Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 94 (19.12.1934)
- Date
- 1934-12-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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einer Gruppe ist eine Zusammenfassung ihrer wesentlichen Glaubenssätze. Die Gruppe steht für diese Sätze ein, sie ermöglicht ihren Bestand und ihre Fortentwicklung. Sic erhält sie auf der einen Seite und verändert sie andererseits allmählich. Ihre äußeren Formen sind der Ausdruck ihrer inneren 'Oberzeugung; aber es kann eine Mannigfaltigkeit der Ausdrucksform geben, ohne dali die Überzeugung falsch zu sein braucht. Man stelle sich /.. B. eine liberale jüdische Gemeinschaft vor, die Hebräisch so gut versteht wie die Landessprache. Ihr Gottesdienst wäre genau so „liberal", wenn jedes Wort hebräisch wäre. Man denke auf der nnderen Seite an eine liberale Gemeinschaft, in der niemand Hebräisch verstellt; ihr Gottesdienst wäre ebenso jüdisch und nicht weniger „liberal", wenn er vollständig in der Landessprache abgehalten werden würde Zwei verschiedene .,Aiisdrucksformcii" können ein Ausfluß genau der gleichen ..Innerlichkeit" sciii: In der Praxis' freilich hat das „Äußerliche" die Tendenz, manchmal die gefährliche Tendenz, hinter dem ..Inneren" zu- . rückzublcibcn. Denn Ideen wechseln leichter als ..Formen-' und gar viele hängen an der Inkonsequenz: ihre Meinungen sind fortgeschritten, aber sie hängen an den „Formen" ihrer Kindheit. Solch Zwiespalt ist für sie behaglich, ihre Kinder aber führt es oft zum - Abfall. _" So kann das liberale Judentum eine Mannigfaltigkeit der äußeren Form, in sich bergen. -Kann es auch eine .Mannigfaltigkeit tlcr Überzeugungen umschließen? - Bis zu einem gewissen Punkt: ja. darüber hinaus: nein —, nein, trotzdem cler ..gewisse Punkt" not-, .wendigerweise im Verlauf der Jahre wechseln' darf und muß. Wir wollen keine Menge wetteifernder „Liberaler Judentümer". Eine bestimmte Richtschnur oder Norm ist wünschenswert, die jedoch eine mannigfache Auslegung zuläßt, eine Nonn, die biegsam und entwicklungsfähig ist. Unsere Gegner mögen darüber ruhig lachen,, wir wollen sehen, wer zuletzt lacht. Der unfähige Mann, die üngclchrtc Frau mögen auf den Sachkenner blicken: der ihnen ein volles Verständnis in religiösen Dingen verschaffen kann. Gewisse große ' Richtlinien, von Zeit zu Zeit entworfen, sind gut. Sie können Wegweiser sein, nicht Dogmen, sie sind Ratschläge, nicht Glaubenssätze: im großen und ganzen sind es Grundsätze, die. dastehen als das Ergebnis von Denken und Forschen, nicht als unumstößliche Glaubensartikel. So anerkennt das liberale Judentum Autorität.- ' oder vielmehr es anerkennt viele Autoritäten, obwohl in jedem Fall in beschränktem Maße. Es gibt eine Autorität der Vergangenheit, die Autorität der Bibel, der Tradition, der weisen Bücher, Normen, Persönlichkeiten. Sie alle sind gleicherweise tot; aber wir lauschen dem, was sie uns zu sagen haben, mit Ehrfurcht, Demut und Bewunderung — freilich immer mit eigener Kritik. Wir können unser eigenes Urteil, unsere.eigene Verantwortlichkeit nicht preisgeben: die Lebenden können sich nicht iij die Hand der Toten geben; sie sind letzten Endes verantwortlich und antworten nur Gott allein. Auf der anderen Seite sieht die Autorität der Sachkenner, der Weisen, der Frommen. Es gibt eine Autorität der. zentralen Körperschaften oder'Vorstände in jedem Lande. Könnte ein religiösliberales internationales Gremium Autorität erlangen oder gar „Richtlinien1' aufstellen, annehmbar für alle - Länder —, so wäre das ein großes Werk: aber die Möglichkeit ist'doch zweifelhaft. Was das religiöse Lclien des Einzelnen angeht, so ist klar, daß jeder Mensch frei ist. zu handeln, wie es iii . seinen Äugen am besten dünkt. Was dem biblischen Erzähler als eine sehr bedenkliche Lage der Dinge erschien, wir heut sehen es, als unabwendbar an. Und doch — eine gewisse freie Aufgabe der Freiheit bleibt .wünschenswert. Rat darüber anzunehmen, wie man den Freitagabend am besten, verbringt, freiwillig dahin übereinzukommen, an diesem Abend nie in Gesellschaft oder Theater zu gehen, kann in tiefstem Sinn eine Stärkung, nicht einen Bruch der Freiheit bedeuten. Schließlich liegt die letzte Autorität in uns selbst. Jedermann" muß sich selbst Gesetz sein, und wer. sich selbst am stärksten Gesetz ist. ist am meisten frei. "Und doch — wir sind nicht allein. Außerhalb und jenseits von uns (um räumliche Ausdrücke zu gebrauchen) ist Gott —; außerhalb und jenseits von uns — ebenso wie in uns — sind Vernunft und Weisheit. Gerechtigkeit und Liebe. „In Deinem Dienst ist die vollkommene Freiheit." „Und das Gesetz nur kann uns Freiheit jreben." Pr äfidialausfchuß derReichs vertr c tun« durch zwei Berliner Geraeinderertreter erweitert — Einbau des ZentralansfehulTes für Hilfe und Aufbau in die Reichsvertretung Die ileichsverlrelung der deutschen Juden teilt mit: Der () rgonisationsausschuß der Reichsvertretung trat am IG. Dezember zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Die Beratung führte zu einer Klärung der Krage der Erweiterung dej Präsidialaussehus'-cs der Reirhsvertrclung. Es bestand Einmütigkeit darüber, doß der l'räsidiulausschuß um zwei weitere I'er.-önüchkriten erweitert werden soll, die mit dem Ii e r 1 i n e r C e m c i n d e 1 e b v n eng verbunden sind. Eine darüber hinausgehende Erweiterung des 1'räsidialaur.si'hussrs wurde abgelehnt. Der Aussenu 1a beauftragte einstimmig seine. Berliner Mitglieder,,, dem l'räsidialanssrhuß eine Vorschlagsliste vorzulegen., aus der der Bräsidialau^chnß die Aussah) für die Berufung der zwei neuen Mitglieder vornehmen soll. Ei besieht Kiim-ruehmcu zwischen I'ränidialausM'huß und Organisationsausschuß, daß die Berufungen mit .-ofortiger Wirkung vorgenommen und dem Beirat zur nachträglichen Bestätigung vor«eIe<_l werden sollen. Der Orgaiiisalimi^aiJäM huf> beschäftigte sieh ferner mit der künftigen organisatorischen Gestaltung tler im 7, e u t r a I a u s - s e h tl ß d e r "d nile Ii t: n .1 ti d ■- n für Hilf e u n d A U f - h a u zusammengefaßten so/ialc.-i und wirtschaftlichen I lilfsarbeit, die nach der übereinstimmenden .Meinung aller Mitglieder des Organisationsausschusses in den organisatorischen Kähmen der Bcirhs\ertrelnng e i n g e f ü g t werden =olI. Die Umgestaltung soll so schnell wie möglich durchgeführt werden. Es wird dann die gesamte zentrale jüdische Arbeit in Deutschland bei der Rrirhsvcrtretung einheitlich zusammengefaßt sein. Bei der Fortsetzung seiner Arbeit wird der Organisationsausschuß insbesondere prüfen, inwieweit eine stärkere zentrale Einflußnahme auf die jüdische Schulentwicklung notwendig und. möglieh ist, sowie welche organisatorischen Aufgaben sich daraus ergeben. Der Organisationsausschuß nahm schließlich eine Reihe von Z u w a h I e ir vor. Er besteht nunmehr aus folgenden Mitglicdcm: 1. Rabbiner Dr. Leo Bacck, Berlin; 2. Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M. (Vertreter: Rechtsanwalt Dr. Geiger, Frankfurt a, M.); 3. Wilhelm Breslaucr, Leipzig (Vertreter: Paul Goldsclimidt, Leipzig); 4. Justizrat Dr. ßrodnitz, Berlin; 5. Dr. David, Hamburg (Vertreter: Dr. Weißmann, Glciwitz); 6. Ministerialrat i. U. Dr. Otto Hirsch, Berlin; 7. Rechtsanwalt Dr. Dormitz, Frankfurt a. M. .'Vertreter: Hckscher, Hamburg); 8. Rechtsanwalt Kozower, Berlin; f. Amtsgerichtsrat May, Köln; 10. Dr. Siegfried Moses, Berlin;- IL Oberstlandcsgerichtsrat Dr. Ncumcycr, -München /Vertreter: Kommcrzienrat Mayer, Mainz); 1*2. Dr. Leo Löwenstein, Berlin; 13. Landgerichts rat Dr. Rau, Berlin: 14. Professor Stein, Karlsruhe (Vertreter: Leopold ,'Lcvi. Stuttgart}; 15. Rechtsanwalt Heinrich Stern, Berlin; IG. Rabbiner Dr. Vogel- .ntein, Breslau (Vertreter: Stadtrat Lcss, Breslau); 17. Max Warburg, Hamburg (Vertreter: Dr. Hirschland, Essen); 18. Di'pl.-Ing. Bruno Woyda. Berlin. Es darf erwartet werden, daß die Arbeiten des Organisationsausschüsse» in entscheidender Weise dazu beitragen werden, der Reichsvcrlrctnng in reibungsloser Zusammenarbeit mit. Gemeinden, Landesverbänden und freien Organisationen die Verwaltung der gemeinsamen jüdischen Interessen in Deutschland zu ermöglichen. RalFenunterfchiede in der Wirtschaft Theorie und Praxis — Wer bei Juden kauft ... — Eine Brofdbüre und ihr Ziel Tag der jüdifefaen Jugend Der R c i e h s a u s s c h u ß der jüdischen .lugen verbände beabsichtigt, Ende Februar,alle ip den Bünden und Landcsausschüsseu führenden Mitarbeiter in einer Tagung zu sanimcnzufasscn, die der Darstellung und Durchbcratimg der für die Gesamtheit der'jüdischen Jugend wichtigen, organisatorischen und geistigen Fragen gewidmet seinsoll. Der Grundplan tler .Tagung, die durch entsprechende Veranstaltungen, im Reich vorbereitet wird,-wird in Kürze bekanntgegelien werden. „Schwarzes Fähnlein" hat lieh aufgeloA Der Hcichsausschuß derjüdischen Jugciidverbünde teilt mit: Der jüdische Jugendbund ..Schwarzes Fähnlciif* hat .sich aufgelöst. Die Erlasse. Anordnungen und Äußerungen der zuständigen Stelleu, welche eine A n w e n d u jj g der Aricrgesclzgebuug und ihrer Grundsätze auf das Gebiet des Wirtschaftslebens ausschließen, sind allgemein bekannt. Mau weiß, daß der frühere und der jetzige Reichswirtsrhaftsunnis'.cr im ganzen wie im einzelnen die Behandlung wirtschaftlicher Fragen unter dem Gesiehl.-puuktc der Rasscnunlerscheidung für unzulässig erklärt haben. Aurh die »rundsätzÜeben Ausführungen des Ueiehsinncnminislcrs F r i c k zu diesem . Thema sind bekannt. Der RcichsarbeilsminMcr hat entsprechende Anordnungen für den sozialen Bereich mit Zustimmung des Rcirhsministeis für Volksaufklärtmg und Propaganda und des preußischen Ministerpräsidenten getroffen. Von Zeit zu Zeit, so schreibt die ..Frankfurter Zeitung", scheint es gleichwohl notwendig zu sein, diese Tatsachen in Erinnerung zu bringen. Wer die mancherlei Strömungen in Deutschland mit Aufmerksinnkeil betrachtet, wird immer erneut auf Bestrebungen treffen, welche den Anordnungen der zentralen Stellen die durchaus sinnwidrige Auslegung geben, als dürften sieh jiiiti»c\ir Gesi-hafte. n»«V Vinnen war ltic<>rcU*ch lietnitgeu. p r n k - tisch jedoch mü-Malles getan «erden, um ihnen die Bctäligmigs- ■'"■iruiidlage zu entziehen. Diese Meinung wird zuweilen garn: offen proklamiert. Soeben erst wurde aus Hihh->hcim berichtet, daß man dort dazu übergegangen sei. die i\ a m e n zweier Eiuwohlier deshalb in einer Versammlung fi f f e u 11 i e h b c k a u u l z u g e b c n , weil sie in iiicularisclicn Geschäften Einkäufe getätigt lälten: daran schloß sich dann die Empfehlung durch einen Redner aus Franken, mau möge zur Auflegung von Listen fortschreiten, in welchen die Namen derer zu vermerken seien, welche n jüdischen Geschäften kauften. Oder: Im Waldecker Gebiet winde durch die Presse eine Aufforderung bekannt gemacht, man möge Lislcn derjenigen Volksgenossen aufteilen, welche im Bezirk ler betreffenden Ortsgruppe heute noch Geschäfte mit Juden tätigten, denn (so wird gesagt) diese Feststellungen seien von Interesse für — eine Geschichte, die über die dortige Ortsgruppe der NSDAP geschrieben werden solle. Das meiste jedoch, was Mich auf diesem Gebiet vollzieh;, geht stiller vor sich. Manchmal erscheint es so verborgen, daß man den Eindruck gewinnt, als seien die Urheber selbst über die Zulässlgkeit ihrer Handlungsweise im Zweifel gewesen. .Naturgemäß liegen die Dinge keinesfalls so. »laß der Einkauf und die Beziehungen zu nichtariseheu Firmen irgendwie empfohlen werden sollten oder könnten: wer nicht arische Firmen zu meiden wünscht, kann das' aus eigenem Entschlüsse so w;eil Inn. wie ihm beliebt. Gerade dann aber muß die entscheidende Grenze im Auge behalten werden, nämlich die. daß die scharfe Agitation gcücn die Gcschfiftsbrzirhnngen mit Xiehluricr;t .besonders wenn ■ sie von Stellen ausgeht, welche in dem Kreise. \or dem sie sprechen, Autorität besitzen sollen; und daß der Druck, wie er durch Auprangeriiug. persönliche Ko'ulroIIcn oder Drohungen ausgeübt wird, sich mit den Grundsätzen der Reichsregicrung für das Gebiet der Wirtschaft schlechterdings nicht mehr \creinbaren lassen. Es ist ziemlich deutlich, daß da-, gegenwärtige Weihnachtsgeschäft m> manche V orgänge auch dort wieder hat aufleben lassen, wo sich die Verhältnisse vorher zu allseitigem Nutzen bereits beruhigt zu haben schienen. Wiebekannt, spielen bei dem ganzen Problem die Schilder ..Deutsche* Geschäft". wie sie gerade auch in Frankfurt tu den letzten Monaten zahlreich aufgetaucht sind, eine beträchtliche Rolle. t> ist au sich zweifelhaft, ob eine solche Kennzeichnung nach Rasseuunlerschieden dein Sinn der Erlasse über Nichtanwendung Min Ra^seuprihzipieii auf die Wirtschaft entspreche. ' Klarheit aber sollte mau sich wenigstens darüber verschaffen, wie sehr solche Schilder geeignet (iviii .■■litt it\t i t**i- .--v. lim 1 i »■*.»-----. ...---... .... ... auf die Wirtschaft entspreche. ' Klarheit aber sollte mau sich wenigstens darüber verschaffe«, wie sehr solche Schilder geeignet sind. U b e r s c h r e i t u n g c n der zulässigen Grenzen Vorschub zu leisten. Es läßt sich aus Frankfurt ein Beispiel dafür anführen: Als sich nämlich zeigte, daß die arischen Gcsehäft-inhabrr selbst nicht durchweg mit der Kenntlichmachung ihrer Geschäfte nach Rassen unterschieden einverstanden waren, erschien in einem Frankfurter Blatt eine .Glosse, m der beklagt wurde, .daß es in den Hauptverkehrsstraßen nicht genügend solcher Sc'iildcr gebe. Der Schluß lautete wörtlich: „Oder sollte es doch noch solche Geschäftsleute geben, welche die Sympathie einiger jüdischer Kunden nicht verlieren .wollen? ■— Sie sollen endlich Farbe 1h:- keuueu, der deutsche Käufer wird sie doch durch sein konsequentes Verhalten dazuzu veranlassen wissen.'* Dies ist in der Tat deutlieh. Weiter erschien in diesen Tagen eine Broschüre, die sieh als ..Eine Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland'* bezeichnet . In ihr werden auf 175 Seiten Namen und Adressen der in Frankfurt a. M. lebenden ..Rassejuden** aufgeführt, und zwar sowohl alphabetisch als auch nach Berufen getrennt. In einem anonymen Vorwort wird gesagt, daß man hier.den Beweis erbringen wolle, wieviel Angehörige der jüdischen Rasse auch beute noch im nationalsozialistischen Deutschland bei bester Gesundheit ihren Geschäften nachgehen könnten. Im übrigen, so heißt der Sehhißsatz, sage ein altes Volkswort: „Wer vom Juden frißt, stirbt daran.*" — Wie zu erwarten war, kann eine solche Privatr arbeit dem Zweck, den sie in ihr Vorwort setzt, nur sehr unvollkommen dienen. Auf der einen Seite hat man Arier, Arier auch im Sinne des Berufshcamtcngesctzes, in^diesea Verzeichnis aufgenommen, auf - der andern Seite teilten, wie SUcliprotn:« ergeben, zahlreiche Namen von Niehtariern. die in Frankfurt berufstätig sind. Jede ReUgions- oder . Berufsstatistik, jede amtliche Veröffentlichung über das Verhältnis von Ariern und Niehtariern in bestimmten Berufen (wie sie z. B. für die Anwälte bereits gegeben wurde) vermögen _ dem . Zweck der Widerlegung der Boykott- und Greuelhetze ^cit zuverlässiger zu dienen. Sicher aber ist. daß diese Flugschrift gewollt oder ungewollt einem ganz anderen Zwecke zu dienen vermag, und deshalb wird sie hier erwähnt. Sie enthält nämlich, wie gesagt, das berufsmäßig gegliederte Verzeichnis jener Firmen, vor denen nach den vielfach verbreiteten Anschauungen möglichst nachdrücklich gewarnt werden sollte. Wie will man es verhindern, daß die Flugschrift zu solche« Zwecken benutzt wirdV Wir können nicht nachprüfen, wie weit der Kreis der Verteilung bereits gegangen ist und mit welchen Kommentaren die Verteilung erfolgt sein könnte. :Dies, nämlich die Art der Verteilung und der praktische Gebrauch, der davon gemacht wird, sind die entscheidenden Fragen bei dieser Broschüre, als deren Herausgeber übrigens ein in der Öffentlichkeit unbekannter Name zeichnet. Da viele Hunderttausende von Niehtariern in Deutschland leben (ihre genaue Zahl ist ja noch nicht festgestellt), da die. ganz überwiegende Mehrzahl von ihnen Deutschland nicht verlassen will, da überdies nur eine kleine Minderheit Deutschland überhaupt Verlassen könnte, seihst wenn sie ts wollte. —1 so läßt sich die Juden frage in Deutschland, was man auch" im einzelnen wünschen mag, zwangsläufig nur so lösen, daß man den Niehtariern in Deutschland ihren Lebensraum sichert und sie an bestimmten Aufgaben teilnehmen läßt, und zwar so eindeutig, daß auch in der Bevölkerung nicht mehr Unklarheiten darüber entstehen können. Das Beispiel Frankens. wo jetzt schon in manchen Orten genau registriert wird, wieviel Juden abwandern, wo, wie die „Fränkische Tageszeitung*' soeben berichtet, etwa in Förth uichtortsansässige Juden sich nicht mehr . länger als 12 Stunden im Orte aufhatten dürfen, solche Beispiele lassen sich gewiß nicht auf Deutschland ausdehnen. Der Antisemitismus der Tat", wie er von Franken aus auch für das übrige Deutschland gepredigt wird, macht eine Lösung des Problems nur' immer schwieriger. Und doch wird diese Lösung sich nicht vermeiden lassen. „Die Weihnachtskrippe im Judengefchäfl" Unter diesem Titel schreibt die ..Münehencr Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 12. Dezember: „Ein christliches Fest ist die Weihnacht und ein ürdeutsches Fest. Und christlich und deutsch sind alle seine Symbole und bildlichen Darstellungen. Umsomehr muß mau sich wundern, daß es der Jude auch heute noch fertig bringt, diese Symlwlc und bildlichen Darstellungen für Rcklamczwcekc zu mißbrauchen. Wenn es heute auch wohl nicht mehr vorkommen wird, daß bei Weihnachtsfeiern in Schulen ausgerechnet ein Judenkind die Lichter des Gliristbaums anzündet und Jüdinnen AVcihnachtsgedichtc in der ..christlichen" Presse veröffentlichen, so erregt doch z. B. folgende Tatsache öffentliches Ärgernis: Während die meisten der Auslagen des jüdischen Kaufhauses Uhlfelder Teppichhaus Zentrum, C 2 Spandauerstr. 28 Cgrüner Teppichiaäenl Teppiche jeder Art. Xäufer. Vorlagen. Steppdecken. Gardinen. Keine Auf machung — niedrige Preise