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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-12-12 · 93 (12.12.1934) · page 1

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
93 (12.12.1934)
Date
1934-12-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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2tM3S&BCCCKXCTKE_lKrWJ »XK.WS*3rIE(e»TiS».>3ZCA*1 BERLIN 12. Dezember 1034 PREIS 25 PF. Nr. 93 / 14. Jahrgang JUDISCHE AUGEHEME Scbriftkittmg und Geschäftsstelle: llerlin W Ii. Uhlaadstr. 158. Fernruf: J 2 Oliv» £9£S. Bankkonto: Ertililserem für HaoJe) und Generl* eGinbH. Berlin N24. — Beiuaspreis: RM. 1.— monatlich (ioiücI. RM. 0,10 Zeitmujsgeböbr ond Bestellgeld), bei Stieifbaudversaad suzügl. RM. 0.30. "tt » * rr Verlw: TeiUciieiuiiHucbatt ia DeutiehUnd Miäuiirar JuJen eOmhll. (in Oraaduttg). Barlia W 15, UbUinü.tr. US. AuMiguipraiw: Die l'.'se.imli. mm-Zeile RM. 0,1S, l. Farailienauieiseu RM. 0,1-', f. BU'lleiigL^uclvo RM. 0,(6. Bei unvenobuldeler XichllKlieferunK tw»telit kein ,Vua|irucli uuf Vomtltun«. N EUE F O LG E DE R J ö D I SC H - LI BER ALEN ZEITUNG! i Bund oder nicht? Die „Jüdifdie Allgemeine» Hellt das Problem Bund — Elternhaus - Schule zur Debatte ■. ®ie politische Entwicklung in unserer Umwelt hat sich die Parole „SchluU mit dem Einzclfrän-ertuni' zur Pflicht gemacht. Dieser Aufruf ist mit Nachdruck von der'gesamten Jugend Deutschlands aufgenommen und in den verschiedenen Zusammenschlüssen altersmäßiger Gruppierung verwirklicht worden. Die ehemalige Jugendbewegung ist dadurch,in einem eminent politischen Sinne abgewandelt worden 4I,tt.nmI,,^le]U , c^ .J"gend aus der nämlichen Jugendbewegung stammend, hat mit der politischen Abhandlung aus begreiflichen Gründen nicht Schritt halten können. Immerhin hat der W unsch, der bisher mehr das Jugendland als wirklich praktische Bezirke des Lebens ausgefüllt hat. zumindest zahlcnmäläi.. l f,T-.J, " L-SCr Sfwonnen-,H,er> »ie auch im nichtjüdischen Lager, hat die Parole zur Gemeinschaftsbildung zwar niemanden unvorbereitet getroffen — der deutsche Jugendliche und genau so ,1er dei.tschjudische hat mit den gesellschaftlichen For—— 1 ' - längst , vor dem Umbruch empfunden — Bund uin ________ ________________wi wird höheren Zwecken eingeordnet. Er soll nach'Äbsiciit'der Führer keine bescheidenere Aufsah. uu..»w. uii.u ucrciicL guuonen — uer ucutsclie Jugendliche und genau so der deutschesel Schaft hellen Formen, die das Bild der vorigen Generationen prägten, bereits :h abgeschlossen gehabt. Aber Kollektivierung wird auch hier nicht als Selbstzweck ii des Bundes willen ist kein schöpferisches Ideal —. sondern der Bund als Kollektiv . .. . .. . , eingeordnet. Er soll nach Absicht der Führer keine bescheidenere Aufgabe haben, als die den politischen Umständen angepaßten Lebensformen Tür jüdische Menschen überhaupt vorzutragen und vorzubereiten. Damit wird der Bund ein Stück Erziehung. Damit tritt er aber in scheinbare Konkurrenz zu anderen Kräften, die sich bisher um die Erziehung des jungen Menschen bemüht haben und auch weiter bemühen:• zu Elternhaus und Schule. Diese Erkenntnis ist nicht das Gemeingut aller, weder auf Seiten der Jungen noch auf Seiten der„a,t"«n- Generation. Die Majorität der jüdischen Jugend steht zwar im Bund, ab« die Tatsache, daß große Scharen judischer Jugendlicher den Weg zum Bund noch nicht gefunden haben, ist Beweis Renuc, dal» hier noch Vorbehalte und Kritiken bestehen, die eine ernsthafte Nachprüfung erforderlich machen. Es ist nicht abzusehen, ob solches Verhalten nicht ernsthafte Konflikte im'Gcfolge haben ltonn, vielleicht sogar schon hat. AVir sehen es daher als eine Pflicht der jüdischen Öffentlichkeit an, in die Frage einzutreten, wie weit derartige Vorbehalte berechtigt sind, soweit sie auf wirklicher Erkenntnis der Dinge beruhen, welcher Argumente sie sich dann bedienen und wie weit vielleicht bloßes Ressentiment die Entscheidung verzögert. ... . , .... .,.„,' Die Kritik wird von allen Seiten geübt. Die jungen Menschen sind daran beteiligt, wie die Eltern, wie die Lehrer. Die .Jüdische Allgemeine" tritt mit dieser Nummer in die Diskussion dieses aktuellen Problems eiii, indem wir zunächst zwei Vertreter verschiedener Ansichten sprechen lassen, den Jüngeren im Bund und den Alteren außerhalb des Bundes. Die Aussprache, mit der wir in der ersten Beilage beginnen, wird fortgesetzt. - , Hollmiiigslolc Verelendung in Wien Ein erichütternder Aufruf - Angft top Exmittierung - Jfidirdie Akademiker und Angehörige des Bürgerllandes auf den Arbeitslofenämtern '; Wien. Der I.cilcr des jüdischen Vereins für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Dr. A. Schmcrler, schildert in einem erschütternden Aufruf die hoffnungslose Verelendung, der die österreichische Judenschaft seif längerer Zeil preisgegeben ist. Lnivincnartig — so heißt es in dem Aufruf — wächst die Zahl der Arbeitslosen, denn die jüdischen Unternehmer geben ihre schlcchtgchcndcn Geschäfte ganz oder zeitweise auf und treten nebst den abgebauten Arbeitnehmern nicht nur selbst, sondern auch mit ihren bisher von ihnen erhaltenen Familienangehörigen als Arbeitsuchende ouf. Dazu kommt der Ansturm der Jugend auf den Arbeitsmarkt, da der Großteil der jüdischen Jugend nicht mehr höhere Schulen besuchen kann, sondern frühzeitig die Arbeitsstätten aufsuchen muß ... Es ist schon schwer, die Schilderungen von Not und Elend anzuhören, aber noch' schwerer ist es, diese furchtbaren Leiden selbst mitzumachen: Alles im Versatzamt, immer in Exmitticrungsangst wegen Nichtzahlung des .Mietzinses, Kinder in ungeheizten Wohnungen, Kranke und hungernde Familienangehörige, kein Groschen für Kohlen, ärztliche Hilfe fast unmöglich. Viele lehnen es ab, der öffentlichen Fürsorge zur Last zu fallen. Sic wollen arbeiten und verdienen, um ihre noch so spärlichen Bedürfnisse zu decken. Zwei Erscheinungen sind in besorgniserregender Weise auffallend: die Zahl der Juden bürgerlichen Standes unter den Arbeitsuchenden und die des hochqualifizierten .Menschenmaterials. Es kommen nicht nur abgebaute Bankbeamte in Beträcht, sondern nebst zugrundegegangenen Kaufleuten hochgebildete Angestellte ■ mit langjähriger Praxis, die mehrere Sprachen sprechen.' Manneigt oft zu der Ansicht — sagt Dr. Schmerler am Schluß seines Aufrufes —, daß die Urnschichhmg das' Problem der Arbeitslosigkeit ganz oder teilweise lösen könnte. Allein bei näherer ernster Betrachtung der gegebenen Tatsachen wird man zu der Überzeugung gelangen müssen, daß im Hinblick auf die gegenwärtigen Verhältnisse das Schwergewicht des Problems der jüdischen Arbeitslosigkeit nicht in der Umschichtung, sondern in der Einschichtung, das heißt in der Einordnung in den Arbcils- und Wirtschaftsprozeß liegt, zumal wir auch genügend gelernte manuelle beschäftigungslose Arbeitskräfte haben. Auswanderer-Tragödien in Paris Paris. Eine aus Deutschland ausgewanderte russische Jüdin namens Szcrwonagurska, die aus Frankreich ausgewiesen wurde, sprang nach Erhalt des Ausweisungsbefehls mit ihrem acht Monate alten Kind in die Seine. Sie wurde gerettet, ist aber infolge der ausgestandenen Leiden geistig zerrüttet. Eine andere ausgewiesene Frau, die ebenfalls in die Seine Bprang, konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Bei einer Au to k a t a s t r o ph c ist der älteste Sohn des ehemaligen Generaldirektors der AEG, Felix Deutsch, ums Lehen gekommen. Die Neugestaltung der Verhältnisse in Deutschland hat es mit sich gebracht, daß der junge Deutsch, der mit der Tänzerin Maria L«y verheiratet war, seinen Posten als Vertreter "der AEG in Paris verloren hatte. Auf einer Autofahrt durch den Bois de Boulogne raste er mit seinem Rennwagen gegen einen Baum und starb'kurz darauf. ümicliau Von HEINRICH STEItN .Mit dem Ghauukka-Frst hat die jüdische Presse Artikel gebracht, die sich nichl nur mit ili-in Sinn dieser über ihre eigentliche Bedeutung herausgewachsenen Gedenktage beschäftigen, sondern allgemein-jüdische programmatische Erklärungen /.u .formulieren suchen.; Dabei sind ein punr grundsätzliche llrim-rkiuigcn erforderlich. Mii dem zweifellos richtigen llcslrchcu. gcriu!.- in dc-r heutigen Zeit unsere .jüdische Jugend auch körperlich an dieveränderten Verhältnisse zu gewöhnen, gehl — und zwar uiclH—mir in den Kreisen der Jugend — die merkwürdige Neigung Hand in lliuiil, diese» Körperliche, di u Geist de* Sports und llckiirds Aller Gebühr liervorziilicl.cn Nichts führt -- und diinui muß man insbesondere unsere jüdische Jugend erinnern - so weil Vinn Jüdischen nli wie die einseitige Vciiiußcrliihnng lies Lehens. ']>«* Wort, daß es iiiiiiiuiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiuiim^ Die Zeit itt nahe in der Ihnen der Briefträger die Quittung über das Abonnement des kommenden Munal» vorlegen wird, übersehen Sie bitte nicht, für die r e e Ii t.ze i t i g e Erneuerung Die Juden im Saar gebiet; Rom. Bei den Verhandlungen des Saarkomitees in Rom wurden Vereinbarungen unterzeichnet, die sich u. a. auch auf die Behandlung der Einwohner des Saargebiets nach durchgeführter Abstimmung beziehen. Ober ihren Inhalt wird der JTA von dem Mitglied der Abstiromungskommission Lopez O 11 i v a n mitgeteilt, daß die Rechte aller Einwohner, ohne Unterschied von Konfession und Rasse für die Dauer eines Jahres gewahrt werden sollen. Während dieses Jahres erfolgen keine Diskriminierungen nach Religion, Sprache oder Raase. Innerhalb dieses Jahres find Saarbewohner berechtigt, auszuwandern unter . Liquidierung ihres Vermögens. Ihres Abonnements Sorge' zu tragen, damit keine: Unterbrechung in der Zustellung eintritt. Der Bezugspreis betrugt HM. 1,— zuzüglich 10 Pfg. Bestellgeld. der Geist ist, der »ich den Körper haut, bat für kelnn Cemcinschofl der Erde so viel'Wahrheit, wie für nna Juden. Freilich nicht der Geist ist gemeint, der mit der Mode wecliiutlt, der heule militärisch, ist und morgen pazifistisch, heule soziillislisi-li und morgen kapitalistisch, heute gcineinschafliibcwiißt und morgen. Ei-enßäiigcr, sondern der ewige Geist, di r über den Tag hium», ja'auch gegen den Tag, den Sinn de» Leben» suclit nach eigener Offenbarung und i-ignicr Tradition. Autfällig ist, daß unser Fest dazu bi-nulzt wird, dir belichte Altoike gegen du» liberale Judentum zu reiten. Wenn die» in den "phot. KQtoIar. Ein Berliner CemelndeaDend in der. Synagoge - Ii IL

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