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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-09-09 · 40 (9.9.1921) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
40 (9.9.1921)
Date
1921-09-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Das ihaken wir auch beim deutschen Volke nach Möglichkeit getan. Man hält uns von antisemitischer Seite häufig vor, daß die englischen und französischen Juden bessere Engländer bezw. Franzosen wären als wir deutschen Juden Deutsche. In Politischer Beziehung mag das durch die frühere und umfassendere Gleichstellung häufig zutreffen, aber -in g e i st i g e r Beziehung sind n i e z w e i A b st a mmungen inniger verwachsen, wie die deutsche und die jüdische. Weil wir nicht wollen, daß hierin eine Aenderung eintritt, lehnen wir die jüdische Volksschule a b. Und wer da befürchtet, daß durch ein kleines Weihnachtsliedchen in einer Fibel das Judentum des jüdischen Kindes erschüttert werden könnte, den weisen wir aus die zahlreichen Uebertritte von Juden mit orthodoxer Erziehung hin. Die Konvertiten aus der Zeit des großen „S ch m a t t" haben alle eine weit „jüdischer^" Erziehung gehabt als wir, aber auf den Kern des Judentums dürsten sie nicht hingewiesen sein. Wemklargemachtwird, daß der „R a ch e g o 1 t" ein M ä r ch e n, teils aus nicht genügendem Verständnis, teils aus Böswilligkeit heraus entstanden, Werda eindringlich darauf hingewiesen wird, daß schon 7 0 0 I a h r e v o r d e r Geburt C h r i st i der Prophet Micha gepredigt hat: „E s i st dir gesagt,! M e n 's ch, w a s g u t i st u n d w a s d e r Ewige von dir fordert, nichts als Recht tun, Liebe üben und in Demut vo r Gott w ande ln", wer da in den I a h r c n, w o s i ch der Zweifel z u regen beginnt, also Mischen 15 bis 20, die Er k l ä - r u n g liberaler jüdischer Theologen hört, daß es im alten Te sta m e nt d a s Wort „Gl aube" in de r eige ntl ichen Bedeutung, die es bei anderen Religionen hat, gar nicht gibt, daß aber „Erkenntnis" verlangt wird, der wird u n s c x c t Religion, der Religion der Liebe und der Vern u n f t, nie den Rücken kehren. Gegen deren Einst u ß h i l f t a b e r keine llmfasjendereKenntn i s v o n H e b r ä i s ch, k e i n A b s ch l i e ß e n d u r ch konfessionelle Schul e. Wir stehen auch auf dem Standpunkt, daß vergleichende Religionswissenschaft für die reifere Jugend sehr wichtig ist. Ein kluger Sprachforscher hat einmal gesagt, „n u r d e r v e r m ö g e d i e Schönh e i t s e i n e r M u 1 t e r s p r a ch e voll u n d ganz zu würd i ge n , der auch fre md e Sprachen kenn e." So ist es auch mit der Religion. Deshalb ist es durchaus nicht notwendig, n u r i m m e r d a s , w a s u n s v o n d e n a n d e r n trennt, hervorzuheben. „D e n n was mi ch Eu ch zu m Ch r i ste n macht, das m a cht E u ch m i r z u Nl Jude n". An dieses Wort von Lessings „w e i s e nt N a t h a n" halten wir uns und wir finden die Figur des christlichen Patriarchen aus diesem Drama ebenso unsympathisch, wenn sie sich in einen entsprechend denkenden Juden verwandelt. D a s s i n d d i e ideellen Beweggründe, die nns gegen die j ü d i s ch e Volksschule st i m men lasse n. Mehr wahre Religion und innerliche Religiosität im Hause, den Kindern erklären, was Worte und Formeln unfern Vätern bedeuteten und was sie uns heute bedeuten können und sollen, n i ch t m ü s s e n, denn wehe, 'wenn schon dem Kinde di^ s i m ch a s ch e l m i z w a h (die Freude an der Ausübung des Gebots) verloren geht, das fesselt die jüd Jugend an die Religion der Väter, macht sie zu iiberzeugten und stolzen Juden. W i r w e r d e n e s i n d i e s e m K a m p s e nicht leicht haben, denn wir haben in ihm nicht nur Z i o n i st e n u n d Orthodoxe, sondern allem Anschein nach auch die g r o ß e Me h r - zahl der liberalen Theologen n n d Lehrer gegen uns, w a s wir b e s o n d e r s s ch in e r z l i ch empfinden. Doch auch das muß ii b e r w u n den werde n u n d w i r d ü b e r Wunden werden achewillen. dem 1. Januar bis zum 1. Juli die Zahl der Anfragen von 401 auf 534 gestiegen ist. Die nachstehende Uebersicht zeigt, welche einzelnen Zweige Gegenstand der Bearbeitung bildeten: Allgemeine Fürsorge.9 Anfragen Auskunft über Vereine usw.17 Gewährung von Darlehen und Geldgeschenken .11 Pflege, Beaufsichtigung und Erziehung von Kindern.28 Unterricht und Ausbildung .... 11 Arbeits- und Stellenvermittelung . . 13 Fürsorge für Kranke.25 Altersversorgung ....... 19 Jim dem Bericht über öie Tätigkeit öer Zentral wohlfahrtsstelle -er deutschen Juden in -er Zeit vom 1. Kebruar bis 1. Juli 1-21. 2. Spezielle jüdische W o h l f a h r t s p f l e g e. ::) Das Gebiet der A u s k u n f t s e r t e i l u n g u n d der Beratung dehnt sich von Monat zu Monat ans. Den besten Beweis hierfür bildet der Umstand, daß seitdritter Zusammen 133 Anfragen Wir verkennen allerdings nicht, daß es eine ganze Anzahl von Anfragen gibt, die auch wir nicht in befriedigender Weise beantworten können, so namentlich, wenn es sich um den Nachweis von Unterbringungsmöglichkeiten für aus dem Osten geflüchtete altersschwache Personen, um die Unterbringung erwachsener Geistesschwacher, Lungenleidender usw. handelt. Die Fülle der Anfragen, die gerade nach dieser Richtung hin einlaufen, zeigt, welch dringendes Bedürfnis die Schaffung derartiger Einrichtungen bedeutet, und daß nichts von der Zentralwohlfahrtsstelle unversucht bleiben darf, die schon lange geplante Gründung derartiger Anstalten zu fördern. Das Archiv, welches die Unterlage für die sachgemäße Beantwortung der vielen Anfragen bildet, ist leider immer noch nicht komplett. Ein Teil des bereits vor Jahren gesammelten Materials ist in der Zwischenzeit veraltet und muß ergänzt werden. Bon vielen Gemeinden fehlen uns immer noch Angaben, trotzdem wir wiederholt die Leiter der Wohlfahrtseinrichtungen um Ausfüllung von Fragebogen gebeten haben. Aus diesem Grunde kann auch das schon seit Begründung der Zentralwohlfährtsstelle geplante Handbuch über die jiidischen Wohlfahrtseinrichtungen in Deutschland nicht zu Ende geführt werden, trotzdem aus jiidischen Kreisen sowohl wie aus interkonfessionellen wiederholt der Wunsch nach Veröffentlichung laut geworden ist. d) Die Jüdische S t u d e n t e n h i l f e steht in engem Zusammenhang mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Sie ist noch vor der Tagung von einer ganzen Anzahl jüdischer Studentenvcrbände in engem Zusammenhang mit der Jüdischen Gemeinde Berlin und unserer Körperschaft beschlossen worden. Träger der Jüdischen Studentenhilfe bilden die Korporationen, die auch die praktische Arbeit sowohl in bezug auf die Sammlung als auch in bezug auf die Verteilung der Mittel zr: leisten berufen sind. Es wurde ein Aufruf, in welchem die Notwendigkeit einer Hilfsaktion für die jüdischen Studenten begründet und im einzelnen die Aufgaben des Hilfswcrkes überzeugend dargestellt wurden, unterzeichnet von allen großen Wohlfahrlsorganisationeu, Studentenverbändeu und bedeutenderen Gemeinden in Deutschland veröffentlicht. Es sind bis jetzt in Berlin zirka 2 3.0 0 0 Mark eingegangen, die Sammlung soll aber erst in den Ferien von den einzelnen Studeutenvevbänden tatkräftig in die Hand genommen werden. Auch Bücher- und Kleiderspenden sind bereits in größerer Anzahl eingegangen. Voraussichtlich wird zu Beginn des kommenden Semesters die Organisierung der Studentenhilfe namentlich in Berlin soweit abgeschlossen sein, daß mit einer wirksamen Unterstützung in bezug auf Kleidung, Speisung, Bücher gerechnet werden kann. Die Leitung liegt vorderhand in den Händen der Zentralwohlsahrtsstette, die auch die Fühlung mit der allgemeinen Studentenhilfe hat und die dortigen Erfahrungen für die Jüdische Stuentenhilfe fruchtbar macht. e) Einen besonders großen Umfang in den Beratungen des Arbeitsausschusses und in der praktischen Tätigkeit niimnt die D u r ch f ü h r n n g der Forderungen, die von Frau W r o n s k y in ihren: Referat: „Die Forderungen der Gegenwart an die jüdische Wohlfahrtspflege" gestellt worden waren, ein. Sie wurden irtdrei Gruppen eingeteilt, und zwar unffaßt die erste Gruppe alle jene Forderungen, für deren Ausführung schon gewisse Anfänge vorhanden sind, insbesondere Institutionen, die sich mit den angeregten Fragen beschäftigen. In zweiter Linie will matt an diejenigen Aufgaben herantrcten, welche zur Vorbereitung in die Hand genommen werden können, und in Linie diejenigen Gebiete, die man ohne Hilfe der Kommunalbehörden nicht bearbeiten kann, z. B. die Benutzung von freiliegendem Friedhofsgelände. Zur Gruppe der ersten Forderungen gehört eine straffe und in sozialer Hinsicht einwandsfreie Regelung der B a h n h o f s h i l f e. Diese Forderung ist erfüllt worden, indem in Berlin, Köln und anderen großen Durchgangsorlen die I ü d i s ch e B a h n h o f s h i l f e organisiert worden ist. In Berlin insbesondere besteht ein besonderer Ausschuß zu diesem Zwecke, dem Vertreter des Jüdischen Arbeitsamtes, der Agudas-Jisroel, der Arbeiterparteien angehören, und der jetzt ein Organ des Hrlfsvereins der deuffchen Juden bildet. Es ist Vorsorge dafür getroffen, daß neben der sachgemäßen Erledigung der rein formalen Aufgaben auch die von Frau Wronsky gewünschte schnelle Hilfe den Durchwanderern zuteil wird. Die Beziehungen zwischen der Bahnhosshilfe und der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden sind dadurch hergestellt, daß die Leitung des Arbeitsausschusses in den Händen des Geschäftsführers, Herrn Dr. S e g a l l, liegt. Der Ausbau der F r ü h - E h e k a s s e zwecks Förderung der Geburtenzahl soll nach der Richtung geschehen, daß durch die Zentralwohlfahrtsstelle die zahlreichen Brautausstattungsvereine und -Stiftungen, die, sei es aus Gründen der Satzungsbeschränkung, sei es aus Mangel an Bewerbern, an einzelnen Orten ihren Zweck nicht erfüllen, in den Dienst der Früh^Ehekasse gestellt werden. Die Zentralwohlfahrtsstelle hat zunächst eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Brantausstattungsvereine und -Stiftungen vorgenommen und ist jetzt in: Begriff, durch Berhandlungen mit den einzelnen Vereinen und Stiftungen den Zusammenhang mit der Friih-Ehekasse, die bekanntlich vom I ü d i s ch e n Frauenbund geschaffen wurde und geleitet wird, herbeizusühren. Eine weitere Forderung der Frau Wronsky ist die Schaffung einer W o h nun g s h y g i e n e und der Ausbau der R e i ch swochen h i l s e für jüdische Wöchnerinnen, insbesondere aus ostjüdischen Kreisen, denen die staatliche Unterstützung nicht zuteil wird. Da die Durchführung dieser Aufgabe::, zunächst was Berlin anlangt, in das Ressort des Verbandes für jüdische Wohlfahrtspflege Groß-Berlin gehört, wurde von seiten der Zentralwohlfahrtsstelle diese Institution mit der Erledigung der als überaus wichtig anerkannten Forderung der Wohnungshgyiene und Unterstützung der Wöchnerinnen betraut. d) Auch die Forderungen des Herrn Rechtsanwalts Dr. Bann:, die er in seinen: Referat: „Jüdische Sozialpolitik" erhoben hatte, wurden besprochen. Eine dieser Forderungen bestand darin, die H a u p t st e.l le f ü r Bern f s b e r a t n n g der Juden der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden anzugliedern. Dies ist auch in der Zwischenzeit geschehen, und wir sind im Begriff, allmählich den Komplex der Fragen, die von der Hauptstelle für Berufsberatung bearbeitet worden sind, innerhalb der Zentralwohlfahrtsstelle zu behandeln. Als Erstes und Wichtigstes gedenken wir eine neue Bakanzenliste aufzustellen, namentlich um Niederlassungsmöglichkeiten für Akatdemiker, die aus dem besetzten Gebiet des Ostens in das Reich strömen, zu beschaffen. — lieber ein besonderes Kapitel aus der Berufsberatung: „Berufsaussichten der Juden in Deutschland" soll eine Arbeit geschrieben werden von einem Nationalökonomen, dem das Material zur Verfügung gestellt wird, und dem die Leitung der Zentralwohlsahrtsstelle mit Rat an die Hand geht. e) Weitaus die meiste Kraft und Zeit nimmt die Vorbereitung der S am mln n g zur Linderung der j ü d i s ch e n K i n d e r n o t in Anspruch. Auch diese Forderung ist auf der Tagung erhoben worden im Anschluß an die Referate von Herrn Waldslein. Breslau, und Herrn Dr. Lanrm, Berlin. Wir haben von der Zentralwohlfahrtsstelle aus uns zunächst einen Ueberblick über den Stand der Anstalten und den Umfang der jüdischen Kindernot in den größeren Gemeinden beschafft und organisieren die Sammlung in der Weise, daß soweit als möglich jeder einzelne Jude in Deutschland zum Spenden veranlaßt wird. Unser Geschäftsführer unternahm zu diesem Zwecke eine Werbereise, die ihn nach Hannover, Elberfeld-Barmen, Düsseldorf, Essen, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart, München führte. Es gelang ihm überall, Interesse für diese wichtige Angelegenheit zu wecken, und es wird voraussichtlich hier früher, dort später ' in allen Teilen Deutschlands die Aktion durchgeführt wer- Weinbau unö Weingenuß in -er althebräischen Literatur. Von Geheimrai E d. König- Bonn. Turchblättern wir die neunundorcitzig Schriften, die die althebräische Literatur ausmachen, so begegnet uns der Weinbau nicht nur sehr ost, sondern auch mit der vollsten Anerkennung, ein Mer Zweig der Landeskultur überhaupt;u sein. Oder wußten die Kundschafter, die das dem Volke Israel zum künftigen Besitz bestimntte Land erforschen sollten, ein geeigneteres Unterpfand seiner Tresslichkeii zu wählen, als eine riesige Weintraube? Haben sie sie nicht mit aller Behutsamkeit nach Hause getragen, um die Sehnsucht ihres Volkes nach einem Land, das solche Früchte trägt, auss höchste zu/ steigern.- Wie ost ferner ist der Weinbau neben der Oelbaumzucht auch als ein wirklich in Jsmel gepflegter Erwerbszweig erwähnt! Welch deutliches Zeichen der Hochschätzung des Weinbaues liegt aber sodann darin, daß die Anlegung eines Weinbergs als das Bild gewählt ist, durch dessen Ausmalung alle die Wohltaten veranschaulicht werden könnten, durch die von der Vorsehung die hohe kulturgeschichtliche Stellung des Volkes Israel begründet worden ist! „Laßt mich doch singen", so beginnt diese Darstellung, „von meinem Freunde, ein Lied (nämlich) meines Freundes in Bezug auf seinen Weinberg! Mein Freund besah, einen Weinberg auf fetter Bevgeshöhe, und er behackte ihn und las ihn von Steinen frei, und bepflanzte ihn mit Edelreben. Einen Turm baute er mitten in ihm und hieb auch eine Kufe zum Keltern in ihm aus." (Jef. 5, 1 ff.) Ja, sogar in den Zukunfts-gemälden, auf welche das nach Glück sich sebnende Auge hingelenkt wurde, sehen ivir oftmals den Weinstock als das Symbol der erquickenden- Ruhe gezeichnet. Denn der Inbegriff aller Befriedigung meinen die hebräischen Redner angekündigt zu haben, wenn sie sagen: „Ein seder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum sitzen." (Mich. 4, 4 usw.) Welch sicherer Beweis dafür, daß die Pflege des Weinbaues ein Moment in dem Lebensideal der alten Hebräer bildete! Diese waren durchaus kulturfreundlich und haben weder Ausschmückung der Lebensumgebung noch Wertschätzung der Künste, noch^ einen heiteren Genuß der irdischen Güter —- auch beim Spiel der Musik und unter lebhafter Uebung des Reigentanzes — getadelt. Einen vollberechtiaten Faktor in diesem weltoffenen Kultur-ideal der alten Hebräer bildet nun auch der Weiubau und Weingenuß. Denn zu den Zeugnissen, die dafür bereits aus den Geschichtsschreibern und Redner des althebräischen Schrifttums angeführt worden sind, gesellen sich nun auch noch die Stimmen der Dichter und Dichterinnen. Ten Reigen beginne jene liebliche Mädchengestalt des glutdurchbauchten Hohenliedes, die Sulamith, die von ihren strengen Brüdern zur Weinbergshüterin bestellt worden war — in meinem Büchlein „Die Poesie des Alten Testaments", das nun ins Spanische übersetzt wird, meine ich ihr Gedächtnis mit hinreichend lebhaften Farben aufgefrifcht zu haben. Diese Sulamit^ singt ein echtes Weinbergsliedchen: „Fangt uns Füchse, kleine Füchse, dir Weinbergsbrrderber! Denn unsere Weinberge stehen in Blüte." Aus dieser Poesie tönt uns mehrmals auch das „Hedad!", der hosfnungssreudige Juchschrei des erntenden Winzers und Kellertreters entgegen. Aus die Gesänge, die bei fröhlichen Gelagen angestimmt wurden, ist auch bei Amos hingewiesen, wo er (6,5) die erwähnt, „die da phantasieren nach dem begleitenden Klang der Harfel", und einen Blick in eine feuchtfröhliche Tafelrunde läßt uns Jesaja tun, wenn er von denen spricht, welche „Zither und Harfe und Pauke und Flöte und Wein zum Gelage vereinen". Ganz wie ein altes Trinklied klingen aber folgende Zeilen ,Spr. 31, 6 s.): „Gebt Rauschtrank dem, der im Untergehen ist, Und Wein solchen, deren Seele betrübt ist! Der mag trinken und seinen Unmut vergessen' Und seines Leidens mag er nicht mehr gedenken!" Erinnern diese Worte nickst merkwürdig leohaft an die Anrede, die Schiller dem Restor, dem alten Zecher, in den Akund gelegt hat, der trotz — oder wegen? — seiner Shmpathie für den Wein „drei Menschenalter sah"? Er sagte aber bekanntlich zur „betränkten Hekuba": „Trink ihn aus, den Trank der Labe, Und vergiß den großen Schmerz! Wundervoll ist Bacchus' Gabe, Balsam fürs zerrissene Herz." Besonders beachtenswert ist auch dies in kulturgeschichtlicher Hinsicht. Unter den Perlen des Lobes, 'mit denen im althebräischen „Lied vom braven Weibe", diesem vielhundertjährigen Vorgänger von Goethes Dichtung auf Johanna Sebus, eine tüchtige Hausfrau geschmückt wird (Spr. 31, 10 bis 31; Die Poesie des A. T., S. 38 s.), fehlen auch diese Zeilen nicht: „Sie sinnt auf Ankauf von Ackerland und erwirbt es: von ihrer Hände Frucht (d. h. Verdienstpslanzt sie einen Wein der g". Also auch das wird ihr als eine Tugend angevechnet, daß sie für einen! erquickenden Haustrunk sorgt. > Diese sympatoische Beziehung der althebräischen Literatur zum Weinbau und Weingenuß ist nun auch noch durch eine ganze Reihe ausdrücklicher Urteile zur Ausprägung gebracht. j Von ihnen reiht sich an die vorgeführten dichterischen Zeilen zunächst das S P r i ch w o r 1 an, das von der Traube I in Israels Mund War: „Verdirb sie nicht, denn es ist ein I Segen darin'" lJes. 65, 8.) Ein sprtchwortarttger Satz ist

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