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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-04-01 · 18 (1.4.1921) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
18 (1.4.1921)
Date
1921-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Gebührensätze in ausführlicher Besprechung erledigt. DerGemeindevorstand halte beantragt, die Steuerfreiheit der Gemeindedeamtcn aufzuheben. Die Versammlung vertagte d eie Vorlage, bis das Wahlrecht der (tzemeiudcbeaimen geregelt wckrc. Das größte Interesse vereinigte sich aus die vorn uh'vstände vorgelegte Neufestsetzung der Beanuengehällcr. Zu dieser Vorlage betonte Herr Eugen Freund einleitend, daß diese 'wohl nicht geeignet sei, alle berechtigten Änipruche der Beamten zu vesriedigen. Er tvünschte, daß der Vorstand baldmöglichst einen Gchaltsplan vorlege; somit könne es sich nur um eine vorläufige Regelung bandeln. Trotzdem empfiehlt der Berichierstatter die Vorlage zur Annahme, damit den Beamten die Einlomntensverdesserungen der Vorlage sofort zugute kämen. Die Ausführungen des Berichterstatters unterstrich der Vlorsteher der Versammlung, indem er darauf hiirwies, daß der Gemeinde bei der Besoldung ihrer Beanlten die Hände gebunden seien, daß sie aus die Verhältniss» Rücksicht nehmen müsse und daß die Vorlage aus der Not geboren sei. Alsdann wurde die Vorlage angenonrmen, ebenso die über die Bezüge der Angestellten der Gemeinde und der RuhegehaltSempsanger, welche nur Abrundungen auifwiesen. Die Aufwendungen zur Ausführung dieser Vorlage belaufen sich aus über 100 000 Alark. Der Mietspreiserhöhung für Säle der Zweiggotresdienste, der »Einrichtung eines weiteren ZweiggottesDienstes nach altem Ritus im großen Lessingsaale, der Abänderung der Beevdlgungsgebührenordnung, der Aushebung des Tarifs für weitere Grabstätten in Grüften ivurve mit geringen Abändenmgen nach den. Vorlagen zugestimml. Alsdann beschloß die Versammlung den Beitritt der Genleinde zur Gesamtorganisation der deutschen Juden. Dem Indischen Ärbeiterfürsorgeamt wurde zur Förderung seiner Bestrebungen ein einmaliger Beitrag von 1000 Mark bewilligt und der Beitrag zur Speisung Mischer Flüchtlinge aus dem Osten wurde ebenfalls auf 1000 Mark festgesetzt. An die öffentliche Sitzung schioß sich eine geheime, die weitere 7 Vorlagen auszuarbciten hatte. In ihr wurden Vertreterhonorare festgesetzt und Dienst- resp. Mietsverträge genehmigt. Schließlich erteilte man dem Vorstände die Ermächtigung, weitere Ausgaben für .1 Monate zu leisten. Am Sonntag, den 27. März, fand in der neuen Synagoge Mädchen konftr mation statt. Tie schöne eindnÄSvolle Feier nahm einen erhebenden Verlaus: das Gotteshaus war bis aus den letzten Platz besetzt. Nach einem einleitenden Orgelspiel ergriff Rabbiner Tr. S ä n - g e r das Wort zu einer zu Herzen gehenden Predigt, in der er insbesondere die K Konfirmandinnen aus ihre Pfticbten gegenüber unserer jüdischen Glaubensgemeinschaft hinwtes. Danach legten die Mädchen ihr Glaubensbekenntnis ad und erhielten aus der Hand des Herrn Tr. Sänger je ein Gebetbuch. Zum Abschluß der Feier wurde gesungen: Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre. Max-Heinzel-Abend. (J ch l ä s ch e r O b e n d.) Zugunsten einer Heinzelspende veranstalt»te' die Breslauer Rezitatorin Thekla Eisner einen schlesischen Abenld. \Vnx es vorweg zu nehmen, der Abend hatte fast den Anstrich einer Familienplaudcrei, so gemütlich war er. Mit Rücksicht auf den guten Zweck hätte man einen besseren Besuch gern gesehen;! aber diejenigen, die erschienen waren, waren auch mit Leib und Seele bei der Sache, so ' sehr, daß eine junge Dame neben mir vor Begeisterung >ogar leise die Texte nlitsprach. Die übliche RüchickitSlosigidt des Publikums, durch Zuspätkonmien dauernd zu stören, fehlte leider auch hier nicht. Das Programm, das Lidoer von Paul Mittmann und Franz Wagner, sowie außer Tictzltlngen von Mar Heinzel auch solche von Philo vvhl Walde und Herrn. Bauch auswies, war geschmackvoll zusammengestellt. Frau Thekla Eisner glühten. dir Dialektdich- ,ungen besser, als das Dramatisch-Hochdeutsche. Ihr sonst ,ervoiragender Vortrag trankt nur an einem, Tedoch bedenklichem TMicl: die Künstlerin setzt so oft sinnenistellenlde Zäsuren, das; man fast den Zusammenhang verliert. Uiu> doch kann man dieser humorvollen, feinsinnigen Künstlerin diesen so schweren Fehler nicht allzu übel nehmen. Sie riß .bell doch mit fort. Fräulein Margarete Hofsm a n n hatte zuerst arg unter Lampensieber zu leiden; im zweiten Teile des Programms bewies sie aber Musikalität und gutes Material. Ihre Schulung ist noch, besonders in den unteren Lagen, sehr der Feile bedürftig, aber mit Fleiß, lann sie etwas erreichen. Ihre Stimme ist angenehm und weich, der einfache VolkSliedcrton liegt ihr gut, während ihr Lieder, wie Miltmanns „Tanzteusel" noch zu schwer sind. Herr H a n S H i e l s ch c x gefällt mir nur in LiedeM leichter Art. Für MittmannS „Hcemtelievel" spricht sein Orgcut zu schwer an. Famos war er dagegen in Mitt- 'nanns „Gellock", „Immer fidel" und dem „Lied totem Kratschem". Am Klavier begleitete diskret mit) feinfühlig Frl. Lotte H a n s e n. W. Tck. Konzerte. Die Schöpfung. H a y d n s Sinfonien und Kammenttufik würden genügt haben, mit feinen Ranien unstetblich zu machen Die Schöpfung' Haydn's Vteisterwerk — sichert ihm für ewige Zeiten den Platz an der Sonne. Wie seist gerade die Schöpfung Gemeingut aller Kreise ist, erhellt daraus, daß, obwohl sie alljährlich ausgeführt wird, der Andrang zu der Aufführung in jedem Jahre steigt. Professor Tohrn hatte am letzten Donnerstag seinen guten Tag. Das Orchester blühte — bis auf einige Kickser der Homer und einige Ungenauigkeiten der Holzbläser — ganz prächtig. Der Chor war vorzüglich abgestimmt und sang — - rein! Einige gute Sopranistinnen könnte er allerdings auch noch vertragen. Das Solistenterzett war ungleich. Während Frau Hirt und Herr A b e n o r o 1 h, der mit vollem Erfolge bemüht ist, die üblichen Mätzchen des Bühnensängers auf dem Konzeripodimn zu unterdrücken, einen echten Haydn boten und künstlerisch völlig einwandfrei waren, genügte der Münchener .Herr D e p s e r nicht. Seinem an und für sich sehr klangschönen lyrischen Tenor fehlt die Ruhe des Tones. Die Stimme flackert und die Ansätze sind nicht frei. Auch bedarf seine Aussprache einer gründlichen Neuorientierung. Es ist nicht angängig, daß andauernd „f" und „ff" miteinander verwechselt, und daß der Konsonant eines Wortes mtt dem Vokale eines neuen Wortes verbunden wird. — Herr Czerny begleitete die Rezitative allzu tadellos und zu dezent. E. W — ti Vereine und Versammlungen. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Am 22. Mär; sprach Gemeinderabbiner Dr. Kobe r- Köln über das Thema „Der Rhein in der jüdischen Geschichte". Schon im Jahre 321 n. Chr. wird die ansehnliche jüdische Gemeinde Köln in einem Edikt Kaiser Konstantins genannt. Auch andere rheinische Städte, wie Worms, Main;, Trier und Speyer zählten bereits im 3. Jahrhundert Juden zu ihren Bürgem. Während zur Zeit der Välkerwaitderuitg und weiterhin bis ins 9. Jahrhundert das jüdische Leben am Rhein mehr und mehr in den Hintergrund trat, machte sich um die Mitte des- 10. Jahrhunderts, ansgemuntert durch den aus dem Osten «»stauchenden messianischen Gedanken, eine Richtung bemerkbar, deren Anhänger, im Glauben, den Messias selbst sehen zu können, nach dem gelobten Lande tpallfabren wollten. Mehr als ein Jahrhundert verging indes, bis die ersten Scharen der rheinischen Juden sich zur Wallfahrt trach Palästina rüsteten. Das Leben ' der Juden vor den Kreuzzügen war unangefochten, und Bischof Rüdiger Huozmann von Speyer glaubte das Ansehen der Stadt nicht besser beben zu können, als dadurch, daß er den Juden darin Wohnplätze und Privilegien einäumte. Auch Kaiser Heinrich IV. war den Juden wohlgesinnt und bestätigte die Privilegien. Mit dem Beginn der Kreuzzüge jedoch brach eine schwere Zeit für die Juden am Rhein an. Die Jahre 1318—1350 brachten die grausamsten Verfolgungen tmd einige Jahrzehnte darauf wurden die Juden aus den großen Rheinstädten in die kleinen vertrieben, wo sich auch ihre fernere Geschichte kb spiclte. Nach fast 400 Jahren brachte die französische Revolution den Juden die staatsbürgerliche Freiheit, aber tt-och der größte Teil des 19. Jahrhunderts war ausgesüllt mit Kämpfen um die Gleichberechtigung. Zum Abschluß seines mit großem Beifall ansgeuommenen Vortrages gab Dr. Koder noch eine interessante Schilderung einer jüdischen Hochzeit am Rhein im 15. Jahrhundert. Hff. 1»*I Kalender 5681 Wochentag Mo April 30 T. not Adar II 29 T. Sabbath- AuSgang Wochenabschnitt Prophetenabschnitt Freitag 1. Sabbath 2. : 22. 23. Breslau -r'yV 3. Bnob Mose cap. 9»—11« Joch. XXXVI, 15—38. r \ Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung deS Berfaflers zum Ausdruck bringen, übernimmt die Schristleitung nur die preßgesetzliche Verantwortung. Gottesdienst ln den ‘ ‘ 'Synagogen: VttSjug. NntSynig. Freitag SbcL An den Woch.- tagen 1./4. Beginn abends 6.30 ü. 2./1. morgs. 8.45 ü. NnniiiMt n 10.00 ü. „ Bredigt » 10.15 ü. n Jqud|«tt(siiutl nachm. — Schluß abends 7.05 ü. 3./4. bis Beginn morgs. 6.45 ü. a/4. N abends 6.30 D. 6.30 ü. 9.30 ü. 9.45 U. 10.00V. 7.05 U. 7.00 U. 6.30 U. Konfirmationen Alte Synagoge, Sonnabend, den 2. April: G&nthcr GeBler, Vater Max G., AtsenstraBe 14. Heinz Roland Frlnkel, Vater Leopold F,, Lessingstraße 12. Walter Nathan Lewy, Vater Zahnarzt Georg L., Garten« strafte 5t. Dringender Hilferuf! Die ernste Lage in der sich unser Verband befindet, zwingt uns mit einem Hilferuf an die Oeffentiichkeit zu treten. Die zunehmende Arbeitslosigkeit in Deutschland einerseits und der Friedensabschluß zwischen Polen und Rußland andererseits verursachen eine große Rückwanderung der nach Deutschland gefluchteten Ostjuden. Tie Durchreise durch Oberschlesien, das .Hauptgrenzgebiet zwischen Deutschland und Polen ist zurzeit gesperrt. Der einzige.Durchgangspunkt ist also Breslau. Zahlreiche Rückwanderer, die bar jeder Mittel sind, müssen täglich von uns unterstützt und weiterbesördert werden. Nun steht auch das Pessachfest bevor. Am vergangenen Pessach hatte unser Verband einen großen Pessachtisch für über 200 Flüchtlinge eingerichtet. In diesem Jahre wird diese Zahl wesentlich größer. Ungeheure Summen sind für all das erforderlich. Die uns zur Verfügung stehenden Mittel reichen bei weitem nicht an die großen 'Ausgaben heran. Wir wenden uns deshalb an alle Juden, denen die große Not der geflüchteten und heimkehrenoen Ostjuden am Kerzen liegt, mit der dringenden Bitte, uns durch reichliche Spenden unterstützen zu wollen. Der Verband der Ostjuden. Geldsendungen erbeten an Simon Rothkops, Kassenwart des Verbandes der Ostjuden, Breslau, Postscheckkonto 36523. Wir reparieren... '***«** -2°.^-° -Ohren* aml Goidwaren Wir lißfßHl reeI*u* Pre'swert da<* Beste der -ItaiM MUnn- Industrie Arnhold Rosenthal Neue Schweidnltzer Strafte 5. HDdS -W2 P Süßer Palästinawein Gez. Ober-Ungar] Rheinu. Rotwein Feinster Sliwowitz TJßt 'nUcfaiffatfU Prompter Versand nach auswärts. * OM für o Damen Narren Kinder in den neuesten Formen Freund & Krebs Strohhutfabrlk Karlstr.30, neb. d. Hofkirche StrohhUte jeder Art und Herren - FllshUte A werden untgeformt hob bc sa laetsdiai- Mutin en groS en detail gebrannt unter Aussicht Sr. Ghrw. Herrn Bezirksrabbiner Dr. LÖwensteln empfehlen Rothschild & Söhne Lampfbrennerei Mosbach» Baden. Kabarett Schweidnitz. Stadtgraben. Gastspiel Fritz Grünbaum Operetteneutor von Dollarprinzeesin, Miss Dudelsack, Czlkosbaronefi u. a. Mazzothverteilung. Behufs bmvfanqnahme der Mazzothscheinr werden uuseie Gemeindemitglbder ersucht, sick »ulerVorlegung dereatlprechenden Brotmarken für die Wochen vom 18.4.—1. 5., der von uns s. Zt. ausgestellten Bescheinigung, sowie des Vebeasmittelbezugicheiaes in llllskttw RSro DMr. 9 m onmitliios 10*1 M einjufinbfn und zwar diejenigen, deren Namen beginnt: inh A und B Montag 4. tipril „ C 1) E Dienstaa 5. „ „ F und G Mittwoch 0. .. „ II und.1 Donnerstag 7. „ K Freitag 8. „ ,, h Montag 11. .. ,. Al N und 0 Dienstag 12. .. P und R Mittwoch l.‘i. .. S Sch St DonnerStaa 14. .. .. T U V W u. Z Freitag 15. „ .'ln Brotmarken sind abzuliesnn: laut Founular A für leben Kopsteil VI-, Pjund ’* t n n H 2 fic Klnder unter 6 Jahren „3 „ r Wir biten dringend, obige Termine ianezuhalten "WE Der Vorstand der Synagogm-Gemeinde. Otto Mootz & Co. Inhaber Albert Schneider Breslau, Bludierplatz 17/18 Werkstätten für feinste Herren- und Damen - Bekleidung Lager erstklassiger Qualitäten Sportbekleidung Breeches:: Reitkleider ÖPifauer Sfr. 60 ‘üogdf HtMlininilMHHlllKMlMIIMIIIIM Auwesier'Am.k'S. (Sduard “üogdt.) Sefimucfe -9 ^lifiren Scfmeffsfe Jlusfufirung affer lOiedersterrlekkungr. und eHeuar&eifen -Mäszige Greife Hewissenstasle Bedienung ©afefgeräfe o 'Kunstgewerbe Paul Neumann Schneidermeister Breslau 1, Königstraße 11, III empfiehlt sich zur Anfertigung feiner üerrenmoden sowie SporMen oller Art. Lager in* und ausländischer Stoffe. Unter Sitz. — Solide Preise. Stoffe werden zur Verarbeitung angenommen. 3unftem&tc. 21 : Jacken- und Blusenkragen : Schleier, Strümpfe, Handschuhe; Stets das Neueste in besten Qualltlten zu mHBIgan Preisen. * Julius Lemor Silberwarenfabrik Gegründet 1818 Breslau 6, Fischergaffe Nr. Echt silberne Geräte für alle religiösen Gelegenheiten - Verkaufszeit 8—5 Ahr - Im Verlage von Th. 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HermiSgeber: Liberaler Verein der Synagogen-Gemeinde Breslau. — Verantwortlich für den Inhalt: Julius Loeb; für das Feuilleton: vr. Ludwig Davidsohn (beide in Breslau) Druck und Kommissionsverlag: Th. Schatzky, Buchdruckerei und Berlagsanstalt, G. H., Breslau III, Neue Graupenstraße 5, 620611 7241

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