Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-11-25 · 49 (25.11.1921) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
49 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2613366-2613604-2613652--0239-2617453
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

ftStüt3), und haben svir alle an uns selbst beobaHtek» Kenn wir ft. B. von einem Vortrag möglichst viel bloß mit dem Gedächtnis seschalten wollten: dann lvird es elastischer. Aber auch z. B. von einem so scharfsinnigen Manne wie Julius Caesar ist es ausgesprochen worden, der da sagte: „Fast die meisten erleben cs. daß sie durch die Verwendung der Buchstaben eine Einbuße an ihrer GedächtmSlrast felben“(De bollo Gallico VI, 14). Außerdem ist z. B. das indische Literaturwerk, das „der Riaveda" heißt und 1017 Ttropben mit 153 826 Worten besitzt, nur durch das Gedächtnis bewahrt worden, bis nicht lange vor Buddha (557—477) die Schreibkunst in Indien gebraucht wurde. (Frd. Max Müller, Vorlesungen über den Ursprung der Religion. S. 176). Also schon durch die bloße mündliche Ueberlieferung hätte die Kunde von den wichtigen Erlebnissen der Urvater und Erzurväter auf die späteren Geschlechter vererbt werden können. Aber tver darf in unseren Tagen bei der Beurteilung dieser Möglichkeit immer noch das unbeachtet lassen, was die neueren Entdeckungen über da-- Alter der Schreibkunst hauptsächlich in Borderasien gelehrt haben? Bon den 282 Paragraphen der Gesetzesinschrift deS altbabplonischen Königs Hamnmrapi (1955—1912) lautet sa § 128: „Wenn jemand eine Ehefrau nimmt, aber keinen Vertrag mit ihr schließt, so ist dieses Weib nicht Ehefrau". Also da ist vorausgesetzt, daß die Buchstaben in Babylonien auch den Untertanen bekannt waren, urib dies wird auch durch die Geschästskontrakte bezeugt, die in anderen Paragraphen erwähnt sind. Nun ist aber Abraham aus Ur in Südbabhlonien ausaetvandert (1. Mos. 11. 28). Eine wie unnatürliche Annahme ist es da, wenn jemand, wie es neuerdings gewöhnlich geschieht. vorauSsetzt. daß gerade Abraham nickt mit dem Gebrauch des Schreibens bekannt gewesen sei! Vielmehr ist setzt auch der Siegelring voll erklärt, den Juda trug (1. Mos. 38, 18). da viele Siegel ausaearaben worden sind, und Herodot (1, 195) von den Babyloniern sagt: „Ein Siegel hat jeder." Daher ist es keinestvegs eine Unwabrsckeinlichkeit. daß sckon in der Patriarchenzeit von den Hebräern einzelne A u f z e i ch n n n g e n gemacht worden sind. Warum denn soll z. B. über den Ankauf des Erhbearäbmsies (1. Mos. 23) nickt eine, wenn auch kurze Niederschrift gemacht und im Iamilienarckiv aufbe1ughi4 worden sein? Ein solches ist sg in Gestalt einer Tonkiste (Val. Ier. 32. 14!) z. B. in der Stadt Tbaanach (Jos. 12. 21) ausgegraben worden. Leider bat auch z. B. noch Kittel in seiner zweibändigen Geschickte des Volkes Israel (I, 1916 B. 193. 313 ff., 409) nicht an diese Möglichkeit oder vielmehr Wahrscheinlichkeit gedacht. (Fortsetzung folat.) bericht über Sie hWtMssiMlW beuOer AsstsbüM Mischen SisiibM. am 20. und 2t. November 1921 in Berlin. Von unserem B. ^.-Korrespondenten. Iustizrat Dr. Bro d n i tz eröffnet die Sitzung. begrüßt d'e Erschienenen. die tvohl noch nie so zahlre'ch zu einer Hauptversammlung des Zenlralvevins gekommen wäre»». Er erblickt hierin e-nen Beweis dafür, daß der Kre's der Zentralvcrems-Anhonger sich stetig vergrößere. Iustizrat Tr. Brodnitz gedenkt dann der Verstorbenen, deren Namen die Versammlung stehend onhört. Die Leitung der Hauptversammlung wird soleenden Herren übertragen: Geheimer Medizmalrat Falkenstein, Königsberg. Rechtsanwalt Tr. Geiger. Frankfurt a. M., Iustizrat Ivsephstal, Nürnberg. Das einleitende Referat hält Rabbiner Dr. Rieger. Nraunschweig über „Tas Heimatsrecht der deutschen Juden". In seinen Darlegungen über den Kampf der jüdischen Deutichen um ihr Hcinwtsrecht führte der Redner aus: „He'mat ist keine geographische Bezeichnung, kein Rechtsbcgr-ff, keine Pol tncbc Definition, sondern ein rel giös-eth:scher Jirhalt. Daher gehört d^ Heiniatsliebe zu den rcl'giösen Werten. Mit religiöser Inbrunst bäuecn die jüdischen Deutschen an ihrem Batcrlande. In Deutschland wohnen sie ununterbrochen 1800 Jahre. Das älteste Dokument ihrer Niederlassung in Deutschland ist ein Dekret Kaiser Konstantins vom 11. Dezember 321,;n d:m er die Verfassung der Kölner Iudeugemcinde rcoclt. Die Juden wohnten also schon vor Ser Völkerwanderung in Dentschland. Während sie in Palästina insgesamt 1400 JMe gelebt haben wohnen sie hier bereits 400 Jahre länger. Wer die rassebildende Kraft des Bodens, des Klimas, der Umwelt kennt, der weiß, daß schon ein Zeitraum von 200 Jahren genügt, fremde Volkstcile vollständig zu assimilieren. Das beweisen die Refugies. b:c, seit 1685 in Deutschland, längst alz durchaus eingedeutscht gelten. Das bezeugt besonders die neuarner.kanische Rasse, die alle Einwanderer nach 3 bis 4 Generationen restlos kn sich aufnimmt. . „ .. Daß ihre Eindeutschung keine nur äußerliche ist, beweist d e Tatsache, daß ihre Muttersprache nachweisbar für ein volles Jahrtauseich die deutsche ist. Die Juden haben in diesem Jahrtausend ein umfangreiche- Schrifttum in deutscher Sprache geschaffen, dessen Klassikr.der Minnesänger Süßkind von Trimberg (1215) und Liwa von Regensburg, der Ueb rietzer der Samuelbücher in deutschen N'belungenstrophen, sind. Tie Predigt in der Lendessprach; war schon im neunten Jahrhundert emgeführt: das deutsche Gebet war allgemein üblich.. Sprachgemeinschaft bedeutet aber Gedcmkengemeinschuft. Deutschland ist aber für seine Juden nicht nur di? Heimat der Sprache, sondern auch ihrer Sitten und Lebensformen. Der kulturelle Güteraustausch zwischen Juden und Christen war aber nicht einseitig. Denn die deutsche Kultur verdankt dem größten Kulturgut des Judentums, der Bibel, mehr als dem germanischen Einschlag und dem griechischen Einfluß. Durch die Bibel ist süd'fcher und deutscher Geist unlösbar ineinander verwurzelt. Welcher Segen aus dieser Verwurzelung heworgegangen. l>at Rudolf Eucken vor kurzem hier dargetan. So ist Deutschland für seine Juden das Heinratland ihrer Seelen geworden, das Land, dessen Ehre ihre Ehre, dessen Schmach ihre Schmach ist. dar Land, das sie mit deutscher Treue mrd deutschem Idealismus lieben. Cie haben in friedlichen und kriegerischen Zeiten ihre Pflichten gegen dieses Land voll erfüllt und können daher aufrecht ihren Lästerern entgcgentreten. Sie blicken m't dankbarem Stolz auf die lange Ehrenreihe chr stlicher Mitbürger, welche das Heimatsrecht der Juden anerkennen und anerkannt haben. Der erste Christ, der am Eingang der Neuzeit das Bürgerrecht der Juden in Deutschland gefordert, ist kein Geringerer als Reuchlin. der bereits 1510 ihre bürgerliche Gle'chsiellnng vertreten hat. Der Hinblick auf diese besten Christen muß die Juden in ihrem Kampfe bestärken. Sie fordern keine Vorrechte, sie fordern ihr Recht, wenn sie ihr Deutschtum verteidigen." ..Wehrt euch, ihr ehrt euch, laßt euch n'cht entrechten!" Cs folgt ein Referat des Syndikus Tr. Holländer über das Thema: „Im Kampf um unser Vaterland". Der Redner betont, daß es kein Erlahmen in diesem nun schon so lange dauernden Kanipfe geben dürfe, da auch unsere Gegner nicht müde werden, uns immer und immer wieder als dir Ursachen alles Unglücks zu bezeichnen, das unser Vaterland betroffen hat. Er weist an Veröffentlichungen prominenter Persönlichkeiten nach, in welcher Weise gewifle Kreise, deren aristokratisch-feudale Erstellung notwendigerweise in Gegensatz zu der von soziolcm Empfinden getragenen Judenheit tritt, zum Te'l auch aus purem Ego smuz dir Juden als Vorkämpfer der politischen und sozialen Gleichberechtigung bekäinpft haben. Ter Vorwurf d's „volksmmzersetzenden" Internationalismus ist ein Unding. Das Judentum ist. w'e Hermann Stcinthal sagt, international wie die Humenität. Die Judenheit ist vaterlandsliebend. Der Iord.rung unser Judentum oufzugeben und voll im deutschen Volke auszugehen, müssen wir unseren Willen zur Erhaltung unseres Judentums aus dem gleichen Grunde entgegensetzen, ans dem die verschiedenen Stämme unseres Vaterlandes auf ihre Eigenart stolz sind und sie zu erhalten verstehen. — Ter schändliche Vorwurf der Drückebergerei im Kriege ist durch einwandfreie statistische Veröffentlichung widerlegt: hohe Offiziere haben gegen diese Behauptung Widerspruch erhoben. General Ludendorffs Behauptung, daß eine geheime Oberleitung des jüdischen Volkes Hand in Hand mit den W.stmachten den Krieg entfesselt haben, um auch Deutschland in ihre Gewalt zu bekommen und ire Juden in Palästina staatlich zusammen zu schließen, ist der denkbar schwerste Vorwurf. Er ist zurückzuweisen, um so mehr, als das Judentum, wie seine Geschichte beweist, immer gegen Angr'fsskric'e war. dagegen den Kampf um die eigene Scholle als heilige Pflicht erklärt hat. _ Eine Stelle aus unseren? Schrifttum. d:e auch Ludendorff interessieren dürste, muß hervorgehoben werden: „M'lde soll auch das Verfehrren gegen d'e Jeinde sein: der Gesetzgeber verbietet nämlich, ihr Land mit Jener zu vernichten und g<stattet auch das Iallen ber JpMt* b äy,m e n rcht." Wenn Ludendorff davon spricht, daß eine.z'onistische Oberleitung d:s jüdischen Volkes d'e Niederlage Deutsch- LmbS zum Zwecke der Oberherrschaft in Palästina oewünscht habe, so vergißt er. daß das aus angesehenen christlichen Männem Deutschlands zusammengesetzte ..Pro Paläst'na"-Komitre schon wahrend des Krieges die Errichtung e'ner öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für die Juden als ein für Deutschland nützliches Unternehmen darstellten. Er vergißt auch, daß die übergroße Mehrzahl der deutschen Juden den Zionismus ablehnt, nicht etwa, als ob er deutschfe'ndlich wäre und als ob die Behauptungen auch nur einen Schein von Recht hätten, sondern weil wir uns durch Kultur, durch Geschichte und Sprache als vollberechtigte Gl'eder des deutschen Volles fühlen. Der Kanrpf. den wir für unsere Vollberechtigung führen, geht nicht für die Kultur der Juden, sondern des deutschen Volkes. Irau I u st i z r a t Else D a r m i tz e r - N ü r n b e r g spricht für d'e auf dem Boden des Zentralvereins stehenden Frauen. Sir schildert mit eindringlichen Worten, welche Leiden der jüdischen Iran durch die antisemitischen Angrissc bereitet werden. Als Iran stellt man sie als minderwertia dar. als Mutter muß sie cs ansehen. wie man ihren Kindern die Ehre rauben möchte. In den Wohlfahrtsvere'men meidet man sie. in gewerbl'chen Betrieben nimmt man sie vielfach N'cht als Angestellte. .gveil sic Jüdin ist". Wie muß einer jüdischen Frau zumute sein, die ihre Kinder im Felde verloren' hat, die man nun als Feiglinge und Drückeberger darzustellen versucht. Sie schließt mit den Worten: „Wahrheit. Recht. Frieden!" S t a a t s r a t D r. Cohn-Dessau: Düe Aniisem'ten sind unbelehrbar. ihre Tätigt: it ist bald eine Angelegetcheir für Irrenärzte. Die beste Verteidigung ist der Hieb. Wir dürfen nicht den Antisemiten nachlaufen, sonst werden wir jüdische Antisemiten. Wir wollen nicht betteln, wo wir fordern dürfen. Wir mästen eine viel größere Ausllärungsarbeit unter unseren deutschen Mitbürgern leisten. Nicht nur als Jude, sondern als Deutscher, nicht nur als deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben?, sondem als Mensch. Rechtsanwalt Dr. Brodnltz-Tanzig irherbringt d'e Grüße der Danzigcr Staatsbürger süd'scheu Glaubens, die ihrem Dentschland die Treue basten werden. . . ' RccktsanwaN Tr. Haai r -P oicn (jetzt Berlin) wrM für die Poseuer Itldcn. die stets, auch in schwerster Zeit, mit ctgcncr Lebensaesabr ibrem deutschen Vaterland' treu gebt eben sind. Für die Oberschlesier spricht Herr Rabbiner Dr. Braunschwei a c r - O P Pt1 u. Er schildert die Verdienste der Juden um Oberschlesicn. Aus Obcrschlcsien bat man e'n Geschäft gemacht. Bei den dortigen Juden wird ihr deutsches Herz wciterschlagen. De oberlchlesiichen Juden haben der Heimat gegeben, was sie ihr nur geben konnten. Möge di? Hcimat ihnen zurückgeben. was sie chnen schuldet: gleiches Recht. D r. Urias - Hambnra spricht namens deS Reichsbnndes indischer Frontsoldaten und erwähnt hierbei das neu erschienene Blatt des Bundis. über das separat berichtet wird. MittelschuNehrer Stern-Kattowitz: Selbstverständlich werden Pie Inden in den abgetretenen Gebieten chre StaKsbürgerpflicht loyal ersiillen. Aber ihre Kultur und ihr Herz werden deutsch ble'bcn. Er weist auf die verhängnisvolle Tätigkeit bin. die die Antisemiten selbst während der Abstimmungszeit in Oberschienen ausgeübt haben. Rechtsanwalt Tr. Bruno Werl-Straßsiurg, (jetzt Berlin) schildert dir Lage der Juden in Elsaß und Lothrmgen. Ob die Juden der dortiaen Lande weiter Anbänaer des Deutschtums sein werden, erscheine ihm zlveislhast. Tort hätten sich deutsche und französische Juden getrennt, erstere seien nach Deutschland gewandert, nur d'e letzteren se'en dort oeblieben. Redner erblickt hierin einen prägnanten Beweis für die Richtigkeit der Anschauungen d^s ^"ntral« Vereins. T r erste Teil der Tagung schloß mit der einstimmigen Antwhnre folgender Resolution: Resolution: Der Zentralverein deutscher Staatsbürger indischen Glaubens schaart seit seiner Gnmdnng die deutschen Inden um daZ Banner des Deutschtums. Von der treuen und freudigen Ersiilluna klar erkannter vaterländischer Pflichten werde»! wir weder durch völkische Jrrlchren noch durch antisemitische Drohungen oder Beschimpfungen uns abdrängen lasten. In dem uns aufaczwllngenen Abwehrkampf um unser Rech: und unsere Ehre sehen wir eine wertvolle und notwendige Leistung zugleich siir unser deutsches Vaterlarrd. dessen Wiederaufrichtung der Mitarbeit aller seiner Bürger bedarf. Mit tiefem Schmerz gedenken wir der Einbußen des Reiches an Menschen unb Ländern. Den staatsrechtlich von uns getrennten Mitbürgern aller Bekenntnisse versprechen wir ww wandelbare Treue. gez.: Dr. N a t h a u, Justizrat 3 o ii rtert f e T b, Dr. Herzfeld. Geheimer Rat Ialkenhein. Dr. John Wertheim, Rechtsanwalt Ioerder. Finanzen. Henry R o t h s ch i l!> - I r o n k f u r t a. M. erstattet das Jinanzreferat. Er hält es für erfordcrl'ch. daß sänrkl'che Landesteile Deutschlands durch hauptamtlich angestellte Syndici oraanisiert werden. Der Durchschnittsbeitraq rnüst'e pro Mitglied 100 Mark betrasen. Die finanzielle Grundlage des Zentralverems müsse bei der jetzigen Geldentwertung viel stärker ausgebaut werden, zumal die Zeitschrift „Im Deutschen Re'cki" in eine Wochenschrift unlgcwandelt werden WH. Max E i s e n st c i n . S t e 1 t' n appelliert an die Mitglieder, weiter für den Zentralverein zu opfern T r. G o l d b c r g - P l a u e n hält es für angebracht eine Aktiengesellschaft zu begründen, die die Zeitung herausgibt, und zwar, wenn möglich, eine Tagcsze'tnng. Innere Mission. Rechtsanwalt D r. Eugen Streu ß^ A t referiert über das Thema „Innere Mission". Terbisherige Aufaabcnkomplex der Inneren Missiorr war im wesentlichen nur ein Korrigieren, aber ke-n Heiler. Dabei haben w'r zuviel mit den Anaen anderer gesehen. Tic jüdische Unterschicht kämpft um die Anerkennung der jüdischen Oberschicht. An den Mißständen in der Judenhe't ist der soziale Auftr'eb schuld. Bisher war die ..innere" Mission eigcnllich eine sebr äußerliche. Wir müsien den jüdischen G'ist zur Richtschnur unseres Handelns, zum Inhalt unserer Persönl'chke'1 machen. Das Geistig^ muß auch von uns bei den andersgläubigen Kulturdeutschen gefördert werden. Unser Ideal muß sein, unser jüdisches Wollen in die deutsche Zukunst hineinzutraaen. Wir müssen deutsche Staatsbürger sein, die den Glauben an die Zukunft d:s deutschen Judentums in ihrem deutsche!» Vaterlande baden. (Starker Beifall.) Iran Henriette sr ü r t h - I r a n k f u r t a. M.: Wir Juden »nüsien danach strebe»», eine Elitegarde zu werden. Hierfür ist aber erstes Erfordernis, daß wir »ins über d'e Mängel klar werden, die dielen Iirden anhasten. Rednerin schildert düse eingeherch. W'r »»»üssen uns geistig unb sittlich so rüsten, daß wm wehrkräfirg sind. Wir müsici» stolz aus unser Judentum sein, aber das bed'nat. daß wir uns nicht beugen irnd »richt schmeicheln. Innere Mission ist Emkehr, damit wir c'ntreten lernen für unser Judentum bis zum letzteit. Tr. I smar Freund-Berlin: Jude sein hs'ßt nicht: .pRicht schl.ch'er sein als die anderen". sond:r», Jude sein schließt den kategorischen Imperativ in sich: Bester se n zu wollen als die anderen. W'r Juden sind eine Gemeinschaft, der man die Vergehen seiner einzelnen Mitglieder vonvirst. Deshalb müssen wir mdcre Mission treiben. Was kann nun geschehen, damit der Kre's derienrgen. die sich von uns abgewet»dct haben, von uns wiedergewoniren w'rd? Wir wüsten uns Organe schassen, die in jede jüdische Hand gelangen. Wir müsien den Rabbinern Diaterial geben, damit sie ans die abseits Stehenden eirrwirken können. Wir müssen ferner d e Lehrer Haftara Thajje Soroh. l. Kön. 1, 1—31. Ms dem poetisch vertieften, sicherlich aber in der Hauptsache geschichtlich wahren Bericht 2er ersten Kapitel der Königsbücher von den Palastrmruhen beirn Tode Davids hebt die Hastara das Stück heraus, das von Davids Sorge für die Nachfolgerschaft SalomoS handelt, — entsprechend der Toravorlesung, die von Abrahanrs Sorge für setnen Sohn Isaak vor seinem Tode erzählt. — Die religiösen Lehren deS Stückesind: AdoniaS schmachvolle Herrschsucht, seme Ml^- achtunA des väterlichen Willens und Ausbeutung der Schwäche Davids, seine äußerliche Macht- »tifc Pompentfaltuug. kurz seine Empörung wird zwschänden an der schlichten Macht der Wahrheit und Gcrechtigvnt. Der Prophet Nathan, der diese vertritt, verbindet Weltklugheit mit Recktsgesühl und Gehorsam g»gen die Arltorität des Königs. — Jede andere Aufsaffung wird dein Tert nicht gerecht. — Am Schluß fügen wir das Ende der Erzählung in abgekürzter Form der eigentlichen Hastara an. Der König David war hochbetagt, — man mußt« ihn schon in Decken hüllen, weil er nicht mehr warm ward —, da überhob sich Adonlja, der Sohn der Ehoggith^ und sprach: ^Jch will König werden!" Sein Vater hatte ihn zeitlebens nie getadelt: „Warum tutst du so und so?!" Er war airch sehr schön von Ansehen und als der nächste nach Absalom geboren. Er schaffte sich also Wagen und Reiter an und fünfzig Mann Leibwache, die vor ihm Herliesen» nnd besprach sich mit dem Heerführer Joab, dem Sohn der Z«uja, und dem Priester Ebjathar, die nicht mehr in Tunst bei David standen. Sie waren auch bereit, ihm zu Helsen. Der Priester Zadök aber, der Heerführer Benaja. Sohnl des Iojada, und Nathan der Prophet, sowie Schim'i und desten Genosscrr und die Helden i»m David unterstützten ihn nicht. — Adontja hielt darauf einen Opserschmaus mit Schafen, Rindern und Masttierrrr bei dem Schlangenstcin neben der Malkerquell« und lud dazu all seine Brüder, die Söhne des Königs, und alle Leute von Juda, die Diener deS Königs. Nur Natban, den Propheten, Benam und die Helden und seinen Bruder Salomo lud er nicht! Da sprach Nathan zu Bathscheba, der Mutter Salomos: „Du hast doch gehört: Adonisa, der Sohn der Eboggith, will König sein, und David, unser Herr, weiß nichts davon! Run komm und laß dir raten! Bedenke: es geht um dein und deine- SohneS Salomos Leben! Geh hinein zum König David nnd sprich zu ihm: ^»ast du nicht selbst, mein L«rr und König, deiner Magd geschworen: Dein Sohn Salomo soll nach mir König werden, er soll auf meinem Throne sitzen?" Während du so mit dem Könige redest, werde ich hineinkornmm, — nach dir! — und deine Worte bestattgen!" So ging Bathscheba zum König ins Schi.»sgc»n.:ch. Sic vemeigte sich und warf sich vor dem Könige nieder, bis er fragte: „Was ist dir?" Da sprach sie zu ihm: ^Mein Herr! Du hast bet dem Herrn deinem Gott deiner Magd geschivoren: Dein Sohn Salomo soll nach mir König sein, er soll auf meinem Throne sitzen!" Jetzt aber wird Ädoni,a Köniq^. und du weißt davon nichts, mein Herr und König! Er halt einen Opserschmaus mit Rindern. Masttieren vnd Schafen dir Menge und hat dazu alle Söbn« des Königs, sowie den Priester Ebjathar und den Heerführer Joab geladen; nur deinen Sohn Salomo hat er nicht geladen! Mein Herr und König! Jetzt sind die Augen von ganz Israel auf dich gerichtet, dav du ihnen kündest, wer auf dem Thron meines Herrn und Königs nach ihm sitzen soll. Sonst werden ich und mein Sohn Salomo, wenn mein Herr und König bei seinen Vätern nrht, als Empörer gelten!" Während sie so mit dem Könige sprach, kam der Prophet Nathan. Man meldete dem König: „Nathan der Prophet'.'. dann trat er vor ibm bin, warf sich aufs Antlitz zu Bodei» vor ih»n und sprach: „Mein Herr uird König! Hast du lestimmt, Adontja soll nach mir König sein? Und mir, deinem treuen Diener, hast du nicht anvertrant, wer dir aus dem Tbrone folgen soll?" Da Hub der König David an und sprach: „Rust mir Bathscheba zurück!" llnd als sie g<ko»nmen und vor ibm getreten wcr. versprach und schwor er ibr: „So wahr Gott lebt, der meine Seele aus aller Not erlöst hat! Wie ich dir einst geschworen habe bei dem 5?errn, dem Gott Israels: Tein Sohn Salomo soll nach mir König sein, er soll an meiner statt auf meinem Throne sitzen, — so bestätige ich es beute'." Da neigte sich Bathscheba zweimal zu Boden, bückte sich vor dem König und sprach: „Lang lebe mein Herr, der König David!" (David aber ließ, den Priester Zadok u»rd den Hrerfübrer Benaja rufen und befahl ihnen und dem Propheten Nathan: „Nehmt die Kretbi und Plethi, die eurem Herrn treu gebliSbcn sind, setzt Salomo auf eins meiner Marütiere nnd führt ihn an die Giebonguelle. Dort salbe ihn Zadok der Priester und Natban der Prophet zmn König über Israel. Dann stoßt ihr ins Schosar, ruft aus: „Es lebe der Kön'g Salomo!" und zieht mit ihm wieder herauf, und er setze sich auf meinen Tbrorr! Denn ibn bestimme stb z»rm Iübrrr und König über Israel nnd Juda!" Darauf antwortete Benaia: „Amen, so sei es! Und Adonoj. der Gott meines Herrn r»»rd Königs, vollende es' Wie et mit dir gewesen, ko sei cr mit Salomo! Ja, seinen Thron mache er größer, als der Tbron meines Herrn und Könias David ist!" Dann taten sie so. Und alles Volk war voll hoher Ireude und jul'elte mit Ilöienspiel und Reigentanz, daß fast der Boden barst! Adonija ober und seine Geladenen zerstoben, als sie davon hörten. Adonija selbst unterwarf sich dem Salomo, nnd dieser begnadigte ihn, indem er sprach: „Geb gen,big nach Hanse!") I u ch.Z.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.