Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 29 (24.6.1921)
- Date
- 1921-06-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Allgemein aber sollte das Prinzip sich durchsetzen, daß jeder Hörer ebenso tvie bei der Tora selbst den Text auch der Haftora vor sich haben sollte. Die liberale Rabbiner-Berenrigung hätte die Aufgabe, eine mehr oder weniger autoritative Bibel-Uebersetzung für diesen Zweck zu schaffen, — die übrigens auch aus andern Gründen nottut, beim die vorhandenen genügen mcht mehr, iveder wissenschaftlich noch ästhetisch. Dann dürfte der Uebelstand bald verschwinden, daß die Vorlesungen als Pause für Unterhaltungszwecke ausgenützt werden, und die Bibel käme ebenso wieder zu ihrem Recht wie die Gemeinde zu der ihr so notwendigen religiösen Belehrung. die Lage in Palästina. Die „N e u c Z ii r ch e v Z c i t n n g" tuuöffeiitlicbto fitiilid) einen Brief itjvcs pNästinensisäie» Attmvipo» deinen, der besonder« denNicti die Schwierislkeite» der dortige» Verhältnisse schildert. Wir bringen ihn des nUgemeine» Interesse« halber in folgenden z»m Al> Diurf. Die :Ued. Jaffa, itn Mai. ^Verspätet eingetrosfen. > Der 3tmm, tvelcher feit dem I. Mai über Paläftitia braust, will sich nur langsam legen. An Stelle der blutigen lleberfülle und der krassen Plünderungen ist in Jaffa der Boykott, in den Kolonien und deren Umgebung die dauernde Unsicherheit getreten. Der Boykott in Jaffa, ivelcher von allen nichtjüdischen Kausleuten und Äon sumenten gegen die jüdische Bevölkerung ausgeübt lvird, droht die gegen 14 Seelen zählende jüdische Ein wohnerschast von Jaffa und Tel-Awiw dem Verhungern entgegeuzutreiben. keinerlei Ware lvird von nicht jüdischen (christlicheir oder mohammedanischen) Liefe rauten au Juden verkauft, keinerlei Gegenstände dürfen von Arabern in jüdischen Läden gekauft werden. Die arabischeti Milchlieferanten haben die Lieserltng von Milch an die Juden eingestellt, dasselbe gilt für Ge müse, Fleisch und Mehl. Die Reserven der jüdischen Bevölkerung fangml an, sich zu lichten. . Auch die Ein fuhr von Waren aus Aegypten geht nur langsam vor sich. Infolge des Boykottes, den die arabischen Hafen arbeiter gegen die Juden ausüblen, kömren die Ans ladung und der Heimtransport von Mischen Waren oder von solchen, die für jüdische Firmen anlangen, nicht besorgt werden. Die Boykottaktion lvird vom „Christlich-muslimischen Komitee", dem Herd der gejaulten antijüdischell Hetze, in sehr energischer Weise geleitet. Dieser Staat im Staate verhängt Bußen, bestraft und exkommuniziert alle diejenigen Araber, die dem Verbot, an Juden Waren zu verkaufen, zuividerhandelu. Nicht weiüger erlist ist die Lage in bezug aus die Sicherheit. In Jaffa selbst, wo an die 500 Soldaten liegen, gescheheil keine nennenswerten Ruhestörungen/ >venn nlan von gelegentlichen „zufälligen" Verwundungen oder Berandungen von jüdischen Passanten in den entlegellereil Quartieren absieht. Weil aber die Araber des nachts ans noch unbekannten Zlvecken die jüdischen Häuser und Wohnullgeu mit roten Strichen lind Numlnern bezeichnen, herrscht irr der jüdischen Bevölkerung jener Stadtteile eine große Panik, und der Exodus der jüdischen Einwohner von Jaffa liach Tel- Alviw geht unaufhörlich vor sich, allen offiziellen Beruhigullgsversuchen und Versprechungen zum Trotz. Zehn Schritte außerhalb der Stadt kvlllmen häufig kleine Ueberfälle vor. Da lvird ein Jude seines Pferdes beraubt, dort fällt irgend ein Schuß ans einer Orangerie unb verletzt einen vorbeifahrenden Kolonisten, kurz, es herrscht die hellste Anarchie in der ganzen Umgebung der Stadt Jaffa und zum Teil auch weiter nördlich unb südlich, wo sich jüdische Siedelungen befinden. Dieser Zustand, der mlch die Eiabringmrg der eben reif gewordenen Ernte gefährdet und daher große Schäden unb Hungersnot im Gefolge habeil kann, scheint vor läufig keine Aenderung erfahren zu wollen. Er soll eine dauernde Panik unter den Juden erzeugen und eine Massenflllcht aus Palästina bewilken. Ein weiterer wunder Pmlkt ist die Art, lvie die Untersuchung und die Beftrasmig der Schuldigen vor sich geht. Merkwürdigerweise wird die ganze Pogromaffäre von einigen englischen Untersuchungsrichtern, zumal vom Leiter der Untersuchung, Staatsanwalt Kermak, auf die leichte Schulter genommen. Bereits sind einzelne arabische Plünderer, die bei frischer Tat ertappt oder durch stark belastende Zeugenaussagen überführt worden sind, als einfache Diebe zu einigen Wochen Gefängnis verurteilt worden, während viele von bett an den Massakers beteiligten Polizisten noch frei herumspazieren oder sogar in Diensten stehen. Der Leiter des Ueberfalls auf Petach-Tiwak, Scheich Abu- Kischik, wurde aus Kautiou aus denr Gefängnis entlassen zu einer Zeit, lvo die ganze Herde der Kolonie sich noch in den Handelt der von denl genannten Scheich geleitete»l Räuber befindet. Anderseits ist die Untersuchung der Massenmorde in den umliegenden Orangerien noch nicht einmal in die Hand genommen tvorden. Es ist klar, daß diese Art der Gerichtsbarkeit die jüdische Bevölkerung sehr aufregt und das Vertrauen in die Rechtsprechung der hiesigen Behörden erschüttert hat. vLach einem Pogrom, der etwa vierzig jüdischen Bürgern das Lebe?! und vielen Hulldertelk das ganze Vermögen gekostet hat, der 160 Leute zu Krüppeln und Taufende obdachlos gemacht, ist es unverständlich, daß bisher uoefy keine einzige bedeutende Verurteilung auch der berüchtigften Mordgesellen stattgefunden hat, daß keine Aktion gegen den seit über eine Woche dauernden Boykott unternommen wurde. Am 14. Mai wurde im Namen der Regierung vom öffentlichen Ausrufer sogar bekanntgegeben, daß die Einwanderung für eine gewisse Zeit eingestellt werde, offenbar, um die Araber zu beruhigen. Der liberale Sinn des Oberkommissürs hat hier über die momentan notwendige Staatsreson den Sieg davongetragen, welche verlangt hätte, daß die Ordnung mit starker Hand und nicht mit freundlichem Entgegenkommen wiederhergestellt würde. Es bleibt nun abzu warten, ob der erhoffte Erfolg erreicht werden wird, und ob diese Proklamation über die vorläufige Einstellung der Einwanderung, die Tausenden von unter Wegs befindlichen jüdischen Emigranten die größten Schwierigkeiten bereiten wird, in Palästina die Wiederherstellung der zerrütteten Ordnung fördern kann. Eine Ansprache Papst Veneöikt XV. Tie „kölnische Bvlkszeiluitg", das führende Zentrums organ des Rheinlandes, meldet durch eigenen Drahtbericht ihres römischen Vertreters, daß der Papst in seiner Ansprache anläßlich des kürzlich stattgehabten Geheimen Konsistoriums u. a. daran erinnerte, daß er schon in einer früheren Allokution seine Sorge über die Vorgänge in Palästina ausgedrückt habe. Diese Besorgnisse seien statt abzunehmen gewachsen infolge der zunehmenden Tätigkeit des israelitischen Elementes im Gelobten Lande. Cr beklage das Elend, worin die Bevölkerung dort während des Krieges versank, das sich unlautere Personen zunutze machten. Der Papst unterlasse nichts, um die Bewohner des Heiligen Landes zu unterstützen, aber seine Mittel seien beschränkt, auch weil er aus allerseits zum Apostolischen Stuhle dringende Schmerzensschreie antworten müsse. Hauptsächlich bedaurc der Papst aber die den Christen schadende überwiegende privilegierte Stellung der Juden, die sich dort einen Hauptvereinigungspunkt für die Israeliten der gesamten Welt schaffen, wo aus allen Wegen erhabene religiöse Erinnerungen des Christentums angetroffen würden. Der Papst fordert daher die Regierungen der christlichen Nationen auf, beim Völkerbund Schritte zu tun, um die Re gelung des englischen Mandates in Palästina sorgfältig ju prüfen. Churchill über Palästina. In einer Unterhausrede führte Churchill u. a. ans: In Palästina fei die Gefahr von Unruhen größer als in Mesopotamien. Die Ursache davon sei die zionistische Bewegung, die die arabische Bevölkerung beunruhigt habe, weil die Eingeborenen befürchteten, daß sie aus dem Lande verdrängt werden sollten. Die jüdische Einwanderung würde sorgfältig überwacht und kontrolliert, und nur soviel Juden erhielten Zutritt, wie den Hilfsquellen des Landes angemessen sei. Tumulte in ^affa. Die „Vojjische Zeitung" erfährt aus Jerusalem, daßjich der mohammedanischen Bevölkerung von Jaffa wegen der Ankündigung der Ankunft eines Schiffes mit .'>00 zionistischen Einwanderern für den 14. Juni große Aufregung bemächtigt hatte. Am 13. Juni kam es zu Tumulten, als ein bei einem Ueberfall verwundeter Israelit zum Regierungsgebäude gebracht wurde. 3 Israeliten wurden dabei getötet, 8 Israeliten und 1 Mohammedaner verwundet. Die Hafenleute sollen beschlossen haben, bei der Landung der Zionisten keinerlei Bei stand zu leisten. ^usgrabungrfunöe in Palästina. Bei Ausgrabungen in der Nähe von Tiberias, die von der Jüdischen Archäologischen Gesellschaft unter Leitung von Dr. Sloutsch unternommen werden, wurden verschiedene Marmorgegenstände, Inschriften, Tafeln, Mosaiken usw. ge sunden. Es wurde ferner eine Menorah (siebenarmiger Leuchter) gefunden, der den Beschreibungen der Bibel entspricht, und den Dr. Sloutsch als aus der Zeit vor der Zerstörung des Tempels stammend hält. Cs handelt sich um eine echte Menorah, wie sic im Tempel benutzt wurde. Hus dem Reich. das Dstjuöenhilfswerk. Tr. Paul NW t h ii u über das O st j u d e n p v o b l c in. Um G. Juni fand int Berliner Logeuhauje eine Beratung der Vorstände und Vertreter aller großen jüdischen Organik sationen Deutschlands statt, die vonr Arbeiterfürsorgeamt einberufen worden war, um die Frage des Ostjude nhilfSwerks in Deutschland zu klären. Folgende Oxganijan»»en und Verbünde hatten ihre Vertreter entsandt: Agudas Jisroel, Zentral verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Zentral stelle für jüdische Wanderarmenfürsorge, Zentralwohlsahrtsftcllc der deutschen Inden, Teutsch-JSraelitischer Gemeindebund, Großloge für Deutschland, Montesioreloge, Berthold Auerbach löge, Spinozaloge, Timendorfer Jnbiläumsloge, Reichsloge, Hiifsverein der deutschen Juden, Repräsentanz itnö Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin, Verband der Ostjnde», Zioni stische Vereinigung für Deutschland. Dr. Paul Nathan lHilssverein der deutschen Juden! gab in längeren Ausführungen ein Bild der politischen Probleme, die mit der Einwanderung der Ostjuden nach Deutschland und ihrer Durchwanderung nach Uebersee verknüpft sind. Er betonte, wie die deutsche Heeresverwaltung durch Proklamationen an die Juden des Ostens, in denen sie denselben Befreiung und Freundschaft verhieß, viel dazu beigetragen habe, um nach denr Rückzug der deutschen Heere aus Polen und Rußland eine den Juden feindliche Stimnrurrg im Osten zu schaffen. Dr. Nathair erwähnte kurz das schnrerzliche Kapitel der Deportationen ostjüdischer^Arbeiter nach Deutschland zur Arbeit in der deutschen Kriegsindustrie, die vielerorts rmbekannt sei. Der Redner ging dann auf die Behandlung der Ostjudenfrage irr Deutschland durch die republikanische Regierung ein. Wenn die Regierung ein jüdisches Problem dadurch anerkennt, daß sie im Auswärtigen Amt ein besonderes Referat mit einem besonderen Vertreter errichtet hat, wenn die Regierung selbst sich entschlossen hat, im Einverständnis mit der jüdischen Oesfentlichkeit die entstandenen Fragen zu lösen, wenn sie sich der Unterstützung und des Rates der Sprtzeuorganisation aller jüdischen Orgairisatioueir Deutschlands, des Arbeitcrfürjorge amtes, bedient, danrr muß das deutsche Jrrderrtunr auch seinerseits mit aller Energie die Lösung der sich ihm ansdrängendeu Ausgaben irr die Hand nehmen. Die Wichtigkeit der Aufgaben, die durch das ostjüdische Problem dem deutschen Judentum gestellt worden sind, ist von allen Richtungen des deutschen Judentums anerkannt worden. Anerkannt worden ist aber auck> das politische Interesse, das eine menschliche Behandlung der in Deutschland befindlichen Ostjuderr erfordert. Herr Dr. Nathan verwies auf die früher oder später doch eintretcnde Notwendigkeit der Auswanderung für den deutschen Arbeiter und Kaufmann. Er machte darauf aufmerksam, wie ungeheuer unklug eine Politik fei, die den fremden Mächten Gelegenheit gebe, sich gegen die deutsche Einwanderung einmal unter Berufung auf die Maßnahmen zu wehren, die heute Deutschland etwa gegen die östjüdischen Arbeiter anwenden würde. Wie kurzsichtig eine Politik auch vom jüdischen Standpunkt sei, die den Antisemitismus dadurch zu bekämpfen glaube, daß man die Ostjuden über die Grenze zurücktreiben wolle, während doch nur eine vernünftige sozialpolitische Behandlung der Frage, wie das Arbeitersürsorgeamt sie bisher im Einverständnis mit der Regierung betrieben habe, geeignet fei, dem Antisemitismus seine Waffen aus der Hand zu winden. Dr. Nathan verurteilte scharf die nach dem Gesagten sowohl vom deutschen als vom jüdischen Interesse aus gesehene törichte Stellung jener geringen Teile des deutschen Judentums, die sich um Dr. Naumann gruppieren. Er forderte zum Schluß die Anwesenden auf, die Aufrechterhaltung des vom Arbeiterfürsorgeamt geleistete» Werkes im eigenen Interesse wie im Interesse der vstjüdische» Flüchtlinge wie im deutscheit Interesse mit alten Kräften zu unterstützen. Er machte daraus aufmerksani, daß die Amerikaner, die Millionen für das Hilfs>verk zur Entlastung der deutschen Judenheit gegeben haben, eine weitere Unterstützung abhängig machen von der stärkeren finanziellen Beteiligung auch der deutschen Juden. — Die Sekretäre des Arbeiterfürforgeamtes, Dr. Senator und Herr Berger gaben in kurzen fach lichen Ausführungen bemerkenswertes Material über Umsang und Art des Hilfswerks für die Ostjuden in Deutschland, die Entwicklung der Ein- und Auswanderung und der ganze» Frage in den letzten Jahren. Im Anschluß an diese Ausführungen führte Dr. Berthold H aas e tZentralvere in deutscher Staatsbürger jüdische» Glaubens) aus, daß die deutschen Juden ein lebhaftes und dringendes Interesse daran haben, die Arbeit des Arbeiterfürsorgeamts aufrechtznerhalten, das positive praktische Arbeit leistet und eitle wirksaine Waffe itn Katnpf geget, den Anli semitismus ist. Das Arbeiterfürsorgeamt hat Taufenden unserer Heimkehr. Bau V lösche Hob» fal z Zebleudors. ' Anvt|o!;umv Tic Pctroleumlau>j>c, die von der Zelwecke Ijaub hing, beleuchtete nur matt das blasse Antlitz. Unerträglich lag der drlrckidringende Geruch eitles Desinsekt io ns mittels in der Llift. Verschiedene Menschen stöhnten und seufzten: einer mit einem Lim genschuß röchelte unaufhörlich. In nicht allznweiter Entfernung fvacl>ten einige Fliegerbomben. Dann herrschte draußen wieder Ruhe. — Er saß noch immer am Bett rund des Schlosserlehrlings unb fühlte dessen Herz schlagen - plötzlich begann der Fiebernde unverständliche lind wirre Reden zu führen. Lange saß er so, sah den jetzt nilruhig Schlafenden all unb dachte dabei an jenes junge, blnheilde Geschöpf in her Heimat. Einige Stunden mochten so vergangen sein, draußen rasselten unaufhörlich Wagen vorüber, da erwachte der Sterltende ilnd flüsterte kaum verständlich: „Höre!... ich werde es Dir sagen!" — Er beugte sich zu ihm. herab nitd vernahm, wie der Verwundete ganz leise den Vornamen jenes Mädchens anssprach. Er lauschte bestürzt. Jener aber lächelte mn seltsam und geheimnisvoll ... schüttelte fannt merklich den Kops... hob warnettd die Hand ... und wollte noch etwas sageit... da'bei wurden aber seilte strahlenden Angen glasig .. .er seufzte leicht... und sprach nie mehr. —; Kurz darauf drückte er dein Totell die Angelt zu und winkte leise die Wache heran, die ihn in den ans Brettern notdürftig errichtetell Leicheirschilppen hinter dem Opera liollsraum tragen nnlßte. Als er sich umwcntdte, sah er, daß der Mond mitten ill dem Kreuze des kleinen Zeltfensters ftaitb. Am Morgen bat er um Urlaub, seinen eZten iuib letzten im Kriege. Er erhielt vierzehn freie Tage nitb fuhr in die Stadt, nt der die Studentin wohnte. Wie eine ganz neue, bisher unbekannte Well um singen ihn die Straßen, Gärten mtfb Plätze, in denen er früher gslvartdeil lvar. MmrcheS lvar aitders geworden. Menschen, die er gern wiedergesehen hätte, waren im Feindesland. Das öffentliche Leben wies eine merkbare Stockung allf. Von den Häusern wehten Fahnell, denll es wlrrde gerade ein ntilitärischer Erfolg gefeiert. Er iäd^elic schmerzlich darüber, 'denn er ahnte die fommeitbat Ereignisse. - Wie eilt drücketrder Alp lag die Sorge mn die Zukunft des Latldes auf chm. Jtl einem kleinen Hotel an dein träge dahinsließe,chen Flusse wohnte ei> und als es Abetch wurde, ging er wilcher tvie einst zu dem Hatlse, in dem jenes Mädchen gelvohnt butte und starrte zu dein Ferrster ihres Zimmers empor. Es lvar mtd blieb dunkel. Am nächsten Tage erfuhr er, daß sie längst abgereist sei ,nch in einer anderen Stadt studierte. — Wie ein Träumender ging er lvieder lrnlher. Vorüber-- geheilde Menschen starrte er all, als ob sie Viesen einer anderen Welt seien. Alle seilte zielunb planlosen Wege aber führten immer wieda zu iewm Hause zurück — Wie einen bohrenden Schllterz fühlte er seine große Eillsanlkeit. Noch niemals ill seiilem Lebert war ihm, wie jetzt, das ^cicht-Sem als höchstes Glück erschienen; er de lleidete die, die schon grüller Rasell deckte, lind er selbst fani sich ohne Nutzen imb Zlveck vor, wie eilte iveggelvoZene Frucht ohne-Saft lind ohne Süße. — Die schalett uttd leeren Vergnügungen, denen sich viele in der Heinrnt hiitgaltelt, lviderten chn an; die Schlver mut nbermannte ihn völlig, und lvie um ihr zu entfliehen, reiste er plötzlich lvieder zu seiilem Feldlazarett nach Frankreich zurück, nachdenl er nur sieben Tage in Detltschland ge weilt hatte. — Dort lvar mehr zll tun, denn je. Die Einrichllmgcn waren vergrößert, Baracken für Typhltslmd Ruhrkranke errichtet worden. Wieder ltegann die Arbeit schon ill den Morgenstundelt, eubete sehr spät, unb wie früher mußte jeden dritten Abend Nachtdienst geleistet werdelt. Die Monate vergingen. Er steckte sich bei der Pflege von Kranken alt nnb er krankte selbst schwer an Typhlts. Viele Wocheit lag er juit hohem Fieber auf Leben und Tod darnieder. In seinen Delirieit erschien ihllt immer lvieder jene Mädchengestalt, ablveiseird tUtd ihm entschwiildeild. — Als er lvieder zltm erstell "Mal auft'talrd, war er hohlavangig und bleich, giltg wie eil, alter Manit mit schlür feitden Schritten einher, die Haare an seinen Schläfen waren ergraut, imb er hatte etwas auf dem Grurrd der Angelt lvie jontand, der eilt Gespenst gesehen hat. (Fortsetzung folgt.)