Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 95 (26.12.1934)
- Date
- 1934-12-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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••?•' ' p das Hcrht ' zugestanden erhalten,- die Kinkaufsclnriclituiig'cn Vier Finna llcrmanTr^Tii'U 11. Co. für eine gewisse Zeit zu benutzen, und zwar insbesondere zum ausgesprochenen Zwecke. der Förderin!" des zusätzlichen Exports. Derartige sogenannte Anschluttnlilcwnuirn hat die Firma Hermann Tictz u. Co. mit über 30 giülk-icn und kleineren Kunden. Mit dem Ausscheiden der bisherigen persönlich haftenden Inhalier Georg und Martin Tictz stellen die se dem Tictz-Konzcrii vollständig als Fremde gegenüber, haben keinerlei irgendwie gearteten Einfluß auf den Geschäftsbetrieb und betreiben selbstverständlich auch nicht den Einkauf für den Warenhaus-Konzern.*1 Gebet für den Landesherrn l'nler der Überschrift ..Ein Rabbiner fälscht Gebete*" veröffentlicht der Angriff" in seiner Ausgabe vom 22. Dczcml>cr l implutt atrophische Wiedergalic des Gebetes für den Landesherrn in der Cbcrsetzung von .MichaeV Sachs und stellt ihr den hebräi- >< hen Text gegcnüU-T./Das'.Gebetbuch der Israeliten"', so schreibt das Malt, „das der Berliner Rabbiner Dr. M. Sachs, der die Synagoge in der Oranienburger Strafe eingeweiht hat, vor rund 81) .Jahren Irerniifgah, enthält — wie das Institut zum Studium der .ludenfrage feststellte — eine Fälschung bei .der deutsehen Übersetzung der Gebete.** Nachdem die Zeitung den genauen Wortlaut des hebräischen Texas wiedergegeben hul^ führt sie fort: Während im deut- * ihr n Text für das Heil der deutschen Nation, für lilüte und Wohlstand des deutschen Landes, für Segen und Wohlfahrt der Stadl (Berlin) und ihrer Einwohner, für das deutsche Vaterland gebetet wird, ist im Ii c h r ü i s e h c n .Text hiervon nichts zu finden, sondern statt dessen wird für Rettung Judas, für die Sicherheit Israels und für das Kommen eines Erlösers für Zidn gebetet.*' * Wir dürfen wohl dazu" bemerken, daß das Gehet nicht nur eine lütte für das Wohl Israels und für die Erlösung des jüdischen Volkes enthält, sondern eine sehr dringende Ritte für das Wohl des Irandesherrn und für eine für das gesamte Volk segensreiche Regierung des Herrschers. Es handelt sieh dal>ci selbstverständlich um eine "freie, aber keine den Sinnentstellende Übertragung. Eine . Erweiterung des allen Textes in der Übersetzung war ~ dadurch gerechtfertigt, daß Jercmia 29, 7 den in die Verbannung A 17 D . ' . . ' ^ziehenden Juden ans Herz legte, für die Stadt, in die Gott sie führt, zu beten: ..Und suchet das Wohl der Stadt, dahin ich Euch weggeführt habe, und betet um sie zu dem Ewigen; denn in ihrem Wohl wird Euch-wohl sein. « SynagogeiunufikerPg.Flörke Hamburg. Der Hamburger Anzeiger entnimmt dem .,Stürmcr" die nachstehende Mitteilung: „In der kaufmännischen Abteilung' der „Göttinger Nachrichten" war (und ist vielleicht heute noch) ein gewisser Flörkc als Hauptbuchhalter angestellt. Flörkc schlich sich im, April 1933 in die NSDAP ein. Früher mag er beim Zentrum gewesen sein. * .,Dcn Angestellten in der kaufmännischen Abteilung der „Göttinger Nachrichten" fiel auf, daß der Hauptbuchhalter Flörkc des öfteren sich auf ein bis zwei Stunden aus dem Büro entfernte. Einer der Angestellten wollte wissen, daß Flörkc da immer in die Kirche gebe. Um hinter das Geheimnis des Hauptbuchhalters Flörkc zn kommen, ging ihm, als er sich wieder einmal zum „Kirchgang*' anschickte, ein SS-Mimn nach. Der war nicht wenig erstaunt, ata er. den Nationalsozialisten Flörkc in der Synagoge verschwinden sah. Die weiteren Nachforschungen ergaben, daß der Hauptbuchhalter Flörkc ton den Juden als Orgelspieler in der Synagoge angestellt war.'1 Man kann,, kommentiert das erwähnte Hamburger RIatt diese Nachricht, aus der hier berichteten Tatsache zwei Feststellungen machen. Die erste ist die erfreuliche, daß auch die Juden bei der . Arbeitsbeschaffung gelbst bei freien Stellen in der Synagoge) Parteigenossen unl>edingt den Vorzug geben, die zweite etwas nachdenkliche zeigt die Notwendigkeit, die neuen Parteigenossen doch' noch einmal scharf unter die Lupe zu nehmen; es klingt .nicht gerade schön, von einem Juden zu hören: Unser neuer Synagogcmnusiker Pg- Flörkc ... Fortsetzung von der 1. Seite, ihres Bekenntnisses und ihrer Gemeinsamkeit zwingt: die ideelle Entscheidung. Es gibt eben Zeiten, in denen es keine praktischere Frage gibt, als die Theorie. In einer Zeit wie der heutigen, in der selbst der Jugend die Romantik! des Jugend 1 and es, die sie in ihren Runden suchte, ' . durch täglich neue, harte soziale Fragen verdrängt oder doch eingegrenzt wird, in einer Zeit, in der der Rund kein Thema der Freizeitgestaltung mehr ist, sondern so wichtige Fragen wie Berufsvorbercitung und Berufsumschichtung in seinen Arbeitskreis einbezogen hat, in einer solchen Zeit ist die Frage nach' der geistigen Ausrichtung nicht nur zulässig, sondern -.letztlich unbedingte, moralische und geschichtliche Notwendigkeit. Menschliche Existenz wird nicht nur vom Stofflichen, sondern auch vom ' G e i s t i g|c ii her bestritten. Niemals bat eine Jugend ein geistiges Fundament, eine geistige Begründung ihrer Existenz so bitter nötig gehabt wie im heutigen historischen Augenblick. Mit dieser Frage tritt sie heute vor die ältere Generation hin, vor alle Richtungen und Bewegungen, deren säkularer Wert unstreitig ist. Und somit auch vor den religiösen Liberalismus. I . . Dumitj wird die A n t w o r t auf diese Frage der jungen Generation der ExistcnzLcwcis des liberalen Judentums heute. Wir meinen, daß es dazu noch imstande ist, aber wir meinen, daß uueh keine einzige Richtung innerhalb des Judentums sich ihr Echo so schwer zu erkämpfen hat wie gerade der religiöse Liberalismus. Niemund ist so stark vorbelastet. In einer tätlich | ' _ .V *" wachsenden Aggressivität gibt man dem liberalen Judentum zu verstehen, daß es abzutreten habe, weil es überholt, unwirklich und; unwirksam geworden sei, und alle diese Angriffe! ■ . basieren auf derselben These: religiöser Liberalismus — I politischem.- Aber „Raus aus dem Judenfilm" Münchener Protest gegen «Ein Mädel aus Wien" Nürnberg. Die „Fränkische Tageszeitung** berichtet: „In einem größeren Münchner Lichtspieltheater entstand während der Abendvorstellung ein Tumult, da das Publikum den vorgeführten Film „Ein Mädel aus Wien" energisch ablehnte. Ein Augenzeuge berichtet uns folgendes: . „Der verlockende Titel .',Eiu Mädel aus Wien1* hatte dafür gesorgt, daß das Theater fast bis aufden letzten Platz gefüllt war. Was in dem ''Film gezeigt wurde, hat sehr wenig mit unserer Auffassung vom „deutschen Wien" zu tun, sondern es wurde in kitsclügcr und schmieriger Weise gezeigt, wie ein Jude mit der Macht seines Geld-« beutels ein armes deutsches Mädchen zu gewinnen sucht und sich als seinen Mäzen aufspielt. Einzelne Stellen des Films waren so widerlich und undeutsch, daß das Publikum seiner Entrüstung offen Ausdruck *gab; eine Anzahl von Theaterbesuchern verließ die Vorstellung bereits vorzeitig. Das übrige Publikum konnte sich schließlich nicht mehr an sieh halten und erhob sich ostentativ unter lauten Zurufen. Aus der Menge hörte man rufen: „Deutsche, raus aus dem Judcnfilm!** — „Zeigt deutsche Filme!"* — „München, ist Kunststadt und will keinen Kitsch sehen!" usw. Die Vorführung mußte abgebrochen werden, und* von der Leitung des Theaters wnirdc bekanntgegeben, daß die Eintrittskarten für die Vorführung eines besseren Filmes Gültigkeit behalten.'* „Erfreulicherweise," fügt die. Fränkische Tageszeitung diesem Augenzeugenberieht hinzu.- „ist der Film von der Leitung des Theaters endgültig abgesetzt worden. Recht erfreulich ist es. daß das München er Publikum den Mut hatte, undeutschch Kitsch abzulehnen. Es hat damit jenen Leuten eine Lehre gegeben, die immer, noch nicht zu wissen scheinen, daß eine neue Zeit angebrochen ist und daß sich München ein für allemal verbittet. Filme vorgesetzt zu bekommen, die mit deutschem Wesen nicht dos geringste zu tun haben. Sarah Bernhard als Filmheldin Die Paramount bereitet einen Film vor, dem das Ruch von Basti Wood „Die wirkliche Sarah Bernhard" zugrunde Hegt. Der Titel wjrd lauten „Divinc Sarah". Die Hauptrolle wird entweder Marlene Dietrich oder EHssa Landi spielen. Die endgültige Entscheidung darüber ist noch nicht erfolgt. Es ist zwar nicht zu bestreiten, daß die Erklärung der Menschenrechte und ihre Verankerung in den Verfassungen europäischer und niebtcüropäischer Staaten gewissermaßen das staatsbürgerliche Komplement zu den großen sozialen Forderungen unserer Schrift bedeutet. -Es ist auch nicht zu bestreiten, daß das Judentum Abraham Geigers sich in glücklieber Harmonie mit den großen geistigen Strömungen des Jahrhunderts'gesehen hat. Aber weder haben wir Hie Anmaßung zu behaupten, daß etwa die israelitischen Propheten [die französische Revolution gemacht haben und Moses Mcndelssolm das Edikt von 1812, noch;sind wir so bescheiden, zu meinen] daß erst das akademische 19. Jahrhundert'die wissenschaftliche j Kritik und die EigenwilUgkcit der Forschung in das Judentum eingeführt hat, und daß all dieses, die ideelle Rasis und die kritische Korrektur, mit'dem Ende des politischen Liberalismus ebenfalls im Religiösen sein Ende genommen habe. Sofern man nicht' glaubt, daß die Tora min haschomajim gekommen ist, sondern das keineswegs gleichzeitig entstandene, mitunter (man denke an;dos Auftauchen des Deuteronomiums) auf sehr zweifelhafte Weise zustande gekommene Produkt einer Jahrhunderte währenden menschlichen Überlegung ist, die aus der .Natur der Sache niemals frei von Kritik ist, und sofern man weiß, daß das gesamte nachbibüschc Schrifttum auch nicht aus einem Guß und in einer geistigen Linie besteht, sondern erfüllt ist von Schulenstreit, von1 Protesten und Widersprüchen, — sofern dies alles zutrifft, muß man zugeben, daß das, was Kennzeichen des geistigen Liberalismus gewesen ist, nämlich \ ° - | Bewegung und Entwicklung, von jeher Bestandteil jüdischen Denkens gewesen ist. Immer hat es den Gcsctzcsmcnschcn im Judentum gegeben, der die Vergangenheit vorbehaltlos übernahm, und den G c w i s s Cj n s m e u s c.h c ri, der seine gegenwärtigen Erkenntnisse zum Protcstgrunil gegen erstarrte Tradition genommen hat. Darum ist jener Mann aus Tckoah, - jener Prophet .A m o s , genau so gut ein Reformer oder, wenn man so will, ein „Liberaler", wie alle Späteren des 19. Jahrhunderts, wenn er gegen das Opfer revoltiert und die soziale Forderung von Recht und Gerechtigkeit aufstellt. So betrachtet, nimmt liberales Judentum nicht mit Geiger seinen Anfang, und mit unseren Tagen sein Ende, so betrachtet, gab es immer'schön zwei Elemente im Judentum: das starre kraft naiver Gläubigkeit und das bcwcgte'kraft wissenschaftlicher Einsicht und sozialer Erkenntnis. Wahrzeichen für das erste ist der talmid chacham", der fromme Lernende, Wahrzeichen für das zweite ist der israelitische Prophet von Moses bis zu den Großen unserer Tage. Dicker Gegensatz ist in derj gesamten Geschichte des Judentums nachweisbar, unjd es wäre ein historisches Verdienst heutiger Liberaler, ihn einmal umfassend darzustellen. Im 19. Jahrhundert hatte er lediglich das Glück, eine politische Parallele zu finden, und heute die politische Belastung dieser historischen Begegnung seinen Namen zu verdanken. Der politische Liberalismus ist aus Deutschland verdrängt. Aber jene .religiöse Antithese: Starrheit und Bewegtheit, Identität und Kontinuität wird bestehen, solange es den moralischen Konflikt zwischen Gesetz und Gewissen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart gibt, j Mau hat dem religiösen Liberalismus politische Nebenabsichten von jüdischer Seite her zum Vorwurf gemacht.' Man hat ihn der falschen Assimilation bezichtigt. Es soll nicht in Abrede gestellt werden, daß er derartige Erscheinungen im Gefolge hatte, ohne daß damit aber, von unserer Seite her ein Werturteil über den Begriff der Assimilation abgegeben werden soll. Aber notwendig trägt religiöser Liberalismus eine politische Tendenz so wenig "in sich, so wenig die Propheten Assimilanten waren und so sehr Moses Mendelssohn und Samson Raphael Hirsch, zwei gewiß nicht liberale Männer, der natürlichen und geschichtlichen Assimilation zugestrebt haben. Leopold Zunz, Abraham Geiger, Zacharias Frankel waren religiöse Naturen, sie kamen nicht nur vom Geiste ihrer Zeit, sondern vom Geiste der jüdischen Geschichte her. Ihre politischen Ambitionen waren, soweit überhaupt vorhanden, Konsequenz ihrer religiösen Entscheidung, aber nicht Voraussetzung. Heute, wo politische Absichten ohne konkreten Wert für ihn sind, hat aber der liberale Jude die-große Chance der Selbstlosigkeit. Er hat die Gelegenheit, sich von dem Verdacht' zu reinigen, daß religiöse Reform nur nach politischen Vergünstigungen blickt, denn die Möglichkeit der Emanzipation scheint ihm auf Sicht geraubt. Heute gilt das Wort Abraham Geigers, daß „die Frage unserer Zeit unter den Juden nicht Emanzipation, sondern Reform' ist". Deshalb wird der religiöse liberale Jude seine politischen Hoffnungen niemals aufgeben, aber auch er wird sie lediglich als Folgerung seiner religiösen Schau nachweisen können und. nicht als einziges Ziel seiner religiösen Arbeit. Vordringlich jwird ihm die Erkenntnis sein, daß religiöser Liberalismus im innerjüdisehen Raum sein Schwergewicht hat. Aber „Zeit istV\ daß dieser Beweis angetreten wird. Weil Bekenntnis nicht Anbiederung und Angleichung bedeutet, wo sie nicht gewünscht und wo sie verderblich ist, durum hätte der religiöse Liberalismus nicht dulden dürfen, daß er nunmehr seit Jahr und Tag von ungerufenen Kritikern und von berufsmäßigen Ignoranten angeprangert wird; darum halte er längst dagegen protestieren müssen, daß ihm, von welcher Seite auch immer, der. Vorwurf der UnWirklichkeit und der Unzeitgemäßheit gemacht wird. Wenn der religiöse Liberalismus sich nicht einmal mehr verteidigen kann, dann wäre es freilich Zeit, daß er abtritt. Apologetik .genügt nicht. Seine wahre Rehabilitation wird der religiöse Liberalismus erst im Rereich der praktischen' Betätigung finden. Es gibt da eine Aufgabe für ihn, wie sie schöner und größer kaum gedacht werden kann.. Von der Jugend war die Rede. Diese Jugend ist bereits in ihren Runden ein größeres. Stück weher als ein Teil der älteren Generation. Sic hat das Jahr 1933 nicht nur als persönliches Erlebnis, sondern als einen Teil jüdischer Geschichte begreifen und werten gelernt. Sic hat nachgelesen und festgestellt, daß die Ereignisse in ihrer Gegenwart ihre Vorgänger besessen haben. Damit ist der Rund ein Vorstoß in das Judentum geworden. Aber entscheidend ist, daß die Jugend jüdische Geschichte einstweilen noch mit jüdischer Vergangenheit identifiziert, daß sie ihre eigene Existenz und ihren Zugang zu jüdischer Vergangenheit durch Begriffe wie Abstammung und Stammcs- - gemeinsehaft schon hinreichend legitimiert glaubt. Mit andern Worten: wenn sie geschichtlich denkt, so denkt sie allenfalls rückwärts und nicht vorwärts. Hier dürfte die Erziehungsaufgabc des religiösen Liberalismus einsetzen. Iii dem Werk eines heutigen jüdischen Theologen wird ausgesagt, daß es in den Tagen von Zacharias Frankel das Anliegen des religiösen Liberalismus gewesen ist, die religiöse Reform auf der religiösen Tradition aufzubauen und diese zu geschichtlichem Bewußtsein zu erheben. . Die Generation unserer Tage kommt von der Geschichte, d. h. von geschichtlichen- Tatsachen her, aber sie ist noch nicht methodisch und wissensmäßig dazu imstande, das Gcschiehtscrlcbnis ihrem Bewußtsein in Ordnung und. Regel einzuverleiben. Es wäre die Pflicht des religiösen Liberalismus, der jungen Generation den Weg zu einem geschichtlichen Bewußtsein zu erschließen.--Die Totsachc, daß er es tun würde und kein anderer, würde verbürgen, daß kein einseitiger Historismus entstände, keine willkürliche autoritätsscligc Geschichtsdeutung, kein geographisch und zeitlich begrenztes jüdisches Staatsbewußtsein, sondern daß das geschichtliche Bewußtsein ein religiöses Bewußtsein würde. Jüdische Geschichte, so ungefähr müßte die Reform des Judentums, heute sprechen, ist nicht aus einer kleinen, persönlichen, zeitgebundenen Existenz zu begreifen. Jüdische Geschichte wird nicht durch Daten begrenzt und nicht durch Genealogien ausgefüllt. Sie .beginnt mit der Schöpfung und der Messias steht am Ende. Diese beiden Pole der Heiligkeit umschließen,, schaffen und garantieren das Leben des Juden an jedem Ort und zu jeder Zeit. Jede geschichtliche Epoche hat, wie einmal gesagt worden ist, ihren Zugang zu Gott. Nichts anderes will religiöses Judentum. Es will, , daß jeder Augenblick unter dem Stempel der Schöpfung und unter der Hoffnung auf den Messias steht, d. h. im Blickfeld der Ewigkeit. Es will beweisen, daß geschichtliche Ereignisse, mögen sie zwei Jahre oder mögen sie tausend Jahre, dauern, unbeachtlich sind gegenüber dem Auftrag, unter dem der Jude steht. So un- . gefähr müßte das Motto für die Reform des Judentums vom heutigen Tage lauten. Möchten sich die Menschen zusammenfinden, die unter diesem Vorschlag das neue jüdische Gcschichtswerk schreiben. Die Frage dieser Zeit ist die Frage nach der Existenz des deutschen Judentums. Ich glaube, das deutsche Judentum wird existieren, aber leben wird es nur, wenn es ein religiöses Judentum ist. *■ Der vorstehende Aufsatz enthält die Gedanken eines Referats, das Heinz Kellcrmann im ..Liberalen Verein" zu dem Thema „Religiöses Judentum — Bekenntnis und Gestaltung" gehalten bot. Über die Veranstaltung berichtenwir in der ersten Beilage dieser Nummer. Teppichhaus Zentrum, C 2 Spandauerstr. 28 [grüner Teppichiaden) Teppiche jeder Art. Cäufer. Vorlagen. Steppdecken. Gardinen. Keine Aufmachung — niedrige Preise