Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 92 (5.12.1934)
- Date
- 1934-12-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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JENSEITS DER GRENZEN Deutfche Juden in Südafrika Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Von ALFRED BRASCH Johannesburg, im November. Die letzte große Wanderung der deutschen Juden führte auch einen Teil nach Südafrika. Etwa 2000 deutsche Juden sind in den letzten einunddreiviertcl Jahren in das Land des Goldes eingewandert ,um sich hier eine neue Existenz zu schaffen. Ein großer Teil von ihnen nahm die Hilfe des für die Auswanderet aus Deutschland gebildeten Komitees in Anspruch. Andere fanden durch hier ansässige Verwandte Unterstützung und Förderung. : Da sind nun Verkäufer, . Reisende, Rechtsanwälte, Ärzte, Studenten, Handwerker,. Schneiderinnen, Pflegerinnen, Stenotypistinnen, die sich auf der südlichen Spitze des schwarzen Erdteils eingefunden haben, um sich z. T. in vollständig anderen Berufen ihr tägliches Brot zu verdienen. o Zwar sind in jedem Lande die Lebens- und Verdienstmaglichkciten anders, ganz besonders jedoch weichen sie in Südafrika von denen in Deutschland ab. Um Südafrika richtig zu verstehen, muß man sich einmal veranschaulichen, daß die ganze weiße Bevölkerung nur 1,7 Millionen beträgt, zu denen 6,12 Millionen Eingeborene (Zulus, Basutos, Swasis usw.) hinzukommen. Man muß sich weiter verbildlichen, daß diese verhältnismäßig kleine Bevölkerung auf einem Gebiet von 1,2 Millionen qkm verteilt ist; das kommt zahlenmäßig einer Bevölkerungsdichte von 5 auf 1 qkm gleich (in Deutschland wohnen 123 Personen auf 1 qkm). bo gibt es denn in Südafrika nur einige größere Städte wie Johannesburg als größte mit 170 000 weißen und HO 000 farbigen Einwohnern, Kapstadt mit 126 000 weißen und 100 000 farbigen Durban mit 180 000 Einwohnern einschließlich der Farbigen. Natürlich versuchten die deutschen Auswanderer, nach Möglichkeit in den größeren Städten unterzukommen. Auch das Augenmerk des Hilfskomitees war darauf gerichtet, sie dort zu placieren. Dies gelang denn auch bei einem großen Teil, und man brachte die Einwanderer,. soweit es anging, in Erweibszweige, die von den in Deutschland ausgeübten Berufen nicht zu sehr abwichen. Verhältnismäßig leicht waren die Einwanderer mit praktischen Kenntnissen wie z. B. in der Technik, im Schneidern und Zuschneiden unterzubringen. Eine vollständige Umschichtung haben jedoch auch hier die eingewanderten Akademiker durchmachen müssen. Z.war hat auch der oder jener sich einem ihm halbwegs vertrauten Gebiete zugewandt. Ein ehemaliger orthopädischer Arzt hat beispielsweise ein Institut für Fußpflege aufgemacht.' Ein Teil der Eingewanderten hat früheren Zeitvertreib zum Broterwerb gemacht So sind z. B. Juristen Musiker geworden, und eine ehemalige junge Ärztin hat jüngst einen Modesalon eröffnet, übrigens sind die weiblichen Einwanderer verhältnismäßig schneller und besser untergebracht worden, nicht zuletzt auf Grund ihrer besseren ■ Verwendungsfähigkeiten. Ein Teil der aus Deutschland Eingewanderten hat den Heisekoffer in die Hand genommen. Einige haben sich auch selbständig gemacht, indem sie etwa in' kleinen Obsüpschäften, in Nähstuben ihr Glück versuchten. Natürlich hat ein jeder der Eingewanderten seine Bedürfnisse vollständig umstellen und sich den hiesigen Verhältnissen anpassen müssen. Überall aber versucht man, den deutschen Juden wirtschaftlich und privat das Leben zu erleichtern. Ich möchte' beinahe behaupten, daß jeder der 72 000* hier ansässigen Juden in irgend einer Weise dazu beigetragenhat. Vor allem ist es dem Komitee nicht genug zu danken, mit welcher Aufopferung es sich uns Juden aus Deutschland gewidmet hat. Nicht nur, daß man uns bei den Einwanderungsfonnalitäten behilflich war, man suchte Stellungen und Erwerbsmöglichkeiten, erteilte Sprachunterricht, arrangierte gesellige Veranstaltungen u. a. m. Daß die deutschen Juden auch hier ihre Heimat nicht vergessen, kann man immer wieder feststellen; nicht zuletzt in den für die neu Eingewanderten stets offenen Häusern der vor 30 und mehr Jahren, ins Land gekommenen deutschen Juden. Wie oft findet man in diesen Häusern Kinder, die Deutsch sprechen können, obwohl sie niemals die Heimat ihrer Eltern gesehen. Juden auf der Peraftrafie Von unterem A.-S.-Berichterstatter Istanbul, im. November. Gleich hinter den Yüksek Kalderim, den unzähligen Steinstufen, die. von dem Hafenviertel G.alata zur Fremdenstadt Istanbuls hinaufführen, .beginnt - die berühmte, die berüchtigte „Grande Rue de Pera", die die Türken heute ,Jstiklal", das heißt „Unabhängigkeit", nennen. Berühmt ist diese Straße, weil sie ein Wahrzeichen der Levante war in fernen Vorkriegszeiten, da in ihren Hotels sich die Staatsmänner der ganzen Welt ein Stelldichein gaben, weil. in ihren. Läden und in ihren Vergnügungsstätten alle Orientreisenden Europas und Amerikas verkehrten. Berüchtigt aber nannte man diese verkehrsreichste Gasse des nahen Ostens, da rechts und links von ihr das Laster wohnte, und zwar in jener' geheimnisvoll-romantischen Form, wie sie nur die Länder und Striche kennen, die der Menschheitswiege näher liegen als die Metropolen des Okzidents. ' Das ist jetzt alles anders geworden, seitdem - der Mittelpunkt der jungen Türkei ins' Herz Kleinasiens verlegt worden ist, und eine rege moderne Polizei jede falsche Romantik ausgerottet nat. . Nur eins ist geblieben: das Völkergemiscb, das sich auf der Perastraße. .auf und^ ab bewegt, das babylonische Sprachengewirr, das einem an das Öhr klingt. Neben den Türken, die allerdings auch hier mit sicherer Hand allmählich alles Nichttürkische verdrängen, sieht und hört, man alle Vertreter und Idiome, .die an den Gestaden des östlichen Mittelmeerbeckens ihre Heimat haben: Griechen und Araber, Balkanslawen und Ägypter, und nicht zuletzt Spaniolen, s e p h a r di s c h e Juden, - dienoch-ob's -auf den heutigen Tag als Umgangssprache das Idiom des Landes behalten haben, das einst ihre Heimat war. Sic unterscheiden sich von den türkischen Juden, die die Landessitten. angenommen haben und sich nur der türkischen Sprache bedienen. Jenen, die rund um. das Goldene Horn und zu beiden Seilen des Bosporus wohnen, sowie'auch von denen, die im alten Stambu], in den baufälligen Hütten von Balaat und Fcner, hausen. Die Spaniolen der Perastraße sind Levantiner, -gehören also zu jenem Menschenschlag, für den der gesamte nahe Osten die Heimat ist — oder das Land ihrer Wanderung. Reiche Händler sind sie und Künstler, Bettler und Schriftgelehrte. Man sieht sie in den Kaffeehäusern der Perastraße, wie sie die Wasser^ pfeife, die Narghileh, rauchen und die orientalischen Brettspiele oder die Zeitung zum Zeitvertreib wählen. Man findet sie in den europäischen Konditoreien, wo sie, wie das im Osten üblich ist, ihre beruflichen Arbeiten erledigen. Sie sitzen als Handwerker vor ihren Läden oder stehen als Verkäufer im Eingang kleiner, enger Geschäfte oder hinter dem Pult moderner Kaufstätten. Die Spaniolen sind Bewohner und Gäste der Perastraße. Gegenüber den Scphardim verschwindet die Anzahl der übrigen Juden auf der Jstiklal. Natürlich hört man hier auch osteuropäische Idiome, sieht neben den auf altspanisch geschriebenen Zeitungen auch solche in hebräischen Lcttcjn, aus Svricn, aus Litauen und aus Polen. Von den Juden Mittel- und W esteuropas kann hier nicht gesprochen werden, da sie mit der Perastraße so viel und so wenig zu tun haben wie alle übrigen Fremden, die hier' nur flüchtig auftauchen, um ihren Ilciscwcg fortzusetzen, in irgend eine Richtung der Windrose. » . Das ist nämlich auch das Eigenartige der Perastraße, daß sie wie ein Dahnhof wirkt, auf dessen Steigen die Reisenden warten. Der Orient ist geruhsam, langsam, schicksalsgläubig, so sagt man. Hier ist nichts davon zu merken. Ein 1 losten und Jagen, ein ewiges Hin und Her. Diese Art teilt sich allen mit, die ihren Fuß auf das Pflaster der Hauptverkehrsader von Pcra- Beyoglu setzen. Und wohnt naturgemäß, auch jenen Juden inne, die dort leben oder von Bord des Schiffes, das sie nach Ägypten, Griechenland oder auf eine der Inseln der Agäis bringt, auf ein paar flüchtige Stunden auf die enge Straße kommen, die «ich zwischen dem Galataturm und dem türkischen Nationaldcnkinnl auf dem Tazimplatz hinzieht. Brief aus Mannheim Mannheim. In der hiesigen Jüdisch-religiös-Hberalcn Vereinigung sprach nach Begrüßung der zahlreich Erschienenen durch Herrn Jos. Erlanger der erste Vorsitzende, Prof. Drs Billigheimer, über „Das Vermächtnis des religiösen Liberalismus und wir'*. Der, Vortragende führte dabei u. a. Folgendes aus: /Typisch für unsere Situation ist die Aliseinandersetzung zwischen Stern und Prinz. Wir können uns hierbei nicht verhehlen, daß Sterns Stellungnahme» seine aufrechte und gerade Durchsetzung seiner Auffassung von der grundsätzlichen und umfassenden Bedeutung des religiösen Judentum» liberale und nicht liberale Juden sympathisch berühren - konnte und berührte. Jedenfalls wurde in dieser Debatte gegenüber dem Altliberalismus der positiver sich auswirkende Neuliberalismus ersichtlich, eine Haltung, welche wir Mannheimer Liberalen bereits seit einigen Jahren einzunehmen bemüht waren. Trotzdem müssen wir auch heute hoch wahrhaftig genug sein, die Verdienste und Vermächtnisse des Alt Liberalismus anzuerkennen, wie die Wissenschaft des Judentums usw. Das heute so viel gerufene „Lernen" empfinden wir nur ab ein unverjährbares Vermächtnis der „Wissenschaft des Judentums". Unsere Stellung zur Jugend ist bestimmt durch ihre jetzt gegebene Lage. Wir müssen sie. mehr als bisher mit den Einrichtungen unserer Gemeinde vertraut machen und durch ihre Heranziehung das Vertrauen zu ihr selbst stärken. Unser Winterprograram ist daher innerster Linie der Situation der jüdischen Jugend gewidmet. Die fesselnden Ausführungen Professor Billigheimers fanden warmen, nachhaltigen Beifall. In der religiös-liberalen Vereinigung hielt auch Rabbiner Dr. Geis einen Vortrag. Wenn man sich der Krage unserer Jugend zuwende, habe es keinen Sinn, sich über Tatsachen hinwegzutäuschen und so zu tun, als ob eine'religiöse Erneuerung schon Platz gegriffen hätte. Und wenn, man sich unsere Jugend von heute als Gesamtheit, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, betrachtet, müsse man sagen, daß sie mit wirklich religiösem Judesein *o gut wie nichts zu tun habe. Daran ändern auch Dinge wie Freitagabend-Feiern usw. nichts, die Formen sind, die unsere Jugend mittut, «hne wirklich innere Beziehung zu ihnen zu haben. ' Und wenn man die gesamte jüdische Jugendbewegung betrachte, stellt man fest, daß viel Schlagworte und Formen da sind:, man nennt sich jüdisch, begrüßt sich jüdisch und kommandiert sich i'üdisch. Das ist eine neue Assimilationsbewegung gegenüber der Jmwelt von heute, und wenn man nachforscht,'findet man dahinter ein Minimum von jüdischem Wissen. Aber es gebe noch eine andere Seite unseres Judcnschicksals, das sei das Gemeinschaftsgefühl, wie es aus dem Zionismus spreche. Der Redner glaubt, daß die jüdische Volksgemeinschaft die Voraussetzung der religiösen Erneuerung seL In der Diskussion meinte Justizrat Appel, daß die Jugend bis zu 14 Jahren doch noch religiös sehr zugänglich sei. Nötig sei, daß es auch jüngere Lehrer für die liberale Jugend gebe. , Erich Sonnemann, der für die deutsch-Jüdische Jugend sprach, betonte, daß er und seine Jugend das Religiöse nicht im Volkstum sehen, sondern daß wir versuchen, im Religiösen etwas zu finden, was uns unser Leben hier ertragen läßt. Im Rahmen der hiesigen Liederkranz -Konzerte bot das Orchester des Kulturbundes Rhein—Main unter Hans Wilhelm Steinberg einen Beethoven-Abend, dessen Gipfel die Vierte Sinfonie war. Stürmischen Beifall erntete auch die Solistin Lene Hesse-Sinzheimer (Mannheim), die Beethovens Violinkonzert mit respektabler Technik und besonders schön im Ton im Larghetto spielte . ~ —nn. Bielefeld. In der hiesigen Ortsgruppe der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum sprach Rechtsanwalt Heinrich Stern- Berlin über das Thema: „Vom Wiederaufbau des deutschen Judentums". -Der Vortragende charakterisierte das deutsche Judentum als geschichtlich begründete Realität und folgerte daraus die Pflicht zur Erhaltung des deutschen Judentums; Der Wiederaufbau hat zunächst in materieller Hinsicht zu erfolgen. Die deutsche Judenhcit hat sich der jäh hereinbrechenden Not gewachsen gezeigt. Es hat große und umfassende Maßnahmen zur Hilfeleistung getroffen, an der alle Richtungen beteiligt sind. Darüber hinaus lallt unserer Generation die Pflicht zum inneren Wiederaufbau zu. Hier habe die religiös-liberale Bewegung eine besondere Aufgabe zu erfüllen, indem sie die hohen ideellen Werte des Judentums in voller Reinheit in den Vordergrund rücke und zur Entfaltung bringe. Bei aller Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung dürfe die sportliche Betätigung nicht als der einzige Weg zur Erneuerung gelten — im Sinne von Secharjas Prophetenwort: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth.** Der Vortrag, der in. der Synagoge stattfand, machte auf die Zuhörer tiefen Eindruck. Breslau. Das zweite Abonnementskonzert des hiesigen J Ü d i - schen Musikvereins bereitete sowohl den Freunden der Vokalals auch der Instrumentalmusik künstlerischen Genuß. Die Breslauer Sängerin Hertha Glückmann bewies erneut, daß sie eine Künstlerin von hoher Kultur ist. Sie ist nun schon zum zweiten Mal nach London verpflichtet worden, wo sie im Rahmen eines Radiokonzertes, veranstaltet vom deutschen Klub, singen wird. Mit dem Liederzyklus „Frauen, Liebe und Leben" von Schumann sowie ihren mit großer Virtuosität vorgetragenen englischen, amerikanischen und italienischen Volksliedern erntete die Künstlerin großen Applaus. Der zweite große Könner des Abends war der Pianist Bruno Eisner. Das denkbar Höchste des Tones erreichte er in Chopins Nocturne Des-Dur. Auch die selten aufgeführte F-Dur-Sonate von Mozart sowie die 32 Variationen C-Moll von Beethoven zeigten, daß der Künstler sowohl stärkster Temperamentscntladungen als auch feinster Stimmungswiedergabe fähig ist. — Im überfüllten Saal der Leasing-Loge fand ein Elternabend des Neuen Jüdischen Schulvereins statt, den Rechtsanwalt Spitz als Vorsitzender mit warmen Worten eröffnete. Studienrat i. R. Schiffer berichtete über den inneren Ausbau des Schul- Wenn in einem der vielen Lichtspieltheater der Istiklnl ein spanischer Tonfilm läuft, kann man sicher sein, einem Großteil der spaniolischc» Bewohner und PuMtuntcn Perus bei der Erstaufführung zu begegnen. Dann mag sich ein Sprachforscher otler Historiker hunderte von Jahren-- zurück verhetzt wAhncn. In eine Zeit, du man dieselben 1-autc, die er hier vernimmt, tai fernsten Westen der damals bekannten Welt gesprochen. Da lic .voa den Vorfahren derer gesprochen wurden, die jetzt um ihn sitzen. Von ihren Ahnen, die futtt in demselben Augenblick gezwungen wurden, ihre Wanderung in die Diaspora rund um das Mitlehneer anzutreten, da" die ersten Worte spanischer Zunge jenseits des-Atlantiks erklungen: So seltsam sind die Wege des bchickdals und die Launen der Geschichte . . . ■• ■ Wandern, wandern . . . Vom Galataturm, dem Wahrzeichen IVran, vermag man an klaren Tagen fast den gunzcu weiten Raum zu; überblicken, der zwischen dem Sehwarzen Meer und der Murmarasee liegt. Alle Sprüchen; Rassen und Religionen haben hier ihre Spuren zurückgelassen, und noch immer wallt es, Abbild der Welthistoric im Kleinen, auf der Perastraße auf und ab und spricht in allen Zungen des Erdkreises. Mitten'in diesem Völkerbabel auch die Juden, die mit allen anderen Gäste sind auf dieser Well. Da glaubt man, daß sich die Perastraße plötzlich zu weiten beginnt und ins Grenzenlose wäelist, Landstruße der Menschheit. Werkes, das trotz seiner kurzen Bcstcluuigszeit einen nicht geahnten .Aufschwung genommen hat. Die Schüler sollen mit der. deutschen el>caso wje mit der jüdischen Kultur vertraut gemacht werden. Erstaunlich gut und harmonisch wirkten die Vorführungen der Kleinen und Kleinsten, die in gymnastischen und gesanglichen Darbietungen zeigten, duß hier 111 kurzer Zeit wertvolle ErziehungMirbeit geleistet worden ist. R. T. Dortmund. Die Vereinigung für das religiös-' liberale Judentum, Ortsgruppe Dortmund, versammelte ihre Mitglieder zu einer zweiten Wintcrversammhuig, bei der Rechtsanwalt Sondheim einen interessanten Vortrag über „Religion" hielt. Darnueh gab der Vorsitzende der hiesigen Vereinigung, Rabbiner Dr. Appel, programmatische Erklärungen *ur Vercinsarbeit. Religiöses Judentum müsse heute mehr denn je Zentralpunkt des geistigen l<ebcns sein. Die_ Vereinigung sei die einzige Gruppe, tlie aiissch ließ Hell für religiöse Ideale auf moderner, unpolitischer Grundlage wirke und damit ein religiöses Gegcnwartsjudentum vertrete. Leider trete hinter den wichtige» Krügen de« jüdisch-wirtschaftlichen und jüdisch-politische» Kreises das religiösf;cisttge. Gebiet immer noch zurück. Hier müsse die religiösibcrale Vereinigung ihr notwendiges Arbeitsfeld sehen. Der Rednerstellte dium* die Tätigkeit für' die Aktivierung jüdischen Lebenau» Synagoge, Lehrhau» und Familie im einzelnen dar. » Reicher Beifall lohnte die Ausführungen beider Redner, Frankfurt a. M. Das zweite OrcHesterkoiizert im Kulturbund Rhein-Mai» bot seinen Freunden einen hohen Genuß. Der straffen Leitung Hans Willi. Steinhcrga folgte willig dos Orchester,, das er sich in kurzer Arbeitszeit Herangebildet hat. Die instrumental interessante Serenade von Darms Milhaud wurde, mit ihrer ganzen Realistik klar ausgedeutet. Joseph Haydns Konzert in D-Dur für Yiulinccllo und Orchester war ein Erfolg für den Solisten de« Abends, Prof. Felix R. Mendelssohn. Sein Spiel, da» sich aus der Vielheit des Klangkörpers wie eine Summe de» Unterbewußtseins herauslöste, brachte ohne jede Artistik die warmen Melodien einfach zum Ausdruck. Hell und strahlend erklang Im zweiten Teil des Konzerts die (Italienische) Symphonie Nr. 4 A-Dur von Felix Mendelssohn-Bortholdy. Orchester, Dirigent imd SoU*f tnotico den begeisterten Dank ihre« großen'und Jhusstventl^W Publikums. I*» -H—r. Hamburg. Hier wurde das Obersee heim der Hamburff- Amerika-Linio geschlossen, " wo seit Jahrzehnten reiche soziale Arbeit. der jüdischen Menschen - Hamburgs geleistet. wurde. In besonderem Maße hat sich der Hilfsverein der deutschen Juden um die durch die Auawandererhallen nach der neuen Welt hinüber- , ziehenden Juden bemüht. — In unserer Nachbarstadt Harburg wird vom dortigen Synagogenverband sowie den gesamten jüdi- ■ sehen Organisationen eine Vortragswocho „Das jüdischlo Buch" vorbereitet. Neben Vorträgen wird sich in dieser Woche eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Buch der Bücher, der Bibel, beschäftigen. Eine Chanukkafcicr sowie ein Konzert werden den Abschluß der Woche „Das jüdische Buch" bilden. — Von Harburg aus müht sich Herr Prediger Gordon Mark um die noch kleineren Gemeinden im Gebiet Nordhannover. Kürzlich hielt auf seine Anregung Senta Meyer (Hamburg) bei den Frauen der - Gemeinde einen Vortrog über „Jüdische >rauenpflichten". Den . Kindern las Senta Meyer vorher „Jüdische Märchen und legenden", die mit großem Beifall aufgenommen wurden. Ein solcher Kinder-? nachraittag wurde auch in Harburg veranstaltet. —raey. 4ottcatötnltr - in den Berliner Synagogen mit neuem Ritus Freitag, 7. Dezember. Neue Synagoge (Prinz), Lindcndenstraße, Friedenstempel (Warschauer): 3.45 Uhr. Lützowstrsße: 6' Uhr. Fasanenstraße: 6.30 Uhr (Salomonski). Levetzowstraßc und Schmargendorf: 7 Uhr (Klicrafeld). Prinzregentemtrofle: 7.15 Uhr (Wiener). -» Gottesdienst für die Jugend: Fasanerutraßei 3,45 Uhr. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162:. 6 Uhr (Zunet). Liberale Synagoge Osten, Kaiscrstraße 30:. 7.30 Uhr (Goelz). Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176: 7.30 Uhr (van der. Zyl). Liberale Synagoge Westend, Kaiserdamm 78: 6.3Ö Uhr (Zucker). Liberale Synagoge Wedding- -Keinickendorf, Exerzierstraße 13: 7.30 Uhr (Plaut). Jüdische Religionsgemeinde Charlotlenburg, Schulalraße 7: 3.45 Uhr; (Don- . nerstag, 6. Dezember, nachmittags 5 Uhr, Chanukka-Feier; Hamburger). Jüdische Reformgemeinde, Joachimsthaler Straße 13: 6.30 Uhr; Chanukka-Cottesdienat (Gottschalk). — Sonnabend, 7. Dezember: Hauptgottesdienst: 10 Uhr. .Frühgottesdienst Lindenstraße, Levetzowstraße, Prinzregenten- - straOe: 7 Uhr 30. Predigten: LindenstraBe (Singer), Lutzowstraße (Lewkowitz), Levetzowstraßc (van der Zyl). Liberale Synagoge Norden (Plaut). Liberale Synagoge Osten (Goetx). Jüdische Heligionsgemeinde Charlottenburg: 9.30 Uhr. Sonntag, 9. Dezember: Jüdische Reförmgemeindc, Johannisstraße 16: 10 Uhr 30, Chanukka-Fcstgottesdienst (Koppel). Kunfthandwerk im Kulturbund Wohlweislich hat der Kulturbund seine Kunsthandwerk-Ausstellung auf die. Zeit vor Chanukka gelegt, die Tage des Schenkens. Was geboten wird,, ist in künstlerischer und geschmacklicher Hinsicht auf einem .anstandigen Niveau, zum Teil auch weit darüber. . Da gibt es für die Kleinen die ulkigen Wachstuchtiere von Gerda Landsberg und die geschickt gemachten Stoffpuppen von Edith Samuel. Den Großen ist ein weiter Spielraum gelassen. Zu den Chanukkaleuchtern, die, in vorbildlich einfachen Linien aus Metall gehämmert, unter den begabten Händen von Ulli Jacohius entstanden sind, gesellen sich die in besonders geglückter Form in Keramik gearbeiteten der Frau Rosenberg-Nonnenmacher. Haridgehlmmerte Metallschalen, ziselierte Metallkasten, kunstvoll gefaßte Armbinder, Arbeiten von Rose Leon, heben sich noch aus der Falle der Aussteller auf diesem Gebiet hervor. Auch,die Syn-