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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-12-19 · 94 (19.12.1934) · page 10

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
94 (19.12.1934)
Date
1934-12-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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-Iiau[it liegt über dem ganzen Iloman der peinliche Heiz einer interessanten Enthüllung. - . Nun sa';cn wir gewiß nichts gegen die Tendenz des Uurlics, nämlich den verderblichen Einfluß einer land- und artfremden Tlasizu zci"cn. Ich muß vielmehr persönlich gestehen, daß mir dir Vertagen., einige Aufschlüsse galt, die, genau dun hgeduehl, heilsam« Clauen einflößen können. Aller die .Verfasserin schrieb . iiicn Hornau. Wie aber sollen wir kün.'tig die Werke unserer Dichter erkennen, wenn wir zu einer solchen scusationsgcpcilschlen zweckgeri. Iitclen Srhriflstcllerei ja sagten, zu einem Werk, 1 letlmden das Judentum bekämpft, licm _......... ______ ..Seine -Khr'hrit, »ein Wissrli^die"gute Erziehung bemächtigen sich ihrer Phantasie"; ,.f)u bUt die wundciihcilciidc deutsche Fraucnseelc-'. len zweckgeri.htclen Silinllstcllerei ja sagten, zu einem »er* das' mit jüdischen Scllriftstcllennelhiidcn das Judentum Iickänljifl ein Werk, dessen Stil zwischen Srliiioddrigkeit und sentimentaler Pathos schwankt und gelegentlich su ins Platte ausrutscht: ..Sein Sekles künfilerifcher Nachlaß - "Der kürzlich verstorbene Frankfurter KohiiHinist und Musikpädagoge llrrnhard Sekles, dessen Tod wir in der vorigen Woche jrcmeJdct halten, Iint zwar nicht in der ersten Jlfcihc der schaffenden Musiker gestanden, «her er hintirlülSt in der1 Geschichte seiner Kun*t doch eine Weihende Spur, sowohl durch seine-Werke, ab auch 'durch seine Tätigkeit aU Erzieher der musikalischen Jugend. Sein Schaffen stand zuletzt ganz »in Dienste des jüdischen Kultur- Ichens: er setzte sich für die Gründungdes Kulturli u ii d e s II lictn-Mai u ein. dessen Orchester unter Kails Wilhelm Slcrnbcrg er ein .Fugcndivrrtinicnlo aus ,.Figaros»; Hochzeit" widmete. Man hört von einer Arbeit-anginem grolicii Werk für den Kulturbund, dessen Ilcendigung nur Krankheit und Tod verhinderten, ebenso wie-die Gründung eines musikalischen Studios zur Weiterbildung jüdischer Musiker. [ An seinem Grabe gedachte Rabbiner Dr. S a I z b c r g c r vor allem des problematischen Menschen, der schwer unter der Jetztzeit Jitl. Wie menschlich ist er auch als Künstler in den letzten zwei Jahren schon .,heim gegangen" zu seinem Gott und fand in der Bibel eine neue Quelle seines Schaffens. Sein letztes Werk, dessen Uraufführung er nicht mehr erlebte, war die Komposition, von Psalm 137, eine seiner besten jüdischen Tondichtungen. In der ..Frankfurter Zeitung" gibt Karl .Ijloll eine liebevolle Würdigung Hernhard Sekles*. der wir folgende« entnehmen: Der Komponist Sekles hat seinen ersten großen Erfolg 1907 auf dem Tonkünstlerfcst in Dresden mit seiner Serenade für elf Solo- Instrumcnte davongetragen. Den Höhepunkt der künstlerischen Wirkung und öffentlichen Anerkennung hat er 1917 mit der Aufführung seiner Oper ..S chaliraza d c'*^ im Mannheimer National theatcr. unler Furlwänglcr. erreicht. Zum letzten Mal hat er die Aufmerksamkeit der Musiker nn|I Musikfreunde auf Heb gezogen bei der Uraufführung seiner Symphonie im leipziger Gewandhaus durch Bruno Walter, des Werkes. jlns dann untcr.dem Taktstock von Ernst Wendel auch auf dem Deutschen Tonkünstlerfcst in Bremen 1931 erklungen ist. In die Zeit \jor und unmittelbar nach jener Serenade op. H fällt die Kom|K>sitiön zahlreicher Lieder, in denen Sekles sich vor allem von der Yolkslyrik und Volksmusik des Balkans und des ferneren Ostens anregen ließ; darunter die Gesänge aus ...llnfiz" für Bariton und die Ijeder aus dem .,Sehi-Kirigi; für Sopran-und Klavier, die .melodisch. rhylh- 'misch und klangfarbig eine ganz eigene Note tragen. Zwischen der Oper .,Sehahrazadi)*'. Text nach ,.1001 Nacht" von Gerdt von BatVwii/., erschienen als op. "i6, und der Symphonie op. 37. liegen Werke, in denen dieses phantastische Klnngtdiom. das auch Elemente des westlichen Impressionismus aufgesogen hui. im Sinuc des von -der neuen Muaikbewcgun;; wieder geweckten Gcwinscns (ür «Vm »trenne Vorm- und ttnuf-cselzlirlikeil der Tonkunst vergeistigt wird*, wir nennen die Yio.i.i.rell-Sonnlc. das Strcicbipiiirlctl. die .JV^^aeaglia und Fuge" lür großem Orchester, die ,.1'bauto» tischen Mimiiliircn" fiTr kleines Orchester (auch „Ge.siclilu" genannt), die 13 klrinrn Kiiiiiiner-Sf Ticke, die Variationen für - Mäiinrn-Imiv Hhit- und Srh/n^/tislrumente über „Prinz Eugen*" und das Vorspiel ,.D c r Dyb uk'1. Das schon J913 mit dem Tanz- .spicl vDcr 5£wcrg und die Infaniin" begonnene Bühneuscliaffen Jiat Sekles nach der ..Srbahrazade" mit der Oper „Die Hochzeit des Faun" fortgesetzt und mit dem Marchenspiel ..Die zehn Küsse'' abgeschlossen. (Uraufführung des ..burlesken TraunispicJs": W21 in Wiesbaden, -unter Arthur Itother: Uraufführung des Märchenspiels nach Andersen:. 1926 m Frankfurt, unter Cilemens Krau ß.} Es' war' nicht eigentlich Epigonentum, es war. aber auch kein starkes. Richtung weisendes Schaffen, was aus Sekles" Feder zu unseren -Ohren drang. Es war vielmehr ein Vortasten, ein Vorfühlen vom sicheren Boden der spät romantischen Vergangenheit aus in-eine noch Ungewisse Zukunft, von der nur zu spüren war. daß sie sieh -*voni großen Palhos und allen ajißcrnmsikalischcn Absiebten freimachen und wieder auf die innersten Gesetze der Musik hcHimcn werde, Sekles, der sehr menschliche Künstler und sehr künstlerische Mensch, war immer auf der Suche nach neuen Ufern, war immer In Bewegung. Er war nicht wurzellos, doch er verzehrte mit der zunehmenden Entfernung vom Boden der spätromautischeu Musik seine Kräfte, ohne jenes Neuland schon zu-erreichen, dem er noch als Fünfziger im Ichendigen Kontakt mit der jungen Generation zustrebte. Wir-hohen ihm für das Streben zu danken und, auch dafür, daß er sich bet diesem Streben wesentlich nur von künstlerischen Momenten antreilten ließ und i-ich in seinem ganzen Schaffen .einen offenen Bück für die Grenzen seiner Begabung bewahrt haL Es mag am Ende eines sehr arbeitsreichen und " materiell wenig ergiebigen Ijchens diesem ständig Bewegten ein Trost gewesen sein, daß manches, was er selbst nicht halte erreichen können, im Schaffen einiger seiner Schüler sich vorzubereiten oder gar heranzureifen schien. Jüdifche Schickfale in Briefen Im Saturn-Verlag, Wien, kommt soeben ein Werk heraus, in dem an Ifand Iiisher ungcsammclten Bricfmaterials der Gang der jüdischen Geschichte innerhalb der letzten dreihundert Jahre zu einer übersichtlichen und bedeutungsvollen Einheit zusammengeschlossen wird. „"Juden und Judentum in deutschen Briefen" ist der Titel der von Franz Koblcr herausgegebenen' Sammlung, aus der wir nachstehend einige Briefe veröffentlichen. Wir kommen auf das bedeutsame Werk noch ausführlich zurück. ■; Mo/es Mendelsfohn als Bräutigam Iro Jahre 1761 verloMe sich Moses Mendelssohn mit der lUunhuiKtria Framct Gimeahcira. Seiue Briefe aus der Ver-; lulmngsieit get(ca ein llild des glücklichen Verhältnisses. Mendelssohn an KroraetGugcnheim Berlin, 26. März 1762. Liebste FromctI Mit aller Hochachtung von einer Madcmoiscllc Braut gesprochen: Sic lügen! Ich habe Sie nicht ohne Briefe gelassen, und wenn i Sic böse sein wollen, so seien Sie über den Postträger, böse. Und riunmehro habe ich Ihnen eine Neuigkeit zu melden. Gestern ist1 unser Niederlassungsrecht' mit Gottes Hilfe akkordiert worden. Nunmehr sind Sic so gut wie Herr Moses Wcsscly ein preußischer Untertan und müssen die preußische Partei ergreifen. Sic werden1 .also auf gut preußisch alles glauheu. was zu unserm Vorteil ist.! Die Bussen, die Türken, die Amerikaner stehen uns alle zu Diensten und. warten nur auf unsern Wink. Unsere Münze wird noch besser als Bariko. die ganze Welt wird Sicherheit in Berlin suchen und unsere Börse wird berühmt sein vom Schloßplatz bis an unser Haus. Dieses alles müssen Sic glauben, denn Sic haben Nieder! assunssrecht in Berlin ... Wer praktisch denkt, von Vogel schenkt! Fleisch — Wurst — Gef lUgel nach wie..yor streng Augtburger Str. Ecke Passauer Str., Telefon B 4 1557 Ühland -,D rogerie und Parfümerie Inn. Otto Unpsdofff — Liefert Jede Menge frei Haus Berlin W 15, Kurfürstendamm 212 Ecke Ulilands tralie — Telefon ] 1 Bismarck 5692 Wirklich moderne Inneneinrichtung Hcns Schneider, Uhlandsfraße 165 zwischen Kurfürstendamm und Liet2enburger Straße Heinrich Kannemann seit 1905 Papierhtndlune — Buchdruckerei — Cürobedacf — Monacrimrn-Prficerei Berlin W I5, Uhlandslr. 31, Fernsprecher: J 1 Bismarck 1368 Bonzo-Friseur Tauentzienstr. 10 gegenüber Marburger Straße, B 4 1045 Dauerwellen RM. 3,50 Haarschnitt 50, Wasserwellen 75 Pfg. Im Herrensalon: Haarschnitt 50 Pfg. Tragödie einer jädifchen Profelytin ■■ Anna Kon^ianzc Gräfin v. Cosel war im .Jahre 1680 uld Prides tau tin jjf'lmreu. sie galt als eine der achünsteti und i-einwiHsien Fraucu ihrer Zeit und war die Freundin Friedrich Antrups IIder unter dein Namen August yer Starke. Kurfürst, von Sachsen und König von Polen war; Du sie sieh wrifieite. ein Dokument licrauszuirebeu.' das ihre lind ihrer Kinder Aueikeunuui: enthielt,. wurde sie wegen Murd-;tu:-chlügs auf ihren königlichen Liebhaber;mf Schluß Stulpen interniert. Wählend draußen in der Welt ..TudcnVertreibungen erfolgten, wurde sto in der Kitismukcit ihrer Gefangenschaft Jüdin. Cbcr den ltesuch in ihrer Zelle schreibt Karl Josef Fürst, v. Lisnr. den Goethe den ..frühesten Mann des Jahrhunderts" genannt hat. Karl Josef Fürst v. Ligncan Konstanze von Cosel | Winter 1761. Wie ruhrenu* sintl Ihre Katselilu;!t\ Gräfin! ' Achtumlvierzig Jahn; Gefängnishaft in diesem alten Schlüsse-Stolpeu. wo Sie nur mir allein einen Besuch gestatteten, hauen Sic die Welt-und ihre Gefahren nicht vergessen lassen. . . . was die Keligiun betrifft, so würde ich den 'Abfall vom ' Christentum und das Bekennen zu Ihrem viel älteren Glauben dem Anblicke einer , von 50 oder Gl) Sekten Ungläubiger beschmutzten Kirche vorziehen. Man wird aber nicht so leicht in den Himmel aufgcnunmiun, nie in den .Malteser- oder Deutsehherren-Orden, wo es nur auf die AIinen|irohe ankommt. Trotz beträchtlichen Leichtsinnes »nd lüsshjen Kirchcnbcsuchcs, bin ich doch fast ein gutes Katholik. Was meine Jtulunbcgicrdc betrifft, so vergeben Sic mir diese ' um der ganz1 tüchtigen Generale Josua, Gideon, David, Abncr und der .Makkabüer willen. Sic haben 1 leiden gesehen und andere dazu gemacht, und ihren eigenen Mut hat selbst der Heros Karl XJI. bewundert. Das war damals, als Sic dem König August bedeuteten, den Sehwedeukünig festnehmen zu lassen, der ins Arsenal eingedrungen war, wo Sic eben im leichten Morgcnklcid das Bett verlassen hatten. Sic sehen. dal> ich nicht vergesse, was Sie mir erzählten, das heißt, daß ich mich aller Ihrer Worte zu erinnern weiß, denn sie waren alle. interessant . . . Sie können SjYh die Gefühle nicht ausmalen, die mich bestürmen, als; Sie mir neulich für imnicr Lebewohl sagten. Sic talcn dies mit großer Festigkeit, che Sic mich au einem Freitagabend um 6; Uhr verließen, weil die Mysterien und Zeremonien ihrer Religion anfingen. Sic sprachen zu mir: ..Allwöchentlich versammeln sich die über die ganze Erde Verstreuten, um den Vcrhvißun»cn der Propheten zu lauschen. Ich hause nun fast ein halbes Jahrhundert' lang einsam in meinem Turm, aber im Gebete vereinige ich mich mit jenen anderen. Ich habe ihre Sprache erlernt und Luther abgeschworen; weil ich seine Erklärungen und Untcrschcidun"cn' nicht zu verstehen vermochte. Ich wäre katholisch geworden, wenn ich den christlichen Glauben nicht lieber gänzlich aufgegeben hätte. Hier haben Sic eine unserer Bibeln mit allen meinen rot "cschriehenen Anmerkungen. -Bewahren Sic dieses Buch mir zuliebe auf. Leben Sie wohl, seien Sic glücklich, Ichcu Sic wohl auf immer.: Meine irdische Wanderung wird im Laufe dieses Jahres Wol enden.*' Diese finstere und schwarze Behausung hoch oben in einem altersgrauen Turm, so alt wie Wittekind, war von einer, einzigen Lampe erhellt, die trüb brannte wie ein Totenlicht. ° Das alles ist in meinem Herzen für immer eingeprägt.'in dem die trinncrungcn an IJirc große Eigenschaft und die mir erwiesene Güte unauslöschlich bleibt. 'auch als Staatsbeamter stets mit einer Liebe und Begeisterung, die, ich darf es wohl" sagen, die Grundzüge meiner Seele bilden. Warum sollte ich meiner Stelle im Ministerium entsetzt und in eine Provinzialstadt versetzt werden? Alle meine Rechte sprechen dagegen ... . sagen Sic, mein teilnehmender Schützer, dem Fürsten (Hardenberg), daß alle meine Studien, meine Kenntnisse, meine' Bemühungen, kurz mein ganzer Lebensplan, nur auf die Hilfsquellen berechnet sind, die nur die Hauptstadt für Wissenschaften '■ und Künste mir bieten kann, daß ich mein ganzes Leben dazu organisiert habe, daß man im 40. Jahre mit wankender, halb zerstörter Gesundheit nicht eine neue Laufbahn beginnen kann, daß man endlich Wurzeln getrieben hat, die, wenn man sie ausreißt, das Leben verbluten, und den Trieb, neue zu bilden, unmöglich machen. Stellen Sic dem Fürsten vor, daß es jedoch im Preußischen nie geschieht, selbst den geringsten Professor ohne seine Einwilligung zu versetzen, daß der edle Fürst doch bedenken möge, einen .Mann vor der ganzen Welt zu bcschjmpfcn, indem man ihn degradiert, sei doch wirklich keine "-Kleinigkeit. Stellen Sie ihm vor, daß ich mit meiner Position, meinem Wirkungskreise ganz zufrieden bin, daß seit vielen Jahren alle meine Studien nur diesen eigentümlichen - Gang genommen haben und daß; wenn ich daraus entfernt werde, ich gelähmt, ja vernichtet bin, und daß es weit mitleidiger wäre, mich lieber des Dienstes ganz zu entlassen und mich in die Fremde hinauszustoßen, wiewohl ich meine Kräfte und den dritten Teil meines väterlichen Vermögens im Dienste des Staates aufgeopfert habe. Vaterfegen aus der Ferne Gabriel Riesser, zum Rechtsanwalt bestimmt, wird in seintr Heimat sstadt Hamburg als Jude rur Ausübung dieses licrufes nicht. zugelassen. Die Taufe, ja selbst die Möglichkeit, unter fremdem Namen als Anwalt tutig1 zu sein, lehnt er ab.. Damals schreibt ihm sein Vater: Lazarus Jakob Riesser an Gabriel Hicsscr Hamburg, 30. September 1822. / ' ' . (am Tage vor dem Versöhnungstage.) Mciii innigst geliebter Gabriel! Ja, du bist ein wirklicher Enkelmeines großen Meisters, des hochscligcn Raphael Cohen! So und nur so hat der Hochselige in seiner Zeit gedacht und gehandelt, so und nur so mußt du denken und handeln, wenn ich das Glück haben soll, der Welt ein Ebenbild des großen Mannes in einem seiner Enkel aufzustellen! Wie konntest du aber einen Augenblick zweifeln, daß deine kraftvolle., mannhafte Sprache mir auch nur einen Augenblick mißfallen könnte? . . . ich, ein treuer, langjähriger Schüler und zartgclicbtcr Sohn eines solchen Helden, sollte eine solche Sprache nicht zu würdigen verstehen? Solltcn seine Lehren, sollte, sein Beistand zu geringen Einfluß auf mich gehabt haben? da doch im Gegenteil bei jeder wichtigen Gelegenheit in meinem Leben mir sein Bild, seine Heldenthaten und seine Energie im Denken und Mandeln so lebhaft vorschweben? Hätte meine Liebe zu dir nicht früher schon den höchsten Grad erreicht, so .würde diese Denkungsari, diese Sprache, dick mir noch Heber gemacht haben: aber ich gestehe es dir gern, werter, geachteter und würdiger hat sie dich mir gemacht, ich sehe in dir den würdigen Nachkommen eines Mannes, dessen Verehrung-bei mir mit jedem Jahre zunehmen muß. weil ich mich immer mehr überzeuge, seines Gleichen nicht wiederzufinden! ... _ - Dieser Brief kann erst übermorgen an dich abgehen, aber nachdem heute morgen deine kindlich-treuen Worte vom 25. d. M. mich noch tiefer rührten und bewegten, wurde es Bedürfnis für mein Herz, sich dir ganz aufzuschließen, und ich. betrachte es als die beste Vorbereitung für meine Andacht für den heutigen Vcrsöhnungsabe.nd mich mit Dir. mein geliebter Sohn! zu unterhalten, und nachdem ich mich gegen dich über diesen wichtigen Gegenstand ausgesprochen, werde ich mich freier, aber auch freudiger und andächtiger dem himmlischen Vater nähern können; möge ich bei ihm die Liebe und Nachsieht und die Versöhnung wieder finden, die in meinem Herzen für dich walten, aber möge auch ich yor ihm so kindlich treu, so schuldlos, so ergehen erscheinen, wie du mir erscheinst! Amen! Es nahet die geweihte Stunde, wo dte geliebten Kinder den väterlichen Segen empfangen, und ,so komme auch du, mein geliebter jüngster Sohn, empfange meinen Segen. Doktor Koreffs Sturz Auerbachs Tragik | David Kor.lmao(i Korcff war eine <lcr nrcrkwüraiBstön OCfl.-illcu der dculsi-hon Itomnntik. Kr war Arzt und Schriftftrilcr und wurde 'lsifi nach villuwntr- Taufe Professor an der lierliner Universität. Als Freund und Leibarzt des Fürsten Hardeuhen: wurde er aueli in die prcuBisdic innere SwatsiervvallunLübernommen. InfolBe antisemitischer Angriffe inuuu- Koreff. der mit den hervorragendsten Geistern der damaüuen Zeit in enseu Hcziehuncen stand, alle Ämter niedriifEcn und nirnr 1SÜ riai-li l'aris. vn> er ein Bindeglied zwischen deutscher und französischer Kultur wurde. Korcff an Fürst II c iTI r i c Ii P ö c k I c r •» i . 10. Oktober 1821. | Mein wertester Herr Graf! Eilmilicii; Sic mir nachsichtsvoll, Ihnen einige Au-enbliekc zu rauben und Sic mit einer Angelegenheit, die mich betrifft zu unterhalten.;Aus Ihren und der Frau Fürstin ÄuBcruii-cn habe ich wohl gesehen, daß man damit umgeht, mich aus Berlin zu entfernen. Warum dies geschehen soll, frage ich vergebens mein Oewisscn und mein Erstaunen.^ Ich habe durchaus nichts -ctan ™ solcher Pngnadc ^ud Ungunst mich würdig machte. Meine Pflicht habe irh mit der größten Freudiikeit erfüllt — mehr tat ich stets, als die bloße dürre Pflicht fonlcrt, denn ich handelte Das" ttagische Schicksal licrthoM Auerbachs, der, nun - Iiabhincr bestimmt, ein vielnelescnerUnd verehrter deutscher Dichter wurde, der zwei Jahre vor seinem Tod ausrufen mußte ..VerKel-ens ffeleht und gearbeitet!"', wird ia einem lirief lebendig, den Ludwig Anzengruher drei Jahre uach dem Tod des Dichters der ..Schwarzwälder Dorfgeschichten" an den "Wiener Literarhistoriker Anton Lcttelheirn geschrieben hat. Ludwig Anzcngruhcran Anton Bettel heim ' Penzing, 30. Juli 1885. .... zum Schluß vom Schlüsse Ihres Schreibens vom Kulturjuden Auerbach. Ich halte den Alten für das, für'was er gehalten werden wollte, für einen Deutschen und finde sein Geschick, das seine Laufbahn in dem antisemitischen letzten Reste unseres Jahrhunderts enden ließ, geradezu tragisch; der Mann fühlt sich einen Deutschen,:zählt sich zu den Schriftstellern, die im deutschen Schrifttum etwas geleistet, genoß auch die Anerkennung nach beiden Richtungen hin, dczcnnienlang. Plötzlich vor seinem Ende bekommt er es zu hören, daß er eigentlich denn doch gar nichts anderes sei, als ein dcutschschrcibcndcr — Jude, ein Fremder . . . * Helfer am Werk von Bayreuth Der Name Hermann Levi. mi£ der Geschichte des AVagncrschen Werkes unlösbar verknüpft, war von Richard Wagner ausersehen, die erste Aufführung des ..rarsifal" zu dirigieren. Kurz vor der Premiere erhielt Levi von einem Brief Kenntnis, in dem Wagner gewarnt worden war, sein Werk von einem "Juden dirigieren zu lassen. Levi bat daraufhin um seine Enthebung. Darauf schrieb ' Iliclinra Wagner an Hermann Levi Bayreuth, 1. Juli 1881. Lieber bester Freund 1 Alle Ihre^ Empfindungen in'.Ehren, so machen Sic doch sich und uns nichts leicht! Gerade daß Sic so düster in sieh blicken, ist es was uns im \ erkehr mit Ihnen etwa beklemmen. könnte... Lm Oottes willen kehren Sic sogleich um und lernen Sie uns ordentlich kennen. Verlieren Sie nichts von Ihrem Glauben, aber gewinnen Sic auch einen starken Mut dazu' 11 p-Cn C'cI,' — Sibts,cine groß« Wendung für Ihr Leben — für alle Falle aber — sind Sic mein Parsifal-Dirigcnt! Nun, herauf hcraufl Ihr K. W.'

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