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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-02-25 · 13 (25.2.1921) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
13 (25.2.1921)
Date
1921-02-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Leipzig. ArntsantritleinesRabbinerS. Die feierliche Amtseinführung des neugewählten Rabbinerder hiesigen israelitischen Religionsgemeinde, des Herrn Dr. Cohn, bisher in Krotofchin, fand in der vollbesetzten Synagoge statt. Im Vorraum des Gotteshauses versammelten sich die Herren des Vorstandes sowie die beiden Gemeinderabbiner. Bon seinem Amtsbruder Herrn Dr. Goldmann und den Vorstandsmitgliedern geleitet betrat der neue Rabbiner die Stätte seines künftigen Wirkens. Per Zug bewegte sich unter feierlichen Orgelklängen durch die Synagoge bis vor die Heilige Lade, wo das Vorstandsmitglied Herr Rosenthal den neuen Rabbiner willkommen hieß. Sodann bestieg Herr Rabbiner Dr. Goldmann die Kanzel, um seinen neuen Amtsbruder zu begrüßen. Herr Rabbiner Dr. Cohn dankte in bewegten Worten dem Führer der Gemeinde und auch dem Amtsbruder für die herzlichen Begrüßungsansprachen und hielt sodann seine Antrittspredigt. Stuttgart. Ter Rechtsanwalt und Notar Nathan Levt ist, 84 Jahre alt, gestorben. Rechtsanwalt Le-viwar der letzte lebende Teilnehmer an 'der Eßlinger Länderversammlung vom 27. Dezember 1864, aus der das erste entschieden radikale und volkstümliche Programm der zu einer neuen Parte) zusammengeschlossenen württembergischen Demokraten aufgestellt wurde uns die deshalb als der Tag angesehen wird, von dem ab die Geschichte der württembergischen Volkspartei, dem Vorläufer der heutigen demokratischen Partei, datiert. Der Verstorbene nahm als Schriftführer an dieser Versammlung teil. Mit den alten Demokraten Julius Hau Mann, Karl Mayer, Ludwig Pfau, Walesrode u. a. war der Verstorben« eng befreundet. Er gehörte lange Jahve dem engeren Ausschuß der Volkspariet an und verdat sechs Jahre lang die Partei im Stuttgarter Gemeinderat. Längere Zeit war er auch Vorsitzender der Württembergischen Anwaltskammer. Allenstein. Die OeneMversammLung des Verbandes dar Synagogengerneinden Ostpreußens E. B. hat am 6. Febrnaw in Allenstein nachfolgende Entschließung gefaßt: „Das musterMÜlig friedliche Einvernbrnen der McmbelMemeinschaften unserer Provinz wird in einem gegen die Juden gerichteten Hetze aufs stärkste bedroht. Der Verband legt dagegen als berufene Vevtvciung der ostpreuMchen Juden scharfe Verwahramg ein, Er brandmanckt Religionssweit «und RassenLamps, die den Wiederaufbau des Vaterlandes auifs schwerste schädigen, und appelliVrt an den Gerechtigkeitssinn aitcm Bürger^" Myslowitz. Der Oberkantor und Religionslehrer der hiesigen Religionsgemeinde Jakob Spandau ist am 1. Marz 25 Jahre im Amte. Er hat sich besonders um den oberschlesischen Kantorenverband, dessen Mitbegründer und erster Vorsitzender er seit längerer Zeit ist, außerordentlich verdient gemacht. Presse-Schau. hepp hepp hurra! Unter dieser Uederfchrist schreibt Jgtmz, Wrobel in der „Welt am Montags über den Antisemitismus in Deutschland. Ohne uns im einzelnen mit allem einverstanden zu erklären, glauben wir doch, seine im ganzen tresfeuden und fein pointierten Ausführungen wenigstens auszugsweise wiedergeben zu sollen. Die Red. Die Judenriecherei in Deutschland erinnert an die romantische Aufgeregtheit französischer Nationalisten, die hinter allem Unheil der Welt den Boche und seine Spione wittern. Hierzulande kann nichts schief gehen, ohne daß Monokelgesichter, die man sich besser in der Hose denkt, den Juden die Schuld geben. Die Filme sind schlecht, weil sie von Juden hergestellt werden, die Lebensmittel sind teuer, weil die Juden wuchern, die Presse ist verjudet, die Regierung ist verjudet, und den Krieg haben wir verlörest, weil Juden heimtückisch die Front unterhöhlten. Nun war Ludendorff kein Jude, und ich wüßte nicht, daß in der deutschen Diplomatie, die in den Krieg hineingeschlittert ist, sehr viel Juden tätig gewesen wären. Die ganz Strammen haben sich sogar ausgerechnet, daß Wilhelm II. in seiner Blutzusammensehung verjudet sei, und so zieht ein Gesindel in^den Wahlkampf, das eine Welt ins Unglück gestürzt hat. Hepp hepp Hurra! Was aber hier getrieben wird, ist Volksverdummung schlimmster Art, und das alte Wort Roda Rodas paßt wie gehauen hierher: „Der Antisemitismus . . . eine ganz nette Sache. Mer er wird wohl erst etwas werden, wenn ihn die Juden in die Hand nehmen!" Was diese Ritter von der traurigen Gestalt anfingen, wenn sie keine Juden hatten, ist nicht auszudenken. Sie leben geradezu von ihnen. Und kaum ein Argument stimmt. Ein typisches Mschvolk wie die Deutschen, das besonders in seiner östlichen Zusammensetzung von Wenden, Kaschuben, Polen und einem Schuß Niedersachsen niemals eine einheitliche germanische Rasse bildete, hat keinen Grund, über Rassenvermischung zu schelten. Nichts stimmt. Der Vorwurf, daß das öffentliche Leben verjudet sei, ist ein Eingeständnis von Schwäche. Der französische Zeichner Caran d'Ache zeichnete einmal eine Landstraße, aus der ein Jude und ein Franzose sich begegnen. In der Mitte zwischen ihnen liegt ein Frankstück. Beide bücken sich gleichzeitig danach. .Mais c’est le juit qui aura le traue!" (Aber der Jude faßt das Gäd!) Der Vorwurf des Wuchers dem Ischen gegenüber ist bei dem Verhalten der deutschen Landwirtschaft, die die Großstädte systemattsch sabottert, ein Unding. Aus einen Schmuhl kommen zehn Piesekes, und was die Grenadierstraße im Kleinen kann, das kann Herr Sttnnes im Großen schon lange. Ohne Juden macht denk Deutschnationalen der Wahlkampf überhaupt keinen Spatz. Ohne Juden könnte er ihn nicht führen. Er führt ihn aber, wÄ es leider eine große Menge Leute gibt, die sich vom Papagei nur dadurch unterscheiden, daß sie nicht so hübsch anzusehen sind. Die -Hausfrau des kleinen Mittelstandes, viele mittlere Beamte, die Honoratioren der kleinen Stadt — all das hat eine dumpfe Wut gegen den geistig flinkeren Juden und benutzt mit Wonne die Gelegenheit, dem lästigen Konkurrenten eins auszuwischen. Keiner ahnt, wie er sein Vaterland blamiert, wenn er zugibt, daß ein verheerender Einfluß einer Juden ein ganzes Land ruinieren könne. Die ärgsten Durchhalteschreier im Kriege waren nicht Juden, sondern interessierte Offiziere und Beamte, teutonische Profefforen und Frauen, die durch ihre Maulfertigkeit das Land ins Unglück gehetzt haben. In ein Unglück, das man nun den Juden zuschrerben will. Wäre die Deutschnationale Partei nicht so hirnlos dumm, antisemttisch zu sein, so würde sich ihr ein großer Teil der von Natur aus konservativen Judenschast zuwenden; j a, ich kenne sogar Fälle von Juden, die so eh wergessen sind, deutschnational zu wählen. Aber so tief dringen völkische Hochschüler, Oberförster und Turnlehrer nicht. Da wogt unentwegt die deutsche Mannesbruft, da wcht der linsenbesetzte Vollbart im Winde, da schmettert deutscher Heldengesjang Lieder in die Lust, die Welsche, Juden urch Neger auf eine Stufe stellen, nur, weil sie nicht deutsch sein. Uebermäßiges Betonen der nationalen Eigenart ich noch stets eine Schwäche gewesen. „Kaust nicht bei Juden!" — Das ist nun eine Wahlparole für denkende Menschen, dadurch ist aus einmal eine trauliche Einheitsfront geschaffen, und der bayerische Bierphilister, der ostproußische Schnapsbrenner, der rheinische Großindustrielle — hier kämpfen sie auf einmal getreulich Schulter an Schulter. Ich habe gar nichts gegen Kollektivurterle, die immer ungerecht und doch oft gerecht sind. „Der Jude" . . . Das ist richtig und falsch, weil matt nicht den einzelnen meint, sondern den Typ. Es fft ein Urteil über eine Gesamtheit wie zum Beispiel diese: „Der deutsche Offizier hat im Kriege nichts getaugt; der deutsche Richter genießt in politischen Strafprozessen nicht das Vertrauen des Volkes; der Preußische Verwaltungsbeamte neigt dazu, auf Kosten der Allgemeinheit seinen Schreibapparat zu überschätzen." „Kaust nicht Lei Juden!" Sie kaufen doch. Der ganze Antisemittsmus ist wie zerblasen, wenn es ans Geschäftemachen geht, und kein deutschnationaler Schieber geniert sich, mit irgend einem Lodzer Juden in Ausfuhrbewilligungen ein Ding zu drehen. Genierte sich im Kriege der Offizier, seine dreihundert Eier als „Funkergerät" mit Hilfe der Einwohnerschaft galizffcher Städte so in die Heimat zu verschieben, daß die ehrfurchterschauernde Judenschast noch etwas von chm lernen konnte? Gr genierte sich nicht. Das hat einen Krieg verloren. Das weiß heute noch nicht, daß eine Welt über Eigenschaften, die man hierzulande den Kindern als Tugenden aufpftopst, einst mit Haß und nun mit achelzuckender Verachtung hinweggeschritten ist. Wiederaufbau des Wirtschaftslebens unter den Juden Rußlands. Aus einem Bericht über die Verhältnisse in Rußland seit Beginn der Sowjet-Herrschaft, der im ,Lsraettlycheu Famiüenbtatt" zum Gegenstand einer Besprechung gemacht ist, entnehmen wir folgende interessante Grnzelheilen: Wir erfahren zunächst, dafj etwa eine MiUton Juden zu den leuetiDut Kitegsopsern in RuMno gehören, «etuu uaü) oen prt]4#uicgen ^or,cyungen von Dr. roramson an den oer,anedeniren Unten des russischen yteioje» möglichst rasch Arbettsmogttchteiien geschas,en werden müssen. Diese schwer Heimaeluchlen stnd in der Mehrzahl. förmlich aroettShungrig und yocher>reul, aus dem Zustande des Aintosennvymens ycrausrommen zu tonnen. Arten diesen gilt es nun, Arbeit, Kreon, Rotzmatertat und Handwettsgeräte zu verschaffen. Dem Zwetsel, ob die Zeit schon reis sei sür die au-' gebahnte Hitze uttd sür den durch sie vedtngtm Gechaus. wand, ist Ste Tatsache emgegenzuyaiten, dap die des ruiji)d;cu Arvpttsmarttes trotz atter Unruhen zeit 19jlö uno jen'st int Jayre 1920 zuverln„iger geworden ist. Jeder neue Bewerver um die Reguruttgsögewart beeiltet jtch za versichern, daß er leine Pogrome dulden werde. Dem EinMsse der wechselnden Stimmung unter PetlMa, Machnow, General Wränget usw. waren die Einrtchtuugen des Mischen Hilsswerts auch am wenigsten unterworfen Weder erachteten die Sowiettommissare, noch die VolontärAnnee, noch das Mraintfche Dirertortum, noch leidst die polnischen Behörden es für ratsam, die Betrteoe von „Uri", „Ope' (Gesellschaft zur Förderung der Bildung unter den Juden) und »Ose" (Ge,etlschast sür Gesunoyettsschutz unter den Juden) ztl umerdtnoen. Das Beihatten der oerschtedenut Uvrigketten war vielmehr ein wohin ollendes gegmüoer den genannten jüdischen Organisationen, die sogar gewisse Begünstigungen und Un.erstützungen, wie zum Beispiel zur Gruttdung von Handweuslurien, Beschauung von Feldarbeit, ersuhren. Etnzeine Sowjetbehorven, die srüber ablehnend den jüdischen Zemralyttssromitees gegenüoerftandm, gingen ytruerher daraus ein, iynen Vorrechte zu gewähren vezügttch der Zuweisung von rollendem Material sür den Transport und einer Ueberwachung des letzteren. Besonders interessant ist das Kapitel „Förderung der Landwirtschaft unter den Juden Rußlands": Vor dem Kriege befaßten sich etwa 150 000 Jude«, mit Landwirtschaft in den Gouvernements Cherson, Jetaterinostaw, dann in Litauen, wo. bis zu einem Drtttrl der Mischen Bewohnerschaft Ackerbau trieo. Auch kleine Landstetten und Gartenbetriebe aus vorstädtischen Grundstucken lagen um Wilna, Minsk, Grodno vielfach in Mischen Hanoen. Die deutsche Kriegsoerwaltung zwang seiner Zeit sogar zu dieser Beschäftigung, um die ersovderlrchen Lebensmittel zu vermehren. Wie lieb den Juden die gewonnenen Fertigkeiten in der Feldaroeit geworden waren, zeigte sich deutlich, als man 1919 an die Bildung der ersten Vereinigung sür Landwtrtschast herantrat. Ditz Leitung des „Ort" in Kiew vermochte sich kaum vor dem Ansturut des Angebots zu wehren. Es entstanden im selben Jahre 30 Genossenschaften von Flüchtlingen in Weißrußlano, und in Litauen wuchs die Zahl Mischer Landwirte von 5 aus 11 Prozent. Alle qualvollen Prüfungen haben die Anhänglichkeit Mischer Landleule an die Scholle nicht zu schwächendermocht. Das ist, wie anerkannt werden muß, aus alle diejenigen Schöpfungen der JCA (Jewish Cotonizatton Association) zurückzuführen, die zwischen 1899—1918 ins Leben gerufen wurden. Dahin gehören: Ameliorattonskcedit, Genossenschaftsbildung, Förderung von Musterwittsclaften, Farmen und Landwirtschaftsschulen. Alle diese Unternehmungen z.'ittgten erfreuliche Ergebnisse. Bearbeitung zahlreicher neuer Funde, die Bruno Schindler aus einer Reise durch China gemacht hat, abwarien müssen, um tiefere Einblicke von Geschichte und Wesen des chinesischrn Judentums zu gewinnen, dessen Spuren Schindler mit großem Talent verfolgt hat. Die neuesten Forschungen haben uns die Reste eitler s"tir alten indischen Kolonie bekannt gemacht, von der zahl, reich, Mitglieder sich über das Reich, auch nach Peking zerstreut haben. Den Mittelpunkt des südchinesischen Judentums bildet die alte Hauptstadt der Sung-Dynastie (960—1278), Kaifeno-fu, die heute etwa 5 Meilen vom Hwang-ho in einer oder. Ebene liegt. Ehemals umgaben ertragreiche Felder, Wälder und Gärten die Stadt. Ihr Niedergang beginnt in den schweren inneren Kämpfen Chinas, denen die Mtng- Dynastie erlag (1644). Der Führer der chinesischen Revolutiott, der Räuber Li-Tschuang, belagette 1642 die Stadt. Die hartbedrängten Einwohner fanden nur etn verzweifeltes Mittel der Rettung, indem ste die Dämme des Hwang-hv durchstachen. Die Fluten des gelben Stromes begruben allerdtngs das Heer der Belagerer, verwüsteten über auch die Umgebung der blühenden Kaiserstadt. Seitdem ist der Hwang-ho sür Cbina ein Verhängnis durch seine häufig wtederkehrmden Ueberschwemmungen. Auch die jüdische Kolonie in Kat-feng-su ist durch den Hwang-ho arg geschädigt worden. Ihre Synagoge lagl früher dem Ufer nahe und ist durch Ueberschwemmungen allmählich zerstört worden. Damit hat auch die Gemeinde ihren Zusammenhang nahezu verloren. Die reichen Kausleute verließen die verödete Stadt und sind in China weitvetbreitet; auch in Peking und Tientsin leben 'heute Mitglieder dieser alten jüdischen Kolonie. In Kat-feng-su sind nur die Aermsten zurückgeblieben, von ursprünglich 26 Sippen bestehen heute nur noch sieben mit über 1000 Seelen. Bon alten Denkmälem dieser jüdischen Gemeinde sind noch mehrere Steine mit chinesischen Inschriften erhallen, deren Bearbeitung wir von ihrem Entdecker Br. Schindler erwarten dürfen. Ganz besonders interessant ist die Persönlichkeit des.Oberhauptes der kleinen Kolonie, des Tschao- MN'tschung von dessen abenteuerlichem Leben und zwetfel- WS faszinierender Perfönlichkett Schindler ein eindrucksvolles Bild gegeben hat. (^Israelitisches Famtlienblatt" vom 13. November 1918.) Sehr interessant ist die politische Umsicht des Mannes, sein Blick für di« Beziehungen der Völker untereinander und sein Verständnis sür Kutturausgaben. In einem höchst interessanten Briefe, den er Schinoler mitgab. wendet sich Tschao an seine Glaubensgenossen in aller Welt mit der Bitte, diese vereinsamte Mische Kolonie dadurch zu erkalten, daß man ihr Lehrer der Religion sende. Es scheint, als ob das Wissen dieser chinesischen Juden um ibre Glaubens- und Stttenlehr: nahezu ganz verfallen ist. Rlan ist sich durch sehr lange Überlieferung einer religiösen Besonderheit noch bewußt, aber ihr Inhalt scheim fast völlig vergessen zu sein. Herrscht doch in dieser Geme.nve z. B. die Pflicht der Blutrache sogar unter den jüdischen Glaubensgenossen. Tschao selbst war als junger Mann genötigt, süt seinen Vater Blutrache zu üben und hat sich gegen eine Gegenpattet in der Gemeinde mit Waffengewalt wehren muffen. Heute gebietet er über 500 Soldaten, mit denen er jeden Widerstand ntederhält und dadurch eine gewisse Stckerheit und Ordnung in seiner Gemeinde wahrt. Bus -er Kunstsammlung -er Verllner jü-ischen Gemeinde. Die Leitung der im ersten Verwaltungsgebäude (Oranienibttrgerstr. 29) befindlichen „Kunstsammlung (Wolssche Stiftung)" bat aus dem von dem Dresdener Sammler Albert Wolf erhaltenen Erbe und verschiedenen Ankäufen und Geschenken eine neue Ausstellung gebildet, die, wie kürzlich gemeldet, am Sonntag, den 19. Dezember 1920, eröffnet wurde. Sie wird hoffentlich wie die frühere erste Ausstellung von allen intereffierten Kreisen gern besucht werden. Bietet doch die Sammlung genug des Interessanten und Lehrreichen! In erster Reihe' fesseln „Bilder aus Polen und Rußland" unser Interesse: Typen und Genrebilder, verdienstvolle Personen, Oertlictzkeiten, historische Bilder. Eine besonders starke Wirkung' übt hier das Original von Samuel Hirszenbergs großem Gemälde „Golus" aus. das als Leihgabe unserer Sammlung überlassen wurde. Radierungen von Mundlack, Struck, Budko, Friedmann wechseln mit Zeichnungen und Bildern andcrcr Künstler ab. Reichen Aufschluß über Mische Einrichtungen gewährt die vermehtte Abteilung der Kultus gegenstände: der Vorhänge, Thorrmäntelchen und Wtckelbänder, Thorabehänge und Aussätze, Leuchter, Chanukkalampen, Purim- und Hawdoloteiler, Becher, Gewürzbüchsen rc. DanLar zu begrüßen ist der alte Siwerschatz der Berliner „Gesellschaft Hachnassath Kallah" (zur Ausstattung oedürftiger Bräute im Jahre 1720 begründet), der von dem genannten Verein der Sammlung zur Aufbewahrung übergeben wurde. Wir weisen hieraus besonders hin, da sich noch viele jüdische Kuustgegenständr und Altertümer im Besitz von Familien und Vereinen befinden, die durch Deponierung bei der Kunstsammlung geschert und der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden konnten. Eine Vitrine enthält kostbare Gevetmänel, Arba. Kanfot, Teftllin- und Tallisbeute. rc., die in letzter Zeit von Privatpersonen geschenkt wurden, eine andere Vitrine Jllusttationen zur Peßachhaggada (Mit Radierungen Budkos), eine dritte kalligraphische Arbeiten von Jstdor Rothztegel, dessen kunstvolle Misrachtaseln und Schmuckvlätter hier zmn ersten Male der Oeffentltchkett vorgeführt weroen. Aus die einzigartige Münzen- und Medaillenfammlung Albert Wolfhaben wir schon im Berichte über die frühere erste Ausstellung hingewiesen. Dieser wertvolle Bestand ist setzt durch hiuzugefügte Beschreibungen dem Verstänonisse näher gebracht. Eine besondere Spezialität der neuen Ausstellung ist das „Berliner Zimmer" mit der Serie: „Moses Mendelssohn und sein Berliner Kreis". Hier stnd Tassaerts Origtnal-Marmotbüste uno Frischs Oelporträt Mendelssohns ausgestellt, sowie andere Bilder des großen Philosophen und seiner Zeitgenossen. In diesem neu hinzugekommenen Raume sind jetzt auch die Leihgaben der Alten Synagoge, der kostbare Teppich vom Jahre 1590, ein Geschenk des König- Friedrich Wilhelm I., und der große Chanukkaleuchter vom Jahre 1713 untergebracht. Die Ausstellung ist an jedem Sonntag 10 VtS 1 Uhr unentgeltlich zu besichtigen. An jedem ersten Sonntag tm Monat finden vorm. 12 Uhr Führungen durch den Ordner und Letter der Sammlung, Herrn Ooerbibltothekar Doktor Stern, statt. Schulen und Vereine können die Sammlungauch zu anderen Zetten nach vorheriger Amneldung besuchen.

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