Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 46 (4.11.1921)
- Date
- 1921-11-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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faste tte$ auf Me -hatäafle 8er naiven Volker eine» vedeutenden Einfluß auS. Unverhoffter Glück oder erschütternder Unglück wird sehr oft einem unsichtbar waltenden DLmon zugeschrieben. Trotz wisienschastlicher Erfolge und trotz der Einblickein den kausalen Zusammenhang der Naturerscheinungen kann man die formen de- Aberglaubennoch lange nicht als überwunden betrachten. Die leben bei der großen Masse deS Volkes fort, wie sie vor Jahrhunderten bestanden haben, zu jener Zeit allerdings, Ä» Bestandteile dereligiösen KultuS im Rahmen von Zeitverhaltnisien, die ihr Dasein rechtfertigten. Was zu jener Zeit einen lebendigen, allgemeinen Inhalt hatte, hat sich vielfach biauf unsere Zeit als leere Form erhalten, der nur die dunkle Ahnung im dämmernden Bewußtsein zeitweilig den entbehrten Inhalt verleiht. Der Aberglaube entzieht sich, wie Instinkt und Empfindung, der Kontrolle de- Geistes, und weiß sich immer neue Gebiete zu erobern, die ihm daundurchdringliche Dunkel der Zukunft als Spielraum gewährt. Luch da- Judentum hat den Aberglauben von sich nicht ftrnhalten können, obzwar eihm während deS ganzen Belaufeseiner Geschickte verbältniSmäßia wenla A«geneigt war. Edürste von Intereffe sein, auf gewtsie flormen und Arten der abergläubischen Bräuche hinzuweisen, wie sie im Altertum und Mittelalter bei wichtigen Ereignissen bei den Juden üblich waren und zum Teile heute noch in gewisien Gegenden bestehen, insbesondere, da der Aberglaube in einzelnen geschichtlichen Perioden aus daneben der Juden einen Einfluß auSgeübt hat. Die jüdische Religion ist dem Aberglauben feindlich; Moseverbietet ihn und setzt bedeutende Strafen, ja selbst den Tod aus die Uebertretung diese- Verbote-. Daß aber dennoch bei den Juden Aberglaube und Wahrsagerei Platz griff, zeugen die biblischen Bücher und der Spott, den Propheten, wie Hosea, Hesekiel. über die Anhänger deS Aberglaubenergießen. Mosemahnt da- Volk: „So du in da- Land kommst, dader Ewige, dein Gott, dir gibt, so lerne nicht dem Greuel dieser Völker gleichtun. Es sollen unter dir keine Personen gefunden werden, die Wahrsagerei, verdeckte Künste, Zeichendeuterei treiben; Geisterbanner, Gespensterbesvager und Totenbeschwörer; denn ein Greuel de- Ewigen ist derjenige, der so etwas betreibt. Ungeteilten Herzensollst du dem Ewigen, deinem Gotte ergeben sein — so bestimmte eS dir der Ewige» dein Gott." Schon die Tatsache, daß die Bibel gewisse Arten deS Aberglaubenverbietet, ist ein lautsprechender Beweis dafür, daß er unter dem Volke verbreitet war, seinen Geist nicht unbedeutend beschäftigte und seine Handlungen beeinflußte. „Ihr sollt nicht aus Vogelgeschrei achten", befiehlt Mose- und deutet auf diese Weise auf eine unter den Völkern de- Altertumbesonderverbreitete Art de- Aberglaubenhin. Griechen und Römer maßen den Vogelzeichen. große Bedeutung bei und glaubten, aus ihnen den Willen der Götter, ihre Zustimmung oder ihre Mißbilligung menschlicher Handlungen zu erkennen. Im vierten Buche MoseS ist die Erwähnung eines jüdischen Gottesurteileenthalten, wie eS zum Deweiffe gewisser Verbrecher angewendet wurde: Der Beschuldigte mußte bitteres, verfluchte- Wasser trinken und auder physiologischen Veränderung seine- Zustandes wurde dann auf seine Schuld geschlossen. Die Bücher der Propheten sind voll Eifergegen alles Heidnische. Abergläubische; umsomehr fällt die Begebenheit aus, welche die Zauberin von Endor betrifft. Sie erweckte den Propheten Samuel aus dem Tode und zwang ihn, dem Saul die Zukunst zu verkünden. Diese Stelle beweist, daß die Totenbeschwörung den Juden nicht fremd geblieben ist. Infolge der Berührung mit den Persern und zahlreichen anderen Böllern beginnen sich die abergläubischen Anschaungen beim jüdischen Bolle seit dem babylonischen Exil stark zu entwickeln. Die Mischna und Gemara erzählen von Dunderkuren, Geisterbanung, Dämonensurcht und Gespensterglauben, von der Heilung durch Zaubermittel, vom Glauben an Vorbedeutungen und Wunderzeicken, von Astrologie, vom Träumen und Traumdeutungen. Auf die Zeit der Mischna und Gemara gehen die meisten abergläubischen Brauche zurück, wie sie sich durch das ganze Mittelalter und auch tief in die Neuzeit traditionell fortpflanzten. Wichtige Ereignisse im Leben de- Einzelnen und im Bestände der Gesamtheit standen in enger Verknüpfung «ü mamkeüek afarMuVff^en No** men, deren Uebung als Voraussetzung einegünstige« verlauftgalt. Wie bei vielen anderen Völkern war auch bei den Juden die Geburt mit allerlei Aberglauben verbunden. Wenn die Stunde der Geburt nahte, brachte man an Türen und flenstern der Wochenstube ..Kindbettbrieschen" an, die sowohl die Wöchnerin wie da- Kind vor bösen Geister» und Dänwnen, die durch Zensier und Türöffnungen in die Zimmer kommen, zu schützen hatten. Ewar auch Sitte, während der Geburt Kreise mit Kreide an dft Wände oder an die Türen zu machen und gewisse Psalmen zu lesen. In rnanchen Gegenden Polenist «- noch immer Brauch, unter das Kopstissen der Wöchnerin kabbalistische Bücher zu legen. Ueberoll im Hause befestigt man Talismane, „Briefelech" genannt, die Psalmen enthalten, darunter auch die Worte: „Der Allmachtigge vernichte den Satan". Den Inhalt dieser „Brieftlech" bilden hauptsächlich der Psalm 121, ferner Namen von Dämonen, welche die Perser fürchteten, und den Schluß de- Verse- Exodu- 22. 17: „Eine Zauberin sollst du nicht leben lassen." Zahlreiche abergläubisch- Ansichten beziehen sich auf den Tod und da- Sterben. Wenn der Sterbende auf Betten au- Daunen und Hühnerfedern ruht, so hat er einen schweren Tod; daher schläft der Jude unter keinen Umständen auf anderen Unterlagen alsolchen, die mit Gänsefickern gefüllt sind. Wenn beim Toten der Mund oder die Augen offen bleiben, so ist zu befürchten, daß noch jemarck im Hause stirbt. Bei Todesfall wird da- Wasser, dasich im Hause befindet, und sehr oft auch das in den zunächst anstehenden drei Häusern ausgeschüttet. Al- Grund dafür wick angegeben: der TodeSengel, genannt Samiel, ist ein Wesen voller Augen. Er steht zu Häupten dedem Ticke bereitnahen Kranken und wenn er sein Amt vollführen soll, schwingt er das Schwert, das er in den Händen hält, und läßt den Gallengifttropfen, der an der Spitze desselben hängt, in den Mund seine- Opferfallen, uttb dessen Leben ist zu Ende. Durch die Berührung de- Schwertemit dem Sterbenden wird dasselbe unrein und ist daher der Tode-- engel genötigt, es rein zu wasche». Di man nun jedoch fürchtet, daß der TodeSengel danächstbeste HauS, in welchem sich Wasser befindet, zu diesem Zwecke benützt, so schüttet man da- Wasser au-. Mystische Anschauungen haben auch dahin geführt, daß Juden so rasch als möglich nach dem Tode beerdigt wurden; man fürchtete nämlich, daß die bösen Geister, die zur Zeit de- TodeS in der Wohnung de- Sterbenden ihren Reigen tanzen, den Leichnam in der Todesruhe stören. Beim Hinaustragen der Lerche sollen zahlreiche böse und gute Geister milgehen. Den Frauen ist die Begegnung mit bösen Geistern besonderschädlich, deshalb nehmen sie sehr selten an einem Leichenzuge teil und hüten sich davor, mit einem solchen zusammenzutreffen. Interessant ist die Vorstellung, daß im Verlauft der ersten sieben Trauertage die Seele des Toten in das Sterbezimmer fliegt. Hier brennt deshalb eine Lampe und dabei steht ein Glas Wasser. Da das Wasser im Lauft der sieben Trauertage verdunstet und daher immer weniger im Glase wird, so sehen jene, die dieses Naturgesetz nicht kennen, darin den besten Beweis für ihren Aberglauben, daß die Seele des Verstorbenen sich in dem Wasser gewaschen habe. An der Wand hängt ein Stück jener Leinwand, aus welcher der Sterbekittel genäht wurde. Vom Leichenbegängnis -uruckgekehrt, fetzen sich die Leidtragenden auf niedere Sitze und Hallen den Leichenschmaus; man reicht ihnen nämlich Linsen, ein Ei mi, Asche und etwas Wem. Ei und Linsen sirck rund und sollen darauf hindeuten, daß der Tod in der Runde hemmgeht und daß daher die Leidtragenden selbst auch dereinst sterben werden. Sehr verschieden sind bei den östlichen Juden die an die Unsterblichkeit der Juden geknüpften Vorstellungen. Die einen glauben, daß die Seele, nachdem sie den Körper verlassen, ein ganzes Jahr im Grabe bleibt und dann erst m den Himmel zurückkehrt, aus dem sie gekommen ist. Andere glauben, daß die Seele sofort, nachdem sie dem Körper entwichen, in den Himmel hinauffliegt; wieder andere meinen, daß die Seele ein Jahr lang aus dem Orte verweilt, wo sie den Körper verlassen hat; zu diesem Zweck soll dort eine Lampe brennen. Einige behaupten, daß die Seele alltäglich das Grab besucht, daher ist ean einigen Orten Brauch, ein Gefäß mit Wasser aus den Begräbnis- Hastara Aüach. Keöerfttzt von Rabb. Dr. Auch»- The mm-. , (Ieftia Bi) Kinderlose. b:e nie peboren. in Jubel brich au- und jauchze! Mehr Kinder sollst du verstoßene haben aleine Dcrmählle, spricht Gott. Mach breiter den Raum deines flelt-, deiner Wohnungen Teppichwände. Spanne ste, spare nicht. lang nimm die Telle. statt! die Pflocke! (flu klein wird das Land deinen Kinde«,) denn rrcht- und linkwachst du: Völler schiebt dein Geschlecht sott, neu bau'n sie verwüstete Städte. Zage nicht: bleibst nicht in Schmach! Erröte nicht: giltst n'cht als schandbar! Vergiß deiner Jugend Schmach. drn5 nicht an deiner Witwen« schast Weh! Dein Gatte ist ja dein Schöpfer. der heißt: der Herr der Scharen, Dein Erlöser Israel- Heil'ger, de- Nam' ist: Gott aller Welt! Dich ruft Gott zurück. wie ein Deib, daverstoßen und sinnesverstört. — Hub verachtet doch blieb die Jugendliebe. — so spr'cht dein Gott! Aließ dich 'ne brrze Sekunde; — nun holl ich dich heim zu ■ lanfl.t L ebe! Ich faa mein Antlitz vor dir einen Rn. wie di« Glut der Wut kam; In Mm Huld tat erhäng' ich midein. — spracht Gott. -ein Erlöser, Einst schwur ich dem Noah: Nie kommt «och einmal die Nassersiut über die Delr: — So schwör' ich: Dir zürn' ich nicht mehr, ich schelte dich nicht einmal virderl —— Ja. verae selbst könne« schwanken, und Höge! könne« schwinden, Doch nie schwankt meine Liebe zu dir, nie schwindet mein Friedensbund. — To spr'cht der Herr, dein Erbarmer. Du Arme. Umtobte, noch ohne Trost. Jetzt schmück' ich dich selbst mit Glanz dem« Stein. mit Saphir den Baugrund, Bezieh mit Rubin deine flinm, dein Tor «st schimmerndem Demant. Mit Edelstein ringdeine Grenzen: Fest bist du gebaut aus dem Guren! Deine Bauleute alle sind Gottes Jünger. deine Kinder haben groß Hell. fort mit der Furcht: niemand quält dich! mit de« flirten»: dir geschieht nichts Schlimmes! Bekämpft dich jemand — ich bin nicht dabei; wer dich befeindet, fällt! Der Schmied, der km Feuer die Kohl« entfacht, sich Massen W strt'gen. Ihn schuf doch ich, ich muß ihm euch schassen die Kraft zu schaden: Nun: wider dich eine Waste' hat nie Erfolg! Die flunge. die wider dich zmgt. lügt. zeigt dein Prozeß. Daist die Gabe für Gotte- Diener, ihr Gutsprnch von mir, — sagt Gott. Pütz Mi flÄftn. kamst Vst menschliche SeKe farkrr fade u»8 sich von ihrer sterblichen Unsauberkeit reinigen könne, bevor sie sich in den Himmel erhebe. Die KaukasuSjuden glauben auch an die Wanderung der menschlichen Seele durch verschiedene reine und unreine Tiere. Die Seele wechselt häufig ihren Sitz und bleibt in den Tieren bald längere, bald kürzere Zeit; dabei erduldet sie schwere Leiden. Dann gelangt die Seele nach einer gewissen ftrift in die Hölle, wird dort durch Jener von ihrer Unreinheit befreit und! kommt schließlich an den ihr bestimmten Ort zur Ruhe. Die Hölle stellen sich die kaukasischen Juden als eine endlos große Halle mit vielen Abteilungen vor. In jeder Ab«! teilung sind die Engel des Verderbens und Teufel, welche die Sünder quälen. Sie werftn sie in Kessel mit siedendem Wasser, setzen sie auf glühende Roste, schleudern sie in Abgründe, werfen sie durch die Lust von einem Ende der Welt zum andern. Am Sabbath findet keine Strafvollziehung statt, die Teufel und die Sünder ruhen und erholen sich. Am Sabbath-Abend beginnt wieder das Wehgeschrei! tute die Klage. Das oberste Himmelsgericht stellt man sich gleichfalls als eine große Halle vor. in welcher eine unzählige Menge von Richtern sitzt. Die Rabbiner urck großen Männer der alten Zeit, grauhaarige Greise, sitzen in weiften, langen Gewändern an langen Tischen. In ihrer Nähe befindet sich eine große Wage, auf welcker die guten und bösen Taten gewogen werden. Die Halle ist stets mit allerlei Toten gefüllt, welche von allen Seiten der Welt zusammenkommen; die Neuangekommenen können ihre Verwandten und Borfahren sprechen. Sie können für die Verurteilten bitten, daß ihnen die Strafe erleichtert werde. Im Himmel erhält der gute Mensch für seine Taten Belohnung: die Seelen der guten Menschen werden, nachdem sie von ihren Sünden befreit sind, ins Paradies geschickt. Die mittelalterliche Vorstellung, man könne den menschlichen Organismus auf künstliche Werse Herstellen und ihm Leben einslößen. bürgerte sich insbesondere bei den polnffchen Jude» ein. Weise Männer kneten den „Golem" auS Ton und hauchen ihm durch eine Beschwörungsformel Leben ein. Bekannt ist die Golemsage, die sich an den Namen des hohen Rabbi Löw aus Prag knüpft. —« „Golem" ist eigentlich eine rohe Masse, ein Klumven oder ein mißgebildeter Mensch. Der Golem kann nicht reden, verrichtck jedoch allerlei Dinge und leistet seinem Herrn Dienste. Auf seine Stirne schreibt man das Wort „EmeS", d. h. Wahrheit. Da der Golem täglich wächst, so erreicht er eine bckeutende Größe. Wird er zu stark und zu groß, so löscht man daS „E" im Worte „CmeS" aus seiner Stirne auS und eS bleibt nur „Mes", d. h. tot, übrig. Der Golem stürzt zusammen und ist wieder ein Haufe Lehm. Man erzählt, der Golem eines Rabbi in Polen habe eine solche Größe erreicht, daß sein Herr ibm nicht mehr an die Stirne heranreichen konnte, um das „E" auszulöschen. Da befahl er ihm, sich zu bücken, um seinem Herrn die Schuhe auszuzichen. Als er nun den Buchstaben „E" ausgelöschi hatte, fiel der Golem über ihm zusammen und erschlug ihn mit seiner Last. Bei einer Feuersbrunst schreiben die polnischen Juden einige Worte und Zeichen auf ein Stück Papier, welches dann in die Flamme geworfen wird, damit das Feuer erlösche. Bei Epidemien gehen einige Personen täglich nach' allen vier Richtungen aus dem Orte urck lesen bestimmte Stellen aus der Bibel. Bei Krankheiten spielt, ähnlich wie bei anderen Völkern, das „Besprechen" eine große Rolle. Interessant ist die Sitte, den Namen des Kranken zu ändem und so den Totenenqel zu täuschen. Derselbe hat beispielsweise die Mission, einen Mann namens Abraham ins Jenseits zu befördern. Da der Kranke jedoch infolge des neuen Namens, den er erbalten, Isak heißt, darf er diesen nicht fassen. Wenn den Eltern die Kinder oft sterben, so nennen sie die Neugeborenen mit dem Namen eines wilden Tieres, wie Wolf, Bar, Löwe, in der Hoffnung, daß die neugeborenen Kinder ähnlich diesen Tieren stark und gesund sein und lang leben werden. Zum Schlüsse möchte ich noch einen allaemein üblichen Brauch anfuhren. der bis aus die heutige Zeit sich überall erhalten hat. Am Morgen vor dem Bersöhnungstage nimmt jeder Mann einen Hahn, jede Iran eine Henne, am besten von weißer Farbe, nach dem Spruche des IesaiaS: „Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, so soll sie doch schneeweiß werden", und schwingen sie dreimal um den Kopf, Melancholische §ahrt. Tageduchanfzeichnung« von einer Reise nach Prag im Sommer 1921, Von Dr. Ludwig Davidsohn. (Fortsetzung.) sl) Und dann kam ein überwältigender Humor zu seinem Recht; tschechische Soldaten verschiedener Waffengattungen, ziemlich viel, stiegen ein. nnd nun war es schwer, ernst zu bftiben. Die Krieger, wie die Gockelhähne aufaeputzt, prangten in den schreiercksten Farben. Knallrote Hosen, auSgescllene Phantasieuniformen, alle wie aus einer Operette entsprungen! Diese Hosen kannte ich, — es waren geschenkte französische! (Gefärbt waren sie aber mit deutschen Anilinfarben aus Höchst; denn solche Farben erzeugt bloß die deutsche Chemie). Manche Soldaten trugen allerdings auch ausrangierte amerikanische Uniformen von schlichtem, olivenartigem Ton. Die Leute kamen sich außerordentlich wichtig vor und schienen ungeheuer stolz auf sich und ihren Beruf zu sein; auch von ihren Mitbürgern wurden sie mit offen zur Schau getragener Hochachtung urck kindlicher Freude begrüßt. Einige bestaunten die neuen, blanken Säbel! — „O selig, c selig, ein Kind noch zu sein!" — Während bei uns, Gott fei Dank, diese Art von Militarismus der Vergangenheit angehört, feiert sie in der jungen Republik Orgien! — Gutmütigkeit und Freundlichkeit scheinen Tugenden zu sein, die dort weit verbreitet sind; immer, wenn sich einer der Mitreisenden aus einer Haltestelle Obst kaufte^