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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-12-12 · 93 (12.12.1934) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
93 (12.12.1934)
Date
1934-12-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Blättern der Orthodoxie oder in solchen Gemeinschaften geschieht, die konservative Geistesrichtung mit liberaler Lebenshaltung zu beuuemera Judentum vermischen, so muß man da» hinnehmen. W'cim aber heute dem größten deutsch-jüdischen Blatt ein liberaler Hahbiner ein Zerrbild des liberalen Judentums malt, das er besser kennen müßte, so ist dos mehr als bedauerlich. Wir müssen uns mit aller Entschiedenheit dagegen wenden, daß man den religiösen Uberalismus als eine Geistesrichtung von vorgestern, als ein Wölkenkuckucksheim, hinstellt, das Judentum und Judcnhcit in unlöslichem Gegensatz gegeneinander bringt. Wer die großartige Gemeinschaftsarbeit der führenden Männer in den Gemeinden objektiv-würdigt — gar nicht zu sprechen davon, daß auch in den Organisationen an vorderster Stelle liberale Menschen tütig sind —, wer die ernste bündische Arbeit der religiös-liberalen Jugend aufmerksam verfolgt, der sollte sich endlich ahguMühncn, Vorwürfe immer zu wiederholen, die schon in früherer Zeit nur bedingt richtig waren, heute aber nur der* Ausdruck einer Verlegenheit darüber sind, daß ein Hcbgcwordcucs Schlagwort anfängt, seine Kraft zu verlieren. ** Wenn es auch gewiß wichtig ist. sich ein jüdisches Gcgcnwartsprogramin zu' schaffen, so. soll man sich hüten, sich damit zufrieden zu geben.- Gclingt.es uns nur, die zum Judentum heimkehrenden Brüder zu beschäftigen, nicht aber sie zu erfüllen, so bleibt eine Lücke, die leicht zur Leere werden wird. Es liegt im Wesen des Menschen, der Großes erlebt, daß /er auf ein End- , ziel seines .Lebens und Leidens blicken will. Ohne dies Endziel ■ wird noch so fleißige geistige, wirtschaftliche, soziale Arbeit Käirnerwerk des Alltags. Ober das Gegenwartsprogramm, das iit ihrem Ifauptartikcl zu Chanukka die .Jüdische Rundschau" aufstellt, wird* es unter gemeinschaftsbewußten Juden kaum wesentlichen Streit geben. Die Auseinandersetzung setzt erst bei dem ein ,wovon dieser Artikel offensichtlich bewußt schweigt, bei den Fragen des „Wohin?" Daß sieh hier nicht nur die Geister, sondern auch die Herzen scheiden, weiß der Schreiber jenes Artikels natürlich genau. Warum also wehrt er sich, warum wehrt sich die Rundschau seit einiger Zeit überhaupt so eifrig gegen die ,,A b g r c u z u n g*\ wie sie jetzt im nichtzionistischen Lager versucht wird? Diente diese Abgrenzung politischer Klopffechtcrei, ' entspränge sie,, müßiger Diskussionslust, so wäre sie gewiß überflüssig, ja verwerflich; wird sie aber nach innen hin •erstrebt, um sich selbst klar zu werden" und damit andere aufzuklären, so ist sie heute nötiger, übrigens auch bei allen jüdischen Menschen ersehnter, als je. Wir sehen es in der Welt um uns, daß aus dem Vertuschen und Verstecken "letzter Ziele kein Frieden kommt.. Echter Friede ist nicht möglich ohne letzte Erkenntnis, mit der ohnehin die Achtung abweichender, ehrlicher .Wcgrichtung verbunden ist. So. wichtig also auch das Gegenwartsprogramm mit all seinen oft besprochenen Einzelheiten ist, nicht minder wichtig-wird es sein, sich mit den grundsätzlichen Fragen immer wieder zu beschäftigen. Wir Religiös-Liberalen haben allen Anlaß in diesem Zusammenhang auf einen bedeutsamen Artikel von Dr. Ernst Simon in der „Rundschau" jtu achten, in -dem er klare und. mutige Worte gegen die Säkularisierung des Judentums findet, ebenso wie gegen religiöse Versteinerung und auflösenden Individualismus. * Die Palästina-Regierung hat einige Tausend Zertifikate für die gesamte jüdische Einwanderung erteilt, und man begreift die Enttäuschung hüben und drüben; denn die gegebene Zahl reicht weder für die Bedürfnisse des arbeitenden Palästina, erst recht nicht für die Nöte der wirtschaftlich leidenden Diaspora. Um so 'wichtiger bleibt das Ringen um die wirtschaftliche Unterbringung unserer Jugend in Deutschland. Dabei muß mit allem Ernst und Nachdruck davor gewarnt werden, entgegen früherer Überschätzung kaufmännischer Berufe in den Fehler zu verfallen, unsere Jugend in ihrer, seltsamen Mißachtung der kaufmännischen Berufe — hier liegt sicher eine unbewußte Anpassung an Gedankengänge von außen vor — zu bestärken. Wir haben hier eine wesentliche Position zu halten, es wird ohnehin schwer genug sein, sie nach außen hin zu verteidigen. Verfallen wir nicht in den Felder, Gedankengänge aufzunehmen, die uns in der heutigen Zeit unseres besten und stärksten wirtschaftlichen Fundaments berauben. Auch die Schaffung guten jüdischen kaufmännischen Nachwuchses gehört zu ,-llilfc und Aufbau!" ",. " .-Wir vermeiden es im allgemeinen, in diesem Blatt, das in erster Linie dem inneren Aufbau des Judentum*» gewidmet ist, uns mit Fragen jüdischer Außcnjwlitik zu beschäftigen. Es gibt aber Fälle, in denen man nicht schweigen darf. In Fürth . hat sich eine Anzahl deutscher Arzte vom Rasscnstandpunkt aus gegen die Vermischung von Juden mit Nicht)uden gewendet und die alte Forderung nach Bestrafung derartiger Vermischung unter für die jüdische Seite besonders verletzenden Wendungen erhoben. Die Frage der Bekämpfung der Mischehe ist ein altes Problem, mit dem wir uns — welch innerjüdischen Richtung wir auch angehören — seit Jahren ernsthaft beschäftigen. Dieses Problem ist — von einzelnen Fällen abgesehen — keineswegs mit einigen Schlagwortcn abzutun. Um des Endziels willen, der Erhaltung eines jüdischen Nachwuchses, waren auch wir stets Gegner der Mischehe, da in der überwiegenden Mehrheit der Fälle die Kinder aus solchen Ehen dem Judentum verlorengingen. Wogegen wir aber um der Würde des Judentuums willen Einspruch erheben, das ist die verletzende Form, in der man auf der anderen Seite diesem Ziel nachstrebt. Entgegen der Erklärung der offiziellen Stellen wird von manchen Seiten der Kampf -um die „Reinerhaltung der Rasse*' immer wieder in einer Weise geführt, die uns Juden in unserer Ehre als Einzelne und als Gemeinschaft .verletzt und herabwürdigt. Soll eine derartige Auseinandersetzung, .die nicht von heute auf morgen zu allseitig befriedigenden Ergeh " nissen führen kann — selbst wo beide Seiten im Ergebnis dasselbe wollen —, nachhaltige Resultate ergeben, so muß sie sieh in einer Art vollziehen, die nur die sachlichen Gesichtspunkte hervorhebt, und" in der beide Seiten in ihrer menschlichen Würde und in ihrer Würde als Gemeinschaft bestehen bleiben. Ritualmordlegende Drohbrief an den Wiloaer Oberrabbiner Rubinstetn Warschau. Der Wilnaer Oberrabbincr- und ehemalige Senator Rubinstein hat von Bauern des Dorfes Kobilniki einen Drohbrief erhalten, in dem er aufgefordert wird, als Repräsentant des „jüdischen Kanals" für die Rückkehr eines vor wenigen Tagen aus dem Dorfe verschwundenen christlichen Knaben Sorge zu tragen. Der Knabe sei offenbar von den Juden „für ihre Zwecke" geraubt worden. Sollten die Juden diesem Verlangen nicht entsprechen, so werde es zu denselben Dingen wie im Falle Bcilis kommen; Oberrabbincr Rubinstein hat den Brief, in dem eine Adresse angegeben ist, an die er seine Antwort richten soll, der Polizei übergeben. Talmud-Vortrag in der I\S-Kulturgemeinde Marburg. Wie die „Oberhessische Zeitung" berichtet, taud in Frankenau innerhalb des Ortsverbandes Frankenau der NS-Kulturgemeinde die zweite Veranstaltung im Rahmen des Programms für den Winter 1934/1935 statt. „Pg. Rosenthal, der bekannte Talmud-Forscher, hielt einen sehr interessanten und aufklärenden Vortrag' mit Lichtbildern über das verhängnisvolle Wirken des' internationalen Judentums und der Freimaurerei in der Geschichte im Laufe der* Jahrtausende. Der Saal des Waldecker Hofes zu Frankenau war bis auf den letzten Platz besetzt/' Stadtbaurat fdunüdtt jüdifches Grab Die NSZ berichtet, wie wir im „Pfälzischen Kurier", Neustadt, -lesen, über folgenden Fall, der sich in Ludwigshafen zugetragen hat: „Vor einiger Zeit starb hier der frühere Stadtbaurat Sternlie. b. ein Jude. — Der Mann ist tot; die Sache wäre für uns erledigt, wenn nicht — der Ludwigshafener Stadtbaurat Lauer sich verpflichtet gefühlt hätte, eine Anordnung herauszugeben, daß die Stadtverwaltung Ludwigshafen und damit die Ludwigshafener Bevölkerung für die Pflege und Ausschmückung des Grabes von Sternlieb zu sorgen habe. Soweit sind wir nun glücklicherweise wieder! Eine national1sozialistisch geleitete Stadtverwaltung muß — weil es einem ihrer Beamten so gcsclunackvoll und „anständig" erscheint — für dos Grab eines. Juden zu sorgen, der während seiner Dienstzeit sicher ein Einkommen bezogen hat, das seinen Angehörigen die Pflege des Grabes schon ermöglichen könnte. — Was würde Herr Stadtbaurat Lauer, dem doch die Verwaltung des Friedhofes untersteht, dazu sagen, wenn nun' die Angehörigen aller früheren städtischen Angestellten und Arbeiter zu ihm kämen und ihm den Vorschlag unterbreiten würden, daß die Stadtgärtnerci von jetzt ab ihre Grabstätten in Pflege zu nehmen habe? — Was dem einen recht ist, darf dem anderen billig sein! Hier kommt aber die Tatsache hinzu, daß Stadtbaurat Lauer für das Grab eines Juden sorgt. Das zeigt, wie wenig sich dieser Mann, der in den Tagen der Revolution sein Amt verlassen mußte, weil er der NSDAP zunächst nicht tragbar schien, bemüht hat, den Nationalsozialismus zu verstehen. So darf Stadtbaurat Lauer den Nationalsozialismus nicht auffassen' Selbst dann nicht, wenn er glaubt, „es sei nicht mehr so wie im vorigen Jahre". — Sie . irren, Herr Stadtbaurat, wenn Sic das glauben. Es ist schon noch so und kann auch noch bestimmter und kräftiger werden!" Bewertung geilliger Fähigkeiten auf Grand der Raffenlehre — Dr. Groß in der Heidelberger Univerfität Mannheim. Das in Mannheim erscheinende „Hakcnkrcuzbanner"' berichtet über einen Vortrag „Unsere Rassenpolitik und das Ausland", den der Leiter des Itasscniwlitischcn Amtes der NSDAP., Dr. Groß, in der Aula der Neuen Universität in Heidelberg gehalten hat. In diesem Vortrag berührte Dr. Groß auch die Frage der Bewertung geistiger Fälligkeiten auf Grund der Rassenlehre und führte hierzu folgendes aus: „Weiter wird die Frage aufgeworfen, wo habt ihr den Maßstab, der objektiv ist und nicht getrübt durch menschliche Unzulänglichkeit? Wir antworten: Objektive Werte hat es auf dieser Welt nie gcgclten. Der Wert der Menschheit ist von Volk zu Volk und von Rasse zu Rasse verschieden. Schließlich besteht noch eine letzte Frage, um die gerungen wird. Sic handelt davon, ob der Nationalsozialismus das Recht hat, Unterschiede zu machen in der Wertsetzung der geistigen Fähigkeiten der Menschen. Dazu ist zu sagen, daß die Uasscnanschauung unserer Zeit u n a b h ä n g i g ist von der Wertsetzung. Wenn der Nationalsozialismus praktische Husscngcsctzgcbuni; treibt und darauf hinweist, daß. die Menschen geistig im Werl verschieden sind, so hat er noch kein Werturteil gesprochen. Indem er erkennt, daß die Gesetzgebung sowohl für den Geist als uueh für den Körper des Menschen gilt, negiert er die Vorwürfe. Wir hoffen, daß, wie in der Welt der Politik, auch auf dem Gebiet der Hassenpolitifc einmal bei den anderen Völkern die Erkenntnis kommt, daß ihnen unser heutiges Haudcln Selbstverständlichkeit wird." Die jüdifdie Raffenfeele Köln. Professor Pesch, Mitglied des Rassepolitischen Amtes der Gaulcitung Köln-Aachen der NSDAP, eröffnete mit einem Vortrag flher ..Russe und Volk" die rassenkund liehe Vortragsreihe des Politischen Seminars des Gaustudentenbundes und führte hierbei, dem ..Westdeutschen Beobachter" zufolge u. a. düs, es gebe ein deutsches Volk, eine deutsche Kultur, aber keine deutsche Hasse. Deutsch sei ein völkischer Begriff, chenso wie jüdisch ein völkischer Ilcgriff sei. Es gehe keineci gentlich jüdische Hasse. Vielmehr sei aueli das jüdische Volk ein Rasscngcmiseh. Wenn man nun die Juden bekämpfe, so nicht weil man den Juden als Volk prinzipiell feindlich gegenüberstehe, sondern weil das jüdische Volk sich aus der vorderasiatischen und .der orientalischen Rasse zusammensetze, die allen im deutschen Volke vorkommenden Rassen vollkommen fremd seien. Die jüdische Rasscnscclc sei undeutsch, der Jude sei zersetzend, nie aber aufbaufälug. Die Prüfung der Raflenfrage Hildcshrim. In einer Kundgebung der NS-Hago, die in der Stadthalle von Hildesheim abgehalten wurde, sprach, wie die dortige ,.Landcspast" berichtet, der Schriftleiter des .,.Stürmcr", Karl Holz, der sich bei seinen Ausführungen über die Judcn- und Rassenfrage als Geselle des Meisters Julius Streicher bezeichnete. Von Nürnberg, der Stadt der Parteitage, werde der Kampf gegen das. Judentum in das Volk hinausgetragen. Da Nationalsozialismus und Antisemitismus gleiche] Begriffe seien, so könne ein Nationalsozialist auch nicht zum " Juden gehen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte ' der Redner, daß der Nationalsozialismus nicht die Religion, nicht den Katholizismus und nicht den Protestantismus, auch nicht die jüdische Religion als solche verfolge und bekämpfe, er dulde dos Judentum deshalb nicht, weil es der' deutschen, arischen Rasse feindlich sei, auch wenn der Jude tausendmal getauft sei. Karl Holz brachte die Naturgesetze mit der Rasscnfragc in Verbindung, wobei er betonte, daß zur Prüfung : und Beantwortung dieser Frage keine ausgesprochenen Wissenschaftler, nötig seien. Weil Kaiser Wilhelm 11. von jüdischen Ratgebern umgeben gewesen sei, deshalb sei auch die Katastrophe über Deutschland hereingebrochen. „Jeder Lebensbezirk ift uns heilig" Die „Nordischen Stimmen", ein Organ der nordisch-religiösen Bewegung Dr. Bernhard Kummers, veröffentlichen in Heft 9 einen Aufsatz über die Bedeutung der altisländischen Sagas für die nordische Glaubensbewegung, in dem es u. a. heißt: „Heute geht es um Rasscnschicksalc. Daher ist der Nationalsozialismus vom Rassegedanken durchtränkt, daher haben ,jins germanische Urkunden, angefangen vom ersten nordischen Steinbeil bis zu Hitlers „Mein Kampf", mehr zu sagen als die höchsten Menschheitsideen, die schönsten Jenseitsreiche und alle heiligen , Schriften der Welt, wenn sie nicht aus der germanischen Wcscnsmittc kommen . . . Erst wollen wir nordische Menschen sein und dazu führt uns der Weg auch über Alt-Island und nie über Palästina. Aber wir werden auch keine isländische Saga oder die Völuspa einem Juden, Chinesen, Inder oder Neger als Heilsbotschaft vorsetzen und anpreisen, so wenig wir ihre heiligen Schriften als minderwertig bezeichnen. Jcdc"r Lebensbezirk ist uns heilig, auch der einer anderen Rasse." Pfarrer Münchmeyer über die Judenfrage Nürnberg. Die „Fränkische Tageszeitung" berichtet über die von Pforrcr .Münchmcycr in einer Nürnberger Massenversammlung gehaltene Rede u. a. folgendes: „Und dann kam Pfarrer Münchmcycr auf ein Thema zu sprechen, das durch die Vorarbeit des Franken führe rs' Julius Streicher gerade in Mittclfrankcn den besten und verständnisvollsten Widerhall im Volke findet — die Judcnfragc. Er wies nach, wie in allen Ländern die Völker auf das verhängnisvolle Treiben des Judentums aufmerksam werden und wie mehr und mehr auch außerhalb Deutschlands der Jude abgelehnt werde. In diesen? Zusammenhang gedachte Pfarrer Münchmcycr auch des „Stürmers", jener Wochenschrift, die, von Mittel franken ausgehend, das wahre Gesicht des Wcltjudcn aufzeigt und dem, der Augen hat und sehen will, die Gefahr, die das Judentum für die ganze Menschheit bedeutet, aufzeigt. Arbeitsgericht entfeheidet: Staatsbürgerpflicbten gehen religiösen Bedenken vor. Kassel. Das Kasseler Arbeitsgericht hatte sich mit einem Fall zu - beschäftigen, der die Kündigung eines bei der Städtischen Werke A.G. beschäftigten Kassierers betraf. Die Kündigung war ausgesprochen worden, weil der Kassierer trotz wiederholter Ermahnungen des Betriebsführers und des Betricbsobmarmes bei der Erklärung geblieben war,-daß er als „Ernster Bibelforscher" aus Gründen seines religiösen Gewissens nicht an Öffentlichen Wahlen und Abstimmungen teilnehmen könne. Betriebs führer und Vcrtraüensrat erblickten in diesem Verhalten des Angestellten eine Gefährung des Arbeitsfriedens innerhalb des Betriebes und sprachen die Kündigung aus. Die Klage des Entlassenen wurde vom Gericht ~a b g c wies e n, das das Vorliegen einer unbilligen Härte verneinte. Für den Kläger, dessen Beschäftigungsverhältnis einem Beamten Verhältnis gleichzusetzen sei, hätte sich die Verpflichtung ergeben, für den nationalsozialistischen Staat auch durch die Tat einzutreten und anzuerkennen, daß staatsbürgerliche Pflichten vermeintlichen religiösen Gcwisscnsanschauungciv voranzugehen hätten. Mit Rücksicht auf die grundsätzliche Bedeutung des Streites wurde die Berufung als zulässig erklärt. Geftändnis der Morder von Liffa Lissa. Unter ungeheurer Teilnahme fand am letzten Donnerstag die Beisetzung des auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Sanitätsrats Dr. Seh er bei statt. Für die Jüdische Gemeinde sprach Ingenieur Pachter ergreifende Abschiedsworte. Für den Verein für jüdische Geschichte und Literatur sowie für ' die Familie des Toten nahm Herr Grünau das Wort. Als Vertreter der Ärzteschaft sprach Dr. Blazejczyk Worte des Danks für die hervorragenden Verdienste des Toten. Inzwischen ist es der Polizei gelungen, drei junge Leute im Alter von 18*—2i Jahren zu verhaften, die bei einem Einbruch ■den greisen Sanitätsrat niedergeschlagen haben, so daß er seinen Verletzungen erlag. In der Mordsache hatte, die Polizei innerhalb von -18 Stunden 14 Verhaftungen vorgenommen. Die Täter .haben .inzwischen ein volles Geständnis abgelegt. »

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