Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 54 (30.12.1921)
- Date
- 1921-12-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gewiß nicht; denn nicht Speise- und Ghegefetze, Opfergebote und Zahlemnysterien machen das Judentum aus. sondem die seelisch-sittlichen Forderungen an Mensch und Menschheit und die sozialethischen Geuremschaftsaufgaben der jüdischen Gesamtheit: Sie werden die geistig hochstehenden, gefühlsftarken, ihres Stammes frohen Kinder Israel unserer Gemeinschaft so sicher zurückgewinnen, wie der Fanatismus der Nornr- und Fonnjuden alle lebendigen Kräfte aus dem Judentum stets Herausgetrieben hat. Wenn die Orthodoxie von 1820 und 1830 gesiegt hatte, gäbe eS kein deutsches Judentum «»ehr —, aber die Reform iin Bund mit der jüdischen Wissenschaft siegte — und darum haben wir das Jahrhundert der deutschen Führerschaft im Judentum erlebt. , Wird sich das liberale Judentum selbst untreu, siegen Mystik und Gefühlsrausch, Toleranzduselei und Frredens- Wtofoi* über religiöse Wahrhaftigkeit, Vernunft und prak- Whe Gemeinschaftsarbeit, so bricht mit den: jüdischen Liberalismus das deutsche Judentum selbst zusammen. Wir wollen Vertiefung und Erneuerung. abn keine Rückbildung! Wir wollen jüdisch leben und arbeiten, für ,unS und unsere Kinder, aber im Helten Licht der Gegenwart, »licht in der ftuUKttflaffe des Mittelalters! Liberale heraus! Seid wachsam und furchtlos! Wenn Ihr nicht m»r stets die Weltanschauung der anderen ehrt, sondern einmal auch die eigene Ueberzeugung. dann wird dies Jahr der Entscheidung ein Jahr des Sieges für das liberale Judentum werden! Jur Tagung üervereinigungsÜeöasIiberaleIuöentum. Von Gemeinderabbiner Dr. V o g e l st e i n, Breslau. Zum vierten Male feit ihrer Begründung tritt am 3. und 4. Januar 1922 die Bereinigung für das liberale Judentum zu ihrer Hauptversammlung zusammen. Zwischen der Posener Tagung vom 13. Oktober 1912 und der bevorstehenden Berliner Versammlung liegt nicht nur ein Zeitraum von mehr als neun Jahren, sondern auch die 'güvaltige Umwälzung, die der Weltkrieg und feine Folgewirkuingen heöbeigeführt haben. Es >ist notwendig, die Grundlagen und Grundfragen von neuem zu prüfen; denn die gesamte geistige und seelische Einstellung hat sich seither Don Grund aus geändert. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Zeit der schrankenlosen Herrschaft des Rationalismus. Der ungeheure Aufschwung der Naturwissenschaften kam damals durch seine praktische Verwertung in der Technik den breiten Schichten der Gebildeten erst voll zum Bewußtsein, und bie alte Theorie Bacons beherrschte — beumßt oder unbewußt — die Köpfe, daß mit der höchsten Entwickelung und der Vollendung der Technik auch das höchste Glück gegeben sek.. Der Darwinismus in der hausbackenen Form, wie ihn die Masse der Laien auf naturwissenschaftlichem Gebiete erfaßt hatte, schien alle Rätsel der Schöpfung zu lösen, und der Materialismus, der in der zünftigen Philosophie bereits überwunden war, hatte sich jetzt erst der gebildeten Kreise mit aller Gewalt bemächtigt. Bis in das erste Jahrzehnt dieses Jahrhunderts herein sind die Wirkungen dieser Geistesrichtung stark spürbar. Es sei nur an die starke Einwirkung von Häckels „Welträtsel" und an Vücherbesprechungen. . Landesrabbiner Dr. Rieaer-Draunschweig: „Vom Hermatsrecht der deutschen Juden". Sammlung „Das Licht", Heft 4. Philo-Verlag. Berlin. In dem Kampfe, den dcr rührige Philo-Verlag (Berlin SW. 68, Lindenstraße 13) mit den vergifteten Waffen des Antisemitismus führt, sind die Broschüren, die er unter dem Sammeltitel: ..Das Licht" erscheinen lässt, recht geeignete Hilfsmittel, um in weiten Kreisen Austläruna zu verbreiten. „Dort Phrasen. — hier wissenschaftlich nachgewiescne Tatsachen!" heißt es in dem Streit um die Wahrheit, den zu führen heutzutage geradem sittliche Pflicht ist. Leider haben auch die besten Schriften nicht übermäßige Aussicht auf Erfolg, denn gehässiges Vorurteil und Dummheit sterben nicht aus. Daß die Juden vielfach zur deutschen Urbevölkerung gehören, haben schon verschiedene namhafte Historiker nachaewresen: es gibt keine falschere Behaupt,tim als i»;c von der „Fremdheit" und „Nichtzugehörigkeit" der in unserem Vaterland ansässigen Juden. Schreiber dieser Zeilen hat zum Beispiel viele Jahre seines Lebens damit zugebracht. die Urkunden zur Geschichte der Juden in Berlin zu sammeln und zu entziffern, und hat u. a. festgestellt, daß, — während die Reichshauptstadl etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet worden ist. — schon 1295 Juden in Berlin urkundlich erwähnt werden. In einer recht interessanten und lebendig geschriebenen kleinen Wissenschaftlichen Skizze weist Dr. Rieger. der bKanme braunschweigische Lcmdcsrabbincr. nun nach, daß in ganz Deutschland Juden zu den ältest-eingesessenen Bestandteilen der Landesbewohner gehören und in Deutschland politisches Heimatsrecht haben, wie nur je eine Bevölkerungsgruppe! Dr. Rieger schildert an Hand eines reichen, aus rmanfechlbareri historischen Quellen stammenden Materials das Leben der schon im sechsten Jahrhundert bürgerlicher Zeitrechnung bestehenden jüdischen Gemeinden am Rhein, er erzählt mschaulich. wie die Juden bereits im frühen Mittelalter gleichsam das pulsierende Blut im Wrrtschaftskorper Deutschlands sind und auf diese Weise ihrer Heintat außerordentlich nutzen und sie heben. Mmählich senkten sich die finsteren Schatten des zunehmenden TtlMen Fanatismus über das ganze Abendland und die soziologische «telluna der deutschen Kvdv» verschlechtert sich mehr und mehr; um da» Ache 1000 lenrat find st« bereits die tWgckftet«. «quälten und vke monistische Bewegung erinnert. DaS war Die Zett, die nur das Verstandesmäßige anerkannte, die meinte, was man nicht wie einen mathematischen Satz «beweisen könne, das aelte nicht oder sei gar nicht vorhanden. Diese geistige Verfassung hat auf alle religiösen Bekenntnisie und innerhalb der Bekenntnisse aus alle Richtungen ohne Ausnahme emgewirkt. Aber eS war das Verhängnis des religiösen Liberalismus im Judentum, daß fast unmittelbar auf seinen Aufschwung diese Geistesrichtung folgte. ES war die Zeit des religiösen Indifferentismus. die Zeit, aus der sich die Verwechselung der Begriffe „liberal" und „indifferent" herschreibt. Der Verwaltungsliberalismus war herrschend, und die Gemeinden, die religiösen Körperschaften, wunden von vielen nur als Objekte korrekter Verwaltung angesehen; die religiösen Interessen traten zurück. Diese Zeit scheinbarer Allmacht des Liberalismus war tatsächlich die Zeit seiner größten inneren Schwäche. Die religiöse Begeisterung der ersten und zweiten Reformperiode war verflogen und unter dem Rationalismus erstickt, eine neue religiöse Verinnerlichung war noch nicht da. Wir würdigen und bewundern erst heute die große Leistung der liberalen Rabbiner jener Zeit, deren ungebrochenem Mute und deren unablässiger Arbeit es zum großen Teile zu danken ist, daß das religiöse Leben der deutschen Juden nicht noch schwereren Schaden genommen hat. Wie stets in der Geschichte folgte auch hier der Rückschlag. Die Sehnsucht der verödeten Seelen forderte Befriedigung. Mehr und mehr sah man ein, daß es Dinge gibt und Wahrheiten, die wir in tiefster Seele fühlen, auch wenn wir sie nicht haarklein beweisen können. Die Geltung des Irrationalen wurde anerkannt. Die ungeheure Erschütterung der Seelen durch den Weltkrieg und seine Folgewirkungen hat diess geistige Einstellung befestigt und vertieft. Daß mau dabei, vielfach über das Maß hinausgeht. daß der Rationalismus durch ungesunde Romantik abgelöst wird, ist nicht verwunderlich. Wir dürfen hoffen, daß in absehbarer Zeit das seelische Gleichgewicht wiederhergestellt sein wird. Die anderen Momente, die zu dieser geistigen Umstellung mit bei ge tragen haben, können hier unerwähnt bleiben. Die ersten Anzeichen machten sich im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bemerkbar, indem man begann, den sträflich vernachlässigten Religionsunterricht der Jugend zu bessern. Als 1908 die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland begründet wurde, war der Rationalismus dem äußeren Anschein nach noch herrschend. Aber seine Kraft war bereits gebrochen. Freilich, tue Geister waren noch so sehr im Banne jener alten Anschauung, daß man vielfach nicht verstand, wozu die Liberalen sich zusammentschlossen. Denn da die Verhältnisse und Bedürfnisse in jeder Gemeinde anders seien, könne man keine allgemein gültigen Beschlüsse über einzelne Reformen fallen. Als ob der Sinn des Liberalismus nichts anderes fei als „Abschaffen". als ob Liberalismus nur ^Subtraktion von der Orthodoxie, ein minderwertiges,' schlechtes Judentum gegenüber dem echten Judentum der „Frommen", das heißt der Orthodoxen sei. Als ob nicht die Vertretung gemeinsamer Anschauung des Judentums, die Klärung dieser Anschauung, die „Reform der Anschauungen", die Geiger in den Vordergrund gestellt hat, den Zusammenschluß rechtfertigte und forderte. Uns scheidet von der Orthodoxie, daß diese jeder Form die höchste Bedeutung beiiuißt, während uns die Formen Mittel zum religiösen Zweck sind, deren Wert durch diesen Zweck und durch ihre religiöse Wirkung bestimmt wird. Und uns scheidet von ihr unsere Auffassung, daß auch die Religion dem Gesetze der geschichtlichen Entwickelung unterliegt. Aber der Liberalismus ist nicht minder offenbarungsgläubig. wenngleich seine Auffassung auch hierin eine andere ist, nicht minder fromm als die Orthodoxie. Mögen manche Mitläufer religiös indifferent sein: m i t d e in I n d i f f e r e n t i s m u s haben wir und hat unsere Bewegung nichts gemein. Bketmehr ist die Vereinigung für das liberale Judentum aus tiefster jüdische» Frömmigkeit geboren. Mr können das.Indern tum nicht in der orthodoxen Weife ansehen, selbst wenck Wir eS wollen; aber wir wollen es auch nicht. Wir sind vielmehr überzeugt, daß unsere Auffassung des Judentums als auS göttlichem Geiste geborener, geschichtlich entwickelter Gegebenheit die Zukunft gehört. Wir betrachten das Judentum als ein Ganzes. Aber für unsere Betrachtung begnügen wir uns nicht mit dem Querschnitt, um das Bild dev Gegenwart oder irgend einer anderen Zeit als maßgebend zu gewinnen, sondern wir legen den Längsschnitt durch die gesamte geschichtliche Entwickelung, um ein Gesamtbild zu haben. Keine Epoche der Entwickelung möchten wir missen. Denn unS Liberalen ist das Judentum etwas Lebendiges. uns ist die Religion Lebensmacht, und als Lebensmacht für die Seelen wollen wir es für die Zukunft festhalten, in feiner Tiefe, Reinheit und Kraft zur Auswirkung kommen lassen, es vor Verknöcherung und Versteinerung, wie vor Verflüchtigung und Verflachung schützen. Schöpferische religiöse Kräfte will der Liberalismus wecken und zur Entfaltung bringen. Keine Epoche schließt uns die religiöse Entwickelung ab. Die lebenden Menschen soll die Religion innerlich erfassen, in der Kultur der Gegenwart die uralten Kulturgüter des Judentums wirksam werden lassen. Die bevorstehende Tagung der Vereinigung für das liberale Judentum, der sich sine Tagung der liberalen Rabbiner anschließen soll, wird außer den dringenden Fragen der Organisation zu Erörterungen über diese Grundfragen Anlaß geben. Die Frage des Gottesdienstes, dessen Gestaltung für das religiöse Leben der Gemeinden rote der Einzelnen von größter Bedeutung fft, soll eingehend behandelt werden, nicht um da und dort ein Paar kleine Vevbessenlnqen anzubringen, sondem um die Frage zu klären, wie unser Gottesdienst auf gewachsenem Grunde so aufgebaut werden kann, daß er religiös wahrhaft fruchtbar ist. Von gleicher Bedeutung ist die Erörtemng der Iugendfvage. Sind alle wahrhaften Kulturprobleme Probleme der Erziehung, so gilt das ganz besonders von der Religion. Wenn daneben die Frage der Gemeindepolitik erörtert werden wird, so soll auch sie nicht von kleinen Gesichtspunkten aus angesehen, sondem der Geltung der religiösen Ideen gerecht werden. Wir dürfen bei dem glücklicherweise wieder erstarkenden religiösen Sinn von diesen Erörterungen Klärung der Anschauungen, innere Festigung des Liberalismus und Kräftigung des religiösen Lebens erwarten. In dieser zuversichtlichen Hoffnung entbieten wir der Versammlung unseren Gmß: Gott mit ihr! M lllvsrteii Sie liberslen Mm fm Me ms oon Oer,Mim für m liberale Wem in VenWsnO"? Bon I. Wolfs so hn, Berlin-Schöneberg. I. Es ist immer etwas schwierig, auf Fragen, die abstrakte Dinge betreffen, eine bestimmte Antwort zu geben. Im Gegensatz zu dem orthodoxen Judentum, mit seinem konkreten, an ein Dogma gemahnenden Inhalt, ist das, was wir liberales Judentum nennen, etwas abstraktes. Der schwerste Vorwurf aber, den ernstliche Gegner unserer Bewegung dieser machen, ist der, daß sie konkretes zu geben nicht imstande fei; auch aus den Reihen unserer Anhänger hören wir oft den Ruf: „Schafft neue, positive Werte! Leichter gesagt als getan bei einer so rein geistigen Bewegung, wie sie religiöser Liberalismus von Grund seines Wesens aus ist! Wir sehen übrigens, daß auch der liberalen Richtung anderer Bekenntnisse ein gleicher Vorwurf gemacht wird. Beim Protestantismus nennen sich die Orthodoxen ausdrücklich die „Positiven", wmmämmmmmmammmmmmmmmmmmmmttmmmrnmmmmmmmmKmmm gehetzten Flüchtlinge. „Gottes Prügelknaben", wie sie ein moderner I Asran für Man (Gründer der Karäer-Sette), Schem ha- Dichter nennt. Ganze Gemeinden werden entweder ausgerottet oder I »Atolim für Gedolim, Eben Haezar für Haezer.) verjagt: aber die Vertriebenen nehmen deutsche Sprache und Kultur i Dr. M. Spanier, Magdeburg, ins Exil mit und wahren beides als ein köstliches Erbe. . Furchtbare Zeiten brechen für die Unglücklichen heran, allein auch in der schlimmsten Lage hören sie nicht auf, deutsche Kultursörderer zu sein; cs gibt zu allen Zeiten Dichter, Gelehrte, Aerzte, Künstler unter ihnen, und als sich im 16. Jahrhundert in den meisten deutschen Städten wieder Ghettos bilden, ist das Judentum fruchtbarer Nährboden für das Wachstunl allgemeinen Fortschritts.. Jedermann wird die kleine Schrift Dr. Riegers mit.Nutzen und Interesse lesen! Es wäre dankbar zu begrüßen, wenn der gelehrte Verfasser einmal statt der bloßen wissenschaftlichen Skizze ein größeres Werk schreiben und auch im einzelnen nachwe'sen würde, wie sehr die demschen Juden zu allen Zeiten die Kultur ihrer Heimat förderten Dr. L. D. Felix A. Theilhabcr, Der Untergang der deutschen Juden. 2. verbesserte Auflage. Jüdischer Verlag, Berlin NW. 7. 1921, geb. 26 DL. Das Buch, das vor zehn Jahren zuerst erschien, erfuhr in allen Mischen Lagern, bei orthodoxen und liberalen Luven, auch bet den Zionisten, die heftigsten Anfeindungen; rm unbegriindetsten ist sicherlich d i e Auffassung, es sei „geährltch" die Auflösungstheorie vor der breitesten Oessenlltcheit in Druckschriften zu behandeln. Nack unserer Meinung st cs .gefährlich", die, Gefahr, die der deutschen Judenheit irobt, zu verkennen, Vogel-Strauß-Politik zu treiben und sich mgstlich zu verkriechen, wenn eS gilt, den Finger in di« Lunde zu legen. Dr. Theilhaber gebührt Anerkennung», daß c die Probleme unerschrocken beleuchtet und die Zusammenüng« zwischen der Entwicklung der Geburten, Taufen, Mischten usw. zahlenmäßig darlegt. DeS Verfassers Theorien beiehsn sich auf die zersetzenden Momente, di« lediglich in der eutschen Judenheil zu beobacht«» sind. Erschreckend Wirkt «S, oenn man liest, daß 25 Prozent der deutschen Juden «heloS leiben, 25 Prozent Mischehen eingrhen und 5v Prozent dev .idischen Ehen das Zweikindersystem Lurchgesühtt haben. I Jn den weitesten Kreisen verd(ent daS objektiv geschriebene Deck als Weckruf die größte Beachtung. DtScit« monitii (Zur Verbesserung in der kommenden Atzlflage haben wir folgend« Druckfehler angemeckt: Jssme Biach für Blech, Rabb. Dr. B. May. Das Heili gkeit S buch. Bibel-Lesebuch zum 3. Buche Mose. I. Kauffmann, Verlag» Frankfurt a. M., 1921, Preis 14 M. und 10 Prozent. Das ist ein Buch, das uns mit heller Freude erfüllt hat, ein ganz vorzügliches Lehrmittel, unserer Jugend das Verständnis für die erhabenen Lehren der jüdischen Religion zu erschließen. Aber auch das paradox klingende Wort Theodor Storms trifft hier zu: „Wenn du für die Jugend schreibst, so sollst du nicht für die Jugend schreiben!" Die Jugend und das Alter können reiche Belehrung aus dem Buche schöpfen. Uns war es besonders anheimelnd, daß der geehrte Verfasser Erläuterungen zu den ethischen Lehren nicht nur dem jüdischen Schrifttum entlehnt, sondem auch den Geistesschatz der allgemeinen Literatur berückst^ at. Das Weck ist sehr zu empfehlen. Dr. M. S p a n i e r, Magdeburg. Mbert Katz, Festbetrachtungen, ein AndachtSbuch. Leipzig, G. Engel. Auf dieses Büchlein aufmecksam zu machen, halte ich gerade in den Kreisen für wichtig, für die diese Zeitung bestimmt ist. Das Büchlein ist kein Andachtsbueb. wie der Titel irre führen könnte, aber es sind wertvolle Betrachtungen für alle diejenigen, die sich für die Entstehung und Geschichte unserer Feste interessieren. Man kann sehr viel aus diesem Büchlein lernen und cs wäre zu begrüßen, wenn es allen Knaben und Mädchen bei ihrer Schulentlassung oder ähnlicher Gelegenheit in die Hand gedrückt würde. Auch dem Lehrer, der an höheren Schulen unterrichtet und die reiferen Schüler in die Geschichte und das Wesen unserer Feste einsühren will, wird es werivoll« Dienste leisten. Zudem auch bietet es Ge- »eit, aus alle Frauen unserer Religionslehre einzugehen, utor weiß sein Kennen und Wissen reichlich anzubringen und die Quellenangaben beweisen, wie alles auf jüdische Quellen aufge«baut ist. Di« Sprach« ist einfach und schlicht, die Gestaltung jedes einzelnen Abschnittes lebhaft und fesselnd, ein Buch, das ich mit größtem Genüsse gelesen habe und deshalb es allen Interessenten sehr empfehle» möchte. Leider fehlen Betrachtungen über Chanukkah! Straßburger - Ulm.