Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-02-18 · 12 (18.2.1921) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
12 (18.2.1921)
Date
1921-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2613366-2613604-2613616--0059-2617227
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Dapatlf ßibi es ~ mag es auch dem GeWg rmjerer UmechäiMer gelingen, ein paar Dutzend MMach^n Muhantzeln doch am Ende nur eine Antwort — t$ ist Die. wuchtige Mahnung des großen Schotten Carlyle: Arbeiten und nicht Verzweifeln! Arbeiten mit denr Aufgebot aller Kräfte des Körpers und Geistes, um uns selbst zu erhalten und um allen Hindernissen zum Trotz unser geprüftes Vaterland wieder zu dem Range zu erheben, der ihm im Rate der Völker gebührt. Arbeiten, arbeiten, arbeiten — ein jeder auf dem Platze, auf den seine Anlagen und sein Streben ihn hinführen. Und nicht verzweifeln, sondern das stolze Ziel im Auge behalten und bc» Blick nach vorwärts und auswärts richten. Das ist der Stunde heiligstes Gebot. II. Dieses hehre Ziel — das Wirken zum Besten der Gesamtheit — vor Allgen, stehen in heißem Lebenskämpfe in unserem deutschen Vaterlande hunderttausende lcbensmutfger, zielbewußter Menschen. — Geistige und körperliche Streiter, Männer und Frauen, Jünglinge und Greise. — Viele haben das Gerüst ihres Schaffens fertig gestellt und verkleiden es in weiterer intensiver Arbeit — das Ziel ihres Lebens ist erreicht, — viele, ach so ungezählt viele aber gerade der arbeitswilligsten, arbeitsfähigsten jungen Menschen mühen sich in erbittertem — aber fast aussichtslosen Kampfe ab. Und schuld an dieser Aussichslasigkeit sind nicht sie selbst, unverrückt steht ihr Ziel, und ihr sehnendes Auge schweift hinüber in das gelobte Land der Ersüllllng, des Erfolges, der segcnbringenden Arbeit. Doch sie bürfcu nicht hinein. Denn allzunlächtig ist heut besonders das Materielle. — Und den Höhepunkt des Geistes hemmt der «lorsche Körper. Mc 118-8a h si hi corpore sano! Nur aus gesundem Körper erwächst gesunder Geist. — Und geniale Ausnahmen bestätigen die ewig wahre Regel. UJ. Man hat ihnen mit 17, 18 Jahren all das genommen, was ihnen in der Jahre Maienblüte das Leben reich und prächtig machte. Aus erster Liebe goldener Zeit, aus traulichem Familiem und Freundeskreise, aus lachendem, jauchzenden! Morgen riß inan sie, nein, rissen oft sic sich selbst hinein in den rasenden Strudel des Verderbens. Hier trat zum ersten Male des Lebens bitterster Ernst au sie heran. Und sie lernten ihn erfassen. — Ach so bald. — Und nichts ward ihnen erspart: Hunger und Durst, Hitze und Kälte, das Trommelfeuer der Sommeschlacht, der Schlamm Polens, der Schnee der Karpathen. Sie stürmten nach lagelangem Fasten uneinnehmbare Stellungen, sie fuhren in gepanzerten Nußschalen tief unterm Meeresspiegel dem Verderben entgegen, sie rasten ans schwanken Gestellen durchs Lustmeer dem Tode zu. Und Hunderttausende blieben, und ihre einst so blühenden Körper modern seit fünf, sechs Jahren im fremden Boden. Aber Hunderttansende anderer kamen zurück. Sie hatten, als sie auszogen, von Ruhm und Glück und Liebe, von einem durch ihre Hand herrlich erhobenen Baterlande geträumt; doch der Traum schwand, und furchtbar war das Ettvachen. Ein zerbrochenes, der Willkür erbitterter Feinde ausgeliefertes, hungerndes und frierendes Vaterland. — Das war die Erfüllung des Traumes der deutsche« Studentenschaft! IV. Ja, von ihnen spreche ich — von den in diesem artnen Baterlande armseligsten Bürgern, von den hungernden, frierenden, darbenden deutschen Studenten, ohne Unterschied der Religion lind der Rasse. Sie alle haben unterschiedslos da draußen gelitten, und auch hier im Lande errichtet das Leid keine Schranken zwischen ihnen. Bon den Darbenden spreche ich, und bin mir bewußt, daß sie die Regel bilden, und die anderen die Ausnahme, die anderen, die das Bild von der deutschen Studentenschaft verwischen. Ich kenne die Studentenschaft, stehe selbst mitten in ihr und weiß, daß alle Schilderungen, die von ihrem Elend 'handelnd, in die Oeffentlichkeit dringen, eher zu milde als zu kraß sind, daß fürchterlicher als jedes beschreibende Wort die unerbittliche Wirklichkeit ist. Und unter gewöhnlichen Umständen könnte es gerade bei uns Juden keinen Zweifel geben über die Beantwortung der Frage: folly» wir uns zu dem „ werk Dltzn, dahetzt älliKeviA iwjl Wen gerufen Wochen tfttjjser gewöWchen UWärchen gäbe es keinen Zweifel üher die Beaytzyyrtung dieser Kratze. Mo auch immer schwerste Not zy lindern war — da half dasprichwpMch gute jAchche Herz. — Und warum heute nicht, warum? V. Durch das deutsche Vaterland weht ein häßlicher Wind. Von Neid und Mißgunst, Haß und Verbleichung angefacht, jagt er durch die Lande. Judenhaß! Nie war er so mächtig, wie heute. Bald Peitscht er die niedrigsten Instinkte der Masie auf, bald bekleidet er sich mit dem stolzen Gewände der Wissenschaft. Unfruchtbar en feinem Wesen, fetzt er stch däs Ziel, das Rad der Weltgeschichte zu hemmen und zurückzudreheri. Und voll Abscheu urch — Mitleid blicken wir auf das schmachvolle Beginnen bewußter Bösewichter und irregeleiteter, verblendeter Bolksgenpffen. VI. Eine Hochburg des Judenhasses sind die deutschen Hochschulen. Und das ist nicht verwunderlich. Dem deut schen Akademiker brach eine Welt zusammen. — Und fassungslos steht er an ihren Trümmern. Sein Leben lag golden, zukunftsreich vor ihm. — Undheut!? Alles vernichtet! Sorge und Not, Leibes- und Scelengual in Gegenwart und Zukunft. Und die Folge: Verbitterung und Erliegen gegenüber den erbärmlichen Einflüsterungen von auf den Stimmenfang gehenden Parteipolitikern und gewissenlosen, auf ihren Vorteil bedachten Elementen." Und die lveitere Folge: eine sich bis zur Perversität steigernde Geiftesverblendung. - Erfolg eines Dinter und anderer Schundschriftste 1 l er/ Wer von Euch, Nichts üben unb Juden, er* rötet nicht bei denl in feiner Schändlichkeit nicht zw überbietenden B es chl u s sc d e r e i n st s o ft: e ihc i t - lich - fortschrittl ichcn — „Deutschen Bur-, s ch e n s ch a f t"! „Wir verbieten unseren Mitgliedern die Heirat mit einem farbigen oder jüdischen Werbe." Also die deutsche Jüdin, die in ihrem Innersten deuffch denkt und fühlt, die den Bruder und Vater hinsinken sah für des deutschen Vaterlandes Ehre, — hinuntergestoßen auf eine Stufe' mit unzivilisierten Negerweibern. Das Beispiel genügt. -^Und ich versiehe, warum die Frage: „Sollen wir zu dem Stndentenhilsswerke nach unseren Kräften beisteuern?" gerade in jüdischen Kreisen heut so zweifelnd erörtert, so zögernd bejaht und hie und da wohl auch — verneint wird. VII. Und dennoch: ja — tausendmal j a — w i r sollen bei steuern! Mit unserem ganzen HerWi und mit unserer ganzen Kraft. Denn die, die heut in der deutschen Studentenschaft den Ton angeben, und die es gern so hinstellen wollen, als verträten sie allein den deut schen Akademiker — d. h. die in den schlagenden Berbin düngen und dem „Hochsthulring deutscher Art" zufammtvgeschloffenen Studenten vertreten nur einen Verhältnis mäßig geringen Teil der Studentenschaft. Die schwer um ihr Dasein ringenden, für das Hilsswerk in Betracht form wenden armen Studenten — und diese bilden die Mehr zahl — vertuenden ihre Zeit besser als damit, daß sie. mit .Hakenkreuzen geschmückt, provozierend „bummeln" oder nach durchzechtem Abend HetzMel an den Mauern und Schaufenstern befestigen, oder die Kollegien jüdischer oder politisch anders gerichteter Dozenten — eines Geiftesriesen wie Albert Einstein, eines Max Weber — niederscharren. Getviß gibt es auch hierunter arme Studenten, Aus nahmen, die die Regel bestätigen. Aber sollen wir eines Ungerechten wegen zehn Gerechte leiden lasten. Und be denken wir doch auch hierbei, daß diese von Hatz erfüllten, bedauernstverten Menschen gewissenloser Verführung verfallen sind. Wir unterstützen durch das Hilfsn>erk für die bedürftigen deutschen Studenten jene, die in bitterer Sorge um ihr Geistesziel und nnr ihren Beruf dahinleben, jene, die neben dem Studium im kargen Reste ihrer Zeit Neben berufe oft demütigender Art betreiben, um mit der Ber gütung hierfür die ungeheuren Kosten des Studiums uNd der Lebensnotwendigkeiten zu bestreiten, jene Studenten, die ein Doppelleben als Hausdiener, Plakatkleber und Kellner führen. Aura acadomica! An Errch, jüdische Glaubensgenossen, ergeht mein Ruf, der zugleich eine Beantwortung einer heut viel — auch o* Empfindens in der Religion Unterschiedenes. Das Religiöse ist noch nicht Religion? aber es ist derjeiüge HtzWang, der Religion wird, indem er sich ins Traiäzejchente fortsetzt, sein eigenes Wesen zu seinem Objekt Herden läßt und von diesem sich selbst zurückzuempfangen scheint. Eine verfeinerte Religiosität bedingt eine höhere Religion. Die Quelle aber, aus der Religion und Religiosität wie auch Rechtsgefühl und Recht fließen, ist eine, nämlich Gott. Diesen göttlichen Ursprung der Religion nennen wir Offenbarung. Die Offenbarung vollzieht sich entweder als Naturreligion, welche die Naturkräfte versittlicht oder als ethische Religion, in der die Sittlichkeit den eigentlichen Inhalt bildet. Die jüdische Religion des ethischen Monotheismus ist geoffenbarte ethische Religion. Während die Naturreligion starr ist und keine Entfaltung zur ethischen Religion zuläßt, so ist die ethische Religion, für die Gott der Heilige, der Urheber der Sittlichkeit ist, in stetem Flusse. Wie Gott der lebendige ewige Gott ist, so ist seine Offenbarung auch im Judentum eine dauernde ewige. Das Menschentum ist keine starre Schablone, sondern entwickelt sich — wie wir hoffen — einem seligen Ziele der messianischen Zeit entgegen. Diese dauernde Fortentwicklung der Religion bedingt auch eine immer fortschreitende Befruchtung der Religiosität. Die höhere Religiosität schafft nun wiederum neue ideale Forderungen, eine höhere Religion in ständigem Flusse. Wie in jeder Entwicklung gibt es neben den treibenden Kräften auch ruhende Keime; die unverrückbare unerschütterliche Grundlage hat das Judentum vor allem in der Bibel; sie ist der ruhende Pol in den Erscheinungen Flucht. Aber jede Zeit erkämpft sich ihre eigene Bibel. Das Bestehende, Beständige ist nicht ein nicht zu übertreffendes Ideal. Die Religion soll sich nicht von Geschlecht zu Geschlecht als fortschleichende Krankheit vererben, als blindlings überzuwerfende Zwangsjacke, sondern als das jeweils beste Gebilde zur Erweckung wahrer Religiosität. In dem Suchen nach diesem Gebilde, in dem gemeinsamen Wunsche, den objektiven Bestand der jüdischen Religion herauszuschälerr und sittlich verbindlich sestzustellcn, darin scheint mir augenblicklich das starke Zusammengehörigteitsgefichl, besonders auch in der jüdischen Jugend zu bestehen. In einem allgemeinen Bestreben die wirtschaftlichen Verhältnisse in eine bessere feste Form zu bringen scheint mir auch das plötzliche Ausflackern der sozialistischen Idee ihren Grund zu haben. Das Gemeinsame zwischen Judentum und Sozialismus ist darnach höchstens diese Gemeinsamkeit der Situation. Nach Idee und Ziel sind Judentum und Sozialismus hingegen weltenweit verschieden. Der Sozialistnus, der notwendig den starren Zrvang mit sich schleppt, gleicht eher der Naturreligion, die ihrem Wesen nach starr und unempfänglich für die Idee der sittlichen Freiheit ist. Das Judentum aber als ethische Religiou will nicht wie Sozialismus uud Theokratie den Weg zur Glückseligkeit und zum Himmelreich dem Menschen in gebundener Marschroute vorschreiben, sondern es will den Adel der menschlichen Anlage ehren, indem es die freie sittliche Selbstentscheidrmg unangetastet läßt und hinführt zur sittlichen Tat durch Aufschwung zu Gott in lebendigenr Glauben, ans daß wir jeden Augenblick unseres Lebens betrachten als von Gott gestellte Aufgabe. Elenun- Hilfe. Bon c I i k Hciman n. I. Ein millionenfacher Aufschrei gellt durch die deutschen Lande. lieber 200 Milliarden Goldmark will der Wahnsinn der Feinde aus unserem armen Volke herauspreffen. Und in jedes deutsche Herz schleicht sich, ans jedes Deutschen Lippen drängt sich die Frage: Wie retten wir uns, wie retten wir unser Volk und Land? wer zuletzt lacht . . . Skizze aus dem Weltkriege von Ino G a ß m a n n. Immer noch hallte aus östlicher Richtung, von Gjalstizy her, der Geschützdonner. — ES war, als ob ununterbrochen aus eine riesige Pauke geschlagen würde. — Den ganzen Tag waren Verstärkungen durch den Ort gedröhnt, .... cs würde den Russen wohl nicht glücken, hier durchzubrechen! — — Alle Stunden beinahe holperten die Wagen mit Verwundeten zu unserem Feldlazarett; — die Unglücklichen stöhnten und schrien oft furchtbar auf, wenn sie — auch noch so behutsam — mit ihren schlechten Verbänden von den elenden Leiterwagen gehoben wurden. Drinnen, in der geräumigen Scheune, beim übelriechenden Licht einer Petroleumlampe, hatte man aus zwei Schankhausbänken einen Overationstisch imhrovisiert; ein preußischer Stabsarzt, ein russischer Gefangener, namens Djoskij, Mediziner von Beruf, der fließend deutsch sprach, da er lange in Deutschland studiert hatte, und ich waren mit fieberhaftem Eifer beschäftigt, die Verwundeten neu zu verbinden und lebenswichtige Operationen vorzunehmen. Es waren heute ungewöhnlich viel schwere Fälle dabei; wir amvutierten beinahe fabrikmäßig. Verschiedene Verletzte starben unter unseren Händen; einem war die Luftröhre angeschossen. Trotzdem der Stabsarzt den Luftröhrenschnitt mit bemerkenswerter Geschicklichkeit ausführte und eine silberne Kanüle einsetzte, erstickte der Verwundete in schrecklicher Weise, da sich die Röhre fortwährend mit Blut verstopfte, und wir nicht Zeit hatten, sie eine halbe Stunde hindurch mit einer Feder immer wieder zu reinigen. — — In dem Zelt nebenan lagen jetzt schon über hundert Verbundene; die nur einigermaßen Transportfähigen wurden bald wieder auf Wagen geladen, um zu dem etwa 10 Kilometer entfernten größeren Kriegslazarett gebracht zu werden. Bon dort ging auch ein Lazarcttzug in die Heimat. — Die paar Leute unserer Kolonne hatten alle Hände voll zu tun, um unseren Patienten hilfreiche Hand zu leisten, Wasser zu bringen und Essen zu kochen. Djoskij und ich mußten die Leichen und abgesagten Gliedmaßen selbst in den kleinen, als Totenkammer eingerichteten Geräteschuppen zwischen Scheune und Brunnen trogen; dabei fiel mir auf, daß der Russe eine ganz merkwürdige Scheu vor den Toten zeigte und sich öfters in umständlicher Weise vor :ihnen bekreuzte. — Nun, ich hatte keine Zeit, darüber nachzudcnken, — es war zuviel zu tun. Wir hotten jetzt schon mehrere Tage und Nächte ununterbrochen gearbeitet; eben traf die Nachricht ein, daß wir in einigen Stunden von einem bayrischen Feldlazarett abgelöst werden sollten. Wir konnten uns bald endlich etwas ousruhen, bevor wir am nächsten Tage abmarschierten. — Wohin? — Niemand wußte eS! — Es war schon sehr spät, — eine warme Sommernacht mit mildem HimmelSlicht. — Ich mochte nicht schlafen. — Ueber mir funkelten die Sterne in unveränderlicher, gütiger Ruhe, als sei auf Erden nichts vorgefallen, und als fei die Menschheit nicht irrsinnig vor Haß und Verwirrung geworden. Ich lag unweit der Scheune im Grase, lauschte auf den «och immer nicht verstummten Geschützdonner und blickte nach den vielen Leuchtkugeln, die, bösen Menschengedanken vergleichbar, in den violettschimmernden Sammet des Firmamenthineinschossen. WaS hatte ich für eine brennende Sehnsucht nach dem ruhigen Gleichmaß früherer friedlicher Tage, wie todmüde und zerschlagen fühlte ich mich! Was hatte ich in den letzten Tagen wieder für furchtbare Wunden und herzzerreißende- Elend gesehen! — Gewiß, ich war abgestumpft worden, aber doch noch nicht so gleichgültig, um nicht jetzt wieder oen entsetzlichen Zwiespalt zwischen der herrlichen Sommernacht und der aus den Fugen gegangenen Zeit zu empfinden. — Während ich lang ausgestreckt auf der Erde lag und meine Pfeife rauchte, kam Djoskij aus der Scheune und fetzte sich zu mir. Morgen geht eS wieder los/ sagte er, „eine Weile soll ich noch bei euch bleiben, dann komme ich in ein Gefangenenlager. — Der lange Kanonier aus Danzig ist eben gestorben; — ekelhaft ist auch der Zustand des Gefreiten, der links in der Ecke liegt: — Rückenmarksfchutz . . . kann außer den Armen kein Wied mehr rühren; pfui Teufel ... so zu sterben! — Ach, endlich ein bißchen Ruhe! Seit drei Tagen habe ich noch keine Viertelstunde freie Zeit gehabt!" Ich bot ihm Tabak und Feuer, und auch er qualmte still vor sich hin. Lange faßen wir so da und blickten schweigend' zu dem matten Bande der Milchstraße empor, die sich in gewaltigem Bogen über uns wölbte. — „Sagen Sie mal, DjoSktj," fragte ich ihn, „warum erweisen Sie immer den Toten so merkwürdige Ehrenbezeugungen? Die merken doch nichts mehr davon! — Seltfgme Angewohnheit von Ihnen!" „Ja, glauben Sie/ erwiderte er, „daß eine Leiche nicht mehr merkt, was um sie herum vorgehl?" — — „Komische Frage/ sagte ich, „natürlich nicht! Tvt ist doch tot!" - „Da habe ich andere Erfahrungen gemacht/ sagte er und begann zu erzählen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.