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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-05-20 · 24 (20.5.1921) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
24 (20.5.1921)
Date
1921-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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neue Föderation genannt „Binjan Haarez" (Aufbau des Landes) an der Arbeit sehen, die eine Verbreiterung der zionistischen Basis in der Richtung erstrebt, daß auch solche Inden, die dem Nationaljudentum als solchem sernstehen und lediglich Kolvnisationsarbeit in Palästina leisten wollen., in der neuen Föderation ausgenommen werden können und somit den Anschluß an die zionistische Partei finden. Zur Charakterisierung dieses Vorgehens der Zionist-n genügt es eigentlich vollkommen, wenn man nur darauf hmweist, daß der Führer dieser neuen Gruppe kein anderer als Rechtsanwalt Klee ist, derselbe Klee, dessen rigoroses Auftreten und radikal-nationaljüdische Ansicht uns ja von seinen: vorjährigen Besuche her in lebhaftester Erinnerung ist. Eitle Partei unter seiner Führung wagt es uns vorzugaukeln, daß der Eintritt der sonst nur mit Hohn und Spott bedachten „Rochmones-Zionisten" bewirken könnte, daß die radikal gerichtete Jugend im Zionismus zur Mäßigung angehaltcn würde (eine Möglichkeit, die niemand, der im jüdischen Leben steht, überhaupt nur ernst nehmen kann). Ganz abgesehen davon, handelt es sich hier um einen Gesinnungs-Kuhhandel übelster Art. Für die Unverfrorenheit, mit der hier vorgegangen wird, zeugt folgende Stelle eines Artikels von Jampel in einer mir vorliegenden Nummer der Zeitschrift „Der jüdische Wille", in welcher wörtlich folgendes ausgeführt wird: „Meine langjährigen Erfahrungen auf dem Gebiete der zionistischen Propaganda haben mich zu der Ueber zeugung gebracht, daß mit Ausnahme einiger Kommerzienräte, für die die Taufe nur noch eine Frage der Zeit ist, kein Jude dem Zionismus fernbleiben würde, wenn die nationaljüdische Presse darauf verzichten wollte, d i e K o l - lision zwischen zionistischer Gesinnung und Vaterlandstreue immerfort zu betonen. Es ist keine Gesinnungsheuchelei (?), die von der nationalen Jugend gefordert wird, sondern nur ein bißchen diplomatische Zurück ha ltun g." Jede Kritik gegenüber einer solchen Gefinmlng dürfte sich erübrigen und es wich sich Wohl kaum jemand finden, der danach noch an eine gemeinsame Zusammenarbeit glaubt. Das zweite Mittel zur Köderung der leichtgläubigen jüdischen Massen besteht in 'der Propaganda für den söge nannten „Keren haiessod", über den ja in der vorletzten Nummer dieser Zeitung eingehend berichtet wurde. Dieser Fonds, von dem die Zionisten immer behaupten, daß er lediglich Aufbauzwecken dienen soll, wird in Wahrheit nur zu ein Fünftel (!) zu rein kolonisatorischen Arbeiten verwendet, wie Max Vogelstein in seinem Artikel nachgewiesen hat. Was es ferner besagen will, daß die Zionisten Kon trollkomitees mit nichtzionistischer Mehrheit mit der Prü fung der Verwendung der eingegangenen Gelder betrauen wollen, erhellt die Tatsache, daß dasselbe Manöver im vorigen Jahre anläßlich >der Palästinawoche auch schon gespielt wurde und diejenigen von unseren Führern, die sich damals haben täuschen lassen, heute noch auf die Abrechnung warten! Es ist ferner nur zu bezeichnend, daß sogar die zionistische Mehrheit in den Vereinigten Staaten die Beteiligung an dem „Keren Hajessod" abgelehnt hat, so wie er von der Londoner ZentrÄe des Zionismus dekretiert war, und einen eigenen Fonds aufstellt, was praktisch als ein offizielles Mißtrauensvotum gegen die zionistische Hauptleitung zu betrachten ist. Es war unter diesen Umständen die Pflicht des Zenlralvereins, sich entschieden gegen die Beteiligung an der Palästina-Arbeit des Zionismus auszufprechen, dessen Politik die Dinge soweit getrieben hat, daß es zu Kämpfern kam, daß die Erde Palästinas selbst vom Blute der Progromopfer getränkt wird und daß im Osten die Lage der Juden trauriger denn je ist. Ich zitiere wörtlich aus dem oben genannten Artikel des zionistischen Schriftstellers folgenden bezeichnenden Passus: „Nun habe ich aber gegen die jüdisch-nationale Jugend auch den schweren Vorwurf erhoben, daß sie das Galuth nicht nur verlängert, sondern auch erschlvert. Ich bin mir sehr wohl bewußt, was es heißt, angesichts der großen jüdischen Blutlachen rrrrd der verbrannten Leiber von Kindern und GMisen, die die polnischen Städte kennzeichnen, einer jüdischen Partei Erschwerung des Galuth zur Last zu legen, allein meine kulturgeschichtlichen Kenntnisse laffen mich zu keinem anderen Urteil gelangen. Der jungjüdische Nationalismus, der die politischen Ziele der Polen durchkreuzt, wird einen beträchtlichen 2?il davon (der Schuld) auf fein Konto schreiben müssen." Soweit hat es die nationalistische Politik der Zionisten also glücklich gebracht, daß die Mohammedaner, deren Toleranz sich die Juden bisher immer erfreut und deren Gastfreundschaft sie in den schlimmsten Epochen ihrer Geschichte in Anspruch genommen haben, 'heute aufgehetzt sind, wodurch von vornherein die Bedingungen für eine weitere Kolonisation außerordentlich ungünstig 'beeinflußt, wenn nicht zu schänden gemacht werden. Anderseits ist durch diese selbe Politik die Not unserer Brüder im Osten ins ungemessene gestiegen. Alle kolonisatorischen Leistungen des Hilfsvereins 'der Deutschen Juden, der Alliance Jsraelite Universelle, der „Jea", die ohne den trennenden Keil zwischen die Judenschaft zu werden, die Grundlage zu den palästinensischer: Siedelungen legte, ohne Ivelche die Leistungen der Zionisten selbst ein Torso wären, sind nunmehr auch in der: verderbliä-en Strudel gezogen, den die nationaljüdische Bewegung in Palästina erregt hat. Genau so 'verfehlt ist es natürlich, heute auf demselben Wege fortzufahren. Unsere Arbeit ist es dagegen, die Fehler des Zionismus im Osten wieder grrt zu machen, die Lage der dortigen Juden nach Möglichkeit zu bessern, ihnen die Uebersiedelrrng nach Ländern zu ermöglichen, in denen sie ungefährdet sich eine Zukunft darren können. Es gilt heute, neben den selbstverstäMichen -Leistungen, die wir als Deutsche und als derrtsche Juden zu erfüllen haben, die ungehinderte Durchwanderung unserer ostjüdischen Glaubensgenossen durchzusühren, und wenn die praktische Möglichkeit sich wieder bieten wird, die glücklichste und schönste Art der Siedelungsarbeiten in Palästina wieder auszunehmen, so wie wir es unabhängig vom Zionismus irr den bereits genannten Organisationen, bei denen ich noch den Esra erwähnen möchte, vor dem Kriege getan haben, so, glaube ich, wird sich niemand aufrichtiger darüber freuen als der Zentralverrin. Die (lacobsorrschule in Seesen, ein jüdisches Kulturwerk gefährdet! Im Jahre 1801 gründete Israel Jacobsohn in Seesen am Harz die Erziehungsanstalt, die seinen Namen trägt und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und berühmt geworden ist. Israel Jacobson, derr die Resormideen und die Philosophie Moses Men delssohns zrr einem seiner begeistertsten Jünger gemacht hatten, verfolgte mit seiner Stiftung ein doppeltes Ziel: I" er wollte in erster Linie begabten, aber mittellosen jüdi schen Knaben die Möglichkeit verschaffen, sich neben der , religiös-höbräischen Bildung auch eine deutsche Allgemeinbildung arrzueignen, um dadurch der Heranwachsenden , Generation eine bessere Stellung im bürgerlichen Leben ' zu sichern; zweitens aber wollte er versuchen, die Scheidewand, durch welche Juden und Christen getrennt waren, dadurch zu beseitigen, daß er Knaben beider Bekenntnisse ' zrr gemeinschaftlicher Erziehung vereinigte. „Nur Vereimgrrng" — das sind seine eigenen Worte, wie er sie bei der Darlegung des Planes seiner Erziehungsanstalt niederschrieb, — „nur enge, innige Gemeinschaft zwischen den Söhrren der Christen urrd Israeliten irr den Unterrichts stunden, Genreinschaft bei Tische urrd dem lauteren Genüsse der Freude, Gemeinschaft bei Spielen, gemeinschastliche Ordnung rmd Pünktlichkeit in allen Arbeiten, Zusammenwohnen, Gerneinschaft jüdischer rrrrd christlicher Lehrer — nur dieses scheint das Mittel zu sein, das die Gefühle beider Parteien allmählich von der ulten grellen Glanbensspanrrung entwöhnen, das ihre Gesinnung wie ihren Umgang einander näherbvrngen und ihnen die Grurrdsätze der Toleranz beinahe schon mit der Muttermilch erngeben muß —". Allerdings verhehlte sich Jacobson keineswegs, daß der beabsichtigte Einfluß auf das Leben rrrrr sehr langsam werde erreicht werden können, da ,chie Welt, in welche die Zöglinge arrs dem Institut übergingen, zrr -venig mit dem humanen Geiste harrrronierte, in dem sie erzogen winden —Aber sek mmrnHr 120 | Jahren 'hat die Stiftung, die sich in ihrer Entwickelung den Zsrtverhältnissen und den pädagogischen Anforderungen und Bedürfnissen immer atrgepaßt hat — seit 1870 ist sie eine anevkasmte Realschule und seit 1903 zugleich ein Roalprogymnasirkm mit der Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen für den einjährig-freiwilligerr Dienst geworden — in immer größerem Maßstabe, aber getreu den Absichten Israel Jacobsons erfolgreich und segensreich gewirkt. Jacobson wählte für seine Anstalt die Stadt Seeseu wegen ihrer gesunden Lage am Fuße der Harzberge und wogen ihrer Abgeschiedenheit, in der die Knaben ohne Störungen sich der Arbeit widmen können. Zu den 12 arrrren jüdischen Knaben, mit denen die Anstalt eröffnet wurde, traten bald auch die Söhne wohlhabender jüdischer Eltern. Baild gewann sie einen so guten Ruf, daß bereits im Jahre 1808 auch christliche Familienväter um die Aufnahme ihrer Kinder baten. Das entsprach ja durchaus dem dem Stifter vorschwebenden Ziele; er ging deshalb srerrdrg daraus ein und bestimmte sofort, daß nunmehr auch einige Freistellen stets mit Christen besetzt ‘ werden sollten. Auch dem Wunsche Seesener Bürger, ihre Kinder an dem Unterricht rn der Schule der Anstalt teilnchmen zu lassen, entsprach er bereitwillig. Seitdem sind nun in der Anstalt Tausende von Knaben, jüdische und christliche, Söhne armer und reicher Eltern, Söhne von Arbeitern und Landwirten, von Klein- und Großkaufleuten, von Beamten, Gelehrten und Künstlern im Sinne Israel Jacobsons, im Geiste edler Menschlichkeit, der sozialen und konfessionellen Versöhnung erzogen werden. Bis zum Jahre 1901, in dem die Anstalt unter zahlreicher Beteiligung der ehemaligen Schüler ihr hundertjähriges Jubiläum feierte, war die Schule von 4180 Knaben 'besucht worben, nämlich von 1872 Boll- und Halbpensionären, 523 Freizöglingen und 1785 Stadtschülern, von denen auch viele nur das halbe oder gar kein Schirlgeld entrichteten. Nun ist dieses schöne Werk infolge der Umwälzung, die in der Nachkriegszeit in den wirtschaftlichen Verhältnissen unseres Vaterlandes sich so plötzlich vollzogen hat, vom Untergang bedroht. Die Kosten der Harrshaltung sind sprunghast gewachsen, das Kapital der Schrrle hat sich aber nicht vermehrt, und die Pensionspreise können nicht ohne Gefahr für die Frequenz entsprechend erhöht werden. Die Lchrergehälter mußten weit hinter der staatlichen Besoldungsordnnng zurückbleiben, so daß gemäß § 147 der neuen Reichsverfassung, der als Vorbedingung für die Genehmigung von Privatschulen die wirtschaftliche Sicherstellung der Lehrer fordert, die Stiftung entweder ihrer Auslösung oder der Verstaatlichung entgegengeht, wenn ihr nicht wirksame Hilfe znteil wird. Die Verstaatlichung würde bedeuten, daß sie ihren Charakter verliert, daß sie aufhört, eine humanitäre Bildungsstätte des sozialen Ausgleiches und der Versöhnung der religiösen Bekenntnisse zu bilden, daß sie vielmehr eine Landstadtschule wird und damit ihren Anreiz gerade arrs jüdische Kreise einbüßt. Die ehemaligen Schüler, die am besten die Bedeutung ihrer Bildungsstätte beurteilen können, betrachten es in dieser Notlage der Schrrle als ihre Pflicht, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um die einzigartige Stiftung Israel Jacobsons, die ihnen zum Segen geworden ist, auch späteren Generattonen zrr erhallen rrnd sie, wenn irgend möglich, den heutigen Bedürfnissen entsprechend, zu einer Vollanstalt auszubauerr. Sie sind aber auch der Überzeugung, daß die gesamte deutsche Judenheit heute mehr als je das größte Interesse an der Erhaltung der Jacobson- Schule hat und daß auch vorurteilsfreie, denkende christliche Kreise wünschen werden, daß sie in ihrer Eigenart erhalten bleibt. Zu dem doppelten Zweck, den sie nach der Absicht des Stifters erfüllen sollte, dem der Ausbildung begabter Söhne unbemittelter Eltern und dem der Versöhnung der religiösen Bekenntnisse, dem sie in der Vergangenheit erfolgreich gedierrt hat, komrrrt gerade heute noch ein dritter hinzu. Wohl alle jüdischen Eltern, die einen Sohr: oder eine Tochter in eine höhere Schule schicken, wissen aus Erfahrung, welchen Kränkungen ihre Kinder von seiten, ihrer christlichen Mitschüler — unter Duldung rrrrd nicht selten auch rrnter Mitwirkung ihrer Lehrer — heute ausgesetzt sind. Gerade in diesen Tagen ist es inr brarrnschweigischerr Larrdtage unverhüllt ausgesprochen Jakob Wassermann. „Mein Weg als Deutscher und Jude"' Verlag vvn S. Fischer, Berlin. 1921. Der Epiker Wasserrrrann zählt unstreitig zu den feinsten urrd originellsten Köpstrr, die heute in Deutschland schaffen; von verschiedenen seiner Bücher kann man mit absoluter Sicherheit sagen, daß sie viele literarischer: Moden und Zeitströmungen siegreich überdarrern und rroch in kommenden Zeiten Leser urrd Bewunderer finderr rverden! — Seine großen Romane „Das Gänsemärrncherr" und „Christtan Wahnschasfe" sind geradezu Diagramme unserer modernen „Kultur", gewaltige Seelengerrrälde unserer Epoche, aus denen Kulturhistoriker der Zukunft mehr lernen können, als ans einer Unzahl anderer dickleibiger gedrrrckter Qrrellen. Wassermanns unrfangreiche erzählerrde Werke gleicher: riesenhaften,sarbigenTeppichenvoneigentümlicherLeuchtkrast, in die viel, viel Menschenschicksale, Erlebnisse und Handlungen hineingewoben sind; und überall in seinen Büchern — ebenso wie in manchen alten deutschen Städten — findet man Stellen urrd Winkel von unver- - geßlichem, wundersam-poetischem Reiz, alles in einer nur ihm eigenen, einzigartigen, bisher noch nie dageweserren Art und Weise gesehen und geschildert. Ich habe die meisten Bücher Wassermanns gelesen, dre effttn schon vor Jahrzehnten, — und sie sind alle in meiner Erinnerung so lebendig rrrrd gegenwärtig geblieben, als hätte ich sie erst gestern kennen gelernt! Wassermann ist — neben Thomas Mann — der einzige deutsche Autor der Gegenwart, der einen Vergleich mit den ganzgroßen Erzählern der Weltliteratur, wie Dostojewski, Balzac, Dickerrs, Manzorri, wenigstens noch aushält. — Von diesen Meistern unterscheidet ihn, nebenbei bemerkt, eirr wichtiges Monrerrt: ihm fehlt jcher Humor! — Aus allen seinen Schriften lastet ein schwerer, männlicher Ernst, auf einigen sogar eirr exzitterender Gram, der sich einem mitunter quälerrd aufs Gemüt legt und jahrelang mit merkwürdiger Suggestion fortwirkt. Den Schlüssel zrr diesem tiefen, düsteren Wesen, das mit neuromantischer,- „nervöser Melancholie" ganz und gar nichts zu tun hat, hat urrs mrn der Dichter in einer kurzen, inhaltsvollen 'Selbstbiographie und Bekerrntnisschrift „Mein Weg als Deutscher und Jude", die soeberr bei S. Fischer in Berlin erschienen ist, gegeben. Es ist ein bis ins innerste erschütterndes Buch gelvorden, bei dem man an Nietzsches Wort denken muß: „Bon allem Geschrieberren liebe ich nur das, was einer mit seinem Blute schreibt." . . . Wassermann schildert uns die Odyssee seiner eigenen Seele, die freilich bisher noch kein Jthaka gesunder: hat! — Er erzählt ruhig rrrrd einfach rrnd deshalb doppelt wirksam von zlvei großen Leider:, vor: denen ihm nichts erspart geblieben ist. ... Erstens von seinem Lebensgang. Er hat Furchtbares durchmachen müssen, bevor er sich durchgerungerr hat. Aus bitterster Armrrt hat er sich emporringen, hat wie wenige hungern urrd entbehren müssen, bis er frei schaffen konnte. Verständnislosigkeit, Lieblosigkeit urrd Herzenskälte seiner Familie, seiner Umgebung, seiner „Freunde" waren wie unübersteigbare Mauern, die seinen Pfad io einerrgterr, daß er weder Luft rroch Licht zum Leben hatte. Dieses Elend haben schon manche überragende Geister durchgemacht und davon berichtet! Hebbel z. B. klagt — noch als bekannter rrnd aufgeführter Dramatiker —, daß er seit zwei Monaten nichts Warmes mehr zrr Mittag gegessen habe, Kleist hat entsetzlich gedarbt urrd Cervantes ist gar buchstäblich den Hungertod gestorben! Aber das zweite tiefe Leiden Wassermanns ist bisher von einem großen Dichter noch nicht mit einer so seelerrauswühlenden Vergrämtheit geschildert worden wie hier: die Wirkung des Judenhasses! Gewiß haben schon verschiedene jüdische Dichter von den: Kummer, den ihnen der Antisemitismus verursachte, ergreifend berichtet; Schnitzlers „Weg ins Freie" ist eine einzige wehmütige Klage, aus Jakobowskis „Werther, der Jude" hört man verhaltenes Schluchzen, Berthold Auerbach spricht in vieler: Briefen mit großem Schmerz von diesen trüben Dingen, rrrrd auch der ausgezeichnete Philosoph Simmel wird von diesen Verunglimpfungen — noch aus der Höhe seines Lebens, als schon allgemein Ge-

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