Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 21 (22.4.1921)
- Date
- 1921-04-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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lvelche Bedeutung im jüdischen Gemeindeleben Berlins der Liberale Verein habe. Er betonte als Ziel und Zweck des Vereins die Einflußnahme auf die Entwickelung des jüdisch-religiösen Lebens in: liberalen Sinne und die Abwendung der national-jüdischen Gefahr, die die Gemeinde bedrohe. Der Abend führte dem Liberalen Verein eine Anzahl neuer Mitglieder und.Freunde zu. Detmold. Eine geradezu ungeheuerliche Urteilsbegründung leistete sich vor kurzem die hiesige Strafkammer. Hier wurde in Berufungsinstanz gegen ein freisprechendes Urteil des Kriegsgerichtes ein ReichÄvehrhauptmann Manderscheidt aus Detmold von der Anklage der Beleidigung des Reichswehrminister Geßler freigesprochen. M. war geständig, über Herrn G. geäußert zu haben, dieser stehe als Demokrat unter jüdischem Einfluß, und was man von den Juden zu halten halbe, das sehe man doch jetzt. Die Strafkammer begründete ihr Urteil, daß keine Beleidigung vorliege, damit, daß es Tatsache sei, daß die Mitglieder der D. D. P. zu einen: hohen Prozentsatz aus Juden bestehen — woher wissen die hochwohllveisen Herren dies so genau —und deswegen sei es keine Beleidigung, wenn man sie als Judenpartei bezeichne. Fürwahr eine recht erkleckliche Leistung für eine Behörde, deren erste Tugend doch die Objektivität sein soll, ganz abgesehen davon, daß auch, wenn sonst alles richtig wäre, es trotzdem eine schwere Beleidigung eines Beamten bliebe, zu behaupten, er stände wegen seiner Parteizugehörigkeit unter irgend jemandes Einfluß. Auch die Behauptung der Urteilsbegründung, daß M. nicht das Bewußtsein gehabt habe, den Reichswehrminister Geßler zu beleidigen, ginge schon daraus hervor, daß er den früheren Reichswehr minister Noske gelobt habe, mutet einigermaßen befremdlich an. Hamburg. J^'Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach Rabbiner Dr. Jacob-Dortmund über „Die Juden in Deutschland". Er ging in erster Linie auf die Lehren und Methoden des Antisemitismus ein, wies ans die große Bedeutung hin, die von den erbitterten Gegnern der Juden diesen während der Kriegszeit und auch noch in der Gegenwart auf den Leib geschoben worden seien und die n:an auch heute noch bestrebt sei, ihnen anzuhängen, obwohl man mit den aufgestellten Behauptungen, daß das Judentum an allem Ungemach, an dem unsere Gegenwart leider kranke, schuld sei, weit über das Ziel hinausgekommen sei. Die Judenfrage werde als das wichtigste Problem bezeichnet, eine Meinung, die insofern zu Recht bestehe, als der Antisemitismus eine Vergiftung des öffentlichen Lebens hrbeizuführen drohe. Um den Antisemitismus richtig zu verstehen, müsse man seiner Form, seiner Methode und seinen Grundgedanken nachgehen. Die Prinzipien der Judenbekämpfung seien begründet in der Religions- und der Rassenfrage. Um diese recht zu verstehen, müsse man sich die Entrechtungen vor Augen führen, von denen die Juden, denen man vorwarf, daß sie Juden und keine Christen waren und es nicht werden wollten, seit mehr als 1500 Jahren betroffen waren. Im alten römischen Reich galten die Juden als eine besiegte, unterworfene Nation. Nur der Gläubige konnte Bürger sein, Ketzer und Juden waren ausgeschlossen. Die Juden, die inan als Gottesmörder bezeichnete, waren verflucht und wurden von der Christenheit abgesondert. Der Jude durfte kein öffentliches Amt einnchmen, er konnte nicht Zeugnis gegen einen Christen oblegen, er wurde vom Heeresdienst, vom Ackerbau, von: Handwerk und von allen gelehrten Berufen ausgeschlossen, ihm blieb nur der Handel mit Geld offen, der eine neue Quelle des Hasses schuf, der in dem Wort „Wucher" seinen Gipfelpunkt fand. Die Juden wurden gezwungen, in abgesonderten Stadtteilen (Ghetto) zu leben, sie mußten besondere Abzeichen an ihrer Kleidung tragen, man traute ihnen alle Schlechtigkeiten und Erbärmlichkeiten zu, und das Wort „Jude" galt als ein Schimpfwort. als eine Beleidigung. Schwere Verfolgungen mußten die Juden über sich ergehen lassen, und erst ganz langsam schwanden die Schatten, die den Anhängern des Judentums das Dasein vergällten. Erst dem 17. und 18. Jahrhundert war es Vorbehalten, ein neues Zeitalter zu schaffen, die Epoche der Aufklärung und der Humanität. Der Christ trat zurück, der Mensch wurde neu entdeckt und der Staat wurde auf eine allgemeine menschliche Moral aufgebaut. Der französischen Revolution fiel es zu, die Umwandlung in einen modernen Rechts- und Kulturstaat zu schaffen. Das 19. Jahrhundert brachte die Emanzipation der Juden, und erst im Jahre 1869 wurde die Bekleidung eines Amtes unabhängig von der Konfession. Die Weltanschauung hatte sich endlich so weit durchgerungen und geklärt, daß ein Jahr vor der Gründung des Deutschen Reiches gesagt werden konnte: Es gibt keine Jude:: und keine Christen mehr, sondern mir noch deutsche Staatsbürger. Hiermit war dem Judenhaß die Wurzel genommen worden und es mußte nach neuen Gründen gesucht werden, um den Gegensatz neu zu beleben, durch den der Antisemitismus ans Ruder gekommen ist, der die Juden als einen Fremdkörper hinstellt und auffordert, sie totzuschlagen oder sie dahin zu vertveisen, woher sie gekommen sind, nach Palästina. Der Redner, oft von Zwischenbemerkungen und Zurufen unterbrochen, behandelte dann in sehr ausführlicher Weise die Frage der Rassentheorie, um die der Franzose Graf Gobineau, der Engländer Houston Steward Chamberlain und andere sich verdient gemacht habe:: und in der es heißt: Alles Germanische ist groß mw edel, alles Semitische dagegen niedrig und minderwertig. Nach den Forschungen hervorragender Ethnographen und Anthropologen sollen alle Rassen lediglich Unterrassen der großen menschlichen Einheit sein, und nicht die Rassen sollen den Aufstieg der Menschheit bewirkt haben, sondern die Völker Alle, auch die Juden, haben Großes und Hervorragendes geleistet zu Nutz und Frommen der Allgemeinheit. Rassen theorie ist politisch gefährlich, weil sie dazu angetan fft, die Einheit der Nationen zu zerstören. Die Antisemiten, deren Führer wegen mangelnder Kenntnis der hebräischen 'Sprache in den Geist der jüdischen Literatur nicht einzudringen vermögen, können als Partei nicht angesprochen werden, denn sie bekämpfen die Menschen an sich, gleichviel, welchen Charakter sie haben mögen. Mit den Worten: „Wir alle sind das Vaterland. Das Deutschtum liegt im Gemüt. nicht im Geblüt" brachte der Redner seinen interessanten Vortrag zum Abschluß. reichen, was gewöhnlich mit Nachtffch übersetzt wird. Ursprünglich hatte dieses Wort aber eine ganz andere Bedeutung. Nach den Worten der Mischnah war es verboten, solch ein Aphikaumon nach dem Pessachopfer zu begehen, das heißt nach griechisch-römischer Sitte ein Trinkgelage zu veranstalten, das häufig wüsten Charakter annahm. Die meisten unserer Hagadahs und noch viel mehr die alten Handschriften sind mit Bildern mannigfacher Art „verziert". Die HagMah ist so ziemlich das einzige Buch, in dem sich die Künstler unter den Juden zeigen konnten, und sie haben das reichlich getan. Bilder aus der biblischen Geschichte, insbesondere bis zum Auszug aus Aegyptten, Szenen vom Sederabend und anderen zum Pessachfest gehörigen Vorrichtungen und endlich der Tempel waren meist die Gegenstände der Darstellung. Die Künstler waren Die Einrichtung des Sederabends beruht auf der! wohl meist auch die Schreiber der Bücher, und sie waren biblischen Vorschrift: „Wenn Dein Kirid Dich später fragen in ihrer Kunst abhängig von ihrer Umgebung. Die gewivd: Warum feiern wir dieses Fest?, so sollst Du ihm erdruckten Hagadahs enthalten vielfach Holzschnitte, die, wie im: Die Hagaöah. Vortrag von Lehrer Robert Hirschfeld Jüdisch - lliberalei: Jugendverein, BreM>u. zählen, so und so hat Gott mir getan, als ich aus Aegypten zog." Aus dieser Vorschrift haben sich im Lause der Zeiten bestimmte Gebräuche entwickelt, die in eine bestimmte Ordnung (Seder) gebracht worden sind. Bei dieser Gelegen heit werden gewisse Formell:, Gebete, Psalmen und Lieder aus einem Buche vorgetragen, das man Erzählung (Hagadah) nennt. Ueber die Feier des Pessachvorabends gibt es in der Mischnah bestimmte Vorschriften, die im Grunde genommen unsere Hagadah in ihren Grundzügen schon enthält. Gehen wir im Geiste das Büchlein durch und betrachten wir zugleich die in ihm enthaltenei: Bilder, wobei wir allerdings in diesen: Zusammenhänge nicht ans die kunstgeschichtliche Seite eingehen können. Auf den ersten Seiten befinden sich Gebete und Formeln, die bestinnnt sind für das Ausräumen und Verbrennei: des Gesäuerten, sowie als Einleitungsgebet der Kiddllsch. Weim der Sederabend auf einer: Sabbathausgang fällt, so ist die Reihenfolge der Segenssprüche nicht ganz leicht festzuhalten, und n:an hat sich darum ein Merkwort gebildet, das besteht aus den Anfangsbuchstaben der Worte Jajin (Wein), Kiddusch (Weinsegen), Ner (Licht), Hawdoloh (Unterscheidungssegen) mW Seman (Zeitsegen) — Jakenhas. Daraus hat die Phantasie „Jag den Has" gemacht. Darum findet man in alten ^agadah-Hand schriften häufig Hasenjagden dargestellt; in einer sogar eine Hirschjagd. Nach diesen Einleitungen werden die ersten Gerichte umhergereicht, nämlich Petersilie in Salzwasser und Bitterkraut zusauttner: mit Früchtebrei. Man nannte diese Vorspeisen, weil dabei eingetancht wurde, Trbbul, und daraus hat sich die Frage des Kindes entwickelt: „Warum tauchen wir heute zweimal ein?" Was ursprünglich bedeutete: „Warun: essen wir heute zweimal Vorspeise? Nun beginnt der eigentliche Seder: „Dies ist das Brot, des Elends, das unsere Väter in Aegypten aßen. Wer hungrig ist, komme und esse mit uns, wer dürftig ist, komme und feiere mit uns". Das war keine leere Form, sondern jeder Fremde konnte wirklich ohne weiteres darauf rechnen, an 0lesen: Fest ein offenes Haus und einen Platz am Tisch zu finden. Das ist wohl auch der Grund, warum auf jedem Ledertisch ein Becher Wein mehr vorhanden ist als Tischgäste. Hierauf spricht das Kind die vorgeschriebene Frage, die allerdings ursprünglich anders lautete; es fragte nämich: „Warum wird heute abend nur gebratenes Fleisch gegessen und warum gibt es heute zweimal Vorspeise, statt onst nur einer?" Man hat verständigerweise die erste Frage nach dem Aufhören des Opferdienstes weggelassen, aber die zweite hat in der Form, wie sie bei uns vorkommt, kaum noch Sinn; und wenn heute unsere Kinder fragen: „Warum sitzen wir alle angelehnt?" so bezieht es sich auf etwas, was heute gar nicht mehr zutrifft, nämlich aus die jüdische Sitte, die von Griechen und Römern übernommen war, bei Tisch ans niedrigen Polstern zu liegen. mir's scheint, manchmal den bei dem Drucker vorrätigen Klischees entnommen wurden. Mars und Minerva auf einen: Titelblatt, die oben erwähnte Hirschjagd, König David, der eine verzweifelte Ähnlichkeit mit einem Spielkartenkönig hat. scheinen mir Beweise zu sein. Wer sich für diese Dinge besonders interessiert, der nehme das Werk zur Hand: „Die Hagadah von Serajewo" von Müller u. Schlosser und die vor kurzem von Dr. Karl Schwarz herausgegebenen „Bilder zur Hagadah" von Prag, Mantua und Anffterdam" (Verlag Fritz Gurlitt, Berlin). Er wird daraus mit Freude ersehen, wie unsere Vorfahren an diesen Darstellungen großes Vergnügen hatten, und er wird mit mir darin übereinstimmen, daß diese Bilder zumeist Wohl für die Kinder bestimmt waren. Ich werde in dieser Vermutung noch bestärkt durch den Umstand, daß nur der erste, n:ehr theoretische und ernsthafte Teil der Hagadah Bilder enthält, und dadurch die Kinder wach gehalten wurden. Der zweite enthält Gesänge, die von selbst die Aufmerksamkeit der Kinder fesseln. Sie brauchten also keine Anregung. s Man hat in neuerer Zeit allerhand Versuche gemacht, die Hagadah unserem Verständnis nnd Gefühl entsprechend zu lbearbeiten, nnd ich nenne als einen recht gelungenen den von Rabbiner Dr. Seligmann, A. L. Versuch dieser Art Frankfurt a. M. Lokales. Einführung des neuen Gemeinderabbiners. Am 20. d. Mts. fand die Einführung des Gemeinderabbiners Dr. Hosfmann statt, Nachdem Herr Eduard Sachs mit warmen Worten des vor einigen Wochen dahingegangenen Rabbiners i)r. Rosenthal gedacht baue, begrüßte der Repräsentantenvorsteher Herr Prof. Wo h lau er Herrn Dr. Hoffmann unter Hinweis auf das segensl eiche Wirken des Vaters des netien Gerneinderavviners, des Leiters des Berliner Rabbinerseminars. Herr Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein gab seiner Hoffnung und seinem Wunsche Ausdruck, daß die beiden Amtsbrüder, obgleich auf entgegengesetztem Standpunkte m jüd. Angelegenheiten stehend, zum Wohle der gesamten Gemeinde Hand l Hand arbeiten mögen. Mit einem Tanke, für das seinem Vater gespendete Lob gab hierauf Herr Gemeinderabbiner Dr. Ho ft mann die Versicherung ab, daß er immerdar em wahrer Seelsorger der oriyoooxen Gemeinde sein wolle. Ausstellung jüdischer Kultusgegenstände. Gerade wir religiös liberalen Juden, die wir das Prinzip der Fortentwickelung auch aus religiösem Gebiete anerkannt wissen wollen, muffen mit großer Freude auf ein meines Erachtens nach äußerst dankenswertes Unternehmen olicten, dem sich Frau Rosa Freudenthal, hier, gewidmet hat. Denn wenn wir auch alle Gesetze und Vor- >chcisten der Bibel und Gesetzgeber mindestens ihrer Form nach als solche nicht für allgemein bindend halten, so nüsien wir uns doch bewußt sem, daß viele Bräuche ebenso wertvoll wie schön sind, insbesondere für die P,.ege der Religiösität im jüdischen Haufe. Auch hier dem Auge und Aus di-,° Frage antwortete »er Vater unsprünglich, - 1X„" Z mit einer dem Fassungsvermögen des Kindes und seiner Umgebung angepaßten Erzählung und Betrachtung über dkn'Auszug aus Aegypten, und damit wurde ein schr großer Teil des Abends zugebracht. Allmählich erstarrten diese Betrachtungen zu Formell:, die für unsere Auffassung nicht mehr verständlich sirck. Selbst die Frage der vier Kinder und die Antworten darauf sind für uns kaum verständlich. Es scheint mir daher ratsam, einen großen Teil dieser sogenannten Bibilerkllärungen wegzulassen und ai: ihre Stelle nach alter Sitte Erzählung und Betrachtung zu setzen. Daß unsere Alten mich dem Scherz nicht abgeneigt waren, beweist der Abschnitt, der davon handelt, daß den Aegyptern durch den Finger Gottes 10 Plagen, durch feine Hand aber 50 Plagen zuteil geworden feien, was dann von zwei andern Gelehrten ins Groteske ver größert wurde. Del: Schluß des erster: Teiles bilden Worte des RaVban Gamliel, der auf die Bedeutung der drei wichtigsten Dinge am Sederabend hinweist: Pessach-Opfer, Mazzoth uitd Bitterkraut. Auch hierbei sollte n:an sich nicht an die alte Ueberlieferung halten, die der: Gebrauch der Mazzoth auf die Hast der Israeliten bei den: Auszüge zurückführt, sondern auf die Vorschrift, daß das Pessachopfer mit ungesäuertem Brot zrffammengegessen werde: soll. Der Gesang der Psalmen 113 und 114 (Hallelschließt den erster: Teil der Feier. Man ißt zum erster Male Mazzoth und dann nach einem Brauch von Hille. Mazzoth mit Bitterkraut. Das ist em' Augenblick, auf der die Kinder in:mer sehnsüchtig warte::, denn darnach Wirt das Essen ausgetragen. Der zweite Teil der Hagadah enthält zunächst dm Tischgebet und dann einige Psalmverse. Hierauf folgt der zweite Teil des Hallel und eine Anzahl von Gebeten und Liedern, die in den verschiedenen Ländern und Zeiten verschieden waren. In mrserer Hagadah bilden das „Zahlenlied" und das „Lied vom Lämmlein" den Schluß, die wahrscheinlich deutschen Ursprungs sind. Am Ende des Sülerabends pflegt man von der einen ' Mazzoth jedem Teilnehmer ein Stück als Aphikaumon zu tützung durch Frau F r e u d e n t h a l, die die Anregung gegeben und sofort selbst tatkräftig zur Ausführung gebracht .)at, jüdische Kultusgegenstände in moderner, künstlerisch vollendeter Form zu schapen. Frau Freudenthal hat - sich zu diesem Zweck mit den namhaftesten Künstlern auf diesem Gebiet in Verbindung gesetzt, und dank der zahlreichen Anregungen, die sie selbst gegeben hat, ist es ihr gelungen, eine Sammlung moderner jüdischer Kultusgegenstunoe zu schaffen, die als vorbildlich zu bezeichnen ist. Mendelssohn« Hellerau, Leo Horvvitz-Frankfurt a. M., Friedrich Adler- Hamburg und nicht zuletzt Herr Wonka von der hiesigen »tunstgewerbeschule wetteifern un: die Gunst des Publikums, md es ist schwer, ja unmöglich, einem von ihnen der Preis juzuerkennen, da jeder in seiner Individualität Hervortagendes geschaffen hat. Aber auch die weibliche Kunst ist ourch Rosa Wehl-Breslau, Frau Zadikow-München u. a. in Striezeldecken, Atazzothtafchen und Mazzothkörben in bester Weise vertreten. Besonders Hinweisen möchte ich auf das Modell einer zusammensetzbaren Laubhütte von Erna Selten- Breslau und aus die anderen Mischen Lernspiele, die unseren Kleinen frohe Stunden zu bereiten und in ihre aufnahmefähigen Herzen innere Religiosität und Liebe zum Judentum zu pflanzen hervorragend geeignet sein oürften. Die schöne Wirkung des Gesamtbildes war wählend der Zeit der Ausstellung bedeutend erhöht durch alte, wertvolle Kultusgegenstände aus der Synagoge zu Soldin, oer hiesigen Landschule und aus Privatbesitz, unter dem rieben einer prächtigen Sederschüssel aus dem Besitze des Herm Willy Falk in erster Linie die Stücke der Sammlung ckirschstein-Nikolassee hervorragen, so. besonders eine alte handkolorierle Amsterdamer Hagadah, und eine gleichfalls nit schönen, kolorierten Bildern versehene Megillah aus oem 16. Jahrhundert. So bot der in ein kleines, stilvolles Museum umgewandelte Raum, dessen Wände Bilder von Laboschin schmückten, ein prachtvolles Bild und bezeugte in > einer Gesamtheit wie in jeder Einzelheit den lebendigen, varmen religiösen Geist, der alles belebt. Nun ist die Ausstellung der alten Geräte zu Ende and 'nur das Moderne ist zurückgeblieben. Aber auch davon critt eine ganze Anzahl Gegenstände die Reise an in eine neue Heimat, zu denen, die ihr Heim mit diesen wohlgefälligen, schönen jüdischen Dingen schmücken wollen. Und manche Nachbestellungen der ansprechendsten Sachen sind notwendig geworden. Hoffen wir im Interesse unseres liberalen Judentums, daß auch unsere Kreise diese Tat von Frau Freudenthal aufs Wärmste unterstützen und so beweisen, daß wir nicht die' „Liberalen" schlechthin sind, sondern daß wir die sind, die ihre Religion, ihr Judentum ihrem modernen Empfinden anpaffen wollen. ' E. D.