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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-12-19 · 94 (19.12.1934) · page 9

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
94 (19.12.1934)
Date
1934-12-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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! 2. Beilage 19. Dezember 1934 JUDISOIE AUGEMEINE ZEITUNG * Enirümpelung ^ne westdeutsche Zeitung bringt . , „ . »Musikalische Randglossen", in denen sie, .wie der Reichsluftschutzbund zur Entrümpelunder Speicher und gewerblichen Räume", ihrerseits zu? „üntrunipelung des Notenschranfces" aufruft. Wohin sie damit zielt, erkennt man, wenn sie in zwei dieser Uossen Felix Mendels.sohn-Bartholdy erwähnt. Unter der Überschrift „Lied ohne Worte" druckt sie ohne Kommentar das Programm des Leipziger Gewandhaus-Konzertes vom 29. November ab m dem neben Mozart, Schubert, Haydn,. auch das weltberühmte Violinkonzert von Mendelssohn erscheint. Lnd schheßhch knüpft die Zeitung an die Mitteilung, iju""11- Fr°bez"™ner eines Männergesangvereins goldbronziert die Büste Mendelssohns prange", die Bemerkung: „Behandlung im Sinne des Reichsluftschutzbundes anempföhlen." Jeder weiß, daß Mendelssohns Liedkompositionen zu wirklichen Volksliedern geworden sind. Viele wissen auch, daß der zwölfjährige Mendelssohn 1821 von Goethe m Weimar geradezu väterlich aufgenommen wurde, als Dank für sein Klavierspiel, das den Greis aufs höchste entzückte. Gerade in der späten Epoche, als Goethe traurig, einsam und enttäuscht dahinlebte, nennt er den jungen Mendelssohn einen „himmlischen, kostbaren Knaben", seinen „David, der ihm die bösen 1 räume scheuchen soll". Aber nur wenige werden bissen, daß Goethe, der sich lange gegen Beethovens Musik gesträubt hatte, durch Mendelssohn zur Begeisterung für dies deutsche Genie geführt wurdeals er dem verbittert in einer Ecke Lauschenden den ersten Satz der C-moll-Symphonie vorspielte, da rief Goethe: „Das ist grandios! Das ist sehr groß!" w=nn das Leipziger Gewandhaus noch jetzt Mendelssohn spielt, so bedeutet dies einen durch ein Jahrhundert geübten Akt der Dankbarkeit; denn Mendelssohn hat, seit er 1835 als Direktor des Gewandhauses nach Leipzig berufen wurde, diese Konzerte auf eine Hohe gebracht, zu der bis dahin kein deutsches Musikinstitut gelangt war. ,Er hat das Leipziger Konservatorium der Musik gegründet und Leipzig' für lange Zeit zur ersten Musikstadt Deutschlands gemacht. Es sei daran erinnert, daß , Mendelssohn, den Nietzsche den „halkyordschen Meister" nennt, den urdeutschen Thomas-Kantor Bach wieder entdeckte undi als erster die Matthäus-Passion, genau ' hundert Jahre nach ihrer Entstehung, aufführte. Und als kürzlich im Theater des Volkes Shakespeares'„Sommernachtstraum" mit einer neuen Musik gespielt wurde, ist vielfach gesagt worden, daß die weltberühmte „Sommernachtstraum"-Musik Mendelssohns deutscher und shakespearischer sei als die neue Komposition. Was Goethe anbetrifft, so hat er sein Haus keineswegs von Mendelssohn „entrümpelt'S sondern , er hat das ihm gewidmete 3. Quartett des jungen Musikers „mit höchster Bewunderung" entgegengenommen, ihm in seinen Tagebüchern ein Denkmal gesetzt und sogar den Maler Schmeller beauftragt, eine Kreidezeichnung Mendelssohns anzufertigen, die der Achtzigjährige irr seine berühmte Bildersammlung einreihte. Habakuk. Kunft und Kitfeh / Modernes Liedfchaffeh Ein Kulturbundkonzert Wilhelm Guttmanns war ausschließlich der Liedkunst'moderner jüdischer Komponisten gewidmet. Wie jüngst bei einer ähnlichen Veranstaltung der Künstlerhilfc, so konnte man auch diesmal "wieder als durchgehendes Merkmal aller dieser Werke einen ausgeprägten Sinn für formale Geschlossenheit feststellen, der einem Sich-Vcrlicren in Einzelheiten der Textinterpretation. wirksam begegnet. — An Originalität und ausgereifter Satzweise steht obenan Mai K o - walski, der in seiner ,.Serenadc" sehr schön den zwiespältigen Klang des Verlaineschcn Gedichtes trifft; meisterhaft sind ferner seine Klabundlicder. Heinrich Schalits „Hallclujali" erinnert stark an seine großartige Freitagabendliturgie; auch in dem Lied spürt man wieder die religiöse Schöpfungskraft, die sich in dem vielleicht bedeutendsten Werk moderner Synagogenmusik kundtut. Gerhard Go 1 d s c h 1 a g s romantische Schreibart verbindet sich mit einem ausgesprochenen Zug zu formaler Gerundethcit; so gelingt ihm am besten ein außerordentlich gefälliges „Schott- Tanzlied". Edvard M o r i t z erscheint in seinen Liedern noch nicht recht als ein ganz Eigener;' sehr hübsch und in ihrer , geschickten, mitunter huffonesken Deklamation ungemein wirkungs voll ist seine Vertonung einer Lessingschen Fabel. . Wilhelm Gurtmann, von Kurt Sanderling ganz »aus gezeichnet' begleitet, stellte seine vornehme und dabei so reich nuancierte Kunst mit Leidenschaft in den Dienst der Sache. F. Das Programm der Jüdischen Buchvereinigung. Wie uns die Jüdische Buchvereinigung mitteilt, kann der noch für dieses Jahr angekündigte zweite Band des Romans „Joseph Kerkhovens' dritte Existenz" von Jakob Wassermann infolge unvorhergesehener Schwierigkeiten voraussichtlich erst im nächsten Jahr erscheinen. Statt dessen wird den Mitgliedern die Lebensgeschichte Shmarya Levins „Kindheit im Exil" dargeboten. Im kommenden Jahr erscheinen die „Geschichte der Juden in-Deutschland" von Professor Elbogen, „Palistina-Bilderband" von Dr. Georg Landauer und Karl Jakob Hirschs'Roman .„Hochzeitsmarsch in Moll". Die Tasse als Bilderrätsel ~ In der Staatlichen Porzellanmanufaktur, in den Humum Inder Leipziger Straße, wurde eine Ausstellung „Faniilienporzcllan" jetzt eröffnet. Erinnerung wird wach an altvaterische, längst vergangene Kaffccstundcil, bei denen die Croßuiüttcr jene llicdermcicrtassrn verwandten, viulclte mit goldenem Itaml, mit "cschwungenen Henkeln, mit Blumengirlanden auf königsblauem Grund. Auf manchen Tassen sieht man Porlraitrclicfs, für 'uns heute wie auch für die Menschen der damaliscu Zeit wirhti-e Dokumente, denn damals gab es ja noch keine Fotografie, und ' -renn die Croßmutler ihren Enkelkindern solche Tomen zeigte, Jann pflegte sie hinzuzufügen: „damit Ihr mal F.uoru" Urgroßvater seht". Und neben der ,Vitrine hing vielleicht eine rotogrufic, Dagurrrolypie tles Urgroßvaters. Zahlreich sind die Tassen, die sieh auch in jüdische m F a m i 1 i e n h c » i t z aus diesen Zeilen erhalten Italien. Gerade die Tassen waren ein beliebter Sammclgcgenstnnd, und die berühmten Kollcktiiinen, die leider zu einem. Teil schon versteigert und damit in alle Winde zerstreut sind, zeugen davon: Namen wie Dar m s t ä d t e r und Salz und die große Anzahl ungenannt sein wollender Summier in aller Herren Länder. Aus jüdischem Itcsitz ist in der Leipziger Straße der schöne bunt gehaltene Teller mit dem Hause des Berliner llofiuwcliers •r iede.be rg. Auf diesem Porzellan aus der Zeit von 1860 ,ehcn wir das stolze Gebäude Unter den Linden, in dem die Kaiserin Augustu ein häufiger Gast war. Daneben enthält die reizvolle Berliner Ausstellung entzückende Dinge aus dem Rokoko, dessen zierlicher Überschwung Initialen auf weißes Porzellan malen hieß, nicht in Gold oder einer einzigere Farbe. Blumengirlanden legen sich zu einem schön geschwungenen „i/* oder ange, schmale, grüne Blauchen ergeben ein „R", beschwingt«, und frohe Monogramme, wie man sie im leichtlebigen galanten Jahrhundert erdachte. Qas Biedermeier liebte die Bilderrätscltässchen, auf denen die Worte „W a n d 1 e auf" (stehe Abbildung) geschrieben und darunter „rosa Bosen" mit runden Blättern gemalt sind. Wandle auf Rosen — auf der Obertasse, die Untertasse ziert ein Vergißmeinicht, darüber nur dos Wörtehen „und" — vergiß mein nicht I Man nimmt den Eindruck mit nach Hause, daß diese Ausstellung in der Leipziger. Straße . wahrhaft künstlerisch ist, und manches Gebrauchsporzcllan in dieser Schau stammt, wie gesagt, aus ungenannt sein wollendem jüdischen Besitz. Nicht aus einer flüchtigen Laune heraus wurde hier gesammelt: etwa Porzellan aus jüdifchem Famiüenbefita — Wo iß die Grenze?—Dürer-Spießchen mit pommesfrites - „Gefchmacklofigkeites gibt nichts Schlimmeres" Mimatnrhandsrluihr aus Porzellan, aus Silber und Gold, oder Fingerhüte aus edelstem .Material, Uhren, kostbare Dosen und Duschen, die beim Aufklappen Musikstücke spielen. Ks ist aurli keine Bede von Menschen aus aller Herren Länder, die sich für Miiiiaturschräukchcii, Kästchen mit hundrrteii von knarreiidi'li Fächcrehcn bcscistcm oder für kuriose Eßbestecke in kleinstem •rorniat, ohne dir mau im.Rokoko nicht leben konnte. Wir müssen gestehen, daß dies alles Dinge sind, die hartau'der Greine stehen, hinter der der edle Kitsch beginnt. Denn hart aneinander stoßen oftmals die Grenzen zwischen Kusch und Kunst, sie liegen näher, als wir vielleicht nuuchiiicii, und ein litel für eine Ausstellung „Familirii|>onelluu" hätte leicht ganz anders ausgelegt werden, können, hätten nicht mi kultivierte. Menschen wie die Leiter dieser Berliner Schml diese Ausstellung-— organisiert. Nicht alle» muß gut sein und ist gut, was in den ramilirn, an Kunstgewerbe .vor allem, vorhanden ist, selbst wenn es mit Interesse gesammelt wurde. Andererseits wollen wir nicht « ertc der Tradition rauben, uns mit Dingen uiLseiiiaiidersrlzen, die in unserer Zeit vielleicht hervorgeholt werden, in einer Zeit, in der mau.von der Rückkehr in der Familie redet.. Schwelgten wir. nicht in historischen Stihnntivru; haben wir nicht »Ilmnl» in unseren Wohnungen ein Tinten zeug mit je einem Behältnis für Streusand und Tinte mit den beiden Leuchtern, die scriruliafl vom ägyptischen und assyrischen Stil augelangen bi» zu den Formen des vergangenen Jnlirhuudrrt*, miiurlunal auch int. „Gi- - srhinaek'* verschiedener Völker vor mich ' nicht allzu lauger Zeit fabriziert wurden? Wie geschmackvolldagegen ist du«- Tintenfaß aus Porzellan, das die Stnal.siiumufuklilr jetzt aus dem -Rokoko au»-' stellen kann! — Und out der linderen Seite kokettiertenwir. mit den schlichtesten, nucklen Koustruktioiisforuiru und verzichteten oft völlig auf jeglirhrii Schmuck. — Ich erinnere 'mich, daß ich im Dürer-.luhr in Nürnberg ganz besonderen Ccschnincklosigkeileii begegncle: Taschentüchern mit Dürers 'Bild. Dürer- 11 ü s t e Ii aus .Marzipan und Ehrungen Dürer» auf der Speisekarte: „Dürrr-Spicßi-bcn mit pommes Irile»". Du» ist uiihriliiiglrr Aklunlitälskilscli und reiht sich -der Serie vers. Iiiolcm-r Ccsiliiniicklosigkcileu im', ilie zum Beispiel die große Zcppclin-Bcgcistcrung |yt)H im Gefolge halle, von der sich viele derartige Grsrhninrklonigkeitrn leider in Fnmilirn-I laushallungi-ii erhalten Indien. Die. Vitrine im Haus ist der Hort für derartige Geschmai-klosigkeileii, und Ludwig Thomas Worte „Gescluimcklosigkeit — c» gibt nicht» Schlimme res'' passen Iriiler in vielen Fälle» unf die Vitrine. In den Vitrinen stehen ilie II e i s e A n d e Ii k e n: Brimurnglä»er aus den lladcorleu, Löffelchcn mit Stirdlcuuftichtcn, nicht zuletzt jene Silhcrhoclizeitsgeseheuke, die umränderten Teller und Tassen mit der Aufschrift: „Was wir heut in Silber kränzen, - möge einst in Gold erglänzen I" Lange Zeit haben wir es nicht als sinnwidrig empfunden, nicht den Gegensatz herausgehört zwischen Form und Gebrauchszweck-, wir verwandten ein Thermometer als Peitsche, ein Tintenzeug 'als Revolver, einen Elefanten als Sektkühler. Aber eines haben wir gelernt, und das lehrte uns die Architektonwolt, die sich unserer Wohnungen schon in. vielen Titian anaenenvroen hat« daß MateriaUehler sich in Materialv^mfiRe verwandeln_laaeen, daft z. B. die dicht beieinander stehenden dunklen Aste bei einem Baum wie der Zirbelkiefer auf dem helleren Kols ton ein belebendes Musler bilden, das sich dekorativ bei araOan Schranken odsr ganzen VerKfelungen rocht gut verwanden Mflt. P»» refaendo - Bcnaissaneezinuncr aus dem Judenhot von■ Cotdegg Irn Satsfaürger Museum ist uns ein lebendiges Beispiel dafür. — Es gibt natürlich wunderliche Material«, und sie haben den Kitsch selbstverständlich rerht beeinflußt. Da sind die S t i c k «.te fen In ■ Menschen h a n ren , Empircbr'icftaschen und Blumensträuße, Teller aus Fischhein und alle jeno Kombinationen aus Muscheln, die wir ja genügend kennen. V*' O. B. „Der Tag des Ariers" Die Gräfin und die Juden — „Dies Buch lehnen wir~ab" ' Im Scblieffen-Verlair. Berlin, ist soeben ein Itomaa v<m " Edith Gräfin Salburg, „Der Tait des Ariers. Hin Kuch der Zeit", erschienen. Die Zeitschrift „Die Literarische Welt" uutenicht das Jluch unter der Überschrift „Die Gräfin und die Juden" einer eingehenden Kritik, die auch für die Leser der „Jüdischen Allaerrieinen" von Interesse ist. Die- Kritik von Martin Kiessig hat folgenden Wortlaut: Wie war das doch ehedem, als bei uns das internationale Litcratcntum noch tonangebend war und heuchlerisch und unverschämt vorgab, Komplexe zu analysieren, während es — chrfurchlslos und hindungslos wie es war — echte und starke Gefühle zersetzte und Heiligtümer bespie? Wir müssen seine Methoden kennen, um gegen neue Versuchungen gefeit zu sein. Damals grünten Baum und Zweig im deutschen Blätterwald, und manchem Mann war es wohl dabei. Da lasen die Prokuristen und fippfriulcin nach Ladenschluß mit gleicher, Wonne die neuesten „lebenswahren Schilderungen aus heutiger Well". Nehmen wir an, Frau Vicky Baum beispielsweise (deren Name symptomatisch für' viele stehen .möge) deutete die Zeit gerecht und überlegen sowohl vom Standpunkt der kleinen wie der großen Welt. Do gab es ein menschlich Verstehen für die Nöte und Zerrissenheiten alternder und junger Menschen, und war nicht auch traute Häuslichkeit und natürliche Einfachheit in Gegensatz gesetzt zu der betäubenden Atmosphäre großer Luxushotels? Die von Leidenschaften entnervte, in Wohlleben verkommene große Welt wurde mit radikaler Offenheit dargestellt, nicht wahr? Der völlige Zusammenbruch sittlicher Ordnungen wurde souverän und schonungslos vor Augen geführt. Und zeigte es nicht eben die innere Überlegenheit jener Autoren und ihr nahes durchdringendes Verstehen unserer chaotischen Zeit, daß sie es verstanden, ihre Gegenstände in jener ansprechenden Weise vorzutragen, die leicht und witzig zu |winticren wußte, die Spannung erregte und die kostbaren Minuten, die der moderne Mensch für das Buch erübrigte, mit prickelndem Lebensreiz erfüllte? Die Menschen jener Bücher sprachen schlagkräftig und geistvoll, wie wir es vom Berliner anzunehmen uns »ewöhnt haben, witzige und offenherzige Apercus wurden im Vorbeigehen - geprägt. So schmunzelte jedermann,, wenn es etwa von einer mondänen Heldin hieß: „Sic trug einen offenherzigen Schlafrock" oder von einem Inflations-Unternehmen: „Das weibliche Personal litt an Oberreife, der Mann, der sich Direktor nannte, an Pleiten." Es war das ein Stil, der Gegensätzliches treffend vereinte und etwas locker, aber amüsont und jedem Mitbürger verständlich formulierte, nicht wahr? War nicht das Brüchige einer Raffke-Gestalt schlagkräftig gezeichnet, wenn man von ihr sagte: „Sic entstammte einer Srllliapsbrellnerei, hatte eine Erziehung zu [Umhauen Allüren genossen und redete Naivitäten, hei denen man hochhüpfte'f". Ut(e'r~jedcrnianii erkannte die innere Fäulnis einer Gesellschaft, von der es hieß: K» „dominierte weibliche" Wiirmstichigkcil, dir. »ich gerade noch in Grenzen hielt . Besonder» einprägsam waren aber die Eröffnungen seelischer Zusammenhänge. Die Erkenntnisse der Psychoanalyse wurden an praktischen Beispielen demonstriert. .Fchlhundlungeii, Komplexe und libidinöse Affekte wurden im» klar; wir erkannten, wie unser Triebleben sieh deutlich nach außen in Tat, Wort, Geste, Mimik verrät. War es nicht so? Nun, wir wissen es heute olle und danken Gott dafür, daß wir es wissen: jenes routinierte' literarische Srelenkenuertum war der größte Feind der deutschen Seele, jene raffinierte, blendende Stilkuunt war Bluff und die ganze. Kruckelnung die stinkende Blüte einer wurzellosen GcUligkcil, eine» snobistischen, ekelhaften und höchst gefährlichen Internationalismus. " Und nun wollen wir verroten, von wem die zur Kennzeichnung jener wurzellosen und meist jüdischen Geistigkeit zitierten Sllze stammen. Nämlich nicht von Vicki Baum oder Holländer oder Tucholsky, — sondern von Edith Gräfin Snlburg. Sie stehen in dem Human „Der Tag des. Ariers. Ein Buch der Zeil", da» die Gräfin soeben im Schlicffcn-Verlog, Berlin, erscheinen ließ. Sie stammen von einer Frou, deren, radikaler Antisemitismus oußer ■ Zweifel stellt und finden sich in einem Buch, das-eine rüi-k»ichl»^_ lose Entlarvung de» Judentums geben will. Dieses Buch lehnen wir . ab. Sagen wir deutlich, warum. Es bekämpft da» Judentum mit den Mitteln des jüdischen Literntentlim»; es enthält eine-von außen her spannend aufgezogene Bömaiihandluiig, die einer Vicki Baum alle Ehre gemacht hätte; es nsychologisiert und psychoannlvsicrt in jener sich tiefsinnig gebärdenden, in Wahrheit oberflachlirlicn Weise, die wir überwunden glaubten; es berichtet in einem Stil, dessen Schnoddrigkeit und Witzelei, gepaart mit Schwung und Pathos, uns kläglich dünken; es fehlt diesem Buch an den-entscheidenden Stellen völlig die Kraft der Verdichtung und Gestaltung. „Es war ein Bild geschichtlichen Erlebens", leitartikelt dann etwa die Verfasserin —. und bleibt allen Nachweis dafür schuldig. Und noch etwas: Das Büch'ist nicht etwa ein'Schlüsselroman, vielmehr ist die Tür, die ein Schlüssel öffnen könnte, von. vornherein weit aufgemacht. Eine Hauptfigur des RomaraFBt der erst im vorigen Jahr verstorbene mannhafte Kämpfer gegen dos Judentum Theodor Fritsch, dessen ehrenvolle« Begräbnis sogar in die Handlung einbezogen wird. Der Sh»w-Cberotzer Siegfried Trebitisch tritt u. a. mit seinem Namen auf; über-

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