Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 36 (12.8.1921)
- Date
- 1921-08-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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geordneten, die unter der Parole „Für den SchMoll" gewonnen worden waren. Kurz und gut, Bismarck rrrußte die Mehcheit nehmen, wo er sie fand, und wenn in seinem Kampfe gegen den Freisinn die Antisemiten ihn unterstützten, so sah er hierin mir ein Werkzeug zu seiner Gesamtpolitik. Er unterschied ganz genau zwischen der antisemitischen Partei als rein politischer Partei und den: antisemitischer: Progranrm. Die Partei hat er ausgenutzt, wo er sie gebrauche:: konnte. Das kann ihm niemand verübeln, der das Parteileben keimt, und der weiß, wie schwierig es für einen Staatsmann ist, sich dauernd eine Mehrheit zu sichern. Aber etwa behaupten zu wollen, Bismarck hätte Sympathien für die Antisemiten gehabt, weil sich seine Politik zeitweise mit der der Antisemiten deckte, wäre genau so verkehrt, als wenn man behaupten wolle, Bismarck sei nationalliberal gewesen, weil er zeitweise mit der: Nationalliberalen gemeinsame Sache machte. So viel steht jedenfalls fest, geschätzt hat er die Antisemiten rricht, und das ist auch kein Wunder; denn ein Genie konnte mit einen: Manne wie Stöcker rächt harmonieren. Stöcker war ihm sogar in der Seele verhaßt, wie er alle „Politiker in langer: Röcken" haßte. Zudem kam später ein persönlicher Umstand hinzu. Stöcker gehörte einer Partei an, die auf der: Stnrz Bismarcks hinarbeitete, rnrd die für diesen Zweck den Grafen Waldersee bereit hielt. An einer Stelle der „Gedanken rmd Erinnerungen" sagt Bismarck: Ich habe gegen Politiker in langen Kleidern, weibliche und priesterliche, immer Mißtraue:: gehabt, und dieses Pronunziamento einiger hundert evangelischer Pfarrer zugunsten einer der frivolsten gegen den ersten Beamten des Landes gerichteten Verleumdung war nicht geeignet, mein Vertrauen gerade zu Politikern, die in einem Priesterrock, auch in einem evangelischen, stecken, zu stärken. (Gemeint ist das Vorgehen der sogenannten Deklaranten, wo Hunderte vor: evangelischen Geistlicher: sich ia Erklärungen in der Kreuz-Zeitung von der Bismarckschen Politik lossagterr.) Bismarck hat sich dem: auch bald scharf gegen Stöcker gewandt, rmd es kam schließlich zu einer offener: Feindschaft zwischer: beider: Männern. Behauptete doch schließlich Stöcker sogar, daß Bismarck sich mit dem Gedanken getragen habe, ihr: ausweiser: zu lassen, eine Vermutung, die nicht ganz unberechtigt erscheint. Denn in der Tat scheirrt Bismarck einmal den Gedanken erwogen zu haberr — da er beirr: Kaiser mit seinen Beschwerden über Stöcker teilt Gehör fand, — das Sozialistengesetz gegen Stöcker anwender: zu lassen. Im übriger: rvird die Frage, rvie Bisrnarck zr: der: Antisemiten stand, durch keinen besser beantwortet als durch Stöcker selbst! In eir:em Klagebrief des Hofpredigers Stöcker an Kaiser Wilhelm I. vom Jahre 1880 heißt es wörtlich: Offen gestanden ist es nur irnrner unerklärlich geblieben, daß der Fürst der: Kampf gegen jüdische Uebermacht an der Börse und in: Handel wie in der Presse und im öffentlichen Leber: nicht willkommen hieß ... Der Fürst griff im Parlament nacheinander so ziemlich alle Richtungen au, Fortschritt und Sozialdemokratie immer, Zentnrm und Polentum häufig, auch Konservative und Nationalliberale, wem: sie seiner Politik im Wege standen. Er schleuderte seine Blitze auf alle Gegner. Judentum und Judenpresse hat er meines Wissens nicht ein einziges Mal öffentlich erwähnt. Gerade der letzte Satz dieses Briefes zeigt, wie fern Bismarck persönlich dem Treiben der Antisemiter: stand, die vor: Puttkamer, den: damaligen Minister des Innern, und dem Berliner Polizeipräsiderrter: v. Madai eine auffallend wohlwollende Behandlung erfuhren. Gedenket der Jüdiaetken XindewMtfe! Mehr als einmal hat im übrigen Bismarck Gelegenheit genommen, die Antisemiten vor: sich abzuschütteln, urrd bitter:: Spott über Stöcker, Ahlrvardt und andere ausgegossen. In der dritter: Periode, wo Bismarck in Rrche sei:: Werk überschaute, hat er sie gründlich abgeführt. Er hat den Antisemiter: als eine der widerlichsten Erscheinunger: unsrer Zeit erklärt, und mehr kam: man vor: einem Mann wie Bismarck ir: der Tat rricht verlangen. Aber schorr als Kanzler hat Bismarck über seine Stellung zun: Antisemitismus feilten Zweifel gelassen. So hielt er vor allen: an: 2. April 1881 eine Rede, die unstreitig eine Abrechnur:g mit dem Antisemitismus darstellte. Es handelt sich da rrm die Rede Bisrnarüs bei Beratur:g des Reichshaushaltetats mit Bezug auf das vorgelegte Unfallversicherungsgesetz. Eugen R:chter hatte gerade gesprochen und darauf hingewieserr, daß , diejenigen Konservativen, die die Judenhetze veranstalteten, irr einem lebhafter: Telegramm Wechsel mit Bismarck stünden. Bismarck klärte zunächst irr seiner Rede auf, rvas es mit dem Telegramm aus sich habe. Er beantworte täglich tauserrd Telegramme, ohne sich darüber zr: informiere::, wer der Absender sei, und fügte alsdann wörtlich hinzu: Macht es irgerw jemand Vergnügen, rnich als Mitglied der antisemitischer: Verbindung darzustellen, so gönne ich ihm das. Ich habe mich, wie es mir rneine amtliche Stellung gebietet, von allen dieser: Bewegungen, die mir nicht erwünscht sind, serugehalten. Ich möchte nur wünschen, daß auch die übrigen Herren und narnentlich diejerngen, welche die Regierung und mich ir: Person mit ihrem Wohlwollen beehren, sich vor: Verhetzungen der Klasse:: gegeneinander, von Wendungen der Rede, die den Klassenhaß schüren, mehr als bisher fernhalter:. Der Bruch zwischen Stöcker und Bismarck war längst vollzogen, als der sogenannte „Scheiterhaufeubries", den Stöcker an der: damaliger: Chefredakteur d'r Kr uz-Zeitung richtete, öffentlich bekannt rvurde. In diesem Brief machte Stöcker der: Vorschlag, zrvischeri dem junger: Kaiser rnrd dem Reichskanzler Scheiterhaufen zu errichten, die beide vorreirrarrder trenrren sollten, ohne daß der junge Kaiser es merke:: würde ... — Daß Bisrnarck einen Kretin wie Ahlwardt nicht err:st nehmen konnte, ist erklärlich; er hat ihr: als einer: „komischen Kerl" rnrd „politischen Tertianer" bezeichnet. Nichts charakterisiert der: Umschwrmg Bismarcks irr der Stellung den Juden gegenüber so sehr, wie eine Unterredung, die Bismarck am 10. Januar 1871 in: Harrptquartrer hatte. Hatte Bisrnarck sich als Junker sehr scharf gegen die Zivilehe ausgesprochen und in geradezu höhnischer Form über die Mischehe, so äußert sich der Staatsmann von Versailles ganz anders. Das Gespräch ist von Moritz Brlsch ausgezeichnet ivorden, und da Busch selbst Antisemit ist, so ist keir: Zweifel an der Richtigkeit der Darstellung uröglich. Busch erzählt (S. 81). daß die Rede auf die Juden gekommen sei urrd Bismarck habe dann scherzweise gesagt, er sei der Meinrurg, daß die Jrlden durch Kreuzung rlnschädlich gernacht Werder: müßte::. Die Resultate, der Rasserrkreuzurrg seien rricht übel. Bismarck habe irr: Anschluß daran einige Adelshäuser genannt rvie: Lyrrar Styrum und Gusserorv und bemerkt: „Alles ganz gescheute nette Leute." Hierzu schreibt dann Busch wörtlich: „Dann fügte er nach einigem Nachdenken und rrach Auslassung eines Zwischengedankerrs, der rvahrscheinlich auf die Verheiratung vorr:ehmer christlicher Baronessen mit reichen oder talentvoller: Israeliten girrg, hinzu: Uebrigens ist es wohl unrgekehrt besser, wenn man einer: christlichen Hengst von deutscher Zucht mit einer jüdischen Stute zusammenbringt. Das Geld muß wieder irr Umlauf konrnren, nitb es gibt auch keine üble Rasse. Ich weiß nicht, was ich meirrer: Söhnen einmal raten werde. Hier firrden wir eirren Gedanken vertreten, der: Bismarck später bei einer arrdern Gelegenheit in ährrlicher Weise ausgesprochen hat. So hat er im Jahre 1892 sich zu Hermam: Hofmann geäußert: Die Jude: bringen in die Mischung der» verschiedener: derrtscher: »Stämme ein gewisses Mousseux, das nicht unterschätzt werden sollte. Bekannt ist, rckie Bismarck mehrfach mit Entschiedenheit für die rumänischer: Juden eingetreten ist, und wie er ganz gegen der: Wille:: der rilmürrischer: Regierung diese zwang, der: Juden Gleichberechtigung zu gewähren. Freilich spielte hier weder das menschliche Gesühl des Reichs anzlers, rroch etwa eirre Sympathie für die Juderrmrit. Hier wäre:: es politische Gründe. Bismarck hatte bestinrnrte Absichter: Rumänien gegenüber, und zur Erreichung seirres Zieles diente ihm hier die Judenfrage. Er hat mehrfach der rumänischen Regierung gegenüber eirrgegrisserr, wenn es sich um den Schutz der Inder: handelte. Der Unterschied in der Auffassung des Bismarck der zweiten Periode gegenüber dem Bismarck der ersten Periode tritt in einer Reihe von Rede:: deutlich in die Erscheinung. Hatte der „Junker Bisrnarck" die Gleichberechtigung der Juden völlig abgelehnt, war es ihn: eirre Selbstverständlichkeit, daß Preußen ein christlicher Staat ist, so hat der reife Staatsmarm einen entgegengesetzten Standpunkt vertreten: u. a. in der Rede vorn 80. Jarruar 1872. Da sagt er wörtlich: Sobald wir der: Staat ir:' konfessionelle Stücke schneiden, arr welchen jede Konfession ihren verhältnismäßigen Anteil Haber: muß, so kommt auch noch die ganz beträchtliche Kopfzahl der jüdischer: Bevölkenmg irr Betracht, derer: Mehrzahl sich ja durch besondere Befähigung rn:d Jrckelligenz für Staatsgeschäfte auszeichnet. Selter: hat Bismarck einer Volksschicht eine derartige ehrende Charakterisierung erteilt. Gleichzeitig sagt in derselbe:: Rede Bisrnarck sich los von dem Standpunkt des konfessioneller: Staates, indem er ausführt: Korrfessiorrell kann eine Regierung nur dann auf-, trete::, wenn sie eirre Staatsreligion hat. Eine solche Haber: wir rricht. (Schluß folgt.) Ms üem Reich. Berlin. Rabbiner Tr. Hoch selb ist im Alter von 50 Jahren aus der Fahrt vom Zoologischen Garten »»ach Eharlotienburg bei Antritt seiner Sonunerreise einem Schlagansall erlegen/Tie Beisetznngsseier findet von der Synagoge in der Lützowftraße aus statt, \n der nächsten Sonntag lOl/2 Uhr vornnrmgs die Totenfeier abgehalten wird. Dr. Hochsew war auch Dozent au der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Berlin. Die R e p r ä s e n t an t e uv e r - s a m m l:: r: g der Jüdischen G e in e i n d e beschäftigte sich irr ihrer letzten Sitzung eingehend ririt der Frage der Ablösung der Kasualgebühren und der dadrrrch bedingter! Neufestsetzung der Rabbirrergehülter. Gegen die aus der Versammlung gegebene Anregung diese Frage in geheimer Sitzung zu behandeln, wurde von Professor Dr. Türk (lib.) Einspruch erhoben. Diese Frage betreffe die Gesamtgemeiude und beschäftige die Gemeindeverwaltung schor: seit Jahrzehnten. Pro- Sie Wen in Europa. Rede von Ignaz von Döllinger am 25. Juli 1881, Neu herausgegeben vom Philo-Verlag, Berlin 1921. Eine interessante, kulturhistorische Ausgrabung verdanken wir dem rührigen Berliner ^Philo-Verlag, der die wertvolle, und großzügige historische Rede des berühmten Münchener Theologieprofessors Ignaz von Döllinger über die Juden neugedruckt hat. Heine's Urteil, daß Döllinger „jeder Zoll ein Esel" gewesen sei, stimmt sicher nicht! — Richtiger ist wohl das Lob des größten christlichen Theologen der Gegenwart A. v. Harnack, der, als 1888 die von Döllinger in der Münchener Akademie der Wissenschaften gehaltenen historischen Vorträge gesammelt erschienen, bemerkte: „Wo gibt es heutzutage einen zweiten Historiker, der mit diesem Fleiß, mit dieser Umsicht, mit dieser Fähigkeit, fremde Eigenart zu verstehen, sich in der Geschichtsschreibung aller Zeiten heimisch gemacht hat, wie Döllinger! Wie über die Universalgeschichte der Kirche, so vermag er Rechenschaft zu geben nicht nur über die politische und Kulturgeschichte Deutschlands, sondern ebenso über die Europas, ja selbst^dis nach Indien reicht sein Blick!" Döllingers Werke sind heutzutage teilweise überholt, zum großen Teil vergessen, im Buchhandel ausnahmslos vergriffen. Unsterblichkeit hat dieser Gelehrte vielleicht mehr durch die Heine'schen Angriffe erlangt, als durch seine zahlreichen, auf alle Fälle bedeutenden Bücher. Er wurde am 28. Februar 1799 zu Bamberg als Sohn des berühmten Anatomen und Physiologen I. v. Döllinger geboren. Nach abgeschlossenem theologischem Studium — er bestand alle seine Examina mit höchster Auszeichnung — wurde er 1823 Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechts am Lyzeum zu Aschafsenburg und 1827 ordentlicher Professor an der neugegründeten Universität München. Einnndneunzigjächrig starb er dort nach einem außerordentlich arbeitsreichen Leben, das dem Kampfe für die religiöse und politische Erneuerung des Katholizismus gewidmet war. Während, wie neuere Forschungen einwandssrei ergeben haben, bei vielen Fehden, die Heine mit berühmten Zeitgenossen führte, wie z. B. der mit Platen, Heine der zuerst angegriffene Teil war, der sich lediglich zur Wehr setzte, gebühren unsere Sympathieen in dem Kampfe, den der große Dichter mit dem Münchener Theologen führte, durchaus nicht nur dem „ungezogenen Liebling der Grazien". Die Witze, die Heine in seinen Reisebildern über einige pthoUsche Mysterien riß, waren wohl geeignet, orthodox-christ-- liche Gemüter zu verletzen. Ter Dichter hat dies wohl selbst cingeseheu, denn in der zweiten Auslage seiner Schilderungen strich er die belresfeuden Stellen. Die Angriffe, die Döllinger dann in der Zeitschrift „Eos, Münchener Blätter für Poesie, Literatur und Kunst" — Nummer vom 18. August 1828 — gegen Heine richtete, waren freilich auch gehässig und kränkend. Man muß aber die damaligen zahlreichen, überaus gemeinen und niedrigen antisemitischen Verunglimpfungen Heines mildernd in Erwägung ziehen, wenn man sieht, daß der verschnupfte Poet bei seiner Rache später über die Stränge schlug. Im Ex-Nachtwächter, jenem Gedicht aus de»» Rvmauzero, macht dann Heine den Gelehrten lächerlich: „Apropos! Der erzinfame Pfasse Tollingerius — Das ist »mgesähr sein Name — Lebt er noch a,n Jsarfluß? Dieser bleibt in ir unvergeßlich! Bei dein reinen Sonnenlicht! Niemals schaut ich solch ein häßlich Arinesünderangesicht. Wie es heißt, ist er gekommen Auf die Welt gar wundersam,^ Hat den Afterweg genommen/ Zn der Mutter Schreck und Scham. Sah ihn am Karfreitag walle»»/' In dem Zug der Prozession, Bon den dunkeln Männern allen Wohl die dunkelste Person." us»v. TaS »var natürlich z»»viel! — Als sich Heine daun in München für das Fach der Literaturgeschichte habilitieren wollte, hat Döllinger diese Niederlass»»ng scharf bekärupft. (Vcrgl. Allg. Tische. Biographie Bd. 48 S. 3). Wer sich über die längst vergessenen, heute lediglich kölnisch anmu1c»»dcu Händel näher insorinieren »vill, lese Karpclcs' Heinebiographie, Leipzig 1899, S, 114 r»nd I. Friedrich's Döllinger-Werk, Bd. 1, S. 207. Dort wird er alles Nähere finden. Wir ersehen jedoch aus dein vorn Philo-Verlag ncugedrucktcn Juden-Vortrag. Döllingers, daß dieser Mann durchaus nicht der „widerlvärtige Clown" tvar, als den ihn Heine bezeichnet^ sondern ein großer und gerecht dc»»kender Geschichtsforscher. Seine Rede über die „Geschichte der Juden in Europa", die er in der Münchener Akademie der Wissenschaften hielt, ist ein unbefangener Gang durch die entsetzliche Leide»»sgeschichte der Juden. Schon 1849, als Döllinger Abgeordneter im bayrische»» Landtag »oar, trat er »varin für die völlige Emanzipatioi» der Inden ei»; er „»»iß sich da»,»als schon viel mit jüdischer Geschichte beschäftigt haben, denn seine später in dem Vortrage zutage tretenden Kenntnisse der Schicksale jener unglücklichen Bevölkcrungsgrnppen sind außerordentlich. Dabei ist sein Eintreten für die Juden nicht ettvc» aus irgend welchen Philoseinitischen Regungen zu erklären, sondern lediglich von seinem Gerechtigkeitsgefühl diktiert. J»n Anfang seiner Rede geißelt er scharf einige vermeintliche Fehler der Juden, so z. B. ihren Fanatis»nus und ihre Selbstüberhebung; dabei übertreibt er zroeisellos (vergl. das bekannte Buch von Professor Berliner). Dann schildert er die Drangsale der Juden seit Zerstörung des Tempels. Er schildert mit vielen urkundlich belegten Be- »veisen, wie sie von Fürsten und Königen Jahrhunderte hindurch ausgesaugt »oerden, wie das Judentun» durch Ausschl»»ß von jegliche,». Staatsleben zu einer sozial-pathologischen Erschein»»»»» »verden »uußte. Er erzählt von den zahllosen Uebergriffen des hohen und niedrige»» Pöbels ihnen gegenüber. Nach Zeitläuften gegliedert, stellt er die Einflüsse mittelalterlichen Aberglaubens auf die Versolguugslvut der Herrscher und des Volkes dar. — Kurz, er rollt den ganzen Leidensweg der Juden vor unserm geistigem Auge mit erschütternder Offenheit auf und »»enut mit Recht das Ganze das „s»»rchtbarste Drama, welches die Weltgeschichte je gesehen hat". Ain Schltisse gibt er seiner Hoffnung auf bessere Zeiten A»»sdruck »»»»d endet mit den» herrlichen Wort a»»s der Sopholeischen Antigone: „Nicht mitznhasscn, »nitzulieben bin ich da!" » Die Hoffnungen des ehrwürdigen Greises sind nun leider bisher nicht in Erfüllmig gegangen; wir leben in einer neuen hohen Welle des törichtsten Antisemitismus, und auch gerade a»»s München hört mau »nanche trübe Geschichten von dein Treiben der d'ortigen Hakeukreuzritter. 1!»nsomehr »nüssen »vir Juden der Wahrheitsu»»d Gerechtigkeitsliebe des hervorragenden bayrischen Kirchenhistorikers Anerkennung zollen. Es gibt unzählig viel u,»»fangreichere, bessere und eingehendere geschichtliche Ueberbliüe über die tra»»rigen Geschicke der Juden, aber ein so kurzer, Prägnanter und klarer Gang durch die Weltgeschichte ist in eine»»» Vortrage nicht häufig angctretei» »vorden. Wir »vollen auf das Grab des freimütigen Herrn Professors, der also in der Bayrischen Akademie der Wissenschaften sprach, in Gedanken ein Ehrenrcis pfla»»zen »»nd dern Philo-Verlage für seinen Neudruck der ausgezeichneten Rede warm danken! Dr. L. D.