Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-02-04 · 10 (4.2.1921) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
10 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613604-2613614--0049-2617215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

selbstverständliche naive Gottespflicht geübt wird, — wie es mit den Religionsbräuchen der Liberalen noch sehr oft geschieht. — Das System des Liberalismus ist ferner deshalb das bessere Judentum, weil eS ohne ein Dogma auskommt (von der Göttlichkeit der Tora), daS dem Verstände widerspricht. Es ist Kus demselben Grunde auch wahrhaftiger, — und „Wahrheit ist das Siegel Gottes"! (Talmud) — und moralisch höher stehend. Denn nicht die Größe der Opfer, die eine Religion verlangt, macht ihren sittlichen Wert aus: „Liebe verlange Ich, nicht Opfer, spricht Gott" so sagt Hosea! Daß die Idee reiner und nachhaltiger erfaßt werde, darauf kommt es an. Das aber geschieht entschieden im System des Liberalismus mehr als in dem der Orthodoxie. Es hat sich von allem Wust des Mittelalters befreit, von Engel- und Geisterglauben und manch anderm kabbalistischem und chassidischem Unfug; auch in der Stellung gegen Andersgläubige und gegen unsre Feinde hat es sich geläutert; und seine Auffassung von der Messiaszeit, die vollständige Preisgabe des Opferdienstes und der Auferstehungslehre bedeuten nach unsrer Meinung einen religiösen Fortschritt! Bor allem aber hat es den Weg frei gemacht für ein vielseitigeres und (wie oben ausgesührt) lebendigeres Gottesbewußtsein und bedeutet so eine im Kern, im Wesen bessere Erfüllung des Judentums! — Man darf sich nicht durch das Geschrei der Gegner beirren lassen, die sagen: Der Liberalismus sei der Uebergang zur Religionslosigkeit oder gar zur Taufe. Der Abfall grassiert in orthodoxen Kreisen ebenso, und der äußere Erfolg darf überhaupt nicht zum Maßstab für den inneren Wert gemacht werden. Der Jndifferentismus,. die religiöse Gleichgiltigkeit, hat ihre Ursachen in politischwirtschaftlich-sozialen Mißständen, und wenn sie ihren Weg von der Orthodoxie über den Liberalismus zu nehmen scheint, so ist das ein falscher Schein, dadurch entstanden, weil man, den Blick auf die Erfüllung des Kultus gebannt, noch immer den Liberalismus für verwässerte und verringerte Orthodoxie hält. Der weniger Orthodoxe ist aber noch längst nicht liberal. Liberalismus bedeutet, wie oben gezeigt, eine andre Art von Frömmigkeit, die nur deshalb schwerer zu erkennen ist, weil sie mehr innerlich ist. Daß sie nach außen immer mehr wirksam werde, in der Arbeit für die Judenheit, in der Arbeit für höchste Menschheitsaufgaben, in der Durchdringung des Lebens mit wahrhafter Herzcnsfrömmigkeit, in Selbstzucht und Güte und Gerechtigkeit, in Gottvertrauen und Gottergebenheit und in Glückseligkeit über das Leid um des Ideales willen, — daS ist unsre Aufgabe für die Zukunst, die Aufgabe grade der liberalen Juden! — Möchten sie nur nicht vergessen, daß das beste Hilfsmittel dazu die Beschäftigung mit demspezifischenJudentum ist: religiöser Brauch und religiöses Wissen und deren Pflege in Haus und Synagoge! Nicht aus romantischer Pietät sind sie zu pflegen, sondern weil sie für den Religionsiuden die wichtigste jüdische Betätigung sind, die uns zu dem Edelrnenschentum verhilft, welches die Judenheit zu verwirklichen berufen ist. Die Tagung der Ientralwohlfahrtsstelle. Bon unserem Berliner H.-B. - Sonderberichterstatter. In der fortgesetzten Beratung, über deren Beginn wir in der vorigen Nummer dieses Blattes kurz berichtet haben, referierte zunächst Frau W r o n s k y-Berlin über „Die Forderungen der Gegenwart an die jüdische Wohlfahrtspflege", die nach ihrer Anschauung dreierlei umfassen. Die Verwirklichung der Idee der Gerechtigkeit, der Idee der Liebe und der Idee der Demut. Die Referentin empfiehlt eine völlige Umgestaltung der Arbeitsmethode in der jüdischen Wohlfahrtspflege in der Richtung aufbauender, planmäßiger Arbeit. . Hierauf spricht Herr Rechtsanwalt Pr. Georg Baum unter Uebernahme des Vorsitzes über „Jüdische Sozialpolitik". Danach bedürfen die Juden besonderer Wohlfahrtseinrichtungen mit Rücksicht auf ihr besonderes Verhältnis zu ihrer Religion und ihre Berufsverteilung. Die jüdische Sozialpolitik habe folgende Aufgaben: Umschichtung der Berufe, besonders der akademischen, aber auch zum Teil des kaufmännischen in kleinere und mittlere Beamtenberufe, Handwerk und Landwirtschaft. Besonders erörtert wird die Lage der jüdischen Angestellten, die unter dem Antisemitismus gewisser Verbände schwer zu leiden haben. Andere Aufgaben sind: Jüdische Studentenhilfe, jüdischer Arbeitsnachweis, wobei der Arbeitsnachweis für die kleinen Rentner, für Kriegsteilnehmer und Kriegsverletzte besonderer Beachtung bedarf. Sehr wichtig ist die Mitteilung des Referenten, daß die Berufsberatung des Zentralvereins der Zentral-Wohlfahrtsstelle überwiesen ist. Der Redner ging dann noch auf Bevölkerungspolitik durch Förderung der Frühchen und Beschaffung von Ausstattungen, Mobiliar und Wohnungen ein. In der anschließenden Debatte wies Fcau Justizrat O l l e n d o r f s-Breslau darauf hin, daß die Gemeinden in kurzer Zeit nicht mehr in der Lage sein würden, die bisher, geleisteten freiwilligen Beiträge für allgemeine Wohlfahrtsbestrebungen zu entrichten. Herr Emil Waldstein- Breslau warnt vor Zersplitterung der Mittel; das geschehe besonders für jüdische Anstalten, deren Insassen an Zahl viel zu klein seien, um besonders versorgt werden zu müssen. Er empfiehlt u. a. Brautausstattungsstiftungen und einen praktischen Ausbau der Berufsberatung, die sich nicht nur mit Ratschlägen begnügen, sondern auch die Mittel für die Ausübung des empfohlenen Berufs gewähren sollen. Sodann referiert Herr W a l d st e i n selbst über „Die Not unserer Waisen- und Erziehungsanstalten": Diese Anstalten sind an Vermögen, Einkommen und in ihrer Wirtschaftsführung auf die frühere Friedenszeit eingestellt und infolgedessen durch die augenblicklichen Verhältnisse in der Ausführung ihrer Aufgaben gefährdet. Mit Rücksicht darauf ist ökonomisch bessere Gestaltung der Heimbetriebe anzustreben durch: Sparsamste Rationierung von Verpflegung und Kleidung unter Berücksichtigung der Aufgaben und Ziele der Heime, genügende Ausnützung der Häuser, Einrichtungen und Verwaltung, Vertretung berechtigter Ansprüche bei Körperschaften und Behörden. Die Not der Anstalten verlange von jedem einzelnen verständnisvolle Tatkraft zu ihrer Bekämpfung und fördere damit den Zusammenschluß sämtlicher Heime. Sodann referierte Herr Rechtsanwalt Dir. F r i tz L a m m- Berlin über „Aufgaben der jüdischen Jugendfürsorge". Diese umfasse Hilfsmaßnahmen für den Teil unseres Nachwuchses, der aus hygienischen, erzieherischen oder rechtlichen Gründen einer fürsorglichen Behandlung bedarf. Dahin gehören Jugendliche, denen ein geordnetes Familienleben fehlt, d. h. elternlose, uneheliche, verlassene Kinder; ferner sittlich gefährdete, verwahrloste, straffällige; schließlich Kinder aus unterstützungsbedürftigen Familien. Die Erfassung der Jugendlichen soll innerhalb der Gemeinden durch Verständigung mit Organen der öffentlichen Jugendfürsorge, ferner durch Einwirkung der Zentral-Wohlfahrtsstelle auf die kommende Jugendgesetzqebung erfolgen, soweit sie die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Jugend zu berücksichtigen hat. Die Beschaffung der Mittel soll geschehen durch Inanspruchnahme von Staat, Kommune und den Einrichtungen freier Liebestätigkeit, durch Zuwendungen unter Lebenden und von Todes wegen, schließlich durch Sammlungen „Für das jüdische Kind", welche nach Abschluß der Sammlungen für die deutsche Kinderhilfe stattfinden sollen. Am zweiten Tage der Wohlfahrtstagung sprach zunächst Herr Privatdozent und Sanitätsrat Dr. H a n a u e r-Frankfurt a. M. über „Sozialhygienische Aufgaben in der jüdischen Wohlfahrtspflege". Seine Thesen lauten: Die Degenerationserscheinungen, von denen das deutsche Judentum bedroht ist, sind 1. die Geburtenabnahme und 2. die starke Verbreitung der Nerven- und Geisteskrankheiten. Als Maßnahmen dagegen kommen in Betracht: I. die Ehereform (Bekämpfung der Ehelosigkeit, der Spätehe, der Ehe mit minderwertigen Gatten, der Mischehe; statt dessen Förderung der F ühehe und organisierte gemeinnützige Heiratsvermittlung), 2. Fürsorge für kinderreiche Familien, 3. Ausbau des Kinderschutzes durch Verbesserung der Fürsorge für Waisen und uneheliche Kinder, sowie des Bormundschafts- und Hallekinderwesens. Gegenüber den Nerven und Geisteskrankheiten: Erziehung der Jugend zur Einfachheit und Anspruchslosigkeit, ihre körperliche Kräftigung durch Förderung von Turnen und Sport, Berufsumschichtung durch Zuführung zum Handwerk und zum Gartenbau, Ausbau der Erholungsfürsorge. Korreferate zu diesem Thema hielten Prof. Dr. T o b y C o h n-Berlin über „Fürsorge für Nervenkranke", ferner Sauitätsrat Dr. F e i l ch e n f e l d-Berlin über „Fürsorge für Lungenkranke", schließlich Sanitätsrat Dr. Nawratzki- Berlin über „Fürsorge für geistig zurückgebliebene Jugendliche". In der anschließenden Debatte machte besonders die Rede des Herrn Dr. Eschelbache r-Düsscldorf Eindruck, der durch feine frische und lebendige Schilderung feiner Erfahrungen aus sozialpolitischem Gebiete lebhaften Beifall fand. Ueber „Jüdische Auslandshilse" sprach sodann Herr Direktor Dr. Friedrich O l l c n d o r f f-Berlin. Diese kennt nur ein nehmendes Gebiet, das ist Osteuropa. Die Fürsorge für dessen Emigranten bringe die internationale Gebefreudigkeit der Juden aller Welt zur Erkenntnis. Herr Rechtsanwalt Pr. K l e e-Berlin berichtet über feine Teilnahme als Delegierter der zionistischen Vereinigung an der „Karlsbader Wellhilfskonferenz und ihre Bedeutung für die jüdische Wohlfahrtspflege," wo die Wohlsah rtsorganisatto neu von 88 Länder» vertreten waren. GS wurde dort bloße Philanthropie abgelehnt, statt dessen eine dauernde Aufbautätigkeit beschlossen. DaS letzte Referat hielt H?rr Fritz S a u f m « n n-Berli» über „Probleme der Ostjudenfürforge tn Deutschland", ihr lag besonders die Regelung oer Binnenwanderung, sowie der Unterbringung der- Ostjuden in Arbeitsstätten ob. Es gelang mit Hilfe deS jüdischen Arbeitsamtes ca. 17 000 flüchtige Ostjuden in Bergwerken und in der Industrie unierzubringen. Der Referent teilte mit, daß die deutschen Gewerkschaften ihre ostjüdischen Kameraden gegen antisemitische Schikanen mit größtem Eifer jederzeit in Schutz nehmen. Sodann schloß Herr Rechtsanwalt Dr. Baum die zweitägigen Verhandlungen mit herzlichem Dank für alle Beteiligte» und der Hoffnung, daß die Arbeiten dem deutschen Judentum zum Segen gereichen werden. Er teilte mit, daß für die nächste Tagung eine Einladung nach Frankfurt a. M. vorliege. Was diese Tagung zu.einer unvergeßlichen für alle Teilnehmer gemacht hat, ist die erhebende Erkenntnis: im deutschen J udentum sind alle Kräfte, besonders aber die Frauen und Mädchen aller Stände in einer relativ so beträchtlichen Zahl im Dienste der Wohlfahrtspflege, wie bei keiner anderen Religionsgemeinschaft, tätig. Im I ldentum empfindet man das Leid des Einzelnen als das der Gesamtheit. Trotz der schweren Not der Zeit hat die Opferfreudigkeit der Juden nicht aufgehört, und sie wird nicht aufhören, ebensowenig wie der Optimismus, der erkennt, daß, wo ein Wille, auch ein Weg ist. Mus öem Reich. Berlin. Der Hanptausschuß des Reichstages beriet kürzlich Ein- und Auswanderungsfragen. In der Debatte, die sich besonders mit dem Erlaß des preußischen Ministers des Innern von: 17. November betr. die Unterbringung o st j ü d i s ch e r E i n> Wanderer in Konzentrationslagern beschäftigte, präzisierte Reichsminister Dr. Koch seinen Standpunkt wie folgt: Es liege kein Anlaß vor, irgendwelchen Ausländern Vorzugsrechte einzuräumen. Es handle sich nicht um Antisemitismus, sondern um Gleichmäßigkeit in der Behandlung aller Ausländer. Ausnahme-Maßnahmen zugunsten der O'stjuden ließen sich nicht aufrechterhalten, schon um deswillen nicht, weil die Auswanderung der deutschen Arbeiter erschreckende Formen angenommen habe. Jeder Einwanderer vom Osten bedeute im Westen einen auswandernden gutqualifizierten deutschen Arbeiter, das mache der Minister keinesfalls mit. Das Berliner Wohnungsamt habe sich dem Minister gegenüber entschieden gegen die Einwanderung der Ostjuden ausgesprochen, namentlich darüber geklagt, daß Berliner Proletarier „keine Wohnung finden, weil ihnen diese von Ostjuden weggenommen feien". Ebenso hätten die Landesarbeitsämter darüber geklagt, daß die einwandornden Ostjuden den deutschen Arbeitern die Arbeitsstellen wegnähmen. Der Minister sei nicht in der Lage, die ergriffenen Maßnahmen zu ändern. Präsident des Reichswanderungsamtes Jung führte aus: Was die unerwünschte Einwanderung an sich anbetreffe, so liege das erschwerende Moment gerade darin, daß die Einwanderer zum größten Teil ohne Pässe oder mit gefälschten Pässen die deutsche Grenze zu überschreiten suchten. Solange das namentlich über Oberfchlefien möglich sei, würden die Schwierigkeiten nicht ganz verschwinden. Jedenfalls würde von allen Seiten der Reichsregierung alles getan, um dem in dieser Frage bereits kundgegebenen Willen des Reichstages, diesem Einwanderungsstrom einen starken Damm entgegenzusetzen, gerecht zu werden. Abg. Hoch (Soz.) erklärte, es sei zuzugeben, daß energisch gehandelt werden müsse, um der Einwanderung der Ostjuden zu begegnen. Doch müsse man sich vor Uebertreibungen nach der einen oder anderen Seite hin hüten. Berlin. Die „Deutsche Zeitung" schreibt anläßlich des Zustandekommens der Gesamtorgantsation auf dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebundslage: Der Ehrentag des Herrn Koliscker und der Sieg des Herrn Freund über die religiösen, politischen und finanziellen ve» denten feiner Giaubensgenoyen wird auch von unS freudig begrüßt. Hoffentlich wird der fynagogale Zusammenschluß aller Juden in Deut chland bald auch zu einem polittscheu und völkischen Juden-Gesamtbund führen. Es ist immer verdächtig, wenn ein Organ, wie die „Deutsche Zeitung", die uns Juden stets in der schärfsten Weise anzugreifen pflegt, ein Ereignis in unseren Rethen freudig begrüßt. Umsomehr erkennen wir Liberale, die wir Wanderung durch Belgien. Aus meinem Reisetagebuch (1910). dn 6er alten Spnagvge bei Hhistelles. Halbdunkler Raum, von Alter grün, ' Hoch wölben sich romanische Bogen. - Draußen schwirrt leise das Vogelgezwitscher - Hier weht um Dich der Jahrhunderte Ernst . . . — Das brennende Lämpchen flackert und zuckt, . . . Hinter verblichenem Purpurstoff Ruht das urehrwurd'ge, große Gesetz, Und ob der Estrade tn goldroter Schrift, Auf der die strahlende Sonne ruht, Die ewigen Worte: Höre, o Volk, Einzig ist Er, der Lw'ge, Dein Gott! . . . -Und alle die alten Dinge erzählen Bon Sorgen und Sorgen, von Tränen und Leid, . . . Gemieden, verfolgt» verachtet, geknechtet» Zogen sie ihre Lebensstraße, Die diese Worte der Menschheit geschenkt. — — Einzig bist Du! — bist Leben, Welt, Licht. Du bist im ich, und ich bin im Du, . . . Du bist das All. Gott, . . . bist Du - das Leid? jRm Sonnenwenötag fm Segelboot nach wenöupne. Die See liegt ruhig da. — Am Himmel leuchtet wie durch matte Silberschleier Die große Sonne. — Es ist heut so still; Und überall ein Flimmern. — Vom weißen Segel glänzt der Tag in grellen Strahlen Seemöven kreisen um die Masten; — an ein Tau gelehnt Steht müde unser Steurer, träumt . . . und nickt, . . . Und seufzt, . . . beschattet mit der Hand die Augen, Und bliäft wett über- Meer hinaus. .. Die See liegt ruhig da; durch leises Rauschen gleitend Zieht einsam seines Wegs das Schiff . . . Ein weißcs Wölkchen schwimmt am Himmel, . . . Steigt still empor . . . und steigt noch langsam, . . . Zerfließt dann kaum noch sichtbar nur in Dunst und Duft. -Run ist es Mittag; . . . zögernd hallt die Glocke Als fürchtet sie das Schweigen zu zerstören ... Jetzt ist es wieder still . . . -Ein seltsam Singen liegt heut tn der Luft. — — Des Sonnenwendtags ernstes Zeitenfest? — »Denkst Du daran,* so raunen Wellen» Lüfte, »Da unsre Erde in dem Licht noch ruhte, Roch ungeboren, ... lag im Schoß der Mutter. Ihr Leben war nur ein Gedanke So traumhaft leuchtend Wie jenes zteh'nde Wölkchen droben . . . . . . Die Zeiten rollen . . . und sie sehnt sich längst zurück zu ihrer einst'gen, sel'gen Ruh« . . . Denkst du noch dran?"- Still liegt das Meer, Die Wellen rauschen Und singen, tönen Melodie'n, Umfließen unser Helles Schiff, - - Wohin der Kurs? — ... Ich weiß es nicht. . . . Brügge. Wir sind tn Brügge; — letztes Sonnenlicht Umfließt die reichen, altersgrauen Bauten. — — Kanäle; — über ihnen Glockenläuten, Gotisches Turmwerk, — alles grünumrankt Und träumend von der stolzen Zeit, Die seit Jahrhunderten vorüber, — Da Brügge Herr der Meere, Königin und Schah. - Jetzt ist es keine Stadt mehr, ist ein steinern Märchen, Gewoben nur aus Schwermut, Sehnsucht Und oolksltedfüßer, weher Trauer. Mit stillem» müdem Lächeln Sehn die alten Schlöster auf die trägen Wasser, Die, grün von Blattwerk langsam, langsam fließ««. Nun dunkelt es schon mählich . . . — Nur ein roter Streif am Himmel: — Die Abendglockentöne, leis verklingend, rauschen Das ew'ge Lied von der Vergänglichkeit. Jtaf dem Belfroi. Wir stiegen Vielhundert Stufen hinan i Im dunklen Turme, dem Belftoi. — $ Dann standen wir oben am Gitterdach \ Und blickten über die Stadt hinaus. I — Äber uns wölbt' sich die Himmels kuppe! j Bon schattendem Abendröte umsäumt» — Am Horizonte hing mattgelb die Scheib« Des alten Heimatfreundes, des Monds» —! Wie flüssiges Silber lag dort ein Baud i Unter dem Monde hell ausgebreitet: Da« war die Nordsee; — die tausend Lichter Ostende's glänzten, und was dort blitzte In rhythmischem Schwünge: — der HafenleuchttMW. Kühl strich die Seeluft zu unfern tzäupten, Unter uns auf den vielen Kanälen Wiegten sich die tanzenden Funken, Und die uralten Märchenhäuser Der Stadt — die lagen im Dunkel verborge«. Waren kaum noch wiederzufinden . . . Nur am Marktplatz» der Bursapälast, War erleuchtet» — dort standen Syringe«, Ihr schwerer Duft stieg dort wohl empor Und füllte die Luft mit süßem Geruch. — Dann wallten leichte Nebel um uns, Wie Schleier ... sie wurden dichter und dichter Und trübten zuletzt gar jeden Blick. .... Wir sahen nichts mehr und träumten im Dnnkeßn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.