Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 94 (19.12.1934)
- Date
- 1934-12-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Verhältnis zu 'dm beiden Humboldt, besonders zu „W i J Ii e I m von II u nitro 1 «I L Und in dem letzten Jahr/ehtit seines Lehens traten J" r i e il I ii n d e r -u n d Goethe durch Zelters Vermittlung i ii 'e ine Ii r i r f J i e h e It e z i e h 11 n «. — Sein literarisches Wirken-ist in Anbetracht seiner .vielseitigen Tätigkeit als Kaufmann, als Leiter der I:r«'i;-rhule, als Gemeindevorsteher, als Stadtrat in Berlin, als Grncraldeputirrtrr der preußischen Juden, »ehr uu^gedchut. Immer liezieheu sich seine Schriften und Aufsätze auf jüdische, Verhfdtnisse. Auch aus dei; Veröffentlichungen, denen im übrigen jede künstlerische Bedeutung fehlt, tritt er im Gegensatz zu Mendelssohns kontcniplatiwr Natur als aktivisüseher Mensch hervor-v Mag vr auch in seinem Denken und Wollen ein rationalistischer Aufklärer pcwotn sein; nein Lehen als Ganzes zeigt (loch eine.bemühe mittelalterliche Gebundenheit an das Judentum. Ihm gilt »ein Sinnen" und Trachten ineinem Maße, daß zwei Revolutionen in. Trank reich, Napoleons IÜU durch Kurojia, die jireiilAisehen llefrciun^skrie^e ohne Kind ruck auf ihn blieben. Zu stürmisch war jedoch sein Drang, die .luden aus dem Ghetto heraus- 1 zuführen, zu wenig beachtete er, dal» die breite Müsse der Juden mit Seiuem Tcui[ki nielit Sehritt ballen konnte; nur eine kleine Schar war es, die ihm zu folgen vermochte. Zu wenig bedeutete ihm auch die Macht der Ge.-chiehte. von «leren Itealitüt er nichts wußte. Wir, die wir die Wirklichkeit " historischen Geschehen» schmerzvoll erlebt haben, sehen David Triedläfider durch eine tiefe Kluft von uns getrennt, m weiter Ferne nnf einsamen Jlöhcn stehen — besorgt um die Keform des Judentums. Kulturbund wirbt in Oberfchlefien Dr. Singer fpricht über jiidifche Kunft Gleit* ilz. V«m der Zweigstelle Obersehlesien des Kulturbundes Deutscher Juden wird zurzeit eine große Werlteaktion durchgeführt mit dem Ziele, sämtliche obcrschlcsisrhcii Juden in einer BcsuchcrorgaiiiMitiuu zusammenzuschließen. Die Aktion wurde in Anwesenheit Dr. Kurt Singers in G I e i w i t z , in Bcut h e n und II i n d e n h n r g eingeleitet und von den Herren Herbert Buky und Heinz Ueko in den KIcmgcmciudcu Hosenherj:, Neustadt, Gosel. Ohergloga», Leobsrhütz und Groß-Strehütz fortgesetzt. -In Oppeln und Jtntilwr wurden die Wcrbcabendc mit-den Ludwig Jlardt-Veranstaltungen verbunden. Im Mittelpunkt* der zu diesem Zweck einberufenen Gemeindeversammlungen stand die Ansprache des Intendanten Dr. Singer, JL'STJZKAT AltTlllll KOCHMANN Der Vorsitzende der Svnagogengemeiude Gleiwitz und des Verbandes der Synagogengemcindcn Obcrschlesieus iitid Mitglied des /Großen Baten des I'reulMscheu Lande^verbiindes wird am 2-t. Dezember TU Jahre all phof. Wolff-GIn'wltz der von dem Hingen der Deutschen Juden in den letzten zwanzig Monaten um einen neuen geistigen Lehensraum ausging und die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses zur Pflege deutschjüdischer Kulturintcrcsseu zum Ausdruck brachte. Unter Heranziehung zahlreicher Iteispiclc erbrachte er den Nachweis, daß weder Inhalt noch Fonn oder Slimnumgsgehall entscheidende Kriterien einer nationalen Kunst seien, sundern. «laß — abgesehen von der internationalen Allgcmeingültigkcit bedeutender Schöpfungen — die Sprache, in welcher der Künstler denke, die völkische Zugehörigkeit "seines Werkes bestimme. Von einer, jüdisch-nationalen Kunst könne man. daher noch nicht reden; sie werde vielleicht in Jahrhunderten vorhanden sein, .wenn eine jüdische Gesamtheit das Hebräische nicht nur spreche, sondern auch darin denke und empfinde. Heute gelte es für den deutschen Juden und den d c u t s c h - j ü d i s e Ii e n K ü n »Jt 1 c r , im Geiste der deutschen Sprache die bedeutenden Kunstwerke der Umwelt zu pflegen, aber gleichzeitig auch von-jüdischen Inhalten her. wie dem Sabbat, den Festtagen und der Bibel das Künstlerische, Menschliche, den Stimmungsgehalt zu erfassen- In den Klcingcmvindcn sprach Heinz Ucko über das Thema: „Was bietet der Kulturbund. Zweigstelle Obcrschlesicn, seinen Klcingcmcindcn?'\ während Hcrlicrt B u k y mit ernsten und heiteren Rezitationen den Vortrug umrahmte. Überall wurden die Darbietungen mit herzlichem Beifall aufgenommen und hatten den Erfolg, daß die meisten Mitglieder der Kleingemcindcn dem Kulturbünde beitraten. Die Zweigstelle Obcrschlesicn des Kulturbundes hat pro Person einen Monatsbeitrag von 1,— Mk., für Ehepaare und Familien 2,— Mk. festgesetzt.. Die oherschlesischen Juden sind immen. dem Rufe, der an sie um einer jüdischen Sache1 willen ergangen ist. gefolgt. Der bisherige Stand der Dinge zeigt. . daß sie auch den Sinn eines Kulturbundes jüdischer Menschen begriffe/* haben. ^otttstömlte in den Berliner Synagogen mit neuem Ritus Freitag, 21. Dezember. Synagoge Lmdcnstraßc und Friedenstcmpel (Prinz): 4 Uhr. Lützowstraße: 6 Uhr. Im Anschluß an den I lauptgot lesdienst Jugcndfeicr. Fasanenstraße: (J.30 Uhr. Lcvctzowslraße und Schmargendorf: 71 Uhr. Prinzregentcnslruße: 7.15 Uhr. ■ Liberale Synagoge Norden, Schönhauser AUcc" 162: 7.15 (van der Zyl). liberale Synagoge Osten, Kaiserstraße 30 : 7.30 Uhr (Sänger). Liberale Synagoge^ Nordost, Prenzlauer Promenade 176: 7.30 Uhr (Adler). Lihcrolc Synagoge Westend, Katserdamni 78: 7;Uhr (Graf). Liberale Synagoge Wcddinglleinickendorf, EaLcrzicrstraße 13: 730 Uhr (Goctz). Jüdische Kelieionsgcmcindc Charlottcnburg. Selm Ist raße 7: 4 Uhr (Gast- Predigt Itabbincr Dr. Koscnberg, Güttingen^. Jüdische Iteformgemeinde, Joachimsthalcr Straße 13: 6.30 Uhr-(Koppel). Sonnabend, 22. Dezember. Hauptgottesdienst: 10 Uhr, Fröhgottcsdicnst Lindenstraße, Lcvctzowstraßc. Prinzregen tenstraße: 7.30 Uhr. Liberale Synagoge Norden: 10 Uhr (Plaut), liberale Synagoge Osten (Goctz). Jüdische Ucligionsgemcindc Charlottcnburg: *>.30 Uhr. Nachmittag 3.30 Uhr Jugendgottesdienst (Rosenberg). Sonntag, 2 3. Dezember. Jüdische Reformgemeinde, Jonarinisstraßc 16: 10.30 Uhr (Roscnthal). Liebe zur kleinen Synagoge Von HILDE MARX Ich liebe die großen Städte, ober die* kleinen Synagogen; es ist zwischen ihnen das gleiche Verhältnis wie zwischen den vielen lauten Stunden des hellen Tages und einer ganz leisen Stunde^ der tiefen Nacht, die man halb wach und halb schlafend, zwischen Wirklichkeit und Traum erlebt. ' : Ich kenne wundervolle große Synagogen, einfache und geschmückte; in ihnen ist der Gottesdienst ein wohlahgerundetcs Kunstwerk, das mich staunen macht und dem ich gern lausche; aber es zwingt mich nicht immer in-sich^hlncin. Ich bin nicht fromm im landläufigen Sinn. Aber die Synagoge meiner Kindheit hat mich immer andächtig gemacht und ich glaube nicht, daß es nur die Erinnerungen der Kindheit sind, die den Zauber auf mich ausüben. ' Meine Synagoge ist klein, nicht besonders schön und'kunstvoll. Sic steht bescheiden und bejahrt in einer sehmalen Straße. Die Synagoge hat in ihrer Front eine große Tür, aber die ist nur an den Feiertagen geöffnel. Und auch dann benützte ich sie selten, lieher ließ ich mich von der schmalen Holztürc au der Seite aufnehmen. Die wird von keiner fremden . Hand bedient, jeder öffnet und schließt sie selbst und legt damit seiner Seele, mit eigener Hand das Feicrkleid an. Der Vorraum ist eng und schön, dort hört man aus dem Innern die Gebete und Gesänge. Und die hölzerne Treppe, die. die Frauen auf ihre Plätze im ersten Stock führt, knarrt oft ein wenig. Von ihr gehen ganz gewöhnliche Fenster auf die Straße hinaus und iiian erlebt es wirklich mit, wie man sich über den Alltag erhebt, noch ehe man das Gotteshaus eigentlich betreten hat. Daun kommen die Frauen wieder in einen kleinen Vorraum, der aussieht wie ein Zimmer. Dort steht ein Pult zum Beten (der Raum heißt die ..Kleine Synagoge';), dort stehen aber hei schlechtem Wetter auch Regenschirme, die trocknen sollen. Und von dort aus bedient eine Frau die Orgel, die noch richtig mit einem Zug, der das Gewicht eines Menschen trägt, zum Tönen gebracht wird. Ist es Einbildung, wenn ich finde, die. Orgcltönc klängen dadurch auch menschlicher? Denn sie sind nicht immer ganz rein und vollkommen, und durch irgendwelche Dinge kann es geschehen, daß sie auch einmal ganz ausbleiben, wenn z. B. die Frun draußen das Treten versäumt. Mich hat das aber nie gestört. Und nun das Inncrc der Synagoge. Wenn ich daran denke, fallen mir die Farben grau und blau ein; und ein c wen ig rot und gold, alles überströmt von dem schönen Licht, das durch. die bunten Fensterscheiben fallt und sieji mit dem Licht des Kronleuchters und der Kerzenleuchter am Altar mischt. Grau gestrichen sind die ganz einfachen Bänke, blau, himmelblau, ist die Decke; rot sind die Läufer auf dem Fußboden, die Altardecke und der Vorhang vor der Heiligen Lade, golden sind die Leuchter und »or allem die Sterne iu der blauen Decke. Die Wände sind in einem ruhigen, hellen Ton gehalten und haben ein Malermuster, so ähnlich, wie es in einem Zimmer meiner Großeltern war. Aber ich muß noch einmal von der Decke reden. Als ich klein war, erschien sie mir als der Inbegriff alles Wunderbaren; denn ich verstand sie, weil ich mir eben den Himmel so vorstellte: blau mit ganz regelmäßigen Reihen .großer und kleiner goldener Sterne, die alle eine klare Form mit sechs Ecken haben. Vielleicht auch -hat mir erst die Decke diese Vorstellung vermittelt. Statt zu beten, starrte ich viel lieber in diesen meinen Himmel, über den mein lieber Gott wohnte, und wenn meine Mutter mich ermahnte, ins Gebetbuch zu sehen, ahnte sie kaum, daß dieses Iu-den-Uimmcl-träumcu für mich die tiefste Andacht bedeutete. Und wenn ich jetzt, als erwachsener Mensch, diese Decke betrachte, wirkt sie immer noch ähnlich auf mich; denn sie ist mit , mir älter geworden und hat, Wie meine Träume, schon ein wenig von ihrerstrahlenden Bläue und dem glitzernden Gold ihrer Sterne verloren, aber sie ist deri Himmel geblieben, Altar und Kanzel sind einfach, weltlich einfach; und ich finde das recht so, denn ist nicht alles Gute, Schöne, Heilige einfach und soll nicht Ilic Einfachheit der Welt auch die stille Andacht tragen? Ich erinnere mich aber, daß ich oft zu weltliche Gefühle halte, wenn ich zum Altar'sah; das war, wenn die-kleinen Jungen am Freitagabend vorne am Altar aus dem großen silbernen Becher Wein trinken durften und ich als kleines Mädchen zusehen mußte. Was mich in solchen Fällen bewegte, war wobt weniger Neid, als ein Gefühl persönlichen kränkenden Zurückgesetztscins. Der Gottesdienst in meiner Synagoge wird eigentlich von der ganzen Gemeinde gehalten; es singt z. B. nicht nur, wer singen kann, sondern jeder, der sinken will. Man kennt alle Leute und alle Stimmen. Man kennt den gedämpften Klang der Schritte, wenn die Tora ausgehoben wird, und den leise klappenden Ton, wenn sie der Vorbclcr-auTs Pult legt; man kennt jede Schattierung, die Rabbiner und Vorbeter ihren Gebeten geben, wenn sie sprechen. Man weiß, Herr X. wird wie immer zu spät kommen, Vrau Y. wird schon vor dem Kaddisch weggehen und die kleine Ilse, die noch viel zu jung für die Synagoge ist, wird auf einmal laut und deutlich ...Mutti" sagen, obwohl es ihr oft verboten wurde. Ich selbst könnte es mir, leider nie abgewöhnen, während der Toravorlesung ein kleines ' Plauderstündchen zu halten; dagegen war ich immer sehr andächtig bei "der „Schemone essre", da mir einmal gesogt worden war, das sei eines der „wichtigsten" Gebete. Ich bin ehrlich genug," um zu gestehen, daß ich oft nicht aus eigenem, freien Willen in die Synagoge ging; aber ich kann auch wohl sagen, daß es zu Zeiten für mich Bedürfnis ist, in den heimischen Wänden des kleinen Gotteshauses meine Gedanken dorthin zu richten,-wo ich das Göttliche suche; und dazu brauche ich kein Gebetbuch, keine äußere Größe und Schönheit, sondern nur das Geborgensein unter der himmelblauen, besternten Decke, iu den Duft und den Lauten der kleinen Synagoge. Optimismus — trotz allem Die Lage der ofipreußifchen Gemeinden — Sinkende Geburten und Bevölkerungszahlen — Starke Abnahme der Steuerfähigkeit Königsberg. Hier fand eine Versammhing des P rovhizial- Verbandes der «► s t p r e u ß i s c h c n . G e m e i » d e n statt, der die Gemeinden Königsberg, Allenstcin,-Bartenstein. Brauiisberg, Elbing, Goldnp. Instcrburg, Marienwerder, Osterode, Itaslcnburg, Tilsit und Zimten teilnahmen. Den Vorsitz führte Rechtsanwalt Dr. Ehrlich, Königsberg. Auf der Tagung gab Gcuicindcrabhincr Dr. Lewin, Königsberg, auf Grund umfangreicher statistischer Arbeiten einen Überblick über die Bevölkerungsbewegung in den ostpreufiischrn Gemeinden. In ganz Ostpreußen hat die Judcnhcit im Jahre 1933 gegenüber dem Jahre 1925 eine Abnahme von etwa 22«'o zu verzeichnen. In der anschließenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß. während 1931 noch 53 Beamte in 63. Gemeinden' anwesend waren, im Jahre 1934 nur noch 29 Beamte in 56 Gemeinden vorhanden sind. Welche katastrophalen Verhältnisse in einigen Gemeinden herrschen, bewies ein Hinweis auf Elbing, wo in sechs Jahren ein einziges jüdisches .Kind geboren worden ist. Vonseiten der Lehrerschaft wurde dem'Landesverband Dank für die Schaffung der Peiisionskasse ausgesprochen, aber auch die Aufforderung an die Gemeinden gerichtet, sich dieser Peiisionskasse rege zu bedienen. Auf die Notwendigkeit der Anlegung von Familicnrcgistcrn wurde hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, daß die Mohelbüchcr wertvolles Material enthalten. Begrüßt wurdendie vom Preußischen Landesverband für Ostpreußen in Aussieht gestellten Kulturfahrten, die eine umfangreiche Ergänzung durch solche Kulturfahrtcu erfahren sollen, die von den größeren Gemeinden selbst veranstaltet werden. ' Rühmend wurde bei einzelnen Gemeinden hervorgehoben, daß sie einen Rückgang-der Bevölkerungszahlen dadurch vermieden haben, daß Geschäftsinhaber jüdische Handlungsgehilfen und -gehilfinnen eingestellt haben. Als besonders traurig wurde aber immer wieder hervorgehoben, daß die Stcucrfähigkcit der Gcmcindcmitglicdcr in viel kritischcrem Umfange abgenommen habe als die Zahl der Gcmcindcmilglicdcr selbst, daß sich deutlich in vielen Gemeinden feststellen lasse, daß gerade die potentesten und leistungs faltigsten Mitglieder die Gemeinde verlassen haben. Die Tagung zeigte trotz allem Drückenden und Schweren einen erfreulichen Optimismus und den allseitigen Willen zur Arbeit. Am Abend fand in der überfüllten Aula der Hindcnburgschulc ein Gemeindeabend statt, bei dem der Vizepräsident des Brcußischeu Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Dr. Klee, Berlin, in einer Fülle von Beispielen erörterte, daß die Gemeinden in dieser ernsten Zeit mehr als je die Aufgabe haben, die Träger des jüdischen Lebens zu sein, daß es keinen Bezirk jüdischer Arbeit gäbe, den die Gemeinden nicht zu betreuen hätten. Die Erften und die Letzten Waren Sie schon einmal als Erster in der Synagoge? Die frühen Besucher verdienen volles Loh. Reim ersten Klang der Orgel stehen sie an ihrem Pult vor dem aufgeschlagenen Gebetbuch. Meist ..ältere Herren", doch nicht durchweg. Der Vorbeter beginnt. Leise klingt die Orgel. Noch sind bedenkliche Lücken iu den Reihen der Pulte. Allmählich' füllen sich die Reihen. Sic als ,,Lctztc" zu bezeichnen, wäre ungerecht. Sic stellen höchstens die ..Mittelstufe" dar. Denn seit Beginn des Gottesdienstes sind ja'erst fünf, zehn, vielleicht auch fünfzehn Minuten verstrichen. Der Rabbiner wendet den Kopf und . mustert die Reihen. Der Synagogen vorstand tut desgleichen. Es ist der Blick eines gütigen Schulmeisters, der bereit ist, noch ein wenig Nachsicht walten zu lassen. Schon sind die Lücken geringer geworden. Leise sind Schritte zu hören. Vorsichtig, behutsam ... Es sind die Ankömmlinge kurz vor der Predigt, die Letzten der ..Mittelstufe",'wenn man so sagen darf. Orgclklängc verklingen im Raum. Die Predigt beginnt . . . Das Weitcrc spielt sich zunächst draußen im Vorraum ab. Dort sind die ..Letzten", die gerade zur Predigt kommen wollten. Bemühen der ..Letzten", noch eingelassen' zu werden, aufder einen," der Entschluß. Störungen unter allen Umstünden zu vermeiden, auf der anderen Seite. Der stille Held dieser Kampfhandlung heißt: Aufsichtsbeamter. Die Predigt ist zu Ende. Die .,Lctztcn" betreten den Raum. Entrüstet . . . oder zerknirscht, ob ihrer Unpünktlichkcit — je nach Temperament. Und nun tritt eine große Wandlung ein. Während die ..Letzten" an ihre Plätze schleichen, dem Schluß der Andacht folgen. Versäumtes nachholen wollen, erholen sich die ..Ersten" ein wenig. Ein halblautes Wort wird zum Nebenstehenden gesprochen. Eine Meinungsäußerung über die Predigt oder sonst irgend etwas. Die ..Letzten" räuspern sich, sie sind nun einmal für Ordnung . . . Klänge der Orgel verhallen. Die Synagogenbesucher verlassen den Raum. Nun sind sie alle gleich, die Ersten und die Letzten, die ja glücklicherweise einen kleineren Prozentsatz' darstellen. Aufrecht treten sie ins Freie, Glaubensgenossen, die ihre Pflicht erfüllt haben und mißbilligend der Säumigen gedenken. Max Naumburg. 40 Jahre judifcher Handwerker-Verein Der Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens er V. Berlin veranstaltet aus Anlaß seines 40jährigen Bestehens am 25. Dezember, vorm. 10.30 Uhr, in der Synagoge Prinz reguntenstraße eine Kundgebung, bei der Louis W o 1 f f die Festrede halten wird. Anschließend erfolgt die Übergabe des Erinnerungsbuches durch Wilhelm Marcus. Mitw.: Chor der Synagoge Prinzrcgcntcnslraße unter Lcitum* von Leo Kopf, Oberkantor Pcissachowitsch und Hermann Schwarz (Orgel). Abends 8 Uhr findet in den Spichernsälcn zum Besten notleidender Handwerker ein ■ Unterhaltungsabcnd statt, zu dem u. a. William Berner, Siddy Bienstock, Else Dublon. Curt Gialdini, Fritz Tachaucr sowie, die Irmgard Werthcr-Tanzsniele ihre Mit- Wc CL>f**f? Wo-? Dia JuReml-Schaclmbtcilung (Leiter: Sienfried Winitski) spielt jeden Moutag von G bis-7.3t) Uhr abends bei Hermana, Berlin, Jägerstraße 18. Demnächst beginnt das erste Cbungsturnier, anschließend Kampf um die jüdische .liurend-Schachraeisterschaft von Berlin. Nebenbei finden fortlaufend Scliaehlehrkurse für Anfänger statt. Die Aufführung des Oratoriums ..Samson'1 in der Neuen Synagoge Oranienburger Straße ist wegen Erkrankung eines Solisten auf den 2ü.. Dezember verschollen worden- Gelöste Karten behalten Gültigkeit. Kulturbund Rhein-Ruhr. Lieder- und Klavier-Abend: Paula, Lindberg- Prof. Wittels- Duisburg: 27. und 29. 13- 20.30 Uhr, Theodor Lauterhaus; Dortmund: 30. 12., 2030 Uhr, Svmiffoge.