Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 20 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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werden wir uns insbesondere auch über die interessante Frage zu unterhalten haben, ob Moralanschammgen und nationale Gefühle wirklich so inkommensurable Größen find, wie Sie annehmen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ganz ergebener gez.: Naumann. Ms -em Reich. Berlin. Die Freie jüdische Volkshochschule eröffnet chr achtes Trimester am 11. April wieder mit einer Reihe interessanter Vorlesungen. Besondere Aufmerksamkeit wich ein Vortragszyklus' finden über die „Strömungen im Judentum der Gegenwart". Es soll hier jede der verschiedenen Richtungen durch einen ihrer Prominenten Vertreter dargestellt Iverden. Ferner seren genannt: Rabbiner Dr. Bleichrode: Einführung in die Kabbala, Dr. Herlitz: Aus den: Leben der deutschen Juden im Mittelalter, R. Hirschfeld: Aus den: inneren Leben der deutschen Juden im 19. Jahrhundert, Rabbiner Dr. Hochfeld: Probleme der religiösen Erziehung, Dr. Greg. I t e l s o n : Spinozas Ethik, Dr. Jtelson: Optimismus und Pessimismus in >der jüdischen Weltanschauung, Dr. Jacobson: Geschichte der deutschen Juden im Zeitalter der Emanzipation, Rabbiner Tr. Loevy: Der Jude und sein Vaterland, Rabbiner Dr. Löwenthal: Sitten und Gebräuche im jüdischen Volksleben, Dr. Strauß: Zionisnms, E. Toeplitz: Jüdische Kunstdenkmäler, Toeplitz: Praktische Uebungen zur Einführung in die jüdische Kunst, Frau S. Wronsky: Jüdische Frauengcstalten in ihrer Bedeutung für unsere Erziehung. Berlin. Der Verein zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums veranstaltete für seinen früheren Vorsitzenden, Geheimen Medizinalrat Professor Dr. Leopold Landau, am letzten Sonntag eine Gedenkfeier, wobei Dr. Taubler in seiner Gedenkrede eine schöne Charakterisierung des Menschen Leopold Landau gab. Das Tragen der Hakenkreuze müsse entschieden verboten werden. Bis zum 17. Lebensjahre sollte jede Organisation in politischen Jugendbünden verboten werden. Es sei ein unerträglicher Zustand, wenn so die Politik in die Schule getragen werde. Auch der Minister Oerter wandte sich gegen die antisemitische Hetze auf den höheren Schulen. Eine Oberlehrerschaft, die solchen Geist pflege, könne keinen geeigneten Leiter für das Landesschulamt empfehlen. Frankfurt a. M. Das hiesige Philanthropin, dessen Leitung seit dem Heimgang des unvergeßlichen Dr. S a l o Adler verwaist war, hat in der Person des Dr. O t t o D r i e sen einen neuen Leiter erhalten, dem ein großer Ruf als Pädagoge v orange ht. Triefen studierte Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft in Berlin, Paris, Heidelberg und Straßburg, machte längere Studienreisen durch Frankreich, die Schweiz, Italien und Belgien, trat später in den Schuldienst der Stadt Charlottenburg und war während des Krieges Leiter verschiedener Kriegsorganisationen, so u. a. der Schulabteilung des „Baterlandsdank". Seine größeren wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen sich neben philologischen Themen mit der Verwendbarkeit des Kineinatographen' und des Grammophons iiy Dienste des Unterrichts und der Wissenschaft. Zum Palästina-Aufbau. Resolution -es Zentralvereins zur palästinafrage. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens teilt uns folgende zur Palästinafrage von ihm gefaßte Entschließung mit: „Wäre die Besiedelung von Palästina nichts weiter als ein großes soziales Hitfswerk, so wäre vom Standpunkt des Zentratvereins gegen die Förderung dieses Werkes nichts zu sagen. Die Besiedelung von Palästina ist aber in erster Linie das Ziel nationaljüdischer Politik. Ihre Förderung und Unterstützung ist daher abzulehnen. Solange die sozialen und geistigen Einrichtungen des deutschen Volkes und die religiösen und kulturellen Bedürfnisse des deutschen Judentums bitterste Not leiden und solange zahlreiche heimatlose Juden innerer augenblicklichen und dringenden Hilfe bedürfen, hat jüdischer Gemeinschaftsgeist und Wohltätigkeitssinn überreichliche Gelegenheit und Pflicht zu fruchtbarer Arbeit innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft." _ täglich von «dem mannigfachsten Elend in meiner Stadt und Gemeinde bestürmt sehe — wenn ich dies alles bedenke. dann kann ich es unmöglich mit meinem Gewiffen vereinbaren, in solcher Zeit für eine englffch-jüdische Kolonie in Asien deutsches Geld zu sammeln. Selbst wenn ich es als meine Pflicht halten müßte, am Wiederaufbau Palästinas zu 'helfen, bin ich gegenwärtig davon befreit, Ivenn eine andere mir näher liegt. Da ich nun doch einmal nicht allem Elend in der Welt abhelfen kann, so tue ich das Memige, wenn ich das vor meinen Augen liegende nach Kräften lindere. Nicht der Wiederaufbau Palästinas, sondern der Wiederaufbau Deutschlands hat jetzt den deutschen Juden am Herzen zu liegen. An jenem mvgen sich die siegreichen Völker, die sich augenblicklich in London an deutscher Annut bereichern wollen, mögen sich die Juden Englands uüd Amerikas betätigen. Wir deutsche Juden müssen diesmal notgedrungen beiseite stehen. Auch mag der Wiederaufbau Palästinas noch so löblich sein, wenn es zweitaufend.Jahre damit Zeit gehabt hat, so kann er auch noch Weiler eine Weile warten. Für uns deutsche Juden ist jetzt der denkbar ungeeignetste Zeitpunkt dazu. Kommen Sie in fünfzig, vielleicht schon in dreißig oder zwanzig Jahren damit wieder, wenn es uns mit Gottes Hilfe wieder besser geht, im gegenwärtigen Augenblick erscheint mir jede deutsche Mark für den Aufbau der englisch-jüdischen Kolonie in Asien als unerlaubte Kapitalflucht und Verschiebung ins Ausland. Diese Gründe sind für mich von so überwältigendem Gewicht, daß es unnötig erscheint, noch auf andere Bedenklichkeiten. zum Beispiel daß wir schließlich nur für englischen Imperialismus und zionistischen Nationalismus arbeiten wiirden, ernzugehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener Dr. Jacob. Lokales. Berlin. Die Jahrestagung des K. C. Der Kartell Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens, der zusammengeschlossen ist zu dem ausgesprochenen Zweck der Bekämpfung ides studentischen Antisemitismus, beschäftigte sich auf feiner Jahrestagung in Berlin mit der lebhaften Betätigung des Antisemitismus auf den deutschen Universitäten nach dem Kriege. Das Ergebnis war der Entschluß, auf dem schon vor dem Kriege mit Er folg begangenen Wege fortzuschreiten, dem Antisemitismus, wie er zumal in der Satisfaktionsverweigerung und in der Verächtlichmachung der jüdischen Frau zu Tage tritt, mit Wort und Tat offen und 'bei jeder Gelegenheit entgegenzutreten unlb auf diese Weise «bei allen einsichtigen Elementen das Gefühl für das den Juden angetane Unrecht wachzuhalten oder zu wecken. Die gegenwärtige schmachvolle Hetze auf den Universitäten wurde um so bitterer empfunden, als grade eine unverhältnismäßig große Zähl von Verbandsmitglredern im Felde geblieben ist; hierüber haben irreführende Statistiken in der Oeffentlichkeit ein ganz falsches Bild verbreitet. Obwohl sich der Verband mit religiösen und ähnlichen Strömungeil innerhalb des Judentums nicht befaßt, hatte er schon vor Jckhren zu der mehr politischen Frage des Zionislnus durchaus abweisend Stellung genommen. Hieran wurde auch bei der letzten Tagung festgehalten. Schließlich wurde eingehend das Thema der körperlichen Ertüchtigung behandelt. Man war sich klar darüber, daß unter den gegenwärtigeil Verhältnissen, zumal nach dem Fortfall -des militärischen Diensffahves, «der sportlichen Betätigung ein weiteres Feld eingeräumt werden muß als bisher. Dabei soll das Fechten, das gerade für die besonderen Kampfzwecke des Verbandes seine Bedeutung hat, nicht vernachlässigt werden. Ein für den Herbst geplantes Sporffest soll den Prüfstein für die erzielten Leistungen abgeben. Berlin. Der Lehrerhort ehemaliger Zöglinge der hiesigen Lehrerbildungsanstalt, E. B., hielt nach jahrelanger, durch die Zeitumstände entstandener Pause seine Generalversammlung ab. Die Versammlung war zahlreich besucht, auch der Ehrenvorsitzende, Herr Seminardirektor a. D. Dr. Holzman wohnte ihr bei. Das älteste Verwaltungsratsmitglied, Lehrer Becker, der nach dem Tode des Gründers und langjährigen Vorsitzenden, Lehrer Levy, provisorisch die Vereinsleitung übernommen hatte, gab eine kurze Uebersicht über die bisherigen und die zukünftigen Aufgaben des Vereins, welchem durch die Begründung der Doris und Michael Holzman-Stiftung erhebliche Mittel zur Erweiterung seiner Aufgaben zu Gebote stehen. Der Schriftführer, Herr Seminarlehrer Naftaniel, welcher seit der Begründung des Vereins bis heute in umsichtiger Weise fein Amt aus übte, erstattete den Tätigkeitsbericht, Herr Lehrer Silberberg, der Kassierer, dessen Werbetätigkeit für die neue Stiftung dankbar anerkannt wurde, berichtete über den Stand der Kasse. Bon den angenommenen Satzungsänderungen sind nachstehende für die Mitglieder von Interesse: 1. der Verwaltungsrat fällt fort. An seine Stelle tritt ein Vorstand von 6 Mitgliedern, die sämtlich ihren Wohnsitz in Berlin haben müssen. 2. Der Vorstand hat das Recht, nach Umfang der Bereinsmittel, in dringlichen Fällen unverzinsliche und in Raten rückzahlbare Darlehne bis zur Höhe von 800 Mark zu gewähren. 3. Aus den Mitteln der Doris und Michael Holzman-Stiftung werden alljährlich an zwei bedürftige Mitglieder Beihilfen zu Badereisen von je 800 Mark bewilligt. Meldungen sind unter Beifügung ärztlicher Bescheinigungen an den Vorsitzenden zu richten. 4. In zweiter Reihe haben auch Witwen und minderjährige Vollwaisen von 'ehemaligen Mitgliedern Anspruch auf Beihilfen zu Badereisen. In den Vorstand wurden gewählt: Seminardirektor Dr. Gehmann, 1. Vorsitzender; Lehrer Becker, 2. Vorsitzender; Seminarlehrer Naftaniel, U' Schriftführer; Lehrer Brzesinski, 2. Schriftführer; Lehrer Silberberg, Rendant. Es ist zu wünschen, daß bei diesen erweiterten Zielen des Vereins keiner der ehemaligen Zöglinge der Lehrerbildungsanstalt dem Verein fern bleibt, zumal der Mindestbeitrag nur 10 Mark jährlich beträgt. Aber auch den Richtlehrern unter unseren wohlhabenden Glaubensgenossen ei die Förderung der Bereinsziele warm ans Herz gelegt. 1 Braunschweig. Aus dem Landtage. Bei der Etatsberatung über das höhere Schulwesen in unserem Landtage erklärte der demokratische Abgeordnete Ronneburg, dem antisemitischen Hetzwesen an den höheren Lehranstalten müsse mit aller Schärfe entgegengetreten werden. Im „I s r a e I i t i f ch e n F a m i l i e n b l a t t" wird unter der Ueberschrift „Zum Palästina-Ausbau" fol gendes Schreiben veröffentlicht, das Rabbiner Dr. Jacob Dortmund auf das Ersuchen, an der Sammlung für den Keren hajer.sod mitzuwirken, als Antwort an den Leiter der Organisation gerichtet hat: Sehr geehrter Herr! Nach reiflicher Uoberlegung nncß ich zu meinem Bedauern darum bitten, von der Ab sicht, mich in das Komitee für den „Keren hajessod" zum Wiederaufbau Palästinas zu wählen, Abstand nehmen zu wollen. Ich würde die Sammlung nicht nur nicht fördern, sondern fühle mich sogar verpflichtet,. gegen sie Stellung zu nehmen. Da ich voraussehe, daß diese meine Haltung mir von mancher Seite verdacht werden wird, so gestatten Sie mir, in Folgendem meine Gründe darzulegen, und da die Sache von allgemeinem Jntereffe ist, werde ich sie auch weiteren Kreisen zur Beilrteilung unterbreiten. Als religiöser Jude liebe ich Zion und das heilige Land, die Wiege meiner Religion, und bin daher auch stets ein Freund des Wiederaufbaues Palästinas gewesen. Es könnte die segensreichste Wende in der Leidensgeschichte Israels bedeuten, wenn Palästina zu einem Hafen des Friedens für die verfolgten und bedrückten Brüder unseres Stammes und wiederum zu einem Ausgangspunkt für die religiöse Erneuerung der Menschheit und Israels würde, so daß abermals „von Zion die Lehre ausgeht und das Wort Gottes von Jerusalem". Und selbst wer diese Hoffnung nicht teilt, wird jenes Land wie das mit tausend teueren Erinnerungen verknüpfte Geburis- und Stammhaus einer großen Familie betrachten. Ihre Söhne haben sich in alle Welt zerstreut und schöne eigene Häuser erworben, die sie auch nicht anfzngeben gedenken. Aber dennoch wollen sie ihr bescheidenes Stammhaus nicht verfallen lassen, sondern es pietätvoll erhalten. Wer weiß, ob es nicht für einen von ihnen, dem es weniger gut geht, einmal als Zufluchtsstätte, als Altersheim dienen kann? Ich erkenne ferner an, daß der Zionismus für die Juden mancher Länder eine politische und seelische Notwendigkeit sein mag, ja sogar, daß er es einmal auch für die deutschen Juden werden könnte, aber noch sind wir nicht so weit. Noch ist Deutschland unser Vaterland, das wir freiwillig nicht auszugeben gedenken. Zwei Gründe verbieten mir, mich in jetziger Zeit an der geplanten Sammlung zu beteiligen. 1. Als deutsche Juden haben wir gegenwärtig einen erbitterten Kampf 'gegen den Antisemitismus in Deutschland zu führen, der uns unseren Anteil am Vaterlande entreißen will. Es gilt unsere Existenz, unser Recht und unsere Ehre. Dieser Kampf wird von unseren Gegnern mit ungeheueren materiellen Mitteln unterhalten. Daher brauchen auch wir unsere Kraft und unser Geld zunächst hierzu. 2. Als deutsche Juden leiden wir aufs Allerschwerste unter dem Zusammenbruch unseres Vaterlandes. Das deutsche Volk, zu dem auch wir gehören, ringt schwer nach Atem unter der Aussaugung durch unsere Feinde, unter ungeheueren Steuerlasten und einer wahnsinnigen Teuerung. Die Ber elendung ist grenzenlos. Wenn ich bedenke, daß Millionen hierzulande darben, daß Hunderttausende von Kindern an Unterernährung und Entkräftung dahinsiechen, daß die Schwindsucht die Menschen scharenweise dahinrasft, daß Krankenhäusern, Altersheimen, Waisenhäusern ans Man gel an Mitteln die Schließung droht, daß dieses Unheil auch dann vielleicht kaum abzuwenden ist, wenn wir unsere Beiträge vervielfachen. daß ans demselben Grunde zahllose gemeinnützige Unternehmungen eingestellt werden müssen daß die Wissenschaft abstirbt, daß unsere jüdischen Gemein den. deren Etat fast ausschließlich aus den Jahressteuern bestritten werden muß, ihn kaum über Waffer halten können, wenn sie auch nur ihre unbedingte Pflicht, ihre Rabbiner und Religionsdiener vor Hunger und bitterster Not zu schützen, erfüllen wollen, wenn ich mich endlich tag Verichtignng. Der Dekan der rechts- und staatsw. Fakultät der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Univevsität zu Breslau, Geh. Justizrat Professor Dr. Fischer, serÄet uns folgende Erklärung zur Veröffentlichung: „Die Behauptung in Nr. 18 der „Jüdisch-liberalen Zeitung", daß die rechts- und staatswiffenschastliche Fakultät Einladungen zu einem großen Fest im Lunapark und einem Ball in Krietern übersandt habe, entspricht in keiner Weise den Taffachen. Die Einladung ist ohne Wiffen und Billigung der Fakultät oder ihrer Dozenten von Studenten erlassen worden. Breslau, den 8. April 1921. Der Dekan 'der rechts- und staatsw. Fakultät. O. Fischer." Jüd. theol. Seminar. Wie wir erfahren, werden nicht nur die Vorlesungen der verstorbenen Dozenten Dr. Horovitz und Professor Brann neu zu besetzen ein, sondern auch der größte Teil derbishervonDr.Lewo w i tz erteilten Lehrfächer. Für Exegese und Geschichte ist Dr. R a b i n - Frankfurt a. M. berufen worden. Dr. Rabin wird dem Rufe voraussichtlich Folge leisten und bereits im Sommer-Semester seine Vorlesungen aufnehmen. Auch hinichtlich der Neubesetzung des Postens des Seminarrabbiners chweben aussichtsreiche Verhandlungen. S ie Einführung des Herrn Gemeinderabbiners Dr. Hoff, mann sinoet am Mittwoch, den 20. April um Uhr im 5ltzungs>aate der Repräsentantenversammlung statt. Jüd.-liberaler Jugendverein. Die Propa-gandakommission des Vereins teilt uns mit, daß sie rünittg, um der» engeren Zusammenschluß der Veretnsmttglieder zu fördern, Mammentünste veranstalten will, die abwechselnd in ver. schredenen Stadtteilen stattsinden sollen. Gesellschaftsabend der Freien jüdischen Volkshochschule. Am 10. April vereinigte die Freie jüdische Volkshochschule ihre Gönner uwö Freunde zu einem Gesellschastsabend im großen Saal der Leffmgloge, ehe sie ihre Pforten zur halbjährigen Rrcheparu.se schloß. Das reichhaltige Programm, gegen das man vielleicht stellenweise den Vorwurf der StiUosigkeit hätte 'erheben können, wurde von Dr. Waller st ein (Stadltheater) mit einem Harmoniumsvortmg von Lewandbwskt's „Ma-tamou" eröffnet. Hierauf hielt Dr. L e w k o w i tz eine kurze Ansprache, in der ev die jüdische Volkshochschule als die Stätte charakterisierte, an der alle Richtungen Zusammenwirken, als eine Plattform, von der aus alle Richtungen Liebe und Stolz zum Judentum — das Ziel aller Parteien — zu stärken suchen. Der effte Teil des Programms, der ausschließlich für musikalische Darbietungen vorgesehen war, wurde von Frau Ochs-Pfahl lStadtcheater), Herrn Dr. Wallerstein und Herrn P eis er bestritten. Schon die Namen der Künstler bürgten für den Erfolg, der in freudigen Beifallskundgebungen der Zuhörer seinen Ausdruck fand. Die Genüsse der sich nun anschließenden Teepause waren durch, aus angetan, ihrerseits Beifallskundgebungen hervo rzu.ru fen — und sie 'blieben auch nicht aus! — Der zweite Teil des Programms drückte der Veranstaltung sogar den bedeutsamen Stempel eines Premierenabends auf. Er brachte für Breslau die Erstaufführung des Schauspiels „Ahasver" von Heiermanns. Ein Sabbathlied, von Frau Ochs-Pfahl stimmungsvoll gesungen, ging dem Einakter gleichsam als Vorspiel voran, eine Einleitung allerdings, die mit ihrem lyrischen, friedvollen Charakter selffam zu dem dramatischen, düsteren Inhalt des Schauspiels kontrastierte. Die Einsts dierung des Schauspiels lag in den bewährten Händen von Herm A r n f e l d , der sich mit Frau Ludwig-Blum und Herrn B ö h m (alle vom Lovetheater) in die Darstellung der Hauptrollen teilte. Die Mische Milieuschilde, rung, die Haüptstärke des holländischen Dichters im allgemeinen, die Bedeutung des Einakters „Ahasver" im besonderen — wurde von der Darstellung gut gewahrt. Hauptsächlich war das das der Verdienst Herm A r n f e l d s, dev seinem Karalik in Wort, Aussehen und Gebärde alle typischen Züge des jüdischen Vaters verlieh: den Stolz auf den einzigen, heißgeliebten Sohn — die Verzweiflung, die für diesen abtrünnig gewordenen Sohn die entsetzlichen Fluchworte findet. — Die Darstellung hatte auf keinen der Zuhörer ihre Wtrkrmg verfehlt, was sich äußerlich allerdings