selbst ohne Absicht oder Aussicht auf Erfüllung, gäben erst der Altdacht den Segen. Am Schlüsse der DiSkussion wurde eine sicbenglic-drige Gebetbnchkommission eingesetzt, der vier Rabbiner angeboren. Dieser Gegen stand gab dem Vorsitzenden Anlaß, des' allzu früh entrissenen, verdienstvollen Rabbi ncr Dr. Hoch seid mir Worten der Wehntut zu gedenken. Sodann fand die gemeinschaftliche Mittagstafel statt, -tu der der Vorstand der Vereinigung die Delegierten in gewohnter liebenswürdiger Weise eingcladett hatte, und zwar ebenfalls im Berliner Logenhaus, welches feit Kriegsfchlttß d:e bevorzugte Stätte aller jüdischen Tagungen gewordett iß. Nach dieser kurzen Panse, die Herr Rechtsattwalt Stern nicht ohne Worte der Freundschaft verklingen ließ, gingen die Beratungen weiter. Herr E r i ch B a y e r, Breslau, erfreute die Versammlung ditrch fein vortreffliches Referat: „Unsere Jugend". Er betonte die Wichtigkeit guter Religionsbücher und bester Literatur, er empfahl Preisausschreiben ttnd kttrze, aber inhaltreiche Flugblätter, Jüdisch-liberal. Äugenbvereln zu Berlin._ Donnerstag, den 19. Januar 1922 Vortrag: „zm trag! öer )§. öoltsfdiule" Referenten: Lehrer Falkenberg. Rechtsanwalt Dr. Breslauer.

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