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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-12-05 · 92 (5.12.1934) · page 10

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
92 (5.12.1934)
Date
1934-12-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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wciBoii Vorhängen _gczif:rt ltat. Wie vergnügt funkeln die Lümpclicn, die slu mit eigenen Hunden anzündete, um jenen Sicgcstag 7.u feiern, wo Judas Mukkaliüun und seine ilrüder ebenso tapfer uml Iteliienuiütig das Valrrland befreiten, wie in unseren Tagen J-Viedrn-Ii Wilhelm, Alexander und Franz II. Wenn die gute I'rau diene l.iiuijjrlieii betrachtet, treten ihr -die Tränen in die allen Augen, und sie erinnert sich mit wehmütiger Wonne jener jüngeren Zeil3 wo der selige Meyer Amschel 'Rothschild, ihr teurer Gälte, das Lampen fest mit ihr feierte und ihre Sühne noch kleine Hühchen - waren und kleine Lid liehen auf den Hoden . priaii/teit und in kindischer Lust darüber hin und her sprangen, wie ea Hrauch und Sitte ist in Israel." Lie^a mau diese anschauliche l)ur*irilim<!, so glaubt man, daß Heine das Utaimkka-Fest .tatsächlich in der Krankfurter Judengasse erlebt Imhe. Oer Herieht i*t jedoch ein Produkt \on Heines Fantasie. . Denn der Diehter war nie zur Zeit des (Jliautikka-l-'rhteä in Frankfurt; er muß es vielmehr lediglich auf Grund von iJan-tellimgcn geschildert Iiahen. Heines erster Hesueh in Frankfurt «rrfolgle zur Messezeit 1815, sein letzter in dem Mannt Mai des .lallres 1H31. /wischen beide Termine füllt seiu Aufenthalt in den letzten Nmemhertagcn des Jahre» 1827. In jenen» Jahre aher wurde, wie au* alten Kalendern leicht ersichtlich, das (niannkka-Fcst vom 14. Iii» 21. Dezember gefeiert, also zu einer Zeit, in der Heine schun die Mfmchener Kunstsiliützc eingehend studierte. Fritz Stahl zum Gedächtnis Am 10. Dezember wäre der Kunstkritiker Fritz Stahl siebzig, Jahre alt geworden. AI» Kritiker zeitgenössischer Kunst war er nicht unumstritten, -«her wegeji der Charakterfestigkeit seines Urteils hochgeschätzt und vorbildlich wegen seiner sprachlichen Klarheit, in der sieh gedanklicher Schliff und letzte Allgemein verstand lieh keit vereinen. Krst in seilte^, letzten Lebensjahren war es dem 11)28 Verstorbenen vergönnt, jene Werke zu schaffen, die seinen Ruhm und Nachruhm begründen sollten. Der Buchverlag Rudolf Müsse, für den sie geschrieben wurden, hat sie jetzt abgestoßen, der Verlag Axel Juncker, Herlin, hat sie übernommen. Sein Hauptwerk, .,W e " zur Kuns t" mutet beute wie eine Art Rechenschaftsbericht über seine kritischen Maßstäbe an. Darüber hinaus ist es eine Entwicklungsgeschichte der Kunst von den alten Ägyptern bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts geworden, eine erste Orientierung, die — auf Wesentlichkeit statt auf Vollständigkeit gerichtet — künstlerisches Schauen lehrt. Der Tutsachcuiuhalt dieses Buchs macht die Unterschiede zwischen Zeitstil und Nachahmung kenntlich, zwischen der Disposition zur Künstlcrschaft und dem Werden eines Meisters. Die französische Revolution zerriß den Fluß der Entwicklung, die neuen Aufgaben und Möglichkeiten unserer revolutionären Epoche datieren noch daher. Gerade darum ist die Vermittlung des Festen im Fließenden, die Bedingtheit der Form durch das Material, ein bleibender Wert dieses Buches, und die Formel, auf die er alles künstlerische Schaffen bringt, bat die Einfachheit alles Großen: es bewegt sieh zwischen den beiden Polen Handwerk und Genius. Fast noch berühmter ist (neben seinem ..üaumicr") seine Monographie über „Paria" geworden, die den Untertitel'trägt: „Eine Stadt als Kunstwerk1*, in diesem idealen Baedceker wendet Stallt seine kunstgcschichtlichcn Erkenntnisse auf eine ganze Stadt an, er zeigt bic als lebendigen Organismus — „eine Studt hat sich" selber geformt". Ein Erlebnis wurde unter seinen gestaltenden Händen zu einem aufschlußreichen Lehrbuch über Studtebaukunst und ihre zeitgemäßen Aufgaben. Der frühere französische Botsehafter, Monsieur de Margerie, beglückwünschte den Verfasser zu dieser Arbeit, die „einem Franzosen Ehre machen würde und in der ausländischen Literatur nicht seinesgleichen hätte". Mit seinen Büchern über „Horn" und „Potsdam" ergibt es einen Zyklus „Drei Städte". In „Paris" macht Stahl auf den Unterschied zwischen „Impression" und „Erlebnis" aufmerksam. Es ist bezeichnend für diesen deutschen Juden, daß es Potsdam gewesen war, das ihm zuerst aus einer Impression zu einem Erlebnis wurde. Dr. Lutz Weltmann. . Ich lerne Jüdifch / Von Dr. T. SIMON' Wirklichkeit eine Befreiung, „ein Weg in9 Die Welt des kleinen Judentums erweist Man wird sich vielleicht üher den Titel wundern. Trotzdem: ich lerne Jüdisch, llchräisch '— das lerne ich auch. Ich versuche es wenigstens. Aber das ist für mich, der ich es zur Schulzeit nicht gelernt habe, zu schwer, ich fürchte, ich werde es trotz aller rabbinischen Hilfen nie zur Beherrschung bringen. Also: ich lerne Jüdisch. Eigentlich haben wir alle in den letzten anderthalb-Jahren wieder Jüdisch lernen müssen, wenigstens sehr viele von uns; wir haben uns besonnen auf unser Judentum. Wir wollen es ruhig zugeben: der Schritt vom Makrokosmos zum Mikrokosmos von der großen allgemeinen Welt zur kleinen jüdischen ist nicht so ganz freiwillig erfolgt, Anlaß und Anstoß gaben, wie zumeist im Lehen, die äußeren Umstände. Aber wenn auch manchem von uns zuerst dieser Schritt aus der Weite in die Enge ein wenig ■(Wunder/ich vorkam, so haben wir alle doch sehr bald empfunden, dali diese Umkehr, die sich in uns vollzog, mehr ein Wunder als verwunderlich war; daß, ■was scheinbar eine Beengung unserer Persönlichkeit war, in Freie"' war. sich gar mclit^als so klein, wie wir gefürchtet hatten, im Gegenteil, je mehr wir uns in sie hineinleben, je mehr wir uns in sie hineiuversenken, desto größer, desto gewaltiger entsteht sie. Und so lerne ich täglich, lerne ich stündlich Jüdisch. Immer.schon habe ich mich mit meinem Judentum traditionsverbunden gefühlt. Habe durch die Studien und Schriften meines Vaters schon -früh Einblick erhalten in den semitischen Kulturkreis, kannte die Leistungen der Babylonier,- der Assyrcr, wußte um den Anteil der Sumerer und Semiten an der Kultur, an der Wissenschaft. Später stand'ich ergriffen vor der Alt-Neu Schul in Prag, vor der Synagoge in Toledo, sali den Moses des Michel Angelo, verweilte am Grabe Heines auf dem Perc Lachaise, war im Amsterdamer Ghetto, war in der portugiesischen Synagoge," hatte früh. schon Sebastian Hensels „Geschichte der Familie Mendelssohn" studiert. Aber seit den letzten anderthalb Jahren ist doch ein fundamentaler Unterschied eingetreten, was damals melir vom allgemein kulturkundlichcn Gesichtspunkte interessierte, was gewissermaßen integrierender Bestandteil einer allgemeinen Bildung war, was historisch interessant war, was latent aufgespeichert war, das alles sollte mit einmal kinetisch, sollte aktuell werden, sollte Basis und Blickpunkt, Richtung und Ziel einer geänderten Weltanschauung, eines anders gcarteten Standpunktes werden. Ich lerne als alternder Mann Jüdisch, lerne und treibe es mit der Begeisterung eines Jungen, mit der tiefen Sicherheit eines ergrauten Lotsen, der sein Fahrwasser seit Kindesbeinen kennt. Ich lese die Geschichten aus der Bibel; "überall lerne ich, höre ich, suche mich mit der Seele in die jüdische Ideenwelt hineinzudenken, höre Kurse, beschäftige mich mit unserer vieltausendjährigcn Geschichte, lese die Cohcnschc Ethik, lese was Cornill 'über den „israelitischen Prophetismus" gesagt hat, was Faulhaber über die Juden gesprochen, lese Maimons Lcbcnsgcschichte uiid Bialiks Essays. Ich lausche den alten jüdischen Gesängen, grabe in alten Zeitschriften, sehe mir die Wettspiele der jüdischen Jugend an. Stehe ehrfürchtig vor den ^verwitterten Grabsteinen . meiner Vorfahren, die noch auf dem Friedhof in der Großen Hamburger Straße, auf dem an der Schönhauser Allee liegen. Ich komme mir vor wie einer jener großen Conquistatores, von denen übrigens, nebenbei bemerkt, ein ganzer Teil jüdisches Bim in den Adern hatte, die mit schwellenden Segeln über das weite Meer fuhren, auf Abenteuer, auf Entdeckungsreisen. Und so mache ich auch meine Fahrten, Kreuz und Quer,' „ins Blaue" des Judentums. * ■ ' - Allmählich fange ich auch an, Bücher, die von Nichtjuden geschrieben sind, auf ihre Stellung zum Judentum zu lesen. Etwa was Herder, was Hölderlin, was Gogol, was Puschkin über die Juden gesagt hat. In diesem Zusammenhang gewinnen Reden von Bismarck und Gladstone besonderes Interesse. Mit andern Augen lese ich heute Treitschke., lese ich heute Nietzsche. Ich lerne Jüdisch. Ich fasse den Begriff des Lernens nicht eng auf und den des Jüdischen noch weniger. Was Gelehrte jüdischen Blutes in den letzten 50 Jahren geleistet, das wird künftig auch zur .allgemeinen Bildung des Juden gehören. Mit Männern wie JIerz,wie Krone k c r, wie Can t o r, Forschern wie Loeb und Ilabcr, Wirtschaftlern wie Rath enau oder Ballin, deren Leben und Leistung der Allgemeinheit zugute kamen, deren Bedeutung weit über die Grenzen des Jüdischen hinausging, mache ich mich vertraut. Heute lese ich die „Denkwürdigkeiten der Glueckel von Hameln", morgen einen Roman von Wassermann . oder Max Brod. Immer bin ich bereit, Jüdisch zu lernen, aber deswegen werde ich nie und nimmer ein ein Fanatiker werden, intra muros peccatur et extra. Ich bin kein Systematiker, ich war immer Eklektiker. Wenn ich zu den Antiquaren gehe, zu den Antiquitätenhändlern, dann sehe ich und dann lerne ich wieder etwas Jüdisches hinzu. Mich interessieren nicht mehr die goldgeschnitzten Buddhas, die Persischen Waffen, die Japanischen Bronzegcräte. Dort, der große renaissanceartige Chunukka-Leuchter führt mich zu den Makkabäern, führt zu dem uralten Trendelspiel, wobei der Trendel noch heute die Form des babylonischen Würfels hat. Dort die alte Etrogschalc lenkt meine Gedanken auf Sinn und Bedeutung des Sukkotfcstes; die Vielgcstaltigkeit der Dosen, ihre handwerkliche Arbeit leitet über zu kunsthistorischcr Betrachtung, ergibt Zusammenhänge mit dem modernen jüdischen Kunstgewerbe... Doch da ist noch ein Vacuum, im Elternhause war man nicht fromm; im hergebrachten Sinne; mein Vater suchte als Einzelner die antisemitische Frage mit dem Säbel in der Faust zu lösen, fühlte sich bewußt als Jude, indem er Verkehr und Umgang rücksichtslos abbrach mit all den vielen, die in den letzten oü Jahren aus seinem Bekanntenkreis das Problem über die Taufe zu lösen gedachten. Es ist noch keine vier \\ ochen her, daß ich den ersten Freitagabend mitteicrce. Ein bekannter Rabbiner, den meine Unwissenheit und mein Streben nach jüdischem Wissen gleichermaßen rührte, lud mich ein. Auf seiner Tafel sah ich zum ersten Male die Leuchter brennen; an seinem fische hörte ich zum ersten Male den Gesang der hebräischen Gebete, erfuhr ich ihren tieferen Sinn. Ich bin kein Konjunkturjude, ich kann nicht von heut auf morgen gläubig werden im synagogalen Sinn, das liegt an Erziehung, an Veranlagung, vielleicht habe ich mit der Muttermilch etwas zuviel vom Geiste Spinozas eingesogen, und auch Hermann Cohen, ein häufiger Gast in meinem Elternhause, war doch vielleicht mehr Philosoph und Ethiker als Religionslehrer. Gewiß, ich werde kein Pionier des Judentums; da ich das nicht mehr vermag, so will und werde ich meine Pflicht tun als alter Landsturmmann, still und bedächtig, im Gleichtritt mit der breiten Masse der Juden marschieren. Ich bin groß geworden im deutschen Kulturkreis, in hellenistischer Bildung, vielleicht kann ich mir grade deswegen den Luxus, (ich halte es allerdings augenblicklich für eine Notwendigkeit) leisten, aufzugehen im Lernen des Jüdischen. Und indem ich Jüdisch lerne, lerne ich jüdische Menschen kennen, Maler und Bildhauer, Gelehrte und Musiker, alles Menschen, die gleich mir dem einen Ziele zustreben, Jude zu werden, Jude zu Das Höchzeitsgefchenk des Oberrabbiners Hertz London. Das englische Königspaar hat zu den Feierlichkeiten anläßlich der Vermählung des Herzogs, von. Ken t ■ eine Anzahl hervorragender jüdischer Persönlichkeiten, unter ihnen den Oberrabbincr J. H. Hertz, Lord Rcading und die Mitglieder der Familie Rothschild, geladen. Diese nahmen auch an dem offiziellen Empfang für die Ehrengäste — vorwiegend lürsthchkeiten aus den regierenden Häusern Europas — teil. Bei dieser Gelegenheit überreichte Ohcrrabbincr Dr. J. H. Hertz dem Brautpaar ein Exemplar "seines berühmten „Book o£ Jcwish Thoughts", das unter dem Titel „Jüdische Gedanken und Gedanken über das Judentum" auch . ins Deutsche . übersetzt worden ist, als Hochzcitsgeschcnk. Ein neuer Rabbiner für Saarbrücken Saarbrücken: Der bisherige Rabbiner der Jüdischen Gemeinde, Dr. Friedrich H ü 1 f, der vor kurzem in einer öffentlichen Erklärung dem der saarländischen Judenschaft gemachten Vorwurf, undeutscher Gesinnung entgegengetreten ist, verläßt am 1. Januar 1935 seinen Posten, um sich in Palästina niederzulassen.' Zu seinem Nachfolger wurde der Baseler Rabbiner Dr. Lothar Rothschild gewühlt. Dr. Rothschild, der 1909 in Karlsruhe geboren wurde, hat seine Studien um Brcslauer Jüdisch-Theologischen Seminar und an ' der dortigen Universität absolviert. 1932 wurde er als Rabbiner nach Basel berufen. Anfiedlungserlaubnis für Nichtzioniften in Syrien Beirut. Die Behörden von Libanon und Syrien haben den Beschluß gefaßt, die Einwanderung und Ansiedlung von Juden zu gestatten. Voraussetzung für ilic Gewährung der . Kinwandcrungserluubnis ist, daß die Immigranten Kapital ini|K>rtieren und Fabriken und andere Unternehmungen gründen, in denen. eingeborene Arbeitskräfte beschäftigt werden. Eine weitere Bedingung ist, daß die Einwanderer sich nicht zu zionistischen -Idealen bekennen, deren Ziel die Konzentration der 'jüdischen Bevölkerung ist. Diese Forderung sowie die Ankündigung, daß Bodenkäufe längs der syrischen Grenze nicht gestattet würden, hat ihre Ursache darin, daß die' Behörden die Integrität des syrischen Territoriums sichern wollen und befürchten, daß derartige jüdische Siedlungen schließlich zu Grenzvcräiidcrungcn zugunsten Palästinas führen könnten. Die Binnenwanderung der deutfehen Juden Wie verteilt fich die Jädifche Bevölkerung auf Groß- und Kleinflädte? Die Jüdische Telegraphen-Agentur entnimmt den Ergebnissen der Volkszählung vom 16. Juni' 1933, diejetzt bekannt werden, die Zahlen, die Aufschluß darüber geben, wie sich die Verteilung der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reich auf Groß- und Kleinstädte am Stichtage der Volkszählung gestaltete. Während bei den bisher veröffentlichten Ergebnissen beinahe durchweg der Zunahme der Gcsanitbcvölkcning eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung entsprach, ist die Konzentration der Bevölkerung in den Großstädten anscheinend bei Juden und Nichtjuden in gleichem Ausmaße erfolgt. Kennzeichnend ist, daß das Anwachsen der in Großstädten lclicnden jüdischen Bevölkerung auf eine Binnenwanderung zurückzuführen ist, die die Verminderung der jüdischen Einwohner in diesen Großstädten eingeschränkt hat. Der Anteil der Juden in Großstädten, d. h. in Städten von über 1UU 000 Einwohner, betrug innerhalb des Deutschen Reiches i. J. 1925 66,76<>o der gesamten jüdischen Bevölkerung gegenüber 26,78o/o bei der übrigen deutschen Bevölkerung. Am 16. Juni 1933 lebten 311.36 v. 11. der deutschen . Gesamtbevölkerung' in Groß-. Städten, dagegen 70,86o,h der deutschen Juden in Städten über 100 000 Einwohner. Wie sich dieser Zuwachs der Großstädte als Verlust auf die Gemeindcgrößcnklasscn von 10 000 bis 100 000 Einwohner und weniger als 10 000 Einwohner verteilt, läßt sich gleichfalls aus dem vorliegenden Zahlenmaterial ersehen. Bei der Gcsamtbcvölkcrung verloren überwicüend die kleineren Cemeinden Menschen durch den Zug in die Großstadt. Bei der jüdischen Bevölkerung vollzieht sich die Konzentration in den Großstädten zu Ungunsten der Städte mittlerer Grüße. Im Jahre 1925 entsprach die Zahl der deutschen Juden, die in Gemeinden mit 10 000 bis 100 000 Einwohnern lebten, noch einem Anteil von beinahe 16°/o an der Gesamtheit der in Deutschland wohnenden Juden; 1933 war dieser Satz auf 13,69 v. H. gefallen. In der kleinsten Größenklasse, d. h. in Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohner, lebten L J. 1933 15,45°/o aller deutschen Juden; 1925 waren es noch etwa 17<y0. —In Sachsen und Preußen hat sich der Anteil der jüdischen Großstadtbevölkerung nicht besonders erhöhl, weil hier schon immer ein besonders erheblicher Teil Juden in den Großstädten lebte. Er stieg von 1925 bis 1933 in Sachsen von 90,80o/o auf 91.66n/o, in Preußen von 75,65°/o auf 76,97 o/o.- In Baden und Württemberg dagegen lebten unter 50o/0 der jüdischen Bevölkerung in Großstädten. In Bayern waren 1933 49,480/0 der jüdischen Bevölkerung in den Großstädten ansässig, dagegen nur etwa 20o/o der Gesamtbevölkerung. Am günstigsten stellte sich die Verteilung der Juden in Hessen, wo die Gesamtbevölkerung' der Großstadt Mainz weniger als ein Zehntel der Einwohner Hessens ausmachte, die jüdische weniger als 15%. Wenn man berücksichtigt, daß in Baden und Württemberg -der Anteil der Einwohner der Großstädte an der. Gesamtbevölkerung nur 17 bzw. etwa 15o/o betrug, so war im Lande Hessen die Verteilung der jüdischen Bevölkerung am ausgeglichensten.

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