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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-05-06 · 22 (6.5.1921) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
22 (6.5.1921)
Date
1921-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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uub Haupteisenbahnknotenpunkten, soweit nötig, eröffnet werden. Verhandlungen mit den Schiffcchrtsgesellschaften und den auswärtigen jüdischen Organisationen jinb ausgenommen worden. Das Zentralbüro wird, wie vor dem Kriege, ein Korrespondenzblatt herausgeben, das Jnformationsmaterial über die Auswanderung enthält, und außerdem die Presse mit Nachrichten über die Emigrationsangelegenheiten versehen. Berlin. Seitdem in der Mitte vorigen Jahres die Durchwanderung unserer aus den östlichen Ländern nach Amerika flüchtenden Glaubensbrüder größeren Umfang angenommen hat, hat sich unter Beteiligung zahlreMer jüdischer Jugend- und Frauenvereinigungen Berlins und unter Subventionierung durch die prominentesten jüdischen Hilfsorganisationen ein freiwilliger Jüdischer Bahnhofsdienst, Berlin, Schlesischer Bahnhof, gebildet. Die Helfer, kenntlich durch eine Armbinde mit Mögen Dovid, nehmen die Durchwanderer an den von Osten kommenden Zügen am Schlesischen Bahnhof in Empfang und geleiten sie in einen von der Bahnverwaltung zur Verfügung gestellten besonderen Wartesaal, in welchem — durch Stiftungen zweier hiesigen Großfirmen ermöglicht — Wasch- und Ruhegelegenheit geschaffen ist und Tee verabreicht wird. Eine hiesige Koscher- Restauration spendet seit Monaten allsabbatlich für zirka 150 Personen eine warme Schalentsuppe; die rituelle Lebensmittelkommission hat aus ihren amerikanischen Beständen Pökelfleisch zur Verfügung gestellt. Die zahlreich durchkommenden Mütter mit kleinen Kindern konnten bisher aus den Beständen der Zentralstelle für rituelle Lebensmittel mit amerikanischer Kondensmilch versorgt werden. Die Leitung des Jüdischen Bahnhofsdienstes liegt in den Händen eines freiwilligen Ausschusses, in welchem das Jüdische Arbeitsamt, die Agudas Jisroel und der Hilfsverein der deutschen Juden vertreten sind. Berlin. Wie die „Vossische Zeitung" meldet, ist die Entbindungsabteilung des Jüdischen Krankenhauses ab 1. Mai geschlossen worden. Die Gründe sollen in finanziellen Schwierigkeiten liegen. München. Jüdische Firmen in einem antisemitischen Adreßbuch. Unter dem Titel „Kleines Anschristenbuch von München als täglicher Begleiter für alle Einkäufe bei deutschen Firmen mit einer Zusammenstellung deutscher Aerzte und Rechtsanwälte" hatte die derttschvblkische.Verlagsgenossenschaft m. b. H. ein Verzeichnis herausgegeben, das laut Angabe im Vorwort jene Firmen angeben sollte, die „wirklich deutsch, d. h. vollständig ohne jüdischen Einfluß sind". Das Verzeichnis enthielt aber auch eine Anzahl jüdischer Firmen und Aerzte, die sich dadurch gekränkt und in ihren Berufsinteressen beeinträchtigt fühlten, daß ihre Namen in dem mit dem Hakenkreuz geschmückten Buch mit aufgeführt waren, als ob sie ihre Zugehörigkeit zum Judentum verheimlichen wollten; sie stellten gegen den Verlag Klage auf Unterlassung weiterer Verbreitung des Buches, so lange ihre Namen darin aufgeführt sind. Antragsgemäß erließ das Landgericht zunächst eine einstweilige Verfügung, durch die dem Verlag unter Strafandrohung verboten wurde, das Buch weiter zu verbreiten, so lange darin die Namen der jüdischen Kläger nicht unkenntlich gemacht sind. Im nachfolgenden Hauptverfahren unter- 4 warf sich der beklagte Verlag dem Klageanspruch im vollen Umfang; er verpflichtete sich bei Vertragsstrafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung, das Verzeichnis mit den jüdischen Namen nicht mehr zu verbreiten und die Prozeßkosten zu tragen. Leipzig. Jüdische Geheimgesetze. Der Vorstand des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte den Pastor Lic. Fiebig-Leipzig gewonnen, über dieses Thema vor einigen Tagen im Zoo zu sprechen, Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Moritz Ury, in der er den Charakter der Versammlung als einen sachlichruhigen zu wahren bat, gab er dem Referenten des Abends das Wort. Ehe Pastor Fiobig auf den Kern seines Vortrages einging, betonte er, daß er sich selbstverständlich auf den Boden des Chronisten und Wissenschaftlers stelle und als solcher sich frei von jeder Beeinflussung oder Befangenheit wisse. Das Volk Gottes, so fuhr er fort, habe von Anbeginn die Pflicht gehabt, den Namen Gottes zu heiligen und um seinetwillen das Martyrium etwaigen Leidens auf ich zu nehmen. Durch die stiefmütterliche Behandlung der rabbinifchen Literatur an den Universitäten seien die Quellen verdeckt, aus denen man das bessere Verständnis ür die jüdischen Gesetze, wie sie für Psyche und Moral maßgeblich seien, gewinnen könne. Daß es geheime, üdische, unzugängliche Gesetze gäbe, die die Unmoral gutheißen oder wenigstens tolerieren, müsse entschieden zurückgewiesen werden. Man müsse vielmehr, um die Juden so genau wie nur möglich kennen zu lernen, sich an die drei Grundbegriffe: Recht, Kasuistik und Moral halten. Das Recht führt zur Kasuistik und will moralisch sein. Dieses Recht muß angewandt werden, wenn man dem Schrifttum und den Sittengesetzen der Juden gerecht werden will. Es müsse mancher schlimme Vorwurf zurückgewiesen werden, der böswillig die Mische Moral verdächtige und untergrabe. 3. Mos. 20, 10 z. B. bedrohe jüdische Ehebrecher mit dem Tode. Von einer geheimen Erlaubnis, ja Aufforderung zu Ehebruch mit Nichtjüdinnen, wie vielfach unterstellt wird, könne nirgendwo die Rcde sein. Daß Einlassung mit Nichtjüdinnen mit Straflosigkeit „belohnt" werde, sei widerlegt durch talmudische Strafandrohung. Wenn das heute nicht mehr gälte, so läge das daran, daß es cm einem Volkskomplex mit jüdischen Richtern fehle. — In der anschließenden Diskussion wurden die Meinungen leidenschaftlich verfochten. Man stritt für und wider die Geheimgesetze. Ein Deutfchvölkischer zieh den Pastor Fiebrg des Vorwurfs, als beflissener Anwalt die Sache des Judentums besorgt zu haben. Hamburg. Im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach Syndikus Dr. Holländer-Berlin über das Thema: „Wie steht es mit der Schuld der Juden an Deutschlands Unglück?" Nicht mit hitzigen Anklagen wolle er das Thema behandeln. Alle Schuld an jedem vaterHndischen Unglück sei immer den Juden zugeschoben worden. Niemals habe das Judentum sich eine Art Weltherrschaft anzueignen versucht, niemals.habe es die Völker und Länder gegeneinander verhetzt, wie häufig behauptet werde. Bolschewismus und Judentum würden vollkommen gleichgestellt, jüdischer Geist und Bolschewismus sollen Geschwister sein. Der Bolschewismus habe nicht das russische Judentum beglückt, sondern das Gegenteil sei der Fall gewesen. Ferner werde der Vorwurf gegen die Juden erhoben, daß sie den Sozialismus größgezogen hätten; man versuchte immer wieder eine Gemeinschaft mit den Juden da herzustellen, wo sie in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Nachdem der Redner die Teilnahme der Juden an Kunst und Wissenschaft, am Staatsleben eingehend erörtert hatte, kam er auf die Kriegsgesellschaften zu sprechen, die ein Unglück für das ganze deutsche Volk sein sollten. Wer den Dingen nüchtern und vorurteilslos in die Augen sehe, der wisse, daß es naturgemäß ebenso wie in den anderen Schichten unter den Juden Schieber, Wucherer, Drückeberger, Schleichhändler gebe. Die Ostjudenfrage müsse gerecht behandelt werden. Nachdem im Jahre 1915 den Polen bekanntgegeben wurde, daß sie unter dem Schutz des deutschen BolW ständen und von der Heeresleitung tausende und abertausende Ostjuden nach Deutschland geschafft worden seien, um hier in Bergwerken und Fabriken zu arbeiten, habe Deutschland auch die Pflicht, für sie zu sorgen; von dem Augenblick an aber, wo Deutschland keine Wohnung mehr habe und unter starker Arbeitslosigkeit leide, müsse die Grenze gegen jede Einwanderung gesperrt werden. Schließlich zog der Vortragende auch noch die jüdische Presse in den Kreis seiner Darlegungen. Eine jüdische Segensformel laute: Gelobet seist Du ewiger Gott, der die Zeiten ändert. Dieses Wort sollte sich heute jeder Deutsche vor Augen halten; es sage uns, daß ganz zweifellos nach der Erniedrigung und der Schmach dieser Tage wieder eine bessere Zeit kommen wird, wenn wir uns innerlich von Zwist und Parteihader fern halten. Die Macht der deutschen Wahrheit, der deutschen Kultur und der deutschen Treue würde sich durchsetzen und zum Siege führen, wenn wir uns nicht gegenseitig zerfleischen. Der Einzelne müsse nach seinem Werte geschätzt werden im Sinne des Wiederaufbaues unseres geknechteten Landes. Wenn unser Volk sich zu dieser Ueberzeugung durchgerungen habe, dann werde es wie ein Phönix aus der Asche erstehen. Dem Vortragenden wurde lebhafter Beifall gezollt. In der Aussprache stellte zunächst Professor Dr. Roll fest, daß es sich hier nicht um den jüdischen Glauben, sondern um die Sorge für unser deutsches Vaterland handle; die. Judenfrage sei für ihn nur eine Rassenfrage und keine Glaubensfrage. Dr. Cimbal wies den Vorwurf entschieden zurück, daß gerade die Juden sich vom Kriegsdienst zu drücken versucht hätten. Er habe den Antisemitismus von frühester Zeit an bekämpft und' immer wieder betont, daß unsere Juden Pogrome in Deutschland nicht zu befürchten hätten. Nachdem noch mehrere Redner der verschiedenen politischen Parteien ihre Stellungnahme zur Judenfrage dargetan hatten, ging der Referent auf die Darlegungen der einzelnen Diskussionsredner ein. Zeitweilig gingen die Wogen der Erregung hoch, doch gelang cs dem Versammlungsleiter, sie immer bald wieder zu glätten. Kus üer Presse. In der „Frankfurter Zeitung" lesen wir aus der Feder von Dr. Reinhard Strecker, Präsident des Landesamts für Bildungswesen in Darmstadt, unter der Ueberschrift: „Rasse und Politik" folgendes: Antisemitismus: brutalste Demagogie im bunten Fastnachtskleid unechter Wissenschaft! Denn welcher wirkliche Gelehrte nimmt die grotesken Verzerrungen der Rassentheorie ernst? Aber die Dummen werden leider nicht alle, und deshalb auch die Charlatane nicht, am wenigsten die politischen, dieses furchtbare Verhängnis der Menschheit. Unser Zeitalter hatte über der Jagd nach materiellem Gewinn, nach Vergrößerung des eigenen oder des nationalen Geschäfts die Seele verloren. Die geistig vornehme, humane Kultur unserer Vorfahren, die dann trotzdem — oder nicht vielmehr eben deswegen? — die Freiheitskriege führten, war, in den Augen unserer sogenannten Realpolitiker — canis a non canendo — zu „Humanitätsduselei" geworden. Schamlos ließ man Idealismus, sittliche Pflicht, ja zuletzt sogar die Religion unterstehen in Materie und Mechanik, in den Zahlen der Statistik; man verkehrte in bloßes Mittel, was höchster Zweck des Daseins und der Weltgeschichte sein sollte. Als man die heiligsten Güter, die höchsten Werte auf die Zusammensetzung des Blutes zurückführte, da war der Tiefpunkt erreicht. Hier liegt die Sünde der Rassentheorie, Erziehung vom Standpunkt des Tierzüchters, Politik von dem des Raubtierbändigers aus! Man scheute nicht vor der unsinnigen Begriffsbildung einer „Religion" des Blutes zurück. Wird dieser Tiefpunkt zugleich den Wendepunkt zu neuem Aufstieg bedeuten? Es wäre wahrlich für die moralische Genesung unseres Volkes dringend nötig. Manchmal möchte man von der ungeheuren Schlammflut, von diesen ehernen, niederen Stirnen des Antisemitismus angeekelt, auf weitere Auseinandersetzung verzichien. Es gibt schönere und geistig höher gelegene Aufgaben. Aber die Abwehr des Schlammes bleibt trotzdem Pflicht. Und wenn man diese Pflicht in geistvoller Weise erfüllt, wie Prof. Goldstein in seinem Buch „Rasse und Politik" (Neuwerkverlag, Schlüchtern 1921), dann kann selbst diese Auseinandersetzung noch zu einem Genuß werden. Der protestantische Theologe Frick hat ein schönes Vorwort dazu geschrieben, Bejahung des Prophetentums, Würdigung der Bibel, Gerechtigkeit fordernd. Welcher denkende Mensch, der noch etwas von Ehrfurcht in sich hat, möchte sich diesen Forderungen entziehen? Wert und zugleich Reiz des Goldsteinschen Buches liegt in der Fülle der Einzelheiten, in den oft verblüffenden Parallelen, iruder zwingenden philosophischen Klarstellung verwirrter Begriffe, und oft auch in dem überlegenen Humor, der immer wieder wie ein frischer Luftzug in die üblen Ausdünstungen des antisemitischen Geistestiefstandes hineinweht. Der Antisemitismus ist kein Parteigebilde wie andere. Er will nicht das Programm des Gegners, sondern den Gegner selbst vernichten. So hat die feindliche Weltkriegs-Propaganda das Deutschtum zu vernichten gesucht. Es wirkt geradezu erschütternd, wenn man bei Goldstein sieht, wie bis in die kleinsten Etnzelzüge hinein die antideutsche Demagogie der antisemitischen gleicht. So ist die Rassentheorie ein zweischneidiges Schwert, das zu schärfen gerade wir Deutschen am wenigsten Anlaß hätten. Sie entstand, wie alle wissenschaftlichen Theorien, als Hypothese, die ihren wissenschaftlichbegrenzten 'Wert hat, die aber als allein seligmachendes Evangelium mit Fanatismus verfochten, zum Unsinn wird. Sie hat viel dazu beigetragen, die nationale Idee zum Nationalismus ausarten zu lassen. Ein Ranke konnte noch schreiben: „Niemand ist lediglich ein Bürger des Gemeinwesens, dem er angehört; das Menschliche erhebt sich aus dem Nationalen und über dasselbe. Darauf beruht alle Religion, überdies aber auch alle Teilnahme an der Entwicklung des menschlichen Geschlechts." Heute ist „Sacra egoismo" die Parole und „Right or wrong my country". Nicht einmal durch Schaden wird der antisemitische Don Quichote klug: „Jedes neue Mißgeschick reizt seinen Scharfsinn zu neuen Begründungen seiner fixen Idee." Wo blieb der Nassengedanke im Weltkrieg? Wo blieb er bei den Volksabstimmungen in Masuren oder Oberschlesien? Da wurde von der gegnerischen Seite an die „Stimme des Blutes" appelliert. Zum Glück für uns Deutsche ohne ausschlaggebenden Erfolg! Auch die Unehrlichkeit muß helfen, wo sonst die Theorie in Gefahr käme. Bei „nationalen Helden" wie Gras Arco, Mackensen u. a. werden Zusammenhänge mit dem Judentum Die da in der Not der Seele Frieden und Erlösung suchten, deren schmerzverzehrte Seele dürstete nach Kraft und Leben, fanden Trost und Labung durch das weise Wort der gottesgeistbegabten sieben weisen Männer. Mancher schleppte sich mühselig in des Tempels Halle, gramgebeugt und tränennaß, jugendsrisch und neugeboren trat er mutig lebenshoffend wieder aus des Tempels Pforte. Leid sein Eingang und sein Ausgang Liebe. Alle, die dem Gram verfallen, die vom Schmerz gepeinigt waren, fanden Trost durch Gottes Wort. Ihr Herz ward neu gestärkt, ihr Sinn ward aufgerichtet und fest ward ihre Seele, befreit von der Bedrängnis, die sie eng umklammert hielt. Ihr Ehemann aber war damals bei seiner unseligen Heimkehr wohl atemlos dem enteilenden Schiff gefolgt. Doch bald war es für immer seinem Blick entschwunden. Er wanderte darob den Fluß entlang und fragte überall: Habt Ihr mein Weib nicht gesehen, das und das sind ihre Merkmale. Allein überall antwortete man ihm: Wir haben ein solches Weib nicht gesehen. Das jammerte ihn sehr. Er zerriß seine Kleider und trauerte um sein Weib. Er weinte laut und sprach: Du Herr, sich herunter und wende mein Geschick. Und sein Gebet drang vor den Himmel und den Herrn übermannte das Erbarmen. Nach sieben Jahren lenkte er den Schritt des Flehenden in das Land des wahren Lebens und führte ihn zu jenem Tempel, darinnen die sieben weisen Männer sein Wort verkündeten. Und da er in den Tenkpel eintrat, begann der erste jener sieben weisen Männer und sprach: „So wie Du von der Straße kommst, darfft Du Dein Leid nicht tragen. Gleich wie der Staub an Deinen Füßen nicht für Dich taugt, so taugt die feile Weisheit, die in der Lust der Straße lagert, nicht für den Menschen. Drum schüttle allen Staub von Dir und dann komm zu uns und vernimm das Wort der heiligen Schrift." Als er solche Worte hörte, da merkte der Fremdling auf, und der zweite der sieben weisen Männer Hub an und redete also: „Besinnst Du Dich, daß wir alle Kinder eines Vaters sind? Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde, im Ebenbilde Gottes erschuf er ihn, Mann und Weib. Er gab uns Geist von seinem Geiste, daß wir die Allmacht seines Wallens auch schauen und bewundern mögen; denn Gott ist überall. „Wo nur eine Träne fällt, die merkt er. Wo jemand die Augen zu ihm hebt, den sieht er. Wo nur ein bekümmertes Herz seufzt, das hört er." Sein Walten ist überall und nur in seinem Lichte kann uns Wahrheit und Erleuchtung werden. - Sein Geist, sein ewig wahres Wort ist unseres Lebens süße Labe." Da reckte sich der Fremdling in die Höhe, sein Auge schaute klarer, doch seines Herzens Schmerz hing ihm so schwer als wie zuvor an seiner Seele. Da Hub der dritte jener sieben weisen Männer an und sprach: „Du hast wohl oft gefragt: Ich hebe meine Augen zu den Bergen, von wannen wird mir Hilfe kommen? So höre: Meine Hilfe kommt von dem Ewigen, der Himmel und Erde geschaffen hat. Er wird nicht wanken lassen Deinen Fuß, nicht schlummert, der Dich behütet. Und siche: Nichts haben wir, dessen wir uns rühmen könnten, wir hätten es von uns, denn was wir auch haben, wir haben es allein aus Gottes Hand. Er weiß, was uns frommt und gibt uns unser Teil. Sollten wir wohl das Gute willig aus Gottes Hand hinnehmen, aber das Schlimme nicht? Was Gott tut, ist immer zum Guten getan. Wen Gott Prüft, den erhebt er. Und ich sage Dir: Die da in Tränen säen, sie werden in Freuden ernten. Der Weg der Schmerzen ist der Weg ewigen Lebens." So redete ein jeder der sieben weisen Männer Gottes Wort auf ihn ein, aber er blich untröstlich und sein Leid lastete ihm auf der Seele wie zuvor. Also gingen sie zu ihrer Herrin, seinem Weibe, und berichteten ihr: ein Mann sei in den Tempel gekommen und, was noch nie geschah, sie -hätten ihm sein Leid nicht nehmen können. Sein Weib, ihre Herrin, antwortete: Gehet denn und bringet den Mann vor mich. Also geschah es. Sie brachten den Fremdling vor ihre Herrin; aber sie erkannte ihren Gatten nicht, so sehr hatte der Schmerz sein Antlitz entstellt. Und da sie ihn in seinem großen Leide sah, sprach sie zu ihm: ein größeres Leid, denn es mir widerfuhr, kann Dich nicht drücken, drum schöpfe Trost an meinem Leide und höre mich an. Und sie erzählte, wie einstens ihr Gatte von ihr fortgegangen sei, um in dem Nachbarlande eine.neue Ackerfrucht zu holen, wie er am achten Tage habe bei ihr zurück sein wollen und wie wehe ihr geschah. Bei ihren Worten verhüllte er sein Angesicht, um die Tränen der Rührung zu 'verbergen, denn das Herz jauchzte ihm in der Seele. Als sie ihre Worte geendet hatte, ward es ihm zur Gewißheit, daß die, die vor ihm stand, sein Weib war. Und da sich nun seine Züge aufhellten und sein Angesicht im einstigen Glücke erstrahlte, erkannte auch sie den Gemahls Sie sprach zu ihm: Du bist der edelste Mann, denn Deine Liebe ist größer als Dein Leid. In inniger Rührung umschlangen sich beide und blieben lange in zärtlicher Umarmung. Zum Dank und Preise Gottes aber feierten sie mit allem Volke die Heimkehr und ihr Wiedersehen. Die Geschichte ist zu Ende. 'Gelobt sei, der gerechten Lohn austeilt denen, die ihn fürchten, und der das Verlorene seinem Herm wiedergrbt.

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