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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-11-04 · 46 (4.11.1921) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
46 (4.11.1921)
Date
1921-11-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ft! IPRQJRI» ||VK|CC H^O^L» v^CT ^IRW MRKw sUCHW Stelle, er komme an meinerstatt, er sei eine Versöhnung für mich; dieser Lahn sei dem Lode geweiht, mir und ganz Israel ein glückseliges Deben." Auf diese Weise überträgt man fein« Sünden auf die Hühner. Ms dem Reich. v Berlin- „Ein Kampf um die Ehre." Ein Brief de- Generals Hoefer. „Der Kampf um unsere Ehre" nannte sich eine Kundgebung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen GlanbenS, die in den stark besuchten Spichernsälen ftattfand. Dr. John Werlheim sprach vom uralten Aufenthalt der Juden am deutschen Rhein, der führenden Mitwirkung der Männer jüdischer Abstammung an Kunst, Wisienschaft, Politik, ihrer Teilnahme am Kriege, in dem 12 000 jüdische Soldaten für Deutschland ihr Leben hingegeben haben. Dr. J-mar Freund erörterte die Angriffe, die sich gegen die jüdische Religion, insbesondere gegen ihre Grundlage, daS Alte Testament, richteten. Nie sei wie in unseren Tagen die Bibel mit Schimpf und Schmubeworfen worden. Aufmerksamkeit erregte ein Brief des Generalleutnants Hoefer, des bekannten Führers des oberschlesischen Selbstschutzes, der die Uebersendung des Werkes über „Die deutschen Juden als Soldaten im Weltkriege" mit den Worten beantwortete: „Die klare Statistik, die das Buch bietet, bildet die beste Gewähr, falsche Beschuldigungen zu widerlegen, und dafür, daß den braven Männern jüdischen Glauben-, die sich opferfreudig mit Leib und Leben eingesetzt haben, für die deutsche Volksgemeinschaft, die verdiente Gerechtigkeit und Dankbarkeit zuteil wird." München. Am 12. Oktober wurde aus Anlatz des BersöhnungSsesteS in einem Bethause in der Reichenbachstraße Gottesdienst eines jüdischen Vereins abgehalten. Am Nachmittag erschienen in diesem Hause drei junge Leute mit brennenden Zigaretten.. Sie wurden darauf aufmerk sam gemacht, daß sie sich in einem GotteShause befinden, (Münchens: Kultur und Mode. DienStckg, Fm X. November. von 9—1 Uhr: 1. Begrüßungsansprache durch die Vorsitzende der Ortsgruppe Elberfeld. 8. Geschäftsbericht, Frau Henriette May (Berlin). 3. Kassenbericht, Iran Dr. Frankl (Berlin). 4. Arbeitsberichte der einzelnen Ortsgruppen, anslblietzend Bericht über: Bedeutung der Ortsgruppen. 5. Bortrag: Die Tuberkulosebekämpfung mit besonderer Berücksichtigung der Kindersterblichkeit bei den Juden. Referent!»: Iran Dr. Alice Gottschalk-GrabowSki (Köln). Aussprache. Don 3—7 Uhr: 8. Vorträge: Folgen deS Entwurfs zum ReichSschulgeseh für die jüdische Schule. Referentin: Fräulein Löb und Fräulein Freimann (Köln). 7. Berücksichtigung von Konfession und Weltanschauung im ReichSjugendwohlfahrtSgesetz (Folgen der Unterbringung in Anstalt »nb Familie). Referennn: Fräulein Dr. Margarete Bereut (Berlin). Aussprache. Abends Uhr: Barmen, Hotel Borussia. 8. Oeffentlicher Bortrag: Die Bedeutung der Frauenarbeit für die Entwickelung der jüdischen Wohlfahrtspflege. Rednerin: Frau S. Wronskh (Berlin). Leitung: Fräulein Bertha Pappenheim (Frankfurt a. M.). Aussprache. — In einem besonderen Schreiben wendet sich der Frauenbund an die weiblichen Mitglieder aller jüdischen Jugendvereine und cm alle, die sich als junge Jüdinnen Aufgaben für di« jüdische Gemeinschaft stellen. „Wir wollen", heitzt es in dem Briefe, „in Elberfeld zufammenkommen urck versuchen, unS klar zu werden über unsere gemeinsamen Pflichten. Wir glauben, datz es eine Forderung gibt, die uns über die verschiedenen Richtungen im Judentum hinweg verbindet. Quelle dazu ist unsere Thora, Weg und Richtung gibt uns daS Leben. ES find die Forderungen, die wir als Jüdinnen der Gemeinschaft gegenüber zu erfüllen haben. Da dies im weitesten Sinne Frauenaufgaben sind, müssen wir lebendige Fühlung suchen mit den jüdischen Frauen, die noch führend die jüdische Frauenarbeit leisten." Die Jugendversammlung fand am 2. November mit dem Thema: „Die Aufaaben der weiblichen jüdischen Jugend für die jüdische Gemeinschaft" statt. Stuttgart. Zum Tode des frühere« Königs von •"‘ft**' fA sr» angebracht, die das Rauchen während deS Gottesdienstes verbiet«. Als schließlich die Anwesenden wegen der Störung durch die jungen Leute etwas deutlicher wurden, haben sie das BethauS verlassen. Am gleichen Abend, als der FestgotteSdienst beendet war, erschien eine Anzahl solcher Jugendlicher vor dem BethauS und provozierten durch Redensarten die daS Gotteshaus verlassenden Leute. ES entstand eine Schlägerei, bei der mehrere Männer verletzt wurden. So weit bis jetzt der Tatbestand. Ist denn die deutschvölkische Glaubenslehre so wenig 'christlich, daß eS nötig ist, in den eigenen Gotteshäusern öffentliche Vorschriften anzubringen, die das Rauchen wahrend des Gottesdienstes verbieten, oder sirw die deutschvölkischen Mitglieder so wenig christlich gebildet, daß sie nicht wissen, daß man während des Gottesdienstes nicht rauchen darf? München. Aufhebung der Bewährungsfrist. In dem Landfriedensbruchprozeß, der als Nachspiel zu den antisemitischen Ausschreitungen am 14. bis 16. September vor dem Volksgericht in Memmingen stattfand. waren die Hauptangeklagten, der praktische Arzt Dr. Sicius und der Handlungsgehilfe Eduard Hail, zu je einem Monat GefängniS mit Bewährungsfrist bis Oktober 1923 verurteilt worden. Wie unS ein Telegramm aus Memmingen meldet, hat jetzt das Oberste Landesgericht in München die Bewährungsfrist für die beiden Verurteilten aufgehoben, so daß sie die ihnen zuerkannte Gefängnisstrafe verbüßen müssen. Elberfelds Bom 81. Oktober bis 3. November 1921 fand in den Räumen des Frauenklubs die VH. Delegiertentrab Mitgliederversammlung des Jüdischen Frauenbundes, E. B.» statt. Die Tagesordnung umfaßte 17 Punkte, von denen wir nur folgerte mitteilen: Montag, den 31. Oktober, abends 7 Uhr: Beisammensein der Vorstandsmitglieder, der Delegierten, des Ortsausschusses usw. Ansprache von Frau Elementine Krämer im Anschluß an die allgemeine Seelenfeier eine Gckenkfeier für den verstorbenen Herzog stattfinden solle. Magdeburg. Wortes, eingefüat Eine Weihestunbe im schönsten Sinne dein den Rahmen der vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüb. Glaubens veranstalteten „Opferwoche ", fand am 2v. Oktober in der hiesigen Synagoge statt. Unser Kantor Teller hatte zu diesem Zwecke ein feinsinnige- Programm zusammengestellt. Mitwirlende SangeSkünstler, die durch hervorragende Leistungen glänzten, waren Fräulein Honka von Ferenczy und Walter Tapell, beide vom Magdeburger Stadltheater. Sehr günstige Aufnahme fand die gesangliche Leistung der Frau Cilli Weile-Mastirig; ungeteilte Anerkennung erntete nicht minder dar tüchtige Können de- Herr« Max Teller, dessen klangvoller und sonorer Bariton in der Arie „Es ist genug" aus dem Oratorium »EliaS" von MendelSsohn-Bartholdy voll zur Geltung kam. Auch die instrumentale Ausschmückung war in den bewährten Händen der Herren Kitzel (Orgel), Schul (Violine) und Lindecke (Cello), eines Mitgliedes des städt. Orchesters. Die wohldurchdachte Darstellung hatte einen sehr erfreulichen Gesamterfolg. Judentum «ollen Skr verbreiten. 8«, 5er WM ftk Saß Wichtigste dabei. Dir müssen versuchen, den Religion-- unterricht umzugestalten, müssen in stanz kleinen Gruppen die Feiertaste feiem und dadurch bewirken, daß von de» Kindern daS Judentum wieder in die Elternhäuser hineinstetrasten wird. Die Jugend muß daS Alter erziehen- Wir müflen aber auch den Mut haben, abzustreifen, waS nicht mehr nötig ist. So ist es z. B. eine orientalische Sitte, den Kopf beim Gebete bedeckt zu halten, die wir nicht mehr zu befolgen brauchen. Auch bei den häusliche« stotteSdienstlichen Handlungen wie Freitag-Abend, Scder u. a. sollen wir den Kopf unbedeckt halten. Wir sollen eben verstehen, was wir tun; und wenn wir das nicht können, müssen wir davon lassen. Es muß eine Zeit kommen, in der di« Gesetze nicht nur ausgeschrieben sind, sondern in der alle sie im Herzen tragen und verstehen, vom Alter biß zur Jugend. Die .Hochschulblätter" der „Bossifchen Zeitung" de« öffentlichen unter der Ueberschrist „Genugtuung-Verweigerung", Die straflose Beleidigung", folgende Zuschrift: In dem Bericht über die 36. Verband Stagung de- Kyffhauser-Ver-andeS der Vereine Deutscher Studenten von Kurt Raube (Hochschulbeilage der „Täglichen Rundschau' vom 18. August) findet sich folgender Absatz: „von einer auch über den Rahmen d«S Verbandes hinausreichenden Bedeutung ist der Beschluß der Tagung, eS den aktiven Mitgliedern der V. D. D. St. zu untersagen, Juden mit der Waffe Genugtuung zu geben. Die Verbandstagung vertrat den Standpunkt, datz die ritterliche Waffe de- Zweikampfezu hoch stecht, als datz man sie kreuzen soll mit den Trägern eineauanderer Rassenart entstandene» und fich von dem germanischen wesentlich unterscheidende» EhtzbeariffeS» mit den Vertretern einer Raste, die versteckt und zäh deutsche Art im Kultur- und StaatSleben zu zer. setzen strebt.' Wer di« Hetz« und die Treibereien von gewissen polt« tischen Kreisen auch nur flüchtig kennt, wer weitz, wie na» mentltch von rechtsstehenden Politikern Seelensänaeret getrieben wird, den kann der Beschluß nicht überraschen. ES steht zu erwarten, daß der KvffhSuser-Derband bald Nachahmer finden wird. Denn es wird eine ganze Anzahl Verbände «eben, die nicht der Stimme der Vernunft folge« werden, sondern vor dem Vorwurf der Schlappheit zurück; schrecken werden.!"> . WaS bedeutet der Beschluß deS V. D. St.f Nichtandere-, alt die Möglichkeit zu beleidigen, ohne Genugtuung geben -u müssen! Es bedeutet die Au^errechtsetzung einer Teiles der Studentenschaft bei Ehrenhärd:ln. Den» mag eS noch hingehen, wenn sich ein V. D. St. bei Inden keine SattSsaktion holen will, so spricht doch der Beschluß allen Gesetzen deS Ehrbegriffs, der Billigkeit Hohn, wenn man ihnen keine Genugtuung gibt, wo sie jHer cmfoete be« kommt! Nur einer verwundert: daß bi« Opfer politischer Drahtzieher nickt so weit gingen, Ihren Beschluß auch de» Alten fcmra aufzuzwingen. ES ist tief betrübend, wenn man steht, wie die Verhetzung immer mehr um sich greift in der deutschen Studentenschaft. Dies alles aeschtebt im Namen d«S „Ausbau-'. Dar ist ober nicht Ausbau, der getrieben wird, sondern Raubbau. Raubbau mit den Kräften des deutsche« Volle-. D«r beschrittene Weg führt nichi aufwärts» sondern abwärts. Nicht eher wird di« Arbeit d« deutschen Studentenschaft gute Fruchte tragen (der gute Wille soll nicht brstritten werden), biS sie ihre Obren den verhetzenden Ein. flüfterungen von rechts und links verschließt, dir sie erkennt, daß das Ziel, dar sie sich gesteckt hat, nur dann zu erreichen ist, wenn sich alle Teile zu gemeinsamer, ausbauend«» Tätigkeit finden werden. Zus üer Presse. In den »Kameraden", der Berbandszeitschrifi deS gleichnamigen Jugendverbandes, lesen wir in dem Bericht über die diesjährige Bundestagunq folgende Diskussionsausführungen deS Delegierten Robert Hirschfeld: Der Behauptung, Elternhaus und Schule sind Naturnotwendigkeiten. kann ich mich nur in ihrer ersten Hälfte anschließen, in ihrer zweiten muß ich ihr widersprechen. Dieser Meinung werden sich alle wirklichen Lehrer anschließen. Bisher ist die Jugend schlecht erzogen worden, insbesondere aus jüdischem Gebiete. Die Wurzel dieser schlechten Erziehung sind die Rabbiner, Religionslehrer und Religionsschulen. Wir wissen nicht, waS Religion ist. Religion ist daS Gefühl der Ehrfurcht vor etwas Höherem, das Gefühl des Hingezogenseins zu diesem Höheren. daS man gewöhnlich Gott nennt. Und diese Auffassung vom Breslau. Hakenkreuzler im Postscheckamt. Aus eine Beschwerde der hiesigen Ortsgruppe beS Zentralvereins wegen Tragens des Hakenkreuzes durch einen Beamten des Postscheckamtes im Dienste hat die hiesige Oberpostdirektion unter dem 30. September d. I. folgendes erwidert: „Es liegt trn Wesen der Dienstkleidung, daß dazu nur solche Abzeichen angelegt werden dürfen, die den Betreffenden amtlich verliehen worden sind. Die Obervostdirektiori erachtet es daher für unzulässig, daß das Hakenkreuz an der Postdienstuniform getragen wird. Dementsprechend ist an daS hiesige Postscheckamt verfügt worden. Erforderlichenfalls werden auch die übrigen, der Oberpostdirektion unterstehenden Postanstalten usw. mit gleicher Anweisung versehen wettren." eS gab z. B. prachtvolle Kirschen —, aß er erst davon, nachdem er seine sämtlichen LandSlente traktiert hatte. Nach einer endlosen Fahrt kam man in Prag an, auf dem „Masarhk-Statm"; früher hieß er, glaube ich, „StaatSbahnhof". Welch ein Unterschied von der Ankunft in Dresden! Dort alles sauber, offen, einladend. — hier überall gar arger Schmutz; in der gläsernen Hallenüberdachung oben verschiedene zerbrochene Scheiben! — Die Straßen auch nicht sehr reinlich. — In den Bäckerläden Semmeln, billiger als bei uns, von nie gesehener Weiße und Zartheit. Wundervolles Obst an allen Straßenecken! — Die Hotels sämtlich überfüllt! — Erst nach langem Suchen finde ich ein Zimmer im obersten Stockwerk eineder großen Hotels. Nachdem ich meine Sachen abgelegt und mich gewaschen habe, ging ich, eS war schon Abend, in das „Deutsche Haus", „am Graben", wo die mir bekannten jüdischen Journalisten wellen sollten. Man mußte erst eine Art Forschungsreise antreten, bis man dieses altvertraute, deutsche Gasthaus entdeckte; schließlich war es daran zu erkennen, daß man ein besonders rein aussehendes Restaurant erblickte, bei dem sämtliche Buchstaben der Auffchrift abgeschlagen oder mit Farbe überschmiert waren; diese Liebenswürdigkeit hatten tschechische Legionäre verübt, die in den Tagen bet 1918er Unruhen auf diese Weise ihre Wut am Deutschtum auSgelassen hatten. Hier wurden wir von verschiedenen jüdischen Journalisten aus Hamburg, Berlin und Köln erwartet, die pinnen kurzem nach Oesterreich Weiterreisen wollten. Wir unterhielten uns bis tief in die Nacht hinein über allc | möglichen weltpolitischen und jüdischen Fragen. Die meisten der Herren erzählten mit Bitterkeit und Wehmut von der Zunahme des Antisemitismus in ihrer Heimat, dessen Bösartigkeit und Verständnislosigkeit so groß sei, daß fast jeder Kamps dagegen aussichtslos erscheine und man schier verzweifeln müßte! Jeder kannte Dutzende von jüdischen Kriegsfreiwilligen, die im Kampfe für ihr Vaterland gefallen waren; aber Gerechtigkeit und Anerkennung sei in nichtjüdischen Kreisen kaum irgendwo zu finden! — Immer und überall seien die Juden die Sürckenböcke. die man für alles Trübe verantwortlich zu machen suche; auch jetzt bemühe man sich, ibnen die Hauptschuld für die jetzigen schweren Zeiten aufzubürden. Jedes Vergehen eines einzelnen werde immer gleich der Gesamtheit zur Last gelegt! Gin Teil der Herren berichtete in müder Resignation von ihren Erfahrungen, ein anderer hatte sich durch diese Zustände in eine verbissene Sehnsucht nach unerfüllbaren zionistischen Idealen hineintreiben lassen, und nur wenige standen aufrecht da, entschlossen den Kampf gegen dr« finsteren Gewalten ausnehmend. Am anderen Tage schon reisten verschiedene der Schriftsteller weiter; ein bekannter jüdischer Ho^chullehrer aus Berlin und ich blieben noch und begannen einen Rundgang durch die wundersame alte Stadt anzntreten. In liebenswürdiger Werse führte unS der ausgezeichnete Historiker von Prag, der jüdische Arzt Dr. Wilhelm Klein, der dort seit Jahrzehnten praktiziert und sich durch'viele Hunderte von Aussätzen zur Geschichte der Stadt fccf Landes einen Namen gemacht hat. Er holte uns sogar vom Hotel ab. — Es war ein heller Sommertag, mit traumhaft ziehenden, großen, weißen Wolken.— Auf den größeren Straßen herrschte reges Leben, das ein wenig daS unheimlich Mittelalterliche und Gespenstige der winkligen kleineren Gaffen übertönte. Herrliche alte deutsche Bauwerke gibt eS ja in Prag in Menge, aber in den letzten Jahrzehnten, da daS Tschechentum hier zur unumschränkten Herrschaft gekommen ist, hat dieses, wie Strobl, ein genauer Kenner der böhmischen Geschichte richtig schreibt, „unsagbares bauliches Unheil angerichtet". . . . „Die Tschechen haben es verstanden, die schönsten Punkte durch protzige Geschmacklosigkeiten zu verunstalten, sie haben ihre Hauptstadt, die eine der schönsten Städte Europas war^ ganz erbarmungslos zuschanden verschönert." —- Da erhebt sich, wenn man zur Altstadt will, dev PraSna brana, der Pulverturm, einer der bewundernswertesten gotischen Bauten des späteren Mittelalters. Er stammt auS dem 15. Jahrhundert und ist mit seinen wunderschönen Sälen im ersten und zweiten Stock, seinen reichen Steinmetzzierraten und Bildschmuck ein unvergeßliches Werk deutscher Kunstgeschichte. — Und wie ist die architektonische Schönheit dieses einzigartigen Baues durch kaum faßbares tschechisches Banausentum beinahe zerstört worden! Pa haben sie direkt bis an den Turm heran unglaublich geschmacklose, große, warenhausartige Hallen eines CafüS . herangestellt, sodaß man bei soviel mangelndem Kunstsinn die Hände über dem Kops zusammenschlägt. (Fortsetzung foltft)

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