Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 22 (6.5.1921)
- Date
- 1921-05-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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schamhaft verschwiegen: bei politischen Gegnern werden sie durch geradezu unglaubliche Konstruktionen hergestellt. Aeußerstenfalls nimmt man einfach „illegitime" Blutmischung an, auf welchem Wege sich.natürlich alles beweisen läßt, was man beweisen will. Ein antisemitisches Wochenblatt kann einen Preis ausschreiben „für den Nachweis, daß eine jüdische Familie während des Krieges drei Wochen lang auch nur drei Söhne bei der Kampftruppe gehabt habe". Man merkt die Absicht. Rabbiner Dr. Freund von Hannover legte daraufhin eine Liste von nicht weniger als 20 Familien seiner Gemeinde und von 50 jüdischen Familien aus anderen Gemeinden vor, die bis zu 7 und 8 Söhne im Felde hatten und von denen mehr wie eine den Verlust von 3 Söhnen zu beklagen hatte. Der edle Antisemit muhte den Preis von 1000 Mark bezahlen. Darüber verlautet natürlich in der antisemitischen Presse nachher nichts. Köstlich ist auch die Gegenüberstellung von zwei zeitlich nicht weit auseinanderliegenden Betrachtungen ein und derselben Zeitung, des „Popolo d'Jtalia". Dieses Blatt des Herrn Musolini schreibt vor der Kriegserklärung Rumäniens von einem „Gemisch barbarischer Urvölker", von „Lumpenpack" usw. Nach der Kriegserklärung heißt es plötzlich „Die würdigen Söhne der alten Römer", ein „Volk, das die Ehre hat, der lateinischen Rasse" anzugehören. Und so etwas läßt sich ein geduldiges, auf den Rassengedanken eingeschworenes Leserpublikum geduldig gefallen! Als ein Faktor und nicht mehr, ja sogar als ein schwer faßbarer und sicherlich nicht ausschlaggebender Faktor kann auch die Rassezugehörigkeit eines Volkes gelten. Aber jede historische und politische Betrachtung muß über den naturwissenschaftlichen Begriff der „Rasse" sich sehr bald zu dem geisteswissenschaftlichen Begriff der Völkerpsychologie erheben, was schon etwas ganz anderes ist. Und selbst mit der Völkerpsychologie kann von unberufenen Geistern noch Unfug genug getrieben werden. Das hat der Weltkrieg gezeigt. „Die homerischen Helden beschimpften einander vor dem Kampfe — wir trieben Völkerpsychologie." Das Schlußkavitel des Buches knüpft an die Gedankenwelt des Vorwortes an, und gibt dem Leser das Wort des Propheten Micha mit auf den Weg, an dem alle rassenanti semitischen Konstruktionen zerschellen müssen: „Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist, und was der Ewige von dir fordert: Nichts anderes als recht tun, Liebe zu üben und in Demut zu wandeln vor deinem Gotte." Lokales. Iü-isch-theologisches Seminar. Herr Dr. R a b i n, über dessen Berufung <m das Breslauer jüdisch-theologische Seminar wir kurz berichtet haben, sicht im 38. Lebensjahr. Geboren als Sohn eines ukrainischen Rabbiners, empfing er die in Rußland übliche talnmdische Ausbildung und erhielt die Rabbinats- Autorifation durch angesehene litauische Rabbiner. Er studierte in Deutschland und in der Schwei; orientalische Sprachen, Geschichte und Philosophie, bestand in Bern die Doktorprüfung summa cum laude und — gleichfalls in der Schweiz — die Oberlehrerprüfung in Geschichte, Erdkunde, Philosophie und Pädagogik. Er wirkte mehrere Jahre als Lehrer an dein Lehrerseminar des Hrlfsvereins der deutschen Juden in Jerusalem und wurde dann nach Odessa als Leiter der dortigen Rabbrner-Midungs-Anstalt berufen. Bei Kriegsausbruch weilte er in Deutschland, wurde interniert und trat bei dieser Gelegenheit zu Giessener Professoren in persönliche Beziehung; 1918 er-- hielt er ein Lektorat an der Universität Giessen für nachbrblische jüdische <Äeschichte, alsdann ein solches an der Universität Frankfurt a. M., gleichzeitig einen Lehrauftrag für Hebräisch an der gleichen Universität. Herr Dr. Rabin wird ani Seminar Bibelexegese und Geschichte lesen sowie den Mittelkursus für Talmud übernehmen. Sein Hauptcirbeilsgebiet ist die Geschichte der Massora. „Schlesische volksstimme". Ter Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Breslau, teilt uns mit: In den letzten Tagen werden oucl) an zahlreiche jüdische Familien Propaganda-Exemplare der „Schlesischen Volksstimme" mit der Aufforderung zum Abonnement versandt. Beigefügt ist eine Bescheinigung des Notars Czaya über die Auflageziffer. Unsere Glaubensgenossen werden hoffentlich aus diese recht aufdringlich betriebene Reklame nicht hineinfallen. Das als Propagandanummer versandte Exemplar enthält bezeichnenderweise nicht die antisemitischen Pöbeleien, an denen dieses Organ bisher keinen Mangel hatte. So wurde in einer der letzten Nummern die Lügennachricht verbreitet, daß deutsche Juden im neutralen Auslande herumreisten, um für die Lostrestnung des linken Rheinufers Propaganda zu machen! Konzerte. Liederabend Anita Frenzel. Das Programm war sehr gut zusammengestellt: es mar wohl der beste Beweis für die Musikalität der Sängerin. In der Höhe war manch sympathischer, schlackenfreier Ton zu hören, doch machte ihr die Atemtechnik zu schaffen. Brahms „Trennung" und „Salome", sowie Negers „Mariä Wiegenlied" lassen der Hoffnung Raum, daß eine sorgfältige Beseitigung der Uneben¬ Monat Sabbath- Ausgang Wochentag Mai 31 T. Nlftan 30 T. Wochenabschnitt Freitag 6. 28. Sabbath 7. 29. BreSlauF* 8. Buch Moit Kap. |6*-18P° heiten Fräulein Frenzel zu einer guten Konzertsängerin machen wird, wozu ihre äußere Erscheinung sie prädestiniert. Als Begleiter waltete Herr E g m o n t P o l l a k seines Amtes. Wie immer, so war er auch diesmal ein feinsinniger, gewandter Begleiter. Auch als Komponist lernten wir ihn kennen. Sein „Albumblatt" ist äußerst beachtenswert, seine „Schmetterlinge" sind duftig und melodieenreich. In seinen Solovorträgen wäre es aber empfehlenswert, wenn er die Bässe nicht gar so stark betonen würde. Die Melodie hätte in seiner Bearbeitung von Rubinsteins „Spanischem Tanz" im Mittelsatz stärkerer Hervorhebung bedurft. Das Publikum applaudierte wahllos. W. Sch. im V Kalender 5681 Propheten« abschnitt W1: I. Samaal XX. 18—42 Dom jüd. Kurhospital in Warmbrunn im Riesengebirge. Das jüdische Kurhospital in Warmbrunn, dessen Jahresbericht vorliegt, tritt in das 43. Jahr seines Bestehens. Die Anfänge der Anstalt reichen zurück bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als sich das Bedürfnis herausstellte, unbemittelten Glaubensgenossen die Aufwendung eines Kuraufenthaltes zu erleichtern. Es wurde eine Badearmenkasse gegründet und im Laufe der Jahre ein kleiner Grundstock angesammelt, der durch die tatkräftigen Bemühungen des unvergeßlichen Scheimann Schneller so gestärkt wurde, daß in den siebziger Jahren ein Grundstück angekauft werden konnte. An ruhig gelegener Stätte des Ortes erhebt sich inmitten eines herrlichen Gartens auf einem kleinen Hügel der stattliche Bau des Hauses, in dessen behaglichen Räumen alljährlich hilfsbedürftigen Kranken die Wohltat eines vierwöchentlichen Kuraufenthaltes zuteil wird. Unter dem Einfluß der heilkräftigen Thermen, in reiner anregender Luft, im Anblick der gigantischen Berge haben viele ihre Gesundheit und Arbeitsfreudigkeit wieder erlangt. Während die Anstalt bisher immer in der Lage war, den im Hause weilenden Kranken einen völlig unentgeltlichen Kuraufenthalt zu gewähren, ist sie seit zwei Jahren durch die Not der Zeit gezwungen, die Zahl der Freiplätze stark einzuschränken und einen Teil der Kranken gegen eine allerdings nur mäßige Entschädigung aufzunehmen. Hoffentlich wird die in dem Jahresbericht ausgesprochene dringende Bitte um Zuwendung von Mitteln von Erfolg begleitet sein, so daß das Kurhvspital bald wieder imstande ist, wie bisher, Kranke nur unentgeltlich aufzunehmen. Gottesdienst in den Gemeinde-Synagogen: W- Freitag - 6./5. Beginn abends 7.30V. 7.30V. Sbd. T./5. morgs. 8.30 ü. 9.30 ü. „ Frübgotlisdiesst — — 7.30 V. „ ), Nnmoadwcihe „ 10.00 u. 9.46 U. „ _ Predigt — 10.00V. „ Jügiiihottnfct. Schluß nachm. 4.00 U. — abends 8.08 U. 8.08 V. An den Woch.- 8./6. bis Beginn morgs. 6.30 ü. 6.46 ü. tagen 18./5. „ abends 7.30 ü. 7.30 ü. Konfirmationen, Neue Synagoge, Sonnabend, den 7. Mai: Maftir, Leo Grobowski (Vater tot), Mutter Hohenzollem> straße o2. Werner Lubinski, Gartenstraße 40. Der Konfirmandinnenkursus beginnt am 10. Mai. Anmeldungen nehme ich Sonntag, den 8. d. Mts., 10—11 Uhr vormittags, Anger 8, II., entgegen. Gemeinde-Rabbiner Dr. Vogelstein. Paul Neumann " Schneidermeister Breslau 1, Königstraße 11, III empfiehlt sich zur Anfertigung feiner Herrenmoden sowie Sportsadien oller Art. Lager in* und ausländischer Stoffe. Guter Sitz. — Solide Preise. Stoffe werden zur Verarbeitung angenommen. Miller! 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Tiscbb*8 Für die Bekanntgabe von Familien-Nachrichten bitten wir die IT güdifcholiberale Zeitung ständig zu benützen — Ermäßigte Anzeigenpreise S kauft niir bei Änserenten! tzi Herausgeber: Liberaler Verein der Vynagogen-Gemeinde Breslau. — Verantwortlich für den Inhalt: Julius Loeb; für das Feuilleton: vr. Ludwig Davidsohn (beide in BreSlau). Druck und Kommissionsverlag: Th. Schatzky, Buchdruckern und Verlagsanstalt, G. m. b. H., Breslau 111, Neue Graupenstraße 5.