Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 18 (1.4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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mers dieser Tage, vergessen wir nicht eines deutschen Dichters Worte: „Deutschland ffyat ewigen Bestand, Es ist ein kerngesu-ndes Land. Mit seinen Eichen, seinen Linden, Wirst du es immer wieder finden." Mit Hochachtung Frau Wwe. H. V o r r e u t e r. Stu-entennot unü Antisemitismus. Bon «R>ochts«cmwM '»md No>tr»r Foerds-v«Bresilau. Fovdemng mit Stillschweigen abWtun, wenn sich m den Räumen der Universität Szenen wüster Judenhetze abspielen, ist weder mit deutscher noch sonst einer Kultur vereinbar. Die von der Faikultät genannten 'beiden Herren, die sich für das Werk der Studentenhilfe interessieren, können uns unmöglich maßgebend sein. Denn sie gehören nicht inehr dem Judentum an. Daß die Fakultät gerade sie als Kronzeugen aufruft, ist aber zu verstchen, wenn man bedenkt, daß sich diese Körperschaft selbst zum Teil aus Mitqliedem zusammensetzt, die, bevor sie in dieselbe eintraten, fahnenflüchtig am angestammten Glauben rvuvden. Für die Beschimpfung ihrer Mütter und Großmütter, die in der Nebeneinanderstellung von „farbigen und jüdischen Weibern liegt, bringen sie freilich kein Verständnis auf. Die in der letzten Nummer dieses Blattes veröffent- Hoffentlich zieht mit der bevorstehenden Verjüngung der lichte Antwort der hiesigen Rechtsfakultät auf die Eingabe Fakultät auch ein neuer und 'besserer Geist in sie ein. von mehr als 100 jüdischen Juristen bedarf noch eines s-»— Kommentars: Der Bescheid meint, daß die Annahme, die Fakultät habe sich mit der Studentenhilfe befaßt, auf einem Irrtum beruhe und damit die Eingabe hinfällig sei. Das ist ein Uebevsehen dessen, worauf es ankommt. Atan sollte das von Juristen eigentlich nicht annehmen. Oder sollte es ein absichtliches Ausweichen sein? Zunächst sei festgestellt, daß die „Fakultät" vor etwa lVa Monaten an zahlreiche Juristen Einladungen &u einem großen Fest im Lunapavk urtö einen Ball in Knetern (Eintrittsgeld 8 Mark) übersandte, was allgemein als wohltätige Veranstaltung zugunsten der Studentenhilfe aufgefaßt wurde. Auch gibt ja die Fakultät selbst zu, Ms öem Reich. Berlin. Wie die „Voss. Ztg." meldet, ist das alte jüdische Synhedrion in Palästina erneuert worden. Auf Veranlassung des Oberkommissars Sir Herbert Samuel trat eine religiöse Konferenz der Juden Palästinas zusammen, an ii>n 71 Rabbiner und 35 Laien teilnahmen. Die Konferenz wählte ein aus 2 Rabbinern (dem askenasischen Oberrabbiner Kuk und dem sephardjschen Oberrabbiner Jacob Meir) zusammengesetztes Oberrabbinat, datz sie Ls, Werk der StudenLnhüft lobhaft -1,« gg* at M) wohl cm Interesse daran hat, daß möglichst zahlreiche bEt (Oberstes Beth Din). Wk die „Times" schreiben. wird in Palästina die Eröffnung dieses Kongresses als das größte religiöse Ereignis feit der Zerstörung des Synhedrioiis bezeichnet. Gaben gespeicket werden. Indes ist dies alles recht gültig, zumal in der Eingabe ausdrücklich auch von Unterstützungsgesuchen d n r ch V e r m i t 1 e l u ii g Dritte r die Rede war. Der springende Pliiikt war, nrnt es den Herren Professoren nochmals in aller Deutlichkeit vor Augen zii führen: Die Jugend, die Eurer Ausbildung anvertrant ist, gibt sich großenteils einer Bewegung hin, die in ihren rohen Formen eines akademischen Bürgers unwürdig ist, das Ansehen Deutschlands untergräbt und insbesondere des Rechtsgodankens spottet. Diese Elemente wollen jetzt von denselben Menschen unterstützt werden, die sie als minderwertig hrnstellen, deren Entrechtung sie fordern, deren Frauen sie beschimpfen. Die Universitätslehrer haben es bis jetzt als ihre schönste Pflicht betrachtet, die ihneti anvertraute Jugend in idealem Geiste zu erziehen und zu Menschen zu machen, die fähig sind, später als geistige Führer des Volkes M wirken und das Wohl des Vaterlandes zu fördern. Will die Dozentenschaft dieser Pflicht Nachkommen, dann trete sie gegen den verabscheuungswürdigen und volksvergiftenden Judenhaß in geeigneter Form auf. Will sie es nicht, dann sage sie es offen. Statt der von!den Unterzeichnern gewünschten klaren Stellungnahme ergeht ein 'gewundenes Antwortschreiben, das 'den Einwand der Unzuständigkeit oder auch «der mangelnden Passivlegitimation erhebt. Als ob derartige Einwendungen in einer Sache erheblich seien, in der es gilt, für die Wahrung von Menschenrechten und Frauenehre einzutreten. Die Herren Professoren werden es sich gefallen lassen müssen, ihr Verhalten nach dem Satze „Qui taoet, consentit" beurteilt zu sehen. Hoffentlich ziehen unsere Glaubensgenossen hieraus die nötigen Konsequenzen. Wenn die deutsche Kultur, um deren Untergang die hiesige juristische Fakultät angeblich 'besorgt ist, nur durch Würdelosigkeit gerettet werden kann — eine solche fordert man von _ uns durch Bewilligung von Unterstützungen an deutschvölkische Radauantisemiten —, dann ist sie reif für den Untergang, denr noch so reichliche Gaben nicht entgegenwirken können. „Reine Menschenliebe" zu betonen, wo es gilt, jüdische Taschen zu öffnen, dagegen die gleiche Berlin. Der bekannte Völkerrechtler Dr. Wehberg, der in den Kreisen der alten Herren der deutschen Burschenschaft in führender Stellung den Kampf gegen die antisemitischen „Eisenacher Beschlüsse" geleitet hat, isl von seiner Bonner Burschenschaft „Marchia" unter Ab erkenmmg des Bandes ausgeschlossen worden. Halle. Kaum machen sich im mitteldeutschen Aufruhrgebiet die Anfänge einer Entspannung bemerkbar, da hält auch schon die deutschnationale antisemitische „Hallesche Zeitung" die Zeit für gekommen, um ihrerseits das Feuer zu schüren und die von kommunistischen Führern betriebene Hetze für ihre antisemitischen Parteizwecke umzuleiten. In Eisleben, in Mansfeld, in Hettstedt und an anderen Orten ist Bürgerblut geflossen. Privathäuser und öffentliche Anstalten und Gebäude sind schwer beschädigt oder in Trümmer gelegt worden. In den Betriebseinrichtungen ist unermeßlicher Schaden angerichtet. Alles das, die Folge des kommunistischen Wahns, muß jetzt herhallen, um den Antisemitismus wieder zu entfachen und als Hetzmittel unter die Massen zu werfen. So greift die „Hallesche Zeitung" das von der Vereinigten kommunistischen Partei herausgegebene Kampfflugblatt aus, zitiert daraus den Satz, in dem die Arbeiter zur Bildung einer einheitlichen Kampffront aufgefordert werden und fügt dann wörtlich hinzu: „Kampffront der Arbeiter? Es muß doch wohl heißen: Kampffront aller Juden! Denn für deren Interessen ist die Aufruhrbewegung doch hervocgerufen worden." Also auch dieser betrübende Akt gegenseitiger Zerfleischung deutscher Volksgenossen muß der deutschnationalen Presse zur Propagierung ihrer antisemitischen Hetzarbeit dienen! Auf der einen Seit» kommunistischer Wcchn und Zerstörungswut. Auf der anderen Seite antisemitische Gemeinheit und Verhetzung. Ms -er Provinz. völkische „Iu-rrr-erziehung". Suhrau i. Schl. Wie stark der Antisemitismus gerade jugendliche Herzen zu vergiften geeignet ist, ieweist ein Vorfall, der hier vor kurzem weitere Kreise erregte und auch in der Tagespresse lebhaft erörtert wurde. Ein Student namens Knobel, der bei einer hiesigen Amtsgerichtsratswitwe als Hauslehrer tätig war, gründete eine vollkommen im völkischen Fahrwasser segelnde Jugendorganisation, „Jungsturm" genannt. Als sichtbares Kennzeichen des zu pflegenden Geistes trug Hauptsturmwart Knobel vor der ihm zugelaufenen Jugend das Hakenkreuz, und verteilte an eine „Jungstürmer", Kinder im Alter von 10—14 Jahren )ie bekannten antisemitischen kleinen Zettel. Was aber allem die Krone aufsetzte und schließlich zur Beseitigung des zur Jugenderziehung „hervorragend geeigneten" Sturmwarts führte, war folgender Vorfall: Mn Sonntag, den 6. März, unternahm der Jungsturm unter Führung Knobels und Klaus Gütz, dem jüngsten Sohne des Guhrauer Bürgermeisters, eine Wanderung. Beim Anblick eines Friedhofes ftagte Knobel die Kinderschar, was für ein Friedhof das sei. Auf die Antwort: „Der Judenkirchhof!" kam der Befehl: „Halt! Dreimal ausspucken!" Und — man sollte es nicht für möglich halten — es geschah! Die Feder sträubt sich eine derartige Gemeinheit und Gefühlsroheit niederzuschreiben. Die unglücklichen Opfer dieser Verführung bezeugten mit Tränen in den Augen, daß sie das ihnen anbefohlene Verhalten selbst als etwas Unerhörtes empfunden haben. Diese Angelegenheit hat nunmehr auf Grund der Erörterung in den „Guhrauer Neuesten Nachrichten" zu einer Untersuchung durch die Schulaufsichtsbehörde geführt. Ferner wurde in der Guhrauer Mittelschule durch den Rektor Schwabe sämtlichen Schülern die Teilnahme am Jungsturm und ° das Tragen der Abzeichen verboten. Des weiteren wurden noch interessante Feststellungen gemacht, die llar und deutlich beweisen, daß die Jungstürmer in schamloser Weise zu parteipolitischen Zwecken mißbraucht wurden. Herr Knobel, der mit Unterstützung des deutschnationalen „Guhrauer Anzeigers" dem skandalösen Vorfall, eine wie festgestellt, unzutreffende Darstellung zu geben versucht, muß den Guhrauer Staub von den Füßen schütteln; die Staatsanwaltschaft wird sich mit ihm noch persönlich beschäftigen und er wird dann Gelegenheit haben, über seine Heldentat — hoffentlich recht lange — Nachdenken zu können. Lokales. Repräsentanten -Versammlung. Die Tagesordüang der letzten Repräs entanteriversammlung, welche wegen der Abstimmung in Ooerscylegen vis zum 30. Aärrz d. I. hatte htnausgeschoben werden müssen, wies 28 Vorlagen und ritten Dringlichleilsantrag aus, die sämtlich in dreistündiger Sitzung ihre Erledigung fanden. Einleitend fand der Vorsteher der Versammlung herzliche Gedenkworte für den kürzlich verstorbenen Gerne lNderabvineri Dr. Rosenthal, dessen Andenken in der üblichen Wege geehrt wurde. Die Zuwendungen für Grabp^ege wurden dem Anträge des Vorstandes gemäß angenommen, ebenso Erhöhungen der Jayresbethil,en für den Bezirtsoeröano, die Synagoge zum Tempel, die Zen.rulwohlsahs.s.telle und das Kuvhofpital Kolberg. Das Honorar für d^e Aufsicht in der Mazzoty-Bäcker»i und der Ausgabetitel für Mazzoch-Beihilsen wurden antragsgemäß erhöht. Alsdann beschäftigten die Versammlung Beamtenvorlagen, deren Behandlung em.n großen Kreis von Gemeindebeamten als Zuhörer herbelgeloctt hatte. Herr Eug'en Freund berichtete über di» Kommtssionsberatungen z«r Ablösung der Kasualien für Amtshandlungen der Gemeindekantoren bei Trauungen. Die, Ablösung wurde im Prinzip beschlossen, und die dabei zu berücksichtigenden Gesichtspunkte nebst der Neuordnung der Geist, 18 dieser liturgischen Psalmen sind gedruckt und dem kunnsinntgen König Ludwig 11. von Bauern geMrv.i'.ct. Seine sonstigen Arrangements über alte hebräische Melodien für Choc, Gesang um» Orgel sind meisterliche Gründungen und zeichnen sich durch tiefe religiöse Empsindang und größte Einfachheit aus. Besonders hervorzuheben ist sein opus 34, eine Schapsodie yebraique sür Klavier, die er Amon Rubsnslein, dem bedeutenden russischen Pianisten and Komponisten gewidmet hat; die Chanutka-Hymne, das Kol Nldre UM das Saaleh Gebet hat er da zu Variationen verarbeitet. Vpn seinen weltlichen Kompositionen wären noch eine Anzahl deutscher einstimmiger Lieder zu erwähnen, namentlich der weihevolle Hymnus „Dem Gott der Freude»", dann „Augenblicke der Weihe", die, kleine Stücke für Harmonium enthalten. „Das weiß nur ich", „T r o st", „Deutsche Schulliede r", zwei Trinklieder für Bariton. Den Trauungsgesang „Hi A d d i r" hat er für eine Singstimme mit Orchester komponiert, ebenso Pas Kol Nidre, dann ein Festlied zur Schiller-Säkular-Feier uM vieles andere. Einen bedeutenden Ruf verschaffte sich Lewandowski auch als Lehrer, viele seiner Schüler, die heute noch in großen Gemeinden amtieren, verdanken ihm seine Ausbildung und rühmen seinen vortrefflichen Unterricht. In den jüdischen Knaben- und Mädchenschulen eriestte er Gesangsunterricht und komponierte sür den Unterricht ein: große Anzahl deutscher Schullieder, die auf einen volkstümlichen. Ton leicht musikalisch eingestellt sind. Durch seine vielseitige, Tätigkeit saM er viel Anerkennung in allen Kunsttreisen. An seinem Lebensabend, kurz vor se nem 70. Geburtstag, feierte er noch das 50fährige goldene Amtsjubiläum am 27. Dezember 1890. Hatte er schon 1865 bet seinem 25jät)ttgcn Jubiläum den Titel eines königlich Preutzffchen Musikdirektors erhalten, so ehrte ihn jetzt der Senat mit der Ernennung zum Professor der Musik. Der Gottesdienst gestaltet« sich für den Jubilar zu einem großin Festakt ussd Professor Maybaum ehrte ihn ganz besonders in einer langen Rede, indem er seine unvergänglichen Verdienste um den synagogalen Gesang im Geiste der Zeit rühmte. Den Schluß der Feier bildete ein Konzert mit Lewandowskis weltlichen Kompositionen. Selbst ein Meister, wie Joachim, hatte es sich nicht nehmen lassen, mit seinen Quartettgenossen ein Streichquartett vom Jubilar zu spielen; außerdem brachte der Geigettönig im Verein mit Gernsheim als Pianist und Hausmann als Cellist ein Klaviertrto zu Gehör. Ter 84. Psalm von LewaMowski vertont fvurde vom Philharmonischen Chor, den Professor Siegfried Oehs selbst dirigierte, gesungen; ebenso der 134. Psalm vom Chor mit Orgelbegleitung. Seine Bedeutung als Komponist können mir am besten daraus ersehen, das; die ersten Künstler, die nicht nur in Berlin anerkannt wurden, sondern einen Weltruf besaßen, seine Werke aufsührten. Leider konnte er sich nur noch wenige Jahre an seinem Künstlerruhm erfreuen, denn am 3. Februar 1894 starb er, nachdem er sich kurz nach seinem Jubiläum von der Ausübung seines Berufes zurückgezogen hatte. Lewandowski war auch der Hauptbegründer des Instituts sür alte und neue Musik, eine Einrichtung, welche unter feiler Leitung sehr gefördert wurde. In jüngster Zeit haben fth Männer, wie Jdelsohn, der kürzlich verstorbene Ed. Birnbaum in Königsberg, namentlich aber Arno Nadel, der mit seinen Vorträgen über synagogale Musik in Berlin so viel Erfolg hatte, für die Erfoftchung des jüdischen Tempelgesanges große Verdienste erworben. Nannte Stern. 3ettka Zinkensteia. Am 3. April 1921 darf die treffliche Gesangspädagogtn auf eine 40jährige erfolggekrönte künstlerische Wirksamkeit zurückblickrn. Leider ist sie seit 1906 nicht mehr ögentlich ausgetreten; seither gehörte ihre ganze Zeit und Kraft nur der Ausübung ihres gesangspädagogischen Berufs. Von besonderem Interesse ist einiges aus ihrem Lebensand Werdegang: Nach den ersten Kindheits-aheen in Kempen war es für ihre geistige und musikalische Entwicklung von größter Bedeutung, daß sie nach der Uebersiedlung ihrer Eltern nach Posen in einer Atmosphäre von Musik und Sangeskunst heranwuchs. Nach langem Widerstteben willigten die Eltern ein, sie zur Klavierspielerin ausbildc« zu lassen. Nach einigen Jahren Unterrichts in Posen wurde sie auf GruM des Vortrags eines Mendelssohn'schen Liedes in die königliche Hochschule für Musik in Berlin ausgenommen und sür die Ausbidung zur Sängerin auserkoren. Unter der sorgsamen Pflege von Frau Professor Schultzen von Asten und Professor Gustav Engel und unter der besonderen Anteilnahme von Professor Joachim entfaltete sich die schöne Mchzosopranstimme der jungen Kunstnovize. Nachdem sie bei einer Schüleraufführung im Kgl. Schauspielyause zu Berlin Ende Juni 1880 die Ortrud gesungen hatte, betrat sie am 3. April 1881 am DaLmstädeer Ho.tyeurer als Fides in Meyerbeecs „Prophet" als Gast zum eisten Mal die Bühne; am nächsten Abend sang sie die OrtrM und vildete sodann 9 Jahre lang den gefeierten Liebling aller Kreise der hessischen Residenz. Sie erhielt dort den Ti.el einer großherzoglich hessischen Kammersängerin und sang unter aMerem auch vvr der Königin Victoria von England-. 1890 errang fie in London im Bücking.,am-Palace mit der Segensatte der Fides einen glänzeMen Erfolg, der ihr eine Einladung in den Kreis der königlichen Familie eintrug. Nach einem längeren Aufenthalt in Paris wurde Berlin für einige Jahre die Heimat der Künstlerin. Sie entfaltete hier eine rege Tätigkeit als Bühnen-, Oratorien- und Liedersängerin. Gastspiele und Konzertreisen führten sie durch die deutschen Großstädte, nach Dänematt und Holland und trugen ihr reiche Lorbeeren ei«; auch in ihrer Heimat Posen t.at sie wiederholt in ihren Glanzrollen auf. Ueberall bewunderte man ihre Vielseitigkeit; beherrscht« sie doch nicht nur die gesamte deutsche Gesangsliteratur, sondern sang gleichermaßen vollendet altitalienische Arien, französische Chansons, englische Balladen und polnische Volkslieder. Ihr erstes Auftreten in Breslau in einem Konzerte des Orchestevvereins bedeutete einen entscheideMen Wende- Ät im Leben der Künstlettn. Eine Reihe von Jahren ten Jettka Finkensteins Liederabende musikalische Ereignisse sür Breslau uM Provinz. Hier knüpfte sie auch im Juni 1833 den Lebensbund mit dem feinsinnigen Pianisten Kapellmeister B«nno Pulvermacher; seither blieb Breslau dauerM die Heimat des Künstlerpaares In ihrem Lebensgefährten fand Jettka Finkenstein einen gleichgesinnten uM gleichstrebenden verständnisvollen Begleiter. Aus der Gesangsschule, die die Gatten gemeinsam seit einer Reihe von Jahren leiten, sind zahlreiche junge Talente hervorgegangen. In ihrem harmonischen stimmungsvollen Künsileryeim, in der Geborgenheit höchsten ehelichen Glückes, von ihrem großen Freundes- und Schülettrets mit Liebe und Verehrung umgeben, waltet Jettka Finkenstein als tüchtige und liebenswürdige Hausfrau. Zu den Bevorzugten im Leben wie in der Kunst gehöreM, atmet ihr Wesen reinste Belriedigung, auf die allerdings durch das Schicksal ihrer Heimat Posen, der sie die treueste Anhänglichkeit bewahrt, trübe Schatten fallen. BreSkm. R. N.