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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-04-08 · 19 (8.4.1921) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
19 (8.4.1921)
Date
1921-04-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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offenbarte-sich dre Reinheit und die Wahrhaftigkeit seiner (Besinnung. Man konnte sich mit ihm über welche Angelegenheit auch immer unterhalten, stets traf man bei H. auf größtes Verständnis und vernahm ein treffsicheres Urteil.. 'Seinen Schülern, die mit Liebe und Verehrung an ihm hingen, wurde er oft zum vertrauten Freund und Berater, die in wissenschaftlichen oder Persönlichen Nöten und Sorgen sich cm ihn wandten, wohl wissend, von ihm einen kreisen und wohlgemeinten Rat zu erhalten. Seine Kollegen blickten zu ihm als dem überragenden Führer empor, und wenn er auch aus Ehrentiteln und Ehrenstellung sich nichts machte, so wußte er doch seine Würde und die ihm gebührenden Rechte in gehöriger Weise zu wahren. Zurückgezogen von der Welt, still und bescheiden, den Blick nach oben gerichtet, so lebte er in seiner Studierstube, der Wissenschaft ergeben, dahiu. Und nun hat ihn Gott von seinen Leiden, die den Körper seit Jahren schon schwächten, erlöst und ihn zu sich berufen. Kollegen und Schüler, Freunde undBerchrer beklagen mit seiner trefflichen Gattin und den wiirdigen Kindern den allzufrühen Heimgang dieses Mannes aufs tiefste. Wie sein Geist ewig sortlobt in seinen Werken, so geloben sie alle, daß das Andenken an chren Lehrer und Meister in ihrem Gedächtnisse, in ihrem Leben und Wirken allezeit beivahrt werden wird. „Die Weisen leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Frömmigkeit geführt, wie die Sterne für nnd ftir." hilfsverem -er -rutschen Duden. Bericht über die Generalversammlung. Von unserem Berliner Korrespondenten. Am 4. April fand in Berlin unter der Leitung des Vorsitzenden, Herrn Dr. James Simon, die Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden statt. Neben der Er ledigung der geschäftlichen Angelegenheiten (Entlastung, Neu wählen. Kassenbericht, Statutenänderungen) wurde von dem bewährten Geschäftsführer des Bundes, Herrn Dr. Bernhard Kahn, ein Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvereins während des Krieges erstattet. Das Bild, das hier entrollt wurde, ist so gewaltig, das; jeder deutsche Jude es kennen sollte. Doch mit Recht hieß es in dem Bericht, es sei leider eine Tatsache, „daß die Wirksamkeit des Hilfsvereins in New Bork und San Francisko, in Astrachan und in Odessa belannier ist' und mehr geschätzt wird, als beispielsweise in Frankfurt a. M. oder in Köln oder in München." Das Wesentlichste aus dem Bericht sei daher hier wieder gegeben. I. Als der Krieg ausbrach, schuf der Hilssverein das „Unter stützungskomitee für bedürftige Russen", das gegen 70 000in größter Not in Deutschland verbliebenen Staatsangehörigen Rußlands Hilfe brachte. Es handelte sich um die Abreise der jenigen, die nach Hause wollten und um die Unterstützung derer die Zurückbleiben mußten, um politischen und rechllichen Schutz und die Verbindung mit den Angehörigen, kurz, um eine alles umfassende Fürsorgetätigkeit. Bis jetzt sind für diesen Zweck 2% Millionen Mark ausgegeben worden. Das Hilfswerk wurde von den deutschen Zivil- und Militärbehörden anerkannt, von der feindlichen russischen Regierung und von den Regierungen der neutralen Staaten geachtet, selbst die Zarenregierung stellte dieser Tätigkeit die notwendigsten Mittel zur Verfügung II. Schier unermeßlich aber wurde die Tätigkeit des Hilfs Vereins, als weite Gebiete im Osten militärisch besetzt wurden Gewaltige Mittel mußten für die Linderung der Notlage der Juden des Ostens aufgebracht werden. Aus eigenen Mitteln hat der Hilfsverein hierfür sieben Mllionen Mark ausgegeben. Durch seine Vermittlung wurden von ausländischen Organisationen und Einzelpersonen, die ihm ihre Mittel anvertrauten, weitere siebzig Millionen weitergeleitet. In berechtigtem Stolz wies Herr Dr. Kahn auf dieses gewaltige Hilsswerk hin, auf das sich jetzt das Hilfswerk der gesamten Judenheit aufbaut. „77 Mllionen Mark, ausgezahlt in kleinen Beträgen von zehn bis zu wenigen hundert Mark; man vergegenwärtige sich die Fülle von Arbeit und Verantwortung. Man vergegenwärtige sich aber vor allem die Fülle von Segen und Glück, die hierdurch geschaffen worden." Und er machte dann darauf ausmerksam, daß der Hilfsverein es war, der für jene Gebiete die erste amerikanische Hilfe, die bis heute das gewaltigste Hilfswerk ist, das die jüdische Geschichte aufzuweisen hat, anregte. III. Um die getrennten Verwandten, Eltern und Kinder, Ehegatten u. a. wieder miteinander in Verbindung zu bringen, wurde eine Brief« und Nachrichtenvermittlung eingerichtet. Bald war das Büro des Hilfsvereins d i e Zentralstelle, auch für Briefe an Nichtjuden. Die Botschaften und Konsulate fremder Staaten bedienten sich seiner, ebenso die deutschen Behörden, das Rote Kreuz des Inlands und Auslands usw. Um den Umfang der Arbeit zu erkennen, teilte Herr Dr. Kahn das Ergebnis einer Stichprobe mit: An einem Tage erhielt der Hilfsverein 2300 Brief«, darunter 900 eingefchriebene Sendungen. IV. Zu dieser „Kriegsarbeit" kam noch die regelmäßige Arbeit für das Schulwerk des Hilfsvereins. Bei Ausbruch des Krieges hatte er rund 50 Bildungsanstalten aller Art mit 6700 Schülern, davon 30 in Palästina und der asiatischen Türkei mit 3000 Schülern. Sofort bei Ausbruch der Krieges mußte sich der Hilfs verein vom Schulwerk in Galizien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland zurückziehen. In hoher Blüte dagegen stand während des ganzen Krieges bis zu der Eroberung Palästinas und bis zur Besetzung Konstaniinopels durch die Entente das Schulwerk im Orient. Selbstverständlich wuchsen die Ausgaben für diese Schulen beträchtlich. Sie erforderten allein feit Kriegs beginn 3 Mllionen Mark. Herr Dr. Kahn fuhr fort: „Jetzt haben wir uns auch von diesem Schulwerk trennen müssen. Wir hoffen, daß das Schulwerk in Palästina von anderer Seite gesichert werden kann. Infolge des gewaltigen Balutaunterschiedes ist dieses Schul werk heute mit Millionen Schulden belastet. Wir sind bemüht, eine Regelung zu finden, die der palästinischen und der gesamten Jrwenheit die Vorteile aus diesem Schulwerk gesichert und die jetzigen Belastungen für uns ausgleicht, damit wir unsere vollen Mittel in Zukunft frei haben für die Hilfsarbeit im Osten. Wir brauchen von unserem Schulwerk nicht Abschied zu nehmen, wie von einer Kulturtätigkeit, die, nachdem Deutsch land und der Hilfsverein aus dem Orient verdrängt sind, ver geblich gewesen ist. Die Generationen, die wir erzogen haben, werden dank unserer Erziehung weiterhin Tüchtiges leisten und wirtschaftlich und sozial im Leben vorwärts kommen." V. Dann ging Herr Tr. Kahn auf die gegenwärtige Lage der Ostjuden ein: „Für die Juden des Ostens ist es nicht Frieden geworden Sie haben mit Ausnahme vielleicht der Juden Litauens Schlimme res jetzt durchzumachen als im Kriege. Ihre wirtschaftliche Existenz ist zum allergrößten Teil vernichtet. Ihr Leben, ihre Ehre ist in ständiger Gefahr. Ich erinnere an die Pogrome und kurt Verfolgungen In Polen, ich erinnere an die furchtbaren Zustände und an die Dauerpogrome, die noch jetzt täglich und Mündlich in der Ukraine herrschen. Kein Wunder, wenn die Millionen dort im Osten sich in unbeschreiblicher Panik befinden. An fast tausend Orten wurden dort durch Pogrome heimgesucht. 150 000 Juden jeden Alters und jeden Geschlechts wurden mit unerhörter Grausamkeit gemordet oder verstümmelt. Darüber hinaus sind viele Tausende an Hunger und Elend zu Grunde gegangen. 125 000 hilflose Waisenkinder sind in diesen Gebieten vorhanden. Es ist bekannt, mit welcher Grausamkeit aus dem jetzt Litauen und Lettland genannten Gebieten und auch aus Polen die Juden im Laufe des Krieges von den Militärbehörden des Zarenreiches nach dem Innern Rußlands vertrieben worden iind. Oft mit einer Frist von wenigen Stunden hunderttausende von Menschen: Frauen, Kranke, Greise und Kinder, ohne Barmherzigkeit. Solcher Vertriebenen gab es wohl an dreiviertel Millionen. Was von diesen dreiviertel Millionen dem Tod und Verderben entronnen ist, sucht jetzt nach den Friedensverträgen Polens und der Randstaaten mit Sowjetruhland nach ihrer früheren Heimat zurück zu gelangen. Tausende wöchentlich treffen an den verschiedenen Grenzpunkten der Randstaaten ein und streben von dort ihrer Heimat zu: halbverhungert, halbnackt, jeglicher Mittel entblößt. Und was erwartet sie in ihrer Heimat? Zerstörte Häuser, zerstörte Wohnungen, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Mangel an Lebensmitteln und allen Lebensnotwendigkeiten. Roch unglücklicher als diese Heimkehrer sind die Heimücher, denen alles genommen ist, die vor dem Entsetzlichsten fliehen, nicht wissend wohin. An die 300 000 solcher Flüchtlinge dürfen wir zählen. Und nun kommt die gewaltige Schar derjenigen Flüchtlinge, die einigermaßen ein Ziel der Flucht haben, die Auswanderer. Ueber die wolhynischen und bessarabischen Grenzen ziehen ihre Scharen, um durch ein wahrhaftes Fegefeuer nach den Vereinigten Staaten oder einem anderen überseeischen Paradies zu kommen. Diesen Armen ein Obdach zu geben, Kleidung und Nahrung, Werkzeug zur Arbeit, den Kindern Möglichkeiten Schulen zu besuchen, den Waisen ein neues Heim, den Kranken medizinische Hilfe, den Alten und Schwachen und Siechen ein Asyl für ihren Lebensrest, das sind „Aufgaben, so riesenhaft, daß man fassungs los vor ihnen steht." Hierauf schilderte Herr Dr. Kahn eingehend, was der Hilssverein auf diesem Gebiete bereits unternommen hat. VI. Anschließend sprach Herr Dr. Paul Nathan über dic Rückwirkung der ostjüdischen Verhältnisse auf Deutschland Von einer Ueberschwemmung Deutschlands kann keine Rede sein. Die Zahl der e»ngewänderten Juden lasse sich nicht genau angeben, sie betrage jedoch keineswegs wehr als 80 000. Wie sind diese nun nach Deutschland hereingekommen? Bald nach der Besetzung Polens fand in Kowno auf Beran lassung Hindenburgs^ der damals noch Oberbefehlshaber der Ostarmee war, und seines Stabschefs, des General Ludendorff eine Konferenz statt, an der das Auswärtige Amt, Schiffs gesellschaften, jüdische Organisationen u. a. teilnahmen. Der Hilfsverein der deutschen Juden war dort durch Dr. James Simon, Dr. Kahn und den Redner vertreten. Den Teilnehmer; wurden zwei Fragen vorgelegt: 1. Wie kann man einen möglichst großen Teil der Be völkerung in die Ueberseeländer transportieren, um die besetzten Gebiete zu evakuieren? 2. Wie kann man sie nach Deutschland bringen, um hier an der Munitionserzeugung mitzuarbeiten? „Die Ostjuden, die unter einem gelinden Zwang — manchmal war er nicht zu gelind — nach Deutschland in die Munitionsfabriken gebracht wurden, jetzt rnjt einem Fußtritt in die östliche Hölle zurückstoßen — das widerspricht doch wahrlich jedem Begriff von Humanität. Niemals hat eine Regierung in Deutschland dies geplant. Nur die Antisemiten und — leider — auch Juden fordern es, nämlich jene „deutschnationalen" Juden, die sich um Herrn Dr. Naumann gruppieren." Der Hilfsverein der deutschen Juden hat sich stets aus einen deutschen und patriotischen Standpunkt gestellt. Aber das schließt doch die Humanität nicht aus. B. W. Teil den Anlaß zu diesem bei einer jüdischen Feier, in so großer Zahl selten erlebten Besuche gegeben haben mögen, so ist es dennoch erfreulich, daß in der hiesigen, als indifferent oder mindestens religiös-radikal verrufenen Gemeinde sich so viele Angehörige aller religiösen Richtungen zur Ehrung eines Meisters der Synagogen-Musik eingefunden hatten. — Die Feier wmde mit einem größeren Tonwerke Lewandowskis, einem Trio für Pianoforte, Violine und Violoncello, eröffnet. Die ausführenden Künstler waren die an der Spitze der Berliner Musikwell stehenden Dr. James Simon (Pianoforte), Professor Desiau (Bioine) und Erwel Stogmann (Violoncello). Daß die Künstler es verstanden, die Zuhörer in der fast eine Stunde währenden Aufführung in stummer Andacht von Anfang bis Ende zu fesseln, braucht Wohl nicht besonders erwähnt zu werden. — Hieraus bestieg Herr Rabbiner Dr. Hochfeld die Rednertribüne und hielt die Gedächtnisrede auf den Meister. Besonders eingehend schilderte der Redner die großen Verdienste Lewandowskis um die moderne Gestaltung des Gottesdienstes, der in Verbindung mit den gediegenen deutschen Predigten seiner Zeit und noch heute so viele bis dahin Laue und Indifferente für den Besuch der Synagoge und damit für das religiöse Leben wiedergewonuen habe. L. hat das musikalische Erbe der Bätrr mit seiner jüdischen Seele und seinem tiefteligiösen Gemüt erworben, um es zum Besitztum der Nachgeborenen aller religiösen Parteien zu machen. — Der dritte Teil der Gedächtnisfeier, unter Leitung des Oberkantors Davidsohn, hatte die Einführung in die gottesdienstlichen Melodien Lewandowskis zum Ziele. Eine sorgfältige Auswahl, die meist Melodien für die hohen Festtage umfaßte, ließ, durch die bekannte meisterhafte Vorführung Davidsohns, unterstützt von dem prächtigen Chor der Fasanenstraße, vergessen, daß man sich in einem Vortragssaale befand. Man glaubte sich vielmehr in ernster Stimmung im Tempel am Neujahrsfeste und Versöhnungstage. Ganz besonders gelungen war der Chorgesang: „Hajanum haras oulom". Einen erhebenden Kunstgenuß boten ferner Frau Bera Goldberg, Konewski in ihrem Sopransolo in „Mismcmr schir l'jaum haschabbos", sowie der Solovortrag von Fräulein Agnes Laibach nach einer nicht oft gehörten süddeutschen Melodie zu: „Joh schimcho". Der Organist, Herr Otto Levy, sowie der Chorleiter Herr Theodor Schönberger, trugen das Ihrige zum Gelingen der GÄächtnisfeier bei. Magdeburg. Bon der oberschlesischen Abstimuumgsfahrt. Im hiesigen mehrheitssozialisttschen Organ äußert sich der frühere Reichsjustizminister und jetzige deutsche Gesandte in Brüssel, Dr. Otto Landsberg, über die Eindrücke, die er auf seiner Abstmrmungsfahrt nach Oberfchbkfim empfing. Er sagt u. a.: Ms öem Reich. Berlin. Die amerikanischen jüdischen Organisationen teileil mit. daß durch gewissenlose Agenten Einwanderer, die nach den Bereinigten Staaten wollen, denen aber chwierigkeiten seitens der Paßbehörden gemacht werden, verleitet werden, statt auf die legale Beseitigung der chwierigkeiten zu warten, nach Mexiko zu fahren. Bon dort aus sollen diese Einwanderer versuchen, über die Landgrenze nach den Bereinigten Staaten zu gelangen. Die unglücklichen Emigranten, die von diesen Agenten zu solchen Schritten verleitet worden sind, werden dadurch in die unglücklichste Lage gebracht. Die Landgrenze von Mexiko nach den Bereinigten Staaten wird strengstens überwacht, sodaß keine Möglichkeit vorliegt, sich nach den Vereinigten Staaten einzuschleichen. Zahlreiche Personen, die dies versucht haben, sind in Dem amerikanischen Staate Texas interniert worden, haben nun schwere Bestrafung und Rücksendung zu erwarten. Andere sind nach Mexiko zurückgesandt worden und befinden sich dort in der schlimmsten Lage. Durch ihre Unbesonnenheit haben sie sich außerdem die Möglichkeit, nach Amerika zu kommen, für immer verscherzt. Es ist selbstverständlich, daß keine jüdffche Organisation eine ungesetzliche Eiirwanderung dieser oder anderer Art unterstützt. Die Emigranten müssen aber eindringlichst gewarnt werden, den Lockungen gewissenloser Agenten zu folgen, die es nur darauf abgesehen haben, aus der Unwisseicheit, der begreiflichen Ungeduld und dem Elend der unglücklichen Emigranten.Kapital zu schlagen und sich nicht darum kümmern, was schließlich aus denen wird, die sich in leichtsinniger Weife ihnen anvertraut haben. Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß jeder Versuch, in illegaler Weise mit nicht ordnungsmäßigen Pässen und Papieren die Vereinigten Staaten zu erreichen, die Emigranten nur in dauerndes Elend führen muß. Berlin. Gedenkfeier für Professor Louis Lewandowski. Eine würdige und stinunungsvolle Jahrhundertfeier für den bekannten Schöpfer des modernen Synagogen- Gottesdienstes, den Professor Lewandowski, veranstaltete der hiesige rührige Verein für jüdische Geschichte und Lite ratur am 3. April, dem hundertsten Geburtstag des Meisters. Der große Saal der Großloge in der Kleiststraße war dicht besetzt, es mußte noch der anstoßende Nebenraum für die mchr als tausend Zuhörer benutzt werden. Wenn auch die mitwirkenden ersten Künstler zum „Ein vorzügliche Organisation des Beförderungsdienstes hatte die Strapazen der Reise auf das Mindestmaß gebracht. Die Reisenden der Berliner Stadt- oder der Hochbahn könnten sich glücklich preisen, wenn in deren Abteilen in den Hauptverkehrsstunden kein größeres Gedränge herrschte wie in den Zügen, die die Oberschlesier aus ganz Deutschland in die Heimatprovinz führten. Und die Bevölkerung der Orte, an denen wir vorbeifuhren, wetteiferte in Kundgebungen, deren Herzlichkeit uns bewegte. Den Preis erkenne ich der Jugend des Dorfes Hela in dem als überwiegend polnisch geltenden Kreise Rybnik zu, die uns mit dem prachtvoll gesungenen Liede „Deutschland, Deutschland über alles" empfing. Unter * den Reisenden fällt der starke jüdische Einschlag auf. Für die echten Deutschnationalen ist es außer Zweifel, dast ein Jude nicht deutsch empfinden kann. Zn Scharen sind Vi« an» Oberschlesieu stammenden Znde« gekommen, am ihre Stimme für Deutschland abzugebe«. Keiner von ihnen verfolgt de» Zweck, durch feine A-sti»m««g bttde D»»- urteile zu widerlegen, sie lächeln mitleidig über die Hakenkreuze, mit denen manche besonder» taktvoll« Helf«r de» Heimatschntze» ihre Brust verziert habe«. Sie denken auch nicht daran, daß der Sieg der Polen in Oberschlesien eineH Verschiebung der Pogromyrenzen nach Westen bedeute« würde. Kein anderer Gedanke beseelt sie als der: die engere Heimat und Deutschland vor dem Untergang zu bewahren. Das Beispiel des ehemaligen Hospitanten der deutschkonservativen Reichstagsfraktion, Grafen Oppersdorf, der Oberschlesien den Polen zuschanzen will, lockt sie ebensowenig wie das des sächsischen deutschkonservativen Landtagsabgeord«- neten Barth, der die Wenden tschechoslowakisch machen wollte." Das also sind die „vaterland-losen" Juden! Frankfurt a. M. Vaterland und deutsche Juden. Im Bolksbildungsheim sprach in einer vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufenen Versammlung Dr. Jsmar Freund (Berlin) über die Be- - Deutung des deutschen Vaterlands für die deutschen Juden. Nach einem Hinweis auf den inneren Zusammerchang der Ehristenverfolgungen im alten Rom und der Judenverfolgungen vom Mittelalter bis in unsere Zeit ging der Rümer zunächst auf den Begriff des jüdischen Volkstums ein. Dieses sollte nach dem Auszug aus Aegypten ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk sein, es sollte in die anderen Völker die Lehre von dem einen Gott und dem ewig giiltigen Sittengesetz hineintragen. Hier gibt es feinen Unterschied zwischen Menschentum und Volkstum. DaS jüdische Sittengesetz „Liebe Deinen Nächsten und auch dm Fremden wie Dich selbst", mußte das Judentum aber auch auf foic Beziehungen der Völker untereinander übertragen. Während andere Nationen beim. Zusammenbruch ihrer Macht aus der Geschichte verschwanden, konnte das jüdische Volkstum auch nach dem Zusammenbruch des jüdischen Staates fortbestehen. Wohin der Jude kam, überall war er dankbar für die Aufnahme, die er fand, und er hat die Treue für sein Adoptivvaterland nie verleugnet. Für den deutschen Inden bedeutet das deutsche Staatsbürgertm» zunächst einen rechtlichen und einen politffchen Begriff. Darüber hinaus, so sagte der Redner, bedeutet aber Deutschland für uns das Land unserer Ahnen, in das wir bereits zur Zeit der römischen Kolonisation kamen. Aber auch aus tiefstem seelischen Bedürfnis heraus fühlen wir. uns als einen untrennbaren Teil des deutschen Volkes. Es ist für uns eine Kulturgemeinschast, an der wir als Gebende und Empfangende teil haben. Wir haben das Bewußtsein in uns, daß wir das religiöse Fundament in das christgläubige Deutschtum hinemgetragen haben. Schon

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