Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 21 (22.4.1921)
- Date
- 1921-04-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2613366-2613604-2613625--0106-2617283- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Ortsgruppe de- Jüdische» Frauenbünde- Breslau fettbet mich in diesem Jahre wieder erholungsbedürftige Kinder in das Heim des Solbades Segeberg vom 10. Juni bis 15. Juli. Anmeldungen sind bis zum 5. Mai täglich um die Zeit von 9 bis 10 Uhr an die Jugendpftiegerin Fräulein Cohn, Tauentzienstraße 12, I., zu richten. Vereine unü Versammlungen. Sentralverein. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gegen den Amisemittsmtts gestaltete sich die am 19. d. Mts. im überfüllten Saale des Konzerthauses vom „Zentralver - e t n> deutscher Staatsbürger j ü d i s ch e n Glaubens" einberufene Versammlung, an der neben den Spitzen der Staats- und Stadtbehörden auch viele christliche Mitbürger teilnahmen. An Stelle des leider verhinderten Referenten Nithak-Stahn sprach Herr Geh. Konsistortalrat Staerck - Jena über das Thema „Der Antisemitismus im Wandel der Zeiten". In klaren, lichtvollen Aussühntngen, rne l’t-n liefern historischen und theologischen Wissen zeugten, schilderte er, von der Esther-Novelle ausgehend, wie es zu allen Zeiten und bei allen Völkern Antisemitismus gegeben habe, und wie die Inden schon in frühester Zeit unter Fremdenrecht standen, während man ihnen andererseits, um ihre wirtschaftlichen Fähigkeiten auszunutzen, besondere Privilegien verleihen mutzte. Der Antisemitismus der römisch-hellenischen Epoche wird niotiviert durch den Haß gegen die „Feinde der Wahrheit", durch den Haß gegen die „Feinde des Glaubens Christi" und durch die wirtschaftliche Sonderstellung der Juden, die als privilegierte Sklavenhändler Angehörige des christlichen Glaubens verkauften. Dieser Antisemitismus minderte sich auch in der römischen Kaiserzett nicht. Kurz Spanien, einst das klassische Land des Antisemitismus, stteisend, zeigte der Referent, wie im Mittelalter trotz der größtenteils ludenfreundlichen Haltung der Päpste ein Kamps zwischen Kirche und Synagoge entbrennt, der von der christlichen Geistlichkeit mit allen Mitteln unter die Bevölkerung getragen wird und dem sich nach anfänglicher Ablehnung auch Luther anschließt. Im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts wird die wirtschaftliche und kulturelle Lage der Juden durch drei große Flutwellen beeinflußt: Zuttächst durch die srauMsche Uhrer persönlichen Freiheit mit den höchsten Menschheit«. """ tdeen zu erfüllen. Das Schlußwort des Referenten beendete die Versammlung, deren würdiger Verlaus auch durch einige antisemitische Schreier nicht gestört werden konnte. Resolution, die durch ihre Freiheits- und Gleichheilsideen eine bedelntende Einschränkung' der Juden mit sich führte, die der Judeuheit durch ihre teilweise Ausartung denselben Schaden bringt, wie die verschiedene Auswüchse hervorbringende Emanzipation trn Anschluß an den deutschen klastischen Idealismus, und schließlich durch die nach den Freiheitskriegen einsetzende Reaktionsbewegung, die ihren Höhepunkt in der antisemitischen Bewegmrg der 70er Jahre erreicht. Adolf Stöcker, der Führer jener Bewegung, wollte von seinem Standpunkte aus zweifellos Gutes, doch wurden seine Ziele durch eine öde Parteipoliüt versiacht und ins hetzerische Fahrwasser! geleitet. Truck erzeuge Gegendruck, und die jahrhundertelange Zurücksetzung und Verfolgung de« Juden habe eine Erbttteruttg yervorgerusen, die sich im heutigen politischen Leben in manchen Ausartungen Lust mache. Nie hätten die deutschen Herrscher und Regierungen es verstanden, das an sich konservative Element der Juden in ihr Staatsgebilde etnzusügen, wie es den Engländern in so vorbildlicher Weise gelungen toäre. Mit einem tvarmen Appell an alle Dolkskreise, in dem Geiste der LZerschnuirg an dem bitter nottueuden Wiederaufbau Deutschlands zu arbetten, statt einzelne Teile der Bevölkerung' gegeneinander aufzuhetzen, schloß der Redner des Abends sein? fesselnden Aussühntngen. In der sehr angeregten Diskussion kamen u. a. Ober- Präsident a. D. Philipp, Redakteur G e e r t h , Oberpostsekretär Dobberpsuhl, ein Arbeitervertreler und ein Vertreter der deutschuativnalen Studentenschaft zum Wort, die alle entschieden vom Antisemitismus abrüctten, und in scharfen Worten die Hetze der Rechtsparteien geißelten, die sich „national" nennen, aber durch Erzeugung einer Pogromstimmung nur dem schtvergeprüfien Deutschen Reiche schadeten, und die sich christlich" nennen, aber stündlich oem Obersten Gebot des Ehristeniums „Liebe deinen Nächsten wie dich sekbst" zuwrderhaudelten. Sie empfahlen ein Eingehen aus die Psyche der jüdischen Kreise, die genau so wie ihre christlichen Mitbürger im Felde und in der Heimat während des Krieges ihre Pflicht getan hätten und auch heute bereit seien, an dem Wiederaufbau Deutschlands mitzuarbeiten. Geh. Justtzrat Heilberg verwies aus den Eindruck, den die wüste antisemitische .Hetze im Ausland machen müsse, und richtete warnte beherzigenswerte Worte an die Jugend und ihre Erzieher. Die Jungen ermahnte er, zu lemen und an sich zu arbeiten, währerrd er an die Lehrer den Appell richtete, die Jugend ohne Beeinflussung 1921 Kalender 5081 Wochentag Mo April 30 T. tat Aiüan 30 T. Sabbath- AuSgang Wochenabschnitt Prophetenabschnitt Freilag 22. 14. ThenviritHii Sabbath 15. BreSlau?^ nee 2. Buch Mose 12, 21-62 4. Buch Mose 88, 10—^5 Jo«an V,2-VI, 1 und VI, 27 Sonntag 24t 16. Bre^ian?^ 8. Suvb I --2,W-L3,44 ' 4. Bach Mose W, 16-fc5 IL K&uigo XXIII. 1-0 und 21—25 Freitag 29. -l. II. II. Stun. cttp. 'ii Sonnabend - 30. 22. V. M, 142’-10” Jos. 10«—IV« V Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung de- Verfassers zum Ausdruck bringen, übernimmt die Schriftleitung nur die preßgesetzliche Verantwortung. J Das Caf6 Brodda ist eröffnet. Die Gräbschenerstraße hat damit in dem Grundstück 19/21 ein Schmuckkästchen erhallen, hell, sauber, freundlich. Die gediegene Kasfeediele und der geräumige Spiegelsaal mit neuer Mahagoni-Ausstattung, bequemen Ecksofas und Empirebeleuchtung sind einladend atich für den verwöhntesten Kaffeehausbesucher, für deffen Lunge auf das Vortrefflichste mit Kaffee, Mokka, SchokoladeHais und erstklassigem Gebäck, frischen Bieren und besten Likören gesorgt ist. Richard Brodda bietet Breslau in seiner Wirktmgsstätte ein solides FamilietuCafv, dem ein reichlicher Zuspruch nttr ztt wünschen ist. IP Ordnung des Gottesdienst« on den ersten Helden Togen du Passahiest«. A. Alle Synagoge: Freitag, den 22. April Sonnabend, Sonntug, 23. 23. 23. 24. 24. 24. abends VU Uhr morgens 8l/j Predigt vorm. 10 „ Mlncha abends VU ,. itfariw 7 Uhr 42 Al in. morgens 81/» Uhr Predigt vorm. 10 „ Schluß abends 7 Ubr 45 Min. B. Naue Synagoge: Freitag, den 22. April Abends Sonnabend. Uhr 23. Sonntag, 24. Frftheottesdienst 7'/, Hanptgottesdienst 9V, „ Predigt 10 Abends 7'/s .. Frübgottesdienst Vk „ Elanptgottesdienst 91/* Predigt 10 Schluß 7 Uhr 45 Min. UtiSyn.NiuiSyn. An den Wochen-/ 25 /4-28. 4. Ueginn morg. 61/, U. 6% U. tagen V „ abends VU „ 7 „ Ordnung du Gottesdienstes on den Schluss- Ingen des Possohf«t«. A. Alte Synagoge: Freitag, Sonnabend, den 28. April abendB 7 'U Uhr >. 29. ,, morgens 8‘/* .. 29. „ Predigt vorm. 10 .. 29. abends VU .. , 30. 30. Predigt u morgens 8V, .. Totenleier vorm. 10 „ ,, 30. ,, Schluß abends 7 Uhr 58 Min. B. Neue Synagoge: Donnentag, 28. April Freitag, 29. „ Uhr Sonnabend. 30. April abends VU Frübgottesdienst Vk „ Hanptgottesdienst tfk Predigt n. Totenfeier 10 „ abends VU ., Frübgottesdienst Vk Hanptgottesdienst 9'/, „ Predigt 10 „ Schluß abends 7 Uhr 56 Min. IttiSyi. Neue Syn. An den Wochen-1 v. i.'5..0.,5. Beginn morg. 6‘/a U. 6®/« U tagen abends 71/, „ 77« „ Am Freitag, den 22. April, abends 6 NHr findet in der Alten Synagoge die frirrlichr Gluführuns dtt SmeiNmNiierS Dr. Hoffman« Kill. Insoweit Plätze für geladene Gäste reserviert sind, haben die Platzmioler für diese Feier keinen 'Anspruch auf Benutzung ihres Mietplatzes. Der LttKni in g|H|i|t»»8tiriii>t. Aus der Eohn-Lchacher-Ttiftung sollen Beihilfen an Kriegswaisen füd. Glaubens nach deren vollendetem 14. Lebensjahre zur Erlernung oder Begründung oder Ausübung eines Berufes, vorzugsweise eines Handwerks vergeben werden. Meldungen sind an uns einzureichen. Der iitini i« amuit»-<fttin. Jüdisch-theologisches Seminar in Breslau, Wallstraße 14. Das Sommersemesier beginnt am 11. Mai. Aufnahmeprüfungen am 8. und 9. Mai. Anmeldungen sind an den Unterzeichneten Vorsitzenden des Lehrerkollegiums zu richten. Dr. Heinemann. Kabarett i h. e. Ehrlich v.. Bad Altheide :: Haus Monica. Uljp fachgemäß alle Arten -Itaond Goldwaren Vif liefern ree^ u* Pre*swert da? Beste der -üra-ud USnia- Industrie Amhold Rosenthal Neue Sehweldnltzer Strafte 5.?M(un« ,»s,tzllch ,»jchütz1. OBE9BE tttecXOttlOCfaufe« will, achte darauf, datz er auch Tomor in dieser Original-Aabrik'packnng erhStt. Es gibt nur eine D Mandelmilch Bflanzenhutter- Margarine Tomor, die allein von nna. unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Rabbiners Dr. B Wolf. Köln, hergestellt wird und als erster vollendeter fleischig und milchig verwendbarer Butter« Ersatz Weltruf genießt, vor mißbräuchlicher Benutzung unserer gesetzlich geschützten Handelsmarke Tomor " wird gewarnt Jür Peffach wird Tomor HD© 'JJ? geliefert Ä£,: Sana Gesellfchaft » . « Cleve. Schweidnitz. Stadtgraben. Ab 1. Mal: Gastspiel Lnctiplilenuoiff. iBcbJrautpaar!"cht zwei unmöblierte (evtl, medl.) Zimmer mit ttitd'ni» denutzun.i. Offerten u. B*. m <m ch Exped. dir Ziid.-lib. Zritung. Vh* | Dämon © für { Harron (Kinder in den neuesten Formen Freund & Krebs Strohhutfabrik Karlsir.90, ncb. d. Hofkirche StrohhUto jeder Art und Horron - Pllzhllte A werden umaoformtKP In unserem Verlage >st soeben erschienen: m Vmlauer lvohmivcht die für Stadt und Land geltend. Bestimmungen. Zusammengestellt und erläutert von den Recht«» anwällen Dr. Giflitz und Dr. Unger in Bretzla« 80 Seiten. Gr.»8. Preis 10 Mark. HLSchotzkg,Bresluu3 Rene Granpenstr. 5, Fernsprech. Ring 451« 4600. Wir bitten bei Einkäufen auf die 9fldi!di>Ilberale Zeitung Bezug zu nehmen. Meiner werten Kundschaft iur geil. Kenntnis, daß die kurze Zeit des Aufbaues meines Betriebes r-.icht ausreichte die Abteilung für Oster-Gebäck cinzurfchten. hoffe dieses im kommenden Jahr in vollem Umfang zu tun. Konditorei L. Hirschlik Reuschestraße 11/12. ^;ii»N»iHiii!iinii»iiiiniuimi#uiiiittiiiiiiauiiiiiiiiini»tiiHii|niiiiiinnitnuiiiiiiätiiiiniiiim»iiiiii'ii)iii(#iiit)tniiii[i»ii.»ii=niitiian»m P Sonfl«np 6t^ne MwtASmh/ o Dienstag, 26. April Kammermaslksaot Liederabend Z Anita Frenzei Mitw. Edmund Poliak. kmchM, MW i. fiatiitr Brtirilittn tauft und verkauft F. W. Fuchs Inh. E. Kräcker Krrvlau. Faugrgufse 1 Fernspr. Ring 11262. Schirme Sparierstöcke bekannt gut und preiswert 5Ä fl. Bett sab Oblauersirafte 85 3. Daus vom Ring Mler-Melten liimiimiMiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiin Martin Herold Aorckstratze 4L Telefon Ring 5109, Witwe aus besten jüd. Kreise:,, mittlere Jahre, wünscht Stellung 1,1*3 Neisebegleitung. Offerten unter p. 50 an die Expedition dieses Blattes. Paul Fleumann Sdmeidermd5ter Breslau 1» Königstraße \\9 III empfiehlt steh zur flnfertM feiner Heirenmoden sowie hortsochen oller AH Lager in» und anslindlscher Stoffe. Guter Sitz. — Solide Preise. Stoffe werden zur Verarbeitung angenommen Für die Bekanntgabe von FamiNen-Rachrlchten bitten wir die E" Jüdisch-liberale Zeitung ständig zu benützen - Ermäßigte Anzeigenpreise Kauft nur bei änferenten! 3S Herausgeber: Liberaler Verein der Synagogen-Gemeinde Breslau. — Verantwortlich für den Inhalt: Julius Loeb: für das Feuilleton: Dr. Ludwig Davidsohn (beide in Breslau) Druck und Kommissionsverlag: Th. Schatzky, Buchdruckerei und VerlagSanstalt, G. rn. b. H., BreSlau HI, Neue Graupenstraße ü.