Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 95 (26.12.1934)
- Date
- 1934-12-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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CO wmw pto ®cn uw@mB Die ,'Jüdifche Allgemeine? Jetzt hier die Ausfprache fort über das Tlwma Bund — oder nicht? Iß geißige Exißenz außerhalb des Bundes möglich? So gewiß co eine Binsenwahrheit ist, daß die Zeilen der CeM'hichuwcudc interessanter zu lesen als zu erleben bind, so 'heilig scheint man die Notwendigkeit erkannt zu haben., den AnforJemiiücti einer sulehcu Zeil gerecht zu werden. Die Tinl>chcidung des Alleren, sieh inner- oder außerhalb des Bundes zu, steilen, ist nicht eine Frage des persönlichen Cebclmiacks und der „geistigen Einstellung" des Lmzchicii, sondern sie wird \on der harten Notwendigkeit diktiert, die Zeilen zu überdauern. Der hier zu W ort gekommene „Außenseite, r" wird klänge „den Anschluß verpassen", bis er erkannt hat, daß ihm heule einlach das Hecht fehlt, „eigene. W ege" zu gehen. Ks ist \ou geringer JicdnjlUHg, oh auch außerhalb; des Hundes geistige Exoten/, möglich isl, da nur die durch geistigen und menschlichen Zusammenhang, geleistete Arbeit Werte schaffen kann, die den jtcsland der Gesainiheil sichern. — , ' W er von jeher sein besonderes iiitcrcs>c im Judentum sali, ist \ielleiehl versucht, sich über die Ergriffenheit und den Ernst der zum Judentum Zurückkehrenden zu verwundern. liier aber setzt gerade die Aufgabe des Hundes ein. Wer. lulsächlieh nur Schauspieler ist, wird die Maske durch' seine immer wieder erneut unter Beweis zu stellende Hereitschaft verlieren. Die übrigen aber bedeuten durch ihre Uli Voreingenommenheit,' durch ihren von keiner Schablone getrübten Blick eine außerordentliche Bereicherung der Huhdesarbcil. Denn es genügt heule zweifellos nicht, nur von Fachwissen beschwert zu sein. '' Die Alleren werden von ihren „eigenen Wegeu" zurückkehren müssen — wir wissen, daß dies schwer und schmerzvoll ist — oder sie werden verloren und wertlos für die Gemeinschaft sein. Jedes Sonderdasein außerhalb der Gemeinschaft ist ein Lu x u s - D a sc i n. Es gibt keine l'rivalfrage des Einzelnen mehr, die nicht in irgendeiner Weise dus Anliegen der Gesamtheit ist. In diesem Sinne ist der oben „genannte Außenseiter nicht existent. ■■ r Die erzieherische Aufgabe des Hundes besteht in der Harmonisierung aller heterogenen Kräfte, durch das Bewußtsein, Verantwortung und Verpflichtung als Einzelner für die Gemeinschaft z.u tragen.- Es isl eine böse Verkennung, hierin Gleichmacherei zu sehen. Denn je ausgeprägter die Individualität des Jünzclneir ist, um >i> stärker wird die Verpflichtung, seine Kräfte in den Dienst des Bundes zu stellen. Er wird nach seinen Kräften halbwisseusehaftUehe Arbeit verhindern und Gründlichkeit erstreben, und er wird durch den Bund lernen, die Gegenwart als ein Mumcnl der Zukunft zu verstehen; . Sich nicht durch diu Ungewißheit des Morgen verleiten zu lassen, .. unreife Früchte des'Tages zu essen, kein Augenblicks-Leben zu führen, sondern \ertraiicn in die Zukunft zu setzen und zu warten. Wer zum Bund kommt, -wird nicht „gut aufgenommen** und geborgen sein. Nein, gerade wenn er die Harte des Schicksals in sich aufgenommen hat, wird er reif sein für den Hund. Denn der Hund ist kein Felsen, unter dem die zusammengedrängte Herde Schulz vor dem Sturm findet, sondern der Sturm selbst: Die Fülle der. Individualitäten, die zusammengeht)Ilten Kräfte zur Erhaltung deutschen Judentums. IlcIImut GaJIiner * Eltern nehmen das Wort - „E J1 v r n Ii a n s und Uuil «1". hiels das Thema einer öffentlichen Aussprache, die llnhhiiirr Dr. Joachim Prinz mit Eltern führte. Eingangs skizzierte Dr. Prinz die geistcsgcschichllicbcn gung. uvi jüdischen Jugend sollte von Vertretern, der verschiedenen Jugcndhümlc durch Sclhsttirundlngcn der deutschen, und der jüdischen Jugcndbcwcgu Der Chcrhlirk ühcr die gegenwärti-'c Lage der jüdischen Jugt \ üllig.'---Ansliiü dalä die hctrcffcudcn Mitglieder der Jugcndbündc mit schlichten ^Vorteil ühcr Zielsetzung und .Arbeit ihres Bundes uutci richtet hüllen, bemühten sie sieh, iii unverständlichen Abstraktionen die -„Ideologie^ des Bundes zu umreißen. Glücklicherweise riß Dr. Prinz bald die Geduld, er unterbrach buchst jugendlich die anderen Redner und bat sie, den Eltern zu erzählen, was ihr Sohn Peter oder ihre Tochter Grete im Hund treibe. Viel licsscr wurde es auch nach der Unterbrechung nicht. Die Jugendlichen blichen auch weiter so abstrakt, als wenn sie ihre eigenen Großväter wärcii, .wie Dr. llroduitz spültisch bemerkte. Jugendlicher -gebürdeten sich die Eltern, die gar nicht früh genug drankommen könnten, um alles, was sie gegen dciijlund auf dem Herzen halten, loszuwerden. Die 1'ragen oder die Beschwerden, die sie vorbrachten, sind schwer in ein bestimmtes System zu bringen.und sollen daher so lose aneinandergereiht werden, wie sie am Abend gestellt wurden. Eine Mutter erkundigte sielt nach der Art der Eührcrauslcsc. Sie' hätte gefunden, daß oft pädagogisch ungeeignete Führer Gruppen leiteten. Eine andere Mutter machte geltend, daß die Aufnahme eines Kindes in einen bestimmten Bund oft vom Zufall abhängt: ..Wenn der Freund oder die Freundin von meinem Buhen in den „Bing" geht, meldet, er sich heim ,.Uing"'an, entscheidet sich die Freundin iur die „Verkleide1-, so gebt er dahin. Sollen da nicht lieber' die Eltern ihr Kind beeinflussen, in einen ihnen entsprechenden Bund zu gehen V Diese Frage wurde im Laufe der JJiskussion \on den verschiedensten Seiten, aufgeworfen. Die anderen Beschwerden hatten den fast jedem Jugendführer ' bekannten Inhalt: 0 h c r b c a n s p r u eh ung des Kindes durch den Bund.- Entfremdung der Kinder und Eltern durch den -Bund.. Eine .Mutler erzählte, daß ihr ein Führer der ,.\\'crklcutc'- auf ihr« diesbezügliche Klage sagte: „Wir erziehen die Kinder zur Chaluziuth und zum Kampf gegen das JEItcrnhaus". Darauf habe sie ihren Jungen aus dem Bunde genommen. Dr. Prinz antwortete sofort, daß sie vielleicht ihrem Kinde damit bitter Unrecht getan hat. Man dürfe einen Bund nicht für die Äußerungen eines einzelnen Führers verantwortlich machen, der überdies sicher nicht im Sinne des Bundes gehandelt hätte.. Seltsamerweise gab es unter den anwesenden sich an der Aussprache beteiligenden Eltern *- wenig Verteidiger des Bundes. Dr. BroduiU und der Berichterstatterführten demgegenüber aus, daß die Eltern nicht die große Bedeutung der jüdischen Jugendbewegung unterschätzen bullten. Die Flucht der Jugendlichen aus dem Elternhaus in den Bund zeige es am besten, wie wenig die Eltern allein imstande gewesen wären, ihren Kindern geistigen und seclisdien itücklialt zu geben. Daß die Eltern ihre Kinder selten restlos verstehen werden, liegt in der Tatsache begründet, .daß Aller und Jugend immer verschiedene Sprachen sprechen. Selbstverständlich müsse durch Kennenlernen und Aussprachen ein gutes 'Verhältnis, zwischen Eltern- und Buudcsführcrn angestrebt werden, jedoch wird beim besten Vcrstäudigungswillcii ein liest jener Spannung spürbar sein, die durch die Verschiedenheit der Lebenshaltung bestimmt ist. In seinem ausführlichen Schlußwort setzte sich Dr. Priuz, der selbst durch die Jugendbewegung gegangen ist, nachdrücklich für den Bund ein. Er führte ungefähr folgendes aus: ..Ich bejahe den Bund aus pädagogischen Gründen. In Ihren Fragen haben Sie nicht genügend die Grund vorausselz u'n g geprüft, ob bei den Kindern durch den Eintritt in einen Bund die charakterlichen Fähigkeiten entwickelt oder gemindert werden. Aus meiner Praxis käim ich ihnen sagen, daß es höchst wertvoll für jeden jüdischen Jugendlichen ist, wenn er sich in eine Gemeinschaft einordnet. Die Eltern sind besonders in der Jetztzeit': in ihre« Erziehungsfunktioncn so vielfältig gebrochen, daß sie dem Kind kein einheitliches geistiges Erzichungshild vermitteln können. Darüber hinaus bejahe ich den Bund aus jüdischen Gründen. Seit zwei Jahrzehnten hat die jüdische Jugendbewegung jüdisch gewirkt. Die Pflege des jüdischen' Liedes, die Schaltung einer Jugendliteratur gehen auf die jüdische Jugendbewegung zurück. — Wenn Sic vorhin dargestellt haben, daß das Kind von dem Bund zu stark beansprucht wird, so müßten Sie eigentlich darüber froh sein. Ihr Kind wird von einer Idee eifaßt. Seien Sic zufrieden, daß Ihre Kinder keine Banausen sind.'' — Ungestümer Zwischenruf eines Vaters: „Aber nicht jede Idee ist richtig!" Dr. Prinz fährt fort: „Wer entscheidet die Richtigkeit einer Idee? Es ist von den Eltern vermessen zu glauben, daß sie allein die richtigen Ideen hätten. Man soll die guten Anlagen eines Kindes .nicht hemmen, sondern fördern, sonst bringt man das Kind in starke Opposition zum Eltcrn- -haus. Als mein Vater mich am Sonnabend arbeiten lassen wollte, bin ich orthodox geworden und habe aus Opposition sogar . das Geschirr zerschlagen.'* An dieser Stelle ruft ein Lehrer dazwischen: „Wenn Sic wirklich orthodox wären, müßte Ihnen auch das Gebot JDu sollst Deiueu Vater und Deine Mutter ehren1, heilig sein." — „Aber nicht, wenn der Vater mich zur Entweihung des Sabbats anhält! Dieser Fall ist halaehisch entschieden. Und denken Sic über diesen Einzelfall hinaus ah' die allgemeine pädagogische Weisheit, daß wir nur Wegbereiter für das Leben unserer Kinder sein können und demgemäß die Kinder unter Berücksichtigung ihrer eigenen Lebeusgesctze erziehen müssen. Das ist der tiefe SiiuV jener ergreifenden Verse, die Richard Dchmcl im hüben Alter niedergeschrieben hat: ■ „L'nd wenn zu Dir von Sohnespflicht, Mein Sohn, Dein alter Vater spricht, ■ Gehorche nicht! Gehorche nicht!"' Bruno Suiunierfcld. Keine jiidifchen Lehrlinge im Buchhandel? In der Frage der Ausbildung jüdischer Lehrlinge im Buchhandel hahcn-Täich Unklarheiten insofern ergeben, als die Aufnahme von Juden in die B. c i c h s s c h r i f 11 u ni s k a m m c r kaum möglich ist. Nun veröffentlichen in dieser Sache die „Mitteilungen des Provinzialvercins schlcsischer Buchhändler EV" eine Verlautbarung, in der es heißt: Nichtaricr können nicht mehr als Lehrlinge oder Volontäre im Buchhandel ausgebildet Verden, da sie nicht damit rechnen können, in die llcichsschrifttumskammcr aufgenommen zu werden. Eine solche Mitgliedschaft ist aber Voraussetzung für die Berufsausübung. Eine Ausnahme gilt lediglich für die jüdischen Buchhandlungen, die sich auf die Beliclerung jüdischer Kundschaft beschränken. — Ein amtliches Verbot der Ausbildung jüdischer Lehrlinge im deutschen Buchhandel liegt unseres Wissens ■ nicht vor. Die Einfiellung jugendlicher Arbeitskräfie - Mit dem 1. Januar 1935 besteht für alle Betriebe — auch für die kleinsten — die Pflicht, vor Einstellung jugendlicher Arbeitskräfte die Zustimmung des zuständigen Arbeitsamtes einzuholen. Diese im Zusammenhang mit dem Arbcitsslcllcntausch zugunsten älterer Angestellter erlassene Anordnung bezieht sich auf alle Arbeitskräfte unter 25 Jahren. Eine nachherige Befragung des Arbeitsamtes ist unzulässig. In jedem Falle muß vor Einstellung die Zustimmung des Arbeitsamtes vorliegen. mds gäwoeif ms ÄMOS EnÜaffung eines jiidifchen Krankenhausarztes . Eine Entfclieidung des Berliner Arbeitsgerichts Das Arbeitsgericht in Berlin hatte sieh mit einer Klage zu beschäftigen, der über den Einzelfall hinaus wesentliches Interesse zukommt, weil zum ersten Mal über die Anwendung der Beslim-., mungen des Bcrufsbcumtcngcsctzcs auf Krankcnhausärzte entschieden worden ist. Ein in einem städtischen Krankenhaus bis Ende März 1933 tätiger jüdischer Arzt halle mit dieser Klage seine fristlose Entlassung angefochten und einen Cchaltsanspruch für drei Monate, für die Zeit vom 21. März 1933 bis 3U. Juni 1933, geltend gemacht. Die beklagte Sladtgcnicinde behauptete demgegenüber, sie habe den Kläger aus wichtigem Gnmde entlassen müssen. Die Station, auf der der Kläger arbeitete, habe plötzlich, obwohl ihr Umbau schon längere Zeit geplant gewesen sei, wegen Infektionsgefahr geschlossen werden müssen. Sie habe den Kläger auf anderen Stationen nicht unterbringen können. Außerdem ober habe in jenen Tagen unter den Insassen des Krankenhauses und ganz besonders unter der Bevölkerung des betreffenden Verwaltungsbezirks eine starke Erregung über' die Anhäufung jüdischer Arzte im Gesundheitswesen geherrsclit. Der Kläger sei am Tage seiner Entlassung von der SA aus dem Kraukcuhausc entfernt worden. Unter diesen Umständen habe die Beklagte die Verantwortung Tür eine Weitcrbeschäfligung des Klagers nicht übernehmen können. Auch darin habe ein wichtiger Grund . zu seiner fristlosen Entlassung gelegen. Das Arbeitsgericht Berlin hat durch Urteil vom 7. Dezember — 5 AG 5G4/34 —'die Stadtgcmcindc zur Zahlung des geforderten Gehalts verurteilt. In den Entschcidungsgrüudcn beißt es, daß nach der geltenden Rcchtsanschauuug die \ cranlworlung für die Störung im Betriebe immer diejenige Partei trage, ,aus deren Sphäre die Störung kommt, und der eine Beseitigung der Störung zugemutet werden kann. Vor der Schließung der Station habe deshalb', zumal schon längere Zeit vorher die Schließung geplant war, rechtzeitig eine anderweitige Beschäftigung des Klägers oder eine fristgemäße Kündigung erfolgen müssen. Es heißt danii weiter: „Auch die von der Beklagten behauptete Entfernung des Klägers aus dem.Krankenhause und die Erregung der Bevölkerung in den damaligen Ta"cn war kein Grund zur fristlosen Entlassung des Klägers. Nach der Praxis des Uiulcsarbeilsgcriclits Berlin kann zwar eine Schutzhaft von längerer Dauer im Einzelfalle einen wichtigen Grund zur fristlosen Entlassung eines Angestellten bilden. Die Beklagte hat aber selbst nicht behauptet, daß der Kläger längere Zeit über tatsächlich an der .Wiederaufnahme seiner Arbeit verhindert «ewesen sei. Wenn sie aber glaubte, den Kläger a 1 s J u d e n entlassen zu müssen, so stand es ihr frei, sich auf die Bestimmungen des Bcrufsbcanitengcsctzes zu stützen, ' die gerade auch die nachträgliche Zurückffihrung einer vor Inkrafttreten des Gesetzes ausgesprochenen Kündigung auf den § 3 des Bcrafsbcamtcngcsctzcs zulassen." Das Angcstelltcnvcrhältnis habe deshalb über den Zeitpunkt seiner Entlassung hinaus weiterbestanden. Das Gericht prüft weiter, ob der Kläger auf seine Gchaltsansprüchc nicht verzichtet oder sie verwirkt habe. Dies wird verneint und damit begründet, daß der Kläger nach seiner Entlassung zunächst'seine Rechtsstellung gegenüber der Beklagten nicht übersehen konnte. Es sei deshalb verständlich, wenn er erst die Entwicklung der Dinge abwartete, che er seine Ansprüche geltend machte. Da auch eine ' Verwirrung der Ansprüche durch Zeitablauf narh der geltenden Praxis der Gerichte nicht anzunehmen sei, sei der Klage stattzugeben. Sanitätsrat Dr. Karl Abel verläßt das JVidifche Krankenhaus Saiiitälsral Dr. Karl Abel, einer der bekanntesten Frauenärzte Berlins, verläßt, nachdem er die Altersgrenze übcrsehrillen hat, am 1. Januar 1935 die Stätte seines langjährigen Wirkens, das Jüdische Krankenhaus zu Berlin, dessen geburtshilflich-gynäkologische- Abteilung er seit 1914 als Chefarzt leitete. Allem menschlichen Wirken ist von Natur aus eine Grenze gesetzt, aber wo die Altersgrenze beginnt, dus will uns die Natur nicht immer sagen, das läßt sie von den Menschen bestimmen. Und der Mensch ist dann gezwungen, - sich diese Grenze mit madiematischer Genauigkeit auszurechnen. 65 Jahre, das ist die Zahl, die bei der Berechnung der Altersgrenze herausgekommen ist. Unser K ranke nhausvorst and dürfte sieh wohl auch an diese allgemein gültige Zahl halten, doch im Falie Kart Abel fiel es Uim offenbar schwer, diese Grenze schon so früh zu ziehen. Und das mit Hechti Denn wer den jetzt 71jährigen „Chef" noch heute bei seiner Arbeit sieht, der muß erstaunt sein über die ungewöhnliche geistige und körperliche Frische. Ist es doch für ihn eine Selbstverständlichkeit, immer noch selbst die schwierigsten Operationen auszuführen, wobei es ihm ganz gleich ist, zu welcher Tages- oder Nachtzeit die Operation vorgenommen werden muß. Als ein Schüler von Karl Abel kann ich sagen, daß dieser Mann nicht nur als Frauenarzt in hervorragender Weise sich, betätigt hat, daß er mebt nur den vielen Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung cin gütiger Arzt war, sondern daß er auch als Meister seines Fachs ein guter Lehrer gewesen ist, der sieh etne gioße Anzahl von Schülern in aller Welt herangezogen hat. Danehen war er Dozent am Zentralkomitee für-ärztliche Fortbildung, das Um „aus besonderem Vertrauen" zum ordentlichen Mitglied ernannt hat. Durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten auf \iclen Gebieten der Gynäkologie und Geburtshilfe ist er in der Literatur bekannt, besonders aber durch seine vier Hüeher, die; den Ärzten ein guter Leitfaden geworden sind. An der Ausbildung der Technik der' vaginalen Operationen hatte er einen hervorragenden Anteil. Das Operieren war aber für ihn noch lange nicht das höchste Ziel. Weit erstrebenswerter erschien es ihm, kranke Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zu behandeln. So hörte man oft, wie er seinen Schülern sagte: „Das Operieren ist keine Kunst; ist nur eine Frage der Technik, und die bringt man fast jedem bei; aber zu wissen, wann man nicht operiert, das ist die große Kmist des Frauenarztes." W ie so viele bedeutende Arzte trieb auch er in seinen Mußestunden Musik und betätigte sich gern als Bratschist in Quartetten. Dr. II. Lewin, Berlin. Die JacoDsonstifJung ,,„■.■„a.H0 vergibt zu Ostern 1933 einige Freistellen in dem mit der Stantl. Oberrcalschule (ehem. Jacohsonschulc) verbundenen Schülerheim. Bewerbungen baldigst an den Vorstand der Jacobsonstiftung z. lld. d. Herrn August Jacobson, Hamburg, Fcldbruimcnstraße 24.