Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 54 (30.12.1921)
- Date
- 1921-12-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2613604-2613656--0262-2617428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ein! Sie erzieht Söhne und Töchter nach den ethischen und moralischen Grundsätzen unserer Lehre, sie schärst ihr Auge und Ohr, damit sie nicht mitleidslos an den Kranken und Armen Vorbeigehen und die Ausübung der Wohltätigkeit als selbstverständliche Pflicht ansehen. Sie pflegt echte Pietät, macht ihr Haus zu einer Stätte des Friedens, sie übt die wahre, innere Religiosität, bei der Herz und Seele oft mehr beteiligt sind wie bei dem oft rein äußerlich gepflogenen und empfundenen Ritus alter Zeiten. Als treue und verständnisvolle Gefährtin des Mannes nimmt sie an seinen Sorgen und Kümmernissen teil und ist chm in guten und bösen Tagen so verbunden, wie es die Frauen Israels seit Urväterzeiten ihren Männern gewesen sind. Man fasse diese Ausführungen nicht als ein Loblied oder eine Verhimmelung der Frauen auf, die der liberalen Richtung im Judentum angehören; aber eS sott einmal gründlich mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, das in weiten Kreisen gerade gegen sie herrscht. Nicht lau und gleichgültig, nicht oberflächlich und irreligiös ist die liberale Jüdin: so wie wir sie sehen und kennengelernt haben, ist sie das, was jeder Jüdin Ideal und Vorbild sein muß: Eine Frau mit jüdischem Herzen, jüdischem Fühlen und jüdischem Handeln. Unsere Krmut. Von Rabbiner Dr. Salomonski, Frankfurt a. d. Oder. In den Jahren des Krieges regierte der Mangel, jetzt, wo der Kampf vorüber ist, herrscht die Armut. Sie ist des Volkes Besitz geworden und greift immer.tie'er ein, und der Ueberfluß ganz Weniger ändert gewiß nichts daran. Da es nun so scheint, daß die Not sich noch verschärfen und lange dauern wird, daß in ihr ein Gesetz liegt, welches nicht nur in biblischen seiten den Jahren der Fülle folgt, so sei gefragt, ob wir die Armut noch länger als ein Unglück betrachten oder auf bessere Art uns mit ihr abfinden wollen. Vielleicht kann sie uns zum Segen werden, wenn wir während ihrer Dauer oder aus ihr etwas Gutes schaffen oder einen besonderen Wert erzeugen, der aus dem Vertrauen geboren wird: Armut will nicht Niederdrücken, sondern emporheben; Rot ist keine Erkrankung, sondern schon Genesung. Es ist wohl wahr, daß wir jetzt ein besorgtes Leben führen, aber gleichzeitig halten wir prüfendere Umschau nach den noch unerschöpften Werten. Es ist doch manche sonst verborgen gebliebene Kraft schwingend oder fruchtbar geworden, überhaupt der promethätsche Antrieb des Trotzdem! Die Aufgaben der Menschen sind nämlich keineswegs geringere, und so entsteht neben der Sorge ums Alltägliche die Frage, ob die weiten Felder des Idealen dauernd brach liegen sollen. So tritt denn auch die Religion mit ihren Forderungen auf. Sie hat im Kriege schweigen müffen; jetzt aber hallt ihr nicht mehr zu dämpfender Ruf durch eine sehnsüchtige Welt. Der Wille, Gott mit dieser umgeformten Erde, auf die er uns gestellt hat, in Einklang zu sehen, weift auch dem jüdischen Liberalismus nach langem Harren und Dulden neue Ziele. Er kann wieder beweisen, daß gerade die Armut seine Mutter ist und der dürre Boden ihm große Gewalt gibt. Fällt es nicht schwer anzunehmen, daß jemals die fette Zeit die Menschen religiöser gemacht habe? Biblisch weiter gedacht führt die Feistheit nur zum Uebermut und oft genug zur Entartung. Weit häufiger als der Wohlstand Völker und Seelen Gott näherte, tat dies die Armut. Religion ist nämlich immer etwas, was der Mensch nicht in der Tasche hat und nie ganz besitzt, was unbedingt mit Entbehrung und Verlangen zusammenhängt. Darum kann die äußere Not die Macht des lebendigen Glaubens nur stärken, wobei in diesen Tagen ja jeder leicht an Chanukkah denken wird. Wenn wir die Gesinnung dieser ruhmwürdigen Zeit unserem Geschlecht zu Nutz und Frommen aufnebmen wollen, dann heißt die Forderung: Leget euch wieder einmal selbst Rechenschaft und wähnt euch nicht reich, indem ihr die Zweifel ersticket, die jedes Bekenntnis verursacht. Gebet dem Judentum Licht und Luit und Freiheit, einfache und gesunde Kost! Auch religiöses Dasein in dieser Schlichtheit ist gottgefälliges und ftommes Leben! Wieviel Glut und Liebe, welche Kraft und Begeisterung, Schaffensfreudigkeit und Regsamkeit entstammen dem Lager der Opposition der Gruppe der Wenigen im Volke. Ihnen und nicht denen, die sich früh satt und müde machen, verdankt die Welt die Erkenntnis, wie wenig dazu gehört, damit Gott mit uns zufrieden sei und wie viel wir von ihm erbitten dürfen, ohne daß er es verweigert. Die Lust am Komplizierten und üppig Gegliederten ist im Judentum seit langer Zeit so stark vorhanden, daß sie vielen den Genuß an Gott verkümmert. Die Freude und der Trost des Glaubens können nicht ausschließlich denen vorhehalten sein, die durch einen starken Aufwand von Uebungen sich dem Himmel in empfehlende Erinnerung bringen. Auch jeder, der anders zu Gott steht, und nicht den Stier zum Opfer, sondern nur ein wenig Mehl weiben kann, muß von der Bedränatheit seines Gemütes erlöst sein. Wir lieben darum getrost auch in unserem freien Judentum, das nicht so formenreich und umrankt ist, den unverfälschten reinen Gottesglauben und sind stolz auf unser dürftigeres Gewand, mag es auch vielerorten nicht in Gunst und Würde stehen. Der jüdische Liberalismus hat kein Lärmprogramm, noch will er berauschende Rekorde. Er verfügt über feste Fundamente. Nur die Not war eS oft, die die Juden wieder hochacbracht hat, und ähnlich wird nur ein einfaches, beschei» den es, demütiges und schlichtes Judentum den Sieg haben Die Armut hat auf Erden die Geister frei gemacht und gelehrt, das Wesentliche zu finden. Sie wird die streitenden Völker zusammenbringen und in späten Taaen sogar die Reliaionen. Das kann nur geschehen, wenn die persönliche Ueberzeugnng im Glauben das Richteramt über untere Freiheit behält. Darum hinweg mit Drill nnd Schliff aus der Stätte der Religion! Es muß auch in unseren Reihen eine Auffassung geben, die die Erkenntnis über den offiziellen Teil stellt, die sich niemals gegen Gewissen und Wahrheit sperrt und dennoch tolerant sein kann. Wir wollen daher den ursprünglichen Geist aller Religion, den Schrei der Verlassenen und Armen nach oben nicht durch öde Mechanik und schnürende Feffel sterben lasten. Wir wollen kein Sngstecken des religiösen Bezirkeober gar Selbstgerechtigkeit, die an die Seelennot der anderen nicht denkt. Der Frierende muß sich schneller bewegen, um Wärme zu gewinnen. So müffen auch wir vorwärts und immer näher zu Gott, hinaus und hinauf, ohne Furcht und ohne Bangen! ES hat dem Judentum nichts geschadet, als Institutionen, die für wesentlich galten, aufhörten und verloren gingen, als die Hierarchie und die nationale Freiheit zerschlagen wurden. Gerade die großen Verluste haben unS stark gemacht. An die Stelle der Entfündigung der Gesamtheit durch Einen ist die Verantwortlichkeit jedes Juden getreten. Und erst die Not der Verbannung in alle Welt hat AmoS' Prophezeiung verwirklicht: «Siehe, es kommen Tage, da bringe ich einen Hunger über da8 Land, keinen Hunger nach Brot und keinen Durst nach Wasser, sondern zu hören die Worte deS Ewigen." Möge diese Sehnsucht in Israel stets lebendig fein! Kinöertränen. Eine Mahnung und Warnung an liberale Eltern. Kürzlich hatte ich ein Erlebnis, das mich sehr erregte und beschäftigte. Ich fürchte, der Fall steht nicht vereinzelt da. er ist symptomatisch, und da halle ich es sür meine Pflicht, ihn öffentlich zu behandeln. Wir Religionslehrer sollen doch nicht nur jüdisches Wissen verbreiten, sondern auch aus das Seelen- und Gemütsleben der Schüler einwirken. natürlich möglichst ohne Konflikte zwischen Eltern und Kindern hervorzurufen. Diese Gefahr scheint ja nun in liberalen Kreisen viel ferner zu liegen, als in orthodoxen — und doch, wenn unsere Eltern nur wirklich liberal wären! Aber sie stammen entweder aus indifferenten Kreisen, oder, was fast noch schlimmer ist, sie kommen auS dem konservativen Lager mit seinem „Alles oder nichts"; sie kennen wohl die Gebräuche, da sie aber nicht alles halten können und wollen, so entscheiden sie sich lieber für das „Nichts". Haben ihre Kinder aber Religionsunterricht, so ist das Wichtigste, daß sie fließend Hebräisch lesen können. So hatte sich auch der Vater einer 12jährigen Schülerin über die Leseleistungen seiner Tochter recht wenig befriedigt ausgesprochen, wobei ich ihm — zu meinem Bedauern — völlig recht geben mußte; auch ich war nicht zufrieden. Ich fügte aber hinzu, daß es gerade beim Lesen auf den häuslichen Fleiß ankomme; daß ich es von meinem Standpunkte aus für noch wichttaer hielte, wenn das Kind die Gebete übersehen und versieben lernte, und daß zum Ueben bei einer Stunde wöchentlich, von der noch ein Teil für biblische Geschichte abgeht, nicht viel Zett übrig bliebe. Einige Zeit später fand ich den Namen dieses Herrn unter einem Aufruf eines liberalen Vereins mW freute mich seines Interesses für jüdische Angelegenheiten. Da — neulich: Ich ermahne das Kind im HiMick auf den Vater, fleißig hebräisch zu üben, wiederhole die Lobsvruche Leim Anzünden der Chanukkahlichte und frage ganz harmlos. ob sie — bei der Vorliebe des Vaters fürs Hebräische — den ersten Vers des Chanukkahliedes hebräisch sängen, damit wir ihn gegebenenfalls üben könnten. Die Antwort ist erst ein zögerndes „Deutsch" und dann ein Tränenstrom. ein iammervolles Schluchzen aus ttefftem Herzen: „Wir zünden ja gar keine Lichte an, wir haben keinen Freitag Abend, keinen Scder, keine Feiertage; — wir gehen ja nur an den hohen Feiertagen in den Tempel, wir Kinder wissen garnicht, daß wir Juden sind!" Die ganze Sehnsucht des Kinderherzens nach Poesie, nach Festesglanz, nach positivem Judentum zeigt sich in diesen Kindertränen. Ich versuche zu beruhigen: „So bittet doch Eure Eltern, mit Euch den Freitag abend, die Feste zu feiern." — „Ach. meine Mutter hat soviel zu tun, und Vater sagt, es sei Sache der Hausfrau; und dann kommt er erst immer so spät nach Hause!" — „Da könnt Ihr eben zeigen, daß Ihr wirklich liberale Juden seid. Juden, die ihr Leben der Zeit anpaffen: Kommt Ihr erst um 1/29 Uhr nach Hause, gut. dann beginnt Eure Sabbathfeier erst um ^9 Uhr, brennen dann die Lichte auf dem Tische, und ihr freundlicher Schein lenkt Eure Gedanken auf das Judentum und seine Fragen." — Ein freudiges Aufleuchten der tränenerfüllten Augen: „Ja, das wäre zu machen! — aber meine Eltern werden es wohl doch nicht tun!" — Ich glaube nicht, daß das Kind an dem Willen der Eltern gezweifelt hätte, ihm ein Theaterbillet, ein Buch zu kaufen. ihm die Teilnahme an einem Vergnügen zu gestatten! Wir gingen wieder an den Unterricht. Jetzt begriff ich die Unlust, mit der das Kind arbeitete: wozu Gebete lesen, Segenssprüche lernen, die doch nie im Elternhause ertönen! Noch eins! Ich erzählte die Begebenheit einem Kollegen, der sofort begeistert ausrief: „Geben Sie mir die Adresse; da fehlt nationaljüdische Propaganda!" — Und ich dachte an den Sohn des Hauses, der seiner Schwester erklärte, in den „Blau-Weiß" emtreten zu wollen, „damit ich wenigstens weiß, daß ich Jude bin". Die reine Ethik als Gehalt des liberalen Judentums ist zu schwer, zu abstrakt für ein Kindergemüt, und fehlt jeglicher Ausdruck der Religiosität, so wird der Boden bereitet für den Indifferenüsmus oder für das Truggold des jüdischen Nationalismus, während doch hier die Sehnsucht lebt nach dem echten Golde des religiösen Indentums. Ihr Eltern, die Ihr doch sonst für Eure Kinder alle Opfer zu bringen gewillt seid, bringt ihnen das — gewiß nicht leichte — Opfer, einen verwunderten Blick Eurer Bekannten, Eurer Hausangestellten zu ertragen, den schweren Anfang zur Einführung von Zeremonien, nicht des orthodoxen, aber des liberalen Judentums zu machen. Ich habe mir vorgenommen, mit den Eltern meiner Schülerin zu sprechen; vielleicht aber fehlt mir der Mut oder die Gelegenheit dazu. So sollen vtese Zeilen an die Herzen der Giern pochen, sollen bitten uw Hie Liebe, die * Seele Eures Kindes; gar manche Träne mag so im Der-» boraenen qefloffen sein, Bitterkeit manches Kinderherz erfüllt haben. Mögen meine Worte den Kirwertränen Ausdruck verleiben: „Gebt uns lebendiges Judentum!" Auguste Rosenthal-Budwig, Berlin. Philippson und Dubnow. Bon Rabbiner Dr. Fuchs, Chemnitz Seit kurzem liegen vor uns die ersten zwei Bände des auf drei Bände berechneten, vor dem Kriege entstandenen und schon berühmt gewordenen Werkes von S. M. Dubnow. Die neue st e Geschichte des jüdischen Volkes — 1789 — 1914, aus dem Hebräischen übersetzt von Alexander Eliasberq. Mit diesem Werke hat ein Ostjude dasselbe Thema behandelt wie der Westjude Martin Philippfon in dem gleichnamigen und etwa gleichgroßen Werke, das 1907 bis 1911 im Grundriß der Gesamt-Wissenschaft des Judentums unter der Aegide der Gesellschaft zur Förderung dieser Wissenschaft erschienen ist. Ein Vergleich der beiden Parallelwerke, die ganz unabhängig von einander entstanden sind, lohnt: Jeder Vergleich schafft Klarheit, und beide haben jedes für sich große Verdienste! Der erste Unterschied, der in die Augen fällt, betrifft Sprache und Sttl. Graetz, der klassische Historiker des Judentums, hatte seine Geschichte romanhaft ausgestaltet. In einer bilderreichen Diktton, mit Anewoten verschwenderisch, manchmal überreichlich geschmückt, leicht fließend und die Schwierigkeiten der wissenschaftlichen Vorarbeiten, oft auch ihre Lücken geflissentlich versteckend, überall kritisch lobend und leidenschaftlich tadelnd, so wirkte seine Darstellung höchst persönlich und anregend, ja Begeisterung zündend aus die gleichgültige Masse; nur wiffenschaftlich schien sie nicht. — obgleich sie es natürlich in höchstem Grade war. — Philippson verfiel in das entgegengesetzte Extrem. Eine nüchtern kühle und abstrakte Ferne vom Objekt verscheucht bei ihm die Vertraulichkeit. Er geht fast nie in die Dinge hinein: keine Anekdote, kein geistvolles Apercu, kein poetisches Bill) belebt die sorgfältige Statistik: selbst die Worte haben fast nie etwas Bildhaftes an sich, sondern bewegen sich in dem farblosen AlltagS-Iargon der Wissenschaft. Wer nicht von Wißbegier getrieben sich in sein Werk verttefen will, legt's ball) gelangweilt fort. Die Masse hat es nickst erobert; vielleicht hat es das auch nicht gewollt. Der Suchende aber findet in ihm so ziemlich alles Wichttge, das beißt das weithin Wirkende. — nur freilich fast nie das kleine Menschliche, das aber künstlerisch wie ethisch oft wertvoller ist als das „Geschichtliche"! — Dubnow hält eine schöne Mitte zwischen Graetz und Philippson, — und damit ist seiner Darstellung das höchste Lob gespendet. Klare Einteilung im Großen, und Eingehen auf das Kleine und Einzelne, wo es interessant und wichtig erscheint, subjektive Beurteilung, verbunden mit objektiver Darbietung der Tatsachen. Bildersprache, wo es angebracht ist. doch nicht zu häufig, um zu ermüden, „Geist" aus eigenem Munde uttb dem der geschichtlichen Personen, blendende, fast pädagogisch wirksame Antithesen, und Humor, ja SarkaSmus, oft geschmackvoll versteckt, doch darum nur desto wirkungsvoller; dazu eine lebenssprühende Sprache, konkret, fast massiv, in der das Wort von innerem Reichtum bebt! Auch der Uebersetzung. die das alles gut herausbringt, ist deshalb volles Lob zu erteilen! Dieser Sttl muß die Masse der sogenannten Gebildeten. zu der wir Juden \a größtenteils gehören, unbedingt gewinnen! Andere Richtung aber nimmt unsere Beurteilung, wenn wir nun auf den Inhalt sehen! Zuerst die großen Züge, die Einteilung des gewaltigen Stoffes! Auch hier hat Dubnow zunächst einen Vorsprung vor Milippson, durch eine überraschend einfache und architektonische Gliederung. Jener reiht, ohne ein System, »aneinander das Zeitalter der französischen Revolution und Napoleons, das der Reaktion 1815—30, die Reformbestrebunqen, die Emanzipation (1830—70) und dann den Anttsemittsmus, um mit einem Rundblick um 1900 und einer zusammenfassenden Geschichte des Orients zu schließen, während der 3. Band die russisch-indische Geschichte nach den Herrschern einaeteilt in zeitlicher Folge a-bbandelte: Politische, geisttge. geographische, zeitliche Rücksichten geben bunt durcheinander das Einteilungs- — oder vielmehr Zusammenfassungs-Prinzip. und kein einheitlicher Gesichtspunkt erleuchtet das Chaos! — Wie anders Dubnow! Eine breit angelegte Einleitung: „Die jüdische Welt am Vorabend des Jahres 1789". schafft die tragende Basis des GebäudeS; und eine zweite Einleitung „Die Hauptprozeffe der neueren Geschichte der Juden" gibt den Ariadnefaden, der durch die verwirrende Manmafaltigkeit der verschiedenen Gemächer führt. Die politische Geschichte wird als ein zweimaliges Wechselspiel zwischen Bestrebungen zur Emanzipation und der Reaktion hingestellt: und dementsprechend wird das ganze Werk in vier Teile zerlegt, von denen der erste Band die erste .Emanzipattonsepoche 1789—1815 schildert, und der zweite Band die erste Reaktton 1815—48 und die zweite Emanzipation 1848—81. Die zweite Reaktion wird der letzte Band darstellen. — Diese verblüffend übersichtliche Ordnung, die wohltuend absticht von der Unordnung vieler anderer ostjüdischer wissenschaftlicher Arbeiten, bat aber eine große Schattenseite: Die Geschichte spottet aller Systematik, und ganz besonders die jüdische Geschichte, die sich über so verschiedenartige Länder und so mannigfaltige Lebensgebiete erstreckt! Schon die zwei Nachbarländer Deutschland und Rußland lassen sich nicht unter einen Hut bringen. Tenn die zweite Emanzipattonsepoche in Deutschland, die übrigens auch eine Reaktionspcriodc in den fünfziger Jahren in sich schließt, endet tatsächlich um 1671; auch Dubnow hat über die 10 Jahre 1871 bis 1881, wenigstens in diesem Buche, nicht mehr als eine @5*'+» Allgemeines zu sagen (II. 333 ff.\ Und die zweite /. 1